Die Touri-Taxe für Lüneburg muss her

Die mittendrin waren, leiden heute noch an den Nachwehen von Platzangst. Lüneburg am 2. Adventswochenende – ausverkauft wäre geschmeichelt. Überfüllt. Die gute Nachricht, die Weihnachtsstadt als Marke ist ein Erfolg, die schlechte Nachricht: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Die Folge: Platznot.

Damit es Lüneburg nicht so geht wie Mallorca oder Inseln der Kykladen oder Städten in der Toskana, wo Einheimische rebellieren, Touri go home, muss die Stadt an Stellschrauben drehen. Denn die Salzstadt eilt von Besucher- zu Besucher-Rekordjahr.

Denn lebenswert soll die kleine Hansestadt in erster Linie nicht für Touristen sein, sondern vor allem für die Bürger aus Stadt und Landkreis. In der Stadt haben die Einheimischen durch Airbnb schon jede Menge Wohnungen verloren. Airbnb ist einfach lukrativer. Dabei sind die Einheimischen so etwas wie der Stammtisch früher in der Dorfkneipe, die helfen auch über magere Monate hinweg.

Im Grunde ist Lüneburg mittlerweile zur Weihnachtszeit ein einzger Weihnachtsmarkt vom Stint bis in die Westliche Altstadt. Die Nachfrage ist riesig, das Angebot auch, aber trotzdem räumlich begrenzt. Mehr geht nicht. Der Strom der Touristen muss gelenkt werden. Und das geht, will man nicht zu rigorosen Methoden wie Straßensperrungen greifen, über den Preis.

Die Salzstadt ist bei allen kulturellen Highlights von Gotik bis Moderne kein Freilichtmuseum, was viele Gäste glauben. Und Masse ist nicht gleich Klasse. Den gewünschten Touristenstrom zu regulieren, ist dabei nicht zu schwer. schließlich leben wir im smarten digitalen Zeitalter.

An den Parkhäusern können die Autokennzeichen gescannt werden, Touristen zahlen mehr als LG-Kennzeichen, die Touri-Taxe, die online am Automaten oder direkt im Hotel gelöst werden kann, wird stichprobenartig vom Ordnungsdienst wie am Nord- oder Ostseestrand überprüft, nur smarter. Denken Sie an die smarten Parkscheine der App Parkster.

In der Woche ist Lüneburg preiswerter als an Wochenenden und im Frühling und Herbst sowieso. Kurzum, es gibt Haupt- und Nebensaison wie an anderen 1a-Destinationen. Das ist kein Hexenwerk, das ist andernorts gelebte Finanzierung von Kulturgut, und seien es nur Sand und Dünen an der See und nicht Kopfsteinpflaster und Treppengiebel wie in Lüneburg.

Keine Frage, wenn an den Stellschrauben gedreht wird, gibt es Ärger, aber ich wüsste nicht, dass es andernorts dazu führt, dass die Hotspots gemieden würden. Die Gäste überlegen sich aber mehr, wann sie kommen. Das entzerrt die Lage. Und die klamme Stadtkasse würde es auch gut tun. Wobei die Einnahmen für Denkmalschutz und Kultur wieder investiert werden sollten.

Und eine gute Sache hat ihren Preis, und Lüneburg ist eine gute Sache, wertvoll und einzigartig. Um mit Goethe zu schließen: Von hier und heute könnte eine neue Epoche des Städtetourismus ausgehen und das Marketing ist dabei gewesen. 

Hans-Herbert Jenckel

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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8 Responses to Die Touri-Taxe für Lüneburg muss her

  1. Avatar von Nicole Klemz Nicole Klemz sagt:

    Zum Thema Fahrradstraßenring nicht nur zur Weihnachtszeit:
    Allein, was ich erlebe, wenn ich täglich – vom Handwerkerplatz kommend – in die Haagestraße (ausgewiesene Vorfahrt- und Fahrradstraße) abbiegen möchte, ist erstaunlich: Autos halten nicht am Stopp-Schild, um die „mächtig“ wirkende Fahrradstraße zu überqueren oder abzubiegen, was sowohl Bus-, als auch heranrauschende E-Scooter- oder -Bike-Fahrer zum Toben bringt und – übrigens – oftmals aufgrund derer Geschwindigkeit gefährlich ist. Noch viel katastrophaler sind die Zweirädler selbst! Sie brettern, ohne zu schauen, auch in Dreier-Formationen nebeneinander, über die Kreuzung oder biegen ab, und es interessiert sie einen Deibel, ob sie sich in Gefahr begeben.
    Ebenso heikel erlebe ich die Radfahrer, die kreuz und quer die Haagestraße, von der Kalandstraße oder vom Clamart-Park kommend, befahren und wohl jeden zwingen, die Augen überall zu haben.
    In der Kalandstraße geht es weiter: Dies ist eine Einbahnstraße, die es allen Zwei- oder Vierrädern untersagt, Richtung Bahnhof zu fahren. Oft ist es so eng (durch parkende Fahrzeuge auf der rechten Seite oder entgegenkommende Zweiräder…), dass es auch hier zu schwierigen Situationen kommt. Wenn ich dann auf meinem
    Stellplatz stehe, bin ich jedes Mal froh, mit niemandem kollidiert zu sein.
    Da frage ich mich, wie genau ein gutes Miteinander im Straßenverkehr aussieht und wo der Vorteil von Fahrradstraßen ist, wenn generell die (Verkehrs-)Regeln offenbar nicht für alle gelten und es somit ggf. zu Unfällen wie in vielen oft beschriebenen Beispielen kommt. Generell ist die Situation durch die E-Gemeinde und die daraus resultierende Raketengeschwindigkeit der Ü-70Jährigen sowie die Missachtung und Unkenntnis von Verkehrsregeln zu einem echten Problem geworden.

