Libeskind und die Wahlverwandschaften oder die Henne und das Ei

Libeskind-Bau auf dem Leuphana-Campus in Lüneburg

Libeskind-Bau auf dem Leuphana-Campus in Lüneburg

Lüneburg, 29. Oktober 2019

Was haben Studenten und Studentinnen der Leuphana 2007 bei ihrem New-York-Trip ins Studio Libeskind zum Bau des Zentralgebäudes auf dem Uni-Campus beigesteuert? Die Frage habe ich im Blog aufgeworfen, nachdem mir ein bekannter ein Foto des Libeskind-Baus auf dem Hongkonger Campus zugeschickt hat, auch ein echter Libeskind und nah dran am Lüneburger. Die Überschrift des Blogs: „Wie unvergleichlich ist das Audimax? – Die Weltarchitekur zwischen Lüneburg und Hongkong“ Einer, der die Frage beantworten könnte, schreibt heute im Blog. Prof. Dr. Ulf Wuggenig, er hat das „Libeskind“-Seminar geleitet.

„Herr Jenckel nimmt in seinem Text über das „Audimax“ auf ehemalige Studierende der Leuphana und deren Beteiligung am ersten Seminar zum Neubau am Campus vom März 2007 Bezug. Da ich dieses in die Lehre der damaligen „Angewandten Kulturwissenschaften“ bzw. des Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg eingebundene Seminar vorbereitet und geleitet habe – jenes, das im März 2007 auch in New York stattfand – fühle ich mich angesprochen. Ich werde, da eine entsprechende Frage ausdrücklich aufgeworfen wurde, auch darlegen, woran die Studierenden im fraglichen Seminar, das vor nunmehr mehr als 12 Jahren stattfand, gearbeitet haben. Ich formuliere dabei nicht aus meinem heutigen Gedächtnis, sondern zitiere aus einem Text, der kurz nach dem Seminar 2007 von mir verfasst wurde.

Die Lüneburger Studierenden im März 2007 im Studio Libeskind in New York. Foto: Wuggenig

Meines Erachtens haben es die beteiligten ehemaligen Studierenden, von denen etliche erfolgreiche akademische Laufbahnen an Universitäten wie u.a. Harvard, Northwestern (Chicago), Brown, (Providence), Queen Mary (London), oder Tübingen durchlaufen (haben) und für die speziell dieser Workshop im Studio Daniel Libeskind in New York zu einer prägenden Lebenserfahrung wurde, nicht verdient, angesichts ihrer Leistungen im Rahmen dieses Projekts Verdächtigungen, wie sie im Blog zum Ausdruck gebracht werden („Inszenierung“, „Legendenbildung“), unkommentiert bzw. unwidersprochen ausgesetzt zu werden.

Dass es einen architektonischen „Verwandten“ in Hongkong gibt, ist uns speziell in der Fakultät Kulturwissenschaften gut bekannt. Die Stadt ist als Ort eines gemeinsamen medienwissenschaftlichen Double Degree Programms mit der dortigen City University mehr als jede andere Stadt in dieser Weltregion in unserem Blick. Und diesen erfolgreichen gemeinsamen englischsprachigen Studiengang mit einer Universität, die international höheres wissenschaftliches Ansehen genießt als jede niedersächsische Universität mit der Ausnahme von Göttingen, gibt es wiederum nur, weil die Hongkong City University über ihren später konzipierten, aber bedeutend früher fertiggestellten Bau des Studios Daniel Libeskind auf unsere Lüneburger Universität aufmerksam wurde. Der dortige Dekan aus dem Run Run Shaw Center besuchte unsere Medienwissenschaften und mich bald nach Fertigstellung dieses Baus. Gerade in diesem September war eine Kollegin aus dieser Hochschule mit einem Vortrag bei uns in der Fakultät zu Gast.

