IT-Visionär Börries im Podcast „2120“: Die nächsten zehn Jahre werden für Deutschland unbequem

Marco Börries. Foto: web-netz

Lüneburg, 22. September 2019

Ein eigenes Auto steuern spätestens in zwanzig Jahren nur noch Oldtimer-Liebhaber, der Rest verzichtet – zu teuer. Der Rest leiht Gefährte aller Art über Apps, die Verkehrsmittel von der Bahn über autonome Autos bis zum E-Scooter anbieten, um von A nach B zu kommen. Das ist einfach billiger. So sieht die Vision von IT-Star und Ex-Lüneburger Marco Börries im neuen Podcast „2120“ auf Blog.jj aus.

Schon in zwanzig Jahren? „Da bin ich mir hundertprozentig sicher. Die stellen unsere Städte voll, 60 Prozent der Autos stehen den ganzen Tag. Stellen wir uns mal Hamburg, Lüneburg oder New York vor mit 60 Prozent weniger Autos.“ Würde die Vision von Börse Wirklichkeit, es wäre ein Befreiungsschlag für Städte wie Lüneburg, die im Verkehr ersticken.

Börries war jetzt in seiner Heimatstadt Lüneburg zu einer Digital-Konferenz im Libeskind-Bau zu Gast. Er startete seine Weltkarriere wie Steve Jobs mit 16 in einer Garage, nur eben in der Salzstadt. Das ist mittlerweile 35 Jahre her. Seither hat er lange in Kalifornien gelebt, im Herzen der Internet-Szene, hat Startups an den Markt gebracht, viel verdient, immer was riskiert und viel Erfahrung gesammelt.

Der Weltbürger Börries sagt: Die nächsten zehn Jahre werden für die Deutschen unbequemer als die letzten vierzig, weil sich die Welt schneller verändert und digitalisiert, als viele es glauben und wünschen, weil der Deutsche Veränderungen nicht schätzt. „Solche Prozesse sind unbequem.“

Zweitens: Die autoverliebte Welt nimmt Abschied vom eigenen Pkw, die Menschen teilen, weil es günstiger ist. Börries hat noch einen elf Jahre alten Wagen, der steht viel rum. „Ich glaube nicht, dass ich mir noch einen neuen kaufe.“ Er lebt schon vor, was er prophezeit aus der Sharing Economy.

Drittens: Vielen flößt die wachsende Macht der großen digitalen Player wie Google, Amazon oder Facebook Angst ein. Da bleibt der Berufsoptimisten Börries entspannt, allerdings nur, wenn Staaten und vor allem Staatengemeinschaften wie die EU regulierend in das Machtgefüge der wachsenden Plattformen eingreifen. Das gilt auch und gerade für den Sektor Künstliche Intelligenz: „Wie viel KI verpflanzen wird in den Menschen?“

Und viertens: Der Kapitalismus hat sich erschöpft, das Internet aber steht erst am Anfang. Das Gespräch mit Börries gibt’s hier im Podcast.

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Journalist, Dipl.-Kaufmann
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41 Antworten zu IT-Visionär Börries im Podcast „2120“: Die nächsten zehn Jahre werden für Deutschland unbequem

  1. Ralf Lankau schreibt:

    Es wird Zeit, darüber Auskunft zu geben, dass die Digitalisierung von Schulen und Hochschulen nachweislich weder zu mehr Bildungsgerechtigkeit führt, wie aus der OECD-Studie zu Resilienz von 2018 hervorgeht, noch beim Lehren und Lernen hilft, wie die Hattie-Studie von 2018 belegt, sondern das Geschäftsfeld der Global Education Industries bedient. Das fordert von der Bildungspolitik den Mut, sich aus dem dichten Netzwerk aus IT- und Wirtschaftsverbänden, Stiftungen und Vereinen zu befreien, denen es im eigenen Interesse gelungen ist, das Dogma der Digitalisierung zu verankern. Die Politik muss die Universitäten und Schulen wieder auf die Ziele von Studenten und Schülern ausrichten.
    Quelle
    https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/digitalisierung-der-bildungsferne-campus-16411188.html

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  2. Make love, not war schreibt:

    Wandel durch Annäherung:

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  3. Andreas Janowitz schreibt:

    Es kommt mir eine bestimmte Grundvorrassetzung ein wenig zu kurz: die sog. K.I. ist nichts weiter als eine aufgebohrte Suchmaschiene? Selbst die Go-Spielende Variante? Nur die Geschwindigkeit enorme Datensätze zu bewältigen befähigt Sie nicht zu eigenständigem Denken? Sie schafft die Illusion bisher „unbekannte Muster“ erkennen zu können. Menschen sind jedoch sehr gut darin willkürlich Muster zu konstruieren, z.B. :
    https://www.heise.de/tp/features/Keine-Biodeutschen-und-keine-Rassen-weit-und-breit-4536084.html

    Wie Herr Schrader anführt sind es die Daten über Jederman, die derzeitig das echte Problem erzeugen. Denn es ist ja nicht Alpha-Go, das bestimmt ob diese oder jene Neigung auf Tinder einen machiavelischen Zug ermöglichte oder nicht. Ebensowenig lassen sich einmal erhobene Daten „schützen“ wie unter dem dritten von Herrn Börries angeführten Punkt erhofft. Wenn die Daten einmal erfasst und kategorisiert sind, ist es unmöglich Zugriff darauf zu beschränken. Kein System ist „sicher“, wie Snowden aufdeckte? Bei der NSA wurde (wird?) eher Ehepartenern hinterhergeschnüffelt?!
    Insofern sollte Datenvermeidung oberstes Ziel eines jeden mündigen Bürgers sein?

    Auch ohne diese aufgebohrte Variante gibt es jetzt schon die soziale Regulierung durch Metadaten? Oder was anderes ist der private SCHUFA Dienst?

    Daher gilt für mich angesichts der „digitalen Revolution“ eine reservierte Skepsis, da meist die Illusion von Wissen geschaffen wird, welche dann eine tatsächliche Gefahr darstellt, wie ein kürzlich verstorbener hervorhob.

    Wir wissen nicht ob „Lerngeschwindigkeit“ alleine ausreicht um eine K.I. zu schaffen, oder wie sich eine solche äussern würde. Ob wir überhaupt fähig wären eine echte K.I. zu erkennen.

