Die Sache mit der Geschichte und Weimar

Geschichte wiederholt sich, das ist so ein Phrase. Leider ist da, wenn auch nicht 1:1, aber in Varianten, was Wahres dran. Zum Beispiel, dass wir auf Weimarer Verhältnisse zusteuern, oder wird es später einmal Thüringer Verhältnisse heißen?

Im Streben nach Macht hatten die etablierten Parteien in den vergangenen Jahren ihr Glück in der Mitte gesucht. Das war am Ende, was die Kontur angeht, offensichtlich ein großer Fehler. 

 In den neuen Bundesländern ist das nach den Wahlen zu besichtigen. Das Regieren ist schwierig bis unmöglich, weil Parteien wie die FDP oder die Grünen, beides noch Regierungsparteien im Bund, keine Bedeutung mehr haben. Die AfD und das Bündnis Wagenknecht sind die Sieger an den Flügeln links und rechts. Und die SPD als Fels in der Brandung bröckelt in zwei Bundelsländern auch.

Und jetzt tritt auch noch der Vorstand der Grünen und der Grünen Jugend zurück, um was Neues zu probieren. Völlig unklar, was daraus wird, Friday for Future for Parlament?

Bei Sahra Wagenknecht hat sich gezeigt, welche Bedeutung eine einzige Politikerin für eine Partei haben kann. Die Linke hat das unterschätzt und taumelt am Abgrund. Die Grünen stecken in einer schweren Identitätskrise bei Krieg und Migration. Der Sündenfall liegt mit dem Kosovo-Einsatz schon lange zurück. 

Zum Krieg in der Ukraine haben AfD, BSW, die Linke und Teile der Grünen mit Frieden jetzt mehr Schnittmengen als die Koalitionspartner in Bund und Ländern, und das gilt zum Teil auch für den Krieg im Nahen Osten und das Verhältnis zu Israel auf der einen und Palästina auf der anderen Seite. 

Da ist viel Kakofonie, da sind so viele Partikular-Interessen, mir fällt es zunehmend schwer, die Grundtöne rauszuhören vor lauter Warnungen. Nach Thüringen mag ich aktuell gar nicht schauen. In den nächsten Monaten wird sich andernorts zeigen, wie Rote Linien verblassen. Die laut brüllen, kennen wir. Es kommt darauf an, den schweigenden Teil der Bevölkerung in diesen Zeiten daran zu erinnern, dass wir ein gutes Grundgesetz haben und ein gutes Land, nur eben nicht gerade die beste Regierung. Aber eben die freie Wahl.  

Hans-Herbert Jenckel 

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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10 Responses to Die Sache mit der Geschichte und Weimar

  1. Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

    Noch gibt es niemanden wie seinerzeit Göring als preussischer Polizeipräsident, der von Oben die Zersetzungsarbeit feindlicher Dienste vorrantreiben könnte, die zweifelsfrei die deutschen Rechtsradikalen als nüzlichste aller heimischen Idioten ausgemacht haben. Die Situation bleibt dabei sehr wohl gefährlich, da unsere tumben vom Irrglauben besessenen, täglich mehr ihren Fiebertraum der Machtergreifung oder zumindest des Bürgerkrieges in diversen Onlinemedien zum Besten geben, ohne das es Gegenwehr von den deutschen „Sicherheitsbehörden“ zu geben scheint. Ganz egal welchen Datenmüll PMCs aus dem Ausland verbreiten, keiner von denen wird abgestellt. RT den Saft abzudrehen war das mindeste, mehr nicht.

    Nichtmal die offensichtliche Verwicklung in feindliche Spionageaktivitäten macht U-Haft für Spitzenkandidaten der Rechtsradikalen nötig. Während allein der Verdacht man könnte sich irgendwo festkleben vorsorgliche Haft auf unbegrenzte Zeit rechtfertigt. Da darf man sich schon fragen ob es allein Unvermögen ist, was die Komplizen feindlicher Spione vor U-Haft bewahrt.

    Auf Dauer wird das Mindeste eben einfach nicht genug sein.