Die Lüneburger Studierenden im März 2007 im Studio Libeskind in New York. Foto: Wuggenig

Da Daniel Libeskind dafür bekannt ist, sich architektonisch im Rahmen eines „dekonstruktivistischen Stils“ zu bewegen, ist eine ästhetische bzw. formale „Wahlverwandtschaft“ zwischen den beiden Hochschulbauten wohl kaum überraschend. Ähnlich wie in der Wissenschaft ist es auch in Literatur, Kunst und Architektur üblich, einem eigenen Stil treu zu bleiben, Brüche und Stilwechsel dabei nicht ausgeschlossen. Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass es auf der Ebene von Lebensstilen wie auch in Sphären wie Kunst, Architektur, Musik und anderen kulturellen Produktionsfeldern auf Die feinen Unterschiede ankommt – so der treffende deutsche Titel von Pierre Bourdieus berühmter Studie La Distinction (Paris 1979) – finden sich bereits auf den ersten Blick mehr als nur „feine Unterschiede“ zwischen den Libeskind-Bauten in Lüneburg und Hongkong. Ich schlage vor, den Blick etwa auf den von Herrn Jenckel heran gezogenen Bildern auf geometrische Formen und auf die Flächengröße der Fenster zu richten.

Was ist hier was? Der Campus der Leuphana und der Uni von Hongkong – beide Male mit der unverkennbaren Libeskind-Architektur – und Farbe. Foto: jj/ta

Als vergleichende Fragestellung erscheint mir ebenso interessant wie solche formalen oder ästhetischen Aspekte, warum es in Hongkong möglich war, einen in der Größendimension vergleichbaren Hochschulbau in weniger als vier Jahren fertigzustellen. Wirtschaftliche, politische, kulturelle Differenzen? In Lüneburg dauerte es von 2007 bis 2018 bis zu seiner Realisierung, was im Übrigen neben den unterschiedlichen Lohnkosten in China und Deutschland auch einen Teil der Gesamtkostendifferenzen erklärt. Mir persönlich, der ich auch an der heutigen Wirtschaftsuniversität Wien (WU, 22k Studierende) studierte und mehrfach an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) lehrte, Einrichtungen für die in den letzten Jahren Neubauten errichtet wurden, die um mehr als den Faktor 4 (500 Mill. Franken in Zürich, 492 Mill. Euro in Wien) kostspieliger waren als der Bau in Lüneburg, scheint auch die Aufregung über die Kosten des Baus unverhältnismäßig, zumal man es nicht mit einem Eigenheim-, sondern mit einem Hochschulbau zu tun hat. Man beachte, was selbst in der engeren Umgebung, etwa in Hannover oder Göttingen, für Neubauten im Universitätsbereich ausgegeben wird. Ich beschränke mich auf die Leibniz Universität Hannover, an der ich selbst länger tätig war und zitiere aus deren Website. Auf dieser wird durchaus stolz über die Investitionen des letzten Jahrzehnts berichtet: „In den vergangenen zehn Jahren haben die Universität, das Land Niedersachsen, der Bund und die Europäische Union etwa 350 Mio. Euro in Neubauten und die vorhandene bauliche Infrastruktur der Leibniz Universität Hannover investiert.“ (https://www.unihannover.de/de/forschung/profil/infrastrukturen/)

