
Zwei Punkte sind bedenklich in diesem Lüneburger Wahlkampf: Um das Amt Oberbürgermeister/in und Landrat tritt nur eine Frau an, und das nicht 1926, sondern 2026. Beim letzten Wahlkampf waren es allein in der Stadt drei. Und die Grünen spielen mit dem Feuer, wenn sie jetzt, wie man hört, auch einen Landratskandidaten ins Rennen schicken.
Warum? Im Landkreis zeigt der Christdemokrat Steffen Gärtner, noch Samtgemeindebürgermeister in Gellersen, schon heute, wie ein Verwaltungschef anpackt und umsetzt, wie Kommunalpolitik parteiübergreifend funktioniert. Er ist der beste Landratskandidat. Und er könnte ohne Stichwahl ins Kreishaus einziehen, wenn er sich nicht zu oft mit dem Grundblei aus der eigenen Partei zeigt, ja, und wenn die Grünen etwas mehr Weitsicht zeigen und auf einen Kandidaten verzichten.
Denn, kommt es zur Stichwahl, wird meiner Einschätzung nach Stephan Bothe von der AfD der Konkurrent von Gärtner. Die Partei sammelt immer mehr unzufriedene Wähler ein. Bothe punktet im Ostkreis, er punktet in Neuhaus, er punktet in Lüneburg nicht nur in Kaltenmoor. Und was Skandale angeht, scheint die Partei wie Teflon. Er könnte angesichts der allgemeinen miesen Stimmung ein beachtliches Ergebnis einfahren. Gärtner wird die Stichwahl gewinnen, aber sie schadet nur – verursacht von den Grünen
Die Ökos sind in Stadt und Kreis Lüneburg nicht in der Verfassung der letzten Kommunalwahl und würden durch einen Kandidaten oder eine Kandidatin erst eine Stichwahl wahrscheinlich machen, allerdings nicht mit ihrem Personal. Der Sozialdemokrat André Schule kann einem leid tun, er steckt unverschuldet im tiefsten Loch der Parteigeschichte.
Diese mögliche grüne Gratwanderung wäre fatal auch für die Mehrheits-Findung nach der Wahl, ja, sie könnte Auswirkungen bis in den OB-Wahlkampf in Lüneburg für die Grüne Claudia Kalisch haben.
Ach so, der Wahlkampf läuft gerade im Netz schon heiß mit: „So-geht-es-nicht-weiter-Slogan“ und der Kommentar-Bubble „Lüneburg schafft sich ab“. Wenn Sie das nervt. Sie können vorrübergehend Kandidaten auf weniger Posts downgraden oder gar blockieren und kurz vor den Sommerferien, wenn der Wahlkampf im Grunde entschieden wird, nach den Ferien geht es nur noch um irgendwas hinter dem Komma, die Kandidaten wieder upgraden, um zu sehen, ob noch mal neue Themen neben Drogen-Pogo am Sand, Parkplatzschwund und Leerstand platziert wurden.
Hans-Herbert Jenckel
Foto jj: Welscher Löwe auf dem Michaeliskloster vor dem Kreishaus