Lüneburg muss dringend einen Nachtbürgermeister wählen

Lüneburg, 14. Juli 2020

Nachtbürgermeister

Frank Henfler will Nachtbürgermeister von Heidelberg werden. Ich finde bei der Kneipendichte braucht auch Lüneburg einen Nachtbürgermeister. Foto: Denis Kaschura/Adler Medien

Als ich den Aufruf sah, dachte ich spontan: Titanic-Satire. Da wirbt mein Facebook-Freund Frank Henfler um Stimmen, er will „Nachtbürgermeister“ von Heidelberg werden. Nur, es war kein Joke. Einige deutsche Großstädte suchen oder haben schon Nachtbürgermeister. Und der fehlt auch in Lüneburg – gerade jetzt und überhaupt. 

So ein Bürgermeister für späte Stunden soll das Nachtleben befrieden, den Ausgleich schaffen zwischen der Sehnsucht rechtschaffener Bürgern nach Ruhe in lauen Sommernächten und adrenalingeladener Nachtschwärmer nach Party mit und ohne Maske sowie Behörden mit Ordnungssinn.

In Amsterdam hat der Nachtbürgermeister schon Kultstatus. Mannheim oder Stuttgart, Frankfurt oder  jetzt auch Heidelberg ziehen in Deutschland nach.

Ohne Frage muss auch die Hansestadt Lüneburg einen Nachtbürgermeister wählen. Aus verschiedenen Gründen. Ganz aktuell könnte er beim Bridgen auf der Stintmarkt-Brücke als Mediator auftreten. Also der neuen Mode, am Abend dicht an dicht auf Brücken zu hocken und Bier zu schlürfen. Was natürlich unter der Corona-Geißel gar nicht geht. Zum anderen ist der Stint, liest man die Polizeimeldungen, ein Hotspot für Streithähne. Da ist großes Schlichter-Potenzial.

Zum anderen brüstet sich Lüneburg im Internet mit der größten Kneipendichte Deutschlands, europaweit soll nur Madrid mehr aufweisen. Das birgt per se Ärger en gros. Und gerade am Stint ist der gerichtsnotorisch. Man könnte soweit gehen, zu sagen, dass der Konflikt Bürger versus Nachtleben die erste Stint-Gastro-Blüte beendet hat. Aber es gibt ja eine Renaissance. Und es ist eigentlich ein Wunder, dass das Bürgermeister-Amt noch nicht ausgeschrieben ist.

Und dann könnte wir auch noch Synergien heben. Lüneburg sucht sowieso einen neuen Oberbürgermeister oder OBin. Da wäre es doch angezeigt, zeitgleich auch einen Nachtbürgermeister zu wählen. Da spart man schon beim Wahlaufwand – zwei Fliegen mit einer Klappe – und bei der Wahlwerbung. Schließlich könnte man zum Beispiel dem Zweitplatzierten der Oberbürgermeisterwahl das Amt Nachtbürgermeister andienen. Vielleicht erhöht das signifikant die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber. Oder man könnte eine Quotenregel einführen. Wird also zum Beispiel eine Frau Oberbürgermeister, was ich glaube, geht das Amt des Nachtbürgermeisters an einen Mann. Nur mal so ins Blaue gedacht.

Früher hat der Nachtwächter in Städten und Flecken für Ruhe gesorgt, bis ihm die Sache über den Kopf wuchs, weil die Städte immer größer wurden, und das Wort einen trotteligen Beigeschmack bekam. Heute soll es der Nachtbürgermeister richten. Damit das Amt Ansehen und Qualität hat, darf dieser Bürgermeister rein pekuniär nicht abgefrüstückt werden mit Foto in der Zeitung und als Deputat ein Bier, ein Korn und eine Brezel am Abend. Also mindestens ein Halbnachtsgehalt. 

Mir fielen aus dem Stand mindestens zwei Aspiranten ein, denen der Posten geradezu auf den Leib geschnitten ist, vorausgesetzt die Besoldung stimmt. Der eine kennt sich in der Gastro-Szene wie kein Zweiter aus, kennt jedes Gerücht und denkt eh an politische Karriere. Der andere hat sich bereits aktuell als nächtlicher Brückenwart beim Bridgen bewährt. Kleiner Anreiz: Wenn es dunkel wird, darf der Nachtbürgermeister die güldene OB-Kette tragen.

Hans-Herbert Jenckel

PS. Wer Frank Henfler in Heidelberg unterstützen will, hier geht es zum Online-Abstimmung: https://umfrage.komm.one/index.php/259262

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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14 Antworten zu Lüneburg muss dringend einen Nachtbürgermeister wählen

  1. Luisa M. schreibt:

    Sehr geehrter Herr Jenckel,
    ich finde die Idee für Lüneburg großartig und stimme Ihnen in vielen Punkten zu. Allerdings muss ich Sie darauf hinweisen, dass das Bridgen in Lüneburg nicht erst seit diesem Sommer stattfindet und man somit kaum von einer „neuen Mode“ sprechen kann.
    Außerdem lohnt es sich, darüber nachzudenken, dass es auch die Möglichkeit einer Nachtbürgermeisterin gibt. Im Vergleich zum eher männlich dominierten Rathaus und Landratsamt fände ich eine weibliche Partei insbesondere zur Kommunikation, Mediation und Konfliktschlichtung erfrischend.
    LG

