Wir haben es verkackt

9. Juni 2023

Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Dieser Satz geht mir wieder und wieder durch den Kopf. 

Der Heisterbusch bei Bleckede 2013 umschlossen vom Jahrhunderthochwasser. Eine Ikone der Hochwasserkatastrophe. Das Foto hat Hajo Boldt geschossen.

Neulich sagte ein Umweltwissenschaftler in der Tagesschau unverblümt: In 20 Jahren ist die Erde ungemütlicher, eine andere, egal, wie viel Klimaschutz wir jetzt noch treiben. Darauf müssten wir uns einstellen. Und diese Woche erklärte ein Wissenschaftler in der Tagesschau, was passiert, und es passiert, wenn der Nordpol im Sommer ohne Eis ist.

Ich habe nicht sofort an die ikonographischen Fotos von Eisbären gedacht, die ausweglos von Scholle zu Scholle springen, sondern an unsere Deiche, an das Mahnmal in unserer Region, an den Heisterbusch bei Bleckede, der 2013 wie ein Schiff vom Jahrhunderthochwasser an der Elbe eingeschlossen ist. 

Jetzt kommen vermutlich die Jahrtausendhochwasser. Denn ohne Superlativ geht es bei unserem Raubbau an der Erde heute nicht mehr.

Das andere Extrem sind die Waldbrände in Kanada, die so gewaltig sind, dass New York im gelben Nebel versinkt. 

Die Anpassungsfähigkeit hat unser Überleben auf diesem Planeten lange garantiert. Seit wir aber die treibende Kraft der Veränderung sind, stimmt das nicht mehr. Wir haben die Erde viel zu früh in den Herbst ihres Zyklus gezwungen. Wir! – Nicht irgendwelch Naturgewalten. Und als Folge mutieren die Lebensumstände schneller, als wir uns anpassen können.

Meine Babyboomer-Generation hat rückblickend lange weltvergessen in Saus und Braus gelebt, mit Wirtschaftswunder (Höher, Schneller Weiter), mit Plastiktüten, Pommes und Plastikbechern. Ex und hopp. Und wir haben nicht gefragt, ob die Banane oder der Kaffee fair gehandelt wurde.

Unser Lehrer Heinz Michaelis kam 1972 besorgt mit dem Bericht des Club of Rome in die Klasse. Das Wachstum ist begrenzt? Okay, ein Jahr später gab es Sonntagsfahrverbote, längere Ferien und geschlossene Hallenbäder in der Öl-Krise.

Aber wir haben doch das Ozonloch überlebt und geglaubt, das Waldsterben auch, aus dem Schadensbericht wurde der Waldzustandbericht. DEFCON 2 wurde wieder auf DEFCON 4 gedimmt. Und wir sind doch alle zunehmend umweltbewusst. Kurzum, wir haben uns gründlich beruhigt und belogen. 

Meine Generation gehört leider zu denen, die es verkackt haben. Wir haben die Zukunft unverantwortlich beschädigt. Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.

Zwei Meter neben mir im Wohnzimmer liegt meine kleine Tochter Selma und schläft auf dem Sofa. Sie wird einmal über mich zu Gericht sitzen. 

Hans-Herbert Jenckel

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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33 Responses to Wir haben es verkackt

  1. Avatar von Norbert Meyer Norbert Meyer sagt:

    Nicht Tatsachen, sondern „Narrative“ bestimmen, was der Fall ist:


    © Wolf-Rüdiger Marunde

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    • Avatar von Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe sagt:

      Elementarerlebnis

      Es ist offenbar daß das was wir Elemente nennen seinen eigenen wilden wüsten Gang zu nehmen immerhin den Trieb hat. Insofern sich nun der Mensch den Besitz der Erde ergriffen und ihn zu erhalten Pflicht hat, muß er sich zum Widerstand bereiten und wachsam erhalten. Aber einzelne Vorsichtsmaßregeln sind keineswegs so wirksam als wenn man dem Regellosen das Gesetz entgegen zu stellen vermöchte und hier hat uns die Natur aufs herrlichste vorgearbeitet und zwar indem es ein gestaltetes Leben dem Gestaltlosen entgegen setzt.

      Die Elemente daher sind als kolossale Gegner zu betrachten mit denen wir ewig zu kämpfen haben und sie nur durch die höchste Kraft des Geistes, durch Mut und List im einzelnen Fall bewältigen. Die Elemente sind die Willkür selbst zu nennen; die Erde möchte sich des Wassers immerfort bemächtigen und es zur Solideszenz zwingen; als Erde, Fels oder Eis, in ihren Umfang nötigen. Eben so unruhig möchte das Wasser die Erde die es ungern verließ wieder in seinen Abgrund reißen, die Luft die uns freundlich umhüllen und beleben sollte rast auf einmal als Sturm daher uns niederzuschmettern und zu ersticken; das Feuer ergreift unaufhaltsam was von Brennbarem Schmelzbarem zu erreichen ist.

      Diese Betrachtungen schlagen uns nieder indem wir solche so oft bei großem unersetzlichen Unheil anzustellen haben. Herz und Geist erhebend ist dagegen wenn man zu schauen kommt was der Mensch dagegen getan hat, sich zu waffnen zu wehren ja seinen Feind als Sklaven zu benutzen.

      Das Höchste jedoch was in solchen Fällen dem Gedanken gelingt ist gewahr zu werden was die Natur in sich selbst als Gesetz und Regel trägt, jenen ungezügelten gesetzlosem Wesen zu imponieren.

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  2. Mit komplett autofreien Innenstädten pushen die niederländischen Radfahrstädte den CO₂-reduzierten internationalen Fremdenverkehr und heben zugleich die Glücks- und Wohlfühl-Level ihrer seniorjuvenilen Einwohnerschaft.

    Ganz schön fresh! Trotz internationalem Haftbefehl bewegt sich sogar der russische Präsident unbeschwert durch die niederländische Justizhochburg ’s-Gravenhage! Das Wimmelsuchbild aus dem Maiheft 2023 ist jetzt auch als Plakat zu haben:

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  3. Avatar von Hubert Moser Hubert Moser sagt:

    Befragungen von Fischen bestätigen inzwischen: die meisten Fische träumen von Leben auf den Bäumen.

