In Lüneburg ist das Glas mindestens halb leer

In Lüneburg ist das Glas immer mindestens halb leer. Lüneburg ist eine Hochburg der Nörgel-Kultur. Der Anlass ist beliebig. Alles triggert. Der Puls steigt ganz ohne Sport, das ist der schöne Nebeneffekt. 

Ob Parkplätze, Neubaugebiete oder Bauten am Senkungsgebiet, Straßensanierungen oder der ewige Beef zwischen Autofahrern und Bikern, es bieten sich Anlässe en masse. Manchmal habe ich das Gefühl, mit Nichtstun und Stillstand käme die Stadt besser durch den Winter.

Diese Woche las ich, dass da auch eine Präsidentin Klartext gesprochen hat, ich war sehr gespannt. Und vor allem stand auf mehreren Seiten in der LZ, dass das Thema Atommüll wieder Konjunktur hat, weil weiter nach Endlagern gesucht wird, überall in Deutschland, gerade in Niedersachsen und auch in der Region Lüneburg. Auch das noch. Glas halb leer.  

Schon skandiere ich leise: Aufruhr, Widerstand, es gibt kein ruhiges Hinterland. Das war die Erkennungs-und Erfolgsparole der Atomkraftgegner vor Jahrzehnten auch in Lüneburg, wenn wieder ein Castor-Transport den Bahnhof passierte Richtung Gorleben. Das hat gewirkt, Gorleben ist als Atommüll-Endlager Geschichte. Mit dem Aus für den Salzstock im Wendland ist mancher auf Sinnsuche gegangen. Jetzt, bei der neuen Recherche nach einem Endlager ist die Region wieder an Bord, erwachen die Geister wieder. Wenn Wendländer was können, dann Widerstand organisieren – da ist das Glas halb voll. 

Ja, und dann wurde beim traditionsreichen und renommierten Abendessen der Kaufleute eine Klartext-Rede gehalten. Da hatte ich beim Lesen in der LZ das Gefühl, das Glas ist ganz leer. Zu viel Bürokratie, mehr Mut, mehr Verantwortung, mehr Aufbruch. Schon Karl Valentin wusste: Das kann man nicht oft genug sagen.

Aber es ist von der Klartext-Rednerin tatsächlich der Satz überliefert: „Es braucht – ja, ich sage es bewusst so klar – eine politische Kultur, die nicht länger um den heißen Brei redet.“  Ich dachte sofort an Bundespräsident Roman Herzogs legendäres Wort: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“ Wie es auch sei, die Bundesregierung handelte noch diese Woche und beschloss ein dickes Paket zum Bürokratieabbau.  

Bei mir ist das auch voll angekommen mit dem heißen Brei. Ich schritt zur Tat, reiße seit Tagen Tapeten ab. Meine Arme sind schwer, mein Herz erfüllt und mein Kopf fragt: Wie lange noch? Aber ich sehe Licht und ein Glas, halb voll. 

Hans-Herbert Jenckel

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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14 Responses to In Lüneburg ist das Glas mindestens halb leer

  1. Avatar von Justus Bender Justus Bender sagt:

    Diese Woche gab es einen großen Streit in dem und über den Verband der Familienunternehmer, im Wesentlichen die politische Lobbyorganisation deutscher Milliardäre (siehe: ZDF-Mediathek. frontal-Video vom 14.10.2024, 35 Min., abrufbar bis zum 14. Oktober 2029). Die Frage war, ob es legitim ist, wenn der Verband AfD-Vertreter zum Gespräch einlädt.

    Kann man mit Extremisten einen gepflegten Meinungsaustausch unter Demokraten führen? Viele (darunter auch viele Verbandsmitglieder) meinen, das gehe nicht.

    Wer jahrelang und systematisch Menschen einer bestimmten Gruppe schlechtmacht, sie Kriminelle, Schmarotzer, Gesindel, Betrüger, Vergewaltiger schimpft und immerzu sagt, sie seien, auch wenn sie Deutsche sind, eigentlich keine „richtigen“ Deutschen, dann greift dieser Jemand die Menschenwürde an. Und das ist verfassungsfeindlich. Gleiches gilt für die Demokratie. Wer jahrelang die Vertreter aller anderen Parteien als Volksverräter hinstellt und unberechtigte Zweifel weckt an der Gültigkeit von Wahlen, der entwertet die Stimmen jener achtzig Prozent, die nicht AfD gewählt haben. Das geht nicht.