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    • jj schreibt:

      Sie haben in allen Punkten recht, Luisa M.. Danke für die Klarstellung. Lg jj

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    • Elena Schünemann schreibt:

      Liebe Luisa,

      nicht nur „das Rathaus und das Landratsamt“ sind „männlich dominiert“, die Redaktion der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ ist es ebenso wie das „Medienhaus Lüneburg GmbH“, wie die Intendanz der „Theater Lüneburg GmbH“, die Geschäftsführung der „IHK Lüneburg-Wolfsburg“, der „Verein Lüneburger Kaufleute e.V.“ und wie „das Management“ der dubiosen „Lüneburger Heide GmbH“. Kurzum, die Liste der „männlich dominierten“ Einrichtungen unserer Stadt ist praktisch ohne Zahl. Da würde ich einhaken. Das Amt der Nachtbürgermeisterin dagegen scheint mir den Paritätsgedanken eher zu veralbern.

      Ob „eine weibliche Partei“ bei entschlossenen Bridgern „insbesondere mit Kommunikation, Mediation und Konfliktschlichtung“ wohl viel ausrichten könnte? Schon der sportliche Herr Jenckel schlug seine diesbezügliche Nominierung durch Ulrich Blanck mit dem Bekenntnis aus: „Ich bin leider zu klein und schmächtig, auch wenn ich im Alter etwas zugelegt habe.“

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  2. Werner Mellentin schreibt:

    Nun, ja: auch wenn etwas noch so oft wiederholt wird, es wird dadurch nicht richtiger.

    Dies zeigt sich einmal mehr bei der Behauptung, die Hansestadt Lüneburg sei die Stadt mit der größten oder zweitgrößten Kneipendichte, bezogen auf die Einwohnerzahl, in Deutschland. Von dieser Platzierung ist Lüneburg aber seeeehr weit entfernt. Geht doch dieser Spitzenplatz in Deutschland an einen Ort mit 23 Einwohnern je Kneipe. Auf die 75.700 Einwohner von Lüneburg umgerechnet hieße das: die Hansestadt müsste mehr als 3.291 Kneipen vorweisen können, um das zu toppen. In absehbarer Zeit dürfte dies wohl kaum zu schaffen sein. Noch dazu vor dem Hintergrund, dass die neu hinzukommenden Wohngebiete die Kneipendichte nochmals verringern werden.

    Da wäre es dann doch angesagt, dass hier die Lüneburg Marketing GmbH ihre mahnende Stimme erhebt und die Stadtverwaltung zu geeigneten Maßnahmen anhält.

    Ach ja. Fehlt noch der Name dieses Ortes: Ammeldingen an der Our, im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz.

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    • jj schreibt:

      Lieber Herr Mellentin, vielen Dank für die Klarstellung, die natürlich Tatsächlich eine Provokation ist. denn Ammeldingen hat nur 23 Einwohner und mit dem Alten Zollhaus und dem Forellenhof gleich zwei gastronomische Betriebe von Rang. Sie haben Äpfel mit Birnen verglichen.

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  3. Jens-Peter Schultz schreibt:

    Und ich dachte der 1. April wäre schon gewesen.

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  4. Otto Berg schreibt:

    D A S ist der Job für Heiko Meyer (Mediator, Schlichter-Potenzial, Schröderstraßen-Marketing)!

    Geben Sie’s zu, Herr Jenckel, Sie hatten beim Schreiben an den Milchschäumer gedacht.

    Und der andere, der Ihnen im Kopf herumspukt, dürfte Felix Petersen sein (Ruhe, Ordnung, Bürgersinn), vermute ich.

    Auch Bernd Althusmann (der Seevetaler mit der linken Klebe (siehe das sprechende Bild unten)) wäre natürlich keine schlechte Besetzung, wenn eine geballte Faust, eine sonore Stimmlage und ein scharf gezogener Scheitel gefragt sind. Die Wahl zum 19. Landtag von Niedersachsen findet voraussichtlich 2022 statt. Danach dürfte er (wie anno 2013) zumindest als Vize-Nachtwächter in Lüneburg wieder einsatzbereit sein.


    Foto: dpa

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    • jj schreibt:

      Lieber Herr Berg, da liegen Sie zu mindest in einem Fall ganz falsch. Ansonsten kennen Sie das ja aus der großen Politik: Ich kann das weder bestätigen noch dementieren. Wir äußern uns nicht zu Gerüchten. Lg jj

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  5. Ulrich Blanck schreibt:

    Ich schlage Hans-Herbert Jenckel vor.

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    • jj schreibt:

      Vielen Dank für die Nominierung, das ehrt mich. Aber ich bin leider zu klein und schmächtig, auch wenn ich im Alter etwas zugelegt hat. Bei dir, Ulrich sieht das ganz anders aus: Die hast Statur beweist als Fraktionschef Durchsetzungsvermögen und kannst zuhören. Ideal. Lg jj

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      • Rudi Radlos schreibt:

        Wie wäre es, wenn Sie sich die Aufgabe mit Herrn Heilmann teilten? Der hat auch etwas zugelegt. Im Doppel ergäbe das einen stattlichen Blanck als Nachtbürgermeister.

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      • jj schreibt:

        Blanck bleibt Blanck, den kann man nicht kopieren. Danke für die Einladung. lg jj

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