    Wir wissen sehr genau, wie sehr Menschen darauf bedacht sind sich alle möglichen Vorteile zu sichern. Alles zu nutzen um willkürliche Ziele zu erreichen. Des einen Freiheitskämpfer ist des anderen Terrorist- die sog. Debatten in vielen Foren demonstrieren dies im kleinen. Die hochverräterischen Aktivitäten der Cambridge Analytica Strippenzieher im grösseren. Eine geheimdienstlich organisierte Propagandakampagne einer Oligarchengruppe gegen offiziell verbündete Staaten zeigt zu was Zugriff auf Metadaten befähigt (ohne einschlägige Feindbilder zu bemühen).

    Umsichtiges Handeln ist keineswegs mit „german-angst“ gleichzusetzen…

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    • Alex Plastschek schreibt:

      Die Zukunft wird noch größer, noch lösungsorientierter, noch technophiler, als wir es uns heute überhaupt vorstellen können. Noch vielleicht wollen.

      Das Unternehmen Mymuesli bietet seit Neustem ein digital auf die DNA des Verbrauchers abgestimmtes Müsli an (https://www.mymuesli.com/aktion/dna-muesli-mix-april-april). Hier ein Blick auf die weiteren personifizierten Foodtrends des Herbstes:

      • Kaugummi, das einen Abdruck der Zähne an den Arzt schickt

      • Freude/Reue/Trauer auslösende Schokolade, je nach Temperament

      • Brot, dessen Körner sich individuell und passgenau in Zahnzwischenräume einfügen

      • Sich dem Reifegrad des Konsumenten anpassende Avocados

      • Mettigel mit einem Aufdruck des eigenen Gesichts

      • Die politische Einstellung anzeigende Paprika (rot, gelb, grün)

      • Joghurt mit passendem kulturellem Angebot

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      • Andreas Janowitz schreibt:

        Ja wird sie:
        https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2019-09/quantencomputer-google-technik-fortschritt-supercomputer

        Und anders als bei unsem Glückspilz, der zufällig zur richtigen Zeit das wirtschaftlich richtige machte, dem eine damals nichtige Entscheidung den Weg zu einem anderen „Mandrax“ verbaute, werden unsere Meinungen dazu wenig beachtet.
        Letztlich ist auch seine Meinung nur eine Geschichte. Ich würde sie höher Gewichten, spräche er über die Abhängigkeit der Verwaltung von wenigen Konzernen und wie Opensource eine echte Alternative böte. Diese Uber Lobhudelei ist für mich entbehrlich. Wahrscheinlich besitzt er selber ein paar % Anteile an dieser Pseudotaxi-Klitsche, die nur wegen Umgehung der Versicherungspflicht überhaupt existieren kann.

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      • Miriam schreibt:

        Sogar im Sport ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch:

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  4. Volker Becker schreibt:

    Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2017 beim Spitzenreiter USA 17,9 Prozent (oder 3.088 Milliarden Euro), in Deutschland 11,5 Prozent (oder 376 Milliarden Euro). Aber das Geld wird in Zukunft immer weniger mit Medikamenten und radiologischen Geräten verdient werden, sondern mehr mit Software und Daten. Pharmakonzerne entdecken die Möglichkeiten von „Künstlicher Intelligenz“. Doch Internetriesen wie Google und Amazon machen ihnen auf dem Gesundheitsmarkt längst Konkurrenz. Einblicke in einen Wettbewerb um eine sehr wertvoll gewordene „Ressource“: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2019/mit-leichtem-gepaeck/kampf-um-die-patientendaten?utm_source=zeit&utm_medium=parkett

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  5. Felix schreibt:

    Hallo Herr Jenckel,

    der 2014 verstorbene Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, soll einmal gesagt haben, die Debatte über Digitalisierung sei „keine Debatte über Technologie, sondern über deren gesellschaftliche und politische Anwendung“. So zitiert ihn zumindest der Publizist Jakob Augstein, wenn er fragt, wie und von wem in der digitalen Welt eigentlich „Meinung gemacht“ wird. Augstein porträtierte vor wenigen Wochen „Die empörte Republik“. Sein Film bietet viele Anregungen, um über die Bedeutung jenes Satzes nachzudenken. Als Zuschauer können Sie diese Chance noch bis zum 12. September 2020 nutzen: https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/190914-empoerte-republik-deutschedebatten-102.html

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  6. Manfred Schrader schreibt:

    Die Digitalisierung macht uns vor allem zu Marionetten des Wirtschaftssystems.

    Digitale Informationstechnik (IT) verursacht Kurzsichtigkeit, Angst, Depression, Aufmerksamkeitsstörungen, Schlafstörungen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Haltungsschäden, Diabetes, Bluthochdruck, Sucht (Internetsucht, Spielsucht, Smartphone-Sucht, aber auch mehr Alkohol- und Tabak-Konsum) und ein erhöhtes Risikoverhalten beim Geschlechts- und Straßenverkehr: Geosocial Networking, darunter Dating-Apps mit Standortangaben, fördert Gelegenheitssex und damit auch die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten; Smartphones haben bei jüngeren Verkehrsteilnehmern den Alkohol als Unfallursache Nummer 1 abgelöst.

    Digitale Medien lenken die Aufmerksamkeit ab, schaden dem Lernen und bewirken eine geringere Bildung, wie Studien aus vielen Ländern der Welt zeigen. Unabhängige Studien, die das Gegenteil zeigen, gibt es nicht. Weiterhin gilt: Je ungebildeter ein Mensch ist, desto mehr schadet ihm digitale Informationstechnik. Daher schaden Computer an Schulen auch vor allem den schwächeren Schülern.

    Mehr dazu in:
    Manfred Spitzer: Die Smartphone-Epidemie. Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft. Klett-Cotta, Stuttgart 2018. Leseprobe: https://www.j-k-fischer-verlag.de/media/products/9783608963687.pdf

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  7. Kai schreibt:

    Die digitale Welt der Cyberkriminellen kennt keine Grenzen:

    „In einem früheren Nato-Bunker haben Ermittler ein Rechenzentrum entdeckt, von dem aus Drogen sowie Kinderpornographie vertrieben und groß angelegte Cyberangriffe vorbereitet wurden. Die Auswertung der Daten wird Jahre dauern.“ (https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/nato-bunker-ermittler-heben-illegale-geschaefte-im-darknet-aus-16405771.html)

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  8. Inge Scholze schreibt:

    „German Angst“?

    Noch eine furchteinflößende Besonderheit „der digitalen Welt“:

    Wegen rassistischer und sexistischer Aggression im Internet hat die Grünenpolitikerin Renate Künast gemeinsam mit Netzaktivistinnen und Frauenrechtlerinnen einen parteiübergreifenden Appell „gegen digitale Gewalt“ ins Leben gerufen.

