Der Stadt Bestes findet sich nicht im Rückspiegel

Die Auto-Lobby führt in der CDU Lüneburg weiter Regie, allemal wenn einer Hand an Parkplätze legen will, wie diese Zweirad-Enthusiasten. Dann werden die Christdemokraten kratzbürstig. Da meldet sich die Parkplatz-Phobie. Da ist es egal, an welchen Beschlüssen die CDU mitgewirkt hat, da gilt: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. 

Schon bei der Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplan Anfang der 90er-Jahre bekam die Christdemokraten kalte Füße. Damit sie an Bord blieben, wurde damals zum Beispiel die Salzstraße nicht komplett für den Verkehr gesperrt. 

Heute geht es um den inneren Radring der Kernstadt, der einmal vom Rathaus über die Neue Sülze, Wallstraße, Haagestraße, Kalandstraße Ilmenaustraße zurück zum Rathaus führen sollte. Noch 2020 sagte Alt-Oberbürgermeister Ulrich Mädge in einem Interview, er setze darauf, dass der Radring 2020 komme – je nach Rechtslage. Das ist schon eine Weile her. Verankert ist der innere Ring unter anderem in der „Radverkehrsstrategie 2025“ und ihren Vorgängern und im Beitritt des Rates zum sogenannten Radentscheid. 

Doch die CDU, genauer die Mittelstandvereinigung der CDU, fordert das Aus für die Ilmenaustraße, ja für den Radring, zu teuer und er gefährde Parkplätze und so auch den Handel. 

Mir geht es mit dem Radring bekanntlich ja nicht schnell genug, und für mich ist ein Ausbau wie an der Wallstraße auch viel zu teuer. An der Ilmenaustraße reicht es für mich, wenn im faktischen Sinne Symbole klar machen, dass der Autoverkehr, der in der Nachkriegszeit immer Vorfahrt hatte, hier und da in der Stadt an die zweite Stelle rückt, und die Radfahrer Vorfahrt haben. Fette rote Markierungen wie an Egestorffstraße oder am Moldenweg, große Radpiktogramme als Ausrufezeichen für Autofahrer würden mir erstmal hinreichen. Aber vermutlich kommt die Stadt jetzt wieder mit der Gesetzeslage. Schade.

Dass die Christdemokraten in Lüneburg weit von ihrer besten Zeit entfernt sind und im Rat nur noch die dritte Geige spielen, das ist hausgemacht. Jetzt gerieren sich manche als Hardliner bei den Themen Sicherheit und Verkehr in der Hoffnung, beim nächsten Urnengang bloß nicht rechts oder gar links überholt zu werden. Denn die Wählerschaft ist selten gespalten, die Zeiten sind selten unsicher. Und wer die Augen aufmacht, der sieht: In Lüneburg parken heute mehr Räder als Autos. Die Lüneburger sind den Zielen des Verkehrsentwicklungsplan der 90er-Jahre mehr gefolgt als die Politik. Also, vielleicht noch mal den Kompass rausholen und statt über Krisen nachdenken, der Stadt Bestes suchen. Das liegt immer vor uns und findet sich nicht im Rückspiegel. 

Hans-Herbert Jenckel

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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17 Responses to Der Stadt Bestes findet sich nicht im Rückspiegel

  1. Avatar von Anne König Anne König sagt:

    Das Beachten des Lüneburger Verkehrsführungssystems insgesamt, der Mobilitätsanforderungen in der näheren Umgebung des aktuellen Vorhabens zwischen Hotel Ratsmühle und Abtsmühle insbesondere und das Bereit- und Freihalten von Zu- und Durchfahrten für Versorgungs-, Hilfs-, Rettungs-, Lieferanten- und Anwohnerfahrzeuge sowie zusätzlich von Sonderstell- oder Parkplätzen für Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen versteht sich ja wohl auch bei der Neugestaltung der Ilmenaustraße von selbst…..
    Schon infrage gestellt durch die gut erreichbaren Parkhäuser (Karstadt, Stadtmitte) kann folglich die lautstarke öffentliche „Forderung“ nach einer „fairen Flächenaufteilung“ im hier erörterten Fall nur als deutlich unwohlmeinender, mit fadenscheinigen Euphemismen maskierter Angriff von brumbrummseligen Komfortzonenverteidigern auf die zuständigen, mit Planung und Umsetzung befassten Verwaltungsmitarbeiter des vom Rat längst beschlossenen und beauftragten Fahrradringausbaus verstanden werden.

