Universitätsallee – Nicht der Straßenname mehrt den Ruf einer Uni

Lüneburg, 14. Februar

Mit dem Namen ist das so eine Sache, man wird ihn nicht mehr los. Das führt durchaus zu großem Unglück, wusste schon Victor Hugo. Amerika heißt nicht nach seinem Entdecker Columbus, aber die Guillotine ist auf ewig mit dem Arzt Guillotin verbunden und mit dem Blutrausch der Französischen Revolution. Einfacher ist es da schon mit Straßennamen – die kann man austauschen – mit und ohne triftigen Grund. Das möchte jetzt die Leuphana. Keine Sorge, es soll keine Leuphana-Straße geben, aber eine Universitätsallee. Warum?

Die große und altehrwürdige Georg-August-Universität hat die Anschrift: Wilhelmsplatz 1, 37073 Göttingen, die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Welfengarten 1, 30167 Hannover, die Universität Osnabrück Neuer Graben, 49074 Osnabrück, die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Ammerländer Heerstraße 114, 26129 Oldenburg, die Technische Universität Braunschweig Pockelsstraße 14, 38106 Braunschweig und die Leuphana Universität Lüneburg – Scharnhorststraße 1. Eigentlich.

Nun aber soll die Bedeutung der Universität Lüneburg im Zuge der Einweihung des Libeskind-Baus durch eine Straßen-Umbenennung erhöht werden. Die Uelzener Straße, die die Uni tangiert, soll beschnitten werden und nun entlang der Hochschule Universitätsallee heißen.

Die erste Frage ist natürlich: Warum wird nicht die Scharnhorststraße umbenannt? Denn der Uni geht es ja mit ihrem Libeskind-Bau, historisch gesehen, auch darum, die Bedeutung der alten Scharnhorstkaserne, die heute Campus ist, aus ihrem NS-Kontext zu reißen. Vermutlich wird der Eingang komplett verlegt. Oder wohnen an der Scharnhorststraße mehr Anlieger als an der Uelzener Straße, die opponieren könnten?

Und es stellt sich die Frage, warum nicht gleich Leuphana Allee oder Libeskind Allee. Universitätsallee klingt so abstrakt. Und wenn man bissig wäre angesichts der Millionen an Mehrkosten Steuergeldgrab Allee. Na gut.

Nicht, dass es vereinzelt keine Beispiele gäbe, in Bremen oder Eichstätt, aber die Rebellion gegen die uniformierte Bauweise der NS-Zeit, der eigentliche architektonische Wurf bezieht sich ja nicht auf unsere kleine Zuckerstadt Uelzen, sondern aufs Militärische, auf die Scharnhorstkaserne. Uelzen leidet schon so unter Einwohnerschwund und braucht sicher keinen Bedeutungsschwund.

Selbst die großen Vorbilder der Leuphana haben eigene Straßennamen nicht nötig. Harvard? Cambridge, Massachusetts 02138, USA, Stanford? 450 Serra Mall, Stanford, CA 94305, USA

Am Ende kommt es doch immer auch darauf an, was drin ist, und nicht, was drauf steht.                                                                                                                      Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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67 Antworten zu Universitätsallee – Nicht der Straßenname mehrt den Ruf einer Uni

  1. Timo Schultz schreibt:

    „Die Leuphanatiker sitzen an der Tafel einer Kultur, bei der Prahlhans Küchenmeister ist“ (von Susanne nach Karl Kraus am 18. Februar 2017 um 11:48 Uhr gepostet) trifft den Nagel auf den Kopf, besonders im Hinblick auf Sascha Spouns präsidentielles Lamento vom 30. Dezember 2016, die Uni Lüneburg werde benachteiligt. Solange er sich loben konnte, trumpfte der Präsident auf. Und als es um die Fortschreibung des Hochschul-Paktes ging, da wagte er gar einen kritischen Vorstoß gegen die Landesregierung, welche den Nordosten Niedersachsens benachteilige. Nur wenn die Sprache auf die Finanzierung des voraussichtlich mehr als hundert Millionen Euro teuren Libeskind-Baus kam, blieb der Präsident präsidial vielsagend im präsidiablen LZ-Gespräch mit Anna Paarmann und Hans-Herbert Jenckel, das von vielen Lesern knackig kommentiert worden ist: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/391478-kosten-libeskindbau-lueneburg

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  2. Max Georg schreibt:

    Kaum ein Tag vergeht, ohne dass der leuphanatische Präsident Sascha Spoun Stoff für Satiriker bietet.

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  3. Ossarek Bruns schreibt:

    Wurde die Hausnummer demokratisch/diskutiert oder schon bestimmt oder ist sie gar Zufall?

    Universitätsallee 2, da Ratssitzung am 02.März?
    Universitätsallee 1, wie in Bremen?
    Universitätsallee **? =

    1 -unabhängig, zielorientiert, individuell, führend, initiativ, wegweisend, aggressiv,
    2 – partnerschaftlich, anpassungsfähig, rücksichtsvoll, vermittelnd, ausbalanciert, empfangend und kooperativ,
    3 -kreativ, wortgewandt, ausdrucksstark, sozial, kommunikativ, interaktiv und lebensfroh,
    4 -ordnungsliebend, stetig wachsend, neutral, hilfsbereit, großzügig und geht an ihre Grenzen,
    5 -weltoffen, visionär, abenteuerlich, konstruktiv und unruhig,
    6 -verantwortungsbewusst, schützend, sozial, ausgeglichen, mitfühlend und sympathisch,
    7 -analytisch, verständnisvoll, wissbegierig, bewusst, fleißig und ausgeglichen,
    8 -pragmatisch, gerecht, statusorientiert, suchend und materialistisch,9 -menschlich, natürlich, selbstlos, verbindlich und kreativ,
    9 -menschlich, natürlich, selbstlos, verbindlich und kreativ,
    0 Findet man sie in Zusammenhang mit den einstelligen Ziffern (z.B. 10, 20, 30, 40 usw.), dann verstärkt sie den Charakter der ersten Ziffer. Tritt sie alleine auf, dann steht sie für Leere, Stille, Ewigkeit und Einssein
    11 -intuitiv, erleuchtet, verträumt, irrational, nervös, schüchtern und charismatisch
    22 – mächtig, praktisch, ehrgeizig, erfolgreich, inspirierend und diszipliniert