    „Wir benennen die im Internet stattfindende und darüber ausgeübte Gewalt klar und deutlich als das, was sie ist“, heißt es in dem Aufruf, „statt sie als ‚Internet-Empörungskultur‘ oder ‚andere Meinungen‘ wegzuwischen. Hate Speech bedeutet letztlich eine Gefahr für die Demokratie.“

    Vgl.: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/renate-kuenast-startet-appell-gegen-digitale-gewalt-a-1288969.html

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  9. Klaus Bruns schreibt:

    Propaganda ?
    herr jenckel, propaganda wirkt. und wer ermöglicht sie? wissen die journalisten wirklich um ihre verantwortung? demnächst ist bei ihnen der wolf dran. wer sorgt gerade für diese spezies für negativ-propaganda? der angeblich so aufgeklärte mensch ist nicht aufgeklärt, sondern nur manipuliert. ich merke es, wenn ich manipuliert werde. wer noch? wer hat die zeit ,darüber nachzudenken? bei uns werden die alten ins heim gesteckt und nicht mehr nach ihren lebenserfahrungen gefragt. sie als opa sollten sich die gleichen fragen stellen, obwohl ich kein akademiker bin. ich bin aber opa.

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  10. Torsten Meyer schreibt:

    Irgendwie ist es ja nett, wenn sie sich in Unternehmen und anderen gesellschaftlich relevanten Organisationsformen damit auseinandersetzen, welchen moralischen Ansprüchen die Künstliche Intelligenz genügen soll – wie jede bahnbrechende Technologie kann auch diese sinnvoll oder schädlich eingesetzt werden.

    Und wenn infolge solcher Diskurse konkrete Standards herauskommen, auf die sich alle einigen können, umso besser. Dies kann intern Gemeinschaft stiften und außerhalb eine Marke stärken.

    Viel wichtiger als solche sicher auch anregenden Auseinandersetzungen ist gerade in Deutschland und Europa aber etwas anderes: mehr marktfähige Produkte entwickeln, die Nutzer nicht nur moralisch überzeugen, sondern für die sie auch bereit sind, Geld auszugeben. Mehr neue Geschäftsmodelle erproben. Den erfolgreichen unternehmerischen KI-Ökosystemen, die es in den Vereinigten Staaten und China gibt, mehr entgegensetzen. Und schließlich auch, akademisch nicht (noch mehr) den Anschluss verlieren.

    Wenn es um die Künstliche Intelligenz geht, haben Deutschland und Europa in erster Linie nicht ein moralisches Problem, sondern ein kommerzielles. „Wir müssen vor allem technologisch wieder in allen Bereichen auf die Höhe der Zeit, auf das, was Weltmaßstab ist, kommen“, sagte die Kanzlerin am 9. September während ihrer Haushaltsrede: „Wir sind das nicht mehr.“ Eben. Darum geht es.

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    • jj schreibt:

      Das Volk der Dichter und Denker und der Qualitätsmarke „Made in Germany“, die unseren Wohlstand gesichert hat, die aber ein Begriff aus der alten Welt ist, das Volk will nicht wahrhaben, dass wir in eine neue Welt aufbrechen. So ein Aufbruch ist alles, aber nicht bequem, er ist mit Unsicherheit behaftet, mit Ungewissheit, mit Verwerfungen. Alles Futter für die German Angst. Das ist Ihr Einwand, Herr Meyer, erfrischend. Lg jj

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      • Otto Berg schreibt:

        „Mein Freund,

        was machst Du, wenn Dein Kandidat ein eingeschlafener 76jähiger ist, der in einem Riesenkorruptionsskanal steckt? [Da ist gemeint Ex-Vizepräsident Joe Biden, der zur Zeit in Umfragen führende Demokrat.“] Wenn Du Nancy Pelosi heißt, dann schiebst Du’s auf Präsident Trump und leitest ein Impeachment [ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten] ein. Die Fronten sind klar und Präsident Trump muss wissen, ob Du zu ihm stehst. Mache bitte eine Spende!“

        Die Mail war gestern Nachmittag in der Inbox von Claus Kleber, dem Moderator des ZDF-heute-journals. Kleber ergänzt: „Die Trump-Kampagne hat irgendwann meine Adresse abgegriffen. Das ist also die Antwort des Präsidentenlagers auf die Anklage, die immer klarer wird. Er hat den ukrainischen Präsidenten gebeten, sogar gedrängt, gegen den Sohn Biden zu ermitteln. Und das Weiße Haus hat die Aufzeichnungen aus diesem Gespräch auf Computer für hochgeheime Informationen verschoben, wo sowas nicht hingehört.“ (https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-26-september-2019-100.html)

        Wahrhaftig, „so ein Aufbruch [in die schöne neue digitale Welt] ist […] mit Unsicherheit behaftet, mit Ungewissheit, mit Verwerfungen. Alles Futter für die German Angst.“

        Digital first, Bedenken second! – Das ist der Vorschlag von Herrn Meyer.

        Erfrischend!

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      • jj schreibt:

        Für Propaganda und gefakte Geschichte braucht es kein Internet, dazu braucht es seit ein paar Tausend Jahren nur wunderbare und perfide Geschichten von Pharaonen, Kaisern, Päpsten und Diktatoren, das wissen wir Deutschen doch am besten. Lg jj

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      • Otto Berg schreibt:

        Um Propagandalügen so gezielt und „individualisiert“ in die privatesten Briefkästen von Meinungsmachern, Geldgebern und Wählern weltweit zu lancieren (und das mit vernachlässigbarem finanziellen Aufwand), dazu braucht es die Trollfabriken von Trump, Putin oder der AfD. Und die funktionieren nicht ohne das Internet.

        Können Sie sich ausmalen, was dieses Instrumentarium in den Händen von Hitler und Honecker bedeutet hätte?

        Alles, was ich sagen will, ist: Bedenken first, Digital seccond! Erst nachdenken, dann bauen! Oder wenigstens: Nicht bauen bzw. „machen“, ohne nachzudenken. (Und zu den am Nachdenken über die Ziele und Rahmenbedingungen zu Beteiligenden zählen [selbst wenn Leute nach der Façon von Franz-Josef Kamp das nicht gerne hören] vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger! Hier geht es um deren Leben und das ihrer Nachkommen. Das ist nichts, was die Menschen den Wirtschaftskapitänen und den von diesen bestellten „Digitalministern“ überlassen sollten!)

