Schlüsselerlebnisse immer wieder freitags

Lüneburg, 15. März 2019

Da klagen Lokal- wie Profi-Politiker seit Jahren in Dauerschleife, die Jugend sei viel zu unpolitisch, sei nur mit dem Smartphone, mit Chats und Social-Media, ja mit Nichtigkeiten beschäftigt. Kann aber auch sein, dass sie sich nur nicht für die immer gleiche Macht-Ränkespiele interessieren.

Nun haben sie die Nase von den Nebensächlichkeiten der Profis voll, die gerade ihre Zukunft verbauen. Schüler gehen fürs Klima auf die Straße, immer wieder freitags. Auf dem Lüneburger Marktplatz waren es jetzt mehr als Tausend.

Demo Fridays for Future auf dem Lüneburger Marktplatz

Demo Fridays for Future auf dem Lüneburger Marktplatz

Manche Profis, die gestern noch über die Politikverdrossenheit der Jugend lamentiert haben, echauffieren sich heute via Fernseh-Debatten über Proteste zur Schulzeit, andere Berufspessimisten winken ab: „Alles nur Strohfeuer.“ Ehrlich gesagt, ich bin kein Schüler, aber die Bilanz der Profis in den letzten Jahren….,das lassen wir lieber.

Es gibt im Zusammenhang mit den Schüler-Demos eigentlich nur Gutes zu berichten: Neben der Tatsache, dass die Proteste vielleicht auch altgediente Politiker zum Umdenken bewegen oder zwingen, hat „Fridays for Future“ noch eine ganz wichtige Nebenwirkung – auch in Lüneburg. Für manchen Schüler wird der Protest das Schlüsselerlebnis, sich dauerhaft in der Politik zu engagieren, um die Zukunft mitzugestalten.

Und vielleicht sollten sich manche Profis daran erinnern, wie sie einst in die Politik gekommen sind. Der Lüneburger Oberbürgermeister ist dafür das Paradebeispiel. Der hatte sich vor langer, langer Zeit in einer BI, hieß damals nur noch nicht so, gegen die legendäre „Rasenheizung“ des Fernwärme-Anbieters FINA in Kaltenmoor zur Wehr gesetzt und saß wenig später im Lüneburger Rat. Die Fernwärme-Rohre waren so schlecht isoliert, dass im Winter auf dem Rasen der Schnee schmolz, dafür waren die Rechnungen der Mieter hoch. Und er hat in Sachen Rasenheizung etwas zum Guten bewegt. Das gilt für den ehemaligen grünen Bürgermeister Andreas Meihsies mit den Protesten gegen das Chemiewerk in Embsen ähnlich, das ziemlich zu Lasten der Umwelt produzierte.

Die Teilnahme bei Fridays for Future und das Unterricht-Schwänzen sind keine Entschuldigung für schlechte Leistungen in der Schule, aber eine Chance für die Politik.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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15 Antworten zu Schlüsselerlebnisse immer wieder freitags

  1. Martin Lampe schreibt:

    Melbeck kann aufatmen:

    In einem langen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von heute kommt der Arzt und Medizinwissenschaftler Peter Sawicki zu der frohen Botschaft: Wo der Dauerdurchgangsverkehr den vorzeitigen Tod vieler Menschen verursache, lasse sich nicht eindeutig bestimmen, ob dies vorwiegend durch Dieselmotoren oder nicht vorwiegend durch Dieselmotoren geschieht. Hier ein Ausriss zweier zentraler Absätze:

    Es reiche, schreibt Sawicki, „nicht, die Sterblichkeit von Menschen zu vergleichen, die unterschiedlichen NO2-Konzentrationen ausgesetzt sind. Denn vielleicht kommen diese Unterschiede gar nicht von NO2, sondern daher, dass Menschen, die an stark befahrenen Straßen wohnen, auch mehr rauchen, weniger auf ihre Gesundheit achten, mehr Feinstaub einatmen, mehr Straßenlärm ausgesetzt sind – oder dass sie ohnehin schon kränker waren, bevor sie in eine solche Straße gezogen sind, und deshalb früher sterben. In epidemiologischen Zusammenhangs-Studien kann man Störfaktoren aber nie vollständig berücksichtigen, schon allein deswegen nicht, weil man nicht all diese Faktoren kennt beziehungsweise messen kann.