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    • Avatar von Emilio Löwig Emilio Löwig sagt:

      Ja, wirklich interessant, dass ein MIT-Text mit deutlich wertender und polemischer Tonlage von Frau Dreyer als ‚relevant‘ eingestuft wird, während sachliche Erwiderungen von ihr ‚polemisch’ oder ‚interpretierend‘ genannt werden.
      Ursprünglich bedeutete ‚relevant‘ übrigens ‚schlüssig‘ oder ‚richtig‘. Erst im 20. Jahrhundert hat sich – unter Einfluss des Englischen – die Bedeutung ‚bedeutend, wesentlich‘ durchgesetzt.
      Beides trifft auf die ‚Pressemitteilung‘ von Herrn Pietruck eher nicht zu.

      Ganz allgemein zeigt sich hier ein Muster, das man in vielen Online-Debatten beobachten kann:
      – moralischer Ton statt Argument,
      – Unterstellungen statt Belege,
      – scheinbare Überlegenheit statt Sachlichkeit.
      Das ist bedauerlich, denn gerade in lokalen Diskursen täte uns ein wenig mehr Faktenorientierung und gegenseitiger Respekt gut.

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      • Fast alles, was man in den sogenannten ’sozialen Medien‘ vorgesetzt bekommt, ist fake. Die alte Medienwelt mit ihren Zeitungen hatte wenigstens Standards. Wem Lügen oder Manipulationen nachgewiesen wurden, flog raus. Der pseudo-öffentliche Raum der Timelines und großen Podcasts ist hingegen ein Ort der Gerüchte und der Verdächtigungen. Die typische Kommunikation dort läuft so: Ich weiß nicht, ob es stimmt, höre aber trotzdem hin und verbreite es weiter, weil ich es provokativ finde.

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  2. Avatar von Helga Dreyer Helga Dreyer sagt:

    Lieber Herr Jenckel,

    ich lese solche Beiträge mit einem gewissen Befremden. Als jemand, der aus dem Landkreis stammt, empfinde ich sie häufig als egozentrisch. Sie vermitteln mir das Gefühl, dass Menschen, die auf ein Auto angewiesen sind, moralisch herabgesetzt werden – so, als nähmen wir den Zeitgeist oder den Klimawandel nicht ernst. Das empfinde ich als unfair. Denn es geht nicht um Ignoranz, sondern schlicht um die Lebensrealität im Landkreis: Viele von uns müssen für die Arbeit, den Einkauf oder Arztbesuche in die Stadt fahren. Ohne Auto ist das oft nicht zu leisten.
    Hinzu kommt: Lüneburg ist nicht irgendeine Mittelstadt, sondern Kreisstadt. Rund 88.000 Menschen aus dem Landkreis sind auf die Stadt angewiesen – zusätzlich zu den rund 80.000 Einwohnerinnen und Einwohnern Lüneburgs selbst. Sie verkürzen die Debatte, wenn Sie diese Dimensionen ausblenden.

    Natürlich ist Lüneburg auch Universitätsstadt, und viele Studierende nutzen das Fahrrad – das ist gut so. Aber die Mobilität einer ganzen Stadtregion darf nicht allein auf diese Gruppe reduziert werden.
    Dass selbst Fachleute wie Professor Dr. Peter Pez von der Leuphana die derzeit diskutierten Radwegführungen im Stadtring kritisch sehen, unterstreicht die Suche nach differenzierten Lösungen. Pez spricht von Einbahnstraßenregelungen und einer fairen Flächenaufteilung, nicht von einer einseitigen Verdrängung des Autoverkehrs.

    Besonders aufschlussreich ist aber, dass Sie selbst einräumen, die „Gesetzeslage“ stehe Ihren Vorstellungen im Weg. Damit bestätigen Sie im Grunde meine Mutmaßung der Egozentrik: Sie stellen persönliche Bedürfnisse über geltendes Recht. Wer einerseits die CDU pauschal als „rückwärtsgewandt“ abqualifiziert, andererseits aber selbst die Rechtslage nur dann akzeptieren will, wenn sie ins eigene Weltbild passt, macht die Diskussion nicht nur unglaubwürdig, sondern auch politisch gefährlich. Denn wenn Recht und Gesetz in der Verkehrspolitik zur Nebensache erklärt werden, öffnet man der Willkür Tür und Tor (das Brückenthema lässt grüßen!).

