Wo Lüneburgs Westen und der Grüngürtel West verlaufen, ist und bleibt eine Frage der Definition

Lüneburg, 15. Juni 2018

Wer im Sommertheater für zwei, drei Wochen eine Hauptrolle auf der politischen Bühne spielen will, der muss sich langsam warmlaufen, sonst erreicht seine Heißluft-Botschaft nicht mehr das große Publikum. Das aalt am Strand. Eine Potenzial-Analyse.

Was hätte überregional das Zeug?

Eine Online-Petition „Seehofer adé“ ganz sicher. Ganz gut könnte auch der Vorstoß des SPD-Verbraucherministers Reinhold Jost aus dem kleinen Saarland im Sommer laufen: Werbeverbot für Dickmacher. Dann müssten wir keine Werbe-Blocker mehr installieren.

Und was hätte lokal Kraft? Vielleicht WLAN-Glocken für weiße Flecken im Landkreis, bis das letzte Glasfaserkabel verbuddelt ist. Oder mal wieder Radeln im ganzen Kurpark, aber nur mit Schrittgeschwindigkeit und der Androhung von mobilen Blitzern.

Ansonsten trägt uns sicher der Grüngürtel über den Sommer. Da fehlt nämlich noch der Vorstoß,  alle Beschlüsse zu kassieren, die nicht konform laufen mit dem rot-grünen Ratsantrag und -beschluss zum Grüngürtel West von 2014.

„Finger weg vom Grüngürtel West“ hieß jetzt auch eine Diskussion, die Andreas Meihsies moderierte. Er sieht sich als  Pate des Gürtels. Hintergrund für den Widerstand sind die Ideen für einen 3D-Campus inklusive Wohngebiet zwischen Reppenstedt und Lüneburg. Wer glaubt schon der Verwaltung, die sagt, der grüne Gürtel werde nicht enger geschnallt?

Aber wo verläuft eigentlich Lüneburgs Westen?

Als Weststadt definiert die Stadt auf ihrer Seite folgende Fläche: „.von den Sülzwiesen im Süden des Stadtteils über das Gelände des Psychiatrischen Klinkums bis hin zum Kulturforum auf Gut Wienbüttel im Nordwesten…“ Zur Orientierung eine Karte

Lüneburg im Westen

Lüneburg im Westen
Quelle Google Map

Und der Grüngürtel?

Dazu schalten wir zurück ins Jahr 2014. Damals wurde der Antrag von SPD und Grünen verabschiedet. Und darin heißt es „Der Landschaftsraum im Westen von Lüneburg zwischen den Gemeinden Reppenstedt, Vögelsen, Heiligenthal und der Wohnbebauung der Stadt wird planerisch langfristig für den Natur- und Landschaftsschutz und die Naherholung gesichert….Die Fläche soll von Bebauung und Verkehrswegen freigehalten werden.“

Das klingt eigentlich eindeutig. Und doch könnte man glauben, ganz Salami-Taktik, eine Scheibe vom Grüngürtel abgeschnitten worden zu sein.  Denn in der aktuellen Diskussion wird geradezu als Terra incognita das Areal zwischen zwischen  Vögelsen und Lüneburg am Wienebütteler Weg geführt. Das wird, das ist allgemein bekannt und auf dem Weg, ein Baugebiet, und das scheint aus der West-Diskussion ausgeklammert. Es herrscht schließlich Wohnungsnot, und die können weder Hanse-Viertel eins,zwei, drei noch der Wohnpark an der alten Wittenberger Bahn mit Teneriffa-Feeling lindern.

Wirklich lesenswert ist zur Gürtel-Diskussion auch die Stellungnahme der Baudezernentin von Lüneburg aus dem Jahr 2014. Sie singt das hohe Lied auf die Natur und die Landwirtschaft und muss doch ein paar Jahre später, Auftrag ist Auftrag, den Flächennutzungsplan und den B-Plan für den Wienebütteler Weg in die Umlaufbahn schießen. Hier also als Link die Stellungnahme im Original.