In der Zürcher Hochschule drückte man mir gegenüber gerade in diesem Monat anläßlich eines Vortrags wieder Verwunderung aus, dass man einen solchen Bau wie den von Libeskind in Lüneburg, dort bestens bekannt, mit einer Summe von 110 Millionen Euro umsetzen könne. Auch darüber, dass das Land Niedersachsen dazu nicht mit mehr als rd. 36 Millionen Euro beigetragen hat. Aber ich konzediere, dass Lüneburg nicht Zürich ist, wo man 500 Millionen Franken für einen Bau für nicht mehr als rd. 2250 Studierende und deren Lehrende auszugeben bereit war, der weder ästhetisch noch funktional an das Lüneburger Zentralgebäude heranreicht. Wenn zutrifft, was die Sozialwissenschaftler Luc Boltanski und Arnauld Esquerre in ihrer aktuell vieldiskutierten Studie über die Auslagerung der industriellen Produktion in Billiglohnländer und das Erfordernis der Anreicherung von Regionen durch Kultur inkl. Architektur und kulturelles Erbe im Rahmen einer an Bedeutung stark wachsenden „Ökonomie der Bereicherung“ neben der zu beachtenden digitalen Transformation schreiben (vgl. Bereicherung, suhrkamp stw 2304, Berlin 2019), werden künftige Generationen es der Weitsicht der hiesigen Hochschulleitung noch einmal zu danken wissen, dass die vom Land Niedersachsen einigermaßen vernachlässigte Region Lüneburg über einen derartigen Bau und eine derart stark an der Aufwertung der wissenschaftlichen Bedeutung der Universität orientierte Hochschulleitung verfügt, wozu auch Attraktoren baulicher und infrastruktureller Art für Wissenschaftler_innen und Studierende gehören.

Der in den Kontext der ehemaligen Wehrmachtskaserne platzierte „schwarze Schwan“ hat im Übrigen auch dazu beigetragen, dass ich in der universitären Außenwelt die Worte, „Ich wußte gar nicht, dass es in Lüneburg eine Uni gibt“ in jüngerer Zeit nicht mehr vernommen habe. Dabei sollte realistischer Weise nicht übersehen werden, dass weder absehbar ist, dass die Lüneburger Universität in absehbarer Zeit an die Bedeutung der Universität ihrer estnischen Partnerstadt Tartu wird anschließen können, noch einen Platz unter den Top 1000 nach ihrem wissenschaftlichen Ansehen platzierten Universitäten der Welt wird einnehmen können. Dies wurde etwa von der gleichfalls von einer PH in eine Universität verwandelten Uni in Oldenburg bereits erreicht und würde auch für Lüneburg und die Region als transformierbares kulturelles Kapital von erheblicher Bedeutung sein. (http://www.shanghairanking.com/arwu2019.html).

Gegenüber der im Blog und auf lokaler Ebene teilweise vertretenen Haltung gegenüber dem Bau scheint mir auch folgende Sicht von außen erwähnenswert. Über die Wahrnehmung der Leuphana waren seitens des Präsidenten Prof. Dr. Lenzen und des Kanzlers Martin Hecht der Universität Hamburg, eine der erfolgreicheren in Deutschland, im Beitrag „Architektur für die Uni Hamburg der Zukunft“ im Hamburger Abendblatt vom 14.10.2019 folgende Äußerungen zu lesen: „Nach der Auszeichnung als Exzellenz-Universität soll Hamburgs größte Hochschule künftig auch architektonisch hervortreten. ‚Die Universität Hamburg weiß, wo sie wissenschaftlich steht und hinwill. Nun ist es Zeit, der Hochschule auch über ihre Standorte ein prägnanteres Gesicht zu geben‘, sagt ihr Kanzler Martin Hecht. Uni-Präsident Dieter Lenzen erklärt, früher sei bei Bauplanungen für die Universität ‚nicht versucht worden durch eine avantgardistische Architektur ein Zeichen zu setzen‘ – in einer Art und Weise, wie es etwa in Lüneburg mit dem neuen Hauptgebäude der Leuphana Universität gelang, das der US Stararchitekt Daniel Libeskind entworfen hatte. Für die Universität Hamburg brauche es ebenfalls ‚Mut, markant zu sein bei wissenschaftlichen Gebäuden‘, fordert der 71-Jährige, dessen Amtszeit 2022 endet.“ (S. 6)