    Der Verfassungsschutz hat jahrelang geprüft, bevor er sicher war. Die AfD klagt jetzt dagegen. Diese Möglichkeit ist in einem demokratischen Rechtsstaat ein Grundrecht. Doch spätestens wenn die Einstufung gerichtlich bestätigt ist, müssen alle, die Zweifel daran haben, ihrerseits Belege präsentieren. Tun sie das nicht, sollte man Extremisten wie Extremisten behandeln. Und dazu gehört, nicht so zu tun, als seien sie nur Menschen, die ein bisschen rechter denken als man selbst.

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  2. Avatar von Jo Jo sagt:

    „Wie es auch sei, die Bundesregierung handelte noch diese Woche und beschloss ein dickes Paket zum Bürokratieabbau.“ (jj)

    Sag ich doch, der Kanzler ist lernfähig.

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  3. Detlef,

    weißt du, worin sich gutes Kabarett (G. C. Lichtenberg, H.-H. Jenckel) von schlechtem Kabarett (D. Nuhr, F. Merz) unterscheidet? Beim schlechten kommt es dem „besorgerten“ Scharfschützen hauptsächlich darauf an, Einverständnis herzustellen. Beim guten ist der satirritierende „Tapetenreißer“ vor allem skeptisch. Deshalb tut letzterer sich schwer damit, so genau zu wissen, dass nicht auch er Teil des Problems ist. Er spielt viele greisliche Typen, ja! Aber danach geht er ins Publikum, streicht einem Zuschauer über den Kopf und sagt: „Sind wir nicht alle ein büschen so?“ Ich find es gut, wenn ein Bürgerspieß-Programm sein eigenes Publikum und sich selbst, den Akteur auf der Bühne, nicht verschont.

    Darum mag ich diese aggressiv simplizistische Arena-Stimmung à la Dr. Marco Schulze und Patrick Pietruck nicht: „Das Glas ist halb leer. Ave Caesar, morituri te salutant.“ Die anderen draußen haben null Dekadenz-Peilung, doch wir hier drin, die kolossale Lach- und Schießgemeinschaft, sind im Vollbesitz der Wahrheit. (Noch weniger mag ich es, wenn einer den lieben Gott spielt und nicht nur zwinkert, die Tapeten seien zu entfernen, sondern gleich losbölkt, das ganze Haus gehöre weg.)

    Ich finde, wir, Detlef, Sie und ich und die meisten anderen, sollten alles daran setzen, aus dem gegenseitigen Verurteilen herauszukommen. Die Leute in Buendorf an der Neetze sagen, dass sie bestimmte Themen vermeiden, damit man sich untereinander nicht zerstreiten muss. Die reden lieber irgendwas Unverbindliches, damit sie nicht zu sagen brauchen: Du bist ein kompletter Depp! Ich bin dafür, dass man eine klare Haltung hat, aber miteinander redet. Die wechselseitige Empörung ist der Brennstoff, mit dem sich die Konflikte immer weiter erhitzen.
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    Apropos, „Sind wir nicht alle ein büschen so?“: „Sturm kommt auf“ ist der Titel eines neuen, sehr gelungenen ZDF-Film-Zweiteilers über die Phase eines aufkeimenden Faschismus. „Ja, wie war es denn nur möglich?“ lautet die zentrale Frage. Plausible Antworten werden nicht verschwiegen.

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    • Avatar von Norbert Meyer Norbert Meyer sagt:

      Michael Sandel auf die Frage, ob es Anlass für Zuversicht gibt. Er ist seit 1980 Professor für politische Philosophie an der Harvard Law School.

