
Beim Verschönern von Lüneburger Plätzen ist zuallererst der Lambertiplatz an der Reihe, in dem beliebten Puller- und Pupsparadies für Hunde kann die Stadt zeigen, wie sie urbane Plätze versteht. Und im Gegensatz zum Marienplatz ist nicht mit Scheingefechten in der Mobilitätswende zu rechnen.
Seit Jahren wird um die Deutungshoheit auf dem Marienplatz gerungen. Schuld daran ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein Klima-Camp, das gute Ziele, aber den Charme einer Rumpelkammer hatte, und vor allem die Laboranordnung des Projektes „Zukunftsstadt 2030“, die die letzten Sympathien für eine Umwandlung des Platzes verspielt hat.
Seither müssen die zwei Dutzend Parkplätze als Existenzgrundlage des Lüneburger Handels in der City herhalten.
Wenn jetzt aber der von mir geschätzte Jens-Peter Schulz von der SPD zur Mobilitäswende mit Radio Eriwan antwortet: „Im Prinzip ja, aber….“ und auch noch die Abbruchkante zum Lüneburger Senkungsgebiet ins Feld führt, dann wird die Schein-Debatte offenbar. Denn unter diesen Umständen müsste der Platz sofort für Autos gesperrt werden, die zusammen gut 36 Tonnen auf die Waagschale bringen, die auf dem Platz lasten. Dazu kommt der Slow-Motion-Kreisverkehr der Parkplatzsuchenden. Eine Umwandlung würde Gewicht und Gefahr ganz real senken.
In den Chor stimmt nun auch die Mittelstandsunion ein, die den Mobilitätsplan der Stadt schlechthin kritisiert. Und natürlich geht es wieder auch um Parkplätze und das Ausrufen des Handels-Notstandes. Dass Patrick Pietruck, nicht nur der Chef der Mittelstandsunion ist, sondern auch ein Boss der erfolgreichsten Lüneburg Online-Marketing-Agentur, da sage ich mal, ist jede Argumentation zugleich ein Spagat.
In der ganzen Diskussion nach dem Motto „Im Prinzip ja, aber….“ läuft Lüneburg Gefahr, im Vergleich zu anderen Städten, den Anschluss in der Mobilitätswende zu verlieren. Die Ratspolitiker sind nicht nur mit Enthusiasmus in das Projekt Zukunftsstadt eingestiegen, sie sind den Zielen des Klima- und des Radentscheides beigetreten. Wenn es bei der Diskussion um Shuttle-Busse, Behindertenparkplätze und sonnabends direkt am Rathaus parken geht, dann sollten sie auch den Schneid besitzen, sich von diesen Zielen wieder öffentlich zu verabschieden.
Wenn die Kunden im Netz kaufen und die weite Fahrt zu einem Factory-Outlet-Center auf sich nehmen, statt in der schönsten Stadt Norddeutschlands zu kaufen, dann müssen sich die Händler auch fragen, ob sie ihr Programm vielleicht nachjustieren müssen.
Wer am letzten Wochenende in der Stadt war, mit ganz viel Straßenmusik und Amüsemang und überfüllten Straßen und Cafés, der hat genug Anhaltspunkte, wie sich die Innenstadt entwickeln muss. Dazu gehören auch Shuttle-Busse und gute Verbindungen von der City in die Fläche, aber eben auch die Machbarkeits-Frage nach Kosten und Nutzen.
Hans-Herbert Jenckel
Der Marienplatz als asphaltierter Parkplatz ist wirklich ein unterschätztes Juwel. Die anmutigen weissen Linien in ihrer klaren Linienführung ohne Schnörkel lassen jeden Betrachter staunen.
Das mir das entgehen konnte 😉
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Das ist nur die halbe Story.
Auch die monochromen Rechtecke zwischen diesen Geraden führen geheime Zwiesprache mit KUNSTWERK, KONTEXT und GESCHICHTE!
