Detlev Schulz-Hendel (Grüne), Wahlkreis LG-Land

Detlev Schulz-Hendel (Grüne). Foto: Privat

Eine Elbbrücke gibt es mit ihm nicht, dafür mehr Finanzhilfe vom Land für den Katastrophenschutz, und die Reaktivierung der Bahnstrecken Bleckede und Amelinghausen wird der grüne Landtagskandidat Detlev Schulz-Hendel weiter im Landtag unterstützen.

Das wichtigste Infrastruktur-Projekt (nicht Verkehr/Brücke), dass das Land in den nächsten fünf Jahren im Landkreis Lüneburg fördern muss, ist:


Es ist aus meiner Sicht nicht das große oder einzelne Infrastrukturprojekt. In allen 5 Samtgemeinden meines Wahlkreises engagieren sich unzählige Menschen in den Ortswehren und Gemeindefeuerwehren für die Sicherheit der Menschen vor Ort und beweisen täglich in den unterschiedlichsten Notlagen ihr Können. Die jetzige Landesregierung hat hier viel versprochen und wenig gehalten. Ich halte es für unabdingbar, gerade auch vor dem Hintergrund der Extremwetterereignisse, dass die Zuschüsse des Landes im Katastrophenschutzes und unserer Feuerwehren deutlich erhöht werden. Wir müssen endlich auch auf der Landesebene die Arbeit in den Wehren als Pflichtaufgabe der Daseinsvorsorge anerkennen, damit ihre Ausstattung nicht weiter von der Kassenlage unserer Kommunen abhängt. Aus meiner Sicht ist es wichtig, unsere Wehren bei der Nachwuchsgewinnung, beispielsweise durch Projektwochen in allen Schulformen zu unterstützen.

Die Elbbrücke Neu Darchau kommt in jedem Fall/kommt, wenn die Kosten nicht über 100 Millionen Euro steigen, /kommt nicht, weil…


Es ist völlig unerheblich, ob die Kosten knapp unter 100 Millionen bleiben oder gar die 100 Millionen Euro am Ende reißen. Die Brücke bei Neu Darchau wird und darf nicht realisiert werden. Ich weiß, dass dieses mittlerweile auch in weiten Teilen bei der SPD aber auch in Teilen der CDU so gesehen wird. Aber hier steht der fehlende Mut zur Realität und Ehrlichkeit gegenüber den Menschen im Amt Neuhaus und den Wählerinnen und Wählern im Wege. Eine Realisierung der Brücke würde sowohl beim Bau als auch beim Betrieb viele Treibhausgase freisetzen, dass ist angesichts der Klimakatastrophe nicht darstellbar. Das Land hat immer gesagt, es knüpfe eine Förderung an die Wirtschaftlichkeit des Projektes. Der Landkreis hat einen Wirtschaftlichkeitsvergleich bis heute rigoros abgelehnt. Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass sich der Landkreis dieses Projekt schlicht nicht leisten kann, schon jetzt muss angesichts eines Defizits von 12,7 Millionen in vielen Bereichen die finanzielle Axt angelegt werden. Statt an den ökologisch und ökonomisch unsinnigen Brückenprojekt festzuhalten, sollte nun endlich der Fährbetrieb modernisiert werden und eine kostenlose Nutzung der Fähren für die Menschen im Amt Neuhaus sichergestellt werden.

Welches Verkehrsprojekt  werden Sie in den nächste fünf Jahren mit Priorität und mit Hilfe des Landes im Landkreis Lüneburg unterstützen.


Die Reaktivierung der Bahnstrecken von Bleckede nach Lüneburg und von Lüneburg über Amelinghausen nach Soltau. Die Reaktivierung von Bahnstrecken für den Personennahverkehr wurden in den letzten 5 Jahren durch die SPD/CDU geführte Landesregierung komplett an die Wand gefahren. Niedersachsen hat kein landesweites Konzept zur Reaktivierung wie andere Bundesländer entwickelt und Schienenprojekte zur Bundesförderung angemeldet. Hier müssen wir nun unmittelbar  und zeitnah ran.

Die Kosten für Immobilien werden in den nächsten fünf Jahren im Landkreis Lüneburg weiter steigen, nicht mehr steigen, sinken, weil


Die Kosten für Immobilien werden ggf. nach einer kurzen Atempause weiter steigen, da unsere Region Wachstumsregion im Speckgürtel von Hamburg ist.