    Ich habe für einen spezifischen Zusammenhang zwischen NO2-Luftkonzentrationen und dem Sterbe- und Erkrankungsrisiko bei einer systematischen Datenbanksuche insgesamt 14 Studien gefunden. Davon beschreiben sechs das Vorliegen eines solchen Zusammenhangs, drei zeigen, dass ein solcher unabhängiger Zusammenhang nicht besteht, und fünf kommen zu keinem klaren Ergebnis. Keine der Studien, die einen Zusammenhang zwischen NO2 und Sterblichkeit beschrieben haben, berücksichtigte und korrigierte alle wesentlichen Faktoren, die mit dem Wohnen an stark befahrenen Straßen verbunden sind und Einfluss auf die Sterblichkeit haben. Aus den vorliegenden Zusammenhangs-Studien lässt sich also weder die Schädlichkeit noch die Unschädlichkeit von Stickstoffdioxid in der Atemluft wissenschaftlich klar belegen. Das heißt, wir wissen nicht, ob die Sterblichkeit von Menschen an stark befahrenen Straßen sinkt, wenn wir alle Diesel verboten haben und stattdessen Benziner durch die Straßen fahren.“

    Quelle: FAZ, 13. April 2019

    Online: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/gastbeitrag-von-peter-sawick-dieselfahrverbote-sind-sinnlos-16139641.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

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    • e2hae schreibt:

      Und die Erde ist eine Scheibe. An Stickoxiden kann man ab einer gewissen Konzentration ersticken. Ein völlig harmloser Stoff also? Es gibt immer wieder Studien, die von der Industrie finanziert werden, um irgendetwas weiß zu waschen. Ein Wunder, dass keine Studie diesen Luftschadstoff als Lebenselixier einstuft.
      Mit der Argumentation „Störfaktoren“ gibt es überhaupt keine schädlichen Substanzen, weil die „Störfaktoren“ ja immer vorliegen können. Also harte Drogen legalisieren, weil die Toten vielleicht nur von „Störfaktoren“ gestorben sind? Medikamente brauchen wir nicht, weil wir wohl nur „Störfaktoren“ abstellen müssen?
      Das wäre von der Argumentation her konsequent – aber genauso unsinnig, wie dieser Kommentar in der FAZ. Von den fast 4000 Lungenärzten in Deutschland sehen das bis auf eine Handvoll Schönbeter alle anders.

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  2. Christian Schweigstill schreibt:

    „Es sind die ewigen In-die-Suppe-Spucker, die notorischen Luft-Rauslasser———„dies und der lange Rest des gestrichenen Kommentars sind einfach geklaut, Wort für Wort, und zwar in der faz, genau hier

    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fridays-for-future-kritik-an-schuelerprotesten-kommentar-16097754.html

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  3. Justin Zimmer schreibt:

    Hallo Herr Jenckel, hallo Herr Bruns,

    warum wollen Sie eigentlich den Schulkindern überlassen, die Welt zur Umkehr aufzurufen? Man kann motivational doch auch als Rentner noch von solchen Aufbrüchen und Schlüsselerlebnissen profitieren und seinen dritten Frühling in der Kommunalpolitik erleben! Frau John, Herr Kiesel und Herr Salewski haben Ihnen das vorgemacht. Falls Ihnen Ihre knapp bemessene freie Zeit aber dennoch nur gestattet über die künstlerische Schiene zu kommen und mit gelegentlichen Gigs ins Zeitgeschehen einzugreifen, auch dafür gibt es mitreißende Muster popkulturellen Polit-Engagements:

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  4. Bernhard Wittvogel schreibt:

    Die Profis sind da

    „Die Anliegen der Schüler sind berechtigt“

    Auch Max-Planck-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler solidarisieren sich mit den Fridays4Future-Protesten – Siehe: https://www.mpg.de/12827465/scientists-for-future?c=2191

    Am Dienstag präsentierte sich die neu gegründete Gruppierung „Scientists for Future“ gemeinsam mit FFF-Vertretern bei der Bundespressekonferenz, am Freitag übergaben sie ihnen bei der Demonstration in Berlin ihre Stellungnahme, die innerhalb weniger Tage von 23.000 Wissenschaftlern unterschrieben wurde. Darin fordern sie die Regierung auf, die Anstrengungen zum Klimaschutz zu steigern und die Forderungen der Schüler zu unterstützen. Siehe: https://www.scientists4future.org/stellungnahme/

