Carl und die Erdmännchen (Vol. I+II)

Carl und Captain stoßen auf Weltraumschrott. ©charly krökel

Vorweg
Wer als Universalreisender zufällig auf unseren blauen Planeten stößt, könnte das Treiben da unten gut und gerne als wunderlich betrachten. Ein schönes Zuhause, und alle zerren daran herum, bis es ganz zerzaust ist. So ein Außerirdischer aus einem anderen Universum ist Carl. Er stößt auf einer Mission zufällig auf die Erde, nicht heute, nicht morgen, sondern übermorgen. Carl ist Navigator und mit seinem Captain unterwegs. Eine transgalaktische Dramödie, Happy End ungewiss.

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Carl, schau mal, da. Carl, nu guck doch mal.
Captain, ich kann jetzt nicht. Wir empfangen Störfrequenzen. Vielleicht Sox-Piraten.

Ja, aber guck doch mal, da. Sind das Meteoriten, die im Kreis schweben? Die glänzen. Oder Riesendiamanten? Carl, schau doch mal.
Captain, wir sind auf Karussell-Inventur, oder wie immer Sie diese milchigweißen Spiralnebel nennen wollen. Wir haben jetzt schon Zweimillionendreihundertdreiunddreißigtausend dieser Karussells in elf Zyklen inspiziert – in drei Universen. Was soll hier anders sein? Das sind bestimmt Piraten, die uns vom Kurs ablenken wollen.

Carl, die Dinger glänzen, navigier doch mal einen Tick dichter ran.
Capt‘n, Est Procul ruft, Zyklus-Inspektion.

Och, Carl.
Nachher sind das Piraten….Na gut, Sie sind der Chef.

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Entschuldigt, das klingt jetzt verwirrend. Diese beiden seltsamen blass-grünen Gestalten sind natürlich keine Menschen. Es sind Novix Puto, und sie kommen von weit her, aus einem Nachbar-Universum, und zwar aus der Rand-Galaxie Bubla 2. Ihre Homebase heißt Est Procul. Ja, was sind Carl und sein Captain für Wesen? Wir hier auf der Erde würden am ehesten sagen, es sind Droiden. Das trifft es zwar nicht ganz, aber wenn wir ein XXXL hinten dranhängen, würde Carl das wohl akzeptieren. Sein Captain ist etwas älter und deswegen nur XL. Für Carl ein bisschen lahm, aber mit Erfahrung und noch gut in Schuss.

Unter den Hybrid-Völkern der Universen zählen die Novix Puto zur Mittelschicht. Ihr ganz genauer Adresse lautet: Bubla 2/34/N024/B021. Im Pandora Sternenaufen ist es der dritte Planet hinterm Fixstern Bubla1.0. Aber das ist hier unwichtig. Carl und der Captain haben eine Mission: Spiralnebel zählen und auf mögliche Abweichungen untersuchen.

Sie landen jeden Zyklus, der 200.000 Spiralgalaxien umfasst, auf der Homebase. Speicher aufladen, Virenscanner und so. Das, was wir Zeit nennen, kennen sie nicht. Warum auch, für sie vergeht einfach nichts. Nur um sie herum scheint sich ständig etwas zu ändern, sterbende Sterne, verglühende Planeten, Galaxien-Staubsauer. Deswegen diese Inventurenreisen.

Damit wir hier auf der Erde mal eine Vorstellung haben, wie Carl diese für uns unermesslichen Entfernungen von Trillionen Lichtjahren zurücklegt. Für Carl ist ein Universum so groß wie ein Medizinball. Wir auf der Erde glauben, dass es davon nur einen gibt. Carl weiß, dass es eine Art Medizinball-Bad ohne Anfang und Ende ist. Carl denkt Mach4E=mc3. Der Captain ist etwas langsamer, das ist manchmal anstrengend. Aber die Novix Puto respektieren Erfahrung und nehmen Rücksicht. Carl kennt zwar keine Zeit, aber als er uns sichtet, ist es für uns schon 2120. Oder wie wir Menschen gerne so bilderreich sagen: 5 nach 12. So, weiter im Takt.