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  11. Klaus Bruns schreibt:

    Herr Jenckel, wie soll eine tatsache verhindert werden, die lautet: neue erfindungen werden erstmal in der rüstungsindustrie missbraucht? zum beispiel wird am digitalen soldaten gearbeitet. und er wird auch eingesetzt werden. ob sich dann noch jemand als mörder fühlen wird? in meinem haus kommt nur soviel digitales, was ich auch überblicken und beherrschen kann. die werbung, in kombination mit der wirtschaft, werden dieses mit aller macht zu verhindern versuchen. die eon ,wird sie herr jenckel, bald mit einem angeblich intelligenten stromzähler beglücken, ob sie wollen oder nicht. ich brauche ihn nicht, denke und handel lieber selbst. die digitalisierung wird meiner meinung nach dafür sorgen, dass große teile der bevölkerung verblöden wird. google phänomen: man weiß nichts mehr , aber man weiß, wo es steht. der mensch ist ein gewohnheitstier und wird immer den weg mit dem geringsten widerstand wählen. und dieses weiß die wirtschaft und der kapitalismus nutzt es aus. die digitalisierung in verbindung mit dem kapitalismus wird tödlicher sein, als alles andere, was bisher da war. die gewinner werden immer weniger werden,die verlierer immer mehr. dieses kann man jetzt schon am reichtum ablesen, der ja so ,,gerecht“ verteilt ist. die digitalisierung wird vieles verschlimmbessern. und warum? es gibt keine künstliche intelligenz, es fehlt da das leben.

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  12. Franz Schuh schreibt:

    Der Kapitalismus mit digitalem Antlitz? Ein Sammelband weiß Rat: Philip Kovce und Birger P. Priddat: Bedingungsloses Grundeinkommen. Suhrkamp Verlag, Berlin 2019; 514 S., 26,– €

    Zu den Utopien, die einem Freude und zugleich Angst machen können, gehört das „bedingungslose Grundeinkommen“. Diese Idee hängt mit der Vorstellung zusammen, dass der gesellschaftliche Reichtum groß genug ist, um den Menschen die Arbeit für ihren Lebensunterhalt ersparen zu können. Dies ist vor allem dem technischen Fortschritt zu verdanken, der andererseits wieder Angst macht, weil er zu einer Massenarbeitslosigkeit führen könnte.

    Die Utopie ist also in ein Paradox verwickelt: Einerseits droht mit ihr die Arbeitslosigkeit, andererseits darf ich hoffen, auf Erwerbsarbeit verzichten zu können. Schon in den 60ern plädierte der Ökonom Robert Theobald für ein „garantiertes Einkommen, weil aufgrund der Automatisierung zunehmender Überfluss und zunehmende Arbeitslosigkeit künftig Hand in Hand gehen würden“.

    Erstaunlich an dem Buch, aus dem das Zitat stammt, ist für den Laien die Fülle der Texte, manche stammen aus längst vergangenen Zeiten. Die Grundlagentexte beginnen mit Thomas Morus, Thomas Paine und Thomas Spence. Sie enden mit einer Studie von Claus Offe, die bereits im Titel alles Nötige sagt: „Das bedingungslose Grundeinkommen als Antwort auf die Krise von Arbeitsmarkt und Sozialstaat“.

    Werden die Bedürftigen jemals irgendetwas Bedingungsloses haben? Unwahrscheinlich, dass die Staaten- und die Wirtschaftslenker (deren Arbeit ihnen Freude macht) auf den eingebürgerten Sadismus verzichten, mit dem man die Massen der Erwerbsarbeiter – durch die Angst vor der Arbeitslosigkeit – so gut in Schach halten kann.

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  13. A. Johannsen schreibt:

    Der Weltbürger Börries hat recht, der Deutsche schätzt Veränderungen nicht:

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  14. Ingo schreibt:

    Wir werden gefressen werden….

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  15. jo bembel schreibt:

    Hat es in den letzten 40 Jahren (mich betreffende) Veränderungen gegeben? Ja! Ist das Leben (für mich) dadurch gefühlt unbequemer geworden? Nein! Eher ist das Gegenteil richtig.
    Veränderungen sind existenzieller Bestandteil des Lebens und der (Menschheits)Geschichte. Alle technischen Entwicklungen dien(t)en dem Zweck das Leben, im jeweils betreffenden Teil (Arbeit – auch Hausarbeit, Verkehr, Freizeit etc.) einfacher/bequemer/zeitsparender oder alternativ kostengünstiger zu machen. Nur so hatten/haben sie überhaupt eine Chance sich durchzusetzen und damit profitabel zu sein.
    Die für mich entscheidenden Fragen der noch verbleibenden Zukunft der Menschheit sind: wie lässt sich sozialverträglich das Problem lösen, dass immer mehr „Buttosozialprodukt“ durch Computer/Roboter geschaffen wird, die weder in Sozialkassen einzahlen noch Konsumbedürfnisse haben?
    Ob/Wann kommt der Zeitpunkt an dem das Leben so durchtechnisiert ist, dass „der Mensch“ aufhört solcher zu sein und zum „User“ mutiert? Und wird er dagegen rebellieren?

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    • jj schreibt:

      Genau darum geht es, Herr Bembel,
      wir müssen nicht nur den Begriff der Arbeit neu fassen, verstehen und internalisieren, sondern erkennen, dass die Digitalisierung die Frage, wer oder was schafft Werte, neu definiert. Und das bedeutet, unsere Form des Kapitalismus ist ein Auslaufmodell.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        wer ist wir? wer hat denn wirklich die möglichkeit ,den kapitalismus so auslaufen zu lassen? der bürger? wohl kaum. er wird in abhängigkeiten gehalten, damit er nichts ändert. der kapitalismus an sich ist schon sehr lange überholt. wo gibt es noch eine freie marktwirtschaft? wer den kapitalismus in frage stellt, wird bei uns schnell als kommunist , oder zumindest als phantast verkauft. in deutschland gibt es überwiegend konservativ eingestellte menschen. für die bedeutet ein wechsel ein greuel. deswegen sehe ich hier schwarz.
        https://www.bpb.de/apuz/211045/kapitalismus-alternative-in-sicht?p=all

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    • Daniel Rudolph schreibt:

      Herr Jenckel,

      der klassische, auf analogen Maschinen beruhende Industriekapitalismus wird ein Paradies der Handhabbarkeit gewesen sein im Vergleich zu dem auf digitalem Datenmanagement beruhenden Internetkapitalismus, der uns blüht, wenn wir Smooth Talkern wie Marco Börries die Gestaltung unserer Zukunft überlassen. Nicht die Heere der Lohn-Sklaven von Amazon, Uber und Lieferando, die auch u. a. in der digitalisierten, Gastro-, Freizeit- und Landwirtschaft unter dem verharmlosenden Begriff der „mobilen Beschäftigten“ einer modernen Form der Leibeigenschaft und des Menschenhandels unterworfen sind, und auch nicht das Verschwinden von bezahlbarem Wohnraum in unseren Städten durch die monetäre Verführungskraft auf Immobilienbesitzer von global operierenden Tourismus- und Vermietungskonzernen wie Airbnb sind das Problem! Das Problem der neuen, gespenstergleichen Form des virtuellen Netzwerkkapitalismus wird sein, dass niemand, kein „Winterkorn“, kein „Trump“ und kein „Digitalminister“, mehr für irgendetwas an Unmenschlichkeit und Grausamkeit, für die physischen und psychischen Verwüstungen im Gefolge dieses Kapitalismus in rücksichtsfreier Reinkultur verantwortlich zu machen sein wird:

      „Wir sehen uns in der Falle einer ungewollten Fusion persönlicher Bedürfnisse und ökonomischer Enteignung. Die Kanäle, auf die wir uns hinsichtlich sozialer Interaktion, Arbeit, Bildung, Gesundheit, Zugang zu Produkten und Dienstleistungen und vielem anderem mehr angewiesen sehen, dienen gleichzeitig als Lieferketten für die Überschussströme des Überwachungskapitalismus. Das Resultat ist, dass eine effektive Teilnahme am Sozialleben über die Verhaltensmodifikationsmittel geschieht, was zwangsläufig die Entscheidungsmechanismen aushöhlt, die einst eins mit dem Privaten waren: Ausstieg, Widerspruch und Loyalität (exit, voice, and loyalty). Es gibt schlicht keine Möglichkeit, sich Prozessen zu entziehen, die bewusst so gehalten sind, dass sie das individuelle Bewusstsein umgehen und für Ahnungslosigkeit sorgen, zumal wenn es sich dabei um eben die Prozesse handelt, auf die wir zum Bestehen unseres Alltags angewiesen sind. Über die fehlende Möglichkeit des Ausstiegs hinaus fehlt es dem Widerspruch an signifikanten Kanälen, und Loyalität ist nur mehr ein leeres Wort. Teilnahme definiert sich damit eher durch Notwendigkeit, Abhängigkeit, Hilflosigkeit, Resignation, fehlende Alternativen und erzwungene Unwissenheit.“

      Das ist ein Absatz aus einem Essay der berühmten Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff: https://netzpolitik.org/2019/im-zeitalter-des-ueberwachungskapitalismus/

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      • jj schreibt:

        Meine Vorfahren betrieben in Lüneburg am Sand unter anderem Transportgewerbe mit Kutsche und Pferd. Und Mitte des 19. Jahrhundert amüsierten sie sich über die Dampfrösser. Die Altvorderen haben ihr Gewerbe und ihre Immobilien schnell eingebüßt, weil sie die Zeichen der Zeit falsch gedeutet haben. Das ist für mich der Makel auch Ihrer Verelendungstheorie in Zeiten des Internets.

        Wo Sie recht haben, ja, wir brauchen Regeln, Grenzen und eine Ethik im Internet und viel mehr Transparenz, was den Einstieg oder Ausstieg, was die Löschung der Daten und was die Werbung angeht.

        Aber auch das sei gesagt: Wir befinden uns immer noch im digitalen Wilden Westen, weil wir das Medien weder vollständig verstanden, geschweige denn die Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Und da, sagt auch Marco Börries, muss es zugehen wie bei der Atomenergie. Es müssen Verträge her, Grenzen gezogen werden, das hilft. Allerdings nicht gegen Frankensteine. Die gibt es hier wie da.

        Was die Arbeitswelt angeht, so brauchen wir eine ganz andere Definition der Arbeit, so werden wir strukturelle Arbeitslosigkeit zuhauf erleben. Es stehen unbequeme Zeiten an.

        Aber was der Kapitalismus in und an dieser Welt in den letzten zwei Jahrhunderten angerichtet hat mit roher Gewalt, Ausbeutung, Verschandelung und Deformierung, da reicht die digitale Welt nicht ran.

        Was es alles so an Verwerfung gibt und geben wird, das spiegeln wunderbar SciFi- und Endzeit-Filme wieder, die wir selber produzieren und die zeigen: Unser größter Trieb scheint der Selbstzerstörungstrieb. Denn die, die diese Welt ratzekahlfressen, dass sind nicht die Aliens aus fernen Galaxien, vor denen wir solche Angst haben, diese grausamen Aliens, das – sind wir selber. Lg jj

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      • Otto Berg schreibt:

        Herr Jenckel,

        „was der Kapitalismus… angerichtet hat mit roher Gewalt…, da reicht die digitale Welt nicht ran“?

        Glauben Sie, dass Trump, Johnson und Bolsonaro, in Deutschland Petry, Höcke und Gauland, ohne „die digitale Welt“ möglich gewesen wären?

        Die Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien am 15. September, die uns an den Rand eines Weltkrieges gebracht haben, wären die ohne „die digitale Welt“ möglich gewesen?

        Die Weltfinanzkrise von 2008, die ohne „die digitale Welt“ nicht möglich gewesen wäre, hat die Steuerzahler auf unserem Planeten über zehn Billionen Euro gekostet, also mehr als 10.000 Milliarden! Wie die FAO 2009 festhielt, war kurz nach dem Ausbruch der Krise die Zahl an hungernden Menschen um 100 Millionen Menschen gestiegen (insgesamt 1 Milliarde). Dies wurde auf die Wirtschaftskrise im Allgemeinen und auf die hohen Nahrungsmittelpreise in ihrer Folge im Besonderen zurückgeführt.

        Der Abgasbetrug (Software-Manipulation) der deutschen Autobauvorstände, der ohne „die digitale Welt“ nicht möglich gewesen wäre, hat einen volkswirtschaftlichen Schaden von – bisher – knapp 150 Milliarden Euro erzeugt. Um die durch erhöhte Abgaswerte zu Tode Gekommenen schert sich – noch – niemand.