    Die Forscher nehmen die Proteste der Schüler ernst, anders als die Politiker, an die sich FFF in erster Linie richtet. Denn Umweltministerin Svenja Schulze z. B. nennt „Fridays for Future“ zwar einen Weckruf zur rechten Zeit, und ihr Ministerium bestätigt auf Anfrage, dass die Sorge der Schüler um das Klima ihre Berechtigung hat. Gleichzeitig verteidigt sie aber den Kohlekompromiss.
    Und Bernd Althusmann warnte in seiner Pressemeldung vom 19. Januar vor einem Übermaß an Bevormundung: „Das Beispiel der Abgas-Grenzwerte zeigt, dass manche Vorgaben aus Brüssel durchaus zu hinterfragen sind. Die Feinstaub-Produktion von drei Zigaretten ist zehnmal so hoch wie jene, die am Auspuff eines alten Euro-3 Diesel eine halbe Stunde lang gemessen wurde“, so Althusmann* (der damit den Fehlrechnungen** eines Dr. Köhler aufsaß und sie leichtfertig politisch instrumentalisierte).
    *Siehe: https://cdu-niedersachsen.de/althusmann-ein-ehrliches-herzliches-und-lautes-ja-zu-europa/
    **Siehe: http://www.taz.de/!5572843/

    Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Dr. Peter-André Alt, hat das individuelle Engagement für die Wissenschaftler-Initiative „Scientists for Future“ begrüßt. „Initiativen wie Scientists for Future können durchaus zur Stärkung der Wissenschaft, ihrer Positionen und überparteilichen Arbeitsweisen beitragen“, sagte Alt auf Anfrage von Forschung & Lehre.
    Siehe: https://www.forschung-und-lehre.de/politik/hrk-praesident-einzelne-koennen-haltung-zeigen-1604/

    Siehe auch: https://www.ndr.de/kultur/Claudia-Kemfert-ueber-Appell-Scientists-for-Future,journal1696.html

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    • e2ha schreibt:

      Werter Herr Wittfogel,
      Sie präsentieren da wichtige Informationen zur Umweltpolitik.
      Was erwarten sie von jemandem, der es schon bei seiner Doktorarbeit mit der Wissenschaftlichkeit nicht so ganz genau nahm? Selbst wenn er nicht eine krasse Falschrechnung nachgeplappert hätte, hätte Herr Althusmann alle zu Rauchern gemacht. Denn für Nichtraucher, ist es völlig schnuppe, wieviel gefährlicher irgendetwas im vergleich zum Rauchen ist. Das Rauchen ist eine freie Entscheidung jedes Einzelnen. Wir haben aber nicht die Wahl, auf den Abgasmief von über 43 Millionen PKWs und weiteren 3 Millionen Nutzfahrzeugen (LKW u.a.) + x Millionen ausländische Fahrzeuge, die durch Deutschland fahren zu verzichten. Den Mief muß ich auch als Nichtraucher ertragen.
      Wer – wie die FAZ – Störnebel verbreitet, stellt mit seiner Argumentationsstrategie unser gesamtes Gesundheitssystem in Frage. Wer nur halb so beckmesserisch die Wirksamkeitsstudien von Medikamenten unter die Lupe nimmt, kann die Wirksamkeit sämtlicher über 40.000 Medikamente auf dem deutschen Markt in Frage stellen. Es könnte ja auch sein, dass eine Gesundung ganz andere Ursachen hat, als die Medikamenteneinnahme…
      Und dann gibt es noch Studien, deren Auftraggeber ein Ergebnis in ihrem Sinne bestellen … und Wissenschaftler, die gegen gutes Geld gerne diese Ergebnisse liefern. Nicht jeder kann der Verlockung eines finanziell traumhaft gut ausgestatteten Forschungsprojekts widerstehen. In der Stickoxiddebatte waren ja ein paar Lobbyisten der Autoindustrie als angebliche medizinische Fachleute aufgetreten.
      Da ist es sehr erfreulich, dass so viele Jugendliche nicht mehr einfach zusehen, sondern den Mund aufmachen. Sie haben den Schlamassel schließlich auch noch dann auszubaden, wenn Politiker wie Herr Althusmann schon nicht mehr unter den Lebenden weilen.
      Selbst in den USA denkt man ernsthaft über Alternativen nach:
      https://www.nationalgeographic.com/magazine/2019/04/see-sustainable-future-city-designed-for-people-and-nature/

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  5. Linda Christinner schreibt:

    Ich bin für Realitätssinn. Junge Leute sind noch nicht so weit, um bei komplizierten Fragen der Welt mitzureden. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Ihnen fehlt einfach noch die Erfahrung und das Wissen, komplizierte globale Dinge zu verstehen. Das ist eine Sache für Profis. Und die freien Kräfte des Marktes. Statt zu demonstrieren und Stunden zu verpassen, sollten die Schüler lieber in den Unterricht gehen und sich über physikalische und naturwissenschaftliche sowie technische und wirtschaftliche Zusammenhänge informieren.