      Ich würde zwischen Optimismus und Hoffnung unterscheiden. Es ist schwer, optimistisch zu sein, wenn die etablierten Parteien keine überzeugende Alternative zum autoritären Populismus bieten. Aber überall, wo ich hinkomme, stelle ich fest, dass vor allem junge Menschen sich nach einer besseren öffentlichen Debatte sehnen. Die Menschen wollen, dass wichtige moralische und gesellschaftliche Fragen angesprochen werden: Was ist eine gerechte Gesellschaft? Wie sollen wir mit der zunehmenden Ungleichheit umgehen? Was schulden wir einander als Mitbürger? Das gibt mir Hoffnung, dass wir einen Weg zu einer neuen Politik des Gemeinwohls finden können. Nicht, dass wir uns in allem einig sein werden, aber dass wir lernen, miteinander zu argumentieren, zu diskutieren und einander zuzuhören – insbesondere denen, deren Meinung wir nicht teilen.

      ZEIT ONLINE, 7. November 2025, 20:02 Uhr

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  4. Sehr geehrter Tapetenreißer,

    Gestatten Sie mir, zu Ihrem anstrengenden, aber offenbar herzerfüllenden Gewerbe einige aphoristische Bemerkungen im Geiste des Herrn Georg Christoph Lichtenberg beizusteuern. Denn was ist das Leben, wenn nicht ein ewiges Abreißen und wieder Überstreichen?

    Tapeten-Aphorismen aus dem Sudelbuch eines Renovierenden

    „Dass man den heißen Brei vermeiden soll, ist nur ein feiger Spruch jener, denen die Zunge fehlt, die Wahrheit zu versengeln. Man muss ihn essen, aber mit Bedacht, wie man eine Tapete von der Wand reißt – nur um festzustellen, dass man das ganze Haus hätte abreißen müssen.“

    „Der Mensch ist ein Wesen, welches die Mühsal des Tapetenreißens wählt, nur um die Leere der Wand mit der Leere eines neuen Musters zu füllen. Welch ein Trost, dass die Muskeln dabei mehr Wahrheit sprechen als der Kopf je ersinnen könnte.“„Von der Schwärze der Arme nach getaner Arbeit auf das Glück des Herzens zu schließen, ist eine Logik, die nur dem Handwerker zusteht. Der Philosoph, welcher nur die Theorien abreißt, bleibt unglücklich und sauber.“„Die Frage, ‚Wie lange noch?‘, verliert ihren Stachel, sobald man begreift, dass auch die fertige Wand nur der Anfang einer neuen Abnutzung ist. Das Licht im Glas, halb voll, ist somit nicht das Ende der Arbeit, sondern der Anfang der Pause. Ein Optimismus, der freilich oft teurer ist als die ganze Renovierung.“

    „Ich glaube, dass es mit dem Abreißen von Altlasten wie mit dem Entwickeln eines Gedankens ist: Es muss erst hässlich und mühsam werden, bevor man die nackte Wahrheit sieht – und selbst dann zuckt man zusammen, weil sie in den meisten Fällen nicht tragbar ist.“

    Ich hoffe, diese kleinen, scharfen Betrachtungen finden in einer kurzen Pause zwischen zwei Tapetenschichten Ihren wohlwollenden Blick.

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    • Avatar von Sebastian Sebastian sagt:

      Warum es nicht mal mit absurdem Humor auf der Kabarettbühne versuchen und während einer Nummer ganz viele beliebte Speisefische übereinander schichten? Dann wird ein Lachsturm einen Lachsturm auslösen.

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  5. Avatar von Hinrich Wiekhorst Hinrich Wiekhorst sagt:

    Es geht noch schwarzmalerischer, Herr Jenckel,

    Julia Klöckner nennt Deutschland den „Puff Europas“, die Bundeswehr plant, 1.000 Leopard Panzer und 2.500 gepanzerte Boxer zu beschaffen, und Männer woll‘n Verbrenner.

    Klar, man könnte jetzt meinen, das Glas ist halb leer. Aber sollte nicht gerade von unternehmenden Menschen, von Entrepreneuren neuen Typs, gesehen werden, dass es auch halb voll ist? Für das politische Talent Christian Lindner gab es keine Probleme. Das waren immer nur „dornige Chancen“. Anpacken und gemeinsam das Beste draus machen, das ist doch eine schöne Devise! Oder unser D-Day der innovativ-disruptiven Lösungen. Zeigt den Dauermaulern ihre Grenen auf!