        Nach zwei Boeing 737-Max 8-Abstürzen, bei denen im Oktober 2018 und im März dieses Jahres insgesamt 346 Menschen starben, steht Boeing schwer in der Kritik. Der Konzern ist mit Vorwürfen konfrontiert, die Maschinen überstürzt auf den Markt gebracht und ihre Sicherheit vernachlässigt zu haben. Als Hauptursache der Unglücke gelten gravierende Unzulänglichkeiten einer „autonomen“ Steuerungsautomatik, die ohne „die digitale Welt“ nicht möglich gewesen wäre. Dazu gibt es eine erschütternde Dokumentation des Versagens der Verantwortlichen Boeing-Manager in der ZDF-Mediathek von 28 min Länge: https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-boeings-todesmaschinen-100.html

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      • jj schreibt:

        Ach, Herr Berg, die Tulpenkrise, die erste und die zweite Weltwirtschaftskrise, die Gründerkrise im 19.Jahrhundert oder sogar die Ölkrise (Fahrverbot am Sonntag, wie schön) kannten kein Internet. Und sie waren für ihre Zeit auch gewaltig. Und Rockefeller war zu seiner Zeit ein Gigant, heute wäre er eine Maus.

        Ich kann natürlich auch noch jede Menge Flugkatastrophen, von der Hindenburg angefangen, anführen, die auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Und die Abgasmanipulationen haben auch Manager angerichtet und nur die Möglichkeiten der Chips ausgespielt.

        Kurz: Ihre Argumente lesen sich schön und folgerichtig, lassen sich aber genauso schön aushebeln.

        Angst hat mir Stanley Kubrick gemacht und HAL. Und der Film 2001 ist schon vierzig Jahre alt. Misstrauen ist angebracht, Maschinenstürmen nicht.

        Was wollen Sie, dem Internet den Saft abdrehen? Staatliche Eingriffe auf nationaler Ebene? Oder einfach nur lamentieren?

        Ehrlich gesagt, fand ich die alte Bundesrepublik auch überschaubarer und gemütlicher, die wie ein Wohnzimmer war, mit Wurzelholz-Bücherschrank samt Glastüren, mit getäfelter Decke und Häkeltischdecke war. Der Fortschritt war nur gut, die Gefahr nur rot oder gelb, Südfrüchte ein Segen, wir fragten nich woher sie kommen und unter welchen Bedingungen. Das Auto Status und wer aus der Reihe tanzte auch draußen. Rückblickend kommt mir das heute wie aus einem schlechten Sci-Fi-Film vor. Lg jj

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      • Otto Berg schreibt:

        Lieber Herr Jenckel,

        Sie sind unsachlich.

        Lassen Sie den gerade gefassten Ladendieb laufen, weil er auf so viele andere verweisen kann, die ungeschoren davongekommen sind?

        Sie hebeln leider gar nichts aus – außer Ihrer eigenen Glaubwürdigkeit.

        Ihr Whataboutism (aus dem englischen „What about …?“ = „Was ist mit …?“) ist keine Argumentations-, sondern eine unredliche Propagandatechnik, die von der Ihnen offenbar unliebsamen Kritik an Ihrer naiven Jubel-Position durch Hinweise auf angeblich vom Kritisierenden (also von mir) nicht beachtete Missstände (also durch schlichten Themenwechsel) ablenken möchte. (Die Mutti fragt den kleinen Peter: „Hast du unseren Pudding weggegessen?“ Peter antwortet: „Aber der Papa hat die Einfahrt nicht gekehrt.“)

        Schamlos aber ist es (und erinnert mich stark an die plumpen Anmaßungen des Herrn Kamp), mir obendrein „Maschinenstürmerei“, „Weinerlichkeit“ und rückwärtsgewandte „Heile-Welt-Sehnsucht“ zu unterstellen (denn gefunden haben Sie davon in meinen Äußerungen nichts)!

        Nicht jeder, der sich über Chancen und Risiken der – handelnden – Zukunftsgestaltung Gedanken macht und dem verantwortungslosen Werbegeblubber allein profitorientierter Vermarkter und ihrer Papageien entgegentritt, muss wie Sie – und noch dazu „ehrlich“, wie Sie betonen, – „die alte Bundesrepublik überschaubarer und gemütlicher“ gefunden haben, „die wie ein Wohnzimmer war, mit Wurzelholz-Bücherschrank samt Glastüren, mit getäfeltem Plafond und Häkeltischdecke“. (Es muss also nicht jeder, der kritisiert, so platt sein, wie der Kritisierte ihn gerne hätte.)

        Die Lösung der Probleme, die ich genannt habe, steht hier und heute an. Und wenn wir unsere Augen verschließen, werden unsere Kinder und Enkel das auzubaden haben. Ja, die Tulpenkrise des 17., die Ancien Régime-Krise des 18., die Gründerzeitkrise des 19. und die Ölkrise des 20. Jahrhunderts waren ebenso menschengemacht, wie es die Finanz-, die Abgas- und die Luftfahrtkrise unseres Zeitalters sind. Nur waren die Krisen der vergangenen Jahrhunderte im Vergleich zu denen, die uns der Digitalkapitalismus beschert, lokale Krisen (Holland, Frankreich, Deutschland, allenfalls Europa). Heute jedoch geht es immer sofort um globale Phänomene, weil die Interdependenzen ungleich vielfältiger sind und die Kommunikationsgeschwindigkeit (im technischen Sinne) sich der Lichtgeschwindigkeit annähert.

        Und Manipulation durch Datenextraktion geschieht heute natürlich nicht so offensichtlich gewalttätig wie die Gräuel der Vergangenheit, sie malträtiert nicht unsere Körper, sondern unsere Gehirne und Emotionen, aber die daraus resultierende Ausbeutung von Menschen und Ressourcen ist weiterhin ganz real.

        Übrigens: Datenverkehr hat einen massiven „CO2-Fußabdruck“. Wir reden stattdessen gerade aber viel über andere Verkehrsarten, das Fliegen und das Autofahren. Weniger über Videostreaming. Warum es uns so schwer fällt, auch im Digitalen über negatives Wachstum zu reden, über neudeutsch sogenanntes „degrowth“, ist leicht auszumachen. Denn egal, ob digital oder analog, degrowth würde eine existenzielle Bedrohung unseres Lebensstils bedeuten. Degrowth macht den Leuten große Angst und führt zu Wut. Es ist ja jedem völlig klar, dass nicht alle Menschen auf diesem Planeten so expansiv leben können wie wir in Lüneburg, im globalen Norden und Westen. Wir müssten erst anerkennen, dass wir auf Kosten Millionen anderer leben. Oder unser Leben fundamental ändern. Warum es uns so schwerfällt, über degrowth zu reden, ist also nicht schwer zu beantworten: weil wir selbst das Problem sind.