Als in Lüneburg mittlerweile langjährig ansässige Person habe ich auf erinnerungskultureller und -politischer Ebene bereits das eine oder andere erlebt. Ich denke etwa an die lauen politischen Reaktionen auf die Interventionen des Lüneburg-stämmigen rechtsextremen „Volkslehrers“, an den Umgang mit dem von der Stadt in den 1960er Jahren in Obhut genommenen „Ehrenmal“ der in Lüneburg aufgestellten 110. Infanteriedivision der Wehrmacht und der Aufklärung über deren so lange bewusst und unbewusst unter den Schleier des Nichtwissens und der Ignoranz gehüllten Kriegsverbrechen in Weißrussland. Und nicht zuletzt an bestimmte Formen der Kritik am Bau von Libeskind. Sie gehen weit über das hinaus, was vor dem Hintergrund seiner Bauten und den entsprechenden Diskussionen u.a. in Berlin, Dresden, Osnabrück oder auch Hongkong zu erwarten war, fungiert neben damit verbundenen Hoffnungen offenbar auch als Projektionsfläche für unterschiedlichste Problemkonstruktionen und Ressentiments.

Wir leben in einer auf Überzeugungs- wie Meinungsebene bekanntlich sich zunehmend polarisierenden Welt. Von neurechter Seite heißt es gerne, Deutschland sei „thymotisch unterversorgt“ (Marc Jongen), ein aus meiner Sicht abwegiger Gedanke, der jedoch vielfach aufgegriffen und in die Tat umgesetzt wurde. Vor diesem Hintergrund kommen Argumente wie die, es handle sich bei dem einwöchigen Seminar in New York im März 2007 um „Legendenbildung“ bzw. eine „Inszenierung“, nicht allzu überraschend. Für dieses Seminar wurden von Frau Prof. Dr. Karsten, damals Dekanin im Bereich der Bildungswissenschaften, und mir auf der Grundlage einer größeren Zahl von Bewerbungen inkl. Motivationsschreiben 15 Studierende der Kulturwissenschaften bzw. des Kunstraums ausgewählt. Außerdem war eine ehemalige Studentin, 2007 Doktorandin an der Columbia University New York, beteiligt, die von den Lüneburger Kulturwissenschaften aus über ein Fulbright Stipendium für die Fortführung ihrer akademischen Laufbahn in die USA gewechselt war. Da Herr Jenckel die Frage aufwarf, was diese Studierenden in NY tatsächlich gemacht hätten, werde ich zur Erhellung abschließend noch aus einem eigenen Text aus dem Jahre 2007 zitieren.

In der Zusammenfassung zu den Lehrveranstaltungen, zu denen es auch ausführlichere Darstellungen in englischer Sprache gibt, da der Workshop mit Daniel Libeskind in Englisch stattfand, heißt es: „Im Seminar und im Workshop vom März 2007 in New York standen Einschätzungen der aktuellen Hochschulsituation sowie Visionen der Studierenden, die sich auf die Zukunft der Bildung an Universitäten bezogen, im Zentrum des Interesses. Nicht zuletzt wurde die Situation der Lüneburger Campus Universität eingehend erörtert. In der Vorbereitung auf das Treffen in New York stand die Auseinandersetzung mit drei Themen im Vordergrund:

a) Architekturgeschichte und Theorie, insbesondere die Bewegungen von Modernismus und International Style betreffend sowie die Gegenreaktionen des Postmodernismus und der dekonstruktiven Architektur, einschließlich der Symmetrie und herkömmliche Ordnung negierenden Position, die von Daniel Libeskind eingenommen wird;

b) der lokale Kontext, d.h. die Geschichte Lüneburgs, ihrer Pädagogischen Hochschule, Fachhochschule und Universität und deren architektonischer Hintergrund;

c) feld- und systemtheoretische Literatur zu Universitäten und Hochschulen und deren Wandel. Verschiedene Teilfunktionen und Subfelder der Universität, die als defizitär oder problematisch eingeschätzt wurden, erfuhren in diesem Zusammenhang eine gesonderte Aufmerksamkeit.