    Ich finde es problematisch, wenn Sie die CDU pauschal als rückwärtsgewandt dargestellen. Eine ernsthafte Mobilitätsdebatte sollte nicht auf Schlagworte und persönliche Vorlieben hinauslaufen, sondern die unterschiedlichen Bedürfnisse anerkennen.
    Mein Wunsch ist ein respektvolles Nebeneinander: sichere Radwege, ein starker ÖPNV, ja – aber auch funktionierende Straßen für Pendler, Patienten, Lieferverkehr und die vielen Menschen, die ohne Auto nicht auskommen. Nur wenn wir das zusammendenken, kann eine Mobilitätsstrategie gelingen, die allen gerecht wird.

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    • Avatar von jj jj sagt:

      Liebe Frau Dreyer,
      rund um den Stadtkern hat Alt-OB Ulrich Mädge Parkhäuser bauen lassen, gerade um den Forderungen des Handels nachzukommen.

      In der Innenstadt soll kein Parkplatz für Behinderte wegfallen – wäre meine Forderung.

      Aber mit dem Ausbau des ÖPNV muss das oberste Ziel des Verkehrsentwicklungsplans, den Alt-OB Mädge gegen alle Widerstände auch der Zeitung, für die ich gearbeitet habe, für die ich zum Thema geschrieben habe, durchgebox, endlich umgesetzt werden. Und der VEP besagt eben, Fußgänger und Radfahrer wie Busse haben im Stadtkern Vorfahrt. Für Autos sei sie tabu.

      Gehen Sie einmal sonnabends zum Markt und schauen Sie, wer da so parkt direkt am Markt und in der Waagesrraße – die haben nicht alle eine Ausnahmegenehmigung.

      Die Zeiten ändern sich. Nach 80 Jahren Auto-Philosophie und -Vorherrschaft stehen die Zeichen auf Wandel.

      Was respektvollen Umgang angeht, sind wir einer Meinung.

      Was aber das Polemisieren und Fischen als Hardliner am rechten Rand angeht: So kenne ich die CDU nicht. Und das wird ihr auch nicht helfen, vor allem, wenn die Kenntnis fehlt, wer oder was Lüneburg ist.
      Ihr Hans-Herbert Jenckel in alter Verbundenheit.

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      • Avatar von Helga Dreyer Helga Dreyer sagt:

        Lieber Herr Jenckel,

        mein Kommentar bezog sich allein auf das, was Sie in Ihrem Beitrag thematisiert hatten: den geplanten Stadtring und konkret die Ilmenaustraße, wo Parkplätze entfallen sollen, um Radwege zu schaffen. Mein Punkt war: Man sollte solche Veränderungen nicht nur aus einer Perspektive betrachten, sondern auch die Belange derjenigen berücksichtigen, die auf das Auto angewiesen sind.

        In Ihrer Replik machen Sie daraus nun eine Grundsatzfrage über die CDU, den rechten Rand und die angeblich fehlende Kenntnis darüber, „wer oder was Lüneburg ist“. Damit entfernen wir uns aber sehr weit von der eigentlichen Sache. Die MIT hat in ihrer aktuellen Pressemitteilung – ich habe mir diese besorgt – hier der Wortlaut:

        MIT warnt: Haushaltsdisziplin statt teurer Prestigepläne – unsere Innenstadt muss

        gestärkt werden

        Lüneburg, 19.09.2025 – Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Lüneburg fordert

        angesichts der angespannten Haushaltslage ein Ende unnötiger Ausgaben. Jede Investition

        müsse auf den Prüfstand – mit klarer Priorität für Maßnahmen, die Arbeitsplätze sichern und

        die Innenstadt stärken.

        Jeder Euro muss sitzen – zuerst für Arbeitsplätze und eine lebendige Innenstadt“, betont

        Patrick Pietruck, Vorsitzender der MIT.