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    • Avatar von Jo Jo sagt:

      Ohne Werbung, ohne Schnickschnack und dazu noch unentgeltlich. Ein richtig guter Horrorfilm:

      » PLASTIC PLANET «

      Eine Dokumentation von Werner Boote, die den Fokus auf eine Welt lenkt, in der Plastik allgegenwärtig ist:

      https://www.bpb.de/mediathek/video/187448/plastic-planet/

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      • Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

        Ja die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos:

        https://theoceancleanup.com/

        Es wird an einem globalen technischen Wunderwerk gearbeitet, um genau diesen Verheerungen vorzubeugen. Eine Kardaschow I Zivilisation steuert globale Stoffzyklen, womit dieses Vorhaben eines der neuen sieben Weltwunder werden wird.

        Es gilt einzig gewisse Wahnvorstellungen aus dem Weg zu räumen und grössere Schäden, verursacht durch die Umsetzung umnachteter Plänchen, abzuwenden.

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  4. Mehr als 13.000 Menschen kamen vergangenes Wochenende zur Demonstration in die Kleinstadt Erding nahe München, um am Samstag auf dem Volksfestplatz der Stadt an der Demonstration „Stoppt die Heizungsideologie“ teilzunehmen, wo Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und der Chef der Bayern-FDP, Martin Hagen demagogische Wahlreden gegen die „Klima-Abzocke“ hielten und vor allem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) aufs Korn nahmen. Dessen Heizungspläne würden auf die Zerstörung von Wohlstand, Wohneigentum und von Existenzgrundlagen hinauslaufen. https://www.landeszeitung.de/politik/heizungsgesetz-markus-soeder-polarisiert-in-erding-kritik-von-gruenen-XP4WE2KYYROQDCBRVWNDCZV534.html

    Der Verband der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) betont derweil, es sorge in der Branche für Verunsicherung, wie sich Söder und Aiwanger in drastischen Worten gegen die Pläne zum Umstellen auf klimaneutrale Heizungen gewendet haben. VBEW-Geschäftsführer Detlef Fischer erinnert an das bayerische Klimaschutzgesetz: „Wir wollen ja fünf Jahre schneller klimaneutral werden als der Bund. Und da genügt es einfach nicht, ganz platt und populistisch alles kaputtzumachen, wofür wir uns auch einsetzen. Es demotiviert unseren Wirtschaftszweig, diese Aussagen. Es führt dazu, dass man nicht weiß, woran man ist.“

    Das seit diesem Jahr gültige Klimaschutzgesetz aus der Feder der Staatsregierung sieht vor, dass Bayern bis 2040 klimaneutral sein soll. Jetzt müsse geklärt werden, ob dieses von CSU und Freien Wählern im Landtag verabschiedete Gesetz tatsächlich gilt, so Fischer – oder nach dem Willen der Staatsregierung gar nicht ernst genommen werden solle. Der VBEW betont, dass die Energiebranche bereits nach Kräften an der Umstellung auf Klimaneutralität arbeite. Dafür seien stabile politische Rahmenbedingungen entscheidend.

    Gerade im Heizungsbereich dürfe man Entscheidungen wegen der langen Projekt-Laufzeiten nicht verschieben, sondern müsse sofort handeln, betont Fischer: „Aber es darf natürlich nicht der Eindruck erweckt werden, als müsse jetzt jeder morgen seine Heizung rausschmeißen. Das steht ja in dem Gebäudeenergiegesetz gar nicht drin. Also wenn man jetzt gutwillig ist, kann man sagen, hier wird mit Halbwahrheiten operiert. Aber im Grunde sind es ja Lügen, die verbreitet werden.“

    Quelle: https://www.br.de/nachrichten/bayern/umstrittene-demo-aussagen-in-erding-aiwanger-verteidigt-haltung,Tgxs8AA

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    • Avatar von Silke Lehnberg Silke Lehnberg sagt:

      Keifend, uns gegenseitig prügelnd und beschimpfend werden wir zurück in die Ozeane gesogen werden, die uns vor Äonen als schleimigen Glibber an den Strand gespült hatten.

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  5. Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

    Udo Gast
    Erfolg braucht Verantwortung und Verantwortung braucht Erfolg. Zitat: Betriebswirtschaft hat abgewirtschaftet. sie wissen gar nicht wie recht sie damit haben. großvater hat die firma aufgebaut, der vater hat sie vergrößert und das ,kind, fährt es in die pleite. warum? es hat betriebswirtschaftslehre studiert und ohne menschenkenntnisse angefangen zu optimieren.

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    • Avatar von Volker Schuster Volker Schuster sagt:

      Hallo, Herr Bruns,

      von dieser Tragödie wusste ich ja gar nichts. Wer war „das Kind“? Sie oder Ihr Sohn? Und darum mussten Sie nach Reppenstedt ziehen? Wie traurig ist das denn?

      Aber Sie sind immer so verschwenderisch mit Ihren Einsichten! Warum schließen Sie sich nicht Herrn Gast an, werden Erfolgscoach und klopfen mit ihm gemeinsam getrocknete Binsen vor Publikum platt? Manche Menschen bezahlen dafür, wenn man ihnen Uropas Weisheiten im Carlo Colucci-Design serviert.

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      • Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

        Volker Schuster, ich muss sie wieder einmal enttäuschen, es betraf nur eine Firma ,bei der ich zwölf Jahre angestellt war. Tatsachen sind eben keine Binsen. Volker Schuster ,haben Sie zufällig BWL studiert? schmunzeln

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  6. Avatar von Otto Berg Otto Berg sagt:

    Lieber Herr Jenckel, lieber Herr Poggensee,

    „Der Philister hat o f t in der Sache recht, nie in den G r ü n d e n.“ Diese Wahrheit notierte der 24jährige Friedrich Hebbel 1837 in sein Tagebuch. (Vgl.: Vollst. Ausg. in drei Bänden. München 1984. Hier: Bd.1, S.136, Nr. 676)

    Neben Herrn Klaus Bruns, welcher die ‚maxima propositio‘ des Dithmarscher Dichters gestern und heute Vormittag mit zwei schönen Blog-Beiträgen bestätigt hat, ist Herr Malte Lühr getreten, der schon am Freitagabend auf LZplus vermeldete: „Mit ‚Lüneburg feiert‘ kommt auch das Müll-Problem zurück“ und der dann am Sonnabendmorgen von Seite fünf aus durch die Print-Ausgabe fluchte: „Verdammter Müll“!