Abgesehen von analytischer, diagnostischer und evaluativer Arbeit sowie der Entwicklung von Zukunftsvorstellungen wurden im Seminar auch praktische Leistungen erbracht. So konstruierte die Projektgruppe ein Massenmodell (im Maßstab von 1:500) des zentralen Lüneburger Campus, der in seiner räumlichen Struktur und Ästhetik nach wie vor in starkem Maße von jener Infanteriekaserne geprägt ist, die erstmals 1936 bezogen wurde.

Im Workshop waren divergentes Denken und kreative Intelligenz in besonderem Maße gefragt. Daniel Libeskind hatte die Studierenden gebeten, ihre Visionen der Universität nicht nur verbal zu präsentieren, sondern zu visualisieren, und zwar zunächst mit Hilfe von Fotografien. Es war möglich, die Form des Vortrags bzw. der Darstellung frei zu wählen. Die studentische Mitarbeit konnte sich deshalb sowohl in theoretischer als auch in literarischer oder künstlerischer Form artikulieren. Es folgten Berichte über funktionale und dysfunktionale Aspekte der Universität, zu denen die Studierenden bereits in Lüneburg in Gruppen Recherchen durchgeführt hatten. Vielfach wurde von den Studierenden das Prinzip der Autonomie der Universität gegenüber Fremdbestimmungen von politischer und wirtschaftlicher Seite unterstrichen. Auf der Ebene von raumbezogenen Anliegen kristallisierte sich sehr deutlich der Wunsch nach einem Gebäude auf dem Campus der Universität heraus, in dem es für Studierende möglich sein würde, sich aufzuhalten, zu kommunizieren und sich zu regenerieren, ohne dabei gezwungen zu sein, in der einen oder anderen Weise etwas zu konsumieren. Ein solches Studierendenzentrum sollte zugleich Raum für studentische Gruppen, Initiativen und kulturelle Aktivitäten vorsehen.

Nach diesem Austausch und nach Diskussionen über die Geschichte Lüneburgs, in denen unter anderem die Phase des regionalen Salzmonopols, Aufschwung zur Hansezeit, Niedergang und Wiederaufstieg der Stadt ab Mitte des 20. Jahrhunderts, die für die Stadtentwicklung außerordentlich konsequenzreiche Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft sowie die jüngere Entwicklung hin zu einer Universitätsstadt zur Sprache kamen, erfolgte eine Konzentration auf räumliche Aspekte der lokalen Situation.

In der letzten Phase des Workshops wurden die Studierenden von Daniel Libeskind gebeten, in Gruppen zu arbeiten und sich vor allem visueller Darstellungsmittel zu bedienen. Es bildeten sich sechs Gruppen, die ihre Diagnosen und Visionen in Form von großformatigen Zeichnungen objektivierten. Dafür stand eine mit Zeichenpapier versehene Wand des Seminarraumes zur Verfügung. Diese Zeichnungen wurden von den Gruppen erläutert und im Plenum diskutiert. Daraufhin schlug Daniel Libeskind den Studierenden vor, sich am nächsten Tag in die nahe gelegene Canal Street zu begeben, um in deren Läden – ausgestattet mit 10 Dollar – Material für die Übersetzung der Skizzen in dreidimensionale Modelle zu beschaffen. Die Wahl der Mittel für die Modellkonstruktion war wiederum freigestellt. Ähnlich wie dies bereits in Zusammenhang mit der Vorstellung der Zeichnungen geschah, wurden die Modelle im Plenum präsentiert und eingehend diskutiert. Da die Modelle als Interventionen in existierende Raumstrukturen gedacht waren, lag ein nächster Schritt nahe: Die Anpassung der Größenordnung der Modelle an das Massenmodell und die Verortung der Modelle in diesem Kontext. Bei diesem Schritt konnten auch grundsätzlichere Modellmodifikationen vorgenommen werden.