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      • jj schreibt:

        Ich bin unsachlich, aber Sie nicht mit ihren Urteilen: „Kamp“, „naives Gejubel“, „Schamlosigkeit“.
        Lesen schadet nicht, also ohne Scheuklappen. Sie wiederholen meine Forderungen. Wir sind gar nicht weit auseinander.
        Nur: Die von mir angeführten Weltwirtschaftskrisen unter lokale Krisen zu subsumieren, das ist zu viel. Lg jj

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  16. Antonia S. schreibt:

    Kennt ihr das? Ihr wacht neben eurem Schatz auf und denkt euch: Was tun als junges in der Share Economy berufstätiges Paar mit einer voll durchdigitalisierten Landhauswohnung nahe dem 5G-Campus der Zukunft in einer Smart-City des schnellen Internets, das keine Zeit für Kinder, aber eigentlich genug Geld hat? Richtig: Das Accessoire des Herbsts – neben einem Rauschebart für ihn und farbgleichen Steppjacken für beide – ist Meinung. Meinung, Meinung, Meinung. Denn damit ist es wie mit dem Geld: Man kann davon einfach nicht genug haben (und drucken). Meinung. So günstig wie im Moment ist sie nie wieder, also greift lieber zu, bevor alle Zeitungen mit stylischem Layout und im Loft gelegener Druckerei weg oder eingestellt sind. RIP JWD. Heute schon besitzen, was morgen gedruckt wird. Ihr müsst nur wissen, wie.
    Mein Trendradar spuckt folgendes Ergebnis aus: En vogue sind gedeckt gedruckte Farben. Meinung in Taubenblau, Analyse in Senfgelb und dazu ein bisschen Recherche in Lindgrün, aber bloß nicht zu viel. Deshalb ist es elementar, bei der Wahl des zu erwerbenden Blatts darauf zu achten, dass es zu einem passt wie der Chihuahua in die Handtasche. Das Allerbeste: Beim Kauf einer Zeitung könnt ihr im Gegensatz zum 08/15-Shopping sichergehen, dass bei der Produktion keine Kinderarbeit im Spiel war. Außer natürlich unbezahlte Praktikanten und niedrigschwellige Uber-Spediteure. Es ist auch nicht ganz so wichtig, ob man vor dem Kauf in das Blatt reinschaut, wie die Meinungsmaschinen und Monetarisierungsmenschen Holger und Silke Friedrich beweisen, die ihre frisch erworbene „Berliner Zeitung“ nach eigenen Angaben seit fast 15 Jahren nicht mehr gelesen haben. Konsequent! Wichtig ist dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Wie sieht das Druckerzeugnis unterm haarlos gelaserten Arm aus, und performt es auf Partys als Conversation Starter und Kreditwürdigkeitsbeleg? Das Urteil: acht von zehn Bleiwüsten. Meine Meinung!

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  17. Andreas Janowitz schreibt:

    Sein „Mobilitätskonzept“ untersteicht seine völlige Entfremdung von den Realitäten. Für normale Bürger dient das Auto meist dem Zweck des Aufsuchens seines Arbeitsplatzes, da ist es völlig egal wie lange der Wagen wo herumsteht. Die Betriebskosten müssten derart explodieren (also Beinzinpreise um 5€/Liter, vergleichbarer Strompreis) das es abwegig erscheint. KfZ-Steuer und Versicherung werden schon gar nicht derart anziehen. Es ist völliger Quatsch zu behaupten es wäre ein rationale Entscheidung jede Tag 30 min-1 Std. mehr Fahrzeit zu akzeptieren, nur weil Uber so ein tolles Konzept ist. Das Idee von der unbepreisbarkeit von Freizeit ist ihm offensichtlich unbekannt. Da es keine Werkssiedlungen mehr gibt müssten auch Ubernutzer chaotisch zufällig in der Gegend herumkurven, um alle für ein Ziel einzusammeln, die Ersten dementsprechend die meiste (Frei)Zeit opfern, somit immer abgeneigter werden diesen „Dienst“ zu nutzen. Meiner Erfahrung nach ist für fast alle unbezahlte Freizeit ein extrem hoch priorisiertes Gut und Verschwendung dessen extrem unbeliebt.

    Falls er überprüfen möchte: morgens zwischen 05:30 und 06:30 auf eine Brücke an der Umgehung stellen und das hin und her der Verkehrsbewegung beobachten. Genau deswegen ist der ÖPNV auch so unbeliebt, die Verspätungen verstärken die Abneigung nur noch. Ich z.B. wäre unter keinen Umständen bereit 3 Stunden und mehr jeden Tag für`s Pendeln wegzuwerfen. Nur diejenigen, die so wenig verfügbares Einkommen aufbrigen können, das es gar nicht anders geht um überhaupt Einkommen zu erzielen würden sowas nutzen und dann kommen völlig andere Motivationen ins Spiel, nämlich Ideologien wieso das überhaupt zumutbar sein soll.

    Insofern ist seine Vorstellung extrem dystopisch, denn die Masse würde so wenig verdienen, das sie gezwungen wären jeden Tag nutzlos Zeit wegzuwerfen, weil es eben gar nicht anders geht um überhaupt Einkommen zu erzielen. Dann ist man schnell bei zweit oder drittjobs und amerikanischen Verhältnissen. So eine dysfunktionale Gesellschaft ist dann die real existierende Dystopie.

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  18. Klaus Bruns schreibt:

    Seltsam, die Digitalisierung wird in erster Linie von der Wirtschaftsseite aus gedacht. Warum wohl? Mit ihr kann man hier am besten im Kapitalismus ausbeuten. Der Bürger wird nicht nur gläsern , sondern schon durchsichtig, was heißt, der Einzelne wird in der Zukunft keine Rolle mehr spielen. Die Masse soll für zukünftige Gewinne herhalten. Alexa lässt grüßen. Es gibt zwar eine Schwarmintelligenz, sie wird sich beim Menschen aber nie durchsetzen, weil wenige, die sich einig sind , diesem Schwarm die Richtung vorgeben. Warum wird wohl gerade von Elektroautos fabuliert, die die Welt retten sollen, wenn der Mensch doch angeblich feststellen wird, das eigene Auto wird für die Zukunft für den Einzelnen viel zu teuer sein? Und sind die Ressourcen unendlich? Das Totschlagargument Arbeitsplätze wird alles andere bis zum Schluss überleben auch die Umwelt.

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  19. Daniel Rudolph schreibt:

    Tja, Börries ist ein Scheuklappenfantast der Sonderklasse und ein Werbeschwaller zur Beförderung der eigenen Geldverdienevisionen.