        Konkret kritisiert die MIT die Pläne zum Ausbau eines Fahrradrings, der unter anderem den

        Umbau der Ilmenaustraße vorsieht. Dort sollen zahlreiche Parkplätze entfallen – ein Schritt,

        den viele Einzelhändler als existenzgefährdend einstufen und den auch Anwohner kritisch

        sehen.

        Wer Parkraum einfach abbaut, gefährdet Kaufkraft und damit Arbeitsplätze in Lüneburg“,

        so Pietruck.

        Die MIT fordert daher ein sofortiges Aus für den geplanten Fahrradring und stattdessen die

        Erarbeitung eines Gesamtkonzepts für die Erreichbarkeit der Innenstadt, dass alle

        Verkehrsteilnehmer einbezieht.

        Wir brauchen Lösungen, die finanzierbar sind und die Wirtschaft stärken – nicht Projekte,

        die neue Probleme schaffen und den Haushalt zusätzlich belasten“, betont Pietruck.“

        klar benannt, worum es ihr geht: Haushaltsdisziplin angesichts knapper Kassen und die Stärkung der Innenstadt. Der Verzicht auf Parkplätze in der Ilmenaustraße wird dort nicht als ideologische Frage dargestellt, sondern als Risiko für Kaufkraft und Arbeitsplätze. Man kann diese Sorge teilen oder nicht – aber sie ist legitim und hat mit „Fischen am rechten Rand“ nichts zu tun.

        Die Frage, wie man entlang der Ilmenaustraße mit Parkraum, Fahrradspuren und Verkehrszeichen fair und praktisch umgeht, beantwortet Ihr Verweis auf die Parkhäuser rund um den Innenstadtring jedoch nicht.
        Mobilität ist doch kein Gesinnungstest, sondern ein praktisches Alltagsproblem, das Stadt und Landkreis gemeinsam lösen müssen.
        Ich halte es deshalb für wichtig, dass die Diskussion auch dort geführt wird, wo sie hingehört: bei den konkreten Planungen, bei der Frage nach fairen Lösungen zwischen Radverkehr, Parkraum, Erreichbarkeit und Wirtschaftskraft. Diese unterschiedlichen Perspektiven müssen ernst genommen werden, dann kommen wir auch zu Ergebnissen, die mehr Menschen überzeugen.

        Ihre Helga Dreyer

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      • Avatar von Erwin Habisch ezwoh sagt:

        Was für eine absurde Diskussion. Niemand plant eine „Radspur“ in der Ilmenaustraße.
        In der Ilmenaustraße soll dem fließenden Kfz-Verkehr kein Quadratzentimeter weggenommen werden. Geplant ist eine unechte Fahrradstraße auf der Kfz zum Karstadt Parkhaus fahren können – und natürlich auch wieder zurück.
        Das kann man alles seit Jahren in öffentlich zugänglichen Dokumenten nachlesen. Man muss sich nur die Mühe machen…
        Es geht hier vorrangig um Sicherheit.
        Wozu brauchen wir Strassenrandparken, wenn einen Steinwurf entfernt zwei Parkhäuser vorhanden sind, die praktisch immer halb leer stehen?
        Die Option „Umbau zu Längsparken“ (wie in der Haagestraße) sollte man mit reinem Anwohnerparken kombinieren. Die gibt es nämlich in der Ilmenaustraße. Das nähme viel Parksuchverkehr aus der Straße.
        Und angesichts der angespannten Haushaltslage ein Ende unnötiger Ausgaben zu fordern, heißt konsequent gedacht auch fordern, die Anmietung leer stehender Gewerbeimmobilien durch die Stadt zu beenden. Es ist nämlich nicht Aufgabe der Steuerzahler, die Gewerbemieten hoch zu halten.

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      • Avatar von Peter Bütow Peter Bütow sagt:

        „Wer Parkraum einfach abbaut, gefährdet Kaufkraft und damit Arbeitsplätze in Lüneburg“,

        behauptet Firmenchef Patrick Pietruck mit der ermüdenden Monotonie einer tibetanischen Gebetsmühle und speist diesen unbelegten Alarmismus im Wochentakt in die öffentlichen Kanäle seiner MIT-Pressemitteilungsabnehmer ein.