Was hat für Sie neben Wohnraum schaffen absolute Priorität bei Ausweisung neuer Baugebiete in den Dörfern des Landkreises Lüneburg: (bitte nur einen Punkt auswählen oder ein Ranking, als an 1/an 2/an 3)

1 Energie-effizientes Bauen 
2 Charakter der Dörfer bewahren 
3 Mehr Verkehr vermeiden 

Bei Neu- und Umbauten müssen wir den Fokus verstärkt auf die Verwendung schadstofffreier, nachwachsende und recycelter Baustoffe setzen. Darüber hinaus ist es wichtig bei der Abwägung neuer Baugebiete auch die Möglichkeiten des Lückenschlusses mitzudenken. Wir wollen insgesamt eine klimaschonende Siedlungsentwicklung, gleichwohl kann die Entwicklung der ländlichen Räume den Wohnungsdruck der Stadt Lüneburg abmildern. So könnten beispielsweise Siedlungsstrukturen entlang der zu reaktivierenden Bahnstrecken entstehen, wenn die Infrastruktur im ländlichen Raum stimmt, beispielsweise durch Angebote der Nahversorgung, ausreichende Angebote in der Kinderbetreuung und nicht zuletzt durch gute Mobilitätsangebote in der Fläche. Das wollen wir landesseitig unterstützen und fördern.

Die Arena läuft angesichts der Rahmenbedingungen, unter anderem viele Corona-bedingte Konzerte, die nachgeholt werden müssen, schleppend an. Wird die Arena für den Betreiber und Bauherrn Landkreis zu einem Leuchtturmprojekt oder Geldgrab oder wie es der letzte LZ-Chefredakteur Marc Rath auf Facebook kommentierte: Luxus der Leere?


Nach Inbetriebnahme der Arena Lüneburger Land erleben wir den Zustand einer verstaubten Arena, quasi ein Millionen-Grab. Große Konzerte und Veranstaltungen bisher Fehlanzeige. Ich rechne nicht mit einem Erfolgsmodell, insofern sollten wir keine Denk Tabus haben und ggf. die Reißleine durch den Verkauf der Arena in Erwägung ziehen. Wir haben es hier aufgrund der Überforderung des Landkreises und der Ignoranz vieler Kreispolitiker mit dem größten Bauskandal aller Zeiten im Landkreis Lüneburg zu tun.

Die Kreisumlage, mit der die Gemeinden den Landkreis finanziell unterstützten, muss sinken, stabil bleiben, muss angesichts der Kosten für Energie, Flüchtlingshilfe, Corona-‘Aufgaben steigen.


Ich sehe eine weitere Erhöhung der Kreisumlage sehr kritisch. Die finanzielle Last zur Bewältigung der Krisen dieser Zeit kann nicht auf die Landkreise und die Kommunen abgewälzt werden. Noch immer sind im Corona Sondervermögen des Landes ca. 3 Milliarden Euro vorhanden. In einem ersten schnellen Schritt kann durch einen einfachen Gesetzesentwurf, den wir nun in den Landtag einbringen, der Verwendungszweck der noch vorhandenen Mittel erweitert werden. Das heißt, die noch vorhandenen Mittel sollen auch zur Abfederung der Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zur Verfügung gestellt werden. Die derzeitige Krise ist eine Notsituation, die ein schnelles Handeln des Landes erforderlich macht. Diese Mittel sollen dann der sozialen Entlastung dienen. Aber auch ein Rettungsschirm für Landeseinrichtung wie Universitäten sowie eine Unterstützung der klein- und mittelständischen Betriebe und eine Unterstützung der Kommunen sollen aus diesem Fonds bestritten werden. Das Geld gehört nicht in den Sparstrumpf des Finanzministers.

Die Schlüsselzuweisungen des Landes zur Stärkung schwacher Kommunen sind gut geregelt. Nein, sie müssen angesichts der kostenintensiven Aufgaben der Kommunen neu geregelt werden, aber wie?


Klar, der kommunale Finanzausgleich gehört auf den Prüfstand. So ist zum Beispiel eine Samtgemeinde wie Amelinghausen schon durch den Umstand, dass wir viel Fläche haben aber im Verhältnis dazu relativ wenig Einwohner*innen im Nachteil. Doch neben der Prüfung des generellen finanziellen Ausgleiches, der sehr komplex ist, macht es Sinn die Auszahlung von Fördermitteln an Kommunen deutlich zu erleichtern und zu entbürokratisieren. Fördermittelmanagement für unsere Kommunen scheitert sehr oft an der Komplexität und mangelnden Personal dafür in unseren Kommunen. Hier vor Ort, gerade in unserem ländlichen Räumen begegnen uns die Herausforderungen tagtäglich und hautnah. Mobilitätsanforderungen, Digitalisierung, Stärkung des Handwerkes und vieles mehr sind Beispiele, wo das Land die Kommunen künftig stärker unterstützen muss.

Vita: verheiratet mit Michael Hendel, zwei Kinder, zwei Enkelkinder, Landtagsabgeordneter seit 2017, dort wirtschafts- und verkehrspolitischer Sprecher sowie Mitglied im Präsidium des Landtages, Hobbys: Wandern, Radfahren, Musik hier insbesondere großer Fan des Eurovision Song Contest.