Die von den sechs gebildeten Gruppen der Studierenden konstruierten Modelle
waren überwiegend von der Intention geprägt, die Symmetrie- und Ordnungsstrukturen der Campusarchitektur zu transzendieren. Darauf verweisen bereits die gewählten Bedeutungszuschreibungen bzw. Bezeichnungen der Modelle: „Verbiegen der Ordnung“, „Aufbrechen des Rasters“, „Wechsel von Perspektiven“, „fließende Formen“, Metaphern für Bruch und ersehnten Wandel. Aus der Sicht von Daniel Libeskind, der in seiner Arbeit Wert auf Partizipation und Involvierung von Nicht-Experten legt, erwiesen sie sich in formaler wie in inhaltlicher Hinsicht interessant und auch von erheblicher heuristischer Bedeutung für die ersten eigenen Überlegungen und Vorentwürfe von Modellen.“

Mit besten Grüßen

Prof. (apl.) Dr. habil. Ulf Wuggenig, Institut für Philosophie und Kunstwissenschaften sowie Institut für Soziologie und Kulturorganisation, Leuphana Universität Lüneburg, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften

 

 

 

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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8 Antworten zu Libeskind und die Wahlverwandschaften oder die Henne und das Ei

  1. Holger Meyer schreibt:

    Die Wahrheit kommt oft mit sehr wenigen Worten aus. Hingegen bedarf die Tatsachenverdrehung zumindest einer gut erzählten Geschichte. Ganz unabhängig davon ist die viel spannendere Frage, wer verdient eigentlich an einem solchen Bau? Hier ist noch viel investigative Arbeit zu leisten, wenn erst einmal im Rahmen der Endabrechnung bekannt ist, welche Firmen bei den verschiedenen Gewerken beteiligt waren. Glück auf Hans-Herbert Jenckel!

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    • Karl Beck schreibt:

      „Tatsachenverdrehung“ ist starker Tobak, Herr Meyer! Eine Anschuldigung und eine nebulöse Andeutung sind deutlich zu wenig Worte für einen Ritter der Wahrheit. Herr Wuggenig hat immerhin einen Versuch gemacht. Sie haben bloß mit Dreck gespritzt.

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  2. Andreas Janowitz schreibt:

    Zugegeben: die Behauptung eines „thymotisch unterversorgt“ Deutschlands ist völliger Quatsch, wie die Gewaltexzesse gegen Schiedsrichter im Amateurfussball untermauern. Überall wird aus nichtigen Anlässen völlig überzogen mit Gewalt reagiert, oder zumindest damit gedroht (diverse Morddrohungen gegen Lokalpolitiker?).

    Wie sich der Klumpen jedoch auf die Leistung der in ihm studierenden auswirken soll erschliesst sich mir nicht im geringsten. Ein verkopfter Versuch Symetrien eines Bauensembles aufzubrechen soll also die Kreativität des Denkens befördern und somit quasi automatisch zu etwas führen? Das ist doch Wunschdenken?! Wann hat je ein Doktor gesagt:“ Das Unigebäude hat mich inspiriert.“? Sowas erinnert mich eher an Geomantie und Ley-Linien?!

    Wie sich je dieser bewust als Fremdkörper konstruierte Bau einfügen soll, kann ich nicht nachvollziehen.

    Gerade die Abwesenheit von „kultureller Aktivität“ kennzeichnet doch diesen Bau? Ich zumindest lese äusserst selten von Veranstaltungen dort in der LZ? Gab es abgesehen von der Eröffnungsveranstaltung dort überhaupt schoneinmal eine Veranstaltung mit lokalem Charakter?

    Sorgte desweiteren die völlig aus dem Ruder laufende Finanzierung nicht für ein überdrehtes, aufgekratztes Auftreten der Verantwortlichen? Wohlwissend, das es sich lediglich um überteuerte Kunst handelt? Welche knappe Ressourcen anstatt in Stellen der Lehre in Beton bindet? Also tut mir leid, aber ich halte es für fahrlässige Ressourcenverschwendung und ich bin nun wirklich kein Sympatisant des Ungeistes, der gerade der Gruft entsteigt.

