
Wenn’s draußen in der Welt was Großes gibt, heißt es in Theodor Fontanes Meisterwek „Der Stechlin“, dann steige in dem gleichnamigen brandenburgischen See ein roter Hahn auf und krähe laut in die Lande hinein. Seit Mittwochabend kräht er zum abrupten Ampel-Aus in Berlin ununterbrochen. Auch deswegen werden die Lüneburger Bundestagsabgeordneten Jakob Blankenburg (SPD) und Julia Verlinden (Grüne) bei der Lüneburger Wirtschafts-Gala Lünale heute Abend die gefragtesten Smalltalk-Partner sein.
Mich erinnert dieser Profi-Politikbetrieb an ein Fußballspiel. Die Zuschauer, das sind wir Wähler und Wählerinnen, merken schneller als die Spieler, das läuft nicht und schimpfen von der Seitenlinie. Die Spieler müssen weiter passen und laufen. Hier ein Beispiel von der FDP, die jetzt wieder im Brennpunkt steht.
Vor zwei Jahren habe ich ganz bewusst während des Landtagswahlkampfes ein kurzes Video von einem Auftritt vom heute Ex-Finanzminister Christian Lindner im Clamartpark für den Winsener Anzeiger ins Netz gestellt. Das kurze Stück erzielte Traumwerte mit mehr als 41.000 Aufrufen, aber die Hass-Kommentare musste ich abstellen, die Gefühlsbekundungen, also Emojis, waren fast zweitausendmal Wut. Und an der Seitenlinie habe ich mich gefragt, ob die Liberalen wissen, wen sie da als Zugpferd haben?
Die FDP wird in den Tagen bis zur Neuwahlen schwer an Lindner und ihrer Geschichte gemessen, unsere Bundestagsabgeordneten an der Frage, ob die Berlin-Blase so undurchsichtig und schalldicht ist, dass sie die Reaktionen der Bürger nicht sehen und hören oder gar betriebsblind sind? Ich habe Julia Verlinden und Jakob Blankenburg drei kurze Fragen gestellt. Das Urteil treffen die Leser.
Hat Sie das abrupte Ende der Ampel überrascht?
Jakob Blankenburg: Drei Parteien mit verschiedenen Ansätzen bei großen politischen und wirtschaftlichen Fragen, dass diese Konstellation nicht ohne Konflikte funktioniert, war in den letzten Monaten unübersehbar. Trotzdem gab es konkrete Lösungsvorschläge, die man gemeinsam umsetzen hätte können, wenn wirklich alle an einem Strang gezogen hätten. Es hätte nicht soweit kommen müssen.
Ab wann war Ihnen klar, das wird nichts mehr? Oder haben Sie an die Ampel geglaubt?
Blankenburg: Die öffentlichen Aussagen, vor allem von Christian Lindner in der letzten Woche, haben mich ehrlich gesagt ziemlich irritiert. Es ist schwer nachvollziehbar, wie man so stark auf Distanz zur eigenen Regierung geht, während man selbst als Finanzminister am Kabinettstisch sitzt. Ab da war klar, dass die Koalition wackelt.
Was wäre, wenn eine Mehrheit mit SPD möglich ist, Ihre erste Wahl für eine künftige Koalition?
Blankenburg: Jetzt geht es erstmal darum, bis zur Bundestagswahl demokratische Mehrheiten für echte Antworten auf die wichtigen Fragen zu finden. Dann trete ich als SPD-Kandidat an, um ein starkes Ergebnis zu erreichen. Nach der Wahl werden wir dann das offene Gespräch mit den demokratischen Fraktionen des Bundestages suchen, um eine verlässliche und stabile Regierung zu bilden.
Julia Verlinden (Grüne) hat eine Kompakt-Antwort geschickt.
„Verantwortungsvolle Politik für die Menschen zu machen, war mit der FDP schon seit langer Zeit herausfordernd und ist in den letzten Wochen fast unmöglich geworden.
Ich habe auch in meiner persönlichen Arbeit und Verantwortung als stellvertretende Fraktionsvorsitzende immer wieder das Gespräch und neue Wege gesucht, um gemeinsam gestartete Projekte und unsere Zusagen gegenüber denjenigen, die in der Gesellschaft darauf warten, umzusetzen.
Für mich gehört zur Demokratie, dass Ausdauer nötig ist, aber eben auch die Verantwortung, dann gemeinsam relevante Entscheidungen zu treffen. Das wäre angesichts der Lage in der Welt und Europa wichtig und verantwortungsvoll gewesen, vor allem hätte diesen Monat ein Bundeshaushalt für 2025 beschlossen werden müssen.
Die Menschen erwarten zurecht, dass die Politik sich um wichtige Themen ihres Alltags kümmert, z.B. um den besseren Schutz der Mieter*innen vor explodierenden Kosten und eine funktionierende Bahn. Dafür werben wir nun für starke Grüne und neue Mehrheiten im Parlament für Klimagerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie Sicherheit für Europa und die Ukraine.“
PS:
Jakob Blankenburg geht wieder für die SPD ins Rennen um ein Direktmandat im Wahlkreis Lüneburg/Lüchow-Dannenberg.
Julia Verlinden wird am Sonnabend gewählt und hat bestimmt wieder einen sicheren Listenplatz.