    Sie, Herr Jenckel und Herr Poggensee, sind sich einig: Ihre „Babyboomer-Generation hat rückblickend lange weltvergessen in Saus und Braus gelebt, mit Wirtschaftswunder (Höher, Schneller Weiter), mit Plastiktüten, Pommes und Plastikbechern.“ Herr Bruns und Herr Seelenmeyer dagegen, die derselben Alterskohorte zugerechnet werden müssen, möchten sich nicht zur „Ex und hopp“-Devise (wider besseres Wissen) bekennen. Sie sind Repräsentanten (bzw. -onkel), einer Glaubensgemeinschaft, die meint, an der unguten Vermüllung ihrer und ihrer Kinder und Kindeskinder Umwelt seien anonyme Mächte Schuld („der Kapitalismus“, „ihre Erziehung“, „die da oben“, [veraltend:] „das Schicksal“ [altneudeutsch: „das System“], „die Gier“, das „menschlich Allzumenschliche“ usw.), aber keinesfalls trügen sie selbst (als „der einfache michel“, aber auch nicht als der zweifache oder dreifache Michel) Verantwortung. Was sagt wohl die (nicht ganz so einfache) Micheline?

    Anders Herr Lühr: Ab kommendem Freitag während Lüneburg feiert „werden die Mülleimer wieder überquellen“, lautet die Prognose des Redaktionsleiters. Der fürs Städtische zuständige Journalist hat Plastikteller, -tassen, -becher und -besteck auf dem Bildschirm und mahnt: „Zeit für den nächsten Schritt hin zur Mehrweg-Gesellschaft“!

    In der S a c h e haben Bruns, Lühr und Seelenmeyer also recht: Die Lage ist ernst, der Umgang damit nicht einfach. Wie sieht es mit den G r ü n d e n aus?

    Bruns und Seelenmeyer sind salviert. ‚Triebstruktur und Gesellschaft‘ regieren in ihrer Vorstellung durch sie hindurch wie feine Fäden des Fatums, das zu Initiativen nicht fähige Marionetten manipuliert. Die Unverbesserlichkeit des Menschen ist unausrottbar. Was bleibt, ist der Rückzug ins Kleine: „… il faut cultiver notre jardin“, meint Voltaires desillusionierter Candide am Ende des gleichnamigen Märchens, „… wir müssen unseren Garten bestellen.“

    Doch Herr Lühr sieht Möglichkeiten. Und vor allem: Er schwafelt nicht im Windelweichen, er demonstriert das wattige Allgemeine am fassbaren Besonderen. — Jedenfalls ein paar Zeilen lang. Dann gerät er auf ein Terrain, wo er sich verheddert (so dass ich mich frage, ob es niemanden in der riesengroßen LZ-Redaktion gibt, der ihm raten könnte, so einen Text besser nicht zu veröffentlichen.)

    Worum geht es?

    Herr Lühr wäre nicht Herr Lühr, wenn er beginnen würde, ohne „den Grünen“ einen kleinen Nackenschlag zu verabreichen. Die nämlich hätten, so Lühr, im Lüneburger Rat zu dem Müllproblem „einen Vorschlag“ gemacht, „doch Zweifel“ seien „angebracht.“

    Die Mengen an Verpackungsmüll sind in Deutschland seit 2010 kontinuierlich gestiegen, auf mittlerweile 228 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Rund 3,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Kunststoff fallen jährlich in Deutschland an.

    In Tübingen wollten Verwaltung und Vertretung nicht länger hinnehmen, „ihren“ Teil davon zu entsorgen, die Einwohner zahlen, aber die Verursacher ungeschoren zu lassen, – und genau das möchte auch die B90/Grüne Fraktion im Rat der Hansestadt Lüneburg nicht mehr.

    Nun gilt in der Universitätsstadt Tübingen seit Januar 2022 eine Steuer auf Einwegverpackungen. Damit soll neben der Erzielung von Einnahmen für den städtischen Haushalt auch die zunehmende Vermüllung des Stadtbilds durch im öffentlichen Raum entsorgte „to go“-Verpackungen verringert und ein Anreiz zur Verwendung von Mehrwegsystemen gesetzt werden. Für jede Einweggetränkeverpackung, jedes Einweggeschirrteil und jede sonstige Einweglebensmittelverpackung werden 50 Cent erhoben, für jedes Einwegbesteck-Set 20 Cent. Der Steuersatz pro Einzelmahlzeit ist auf maximal 1,50 Euro begrenzt.

    Die Franchise-Nehmerin eines McDonald’s Schnellrestaurants in Tübingen klagte dagegen und bekam in erster Instanz vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg auch recht. Dieser erklärte die Verpackungssteuersatzung mit Urteil vom 29. März 2022 für unwirksam, ließ aber die Revision „wegen grundsätzlicher Bedeutung“ zu.