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  2. Lieber JJ,

    Ihre Kritik an der Bundesregierung kann ich verstehen. Mir gehen die öffentlichen Streitereien – zumeist von der 0,8% FDP ausgelöst – auch auf die Nerven. Gleichzeitig hat diese Bunderegierung erhebliche Teile des Koalitionsvertrags umgesetzt und dieses Land nach 16 Jahren Stillstand in Richtung Zukunft aufgestellt.  

    Infolge der äußeren Führungsschwäche von Olaf Scholz fehlt das Vertrauen in die Regierung. Es fehlt das Gefühl der Geborgenheit in guten Händen, was Angela Merkel stets ausgestrahlt hat. Gleichzeitig hat sie uns u.a. in den Bereichen Infrastruktur, Digitalisierung, Gesundheit und Verteidigung einen Scherbenhaufen hinterlassen. Und unsere Abhängigkeit von Russland auch nach 2014 noch erhöht.

    Glauben Sie, dass unter Armin Laschet mit einem Vizekanzler Scholz unser Land im besseren Zustand wäre?

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    • Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

      Sie hat verwaltet, nicht gestaltet, aber ihr alleine diese „konservative Glanzleistung“ anzulasten ist dann doch überzogen. Ein Gutteil Selbstgefälligkeit und Unvermögen vieler anderer Beteiligter hat entscheidendend diesen strategischen Nachteil herbeigeführt.

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  3. Avatar von Willi Banse Willi Banse sagt:

    Den selbstgerechten Leserbriefschreibern ist ihre Meinung auch wichtiger als jede Vernunft.

    Mit Ihren haltlosen Pauschalisierungen liefern Sie da wieder einmal ein Beispiel.

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    • Avatar von Bernd Bernd sagt:

      Ich verfolge das hier nur leidenschaftsfrei…aber Herr Banse…dass Sie einen Kleinkrieg gegen Herrn Bruns führen, ist schon offensichtlich… hat er Sie mal ertappt?

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      • Avatar von Willi Banse Willi Banse sagt:

        Ja,

        beim Markieren von notorischen Phrasendreschern, wie er einer ist — und Sie wohl auch: „leidenschaftsfrei“, „Kleinkrieg“, „offensichtlich“, „ertappt“. Ein bisschen viel Pedal für das inkonsistente Stalkstück, das Sie hier aufführen. Finden Sie nicht?

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      • Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

        Bernd, es lohnt nicht auf Willi Banse zu reagieren. Er kann nur persönliche Unterstellungen. Ansonsten kommt zu Thema grundsätzlich nichts.

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      • Es lohnt sich auch bei Ihnen kaum einmal, Herr Bruns,

        vor allem, weil Sie sich nie vorzustellen versuchen, wer von Ihren Mitteilungen profitieren könnte, meinen Sie wohl, bei diesen handle es sich um Geschenke. Aber Sie verbreiten persönliche Unterstellungen, äußern grundsätzlich nichts zum Thema und aasen stattdessen im Ton superiorer Weltweiser mit leeren Wort- und generalisierenden Satzhülsen herum.

        Was bleibt einem wie Herrn Banse bei solchem Befund übrig, als sich beharrlich zu wiederholen und Ihre Leser mit Blick auf Sie und Ihr Großtun mit kleiner Münze in aller Bescheidenheit an die Weimarer Distichen zu erinnern? Etwa an:

        „Allgemeine Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unglück anzurichten.“

        In: Maximen und Reflexionen, Betrachtungen im Sinne der Wanderer. Seite 549, hier.

        Sowie an:

        „Und denn, man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder geprediget wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“

        In: Johann Peter Eckermann, Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. Dienstag, den 16. Dezember 1828, Absatz 6, hier.

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  4. Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

    Jetzt fehlt nur noch die Massenarbeitslosigkeit und schon haben wir die Weimarer Verhältnisse. Leider wurden noch nie im eigenen Land die Propheten erhört. Und den selbstgerechten Politikern ist ihre Meinung eben wichtiger, als jede Vernunft. Es gab eben in der Bundesrepublik noch nie so viele schlechte Ego- Politiker. Selbst auch der Bund der Steuerzahler hat sie zum Fressen gern. Wer glaubt noch, das Politiker (Diener) sind?

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