Für die CDU geht Dr. Marco Schulze ins Rennen
Hans-Herbert Jenckel
Fotos: Rainer Kurzeder/Blankenburg
wird der unsinn brückenplanung neuhaus immer noch weiter betrieben, oder wurde deren geldhahn endlich abgedreht? was sagen eigentlich die grünen und die spd zu diesem unsinn? pleite, aber kostenintensiv weiter planen? wer legt diesen verschwendern endlich das handwerk.? wozu geht der bürger noch wählen ,wenn mit dem mandat doch nur blödsinn betrieben wird? https://www.youtube.com/watch?v=SmctKnIYWF0
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Der Bürger, Klaus Bruns?
Wieso sagen Leute wie Christian Lindner, Dr. Marco Schulze und Sie nicht ich, wenn sie über sich reden? Wieso versuchen die sich hinter einer gesichtslosen Masse von ihnen angeblich gleichen und vielen zu verstecken? Um dem Unsinnn, den sie von sich geben, den Anschein einer Mehrheitsmeinung zu erschwindeln? Ist sowas nicht unredlich? Ist sowas nicht die ranschmeißerisch übergriffige AfD-Methode?
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Waltraud Behnke
sie scheinen ja nicht sehr oft mit ihren mitmenschen über po-litik und deren folgen zu sprechen. was meinen sie, wie viele bürger die nase voll haben , wenn über brücken geredet wird, die zusammen brechen , aber gleichzeitig über überflüssige neue gefaselt wird, obwohl an allen enden dafür das geld fehlt? was heißt hier mehrheitsmeinung? mit geld , oder ohne? sanierungen stehen an und kein wünsch dir was.
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Jetzt nicht nur „der“, sondern gleich „viele“ Bürger, Klaus Bruns? Ihr Maßstab ist offenbar allein Ihre Meinung und die der paar Leute, die Sie kennen und die Ihnen zustimmen. So reden auch Tino Chrupalla und Stephan Bothe, die rumlaufen und verkünden, was sie und ihresgleichen glauben, sei die Überzeugung „des“ Volkes oder entspreche dessen Willen.
Mehrheitsmeinung heißt Demokratie, Herr Bruns. Das Prinzip „Wünsch-dir-was“ vertreten Sie und andere Ego-Populisten, obwohl man Ihren Grundsatz, da Sie auf Begründungen Ihrer Thesen gewöhnlich verzichten, wohl besser als „Ich-hab-recht-und-alle anderen-sollten-mir-gehorchen“ bezeichnen muss.
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Der Bürger, Klaus Bruns?
Wieso sagen Leute wie Christian Lindner, Dr. Marco Schulze und Sie nicht ich, wenn sie über sich reden? Wieso versuchen die wie Sie sich hinter einer gesichtslosen Masse von ihnen angeblich gleichen Vielen zu verstecken? Um dem Unsinnn, den sie von sich geben, den Anschein einer Mehrheitsmeinung zu erschwindeln? Ist sowas nicht unredlich? Ist sowas nicht die ranschmeißerisch übergriffige AfD-Methode?
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„Medien“ nennen sich die, die für ein bisschen Profit oder Diskurskontrolle jedes zart keimende Pflänzchen der Solidarität und des zivilen Austauschs knallhart zerfetzen.
Ok, Twitter ist ein Extremfall, aber auch Facebook und Insta sind unbenutzbare Kloaken voller Werbung und KI-generiertem Müll. Dabei waren die mal ganz praktikable Werkzeuge der Vernetzung und Entdeckung. Oder erinnert sich noch jemand daran, dass man mit Google tatsächlich Informationen finden konnte? Oder bei Amazon günstige und gute Produkte?
Für diese fortschreitende Verschlechterung digitaler Dienste, nur um aus marktbeherrschender Stellung heraus ohne weitere Innovation und Investition noch mehr Profite generieren zu können, gibt es sogar einen, bislang leider nicht überzeugend ins Deutsche übersetzten Begriff: Enshittification.
„Journalismus“ dagegen ist auf dem Rückzug, meint Roger de Weck, von 1997 bis 2001 Zeit-Chefredakteur und von 2011 bis 2017 Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR). Verlage, so de Weck, dünnten ihre Redaktionen aus und glaubten, ihre Einbußen wettmachen zu können, indem sie noch mehr laute Meinungen und Soft-Themen brächten. Doch (auch in Lüneburg) nützt die „Boulevardigitalisierung“ just den Plattform-Populisten, die sich der immer selben Stilmittel bedienen: Zuspitzung, Skandalisierung, Aufregungskatastrophismus.
Heute Abend, Dienstag, den 12. November 2024 um 19.30 Uhr, hält Roger de Weck im Heinrich-Heine-Haus einen Vortrag (Moderation: Sebastian Friedrich), der sich mit der Frage beschäftigt, wie „der Journalismus vor den Medien“ gerettet werden kann. (Eintritt: 12 €, ermäßigt: 8 €, Schüler: 3 €)
Ja, da gehen wir hin!
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Herr Kretschmar die bevorstehehnde explosive Entkotung des oragenen, toxischen Megakolons steht unmittelbar bevor? Das Rumoren ist unüberhörbar?! Wer die vier Jahre Irrenhaus für untragbar empfand wird jetzt lernen was „geisteskrank“ wirklich heisst.
Da können selbst ehrliche Makler nichts mehr ändern. In der EU existiert nichts vergleichbares. Ob nun wegen grundsätzlichem Unvermögen oder naivem Opportunismus spielt keine Rolle. Die USA und China diktieren ihre dürftigen digitalen Ideen und unsere Swipe-Äffchen folgen Schnatterbots und Wahnfantasien nach täglich wechselndem Gusto.