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Carl, ich bin sicher, die glänzenden Meteoriten oder Diamanten schicken die Störfrequenzen. Hol mal das Mega-Loop raus, das will ich aus der Nähe sehen.
Captain, der Zyklus ruft.

Caaarrl!!
Schon gut.

Hab ich’s doch gewusst, das sind keine Piraten. Das ist Schrott, verbeulte Riesendosen mit gebrochenen Greifarmen. Was sind das für Signale, Carl?`
Beim Maximus Puto, Sie haben recht, das ist eine Sabbelbude.

Carl, durch das Mega-Loop ist es deutlich zu sehen, das war nicht immer Schrott, die Dinger müssen einen Sinn gehabt haben.

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Was die beiden Universalreisenden sehen, sind alte Satelliten, die unseren Planeten auch 2120 immer noch umkreisen. Und was die beiden bald entdecken, darin sind Glanz und Elend der Menschengeschichte gespeichert.

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Carl, die Dinger kreisen um einen blau-braunen Planeten. Da ist eine Atmophäre, wenn auch mit viel gelbem Mief. Ich finde im Inventur-Lap nichts, was darauf hindeutet, dass es da bei der letzten Vorbeifahrt so aussah. Wann war da noch mal? Muss vor unserer Zeit gewesen sein.
Vor 21+“^“24 Zyklen, Chef.

Carl scannt Enzyklopädien der Erdlinge und sein Captain kommt aus dem Staunen nicht raus. ©charly krökel

Ha, da war ich noch gar nicht konfiguriert und destilliert, und an dich hat noch keiner gedacht.
Captain, in einer der Funkbüchsen scheint eine Bibliothek.

Schrott, Bibliotheken – wo kommt das her, wer hat das hier liegen lassen? Mach eine Notiz für die Uni-Facility-Abteilung mit Adresse. Unglaublich, was in diesem Universum alles geht. Carl, mit solchen Kleinigkeiten fängt es an. Und kaum, dass du dich versiehst, ist das ganze All vermüllt.
Carl, was steht denn da nun?
Chef, ganz komisch. Da finden sich nur zwei Zeichen: 0 und 1. Aber die in unermesslicher Größe und völlig durcheinander. Also nicht erst nur 0 und dann 1, nein ein völliges Durcheinander. Als wenn die Zeichen fluchtartig zurückgelassen wurden.

Schau in der Universen-Chronik nach, ob sich da was findet.
Chef, tatsächlich, als vor 16 Milliarden Jahren das Ü-Universum kollabierte, und das sich hier in einem Big Bang aufblähte, da wurde Milliarden Jahr später von einem Planeten berichtet, wo 0 und 1 als Speicherzeichen genutzt wurden. Warten Sie mal. Caipt’n, die haben damit ne Sprache generiert. Jetzt kommt Sinn in die O und 1, das sind sogenannte Nullen und Einsen und in der Kombination immer neue sogenannte Buchstaben.

Carl, das mit dem ewigen Big Bang geht mir gewaltig auf den Keks. Nichts bleibt wie es ist, ständig müssen wir auf Inventur-Reisen, weil da was einstürzt und hier was entsteht. Ein ewiges Kommen und Gehen.
Chef, das waren Ureinwohner, die haben immer alles aufgezeichnet, damit sie es nicht vergessen.

Ja, was hatten die denn im Speicher?
Der hieß Kopf, sehe ich, war nicht so gut trainiert, Captain.

Was heißt jetzt, nicht gut trainiert, Carl?
Die haben ständig daran gearbeitet, aber dazu muss ich später mehr lesen. Ich scanne erstmal.

Ureinwohner? Carl, sind die etwa noch da?
Wenn es funkt, alles deutet darauf hin.

Aber wo sind die? Carl, was steht denn nun in der Bibliothek?
Capt’n, das glauben sie nicht. Die senden noch. Die haben sich nur versteckt.

Wo denn, ich sehe nur Wasser und Wüste, ich kann nichts entdecken. Ja, wo?
Ich scanne ja schon.
Hier, Capt’n, das Gelbe ist Wüste, aber das Braune muss früher Grün gewesen sein.