Deswegen wird im zweiten Akt des Lüneburger Sommertheaters wohl beantragt: Neu definiert und benannt wird, was in Lüneburg Westen bedeutet. Er endet vermutlich künftig haarscharf in Höhe der Psychiatrischen Klinik. Der „Friedhof Nord-West“ wird in „Friedhof Schwarzer und Weißer Berg“ umbenannt. Wo der bebaute Stadtrand liegt, das orientiert sich wie immer an den baupolitischen Frontlinien. Und was schützenswert ist, bleibt Auslegungssache.

Und die Moral von der Geschicht?

Hannes Wader hat sie in seinem Evergreen „Heute hier, morgen dort“  so zusammengefasst: „Und was gestern noch galt, stimmt schon heut oder morgen nicht mehr…“

Hans-Herbert Jenckel

 

 

 

 

 

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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11 Antworten zu Wo Lüneburgs Westen und der Grüngürtel West verlaufen, ist und bleibt eine Frage der Definition

  1. Stefan Gärtner schreibt:

    Beim Stichwort 3D-Campus, dessen „Cluster-Besiedelung“ im Grüngürtel „man“, so OB Mädge vergangenen Donnerstag im Wirtschaftsausschuss nach dem Vortrag des Vorstandes der Bionic Production AG über „BIONIC SMART FACTORY / 3D-Druck“, als „interkommunales Projekt“ machen möchte, fallen mir die zwei Läufi-Studis wieder ein, irgendwie Sarah und Brian, die ihren Traum nicht nur hatten, sondern auch lebten, und zwar nicht den von der Weltreise oder vom bekifften Sex, sondern den vom, hahaha!: Tiny House.

    Ein Tiny House ist eine Art Wohncontainer, Wohnfläche nicht mal 30 Quadratmeter, und hat unerhört viele Vorteile: Mit 50.000 Euro kostet es viel weniger als ein richtiges Haus, man kann es mit einem handelsüblichen Sattelschlepper herumfahren, und es zwingt einen, nur das Allernötigste zu besitzen, weil im Tiny House halt kein Platz ist. Zwei volle Jahre haben Sarah (20) und Brian (25) an ihrem persönlichen Tiny House herumgeplant und dafür sogar ihr Studium unterbrochen (!), und als es endlich soweit ist, erklärt Brian, ein exemplarisch freudloser Funktionsjackenträger, warum das Tiny House die Zukunft ist bzw. das Modell für seine „Generation“: Man ist superflexibel, aber man besitzt ein Eigenheim, ohne dafür 30 Jahre lang Kredite abzuzahlen. So doof seien die Eltern noch gewesen, so doof seien sie jetzt aber nicht mehr. Und also sehen wir Sarah und Brian, wie sie fast alles, was sie haben, wegschmeißen, um fürderhin zu zweit auf 28 Quadratmetern Tiny House zu wohnen. In derart leere, verheerte, vor der Zeit kaputte Gesichter hat man freilich noch nie geblickt.

    Der Traum nach dem Traum: die Tiny House-Siedlung, und wir sehen Sarah und Brian, wie sie mit anderen jungen Windjackenmenschen (rollen Sie, liebe Leserin, liebe Leser, ruhig mit den Augen, aber das sagt nun einmal alles, w.z.b.w.!) um ein Tonnenfeuer herumstehen, und im Hintergrund steht schon eine kleine Tiny House-Siedlung ganz nah beim 3D-Caqmpus („wegen Vernetzung von Arbeiten und Wohnen und so …“), und alle unterhalten sich angeregt über ihre Tiny-Häuser, weil man die nämlich „individuell“ konfigurieren kann usw.; und wer das hergebrachte Vorstadthaus schon deprimierend findet, mag schnurstracks hintenüberfallen: Was hier waltet, ist die restlose Konformität im Gewande des Kreativ-Individuellen, die frühvergreiste Begeisterung angesichts der eigenen bedürfnislosen Verfügbarkeit, und natürlich war Wolfgang Bülow, Vorstand der Bionic Production AG, da sehr einverstanden, zumal Sarah und Brian freilich schon ein Tiny House-Start-Up …

    Warum ich das alles lustig finde (und schon wieder lachen muss, wie ich es hinschreibe)? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil sich im besten, freiesten und wunderschönsten Lüneburg aller Zeiten alles unablässig selbst karikiert, ohne es zu merken?