Die allerwenigsten machen sich die Mühe nicht in ein Schema eingepasst zu werden was dann letztlich auch eines wird: die schwindende Menge der „unangepassten“. Die allermeisten bekommen ihre Meinung von sagenumwobenen „Algorithmen“ plattformübergreifend ins Futter gemischt, je nach Blasen/Schema Zugehörigkeit, d.h. „werden beschäftigt“ und nicht wie sie selbst gerne glauben möchten „beschäftigen sich“.
Ich selbst tendiere immer mehr zur Toten Zwischennetz These: die Top Level Domain Bots sind zu zweit und sitzen in China und den USA. Unter ihnen dient eine weitere Schicht synthetischer Sortierer und dann kommen die eher dürftigen Plutokratenmeinungen oft vermischt mit geostrategischen Interessen ins Spiel, fertig ist der Pottpurie aus egalem (aber profitablem), falschem (auch profitablem) und irrem. So lässt sich der Datenmüll aus „Guck Plastiktittie hier!“, „Geschirrspülertabse einwerfen heilt Krebs!“ und „Infraschall erzeugt Krebs!“ am einfachsten sortieren, oder?
Für die untere Hälfte der Wählerschaft besteht die Wahl im wesentlichen zwischen einer Tüte Kotze oder einer Packung Kot (und ich mache mit hier eine andere Meinung zueigen), denn „für“ die Bevölkerung wird nurnoch das allernötigste gemacht, was in den USA mit ihrem archaischen entweder-oder System numal sehr offensichtlich ist, hier aber kaum anders. Und nein natürlich sind die die am Lautesten „Wir sind das Volk!“ Brüller in keinster Weise an Besserung interessiert…
Somit ist das Ende vom Lied (at the end of the day ist und bleibt einfach schauderhafte [sie wissen sicher was „cringe“ bedeutet] Anbiederung) die peinlich planlose „Debatte“ um den Wahltermin, denn welches Thema man wählen soll ist schon längst zweitrangig. Wozu einen frühen Wahltermin, wenn nichtmal der Versuch unternommen wird wenigstens ein Thema zu präsentieren?! Alles was angeboten wird sind die feuchten aus der Idiotenhölle Tik-Tok entfleuchten Fürze. Möglichst nichtssagende Floskeln oder gleich belustigend blöde „Vorschläge“.
In der richtigen Welt singt China in der letzten Strophe von 1.400 Milliarden $ um seine Wirtschaft zu päppeln! Keines der 20 meist verkauften E-PkW kommt aus Deutschland! Danke für gar nichts! Ich denke das erste mal darüber nach nicht wählen zu gehen, denn es ist völlig scheiss egal, nur Idioten (hab` ich „vergessen“…. echt…), nutzlose Wendehälse (in welchen Lobbyarsch darf ich kriechen?) und völlig Irre (Führer Bernd ist der Beste!) , in der einen Hand `ne Tüte Kotze in der anderen eine Packung Kot.
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Könnten Sie bitte einmal aus dem Fäkalianischen ins Deutsche übersetzen, was Sie der gesitteten Welt mitteilen wollten, Herr Janowitz?
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Putzige „Frage“ Fr. Mägli.
Ganz bestimmt schiebt sich in ihrer „gesitteten Welt“ jeder Geschirrspülertabs als Virusabwehr hinten herrein, oder behauptet Windräder, bzw. deren Infraschall, erzeugt Neubildungen.
Und ja auch unter den Eidgenossen finden sich einige, die besser weggeschlossen gehörten, ohderr?
Ich bin mir sicher Sie fänden elaborierten Kode und süffisante Anektdoten, ihrem wohlverdienten Stand angemessen, ohne das Sie sich solch peinlicher „Stilmittel“ bedienen müssten. Ich für meinen Teil muss mich mit derlei Zeugs herrumschlagen: https://archive.is/2019.06.03-060642/https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/therapeutische-defaekation-im-hoch-energiewald-des-weserberglands/1100495067-265-3062
Genau auf diesem Niveau befinden sich aufgenötigte „Lösungen“ und „Vorschläge“ der Herren Wichtigtuer und selbstdefinierten Endgeilen von CDU/CSU und FDP, die aller vorraussicht nach auch noch den nächsten Kanzler stellen?! (Aua!)
Mit der SPD müssten wir beiden uns im Kurs „30 Tage Selbstliebe“ verschleissen. (Pfui! Unabhängig voneinander versteht sich!)
Vom Drogenaufstand in Schlumpfhausen könnten Sie am Rheinfall zum Glück (noch) nichts sehen (, aber nur der Gischt wegen). Zumindest ist unser Pervitin geschwängertes Geschwafel nicht weit entfernt vom auch in der Schweiz gängigen Skeptikergeschwurbel a la „es gibt keinen Klimawandel!“, obwohl die Alpen gerade ausseinanderfliessen wie warmer Pudding.
PS: Eher enttäuschend empfinde ich diesen Nachtrag von Herrn Jenckel. Er, besser als andere sollte wissen, dass es sich um genau dieses grobschlächtige Zeugs dreht.
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Wo sind wir nur hingekommen, Herr Janowitz? Mit eben diesen Worten blaffte mich kürzlich mein Tischnachbar bei einem Dinner an. Natürlich ohne eine Antwort abzuwarten. Vielmehr beantwortete der herrische Self-made-Unternehmer die Frage in der nächsten halben Stunde selbst.