    Wie sortiert man den von ihm dargebotenen Wust an aufgepumpten Marketingklischees, um die inhumanen Anmaßungen hinter seinen Behauptungen zu erfassen?

    Ich empfehle als Antidot einen kristallklaren, im besten Sinne populärwissenschaftlichen Vortrag des wohl begabtesten und angesehensten deutschen Philosophen der Gegenwart (bei Minute 6:30 beginnen, um die langatmige Vorstellung durch einen Kollegen zu vermeiden):

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    • jj schreibt:

      Ich glaube eher, die Scheuklappen haben Sie auf. Dazu hier etwas Nachhilfe aus der LZ:
      https://www.presseportal.de/pm/65442/3523191

      Und was die Aussagen mit Werbeschwaller zu schaffen haben, bleibt Ihr Geheimnis. LG jj

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Herr Jenckel, glauben heißt nicht wissen. der junge mann hat mit seiner ansicht nicht ganz unrecht. nachhilfe klingt hier übrigens doch sehr überheblich. die jugend stellt die alten in frage herr jenckel. bitte nicht vergessen. die jugend hat einen leider wenig guten grund dazu. wer versagt gerade? die jugend, oder die alten?
        Und was die Aussagen mit Werbeschwaller zu schaffen haben, bleibt Ihr Geheimnis.
        dieses geheimnis kann ich ihnen gern lüften, wenn sie wollen. schmunzeln.

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      • jj schreibt:

        Wer verbal so den Hammer rausholt, letztlich beleidigt, der stört sich nicht an solchen Feinheiten😎

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    • Daniel Rudolph schreibt:

      „Das Internet“ ist kein Akteur. Das Internet ist ein Netzwerk von Netzwerken. Ein Medium.

      Akteure sind die Plattformbetreiber, die dieses Medium zu wirtschaftlichen Zwecken benutzen. Mit welchem menschenverachtenden Manipulationpotential dies geschieht kann man in China sehr gut beobachten. Und wer etwas über die „Organisationsformate“ in unserer Weltgegend erfahren möchte, lese „Permanent Record“, die eben auf Deutsch erschienene Geschichte des Edward Snowden.

      Apps und Automatisierung sind nur Instrumente wie Hammer und Seilwinden. Wenn sich etwas an unseren Lebensumständen zum Besseren wenden soll, müssen wir, die Menschen, das wollen und bewerkstelligen.

      Dass sich Dinge verändern, wenn verbesserte Instrumente ermöglichen, größere Quantitäten in kleineren Zeiteinheiten zu bewältigen, ist eine Trivialität, die aus der Geschichte der letzten 200 Jahre gut bekannt ist.

      Veränderungen sind nichts an sich Positives. Auch das Bauen der „Arena Lügengurker Schand“ ist eine Veränderung. Für Lüneburg allerdings eine katastrophale. Positive Veränderungen setzen gemeinsam erarbeitete Zielvorstellungen voraus.

      „Digitalisierung“ ist kein schicksalhaftes Geschehen, das wir hinzunehmen haben, wie einen göttlichen Ratschluss. „Digitalisierung“ wird von bestimmten Menschen gemacht und vorangetrieben, die damit sehr viel Geld verdienen. Wir müssen uns dem nicht ausliefern.

      Wenn „der Weltbürger Börries“ sagt: „Die nächsten zehn Jahre werden für die Deutschen unbequemer als die letzten vierzig, weil sich die Welt schneller verändert und digitalisiert, als viele es glauben und wünschen, weil der Deutsche Veränderungen nicht schätzt“, dann benutzt er klischeehafte Stereotypen über „den Deutschen“ und sattsam bekannte Reklamefloskeln über „die sich verändernde und digitalisierende Welt“, mit der als „Stiftungen“ kostümierte Reklameorganisationen von beispielsweise Bertelsmann und Volkswagen Zeitdruck aufbauen, um Bildung durch Erlebnismanagement oder Qualitätsjournalismus durch sozialmediale Meinungsdiarrhö zu ersetzen.

      Natürlich wäre es für alle gesünder, wenn die autoverliebte Welt Abschied vom eigenen Pkw nähme und sich die Zahl der Automobile in Lüneburg auf 40 Prozent reduzieren würde. Aber, dass Herr Börries, dessen „elf Jahre alter Wagen viel rumsteht“, während er in der Weltgeschichte herumdüst, um Geschäfte mit seinen Prognoseplattitüden zu machen, – dass der „vorlebt, was er prophezeit aus der Sharing Economy“, das glauben Sie doch selber nicht im Ernst.

      Dass „der Berufsoptimist Börries entspannt bleibt“, wenn vielen anderen „die wachsende Macht der großen digitalen Player wie Google, Amazon oder Facebook Angst einflößt“, ist verständlich, da er durch Partizipation an dieser wachsenden Macht sein Geld verdient. Auch kommt es nicht darauf an, dass „Staaten und vor allem Staatengemeinschaften wie die EU regulierend in das Machtgefüge der wachsenden Plattformen eingreifen“, — sondern dass sie dies nach Maßgabe der Wünsche, Vorbehalte und Zielvorstellungen ihrer Bürger tun!

      „Wie viel KI verpflanzen wir in den Menschen?“ Diese Frage, die stark an den Posthumanismus- bzw. Transhumanismusschwachsinn eines Ray Kurzweil erinnert, deutet an, dass Börries auch den „Absatzmarkt“ der zuweilen mehr als heiklen Medizintechnologie fest im Blick hat.

      „Der Kapitalismus hat sich erschöpft, das Internet aber steht erst am Anfang“? Was soll diese artifizielle Entgegensetzung? Was uns bevorsteht, ist der bisher juristisch sehr mangelhaft begriffene und darum gesetzlich erbärmlich mangelhaft regulierte Internetkapitalismus. Das vergessen Sie und Börries leider zu erwähnen.

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  20. Klaus Bruns schreibt:

    Nur eine Stunde Arbeit am Tag – ein Traum. Nicht für Autos: Sie haben den größten Teil des Tages Pause.

    Autos sind Kurzarbeiter. Im Schnitt steht ein deutscher Pkw 23 Stunden am Tag unbenutzt herum. Nur eine Stunde ist er in Gebrauch, wie die ARD im Rahmen ihrer Themenwoche Mobilität herausgefunden hat. Trotzdem wollen sich die Deutschen den Luxus eines eigenen Wagens weiter leisten. 66 Prozent haben kein Interesse an Carsharing.

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