    Und schon kommt der Webersinn-Getreue, Alexander Schwake, „Wirtschafts- und Digitalpolitiker aus Lüneburg“, hinterm Althusmann hervorgesprungen und ruft vom Alten Schlachthof herüber, wo die „Bahlburg-Arena“ bereits mehr als zehn Prozent teurer geworden ist: „Ich möchte den Menschen in Lüneburg und der Region ein gutes Leben ermöglichen.“

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  2. Martin Knepper schreibt:

    Analog zur Broken-Windows-Theorie gibt es die Rental-Bike-Theorie. Sie besagt: Wenn in einer Ecke Reppenstedts zehn Leihräder aufgestellt werden, werden nach spätestens einem Monat in einer Parallelstraße fünf weitere eines anderen Anbieters zu stehen kommen. Die Folgen sind absehbar: Die letzten Metzgerläden schließen, der Alte Uhu weicht dem jungen Burger King, das Bierangebot in den Kiosken wird zugunsten von Energydrinks verknappt, das Vinyl wird teurer, durch die Erdabkühlung entsteht ein erhöhter Bekleidungsbedarf, der zu Vollbeschäftigung in den Schwellenländern führt, schrankgroße Kinderwagen blockieren die Eingänge der Shisha-Bars, ein teuflischer Mechanismus. Und die runtergerockten Leihräder werden nach einigen Monaten mit schweröldampfenden Frachtern in die Schwellenländer transportiert, wo sie die schönäugigen Textilarbeiterinnen zu ihren Ein-Euro-Jobs bringen.

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  3. Klaus Bruns schreibt:

    Unterstützung
    kam auch vom Ausschussmitglied
    Hinrich Bonin (SPD),
    zugleich Reppenstedter Ratsherr.
    Reppenstedt sei bereit, eng
    mit zu arbeiten. Und zum Grüngürtel
    sagte er: „Ich sehe da vor
    allem ein Maisfeld
    erstaunlich, glaubt die spd bei der nächsten kommunalwahl in reppenstedt weiter das sagen zu haben? Hinrich Bonin hat da, wo er hergekommen ist, die SPD ebenfalls an den Rand der Nicht-Existenz geführt. er wird es wieder schaffen. eben ein champion. er steckt mit mädge gern unter einer decke. jeder reppenstedter müsste es eigentlich mitkriegen.

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    • Thomas Mitschke schreibt:

      „Ich sehe da vor allem ein Maisfeld…“
      Richtigstellung: Ich sehe da, real vor Ort, vor allem bestellte Kartoffelfelder sowie ein teilbestelltes Erdbeerfeld! Und auch der Verlust von landwirtschaftlichen Flächen wird zu einem immer größeren Dilemma. Gerade der ortsnahe regionale Anbau von landwirtschaftlichen Erzeugnissen wird zukünftig eine überragende Bedeutung bekommen, inklusive des nachhaltigen Gedankens.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Hallo Herr Mitschke
        Pandora ist die getreue Umsetzung der träumerischsten Visionen, die man einem Mitglied des Nabu unter Nutzung aller verfügbaren Klischees andichten würde. Dies geht sogar soweit, dass der Gaia-Mythos als Eywa implementiert wird.
        rot grün scheinen keine gesunden farben für die natur zu sein. schmunzel. so ähnlich wie schwarz rot. ob schwarz grün besser wäre? in reppenstedt gibt es noch die soli. sie könnte helfen.schmunzel.

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  4. heinrichdermilde schreibt:

    Der OB möchte bauen und expandieren, in seinem Lebensalter geht ihn ein für die Lebens- und Wohnqualität der Stadt Lüneburg unerlässliches Frischluftkonzept nichts mehr an. Die Sparkasse, in deren Aufsichtsrat er sitzt, möchte Eigenheime finanzieren. Manzke, Vorsitzender des Bauausschusses der Stadt Lüneburg, möchte Sand und Beton verkaufen und Baugebiete erschliessen. Die Lüneburger Grünen, allen voran Frau Schmidt, möchten mit Ihrem E-Bikes verstromte Stein- und Braunkohle vergeigen und dafür Biotope entlang einer Bahnstrecke zerstören. Es gibt keine Lobby mehr für die Vernunft, für gute und nachhaltige Entscheidungen, alle Ressourcen, das, was unsere Lebensqualität ausmachte, wird jetzt in einem Geld- und Bauboom zerkloppt. Köpfe der politischen Parteien im Rentenalter bringen ihre Schäfchen ins Trockene und spielen Ihren jahrelang gepflegten Filz- und Sumpfkontakten die letzten Filetgrundstücke zu. Es gibt keine Tabus und kein Halt vor Sportplätzen, Ortsschildern, Kaltluftgutachten, Grüngürteln, früheren Versprechen und Erkenntnissen. 600 Jahre altes Grundwasser, die Reserven der nächsten Generationen, lässt man unbeaufsichtigt von Coca Cola abpumpen und verkaufen…politische Entscheidungsträger im Endstadium hören keine Einschläge wie Insekten- und Bienensterben und betonieren immer weiter……Motto: Nach uns die Sinflut…

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  5. Klaus Bruns schreibt:

    Wo Lüneburgs Westen und der Grüngürtel West verlaufen, ist und bleibt eine Frage der Definition.
    wozu gibt es eigentlich ortsschilder? wenn lüneburg reppenstedt zu dicht auf die pelle rückt, ruft dieses zivilen ungehorsam auf den plan. die verteidigungslinie landwehrgraben muss vorher unbedingt renaturiert werden. schmunzel.
    Landwehrgraben Lüneburg
    es wird an der zeit , wachtürme wieder aufzubauen, die einschläge aus lüneburg kommen immer dichter. leider ist der feind auch schon in reppenstedt zu finden. champions league-player spielen nun mal gern global. wer hat uns verraten? sozialdemokraten?

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  6. Andreas Janowitz schreibt:

    Ich für meinen Teil hoffe das mit diesem „Grüngürtel West“ endlich eine Verkehrsplanung für Lüneburg insgesamt auf den Tagesplan kommt. Nach den 5 Ampeln auf 400m vor dem neuen Unizentralbau zweifel ich allerdings an der Zurechnungsfähigkeit der Verantwortlichen. Ja die Situation in Lüneburg ist schwierig. Aber bitte: wozu denn 5 Ampeln in Schrittweite voneinander? Solche Schildbürgerstreiche sind symptomatisch für das was ich als Normalbürger an „Kompromissen“ auszubaden habe. Wer zur Hölle hat diesen Bock geschossen?

    Ich möchte gar nicht wissen wie plan- und konzeptlos die anstehenden Einmündungen in die L215 hineingefrikelt werden.
    Die 12 Mille für die „Arena“ sollten besser in einen Stadtring investiert werden, der diesen Namen auch verdient, etwa mittels des „(Giovanni) Falcone“ Kreisels an der Kreuzung Bardowicker Str./Reichenbachstr./Vor dem Bardowicker Tore/Herrhausenallee, des „(August) Ritter“ Kreisels an der Kreuzung Willy-Brandt.Str./Stresemanstr./Friedrich-Erbert-Brücke (beide doppelspurig), einem ausgebauten „(Detlev) Ganten“ Kreisel an der Soltauer Str./Bögelstr. , zu Einbahnstrassen umgewidmenten Bleckeder Landstr./Lünertorstr. (Stadeinwärts) und Dahlenburger Landstr. (Stadtauswärts)?

    Diese Acker als Grüngürtel zu bezeichenen ist sowieso eher komisch?! Fällt überhaupt jemandem auf, das auf der Karte oben alle relevanten Areale grau unterlegt sind? Wie man daraus einen „Grüngürtel“ konstruiert bleibt wohl ein Geheimnis der durchtriebenen Ratspolitiker.

    Ja es ist schwierig in einer gewachsenen Struktur übergeordnete Verkehrsleitkonzepte umzusetzen, um es mit Hazel Brugger zu sagen:“ Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum.“, aber bitte in Zukunft wenigstens den Anschein erwecken!

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  7. Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

    Aus Anlass der angeblichen Planung eines 3D Campus neben dem Jobcenter in Volgershall den Grüngürtel zuzubauen ist so Zielführend wie das Aufstellen einer Telefonzelle auf dem Kreideberg zur Verbesserung der digitalen Kommunikation: Die Ingenieurstudenten der Leuphana ziehen in den Keller des Zentralgebäudes an der Universitätsallee 1 und die 3D Firma sitzt dann isoliert in Volgershall? Das hat mit Campus nichts zu tun! Die 3D Firma wäre in den Unigebäuden am Roten Feld wesentlich näher an der Uni.

