
Schlechte Nachrichten. Wir steuern hart auf Kriegskurs. Die Medien mühen sich, uns auf das, was unweigerlich kommen soll, vorzubereiten. Die Nachrichten prasseln im Tagesrhythmus auf uns ein. Als Folge sind wir schon erstaunlich abgestumpft und taub und resistent gegen die sonst übliche „German Angst“.
Noch Anfang der 2000er-Jahre hatte uns Verteidigungsminsiter Peter Struck aus Uelzen erklärt, unsere Freiheit werde am Hindukusch verteidigt. Mittlerweile ist die Front der bedrohten Freiheit bedenklich nahe gerückt. Ein deutscher Politiker, der auf sich hält, ob Kanzler, Minister oder Fraktionschef, der muss mindestens einmal in die Ukraine reisen, die sich seit Jahren gegen Russland wehrt. Eine Art Kriegstourismus für den Schulterschluss und für schöne Bilder und schöne Worte bis hin zum Grübeln über einen Bundeswehr-Einsatz.
Verbal müsste der Krieg längst zugunsten der Ukraine entschieden sein, in der Materialschlacht aber sind die Russen am Drängen. Und wer die Bilder der letzten Tage aus Peking gesehen hat, wie sich Xi Jinping, Kim Jong Un, Putin und Lukaschenko feiern, der müsste da spätestens erkennen, dass die Lage eine andere ist. Insofern scheint der Krieg tatsächlich etwas Unvermeidliches.
Die Feiern auf den Sieg der Freiheit, der Marktwirtschaft und des Kapitalismus nach Mauerfall, Perestroika oder Maidan sind Geschichte, die Renaissance des Nationalismus Realität wie die Demokratie-Dämmerung. Zum Fürchten, wie die Macht der Diktaturen und ihnen ähnlicher Staatsformen unübersehbar wächst. Wo sind wir bloß gelandet im 21. Jahrhundert?
Eigentlich braucht es das ganze Waffen- und Wortgeklirre gar nicht, wir sind doch auch so, egal in welcher Staatsform, fast am Ziel, die Erde komplett verschandelt zu haben.
Hoimar von Ditfurth begann sein Buch „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“, für das er viel kritisiert wurde, mit den Worten „Es steht nicht gut um uns. Die Hoffnung, dass wir noch einmal, und sei es um Haaresbreite, davonkommen könnten, muss als kühn bezeichnet werden.“ Klimawandel, Artensterben, Luftverschmutzung, Waldsterben, Verschmutzung und Verknappung des Trinkwassers, übermäßiger Pestizideinsatz und Krieg bis hin zu Atomwaffen. Und Ditfurth schrieb das vor genau 40 Jahren.
Es ist und bleibt so wie in Hollywoods Blockbustern; Nur eine Bedrohung von außen, ein solider Asteroid zum Beispiel, der Kurs auf die Erde nimmt, könnte die gewaltätigen Träume von Zarenreichen und einer Weltmacht à la Rom von der Agenda verschwinden lassen.
Solange aber singen die Mitarbeiter der Rüstungsindustrie überall auf dem Globus jeden Morgen mit Mutter Courage:
Der Krieg ist nichts als die Geschäfte
Und statt mit Käse, ist’s mit Blei!
Hans-Herbert Jenckel
Fotos jj: Die Großmächte und ihre Vasallen zerren an der Weltkugel. Hier ins Resalit des Rathauses montiert.
So abgehalftert unsere Insel der Glückseeligen auch ist, den Grossmachtsfantasien der Tyrannen kann man nur mit überlegener Feuerkraft entgegentreten. Die entspricht im Atomzeitalter numal dem Tot durch tausend Schnitte? Die so viel geschmähte Ukraine kämpft ums Überleben und das trotz des Preises erfolgreich? Der russische Mafiastaat hat irgendwo zwischen 20 und 30% seiner Raffeneriekapazität eingebüsst und Herr P. aus M. kann sein Versprechen „Sicherheit und Stabilität gegen politische Apatie“ nicht mehr halten. So objektiv wie die Erfahrungswelt eines mit Propaganda übersättigten russischen Leibeigenen es eben zulässt. König Kim verkauft ihm sein Kannonenfutter (mitsamt den dazugehörigen Kanonen)?! Was also bleibt, als das Messer zu wetzen?! Mit wohlfeilen Worten ist denen nicht beizukommen? Im Zweifelsfall müssen unsere Waffen besser sein als deren.