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    • Avatar von Wolfgang Weber Wolfgang Weber sagt:

      Hallo, Frau Klemz,

      von Selbsterlebtem auf generelle Praktiken zu schließen, ist immer schwierig, ist nie überzeugend. Was soll der Leser Ihrem Erfahrungsbericht entnehmen? Verkehrsteilnehmern, die geltende Regeln und Gesetze nicht beachten, ins Gewissen zu reden, ist, soweit ich weiß, die Polizei verpflichtet. Siehe StVO, § 44, Abs. 2, (Sachliche Zuständigkeit).

      Der Zusammenhang Ihrer impressionistischen Skizze mit dem projektierten Ausbau des Lüneburger Fahrradstraßenrings ist mir ebensowenig ersichtlich, wie für mich unverständlich bleibt, welche Haltung darin zu Herrn Jenckels trumpistischem Vorschlag zum Ausdruck gebracht wird, Besucher z. B. des Weihnachtsmarktes oder Nutzer der Black Hole Röhrenrutsche im SaLü, die von außerhalb unseres Landkreises kommen, mithilfe von digital arbeitenden Selektionswerkzeugen zu identifizieren und saisonabhängig mit mehr oder weniger hohen Extravergnügungsgebühren zu belegen.

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    • Avatar von Erwin Habisch Erwin Habisch sagt:

      Das Leben ist eins der schwersten – besonders, wenn man nicht aufpasst. Die Kalandstraße ist eine Einbahnstraße für Autofahrer – nicht aber für Radfahrer. Das wüsste man, wenn man alle Verkehrsschilder beachten würde. Genau das scheinen aber viele Autofahrer nicht zu machen: Mir kamen schon mehrfach Autofahrer in der Haagestraße entgegen der Einbahnstraßenrichtung für Autofahrer entgegen. Die hatten (angeblich) das Schild an der Einmündung in der Rote Straße nicht gesehen.
      Vom Handwerkerplatz kommende Autofahrer dürfen übrigens die Fahrradstraße gar nicht überqueren. Sie dürfen nur nach links in die Wallstraße oder nach rechts in die Haagestraße abbiegen. Das ist alles eindeutig beschildert, aber offensichtlich für viele Autofahrer eine Überforderung ihrer geistigen Fähigkeiten.
      Die Radfahrer, die Verkehrsregeln missachten will ich gar nicht entschuldigen. Wenn es kracht sind sie selbst die Verletzten – anders als bei Unfällen, die durch Autofahrer verursacht werden.

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  2. Avatar von Markus Schulz Markus Schulz sagt:

    Wem es vor Weihnachten in Lüneburg zu voll ist, der kann doch bei Airbnb für drei Wochen eine verträumte kleine Ferienvilla am Canal Grande mit Blick auf die Basilica di San Marco für sich und die seinen zum nachsaisonalen Schnäppchenpreis buchen. In Venedig trifft man beim Brötchenholen immer ein, zwei lustige Einheimische, mit denen sich über die winterliche Beschaulichkeit des kaum noch besuchten Zentrums plauschen lässt. Soviel ich weiß, halten sich nach San Nicola sogar die Gebühren für innerstädtische Parkplätze in Grenzen.

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  3. Avatar von Karlheinz Fahrenwaldt Karlheinz Fahrenwaldt sagt:

    Vor Jahren habe ich mal den Vorschlag gemacht, die Innenstadt weitgehend Autofrei zu machen. Statt Busbahnhof Am Sande eine kostenlose Ringlinie mit kleinen Bussen (Heute natürlich elektrisch) ab dem Bahnhof , Lieferverkehr bis 9 Uhr und PKW nur für Anwohnerinnen mit Genehmigung.

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    • Avatar von Andrea Sattler Andrea Sattler sagt:

      Wie Ernst August Jüres, Ihr industriesoziologischer HWP-Lehrer gerne sagte, hat der Erfolg viele Väter, Herr Fahrenwaldt, der Misserfolg aber sei immer ein Waisenkind. Wenn ich mich recht erinnere, wurde Ihnen schon, als Sie vor Jahren den Vorschlag machten, von Andreas Meihsies die Frage gestellt, wie Sie es mit den Arzt-, den Pflege-, Rettungs- und Handwerkerfahrten halten, wie mit Umzüglern, mit den diversen Lieferungen für immobile Menschen, wie mit den Haushaltshilfen, den Direktvertrieblern und wie mit den Post- und Paketboten verschiedener Versandhändler über die in Deutschland pro Tag rund 14 Millionen Sendungen an gut 9 Millionen Empfänger gehen, was über 5 Milliarden Auslieferungen im Jahr entspricht. Die etwa 50 Millionen Briefe auf Papier pro Tag (15 Milliarden pro Jahr) sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt.

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    • Avatar von Hildi Bohnenkamp Hildi Bohnenkamp sagt:

      Ich bin für den Umstieg auf Steckenpferd und Bullerwagen zwei Kilometer vor den Lüneburg-Ortsschildern für alle. Auch Wladimir Wladimirowitsch und Dr. Marco Schulze sollten spätestens direkt hinter Neu Sülbeck von ihren Panzern zu Rollschuhen oder Skateboard wechseln müssen.

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  4. Avatar von Klaus N. Klaus N. sagt:

    Es ist doch ganz einfach. In den Innenstadtbereich dürfen nur elektrisch betriebene Fahrzeuge einfahren. Alle anderen dürfen in den Parkhäusern am Bahnhof, am Kino, am Rathaus, Sülzwiesen parken. Und das gilt für alle. Einheimische und Touristen. Und schon ist genug Platz für alle.

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