Die Details seiner semiwertvollen Gesellschaftsanalyse erspare ich Ihnen. Nur so viel: Die Ampel ein Desaster, Habeck der Totengräber der deutschen Industrie. „Und überall Luschen!“ Damit meint er die neue Vätergeneration, die schon im Vorstellungsgespräch von Elternzeit und betrieblichen Yoga-Stunden träumt. „Oder Quotenfrauen“. Ich ziehe die Augenbrauen hoch, während er sich genüsslich in Rage redet. Der letzte Mann von Format: Friedrich-der-Unparitätische Merz, der sein Kabinett nicht zur Hälfte mit Frauen besetzen würde. „Recht hat er: Da tun die Frauen sich ja auch keinen Gefallen!“
Das bringt die Stimmung am Tisch Richtung Gefrierpunkt. Das weibliche Gegenüber des Wutredners wendet ein, dass die „rot-grün versiffte“ Jugend ihres Wissens schneller studiere, mehr Sprachen spreche als wir früher und „rauf- und runterarbeite“. Nichts arbeiten die, raunzt der Haudegen. „Die halten keinen einzigen Tag durch.“ Ich erzähle vom Nachbarn, der gerade eine Ausbildung macht als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, sich danach selbständig machen will. „Oh, kann der Wärmepumpen einbauen?“, will mein Gegenüber wissen.
Das Stichwort bringt den Wüterich vollends aus der Fassung: „Was meinen Sie, wo ich heute wäre, wenn ich mich der Rettung von Klima, Bienen und Berggorillas verschrieben, meine Zeit mit Achtsamkeitstraining verplempert hätte?“ Wo wären dann die 3000 Mitarbeiter? Wer bezahle denn Monat für Monat ihr Gehalt? Wer finanziere der Tochter ihr Pferde-Hobby? Wer füttere den nutzlosen Sohn durch? Wer zahle der Ex den Unterhalt? „Können Sie mir das sagen?“ Er guckt mich an. Mir kommen die Tränen. Was für ein Drama.
Alle anderen am Tisch haben sich längst an die Theke verdrückt. Ich schüttle ihm die Hand und geselle mich zu den anderen. Die interessiert nur eins: die Nummer vom Klimatechniker.
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Was haben Sie gegen die Schweiz, Herr Janowitz?
„Wo sind wir nur hingekommen?“ Mit eben diesen Worten blaffte mich kürzlich mein Tischnachbar bei einem Dinner auf der Alphütte im Allgäu an. Natürlich ohne eine Antwort abzuwarten. Vielmehr beantwortete der herrische Self-made-Unternehmer die Frage in der nächsten halben Stunde selbst.
Die Details seiner semiwertvollen Gesellschaftsanalyse erspare ich Ihnen. Nur so viel: Die Ampel ein Desaster, Habeck der Totengräber der deutschen Industrie. „Und überall Luschen!“ Damit meint er die neue Vätergeneration, die schon im Vorstellungsgespräch von Elternzeit und betrieblichen Yoga-Stunden träumt. „Oder Quotenfrauen“. Ich ziehe die Augenbrauen hoch, während er sich genüsslich in Rage redet. Der letzte Mann von Format: Friedrich-der-Unparitätische Merz, der sein Kabinett nicht zur Hälfte mit Frauen besetzen würde. „Recht hat er: Da tun die Frauen sich ja auch keinen Gefallen!“
Das bringt die Stimmung am Tisch Richtung Gefrierpunkt. Das weibliche Gegenüber des Wutredners wendet ein, dass die „rot-grün versiffte“ Jugend ihres Wissens schneller studiere, mehr Sprachen spreche als wir früher und „rauf- und runterarbeite“. Nichts arbeiten die, raunzt der Haudegen. „Die halten keinen einzigen Tag durch.“ Ich erzähle vom Nachbarn, der gerade eine Ausbildung macht als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, sich danach selbständig machen will. „Oh, kann der Wärmepumpen einbauen?“, will mein Gegenüber wissen.
Das Stichwort bringt den Wüterich vollends aus der Fassung: „Was meinen Sie, wo ich heute wäre, wenn ich mich der Rettung von Klima, Bienen und Berggorillas verschrieben, meine Zeit mit Achtsamkeitstraining verplempert hätte?“ Wo wären dann die 3000 Mitarbeiter? Wer bezahle denn Monat für Monat ihr Gehalt? Wer finanziere der Tochter ihr Pferde-Hobby? Wer füttere den nutzlosen Sohn durch? Wer zahle der Ex den Unterhalt? „Können Sie mir das sagen?“ Er guckt mich an. Mir kommen die Tränen. Was für ein Drama.
Alle anderen am Tisch haben sich längst an die Theke verdrückt. Ich schüttle ihm die Hand und geselle mich zu den anderen. Die interessiert nur eins: die Nummer vom Klimatechniker.
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„Was haben Sie gegen die Schweiz, Herr Janowitz?“
Sorry dem schweizer Schrottwerk haben wir die AfD und die NZZ zu verdanken? Insofern sind die Eidgenossen mehr als „fehlbar“ und z.Z. eher als „unzumutbar“ zu klassifizieren?!