        Wer „einfach“ ausschließlich das geschäftlich organisierte Pushen des Online-Handels mit der tausendhändigen Rafinesse von webnetz verfolgt, „gefährdetder etwa nicht den innerstädtischen stationären Einzelhandel und „damit Kaufkraft und Arbeitsplätze in Lüneburg“?

        Wie stehen Pietrucks explizit unfairen, implizit anmaßend, weil haltlos populistischen Unterstellungen gegenüber der städtischen Verwaltungsspitze da im Vergleich z. B. zu den empirisch gesicherten Ergebnissen der Difu-Studien auf die Anton Petersen hinweist?

        Wenn Sie es für wichtig halten, „dass die Diskussion auch dort geführt wird, wo sie hingehört: bei den konkreten Planungen“, d. h. wohl unter den zuständigen Planenden, „bei der Frage nach fairen Lösungen zwischen Radverkehr, Parkraum, Erreichbarkeit und Wirtschaftskraft“, warum erzählen Sie das dann nicht zuallererst Ihrem Schützling Patrick Piertuck? Der ist es doch, der unablässig per Propagandamegaphon die immerselbe Forderungsplatte abspielt, ohne bekannt zu machen, worauf er seine perfid angedeuteten Vorwürfe eigentlich stützt.

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      • Avatar von Helga Dreyer Helga Dreyer sagt:

        Herr Bütow, meinen Austausch mit Herrn Jenckel haben Sie gründlich missverstanden. Ich habe mich auf das CDU-Bashing in seinem Beitrag bezogen – den Inhalt der Pressemitteilung von Herrn Pietruck kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Ich brauche auch keine „Schützlinge“, um mir eine Meinung zu bilden. 

        Lesen Sie bitte noch einmal, was wirklich geschrieben wurde – dann wird die Debatte für alle klarer.
        Die angeblich durch Pietruck getroffenen „perfiden Vorwürfe“ stehen doch wohl eher in Ihrer Interpretation als in seiner  Pressemitteilung.

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      • Avatar von Peter Bütow Peter Bütow sagt:

        Frau Dreyer, woher wollen Sie wissen, ob ich Ihren Austausch mit Herrn Jenckel „gründlich missverstanden“ habe – oder nicht? Ich bin auf den von Ihnen als zentral angemahnten Teil Ihres Kommentars überhaupt nicht eingegangen. Die Wahl der Aspekte, die mir wichtig sind, treffe ich, nicht Sie.

        Sie zitieren die politjournalistische Hervorbringung aus dem Hause Pietruck vollständig und heften einen Nachsatz daran, dessen einleitendes Fragment, „klar benannt, worum es ihr geht“, vermuten lässt, dass Sie den gesamten Passus mitsamt Ihrer anschließenden Bewertung von anderer Stelle herkopiert haben.

        Die keineswegs bloß „angeblichen“ durch Pietruck „perfid angedeuteten Vorwürfe“ oder seine Unterstellungen zum Zwecke der Meinungsmache, deren Zielgruppe Herr Jenckel „am rechten Rand“ vermutet, sind dank Ihnen nun auch für das Publikum von Blog.jj nachlesbar:

        Es gibt offenbar eine Gruppe Dösbaddel mit Ilmenaustraßenzuständigkeit in Lüneburg, der Herr Pietruck – öffentlich – meint regelmäßig nachkreischen zu sollen:

        Haushaltsdisziplin statt teurer Prestigepläne!

        Ende unnötiger Ausgaben!

        Gesamtkonzept statt Flickwerk!

        Für Arbeitsplätze und eine lebendige Innenstadt!

        Alle Verkehrsteilnehmer einbeziehen!

        Lösungen, die finanzierbar sind!

        Die Wirtschaft stärken – nicht schwächen!

        Keine Projekte, die neue Probleme schaffen!

        Kennen Sie einen realen Menschen aus Politik oder Verwaltung im Rathaus der Hansestadt Lüneburg, dem irgendwer per Repetierverfahren ohne Maß und Scham solche banalen Selbstverständlichkeiten über Zeitungen, Propagandaflugschriften und digitalen Medien hinterherrufen müsste? Können die Inhalte einer solchen aufwiegelnden Phrasendrescherei wirklich als „konstruktiv“ oder „hilfreich“ angesehen werden? — Was würden Sie antworten, wenn Ihnen jemand pausenlos mit solchen seichten Hohlheiten in Sachen Elbbrücke nachstellen würde?