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Moin, vielleicht noch mal zum Verständnis was die SPD Fraktion bereits im letzten Jahr zum Marienplatz gefordert haben. Für diesen Antrag gab es jedoch keine Mehrheit. So ist nun einmal Demokratie. Dennoch heißt es ja nicht, dass wir weiter für eine verantwortungsvolle Gestaltung dieses Platzes werben. Dieser Platz befindet sich in der historischen geprägten Innenstadt von Lüneburg und gehört zum Denkmal Lüneburger Innenstadt dazu. Deshalb gilt es ganz sensibel und verantwortungsvoll die Umgestaltung zu projektieren und umzusetzen. Das wollen wir nicht Laien überlassen, sondern Leuten mit Sach- und Fachverstand und deren Expertise sollte in unsere Entscheidungen mit einfließen.
Jens-Peter Schultz
Der Marienplatz – unterschätztes Juwel vor historischer Kulisse
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Kalisch,
die SPD-Fraktion stellt zur Ratssitzung am 20.12.23 folgenden Antrag zum Haushalt 2024:
Umgestaltung des Marienplatzes durch einen Wettbewerb
Haushaltsansatz für 2024: 50.000 €
Begründung:
Der Marienplatz ist ein Leitprojekt im Strategiekonzept „Resiliente Innenstad Lüneburg“.
Das Ziel ist die Umgestaltung des Platzes unter den Aspekten (Auszug): „multifunktionale Nutzung und Aneignungsmöglichkeiten durch Zivilgesellschaft, öffentliche Institutionen und Wirtschaft […] und bioklimatische Aufwertung“.
Aspekte der Baukultur werden in dem Strategiekonzept nicht angesprochen. Dabei ist die Gestaltqualität von öffentlichen Räumen entscheidend dafür, ob und wie die Plätze angenommen werden, ob sich Menschen dort wohl fühlen oder nicht – und ob und wie die Plätze mit ihrem direkten städtebaulichen Umfeld harmonieren und „kommunizieren“.
Steht man auf dem zum Teil mit Lindenbäumen umkränzten Marienplatz, schaut man wie von einer Bühne auf das baukulturelle Erbe der Hansestadt Lüneburg:
Dies gilt es bei der Umgestaltung des Marienplatzes unbedingt zu berücksichtigen.
In 2022 wurden mit kleinen Mitteln auf der Hälfte des Platzes Ideen zur Umgestaltung aus der Bürger:innenbeteiligung bereits ausprobiert.
Die vorbeschriebene Qualität des Marienplatzes macht es erforderlich – neben den beschriebenen inhaltlichen Zielen, einen für alle zugänglichen multifunktionalen/hybriden Platz zu entwickeln – die Baukultur und städtebaulichen Aspekte mitzudenken und diesen hohe Priorität einzuräumen.
Wir beantragen deswegen, die 50.000 € Planungskosten für einen Wettbewerb (Freiraumgestalter und Architekturbüros) zur Umgestaltung des Marienplatzes einzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Hiltrud Lotze Uwe Nehring
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Sehr geehrter Herr Schultz,
Ihre Worte:
Wir reden über den Marienplatz. Sie und Frau Lotze sitzen seit über zwanzig Jahren im Rat. Ulrich Mädge war vom 6. Oktober 1991 bis zum 31. Oktober 2021 Oberbürgermeister der Hansestadt Lüneburg. Die SPD war dreißig Jahre bestimmend am Ruder und hat somit alle Aspekte der Stadtgestaltung dominiert.
So sah der Marienplatz während Ihrer Zeit aus:
In meiner Wahrnehmung grenzt es ans Groteske, wenn Sie, Herr Schultz, von städtebaulicher „Sensibilität“ sprechen und wenn Frau Lotze sich seit Kurzem als Sachverständige für architekturgeschichtliche Preziosen vernehmen lässt:
Meinen Sie nicht, es wäre an der Zeit für Frau Lotze, für Herrn Kohlstedt und für Sie, den Mund etwas weniger voll zu nehmen, den Jüngeren zuzuhören und der Oberbürgermeisterin und ihren Mitarbeitern nicht ständig öffentlich Leichtfertigkeit und planerische Unvernunft zu unterstellen?
