
Wir rutschten damals als Jungredakteure in die Apokalypse. Mein Kollege in der Landredaktion trieb sich im kranken Wald rum, ich auf den verseuchten Flächen rund um das Chemiewerk in Embsen. Einen Höhepunkt nahm ein alarmierender Bericht zum Zustand der Wälder um Lüneburg ein, garniert mit dem Foto eines Baumskeletts. Gut es war keine todgeweihte Fichte, sondern eine Lärche, die üblicherweise die Nadeln abwirft. Aber keiner schrie: Fake, ihr führt uns hinter die Fichte! Das Foto traf die Stimmungslage der frühen 80er-Jahre.
Das Waldsterben in der Region Lüneburg hat uns ein ganzes Leben als Jungredakteur begleitet. Und jedes Jahr war der Waldschadensbericht einen Aufmacher wert, so sicher wie Ostern und Weihnachten.
Der kranke Wald und das Chemiewerk waren auch in Lüneburg zwei zentrale Punkte für den Aufstieg der Grünen von der belächelten Wollsocken-Fraktion zur Machtachse in Räten und Kreistag. Und wenn am Zustand des Waldes Zweifel angemeldet wurden, dann reichte immer noch ein Blick auf den Harz (siehe Foto jj), wo alles noch viel schlimmer war.
Doch so wie das Chemiewerk verschwand auch das Waldsterben irgendwann aus den Schlagzeilen – bis in die 2000er-Jahre, als die Debatte im Zuge der Klimakrise wieder an Fahrt aufnahm. Der Borkenkäfer besorgte den Rest. Die Zeitungen alarmieren wieder regelmäßig.
Und es stellt sich die Frage: Warum schwenkt der Mensch nicht rechtzeitig um, sondern lässt nach einem Moment des Schreckens alles wieder schleifen, mit katastrophalen Folgen. Der Bericht des Club of Rome ist aus dem Jahr 1972. Schon er prophezeit, was passiert, wenn die Menschheit, vor allem die Konsumgesellschaft, so weiter wirtschaftet. Ein halbes Jahrhundert halbherziger Politik, die unterm Strich immer mehr im Zeichen von Wiederwahlen als von Einsicht zum Handeln geprägt ist.
Um noch mal die Lärche zu erwähnen. Die wirft die Nadeln ab, damit sie nicht verdurstet. So kann sie bis zu 800 Jahre alt werden. Wenn da nicht der Mensch wäre.
Hans-Herbert Jenckel
Wald ist schlecht fürs Klima
Der deutsche Wald wird zum Klimakiller. Laut Bundeswaldinventur wächst zwar die Waldfläche, durch Schädlinge, Stürme und Trockenheit sterben aber so viele Bäume und geben dabei gespeichertes CO2 ab, dass der Wald heute zur Kohlenstoffquelle geworden ist. Damit helfe der Wald „nicht mehr in dem Maße zum Erreichen der Klimaziele, wie wir es gewöhnt waren“, so Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne).
Auch schlecht fürs Klima: Hunde.
Sie verursachen im Schnitt pro Stück pro Jahr eine Tonne CO2, etwa so viel wie ein Mittelstreckenflug von Fiddi Merz. Doch spülen die rund 10,5 Millionen deutschen Hunde immerhin immer mehr Geld in die klammen Kassen. Die Einnahmen aus der Hundesteuer sind so hoch wie noch nie. 421 Millionen Euro haben die Kommunen 2023 eingenommen, vor zehn Jahren waren es noch 299 Millionen. So leisten die kläffenden Racker wenigstens einen kleinen Dienst für die Gesellschaft.
LikeLike
LikeLike
Ja im Hochharz ist es gespenstisch, überall weisse Gerippe. Aber es sterben die Forste, richtige Wälder gibt es kaum unter den ~30% der bewaldeten Fläche der Bundesrepublik. Was im wesentlichen (endgültig) stirbt, ist der Kulturforst der wilheminischen Waldbauern- also Fichtenforste.
Mafiös wird es u.a. in der Slowakei, wo die letzten urtümlichen Wälder Europa`s gerodet werden. Was dem dahinsiechen der althergebrachten Forstmethoden allerdings auch keinen Zweig aus der ohnehin abgestorbenen Krone bricht- die sind schon längst vom Klimawandel hinweg gerafft. Und schon wieder dieses lästige „Anpassen“, was die sowieso strappazierte Komfortzone ständig beansprucht.
Wie enervierend dieses gequatsche vom „Wald“, der unter keinen Umständen dem Fortschritt, also Windrädern „geopfert“ werden soll, schlussendlich ist kommt den Pöbelprofis (natürlich) nicht in den ohnehin umnebelten Sinn. So mancher Dorftrottel schwadronierte letztens nach der Brandstiftung am Broken von „geplant“ um den verhassten Windrädern „platz“ zu machen. Derselbe grobe Unfug der auch andernorts von „besorgten Konservativen“ vorgetragen wird. Ominöse Verschwörungen um die linksgrünversiffte Agenda vorran zu tragen und am Ende alle schwul zu machen. Naja psychotischer Stuss ist gerade en vouge, also carpe diem, was?
LikeGefällt 1 Person
Tief im Wald, zwischen Moos und Farn
Da lebte ein Käfer mit Namen Karl
Sein Leben wurde jäh gestört
Als er ein dumpfes Grollen hört
Lärmende Maschinen überrollen den Wald
Übertönen den Gesang der Vögel schon bald
Mit scharfer Axt fällt man Baum um Baum
Zerstört damit seinen Lebensraum
Karl, der Käfer wurde nicht gefragt
Man hatte ihn einfach fortgejagt
Karl, der Käfer wurde nicht gefragt
Man hatte ihn einfach fortgejagt
LikeLike
Über das Chemiewerk Embsen war das Märchen, aus den Schornsteinen kämen gasförmige Schwefelverbindungen, verbreitet. Es war aber Stickstoffdioxid (NO2), das als rostrote Abluftfahne zu sehen war. Bei niedrigen Aussentemperaturen sah man nichts, weil sich dann jeweils zwei Moleküle Stickstoffdioxid zu einem Molekül Distickstofftetraoxid (N2O4) verbinden – und das ist farblos.Beides Substanzen sind ausgesprochen gesundheitsschädlich.Obendrein überdüngen sie Bäume derart, dass diese absterben. Die Heide an der A7 wird auch dank der Autoabgase verstärkt von der Grasart Drahtschmiele verdrängt.
LikeLike