        Abgesehen davon, dass der Fahrradring zusammen mit den Stimmen der CDU vom Rat beschlossen worden und die These, dass Parkraumabbau automatisch Kaufkraft und damit Arbeitsplätze gefährdet, blanker populistischer Unsinn ist, wird an den aufgelisteten Forderungen deutlich, dass Herrn Pietrucks implizites „eigentliches“ Anliegen nur das Herabsetzen und Diskreditieren der Lüneburger Stadtverwaltung sein kann, deren Mitgliedern er schaden, nicht raten oder sogar helfen möchte. Seine in die Welt seiner von ihm vermeinten Follower „kommunizierten“ Gedankenfiguren sind von einer derart aufdringlichen Grobschlächtigkeit, dass gar keine andere Absicht damit verbunden sein KANN, als die, bei den von Pietruck offenbar allesamt als sehr dumm vorgestellten, stets auf Dauerkrawall gebürsteten Neonationalprimitivisten leidenschaftsbefeuerten Zuspruch zu ernten.

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    • Avatar von Werner Mellentin Werner Mellentin sagt:

      „Liebe Einzelhändler und Parkplatz-Verteidiger, mal eine praktische Frage: Auf welche Kaufkraft hofft ihr eigentlich bei Kunden, die sich zwar ein Auto, Sprit und Versicherung leisten können, aber bei ein paar Euro Parkgebühr im Parkhaus schon an ihre finanziellen Grenzen stoßen?

      Wenn jemand ernsthaft behauptet, dass 2-3 Euro Parkkosten über den Einkauf in der Innenstadt entscheiden, dann reden wir doch von einer Kundschaft mit sehr begrenztem Budget. Welche Umsätze sollen da realistisch entstehen? Ein großer Wocheneinkauf? Oder eher der notwendige Gang zur Apotheke?

      Vielleicht sollten wir ehrlich sein: Wer wirklich kaufkräftig einkaufen will, für den sind ein paar Euro Parkgebühr kein Hindernis. Alle anderen fahren sowieso lieber zum kostenlosen Parkplatz vor dem Discounter am Stadtrand oder bestellen online. Da helfen auch kostenlose Innenstadtparkplätze nicht weiter – die Konkurrenz ist strukturell, nicht durch Parkgebühren bedingt.“

      Diese Erkenntnis hat gerade kürzlich ein bekannter Lüneburger Juwelier indirekt bestätigt, der sich jetzt aus dem Kaufhaus Lüneburg zurückzieht.

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    • Avatar von Mina Mina sagt:

      Hallo Frau Dreyer,

      für junge Menschen im Alter von Anna Bauseneick, Arwed Köster, Patrick Pietruck und Marlon Suhrke sind soziale Netzwerke die wichtigste Informationsquelle. Dort schauen sie laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung nach, wenn sie sich über das lokale (Fahrradring, Teilstück Ilmenaustraße) bis globale Weltgeschehen (Make this an me great (again)) informieren wollen. Die wichtigsten Vermittler sind also nicht die Schule, die Familie, das Fernsehen oder Zeitungen, sondern Kurzbotschaften und Videos auf X, Instagram und Tiktok. So bildet sich die Mehrheit der Generation Z. Oder versucht es jedenfalls.

      Mit Desinteresse hat das nichts zu tun. Die Generation der Menschen, die heute in den 30ern sind, gilt als besonders politisch. Eine Erklärung dafür lautet, dass sie sich schon in jungen Jahren mit mehreren Krisen konfrontiert sah, digital induzierter ökonomischer Umbruch ab 1995, zunehmender Ladenleerstand in Stadt und Gemeinden, wachsendes Einzelhandelssterben, Mieteneplosionen, Springer-Museumserweiterungsbau, Libeskind-Audimax, LKH Arena, Eurokrise, Klimawandel, Migatrionsdruck, Covid-Pandemie, Ukraine-­Überfall, Hamas-Massacker, Gaza-Krieg usw.