    Kann es sein, das dieser Glaubenskrieg die Verantwortlichen dem Burn-out nahe brachte? Ich hatte den Eindruck, das die Diskussion seitens der Uni zeitweise völlig losgelöst von realen Bezügen schrill, überdreht bis zur Groteske geführt wurde. Man als dummer die wahre Intention nur nicht verstünde. Überall Gegner lauerten, die für die Glohrie des Meisterplans gewonnen werden müssten, koste es an Steuergeldern was es wolle? Während unbeteiligten dritten der Sparzwang gerade den Tag versaute?

    Ich wage zu behaupten den Gedankengang in groben Zügen zu verstehen, aber weltfremd scheint er mir doch. Umso mehr als das der Uni-Vorstand die offensichtlichen Defizite nicht beheben will, sondern sich davon machen will?! Oder was anderes soll die Bewerbung auf eine andere Uni sein, als ein „sich davon stehlen“? Entschuldigung, aber dem Mangel an kultureller Aktivität hätte man zeitig, vor dem weiteren lüneburger Fiasko „Sportarena“, begegnen können, anstatt sich abzusetzen…

    Naja, der Bock ist sowieso geschossen.

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  3. Ulf Reinhardt schreibt:

    „Abgesehen von analytischer, diagnostischer und evaluativer Arbeit sowie der Entwicklung von Zukunftsvorstellungen wurden im Seminar auch praktische Leistungen erbracht.“

    Aber musste diesem wissenschaftlich-didaktischen Experiment zwangsläufig die Umsetzung in ein 120 Millionen-Projekt folgen?

    Der Beitrag von Prof. Wuggenig zeigt die Abgehobenheit der wissenschaftlichen Betrachtung und Rechtfertigung von der Lebenswirklichkeit der „einfachen“ Bürger, wie sie deutlicher nicht sein könnte.

    Bei der wissenschaftlichen Abhandlung wird weit ausgeholt, nicht einmal der Bogen über den rechtsextremen „Volkslehrer“ ist zu weit. Als nächstes wäre also die Frage zu diskutieren: „Kann Architektur Rechtsextremismus begrenzen?“

    Ich fürchte, Diskussionen auf dieser Ebene werden das Unverständnis der breiten Masse für Prestigeobjekte wie das Libeskindgebäude kaum beseitigen und auch nicht von den Kernfragen ablenken:

    Sind für ein Prestigeobjekt wie den Libeskindbau im Hinblick auf seinen (auch praktischen) Nutzen
    Kostenrelationen von 1 zu 3-4 im Vergleich zu einem konventionellen Gebäude zu rechtfertigen?

    War der im Hinblick auf die verwendeten Steuermittel notwendige demokratische Prozess so gestaltet, dass unabhängig von der architektonisch-künstlerischen Sichtweise von Transparenz und hinreichender Legitimation gesprochen werden kann?

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    • Andreas Janowitz schreibt:

      Es ist wie`s ist: der Klumpen liegt nunmal da…

      Würden Sie im Sinne einer einvernehmlichen Lösung nicht auch zustimmen, das der Beste Ort für abstrakte Kunst eine schiefe Wand wäre? Mir sind die Details einer gewissen „Sammlung“ unbekannt, ich empfinde es jedoch angemessen wenigstens eine Verbesserung der Gesamtlage herbeizuführen und in den schiefen Gängen abstrakte Bildersammlungen als „künstlerische Artikulation“ zu präsentieren? Es bietet sich die Gelegenheit für einen geistreichen Scherz. Diese fahren zu lassen wäre doch nun wirklich Verschwendung.

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  4. Klaus Bruns schreibt:

    die wissenschaft verzeiht sich bekanntlich viel. die bürger, auf deren kosten das ganze stattfindet, weniger.

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