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Lieber Herr Jenckel,
Sie haben einen Häcklinger vergessen:
Herr Grimm ist für Bürokratieabbau und wirtschaftliche Entlastung, für die ominöse „technologieoffene“ Klimapolitik und für Bildung und Generationengerechtigkeit. Außerdem postete er gestern ein imperatives Statement seines Noch-Parteivorsitzenden, mit dem dieser (Lindner) wie jener (Grimm) eine Neuauflage „der Ampel“ für den Fall ausschließt, dass einer der beiden bei der kommenden Wahl tatsächlich in den Bundestag einzieht :
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Damit haben wir auch das erledigt 🙂
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auf die gelbe gefahr ist eben verlass. die 5%klausel zwingt eben zur klientelpolitik, koste es, was es wolle.
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die ehemalige sozialliberale fdp hat sich schon lange von dem sozialen verabschiedet.. welcher bürger braucht so eine partei, wo sogar das liberale immer öfter auf der strecke bleibt.? Die Krise des Liberalismus .Populismus als Symptom eines politischen Paradigmenwechsels
Der Liberalismus steckt derzeit in der Krise. Der Soziologe Andreas Reckwitz interpretiert dies als Zeitenwende
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Vollständig lautet der vor 40 Monaten geäußerte Satz:
Obgleich ich glaube, dass der Berliner Soziologe nicht den Lindnerischen Schmalspurliberalismus meint, der letztlich ja nichts anderes möchte als die staatlich institutionalisierte Gewähr eines allumfassenden Freifahrtscheins für Learjet-Eigentümer, sondern die politische Idee einer Gesellschaft befürwortet, die auf der allen Menschen verantwortlichen Unabhängigkeit des Einzelnen, auf der Wahrung humanen Rechts, auf Pluralismus, auf wechselseitiger Achtung und auf dem freiem Gedankenaustausch basiert, frage ich Sie, Herr Bruns:
Wie interpretieren dies wohl ihre liberalen Reppenstedter Freidenkerparteifreunde Anikó Hauch, Frank Gehrke und Berni Wiemann?
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Hubert Moser
warum fragen sie ,sie nicht selbst? und wie kommen sie auf ihre? oder wollten sie nur albern sein?
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Schmunzeln oder albern sein, wo sehen Sie denn den Unterschied, Herr Bruns?
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wer sich auf die politik verlässt ,ist verlassen genug. und wer sich von der politik abhängig machen lässt, hat selbst schuld. wenn die wirtschaft jammert ,hilft die politik doch gern. wenn der bürger jammert…….? wohl dem ,der eine mächtige lobby hat. die politik ,,verspricht“ sich öfters.
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Vielen Dank für diese augenöffnenden Weisheiten, Herr Bruns. So tief und unvoreingenommen wie Sie heute Mittag wieder dringt selten jemand bis ins diffizile Räderwerk der großen Zusammenhänge vor.
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Beverly Schmalke
das muss doch noch gesagt werden dürfen. viele glauben doch tatsächlich , das politik eine nachhaltige veranstaltung ist. .dabei geht es doch nur um pöstchen und wichtigtuerei..egomanen werden dort gleich reihenweise befriedigt. schmunzeln
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Herr Bruns, Sie möchten wissen, ob dieses oder jenes noch gesagt werden darf? Fragen Sie Donald Trump! Der hat keine lange Leitung. Deswegen kann man ihn einfach so anrufen. Scholz und Putin haben es schon getan. Warum klingeln Sie nicht als Nächstes durch?
Ich weiß, Sie laden lieber zu sich nach Hause ein. Andrea Schröder-Ehlers, Niels Webersinn und Marc Rath hatten Sie schon zu Gast. Herr Jenckel muss noch warten. Aber erstens ist Mar-a-Lago selbst für einen reisefreudigen Dealmaker nicht gerade um die Ecke des Gellersen-Hauses gelegen und zweitens ist die gewohnte Zahl der Parkplätze für vierstrahlige Langstrecken-Großraumverkehrsflugzeuge mit zwei Decks und maximal 480 Passagieren, wie Trumps Boeing 747-200 eines ist, in der Agnes-Miegel-Straße von Christian Purps im Zuge der Reppenstedter Mobilitätswende großzügig zusammengestrichen worden.
Daher: auch wenn ich die erwähnten Gespräche nicht belauschen konnte, möchten ich Ihnen die Empfehlung aussprechen, es einfach mal zu probieren beim nun begreiflicherweise bestens aufgelegten Wahlsieger. Seine Nummer steht vielleicht in den amerikanischen Gelben Seiten, falls es so etwas gibt, unter „President-elect“. Aber fassen Sie sich kurz, Herr Bruns, andere wollen schließlich auch noch.
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Auch wenn die Verantwortung der FDP für das Platzen der Ampel natürlich nicht von der Hand zu weisen ist: Und wer ist verantwortlich für das dreijährige Scheitern dieser Koalition, für fast alle wesentlichen Sachfragen angemessene Lösungen zu finden?
Null Selbstreflexion und Selbstkritik bei beiden Interviewpartnern. Stattdessen markige Wahlkampfsprüche ohne Inhalt. Aber immer mit einer Aussage: Wir haben die Antworten und Lösungen auf die wichtigen Fragen „der Menschen“:
„Jetzt geht es erstmal darum, bis zur Bundestagswahl demokratische Mehrheiten für echte Antworten auf die wichtigen Fragen zu finden. Dann trete ich als SPD-Kandidat an, um ein starkes Ergebnis zu erreichen.“
„Die Menschen erwarten zurecht, dass die Politik sich um wichtige Themen ihres Alltags kümmert, z.B. um den besseren Schutz der Mieter*innen vor explodierenden Kosten und eine funktionierende Bahn.“
Mit welchen Maßnahmen und welcher Finanzierung soll denn ein besserer Mieterschutz und eine funktionierende Bahn erreicht werden? Jeder der es wissen will weiß, dass die Lösung dieser beiden Problemkreise hunderte Milliarden verschlingen wird, ohne dass in den nächsten 4 Jahren spürbare Erfolge überhaupt möglich sind. Mieterschutz kann in einem Wohnungsmarkt, in welchem das Defizit an erforderlichen Wohnungen jedes Jahr steigt, nicht wirksam umgesetzt werden, wie das Scheitern der Mietpreisbremse und des Mietendeckels eindrucksvoll gezeigt haben.