      Eine andere Erklärung besagt, dass die Jugend sich über die sozialen Netzwerke besser organisieren kann als sämtliche Generationen vor ihr. Es ist eben sehr einfach, sich politischen Gruppen im Internet anzuschließen und anderen zu zeigen, wofür man steht. Das wiederum bestärkt das eigene politische Bewusstsein. Man kann Gleichgesinnte suchen und ihnen folgen. Oder auch Parteien, Politikern und politischen Influencern.

      Diese Influencer sind es, die bei der Suche nach politischen Informationen laut der Studie die größte Rolle spielen. Ihre Inhalte erreichen meist mehr Menschen als Videos von Parteien. Junge Menschen vertrauen diesen Influencern auch mehr als den Politikern, die sich ständig selbst präsentieren oder der jungen Zielgruppe mit Tanzvideos und Disruptionsgequatsche anbiedern.

      Influencer sind nicht so. Sie sprechen die Sprache ihrer Follower und wissen, was sie beschäftigt. Außerdem haben sie verstanden, wie man Aufmerksamkeit schafft. Die größte Reichweite erzielen Meinungsführer einer bestimmten Blase, wenn sie einen politischen Gegner heftig angreifen. Empörung ist die Währung der sozialen Netzwerke. Das wird zum Problem, wenn diese Netzwerke als Grundlage politischer Bildung und reflektierten Verhaltens dienen sollen.

      Die Videos machen es ihren Konsumenten zu einfach. Was sie ihnen vermitteln, sind weniger Informationen als vorgefertigte Meinungen. Sich zu informieren, nachzudenken, zu einem eigenen Urteil zu kommen, all das ist nicht mehr notwendig, um am politischen Diskurs teilzunehmen.

      Es reicht, zu folgen. Zwar gibt es auch in den sozialen Netzwerken moderate und in erster Linie informative Inhalte, die bestraft der Algorithmus aber. Er belohnt die Meinungen der Ränder. Er unterscheidet nicht zwischen Echtheit und Künstlicher Intelligenz. Zwischen Fake News und Fakten. Er spült in den Feed, was die stärksten Emotionen auslösen wird. So gerät die Wahrheit ins Hintertreffen und es gewinnt immer nur die schappatmend generalisierende Bezichtigungsrhetorik. (Siehe oben: Lüneburgs Stadtverwaltung hält keine Haushaltsdisziplin, verfolgt teure Prestigepläne, tätigt unnötige Ausgaben, betreibt konzeptlose Flickschusterei, vernichtet Arbeitsplätze, lässt die Innenstadt veröden, bedient verkehrspolitisch das Velo-Klientel, schwächt die örtliche Wirtschaft, schafft vorwiegend Probleme usw.)

      Ein starkes Gefühl (der Ablehnung) ist aber noch keine politische Meinung. Empört zu sein, bedeutet nicht automatisch, politisch zu sein. Noch weniger bedeutet es, politisch informiert zu sein, oder gar, Recht zu haben. Zu folgen ist bequem und weniger riskant, als seine eigens erarbeitete Meinung kundzutun, und befriedigender, als keine Meinung zu haben.

      Junge Menschen könnten auch in Lüneburg mutiger sein. Ihr politisches Interesse ist der erste Schritt zu einem mündigen Austausch. Einem, in dem es möglich ist, verschiedene Positionen auszuhalten. In dem es gar wünschenswert ist, den Egoismen und Zwängen des Gruppendenkens und der Indokrination innerhalb der eigenen Blase zu widersprechen. Dafür braucht es aber mehr, als den von Algorithmen gesteuerten Text-, Audio- und Video-Angeboten eines Influencers zu folgen: Man muss sich seine eigenen Gedanken machen.

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  3. »Wer als Geschäft nicht genug Parkplätze anbieten kann, verliert Umsatz – seit vielen Jahren hält sich dieser Mythos hartnäckig, auch in Stadtplanung und Verkehrspolitik. Dabei haben sich die Verhältnisse umgekehrt: Heute gewinnen Läden dort mehr Kundschaft, wo weniger Autos fahren.« — Wissenschaftszentrum Berlin, 1. Juli 2023

    »Unsere Erkenntnisse zeigen, dass man Straßenparkplätze in Innenstädten deutlich reduzieren könnte, um den Platz in der Straße anders zu nutzen – wenn man gleichzeitig die vorhandene Kapazität in den Parkhäusern besser ausnutzt«, sagt Laura Merten, Verkehrswissenschaftlerin und Hauptautorin der Studie. — DER SPIEGEL, 27.Oktober 2023