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    • Andreas Janowitz schreibt:

      “ Und die freien Kräfte des Marktes.“
      Ach hören sie doch damit auf. Die „freien Kräfte“ haben die Steuergesetzgebung infiltriert und kriminelle Netzwerke bedienen sich daran! Denen haben wir ein ums andere mal Räubereien zu verdanken, da gibt es keinen Kotzkübel, der gross genug wäre!

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      • Dagmar Hansen schreibt:

        Richtig, Herr Janowitz! Aber, was sagen Sie nun? Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Schülerstreiks für mehr Klimaschutz kritisiert! „Es bleibt die Tatsache, dass sie dafür die Schule schwänzen“, sagte Kramp-Karrenbauer beim politischen Aschermittwoch im nordhessischen Volkmarsen. Wären ihre Kinder im Alter, um an den Protesten teilzunehmen, würde sie ihnen keine Entschuldigung für die Fehltage schreiben. Wer die Schule schwänze, um zu demonstrieren, müsse auch den verpassten Unterrichtsstoff selbst nachholen. Wie halten Sie’s bei sich zuhause?

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      • Andreas Janowitz schreibt:

        Richtig Frau Hansen,
        A-K-K zimmert eifrig an einem stocksteifen Erzkonservismus, damit Schwarz-Gelb wieder für wirtschaftsnah und konservativ steht. Und auch wenn ich einmal Guido Westerwelle meine Zweitstimme gab, beeindruckt mich derzeit keine Partei dieses Spektrums mit ihren Äusserungen zu den Protesten der Jugendlichen. Ich würde mit auf die Demo gehen, denn diese Generation wird die erste sein, die unter dem Klimawandel wirklich zu leiden hat. Grosse Einschnitte stehen uns allen bevor. Ich hoffe nicht das diejenigen Recht behalten, die bisherige Modelle für untertrieben und stark fehlerbehaftet ansehen. Allerdings geben neueste Untersuchungen in der Antarktis Grund zu genau dieser Annahme. Der Meeresspiegelanstieg wird schneller kommen und stärker ausfallen als bisher gedacht. Wer da den Kopf lieber in den Sand steckt, den wird die Geschichte verlachen, sehr bald wie`s aussieht- falls es nach einem Meter Anstieg überhaupt noch eine Geschichte gibt…

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    • e2ha schreibt:

      Offensichtlich sind die jungen Leute weiter, als die Masse unserer Politiker. Auch wenn man es nicht erwarten kann, sind viele Jugendliche durchaus in der Lage, globale Zusammenhänge zu begreifen. Die, die heute entscheiden, sind offensichtlich keine Profis. Ob es „das technisch Sinnvolle und ökonomisch Machbare“ ist, dabei zuzusehen, dass in absehbarer Zeit Holland absäuft und dann der Hafen Rotterdam Vergangenheit, wage ich zu bezweifeln. Genau das macht unsere Politik. Was die „Freien Kräfte des Marktes“ so anrichten, kann man in Indonesien (u.a. Borneo – mehr als soppelt so groß wie Deutschland – in 40 Jahren fast vollständig entwaldet), im Amazonasurwald, der immer weniger ein Urwald ist und, und, und „bestaunen“.

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  6. Ricki schreibt:

    Umdenken ist immer eine feine Sache! Aber „Schulschwänzen wird durch keine noch so gute Absicht legitimiert“, warnt ein ehemaliger niedersächsischer Kultusminister. Es sei völlig in Ordnung, für besseren Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Und es sei „großartig“, wenn das aus eigenem Antrieb [und nicht etwa von Erich Honecker ferngesteuert] gerade Kinder und Jugendliche tun, welche die Folgen des Klimawandels noch viel härter treffen würden als uns Erwachsene. Aber warum das Weltretten Freitag nach eins nicht möglich sein solle, warum angesichts des massiven Unterrichtsausfalls in Lüneburg nun auch noch reguläre Schulstunden gekippt würden, das habe uns selbst Friedrich von Mansberg noch nicht schlüssig erklärt.