    Vor drei Wochen, am 24. Mai 2022 folgte das Urteil des Bundesgerichts:

    „Auf die Revision der Antragsgegnerin hat das Bundesverwaltungsgericht die kommunale Steuer für überwiegend* rechtmäßig erklärt. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz handelt es sich bei der Verpackungssteuer um eine örtliche Verbrauchsteuer im Sinn des Art. 105 Abs. 2a Satz 1 GG, für deren Einführung die Stadt Tübingen zuständig war. Bei den zum unmittelbaren Verzehr, sei es an Ort und Stelle oder als ‚take-away‘, verkauften Speisen und Getränken ist der Steuertatbestand so begrenzt, dass ihr Konsum – und damit der Verbrauch der zugehörigen Verpackungen – bei typisierender Betrachtung innerhalb des Gemeindegebiets stattfindet. Damit ist der örtliche Charakter der Steuer hinreichend gewahrt. Die kommunale Verpackungssteuer steht als Lenkungssteuer auch nicht im Widerspruch zum Abfallrecht des Bundes. Sie bezweckt die Vermeidung von Verpackungsabfall im Stadtgebiet und verfolgt damit auf lokaler Ebene kein gegenläufiges, sondern dasselbe Ziel wie der Unions- und der Bundesgesetzgeber. Die Abfallvermeidung steht in der Abfallhierarchie an oberster Stelle, wie sich aus der EU-Verpackungsrichtlinie, der EU-Einwegkunststoffrichtlinie, dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und dem Verpackungsgesetz ergibt; erst danach folgen Wiederverwendung, Verwertung und Beseitigung des Abfalls.“ BVerwG 9 CN 1.22 – Urteil vom 24. Mai 2023 (Aktenzeichen: 9 CN 1.22 —- Lokaler ECLI-Identifikator der Entscheidung: 240523U9CN1.22.0 ) Vorinstanz: VGH Mannheim, VGH 2 S 3814/20 – Urteil vom 29. März 2022

    Quelle: Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, Pressemitteilung Nr. 40/2023 vom 24. Mai 2023 / Online: https://www.bverwg.de/pm/2023/40

    * [„Zwar erweisen sich die zu unbestimmte Obergrenze der Besteuerung von 1,50 Euro pro „Einzelmahlzeit“ (§ 4 Abs. 2 der Satzung) und das der Stadtverwaltung ohne zeitliche Begrenzung gewährte Betretungsrecht im Rahmen der Steueraufsicht (§ 8 der Satzung) als rechtswidrig. Diese punktuellen Verstöße lassen jedoch die Rechtmäßigkeit der Satzung im Übrigen unberührt.“]

    1. Eine Erläuterung, warum Zweifel (und Zweifel welcher Art) daran „angebracht“ sind, dass die B90/Grünen im Lüneburger Rat zu dem Müllproblem „einen Vorschlag“ machen, der sich an dem „Tübinger Modell“ orientiert, bleibt Herr Lühr schuldig. Umgekehrt wird ein Schuh draus: „Für Städte, die unter der Müllflut leiden, dürfte das Urteil nun endlich Rechtssicherheit für eigene Abgaben auf Einwegplastik bringen. Sie sollten zügig dem Tübinger Vorbild folgen, schließlich sind sie die Hauptleidtragenden der Kunststoffschwemme.“ (Vgl.: Süddeutsche Zeitung, 26. Mai 2023, 15:33 Uhr / Online: https://www.suehttps://www.sueddeutsche.de/wissen/verpackungssteuer-tuebingen-plastikmuell-1.5883210.de/wissen/verpackungssteuer-tuebingen-plastikmuell-1.5883210)

    2. Herr Lühr kann nicht erklären, warum er Shakespeares ‚Hamlet‘, der „in die Welt kam, um sie einzurichten“, von ganz weit herholt.

    3. Was den Instanzenzug („das Verfahren“) angeht: Herr Lühr scheint sich nicht klar zu machen, dass mit dem Urteil eines Bundesgerichts eine Streitsache grundsätzlich abgeschlossen* und die Entscheidung rechtskräftig ist. Die „Argumente“ und Darlegungen aller untergeordneten Gerichte sind damit kassiert. Insbesondere, um zu verstehen, „was faul ist im Staate Deutschland“ taugen diese gerade NICHT. [*Zwei Ausnahmen sind denkbar: Eine besteht in bestimmten Fällen bei der Anrufung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wenn geltend gemacht wird, dass die nationale Rechtsprechung gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstößt. Die zweite wäre die Verfassungsbeschwerde, die innerhalb eines Monats schriftlich begründen müsste, gegen welche Grundrechte unseres Grundgesetzes das Urteil verstößt. Keiner der beiden Ausnahmewege dürfte wohl für Befürworter der Anfechtung von kommunalen Einwegverpackungssteuern offen stehen.]

    4. Den Richtern des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts zu unterstellen, sie entschieden „nach Bauchgefühl“ ist von grotesker Lachhaftigkeit.

    5. Es ist unwahr, dass es keine bundeseinheitliche Regelung gibt. Das Abfallrecht ist in Deutschland auf Bundesebene vor allem durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) geregelt. Das Gesetz wird durch eine Vielzahl von Gesetzen und Rechtsverordnungen ergänzt und ausgefüllt.

    6. „Das Bauchgefühl“ von Herrn Lühr ist kein Einwand gegen die Qualität der Urteile von Bundesgerichten. Wer seine Hotellerie in Lüneburg betreibt, muss Bettensteuern entrichten. Wer nur einen Zentimeter außerhalb der Stadtgrenze eine rote Laterne ins Fenster seines rollenden Nickerchenwägelchens hängt, hat Glück gehabt. Wie fühlt sich das an?

    7. Ja, „zu Beginn dieses Jahres ist die Mehrwegpflicht eingeführt worden, doch konsequent geregelt wird die Geschichte mit den Einwegverpackungen dadurch nicht.“ Eben. Das wird nach Einführung der Einwegverpackungssteuer anders werden. „Dazu muss man nicht einmal im Restaurant essen. Seit Jahresbeginn gilt in Deutschland eine „Mehrwegpflicht“, alle Anbieter von Speisen zum Mitnehmen müssen ihren Kunden wiederverwendbare Behälter anbieten, zum Beispiel gegen Pfand. Hat nur kaum einer bemerkt, weil Gastronomen solche Boxen gern unter dem Tresen verstecken – sofern sie überhaupt welche dahaben. Auch daran könnten Abgaben auf Mitnahmeverpackungen etwas ändern.“ (Vgl. SZ, s.o. Punkt 1.)

    8. Genau: „Politik und Verwaltung in Lüneburg werden auf Antrag der Grünen kreativ“. Was spricht – außer Herrn Lührs Bauchgefühl – dagegen? Der Bund hat bereits „verbindlich geregelt, was endlich geregelt werden muss“. Wer mehr erwartet, pflegt einen gewiss süßen, im wahren Leben jedoch hinderlichen Kinderglauben.