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jps, Marienplatz: Anwohnerparken ermöglichen. Die Innenstadt wird sonst weiter entvölkert. besucher und touristen vor die altstadt umlenken. Liebesgrund ist nah. beamte und stadtangestellte bitte mit fahrrad in die stadt.
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Sind diese Binsenforderungen von Herrn Pietruck, Herrn Goralczyk und Herrn Soldan nicht bereits allesamt in praktisch jeder Ratsvorlage der Verwaltung explizit oder implizit aufgeführt und zu Selbstverständlichkeiten geronnen?
Gehört es jetzt zum modernen Lüneburger Propaganda-Trumpismus, den Maßnahmenkatalog des zuständigen Dezernenten öffentlich herzubeten, um Angst, Aufregung und Ablehnung zu schüren, indem man einerseits offene Türen einrennt, andererseits aber mit dem Megaphon vor dem Mund verlangt, „dass keine Maßnahmen umgesetzt werden, die den Wirtschaftsstandort Lüneburg gefährden, ohne praktikable Alternativen anzubieten“?
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Die lichte Zukunft des Kommerzes ist digital, analog war seine graumelierte Vergangenheit. Der Mittelstands- und Wirtschaftsunionist Patrick Pietruck, der das wissen sollte, scheint mit seinem aktuellen Gefährdungsalarmismus genauso aus der Gegenwart gefallen wie Anna Bauseneick mit ihrer Wegfall-Petition von 2022. Den Versuch, heute mit den Argumenten von gestern die CDU-Wähler von morgen zu werben, nennt Herr Jenckel Spagat. Das ist nicht ohne geschichtsfesten Sarkasmus geschrieben. Über innerstädtische Straßenparkplätze erreichbare »Fußgängerzonen« sind beinahe schon prähistorischer Ausdruck des amerikanischen Konsumismus in einer »autogerechten« Stadt. Jawoll, Kaufhof, Karstadt, Kerber, Hertie, Horten und Hedemann haben Mode und Stil für Kunden, Kinder und andere Kenner ermöglicht, haben die Kulinarik in den Konsumtempel geholt und die Deutschen sogar mit frischem Fisch versorgt. Das alles ist lange her. (Wer wissen möchte, woher das Konzept stammt, muss Das Paradies der Damen – im Original: Au Bonheur des Dames – vom französischen Autor Émile Zola lesen. Der Roman erschien 1884 als elfter von zwanzig Bänden des Zyklus Die Rougon-Macquart – Natur- und Sozialgeschichte einer Familie unter dem zweiten Kaiserreich.) –– »Warenhäuser« jedenfalls braucht im Zeitalter von Amazon niemand mehr. Das Gerücht will, dass sogar Cornelius (unter Älteren »Lurchi«) Schnabel zu dieser Einsicht gekommen ist.
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Mit der Entwicklung und Bewertung der Maßnahmenvorschläge zur zukünftigen Mobilitätsentwicklung in Lüneburg ist die dritte Phase des Nachhaltige Urbane Mobilitätsplanes, kurz NUMP, abgeschlossen.
Es wurden insgesamt 30 „Steckbriefe“ erarbeitet (Stand: September 2024), die Maßnahmen und Szenarien in den sechs Handlungsfeldern Fußverkehr, Kommunikation, Motorisierter Verkehr, ÖPNV & Vernetzte Mobilität, Radverkehr und Straßenraumgestaltung enthalten. Neben der Ausgangslage werden Umsetzungshinweise sowie der Beitrag der Maßnahmen zur Zielerreichung des NUMP beschrieben.
In der Sitzung des Ausschusses für Mobilität am 10.09.2024 wurden die Maßnahmensteckbriefe durch das mit der Erstellung des NUMP beauftragte Planungsbüro Planersocietät vorgetragen (VO/11412/24). Die politische Befassung des Rates der Hansestadt Lüneburg ist für den 30.10.2024 geplant.
Die komplette Dokumentation ist hier zu finden.
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