Selbst Bahnexperten erwarten auch bei verstärkter Investition in die Bahninfrastruktur nicht mehr damit, dass vor 2040 eine spürbare Besserung erreicht werden kann.
Und trotzdem soll uns immer wieder vermittelt werden: Wir haben die Lösung. Alles ist möglich, wenn wir nur die richtigen Entscheidungen treffen. Wir haben Alles für Alle und können jedes Problem der Menschen ohne Einschnitte in anderen Bereichen (z.B. Steuererhöhungen) lösen.
Beginnt denn gute Politik nicht erst einmal mit der Anerkennung der Realität?
Robert Habeck sagte erst gestern, das Vertrauen der Menschen müsse er sich erst einmal wieder erarbeiten. Man kann gespannt sein, mit welchen Lösungen und Versprechen dies geschieht. Die grüne Transformation zum Nullpreis wie bei der letzten Bundestagswahl?
Das soll hier nun aber keine reine Politerkerschelte bleiben: Leider ist es letztlich der Wähler der so gerne glauben möchte, dass die Politik seine Problem zum Nullpreis löst und alle wichtigen Wünsche erfüllt. Solange sich das nicht ändert, Trittbrettfahrer- und Vollkaskomentalität das Leben der Mehrheit der Bundesbürger bestimmen, dürfen wir eben auch nichts Anderes als markige Wahlkampfversprechen erwarten.
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Lieber Herr Reinhardt,
schön, von Ihnen zu lesen.
Zurückliegenden Dienstag, am 5. November 2024, ist ein erst Ende Mai dieses Jahres in allen 34 Anklagepunkten für schuldig befundener, verurteilter Straftäter von über 70 Millionen wahlberechtigt Votierenden zum 47. Präsident der USA gewählt worden.
Zwei Tage danach, am 7. November 2024, fragte der Schriftsteller Marko Martin seinen Präsidenten, ob es „angemessen“ wäre, …
Die kritische Rede des Herrn Martin und die Reaktion von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier darauf sorgten vor zwei Tagen im Schloss Bellevue für einigen Wirbel. Martin, der am 17. September 1970 in Burgstädt, also noch im Sachsen der ehemaligen DDR zur Welt kam, hatte bei einer Veranstaltung zum Doppeljubiläum von 75 Jahren Grundgesetz und 35 Jahren Mauerfalls am Donnerstagabend, 7. November 2024, unter anderem Steinmeiers Haltung gegenüber Russland und Kreml-Chef Wladimir Putin in seiner Zeit als deutscher Außenminister angeprangert. Darauf reagierte Steinmeier mit einem Wutausbruch beim Empfang nach der Veranstaltung. „Er ist angerauscht gekommen, um mir qua seines Amtes die Leviten zu lesen“, sagte Martin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Steinmeier habe ihn gefragt, ob es ihm Freude mache, Politiker zu diffamieren.
Hier geht’s zur inkriminierten (16 Minuten dauernden), aber wichtigen Rede. Deren wortgetreue Transkription findet sich hier.
Lieber Herr Reinhard, in Ihrem Urteil über das gedankenarme Geblubber von Julia Verlinden und Jakob Blankenburg stimme ich Ihnen zu. Auch „das dreijährige Scheitern“ als begriffliche Kennzeichnung der hausgemachten politischen Daueragonie unserer Berliner Koalitionäre gefällt mir sehr gut. Nur Ihre Charakterisierung „des deutschen Wählers“ als „Trittbrettfahrer“ mit „Vollkaskomentalität“ finde ich problematisch. Es will mir nicht einleuchten, dass herabsetzende Pauschalurteile über Kollektivsingulare („der Politiker“, „der Wähler“, „der Bürger“ etc.) zu „Lösungen“ führen könnten, – ebensowenig übrigens wie Herrn Habecks anrührende Ankündigung, sich „dem Menschen“ wieder zuzuwenden. (Wann, warum und vor allem wie hat er sich überhaupt von diesem Abstraktum abgewandt?) Der – konkreten – Realität ins schmallippige Antlitz blicken, Sachfragen identifizieren, einen passenden Plan (und nicht nur das Konzept eines Plans) ausarbeiten und diesen dann als politisches Handlungsprogramm (mit Beschreibung der Ziele und den Risiken der Unterlassung) anbieten, mehr können die Mitglieder einer Partei nicht tun, um zu überzeugen. Alles darüber Hinausgehende ist der Versuch zu überrumpeln. Scheitern wird der, der zu erziehen probiert.
Meine Meinung.
Was sagen Sie?
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Die Rede von Martin habe ich mir angehört, eine Kritik mit ziemlichen Exkursen und Kurven. Und er muss sich bemühen, immer mal wieder auf den Mauerfall zurückzukommen. Meine Meinung dazu habe ich schon vor langem geäußert. Da wären weniger Versprechen von blühenden Landschaften und ein langsames Zusammenkommen wichtiger gewesen, um nicht zu Recht am Übernahme-Syndrom zu laborieren. Interessant auch die Rede der Historikerin im Schloss, allerdings alles nur für ein Highbrow-Publikum, nicht fürs Volk. lg jj
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Lieber Herr Jenckel,
ich bin nicht ganz Ihrer Meinung.