    Bezug: SCHLAGlicht-Kommentar in der LZ, Sonnabend, 10. Juni 2023 · Nr. 133 · Seite 5 / Online (LZplus): https://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg-lk/lueneburg/kommentar-zum-stadtfest-mit-lueneburg-feiert-kommt-auch-das-muell-problem-zurueck-AM4W6UHIURGFPGUAQZ46O2UZQA.html

    PS: Der Münchener Wissenschaftstheoretiker Wolfgang Stegmüller sprach gelegentlich von „semantischer Umweltverschmutzung“. (Vgl.: Einleitung zur 5. Auflage seiner „Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie“ Band III, Stuttgart 1986, S. XIII) Auch ein Thema für Boris Palmer?

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    • Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

      Mein lieber Herr Berg, jeder ist für sein leben selbst verantwortlich, dumm ist nur, es gibt menschen, die sich verantwortlicher fühlen, als sie müssten und es gibt menschen, die für ihr tun sich nie verantworten müssen. leider ist die letzte genannte spezies oft in verantwortung. woran liegt das bloß?

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    • Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

      Ob Sie angesichts des nahenden Endes dieses Blogs irgendwann einmal Durchblicken lassen wer sich alles hinter diesem vielbelesenen und -interessierten Phantom versteckt? Orthographisch stets sicher im Sattel- zumindest ist mir bisher noch kein Tippverdreher wie sie mir zuweilen unterlaufen aufgefallen, also schreibmaschinenfest noch dazu.

      Wie dem auch sei: Herr Jenckel liegt doch sehr richtig darin, das irgendwann zwischen 350 und 380ppm CO² also späte 90er bis 2005 die Energiezufuhr ausreichte, um dem trägen Klimasystem eine Marschrichtung aufzuprägen. Sprich in der Zeit der Blüte ihres beruflichen Aufstiegs, auf, wahrscheinlich auch dem ihrigem, Schaffensplateau und anstatt ihren Job zu riskieren sich darin einrichteten. Die beliebig komplizierten Detailfragen des klein und klein der Verwaltung sind angesichts dessen was schon damals jedem richtigen Wissenschaftler klar war eher trivial.

      Etwa so wird es ablaufen: https://www.youtube.com/watch?v=InhMCJro6hA

      Und da Sie wahrscheinlich noch ein paar Dekaden mitreisen, werden auch Sie erkennen das diese extrem konservative Prognose überraschend früh eintreten werden, mit noch viel katastrophaleren Folgen.

      Denn erstens ist eine drastische Änderung des Klimas mehrfach in Eisbohrkernen nachgewiesen mit sehr viel kleineren Energieinputs und zweitens bilden solche Prognosen immer nur den Boden, das Mindestmass. Falls Sie Dr. Naish ein wenig zuhören werden sie verstehen das MICI- die marine ice cliff instability, am Jakobshavn-Gletscher sogar schon bewiesen wurde. Das Laarsen Eisschelf hat sich binnen Monaten aufgelöst und die feindliche Propaganda verhindert weiter erfolgreich jedwede Anpassung?!

      Feinde sitzen im Bundestag und ergeben sich feuchten Träumen von Machtergreifung.
      Feindpropaganda schwadroniert vom „Heizungshammer“ und spinnt irre Fantasien von Enteignung?!

      Unterdessen ziehen sich alle westantarktischen Gletscher in das 2000m tiefe Becken zurrück. Die Rückzugsgeschwindigkeit nahm in den letzten Dekaden um 200% zu. Das ist kein lineares System, infolge dessen muss eine plumpe lineare Extrapolation zu völlig falschen Ergebnissen führen, auch wenn es das einzige mögliche ist. Chaotische Systeme verhalten sich numal unvorhersehbar, aber auch nicht völlig willkürlich. Die böse Überraschung steht demnächst an. In weniger als 10.000 Tagen. Halten Sie durch.

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      • Avatar von jj jj sagt:

        Der Mann ist mir deutlich überlegen und recherchiert tief. Zudem hat er Kontakt tief in die Politik. Wenn er Fehler macht, was selten vorkommt, bittet er um Korrektur oder Ersatz.
        Ich tippe mal auf Jurist und auf Verwaltungskarriere oder so.

        Aber er neigt zum Ausufernden und ist durchaus Verliebt in seine Sätze. Und vermutlich werde ich nie erfahren, wer Otto ist. Ich habe meinen Frieden damit geschlossen. Lg jj

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      • Avatar von Otto Berg Otto Berg sagt:

        Lieber Herr Janowitz, lieber Herr Jenckel,

        vielen Dank für Ihren netten Otto Berg-Plausch (wenn Sie oben auf meinen blau leuchtenden Namenszug klicken, sehen Sie, wie ich mich freue).

        Das siebenminütige Video des Neuseeländischen Geowissenschaftlers und derzeitigen Mitarbeiters der „Antarctic Science Platform“ Timothy Raymond Naish (https://www.antarcticscienceplatform.org.nz/about/people/tim-naish-dphil-frsnz-nzam) ist bestürzend eindrucksvoll.

        Bernd Althusmann, Rainer Dittmers, Fiddi Merz und Philipp Amthor sollten es sich jedesmal während der Cruising-Phase anschauen, wenn sie mit ihren privaten Learjets zu den kommenden Hochzeiten von Christian Lindner durch die Republik düsen.

        In puncto „Tippverdreher“ habe ich drei Bitten:

        Absatz 4: „Anders Herr Lühr … Der fürs städtische zuständige Journalist…“ muss natürlich heißen: „… fürs Städtische zuständige …“

        Unter Punkt 3. steht (letzter Satz): „Keine der beiden Ausnahmewege dürfte…“ Korrekt wäre: „Keiner der beiden Ausnahmewege …“

        Unter Punkt 7. steht: „Ja, ‚zu Beginn dieses Jahres die Mehrwegpflicht eingeführt worden…“ Korrekt wäre: „… Jahres [ist] die…“

        PS: Hier ein PDF der bisherigen „Satzung der Universitätsstadt Tübingen über die Erhebung einer Verpackungssteuer (Verpackungssteuersatzung)“ vom 30. Januar 2020 in der Fassung vom 27. Juli 2020: https://www.tuebingen.de/verwaltung/uploads/satzung_verpackungssteuer.pdf

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    • Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

      Herr Berg,
      das mit dem abfallrecht ist so eine sache. wer hat bloß die genehmigung für die akw`s gegeben , obwohl deren müllentsorgung bis heute nicht geklärt ist? deutsche ingenieure sollten dieses doch nach mindest 20 jahren gelöst haben? welche traumtänzer waren da wohl am werk? keine andere industrie hätte in der situation eine genehmigung bekommen.