    »Kausale Zusammenhänge zwischen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und einer wirtschaftlichen Schlechterstellung des stationären Einzelhandels sind vor dem Hintergrund der vorliegenden Untersuchungen nicht belegbar. Im Gegenteil, eine bessere Aufenthaltsqualität und höhere Kundenfrequenzen führen in fast allen untersuchten Studien zu einer Stabilisierung bzw. Steigerung der Umsätze. Die Erklärung ist einfach: Dort, wo sich Menschen gern aufhalten, wo sie sich wohlfühlen, wo sie länger vor einem Geschäft verweilen, nutzt dies am Ende auch dem Einzelhandel. Zu den Fakten gehört aber auch, dass nicht alle Branchen gleichermaßen profitieren. Entscheidend ist, wie die Umgestaltung vorgenommen wird. Unter dem Strich bleibt die Feststellung, dass Verkehrsberuhigungsmaßnahmen die Krise des Einzelhandels nicht kompensieren können, aber durchaus abmildern und keinesfalls verantwortlich für das ‚Geschäftesterben‘ sind.« — Deutsches Institut für Urbanistik (Difu), März 2025

    »In Deutschland gibt es viele Initiativen für autofreie Innenstädte. Davon profitieren nicht nur Fußgänger, Radfahrer und das Klima, sondern auch der Einzelhandel, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik in Berlin ergeben hat.« — MDR Wissen, 07. Juli 2025

    Parking Day in Lüneburg: Wofür wollen wir den öffentlichen Raum nutzen? „Es geht nicht darum, Autos zu verteufeln. Sondern darum, zu zeigen, wie viel Lebensqualität wir gewinnen könnten, wenn wir den öffentlichen Raum neu denken und gerechter verteilen“, erläutert Jonas Korn vom VCD zum Parking Day, der am 19. September 2025 wieder in der Bardowicker Straße gefeiert wurde. Der „Parking Day“ fand am 19. September 2025 wieder in der Bardowicker Straße in Lüneburg statt – und war ein voller Erfolg, so die Veranstalter. — VCD Elbe-Heide: Veröffentlicht am 23. September 2025

    OB Claudia Kalisch: Innenstadt schlechtreden? – Besser gemeinsam die Stadt stärken!Hansestadt Lüneburg,

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  4. Avatar von 7jb8225gqk 7jb8225gqk sagt:

    Was machen wir mit dem Straßenabschnitt vor dem Kalandhaus? Radfahrer absteigen und schieben?

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  5. Avatar von ko07051939 ko07051939 sagt:

    Was machen wir mit dem Straßenabschnitt vor dem Kalandhaus? Radfahrer absteigen und schieben?

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  6. Avatar von Erwin Habisch ezwoh sagt:

    Fette rote Markierungen wie an Egerstorffstraße und am Moldenweg und große Radpiktogramme als Ausrufezeichen für Autofahrer werden von vielen Autofahrern als Zielmarkierung zum „erziehen“ von Radfahrern mißinterpretiert. Am Moldenweg sehen fast alle Autofahrer den Radstreifen als Rallyestreifen und brettern darauf die Straße runter – auch ohne Gegenverkehr und ohne Rücksicht auf Radfahrer. Zwei Beispiele, wie man Radfahrer gefährdet, statt ihnen mehr Sicherheit zu geben.
    Vor der letzten Kommunalwahl schrieb Jens-Peter Schultz zur Frage des ADFC „Welche Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs wollen Sie in 6 Monaten, einem Jahr, drei Jahren und am Ende Ihrer Legislaturperiode abgeschlossen haben?“ für die SPD: „Der Fahrradring ist ja bereits durchgeplant und finanziert.“ Seitdem hat die SPD die Umsetzung torpediert, wo sie nur konnte. Leider führt die Auto-Lobby auch in der SPD Lüneburg die Regie. Alles von Ihnen im ersten Absatz geschriebene gilt gleichermaßen für die SPD – mit dem Unterschied, dass die SPD die Radverkehrsstrategie 2025 selbst auf den Weg gebracht hat…

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