    Derweil hat eine Bäckerei aus Gütersloh den Mann einer Astronautin zum „Spitzenvater des Jahres“ gekürt, weil er Elternzeit genommen hat und sich um die drei Kinder kümmert; nur deshalb kann seine Frau im nächsten Jahr zur internationalen Raumstation ISS fliegen. Die Jury schreibt dazu in ihrer Begründung: „Das ist einfach eine herausragende Leistung – wer hätte gedacht, dass sich ein Mann um seine Kinder kümmert.“ Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert, außerdem bekommt der Spitzenvater einen Bordellgutschein und darf nun lebenslang auf Frauenparkplätzen parken. Auf dem zweiten Platz landete unterdessen ein selbstloser Vater, der im vergangenen Jahr mehrfach das Geschirr abgespült hat und so seine Frau im Haushalt erheblich entlastet hat. Und auf Rang drei schaffte es ein vorbildlicher Vater, der im vergangenen Jahr seine Frau weder geschlagen noch ermordet hat. „Die Bundesrepublik sollte über ein Denkmal für derlei Persönlichkeiten nachdenken“, teilte die Jury mit.

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    • Antonia Baum schreibt:

      Ja, wirklich! Krasse Sache das.

      Die Großbäckerei Mestemacher aus Gütersloh verleiht seit 2006 den Preis des „Spitzenvaters des Jahres“, um Männeremanzipation zu fördern, Schirmherrin ist die Familienministerin Franziska Giffey. Dieses Jahr ging die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung an Daniel Eich, den Mann von – Triggerwarnung Doppelname – Dr. Insa Thiele-Eich, und zwar weil er sich bisher gleichberechtigt um die gemeinsamen Kinder gekümmert hat und nun ein Jahr Elternzeit nimmt, während sich seine Frau darauf vorbereitet, als erste deutsche Astronautin zur Internationalen Raumstation ISS zu fliegen. Der „diesjährige Sieger des Gleichstellungspreises“ werde, so die Begründung, den „Löwenanteil der Haushalts- und Erziehungstätigkeiten“ übernehmen, während seine Frau in einer „beruflichen Männerdomäne“ zu Erfolg kommen könne.

      Spontane Reaktion natürlich sofort: Okay, dann müsste man aber all jenen Frauen, die regelmäßig und vollkommen selbstverständlich ein Jahr Elternzeit nehmen, um dann in Teilzeit zu arbeiten und weniger zu verdienen und irgendwann eine lächerliche Rente zu beziehen – dann müsste man all jenen Frauen aber auch einen Preis verleihen. Dafür, dass sie die Karrieren ihrer Männer und den Fortbestand der deutschen Nation ermöglichen.

      Ist aber aus bekannten Gründen natürlich keine gute Idee, so ein Preis für Mütter. Wobei der in Deutschland lange und speziell von den Nazis gepflegte Mutter-Mythos, der diesem Preise-für-Mütter-Ansatz zugrunde liegt, ja wesentlich und bis heute dafür verantwortlich ist, dass es komisch gefunden wird, wenn eine Frau im Weltall abhängt, aber nicht mit ihren Kindern, wie sich das gehört. Die Tatsache, dass ein Vater, der sich dafür entscheidet, das zu tun, was Frauen zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Nachteil immer getan haben, und dafür als – du lieber Himmel – „Sieger“ beziehungsweise „Spitzenvater“ ausgezeichnet wird, ist gewissermaßen nur die Kehrseite dieser Mythos-Medaille. Und so ist die Begründung für die Verleihung des Väter-Preises zwar zum Totlachen, wenn man bedenkt, dass hier ein Mann einen Preis plus 5000 Euro dafür bekommt, dass er seiner Frau „den Rücken freihält“.

      Aber es ist eben auch so, dass in der sogenannten Wirklichkeit nur ein Drittel der Väter Elternzeit nehmen und die meisten nicht länger als zwei Monate (und viele von ihnen glauben, schon dafür einen Preis verdient zu haben). Vielleicht ist also nicht so sehr der Preis, sondern das Problem das Problem.

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  7. Klaus Bruns schreibt:

    man kann der jugend nur viel erfolg wünschen. die alten beweisen doch gerade, dass sie es nicht können. früher, wenn von der gelben gefahr gesprochen wurde, wurden meistens die chinesen , oder die fdp gemeint, heute sind es die gelben säcke , die dank den alten ,,säcken,, frei herumfliegen können. ob die gelben westen auch in die gelben säcke, oder in die gelbe tonne gehören? mogelpackungen sind in der wirtschaft und in der politik sehr beliebt. lobbyisten werden es schwer haben, diese jugend zu manipu(o)lieren. das leben ist der beste schulmeister, nicht der unterricht, wo einer redet und alles schläft.

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    • Berni schreibt:

      Naja, Herr Bruns, mit seiner mühsam aus illegalem Schulboykott gewonnenen Freizeit kann man weiß Gott auch Sinnvolleres anstellen, als auf staubigen Marktplätzen herumzubölken und unbescholtenen Shoppern und Schäppchenforschern die feine Luft wegzuatmen:

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