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  7. Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

    wie wäre es mal mit einer information aus dem berufsleben? es gab mal halon-feuerlöscher. sie wurden verboten, natürlich waren wir deutsche mal wieder die ersten. die welt sollte mal wieder am deutschen wesen genesen. wegen dem fckw wurde halon verboten und die nachbarländer hatten ihren spaß daran. gleichzeitig flog in brasilien eine kühlschrankfabrik in die luft und setzte soviel fckw frei , als würden sämtliche halonlöscher der welt zum löscheinsatz kommen. der deutsche musste privat ,wie geschäftlich kräftig ,,bluten,,. er musste für die halonentsorgung tief in die tasche greifen. dumm gelaufen, in unseren nachbarländern war halon immer noch erlaubt und anstatt viel energie zu verbrauchen, um halon zu spalten, wurden diese feuerlöscher ins ausland verschoben. für die entsorgung musste der deutsche trotzdem berappen. und er musste sich dazu für teures geld ersatz beschaffen. das ,,liebe rating,,sorgte dafür ,dass für ein halonlöscher drei kohlensäurelöscher angeschafft werden musste. na, was sagt uns das? sind alleingänge hilfreich? und was kann da ein einzelner michel machen?

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    • Avatar von Elena Schünemann Elena Schünemann sagt:

      1987 haben die wichtigsten Industrieländer die schrittweise Einstellung der Produktion und Verwendung des ozonschädigenden, wahrscheinlich auch karzinogenen Halons beschlossen. Seit 2004 gilt in der EU ein Verbot von halonbetriebenen Löschgeräten.

      Wenn umweltschädliche Sauereien, Ignoranz und Unrecht in anderen Ländern weiter toleriert werden, erwächst daraus keine Rechtfertigung, dergleichen in Deutschland auch zu akzeptieren.

      1807 wurde in Großbritannien ein Gesetz erlassen, das den Sklavenhandel bzw. die Einfuhr von Sklaven verbot, während der Handel mit ‚Menschenvieh‘ in anderen Ländern lustig weiterging. Lagen die Briten also falsch mit ihrer voranspringenden Humanitätsduselei?

      Übrigens war Brasilien der letzte Staat auf der Erde, der offiziell die Sklaverei abschaffte – am 13. Mai 1888.

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      • Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

        stimmt nicht so ganz, was sie da behaupten. Seit 2004 gilt in der EU ein Verbot von halonbetriebenen Löschgeräten. Sie wurden durch natürliche oder chemische Löschmittel oder durch Wasserfeinsprühsysteme ersetzt. Halon ist als Löschmittel nur noch in Ausnahmefällen für militärische Anwendungen und in der Luftfahrt zugelassen. es gibt übrigens halon 1211 und 1301. raten sie mal, was schädlicher war und weiter erlaubt war. Die Europäische Union (EU) macht nun Ernst mit dem Verbot von Halon als Feuerlöschmittel in der Luftfahrt. Damit folgt sie einer Vorgabe der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO aus dem Jahr 2011. Nach der jüngst veröffentlichten Durchführungsverordnung (EU) 2019/133 sind Luftfahrtunternehmen in der EU nun aufgefordert, kein Halon mehr in Feuerlöschanlagen und mobilen Feuerlöschern in Großflugzeugen und Großhubschraubern zu verwenden. Als Großflugzeuge sind alle Luftfahrzeuge definiert, die nach CS-25 zugelassen sind, und als Großhubschrauber alle Helikopter, die nach CS-29 zertifiziert wurden.
        sie glauben an 2004? schmunzeln. die wirtschaft sah das anders. eben typisch deutsch.

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  8. Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

    oh oh , welche selbsterkenntnisse und doch so zwecklos. es lebe die lobbypolitik, die wird es schon richten und zwar für sich und der eigenen klientel. es geht eben nichts über parteispenden und ihre annahmen. wer gut schmiert, der gut fährt. bekommen die grünen jetzt spenden von den wärmepumpenherstellern? oder doch nur die spd ,cdu, fdp, etwa die linke oder die afd? die selbst gewählte weltuntergangsstimmung hilft da bestimmt. wie wäre es , parteispenden zu verbieten? wie wäre es ,nicht die jugend ,die gegen den weltuntergang demonstrieren zu kriminalisieren ,sondern diejenigen zur verantwortung zu ziehen , die diese verantwortug auch haben, anstatt sie mit boni zu füttert? aber wie sie die wirklichkeit aus? richter entwickeln sich immer mehr zu deal-richter. es werden bei gericht geschäfte gemacht. man kann sich die freiheit mit geld erkaufen. wer wird und wer will und wer kann das ändern? das,,stimmvieh,, wohl kaum.