    So gesehen, ließe sich sogar überlegen, ob unter den gegebenen Verhältnissen nicht auch die Veranstaltung von Junggesellenabschieden in unserem Landkreis möglich wäre. Motto etwa: „Der Kampf um die Schutzhütte auf der malerischen Kronsbergheide“. Munster ist nicht weit weg. Kameras für Webefilme würde das „Team Rote Rosen“ sicher gerne zur Verfügung stellen.

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    • Avatar von Ilse Hamburger Ilse Hamburger sagt:

      Immer wieder gibt es Redner und Kommentatoren, die mit schmierigen rhetorischen Winkelzügen auf Hauptverwaltungsbeamt*inn*e*n zielen und ihnen aberwitziger Weise zwischen den Zeilen furchtbar unlautere Motive für irgendwelche ganz persönlichen Verhaltensweisen andichten. Warum hat die jetzt schon wieder in ihr Handkerchief geschnäuzt? Warum trägt der im Herbst ein helles Jackett zu viel zu dunkler Hose? Das sind so Beobachtungen, an die sich die schrägsten Vermutungen über geheimnisvolle Absichten, ja, Machenschaften knüpfen lassen.

      Dr. Marco Schulze und Patrick Pietruck gehören n I c h t zu den Leuten, die so etwas tun! Denen würde das n i e m a l s einfallen.

      Meine Meinung!

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  6. Avatar von Günther Brücker Günther Brücker sagt:

    Einen gibt es hier doch noch zum ewigen Nörgeln. Weil das Glas sonst überläuft. Der bisher klügste Kommentar zu Friedrich Merz seine Aussage „Fragen sie mal ihre Töchter!“. Absolut auf den Punkt. Besser kann man das Falsche an das Thema von Merz und Marco Schulze in Januar vor seine Bundeskandidatur garnicht beschreiben.

    Quelle: https://www.instagram.com/p/DQHRdocjCGq/

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  7. Avatar von Dörte Hagemann Dörte Hagemann sagt:

    Beuys war überzeugt, „Jeder Mensch ist ein Künstler“, Herr Jenckel. Also sind auch Tanja Grimberg, Nikolaus Blome und Sie ein Künstler. Nichtssagende Reden aus rundgelutschten Allgemeinplätzen für anspruchslose Hörer zusammenleimen oder Tapeten im Kinderzimmer von den Wänden entfernen, um dem häuslichen Gestaltungswillen eine Gasse zu bahnen, beides kann Kitt für das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl sein. Die Frage ist nur: Welcher hält besser?

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    • Avatar von jj jj sagt:

      Rundgelutscht, ein schönes Wort, das der großen Journalistin Marie-Luise Scherer für verbraucht, zu oft gewählt einfiel, als sie ein Kind das Eis Ed von Schleck lutschen sah.

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      • Avatar von E. Hennings E. Hennings sagt:

        Ja, und diese einzige Marie-Luise Scherer lebte in Damnatz, einem wendländischen Dorf an der Elbe, wenige hundert Meter nordwestlich von Kamerun, unweit der ehemaligen Grenze zur DDR. Sie starb am 17. Dezember 2022 im Alter von 84 Jahren. In seinem Nachruf in der Süddeutschen Zeitung apostrophierte Willi Winkler Marie-Luise Scherer als „Geschenk an die Sprache“:

        Von Beruf war sie eine Reporterin, aber sie ging nicht in den Nachrichten, sondern in der Sprache auf. Mit ihrer Flaubert’schen Hingabe an Satz und Wort und jede einzelne Silbe übertraf sie alle und zwar wirklich alle zeitgenössischen Autoren.