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Manche Politiker haben völlig ihre Bodenhaftung verloren. Panzer fahren und mit Machienenpistolen scharf schießen? Stelle ich mir so einen seriösen Politiker vor, der als Landrat gewählt werden nöchte?
Er sollte wissen, dass er somit eine Person des öffentlichen Lebens ist. Wird er diese Verpixelung auch im Wahlkampf anwenden, um nicht erkannt zu werden? Es wäre uns zu wünschen…
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Wo es »Kriegstourismus« gibt, ist »Apokalypsenturboismus« nicht weit.
Lange meinte ich, in Molières bekanntestem Stück gehe es um einen Patienten, der ausgesprochen arrogant und eitel ist. An Hypochondrie habe ich nie gedacht beim Titel »Der eingebildete Kranke«.
Plötzliche Sehnsucht nach den guten alten Postleitzahlen.
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Gute Nachricht überall, denn unausweichlich kommt zu Fall.
Die Dummen und die geistig schwachen, die werden schaudern wenn erwachen!
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Du hast ein ziemlich spenglersches Menschenbild, Andi. Was sagt der protestierende Christ dazu?
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Sehr wohl!
In grosser Tat, wollen wir uns
kerben in die Zeit: magdeburgisieren
https://www.youtube.com/shorts/nq54o0VmDFQ
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Eine kleine Geschichte von der Blume, die nicht töten wollte
Wolfgang Borchert hätte seine helle Freude daran gehabt, wie sich das entwickelt hat. Man stelle sich vor: In den Chefetagen der Rüstungsindustrie, zwischen strategischen Briefings und Power-Point-Präsentationen über „Optimierung der operativen Reichweite“, liegt ein kleiner, vergilbter Band von Borchert. Und nicht irgendein Band – es ist „Die Butterblume“.
Ja, die Butterblume, dieses kleine, friedliebende Geschöpf, das schon in Borcherts Text „Die drei dunklen Könige“ leise für das Leben blühte. Nun, Borchert hätte nicht damit gerechnet, dass die Rüstungsbosse sie dereinst aus der Mottenkiste holen würden, um die Moral ihrer Truppen zu heben. Es begann mit einer internen Marketingkampagne. „Krieg ist wie eine Wiese“, proklamierte der Vorstandsvorsitzende bei der letzten Jahreshauptversammlung. „Man muss sie pflegen, damit sie blüht. Und unsere Produkte, meine Damen und Herren, sind der Dünger für eine gesunde, blühende Wiese des Friedens.“
Einige Mitarbeiter zuckten mit den Schultern. Andere dachten an Bertolt Brechts Mutter Courage, die ebenfalls mit dem Krieg Geschäfte machte. Sie fragten sich, ob in den Kantinen bald Brechts Lieder aus den Lautsprechern dröhnen würden. Das passierte nicht, aber eine andere Idee, noch zynischer und perfider, schlich sich ein. Man benannte die neue Generation von Drohnen um: Die „Butterblume 1.0“, die „Butterblume 2.0“ und, für den internationalen Markt, die „Buttercup“. Die PR-Abteilung erklärte in einer Pressemitteilung, die Wahl des Namens symbolisiere die Hoffnung auf eine friedliche Welt, die man ja schließlich anstrebe. Die Drohnen würden helfen, diese Hoffnung zu schützen. Kritiker empörten sich. „Kriegsverherrlichung im Blumenkostüm“, titelte eine Zeitung. Doch die Rüstungsfirma lächelte milde. Sie hatten ja nicht gelogen. Das Motto der neuen Kampagne war „Mit der Butterblume für eine blühende Zukunft“. An den Börsen stieg der Aktienkurs.
Wolfgang Borchert, der die Butterblume als Symbol gegen den Krieg verwendete, würde sich im Grab umdrehen. Vielleicht aber auch lächeln. Denn was könnte die wahre Natur des Krieges besser entlarven als der Versuch, ihn mit der Unschuld einer kleinen Blume zu verkleiden? Und so singen die Rüstungskonzerne nun, auf den Bühnen ihrer Hauptversammlungen, nicht das Lied von der Mutter Courage, sondern ein neues, noch unheimlicheres: das Lied von der Butterblume, die leise blüht und lautlos tötet.
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