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  9. Avatar von Ute Bäumler Ute Bäumler sagt:

    „Die Klimawandelleugnung (teils auch als Klimaleugnung, Klimawissenschaftsleugnung oder Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung bezeichnet) ist eine Form der Wissenschaftsleugnung, die durch das Ablehnen, Nicht-wahrhaben-Wollen, Bestreiten oder Bekämpfen des wissenschaftlichen Konsenses der Klimaforschung zur gegenwärtig stattfindenden globalen Erwärmung gekennzeichnet ist. Hierzu zählen insbesondere die Trendleugnung, also das Abstreiten, dass sich die Erde zurzeit erwärmt, die Ursachenleugnung, also das Abstreiten, dass der Effekt menschengemacht ist, und die Folgenleugnung, also das Abstreiten, dass die Erwärmung große gesellschaftliche und ökologische Probleme zur Folge hat. Neben diesen drei Grundkategorien wird häufig auch die Konsensleugnung hinzugezählt, also das Bestreiten, dass die Kernaussagen in der Forschung seit langem unstrittig sind. Unter anderem als beschönigende Selbstbezeichnung dieser Position werden die Begriffe Klimawandelskepsis, Klimaskepsis und Klimaskeptizismus genutzt.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Klimawandelleugnung

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  10. Sie schreiben: „Und als Folge mutieren die Lebensumstände schneller, als wir uns anpassen können.“ Richtig, und anpassen kostet deutlich mehr, als präventiv tätig zu sein. Die Karre ist im Dreck, noch können wir sie aber mit deutlichen Schäden herausziehen.
    Zum Beispiel, indem die Sparkasse Lüneburg deutlicher in die Pflicht genommen wird. Seit Jahren rechnet sie ihren Gewinn durch „Das tut gut“ u.ä. runter und bestimmt dabei privatwirtschaftlich, was gefördert und nicht gefördert werden soll, anstatt ihre Gewinne der öffentlichen Hand, die nun wahrlich genug zu Ächzen hat, zukommen zu lassen.
    Weiterhin wirbt sie für DEKA-Investmentfonds, ohne Hinweis auf Nachhaltigkeit. Frei nach dem Motto: Fahr doch mal Fahrrad und iss‘ einen Bioapfel, Hauptsache die Altersvorsorge machst Du bei uns.
    Empfohlen wird auf der Website aktuell der Aktivplan, hinter dem die Neue Leben Versicherung steckt, die wiederum zur Talanx-Gruppe gehört. Interessanterweise muss ich zum Abschluss einen Termin vereinbaren, Transparenz im Vorfeld geht anders.
    Das Unternehmen Talanx steht deutlich in Kritik durch sein Finanzgebaren, welches den Klimawandel weiter anheizt, vgl. u.a. https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/talanx-versicherte-umstrittenes-kohleprojekt-adani-in-australien-a-79b12681-52d4-402a-b50b-8a7b6615ebb0 und https://versicherungswirtschaft-heute.de/politik-und-regulierung/2022-05-04/umweltorganisation-fordert-talanx-konzern-muss-sein-oel-und-gas-geschaeft-auf-den-pruefstand-stellen/
    Und genau bei solchen Konzernen steckt das Geld der Babyboomer*innengeneration für die Altersvorsorge. Und das in nicht unerheblichem Maße dank Sparkasse in kommunaler Hand.
    Könnte es sein, dass die Erträge zur Sicherung der Altersvorsorge aus fossiler Industrie kommen? Investor*innen dort also nur dann ausreichend Erträge im Alter bekommen, wenn sie weiterhin ordentlich bisher über Jahrmillionen gebundenes Kohlendioxid in die Atmosphäre freisetzen. Wäre es so, ist das Fazit ja klar: Zur Aufbesserung meiner Altersbezüge brauche ich die Gewinne aus fossiler Industrie.
    Und es sage diesmal niemand, es hätte das nicht wissen können. Wer sich schlafend stellt, ist aber schwer zu wecken.

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  11. Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

    Das Problem an der kollektiven Verantwortung ist ja auch, das man es sich so schön heimelig dichten kann.
    Die Nachbarn werden abgeholt und „plötzlich“ gibt es zum Spottpreis feine Dinge auf dem Trödelmarkt, dann kann es so schlimm ja nicht sein.
    Unser Konsum wurde Gott weiss wo dreckig produziert? Solange nur die anderen an der Umweltverschmutzung krepieren kann es so schlimm ja nicht sein.

    Mich angesichts der vielen Probleme in erfundene Welten prokastrinieren ist entspricht dem Zeitgeist. 15% der amerikaner glauben Babyhirnsaft trinkende Vampire kontrolieren die Welt aus dem Keller einer Pizzaria. Hierzulande sind Invasionen fremder Horden noch immer Urgrund allen Übels und 15% wollen danach wählen gehen. Wozu noch denken, wenn die Alternative mir schon die nächste infantile Welterklärung in den feed spült.

    Nun sein Sie mal nicht so hart mit sich. An der Realität scheitern selbst die professionellen von der sog. Gefahrenabwehr. In Thüringen finanziert die N`Drangeta natürlich nicht den Wahlkampf der Faschisten. Das Heartland Insitute ist keine gemeingefährliche Zusammenrottung von Oligarchen und sonstigen Zufallsreichen und die finanzieren auch keine staatsfeindlichen Aktivitäten. Der Brexit war natürlich auch keine privatisierte Psyop Aktion um manipulative Kräfte personalisierter Werbung zu testen. Die Schleppnetzfahnder kontrolieren auch nicht im wesentlichen Erotikangebote und dergleichen nutzloses Zeugs ansonsten fände sich die Malware Pegasus auf ganz anderen mobilen Wanzen.

    Wir alle werden zugeschüttet mit nutzlosen Informationen, ansonsten würde nicht wöchentlich die nächste Sau durch`s Dorf getrieben?!
    Ansonsten hätte man diesen Korte bei Lanz neulich direkt in die Psychatrie eingewiesen?! Dieser wahnhaft halluzinierende Vogel ist tatsächlich Mandatsträger!
    Ansonsten würden die Folgen des Klimawandels realitätsnah umschreiben? Ein Atomkrieg ist nur durch die gleichzeitige Zerstörung derart verheerend. Der Meeresspiegelanstieg mit gleichzeitiger Überflutung der Küsten wird ähnlich gravierende Folgen mit sich bringen, ganz gleich was ein gefährlich bekloppter Heartland Insitute Lakai so von sich gibt? Es ist eine üble Beleidigung, das Herr Latif sich mit solchem umnachteten gequatsche auseinandersetzen musste, das 30% der Ostdeutschen diesem Schiessbudenverein die Stimme geben werden. Ich hatte gedacht bei mir sässen ein paar Schrauben locker, aber diese Mt. Dunning-Kruger Blödberg Opfer sind die tumbe Masse, die uns in den Abgrund zieht- aus Faulheit.