Im Vortrag von Marko Martin, geb. 1970 in Sachsen, steht ebenso klar und unmissverständlich der Mauerfall des 9. Novembers 1989 im Mittelpunkt wie in dem von Claudia Gatzka, geb. 1985 ebenfalls in Sachsen. Allerdings handelt es sich weder im einen wie im anderen Fall um eine typische Schaufensterfestrede über Einigkeit und Recht und Freude, schöner Götterfunken.
Martin nutzt die Gelegenheit, um – hierin Herrn Reinhardt ähnlich – ein sozialpsychologisches Profil „der Bevölkerung“ auf dem Territorium der sogenannten „neuen“ Bundesländer zu skizzieren, welches erklären soll, woher deren Geschichtsvergessenheit, Wehleidigkeit, Selbstbezogenheit und Autoritätssehnsucht kommt, und weshalb beispielsweise, …
(Allein, wie erkennt man „die Bevölkerung“ und deren Eigenarten? Zwar lässt sich eine alarmierende Neigung „der“ vermeintlichen Ossis zur extremistischen Option bei Betrachtung der Wahlergebnisse aus den letzten Monaten nicht leugnen, doch ist der Mauerfall 35 Jahre her, die Durchmischung von Ost und West geht in die Multimillionen und ein Großteil der AfD- und BSW-Wähler ist zu jung, um die tolle „nachbarschaftliche Solidarität“ in den Zeiten des SED-Regimes selbst noch genossen haben und darum vermissen zu können.)
Aber auch den Wessis empfiehlt der Autor, den „notwendigen Abschied von gesamtdeutschen Lebenslügen und Verdrängungen“ endlich bewusst zu vollziehen, indem sie „‘89“ zum Anlass nehmen, sich etwa daran zu erinnern, wie lange ihr politisches Führungspersonal „den Frieden“ zwischen den Staaten unter dem Namen „Ostpolitik“ beschwor, aber deren geknechtete Völker vergaß, die solchen „Frieden“ auszuhalten hatten. Die verächtliche Äußerung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier von Ende April über „Kaliber-Experten“ im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ist ein verheerender Nachklang dieser selbstgefälligen Haltung, die schon 1993 von dem Oxforder Historiker Timothy Garton Ash („Im Namen Europas. Deutschland und der geteilte Kontinent“, Hanser Verlag) in aller beschämenden Ausführlichkeit beschrieben wurde:
Und ja, Herr Jenckel, der in Freiburg ausgebildeten Leipziger Historikerin Claudia Gatzka, ist nicht einfach zu folgen. Sie haspelt in rund 18 Minuten (von min/sec 16:10 bis 34:28 hier) ihre Überlegungen zur „demokratischen“ im Unterschied zur „nationalen Revolution von 1989“ herunter, für die sie besser die doppelte Zeit besessen und genutzt hätte. Aber auch sie bleibt beim Thema „Mauerfall“ und dessen Folgen. Ihre Frage lautet: Sind die fremdenfeindlichen Übergriffe, ja Pogrome, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in den 90er Jahren (und auch später) ein Ost-Spezifikum? Oder handelt es sich dabei um Symptome eines unheilvollen, doch gesamteuropäisch schwelenden Phänomens? – Ob die furchtbaren Vorgänge, wenn sich letzteres nachweisen ließe, leichter zu ertragen wären, kommt bei der Autorin, die häufiger über Klischees und „Geschichten wider den Osten“ nachdenkt, für meinen Geschmack allerdings zu kurz.
Nach alledem frage ich mich (und Sie und Herrn Reinhardt), woher „wir“ eigentlich sollten wissen können, was für „ein Highbrow-Publikum“ ist, aber nicht für „das Volk“?
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Lieber Herr Berg,
keinesfalls sollte es sich bei dem letzten Absatz um „herabsetzende Pauschalurteile“ handeln. Daher habe ich auch nicht von allen Wählern und Bürgern, sondern von der Mehrheit des Bundesbürger gesprochen.
Natürlich kann ich auch keinen allgemeingültigen Beweis dafür liefern, dass die Mehrheit der Wähler lieber an die Erfüllung von Wahlkampfversprechen glauben möchte, als diese realistisch zu hinterfragen. Aber wer will und kann denn mit Negativbotschaften Begeisterung auslösen?
Sie plädieren dafür, mit einem sachlich beschriebenem Handlungsprogramm zu überzeugen. Wenn dies passiert, dann jedoch regelmäßig ohne die Kosten und / oder weiteren Konsequenzen zu beschreiben.
Das beste Beispiel ist das Heizungsgesetz. Jahrelang haben „Die Grünen“ die grüne Transformation zum Nulltarif versprochen. „Niemand wird überfordert werden“, „Wir wollen es den Menschen einfach und komfortabel machen“ etc. Und plötzlich kostet eine Wärmepumpe auch nach Förderung noch das Doppelte einer Gasheizung! Das kostet natürlich Glaubwürdigkeit und Wählerstimmen.
Das Dilemma:
Wären die immensen Kosten schon vorher verkündet worden, hätte dies wahrscheinlich noch mehr Wählerstimmen gekostet.