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    • Avatar von Marina Möller Marina Möller sagt:

      Ich sag nur: Vorsicht mit dem heißen Brei, Herr Jenckel. Bitte nur in kleinen Portionen genießen! Da bilden sich bei der Zubereitung oft Stärke, Kleie, CMC-Kleber sowie im Magen dann weitere Verdickungs- und Bindestoffe. Üble Verdauungsprobleme können die Folge zu großen Essgeizes sein. Frau Grimberg hatte vor einer Woche in der Libeskind-Location ja gleich in ihrem ersten Satz mitgeteilt, was sie beschwert, sozusagen, bevor sie den ersten Löffel an die Zuhörbereiten weitergereicht hat,

      rief sie laut warnend und wachrüttelnd „Es klemmt!“ ins Publikum.

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  8. Avatar von Markus Schulz Markus Schulz sagt:

    Herr Jenckel,

    Sie haben zu erwähnen vergessen, dass Nikolaus Hermann Blome, seit September 2020 „Ressortleiter Politik und Gesellschaft“ in der Zentralredaktion der Mediengruppe RTL Deutschland sowie Online-Kolumnist beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel, unsere Kaufleute zurückliegenden Freitag in seiner Herrenessen-Rede vor der „Zerstörung der CDU durch die AfD“ gewarnt und LINKE, SPD und GRÜNE dazu verdonnert hat, die CDU zu unterstützen, „bevor diese letzte Volkspartei kippt“.

    Die an- und teilnehmende LZ/WA-Chefredaktion, Werner Kolbe und Jan Beckmann, kommentierte die Aufarbeitung der alarmierenden Anstöße von Frau Grimberg und Herrn Blome dann so:

    Nach diesem durchaus ernsten Auftakt ging der Abend für die über 300 Gäste des Herrenessens mit Rouladen von der friesischen Färse, Wintergemüse, Tonkabohnen-Pannacotta und dem obligatorischen eiskalten Jägermeister in den angenehmen Teil über. Bis in die Nacht wurde im Libeskind-Bau genetzwerkt, gelacht und getrunken. Für einen sicheren Nachhauseweg sorgte ebenfalls traditionell der Fahrservice des Autozentrums Dannacker & Laudien.

    Wir wissen, in Vorwahlzeiten spitzt sich die Sprache der Politiker zu. Die Regierenden betonen ihre Erfolge, die Herausforderer sehen das Land bereits am Abgrund. Versprochen werden Steuerentlastungen und Investitionen, am besten beides, und natürlich mehr Gerechtigkeit, am besten für alle.

    Allein, welchen Ton müssen Pressure Groups auf Charity-Events anschlagen, um im Phrasengewitter ebenfalls Gehör zu finden? Wie können sie zwischen ihren Floskeln und Parolen Glaubwürdigkeit suggerieren? Welche Sprache müssen sie sprechen, um die Menschen „draußen im Lande“ von ihren hehren Ansichten und Absichten zu überzeugen? Das sind Fragen, die sich gerade zur Kommunalwahl auch in Lüneburg erneut in aller Dringlichkeit stellen. Der Kabarettist Mathias Richling beantwortet sie schon 2017 mit dem Beispiel, aus einer Zeit, die acht Jahre zuvor langsam und zwei Jahre später abrupt geendet hatte:

    Als Gutenberg noch selbst Wirtschaftsminister war (Feb. – Okt. 2009), da ging es darum, dass Opel Staatshilfen bekommen sollte. Aber der Minister, der sehr gut das „Authentisch-Rüberkommen“ beherrschte und damals noch die gutmütige Anerkennung seiner unverdorbenen Jugend genoss, war dagegen, – trotzdem die ganz breite Öffentlichkeit dafür war. Opel war schließlich Traditionsunternehmen, viele Arbeitsplätze etc. Trotzdem hat es an Gutenberg seiner Popularität nichts gemacht. Im Gegenteil, weil die Leute einfach tief in sich drinnen gespürt haben, er sagt das aus grundehrlicher Herzensüberzeugung, nicht aus Unwissen oder so, sondern er wusste, warum er das so sagt. Aus jahrzehntelang umfassend und hart erarbeiteter Sachkunde. Und das haben die Leute respektiert und akzeptiert. Die Leute wollen eifach klare Worte haben, auch wenn’s komplett gegen ihre eigene Überzeugung ist.

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