    Da die Sicherheitsorgane nicht in der Lage sind existentielle Bedrohungen zu erkennen und entsprechend zu handeln brauchen Sie sich schon gar nichts vorzuwerfen. Solange wir uns täglich kollektiv aus der Verantwortung stehlen können, kann es so schlimm ja nicht sein.
    Solange irre Fieberträume gleichwertig neben Satellitendaten stehen, kann es so schlimm schon nicht werden….

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  12. Avatar von Hans Seelenmeyer Hans Seelenmeyer sagt:

    Die Schuld dafür kollektiv abzuleiten ist irreführend und spielt die Verantwortung der echten (Haupt) – Verursacher herunter. Es ist der Raubtierkapitalismus und die enorme Unverteilung der Mittel. 2% der Bevölkerung besitzen über 80% des BSP und räubern die Erde und ihre Ressourcen als ob nichts wär. Gewinne privatisieren und die Schuld sozialisieren, das ist m. Ansicht nach ein falscher Ansatz. Ross + Reiter nennen schon! Natürlich haben wir alle mit unserem Konsumverhalten unseren Anteil daran, aber wir wurden in ein bereits bestehendes System hineingeboren und haben auch nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, gewählt und auch protestiert. Die Menschheit scheint kein Überlebensmodell zu sein, die Gier ist einfach zu groß.

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    • Sie schreiben: „Natürlich haben wir alle mit unserem Konsumverhalten unseren Anteil daran, aber wir wurden in ein bereits bestehendes System hineingeboren und haben auch nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, gewählt und auch protestiert.“ Das ist mir zu viel Opferhaltung. Die Baby-Boomergeneration hat wider bestem Wissen und Gewissen gehandelt, gewählt und protestiert so gerade in diesen Wochen gegen notwendige Veränderungen im Wärmebereich. Erzählen sie mir nicht, wir hätten von nichts gewusst und könnten nicht täglich bei jedem Kauf mitentscheiden, in welcher Welt wir leben sollen. Einkommensschwache Menschen nehme ich da mal aus, die sind aber auch nicht Antreibende der Erderwärmung.

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    • Avatar von Oliver Schmitt Oliver Schmitt sagt:

      Und?

      Was folgt daraus? Einfach weiter auf dem Vulkan tanzen? Oder Rückzug in die Schmollecke und eine Kugel zwischen die Hörner?

      Und wer ist wir?

      JJs Babyboomer-Generation?

      Richtig, die konnte (ungefähr bis zum 18. Lebensjahr) nichts dafür, was Eltern und Umstände aus ihr gemacht haben, kann aber (seitdem) alles dafür, was sie aus dem gemacht oder nicht gemacht hat, was Eltern und Umstände aus ihr gemacht hatten.

      Empfehlen Sie jungen Leuten, auf Sie zu hören und die verbleibenden Jahre des komfortablen Nichtstuns mit dem Klopfen dystopischer Sprüche zu garnieren?

      Was werden Sie Selma antworten, wenn die Ihnen in fünfzehn Jahren die Frage stellt: „Wo warst du, Adam?“

      „Die Menschheit schien mir kein Überlebensmodell zu sein“?

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      • Avatar von jj jj sagt:

        Ich sage ihr, dass ich zu spät reagiert habe.

        Die Menschheit scheint mir einen kollektiven wie verborgenen Teil in ihrer DNA zu besitzen. So eine Art Endzeit-Gen oder Alien-Gen. Die Aliens, die uns in den Hollywood-Blockbustern heimsuchen und die Erde aussaugen sind nur eine Projektion. Die Menschen selber scheinen diese Aliens. lg jj

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      • Avatar von Oliver Schmitt Oliver Schmitt sagt:

        Ja, aber immerhin doch noch reagiert.

        Sie schreiben: „Wir [die Zwischen 1955 und 1965 Geborenen] haben die Erde viel zu früh in den Herbst ihres Zyklus gezwungen. Wir! – Nicht irgendwelch[e] Naturgewalten.“

        Meine Frage war deshalb auch an Hans Seelenmyer gerichtet. Der scheint ja zu meinen, sein abstrakter Gegengott, der „Raubtierkapitalismus“, habe es verbockt und da sei eben rein gar nichts zu machen.

        „Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch“, um es mit Gottfried Benn zu sagen, kapituliert dann eben doch vor „systemischen Strukturen“, für die kein einziges identifizierbares Individuum (mit Namen, Anschrift und Beruf) etwas kann — außer der (alle beherrschenden) „Gier“ (also eine Naturgewalt).

        Niemand ist verantwortlich! Folglich auch Hans Seelenmeyer nicht! Ist das nicht herrlich?

        Wir dürfen uns also in der britischen Polsterecke unserer eigenhändig renovierten altdeutschen Bauernkate zurücklehnen, mit französischem Sekt anstoßen und russischen Kaviar aus italienischen Schüsselchen löffeln bis der nordische Atlantik über unseren heimischen Schornstein schwappt.

        Ändern oder aufhalten lässt sich eh nüscht mehr.

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      • Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

        „…So eine Art Endzeit-Gen…“

        Na, na, na! Jetzt nicht dem Defätismus anheim fallen!
        Ja der Kaggahaufen ist gross.
        Ja im Wesentlichen Hinterlassenschaft der Boomer.

        Aber noch ist längst nicht aller Tage abend, oder wie Sie es ausdrückten:
        „Wir haben die Erde viel zu früh in den Herbst ihres Zyklus gezwungen. “

        Noch besteht eine Chance, wie sie noch nie zuvor bestand. Ein goldenes Zeitalter für die gesamte Zivilisation, den Vorabend der Kardaschow I Stufe, alle Mittel sind zur Hand… man muss nur die ganzen irren und bekloppten davon abhalten ihre gewagt bescheuerten Plänchen in die Tat umzusetzen.

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    • Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

      Hans Seelenmeyer sie haben völlig recht. was kann der einfache michel schon ausrichten, wenn man sich in der ,,familie,, schon nicht einig ist? wer hier von zu viel opfergehabe fabuliert, sollte lieber mal die täter benennen und sie zur verantwortung ziehen. aber wer trägt für sein tun und nicht-tun schon gern verantwortung? moralapostel jedenfalls nicht.

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