Die Folge:
Völlig zu unrecht ist die Wärmepumpe in Verruf geraten und die Absatzzahlen sind nachhaltig drastisch eingebrochen, obwohl Wärmepumpen schon beim aktuellen CO2-Preis vor Einbeziehung in den Emissionshandel deutlich günstiger zu betreiben sind als Gasheizungen, so dass sich die Mehrkosten meist schon nach 6 – 8 Jahren wieder amortisieren.
Die Lösung für eine angemessene, ehrliche und zielführende politische Kommunikation:
Habe auch ich leider nicht!
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Trump!
Was meinen Sie, warum ihm sogar schon im beschaulichen Lüneburg so viele Westentaschentrumpisten mit Bro- und Web-Kompetenz nacheifern?
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Lieber Herr Reinhardt,
ein Erfolgsrezept kenne ich ebenfalls nicht, denke aber, mit dem Ikea-Pidgin von Robert Habeck wird niemand Kanzler. Wähnst du noch oder wählst du schon? Das ist eine Totgeburt aus der Marketingretorte (Agentur Malvine Biedersinn).
An der Wahl zum 21. Deutschen Bundestag im nächsten Jahr dürfen rund 61 Millionen amtlich berechtigte Personen teilnehmen. Wie wollen Sie mit all denen sprechen? („Den Wähler“ stelle ich mir als meinungsstarken, wohlgenährten Glatzkopf vor, der in sich und seiner Schmunzelwolke ruhend über einem Küchentisch in Reppenstedt schwebt.) Hier ist Verständigung zwangsläufig ein Top down-Vorgang, Rede, Information, Darlegung, – elektrisch verstärkte und/oder digital verbreitete Einbahnstraßenkommunikation.
Auf die Innenseite unserer DIN A4-Aufsatzhefte in der Oberstufe hatte der zuständige Pädagoge ein Epigramm von Christian Morgenstern drucken lassen:
Kein schlechter Rat, nicht einmal für politisch Ambitionierte, finde ich.
Und in der F.A.Z. von heute erinnerte der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe am Ende seiner Sichtung der derzeitigen ökonomischen Lage unseres Landes an die „Berliner Novelle: Der Ptolemäer“ von Gottfried Benn, welcher schon vor über 70 Jahren jedem (w, d, m) mit der Wirklichkeit Befassten empfahl:
Was Plumpe damit sagen will, übersetze ich mir so: Eine Besserung im politischen Handeln, dessen Erfolg von der Vertrauenswürdigkeit seiner Akteure aufseiten der Beteiligten, vor allem aber der Betroffenen abhängt, wird nur eintreten, wenn jene auf wohlfeile Parolen verzichten.
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Was jetzt? Ein … Mann, der die Gewalt im Kapitol am 6. Januar 2021 … gebilligt haben soll, ist soeben zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden.
Da ist es besser, gleich zum Thema Bundestagswahl 2025 zu wechseln. Da können wir immerhin noch etwas ausrichten! Wer sind unsere kleinen Trumps? Wer lanciert falsche Gerüchte über die Pläne der Koalitionspartner, wer geht am rechten Rand auf Stimmenfang, wer täuscht Sorge um die Ängste der Bürger vor, um sie um ihre Rechte zu bringen? Shakespeares Intrigant Jago gestand sich schon vor 420 Jahren ein: „Wenn ich ihm diene, dien ich nur mir selbst, – Der Himmel weiß es –, nicht aus Lieb und Pflicht. Nein, nur zum Schein für meinen eignen Zweck.“ Diese unsere Trumps können wir noch stoppen. Wir wählen sie immer wieder von Neuem ab (Lindner) oder wählen sie gar nicht erst ins Amt (Merz) oder bedauern sie vorsichtig aus sicherer Distanz und überlegen rechtliche Schritte (Höcke). Die Bewegung in Richtung asoziale Marktwirtschaft ist global. Der Widerstand wird so vielfältig sein wie die Staaten Europas und der USA, aber er muss kommen, denn der nächste Schritt führt in die Unmöglichkeit, Widerstand zu leisten, siehe Türkei.
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Julia Verlinden:
Ich meine, manche Menschen erwarten sogar, die Politik (= die Gesamtheit der von ihnen, d. h. von den Menschen, gewählten Politiker und Politikerinnen, ebenfalls Menschen mit Namen, Adresse und zurechenbaren Verantwortlichkeiten) möge sich schleunigst darum kümmern, dass es in Zukunft überhaupt noch Alltage gibt – und nicht allein Ausnahmelagen, in denen die Folgen der an Häufigkeit, Intensität und Schadenswirkungen exponentiell zunehmenden Extremwetterereignisse behoben werden müssen.
So ist auch Fontanes Stechlinsee längst nicht mehr nur ein Paradies für Badegäste und Taucher (oder literarisch informierte Spökenkieker), sondern seit Jahren auch eine wichtige Forschungsstätte. Wissenschaftler messen in schwimmenden Laboren auf dem See die Auswirkungen des Klimawandels auf die Binnengewässer. Wenn es also auch kein roter Hahn ist, der aufsteigt, so zeigt sich doch am See Stechlin heute noch, wie die kleine und die große Welt zusammenhängen und wie unsichtbare Veränderungen, die zunächst weit weg scheinen, mit einmal sichtbar und ganz nah an einen heranrücken.
Um es mit Peter Sloterdijk, Christian Lindners Trauredner am 9. Juli 2022 auf der Nordseeinsel Sylt, zu sagen:
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