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  8. Thomas Mitschke schreibt:

    *„Finger weg vom Grüngürtel West“ hieß jetzt auch eine Diskussion, die Andreas Meihsies moderierte. Er sieht sich als Pate des Gürtels.* … ich war erst echt überrascht, als ich vom Paten las, zumal es da ja unterschiedlichste Erklärungen für diesen Begriff gibt (Ehrenamt in christlichen Kirchen, Führungsperson einer kriminellen Organisation, siehe Mafia und Cosa Nostra oder aber Inhaber einer rechtlichen Patenschaft). Hat nun der Grüngürtelpate seinen Titel verdient? Ich sage NEIN, denn der Grüngürtel ist sozusagen das Baby der Grünen, doch wurde das bis zuletzt stiefmütterlich behandelt. Seine Geburt hatte der Grüngürtel auf lokaler Ebene 1992 (!) in grünen Papieren. Im Jahre 1996 (!) hatte sich die Koalition Rot/Grün auf ein Konzept für den Grüngürtel geeinigt. Der Grüngürtelpate schien sein Baby vergessen zu haben, denn erst im Oktober 2014 (!) wurde der Grüngürtel West überhaupt auf der Ratssitzung am 1. Oktober 2014 beschlossen. Im letzten Gruppenvertrag von Rot/Grün stand z.B. dies: „Wir werden ein Grüngürtel-Konzept für Lüneburg entwickeln, z.B. zur Sicherung der Naherholungsflächen zwischen Reppenstedt und Lüneburg sowie Adendorf und Lüneburg.“
    Umgesetzt wurde das nie, weder von den Roten, noch von den Grünen, deren Chef der Grüngürtelpate war. Übrigens organisierte der Grüngürtelpate auch eine Radfahrt (ich glaube 2016) durch den Bereich Grüngürtel West und verwies dabei immer wieder auf die Ackerflächen, welche hohes Potential für Bebauung hätten.
    Ihm und allen anderen war also schon klar, dass diese einen wirksamen Schutz benötigen.
    Hat der Grüngürtelpate nun an seinem „grünen Baby“ jemals inhaltlich gearbeitet, hat er es mit fachlichen Inhalten gefüttert, hat er es wachsen und gedeihen lassen, sich damit beschäftigt, was es gefährden könnte und was zu dessen Schutz auf den Weg gebracht werden müsste? Auf der Ratssitzung vom 02.06.2016, stellte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zwar einen Antrag, für den Grüngürtel Lüneburg West, ein Unterschutzstellungsverfahren beim Landkreis Lüneburg zu beantragen, doch bei seinen Redebeiträgen sah OB Ulrich Mädge (SPD) keine Grundlage für eine Unterschutzstellungsverfahren, er meinte sogar, dann müssten Bäume auf die Äcker gepflanzt werden. H. Dörbaum (SPD) war gar der Meinung, es gäbe bereits Schutz dafür. Auch hier waren die Grünen mit Ihrem Grüngürtelpaten inhaltlich nicht vorbereitet, ihnen fehlten schlichtweg die Argumente und rechtlichen Fakten. Die Diskussion ging aus, wie das bekannte Hornberger Schießen.
    Die Umweltverbände haben daraufhin aufbauend aus einem eigenen Konzept von 2015 ein Gutachten erarbeitet, welche zweifelsfrei dokumentiert, dass eine rechtliche Absicherung mach- und umsetzbar ist. Dieses Gutachten basiert auf der Grundlage bestehender Ausweisungsvoraussetzungen (Schutzwürdigkeit bzw. Schutzbedürftigkeit) für ein Landschaftsschutzgebiet (LSG), welches Flächen für Kalt- und Frischluftempfehlungen beinhaltet. Grundsätzlich können eben auch landwirtschaftliche Flächen ausgewiesen werden, vor allem dann, wenn diese wichtige Funktionen eines Landschaftshaushaltes erfüllen! Wichtig: Der zunehmende Wohnungsbau gestaltet sich zu einer abstrakten Gefährdung des Schutzzweckes des Grüngürtels. Somit ist der Grüngürtel, respektive seine Flächen, eindeutig schutzbedürftig!
    Diese Gutachten ist vor zwei Jahren an den kompletten Stadtrat, einschließlich OB, Stadtbaurätin und Umweltdezernenten, nämlich am 07.06.2016 gesendet wurden. Auch der Grüngürtelpate als alter erfahrener Hase im kommunalpolitischen Tagesgeschäft, einschließlich der Grünen Stadtratsfraktion wusste spätestens jetzt, dass mit Argusaugen auf die ungeschützten Äcker zu achten ist, auf welche detaillierte, fachliche Definition es ankäme um erfolgreich zu sein und dass deren Schutz mit aller Konsequenz politisch durchgesetzt werden müsse.
    Alleinige Festsetzungen wie von der Stadtbaurätin 2014 angedacht, im Regionalen Raumordnungsprogramm oder Flächennutzungsplan oder Ökoflächenpool reichen bei weitem nicht aus. Allein der Flächennutzungsplan ist um die achtzig Mal umgeschrieben worden.