Sind sie nun weg?
Nein, sie haben sich eingegraben..

Eingegraben? Warum denn das nun wieder?
Chef, ich scanne ja. Wikipedia, Brockhaus, Meyers Konversationslexikon, Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, ein Haufen wilder Geschichten von Grüblern. Grübler waren hoch angesehen und haben dicke Bücher verfasst.

Hießen die alle Grübler I, II und so weiter?
Nein, warten Sie, Sokrates, Platon, Aristoteles, Rousseau, Diderot, Kant, Hegel – unglaublich viele Namen, unglaublich dicke Bücher.

Warum so kompliziert, ich denke, die konnten sich gar nicht so viel merken?
Deswegen haben Sie vermutlich die Bücher geschrieben. Aber das kann ich noch nicht mit Gewissheit sagen. Ich arbeite dran.

Carl, mir schwirrt der Kopf. Merk dir die Koordinaten. Hier startet der nächste Zyklus. Eingegraben. Zum Glück können die uns nicht sehen. Ab, nach Hause. Carl.

Kapitel II: Carl, die Gene und das Hauen und Stechen

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Ich schaffe nur etwas Abstand zum alten Blog für Carl.

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Ich schaffe nur etwas Abstand zum alten Blog. Bald kommt Carl.

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Frohes Fest

Seebrücke Kellenhusen in der blauen Stunde.

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Elbbrücke: Auch das Verkehrsministerium winkt ab

Bleibt die Elbbrücke Neu Darchau eine Fata Morgana? Zurzeit gibt’s zur Finanzierung schlechte Nachrichten. Montage: jj

Lüneburg/Hannover 21. Dezember 2022

Die harte Absage zur Finanzierung der Elbbrücke Neu Darchau aus Hannover wollten die Freunde der Brücke nicht glauben. Alles Fake-News. Sie liegen falsch. Ich habe im zuständigen Wirtschafts- und Verkehrsministerium nachgehakt, und Sprecher Christian Budde hat geantwortet.

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Für die Elbbrücke der Herzen sieht es düster aus – wieder mal

Kein Geld vom Land. Der Traum einer Elbbrücke Neu Darchau ist geplatzt für den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag. Fotos: jj/privat

Lüneburg, 19. Dezember 2022

Der Landkreis Lüneburg sollte die Absage der Förderung einer Elbbrücke bei Neu Darchau ernst nehmen. Plant der Kreis weiter den Brückenschlag, steuere er auf ein Desaster zu. Das sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Detlev Schulz-Hendel in seinem Blog-Beitrag.

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Parkplatz-Patrone auf der letzten Patrouille

Umbau Haagestraße und Clamartpark – da fallen auch Parkplätze weg. (Foto; jj)

Lüneburg, 9. Dezember 2022

Ohne Frage, wir stecken mitten in einem Déjà-vu. Nicht, weil die Stadt wieder im Weihnachtslicht glänzt, nicht wegen der Glühwein-Seligkeit und der Frage, ob das Getränk zu teuer ist. Nein. Es ist ein Asphalt-Déjà-vu dank des letzten Gefechts der Parkplatz-Partrone im Rat.

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Karl der Käfer wird nicht gefragt

Lüneburg, 8. Dezember 2022

Ob Spekulationen zur Elbbrücke oder Karrieren, wie der von Monika Scherf, das ist Stoff, manchmal dünner, für Journalisten. (jj/ArL)

Im Film „Schiffsmeldungen“ erklärt der alte Lokalreporter am Ende der Welt in Neufundland dem Greenhorn der Redaktion beim Gang durch die Gemeinde worauf es ankommt. Zuspitzen. Als dunkle Wolken am Horizont aufziehen, fragt er den Volontär nach einer passenden Schlagzeile. Der philosophiert über dunkle Wolken. Dann legt der Lokalreporter los: 

„Unmittelbar bevorstehender Sturm bedroht Gemeinde!“
Der Neuling: „Aber was ist, wenn gar kein Sturm kommt?“
Lokalreporter:  „Gemeinde von tödlichem Sturm verschont!“

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