
Die Lüneburger Innenstadt ist ein Pflaster-Flickenteppich zwischen holprig, historisch und schön und grottenhässlich und platt. Gerade das Historische beklagt die Arbeitsgemeinschaft „Lüneburg zu Fuß“ sei für alle, die mit Rollator, Kinderwagen oder Rollkoffer unterwegs seien, ein Hindernis. Das ist nicht neu. Aber stellen Sie sich Lüneburg einmal platt durchgepflastert vor.
Lüneburg zieht Hunderttausende Touristen und Millionen Kaufkundschaft an, die das Flair zwischen Giebel und Gassen genießen. Sie kommen nicht wegen der Waschbetonplatten in der Apothekenstraße oder Unteren Schrangenstraße, wegen der Plattentristesse in den großen Fußgängerzonen.
Die Touristen kommen wegen der holprigen historischen Altstadt, der wunderschönen Plätze Am Sande, am Stintmarkt oder des holperigen Marktplatzes mit Rathaus, der über zwei diagonal verlaufende Platten-Furten doch ganz gut zu Fuß überquert werden kann. Sie spülen Geld in die Kassen von Gastronomie und Hotelerie. Wenn nun die AG „Lüneburg zu Fuß“ beklagt, an Markttagen, also mittwochs und sonnabends am Morgen versperrten Stände Furten. Dann ist das doch eher ein temporäres Phänomen.
Die Kaufkundschaft kommt trotz des beklagten Leerstandes wegen der immer noch guten Händler-Vielfalt. Sie kommen gerade aus Winsen und Uelzen und aus Hamburg angereist, weil Lüneburg eben einfach mehr Charme hat. Und gerade deswegen könnte Lüneburg als kleinere, aber lebendige Stadt für die Ansiedlung von Filialen weiter attraktiv sein. Denn die gehen nur noch in gut frequentierte Städte.
Und ja, es gibt viele Stolperfallen. Sie denkmalgerecht zu gätten, aber ist für eine Stadt mit tiefroten Haushalten auf die Schnelle kaum möglich. Und die Klage und die Berichte sind nicht neu, es ist wohl auch eher das stete Erinnern.
Lüneburgs Pflaster ist heute ein Kulturgeschichte für sich, zwischen Irrungen und Wirrungen des letzten Jahrhunderts, Historischem und gelungener Modernisierung.
Und vielleicht hätte die Stadt in den 90er-Jahren, als sie den Platz Am Sande neu pflasterte, doch auf den damaligen Baudezernenten hören und gesägten Granit verlegen sollen, das wäre für Fußgänger und Radfahrer weitaus angenehmer, wäre allerdings auch schwindelerregend teuer geworden.
Das wirklich historische Kopfsteinpflaster wie auf dem Marktplatz steht zum Glück unter Denkmalschutz. Und überall, wo heute nachgebessert wird, finden sich auch Lösungen, teure Lösungen im Kopfsteinplfaster durch geglättete Steine. Das beste Beispiel ist die sanierte Salzstraße am Wasser. Da gibt es, kaum sichtbar, eine Furt für Radfahrer neben dem Bürgersteig, da holpert nichts, auch für Rollatoren geeignet. Allerdings hatte auch das seinen Preis.
Und so ist und bleibt die Frage des Pflasters ein Bermudadreieck zwischen Historie, behindertengerecht und Kosten, in dem mancher Wunsch verschluckt wird.
Hans-Herbert Jenckel