    Nun pfeifen es die Arbeiter auf Ihren Traktoren auf besagten Äckern und die Spatzen von den Dächern: Besagte Flächen sind längst verkauft, der Drops gelutscht.
    Und auf besagter Veranstaltung am letzten Montag „Finger weg vom Grüngürtel West“, die der Grüngürtelpate moderierte, fiel wieder kein Wort vom Landschaftsrahmenplan und seinen Festlegungen, von der dringenden Unterschutzstellung der Äcker. Kein Wort, kein Konzept, wie der Grüngürtel zu retten wäre, keine Einladung an die Verwaltung für einen offenen Diskurs. Einzig Hr. Paschen, ehemals beim Landkreis für Kreisentwicklung zuständig, fand eindeutige Worte. Prof. Peter Pez signalisierte eine Zustimmung zur Bebauung, wenn auch reduzierter, zeigte u.a. aber zumindest die drohende Eingemeindungstaktik und weitere Baugebiete auf. Dem Veranstalter BUND ging es um das Sensibilisieren und Mobilisieren(!). Aber, der NABU, respektive meine Person waren gar nicht eingeladen! Ausgeblendet wurde auch, dass seit Wochen auf der NABU-Homepage ein gleichlautender Beitrag „Finger weg vom Grüngürtel West“ zu lesen ist, dass es eine Petition (701 Unterschriften) zum Schutz vor Bebauung des Grüngürtels West an den Stadtrat gibt und zur Krönung hat der Grüngürtelpate mich in der anschließenden Diskussion immer wieder in der Rednerliste bewusst und gezielt nach hinten gesetzt. Daraufhin habe ich dann die Veranstaltung vorzeitig verlassen, nicht ohne harte Worte an den Grüngürtelpaten, die ich hier nicht wiederholen möchte (das hätte man sicherlich von meiner Seite besser machen können). Böse Zungen behaupten, die Veranstaltung hatte den Zweck, den Grüngürtelpaten wieder ins öffentliche Licht zu setzen.

    Fazit: Die Flächen sind bereits verkauft, politische Mehrheiten für eine Bebauung zeichnen sich deutlich ab, das ehemals grüne Baby vom Grüngürtelpaten wird zukünftig scheibchenweise zerlegt. Das Baby bekam zwar einen Namen, aber es durfte nie wachsen und gedeihen. Nun wird es zerlegt, weil es seit 1992 nie die Aufmerksamkeit, Gewichtung und Priorität bekam, die es gebraucht hätte. Zerlegt, weil es womöglich nie verstanden wurde. Zerlegt, weil es vielleicht auch absichtlich politisch verraten wurde, oder aber für eigene Strategien und Profilierungen missbraucht wurde. Zerlegt, weil es nie ein Wunschbaby aller war und so nie den Schutz bekam, den es brauchte. Die fachliche Hilfestellung der Umweltverbände wurden ausgeblendet, Eitelkeit und Beratungsresistenz sind hier nicht unwahrscheinlich.
    Was bleibt ist der Pate…

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