Dr. Faulhaber, ein großer Lüneburger ist tot

Ihm hat Lüneburg ganz viel zu verdanken, auf dem Weg zur Kulturstadt, auf dem Weg zur Universitätsstadt. Ein großer Hanseat ist gegangen: Dr. Reiner Faulhaber ist tot. Von 1984 bis 1996 prägte er als Oberstadtdirektor die Hansestadt. 

Unsere Wege kreuzten sich über mehr als drei Jahrzehnte: er erst Kreisdirektor, dann Oberstadtdirektor und schließlich Ombudsmann der Zeitung, ich Redakteur und später Teil der Chefredaktion.

Für immer mit dem Namen Reiner Faulhaber bleiben in der Kultur die riesigen Rock over Germany Festivals in den 90er-Jahren auf dem Flugplatz verbunden mit Weltstars wie Tina Turner, Prince, Elton John, Rod Stewart und vielen mehr. Und natürlich die Klassik-Events mit den ganz großen der Szene wie Maestro Lenny Bernstein oder Yehudi Menuhin. Und durch seinen engen Draht zu Justus Frantz lockte er das Schleswig-Holstein Musikfestival bis nach Lüneburg. Das hält bis heute.

Aber er saß an der Schaltstelle, als Lüneburg die Verkehrsberuhigung einläutete, das Theater, es lag ihm besonders am Herzen, größer wurde, als Lüneburg von der Garnisons- zur Universitätsstadt wurde mit dem Umzug in die Scharnhorst-Kaserne.

Reiner Faulhaber war einer der letzten Vertreter der goldenen Lüneburg-Generation. Als sie in Amt und Würden kam, war Lüneburg auf der einen Seite noch eine betuliche, ja teils muffige Soldatenstadt, die wachgeküsst werden wollte, auf der anderen Seite, zum Beispiel im Wohnungsbau, erbte sie auch die Irrungen der Wirtschaftswunder-Zeit, eine Erbschaft, die bis heute mehr Kreuz als Segen ist. Aber, wie heißt es, diese Generation hat das beste draus gemacht und Lüneburg zu Glanz und Prosperität verholfen. Der Letzte aus der ersten Reihe ist nun Alt-Oberbürgermeister Ulrich Mädge.

Reiner Faulhaber wurde für sein außergewöhnliches Engagement mit dem Ehrenring der Stadt und dem Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet.

Wie es sich gehört, gab es natürlich immer mal wieder Stimmungsschwankungen zwischen uns. Das gehört dazu, wenn der eine Verwaltungschef und der andere Journalist ist. Auch darüber habe ich Anfang des Jahres noch für die LZ geschrieben, als sein 90. Geburtstag gefeiert wurde.

Also rieb sich Dr. Faulhaber nicht nur manches Mal mit Lokalpolitikern, sondern auch mit der Lokalpresse. Wenn eine Schlagzeile ihn richtig ärgerte, dann griff er zum Hörer. Und der Pulsdruck beim Redakteur stieg. Aber eine Stunde später war das Donnerwetter vergessen. Nachtragend sein, gehört nicht zu seinen Eigenschaften. Er war konziliant und seine Begeisterungsfähigkeit steckte an. Er hatte ein tiefes Verständnis für die schreibende Zunft, war schon in Bonner Zeiten Pressechef bei Innenminister Ernst Benda.

Ob beim Deutschen Roten Kreuz, im Kuratorium der Universitätsgesellschaft, im Förderkreis Theater – Dr. Faulhaber war an Bord. Auch als Ombudsmann der Landeszeitung. Da hockten wir dann zusammen und überlegten, wie wir Abonnenten bei der Stange hielten, die sich über Artikel schwer geärgert hatten. Auch dafür hatte er ein Händchen.. 

Geboren in Oppeln/Oberschlesien, erlebte Faulhaber Krieg und Vertreibung, bevor seine Familie in Lüneburg heimisch wurde. Nach dem Besuch des Johanneums studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Hamburg, Berlin und Göttingen. Seine berufliche Laufbahn begann er bei Bundesinnenminister Ernst Benda in Bonn, bevor er 1974 als Kreisdirektor nach Lüneburg zurückkehrte, wo er mit dem damaligen Oberkreisdirektor Klaus Harries so viel für den Landkreis bewegte. Beide hatten ein Herz für die Kultur..

Für die Hansestadt Lüneburg dankt Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ihm für sein Lebenswerk. Dr. Reiner Faulhaber zu Ehren flaggt die Hansestadt auf Halbmast und legt ab morgen, Mittwoch (8.10.) im historischen Rathaus ein Kondolenzbuch aus. Wer sich darin eintragen möchte, kann dies in den nächsten Wochen in der Zeit zwischen 7 und 17 Uhr machen. Die Adresse lautet Am Ochsenmarkt 1 (Eingang A). 

Hans-Herbert Jenckel

Foto jj: Das Bild von Dr. Reiner Faulhaber in der Ahnengalerie des Rathauses.

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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2 Responses to Dr. Faulhaber, ein großer Lüneburger ist tot

  1. Avatar von Dr. Althusmann Dr. Althusmann sagt:

    Aus dem fernen Kanada schreibt Dr. Bernd Althusmann, genauer aus Ottawa, wo er für die Konrad-Adenauer-Stiftung das Büro leitet:

    Mit großer Dankbarkeit und ebenso großem Respekt blicke ich auf die beeindruckende Lebensleistung von Dr. Reiner Faulhaber für die Hansestadt Stadt Lüneburg, aber gleichsam auch den Landkreis.

    Sein Rat in meiner Zeit als CDU-Vorsitzender in Lüneburg war mir stets sehr wichtig, wertvoll und vor allem wegweisend. Seine Leidenschaft galt der Kultur und dem Wohl der Bürger unserer Region.

    Dr. Althusmann Foto: CDU/NDS

    Nicht nur die Premierenfeiern des Lüneburger Theaters mit ihm und seiner Frau waren legendär, sondern ebenso die lang zurück liegende Kandidatur zum Oberbürgermeister mit einem -wie sollte es anders sein- kulturellen Abschluss im Lüneburger Kurpark mit einer Last Night of the Proms.

    Wie oft haben wir auch danach noch meist bei ihm daheim vertraulich sprechen können. Wie oft waren Klaus Harries, Dr. Winfried Martens, Jens Schreiber, Dr. Gerhard Scharf oder Franz Fietz dabei.

    Zwar bin ich derzeit beruflich etwas weiter entfernt und werde an seiner Beerdigung nicht teilnehmen können, aber eines bleibt mir besonders in guter Erinnerung: seine stets positive und herzliche Art, die er selbst an den Rollstuhl gebunden bei den DRK-Augusta-Schwestern nie verloren hat. Ein wirklich großer Lüneburger mit großem Herz, der das Menschsein nie verloren hat. Danke für alles, Reiner! Seiner Frau und seiner Familie viel Kraft.

    Beste Wünsche nach Lüneburg! Bernd Althusman

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  2. Avatar von Stromberg Stromberg sagt:

    Rainer Faulhaber war ein Gewinn und ein Segen für die Stadt. Er hatte Format und war ein guter Chef. Ihre Würdigung und die von Hans-Martin Koch ist angemessen wertschätzend.

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