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    • Jo Bembel schreibt:

      Zukünftig krorrekte Adressierung:
      Leuphana Universitätsgesellschaft mbH & Co. KGaA
      Universitätsallee 1 – 200
      21335 Lüneburg

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      • Werner Fuchs schreibt:

        Sie meinen, mit Dr. Klaus Bergmann als Vorsitzendem der Universitätsgesellschaft, zugleich geschäftsführender Gesellschafter der esyoil GmbH (www.esyoil.com), wäre ein Parkett-Engagement der Leuphana als erste börsennotierte Hochschule Deutschlands, die ihren Business-Schwerpunkt auf den internationalen Rohstoffmarkt fokussiert, der folgerichtige nächste Schritt? Motto: „Eine Hochschule, die wachsen will, braucht externe Investoren.“

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      • Karl Franz schreibt:

        Dr. Klaus Bergmann hat seit dem Herbst 2014 an universitätsgesellschaftlichen Dienstagen versucht, eine imaginäre adamitische Brücke zwischen Stadtbevölkerung und Hochschulpopulation zu schlagen. Doch hat es auch dieses Verkehrsprojekt wie seine große Schwester bei Darchau leider nie geschafft, aus dem Museum teuer gewordener Hirngespinste hinaus zu gelangen und mehr zu werden als die vergangene Zukunft eines grandios verpufften Anfangselans. https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/183904-es-gibt-ein-kommunikationsproblem

        Apropos, wie wär´s mit „Museumsallee“ zwischen Altenbrückertor- und Wandrahmstraße?

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  4. Ossarek Bruns schreibt:

    Der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und wirklich erfolgreichen Menschen ist, dass wirklich erfolgreiche Menschen zu fast allem nein sagen.

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    • Jörg Thomann schreibt:

      Wie Mephisto („Ich bin der Geist, der stets verneint!“)?

      Oder wie Dollarmilliardär Warren Buffett, der nach eigener bescheidener Einschätzung „vielleicht erfolgreichste Investor aller Zeiten“, der nur dann ja sagt, „wenn etwas für seinen Erfolg wirklich wichtig und notwendig ist“?

      Nun ist Herr Dr. Spoun aber weder „erfolgreich“, noch „wirklich erfolgreich“. Warum sollte er also nicht beim Kleinstadtmonopoly auf die „Universitätsallee“ (in der österreichischen Grundversion „Kaiserstraße“, in der Schweizer „Paradeplatz“, in der amerikanischen „Boardwalk Empire“ (adaptiert von Nelson Johnsons Buch „Boardwalk Empire: The Birth, High Times, and Corruption of Atlantic City“)) vorrücken wollen?

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  5. Daniel Schubert schreibt:

    Wer so viele Jahre mit dem Einhändigen von Finanzierungsplanungen neuen Typs befasst war, dem geht vielleicht einfach in Fleisch und Blut über, die Vereinbarungen und Regeln für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht weiter zu beachten.

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  6. Susanne schreibt:

    Klasse auch Dr. Spouns Formulierung, „dass der Kulturausschuss der Stadt Lüneburg kürzlich beschlossen hat, den an die Universität angrenzenden Teil der Uelzener Straße künftig in ‚Universitätsallee‘ umzubenennen“, womit der Präsident über die sachliche Unrichtigkeit hinaus so tut, als handle es sich um ein Geschenk aus freiem Antrieb, aber unterschlägt, wer den (noch ein paar Tage ausstehenden) Entscheid herbeigedrängelt, eingefädelt und „vorgeschlagen“ hat – er selbst nämlich –, nach welchem „das künftige Erschlossenwerden“ des neuen Zentralgebäudes „auch im Namen der Straße auszudrücken“ sei, von der aus jenes seine „Funktion“ fürderhin soll erfüllen können, als welche da ist: „zukünftig zum Haupteingang des Universitätscampus zu werden“.

    Notabene, zu den Nachtseiten der „unternehmerischen Hochschule“ hat „kürzlich“ Prof. Dr. Pierangelo Maset von der Leuphana einiges Interessante angemerkt: http://www.nachdenkseiten.de/?p=32936

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  7. Gertrud Hölscher schreibt:

    Gestern, am 22. Februar, hat Präsident Spoun in einer E-Mail („Montagsmail“ vom Mittwoch) an die Mitglieder der Leuphana geschrieben: „Mit seiner Fertigstellung wird das Zentralgebäude zukünftig zum Haupteingang des Universitätscampus werden. Es wird künftig über die heutige Uelzener Straße erschlossen. Zum Schluss dieser Montagsmail möchte ich Sie daher noch darüber informieren, dass der Kulturausschuss der Stadt Lüneburg kürzlich beschlossen hat, den an die Universität angrenzenden Teil der Uelzener Straße künftig in ‚Universitätsallee‘ umzubenennen, um diese neue Funktion auch im Namen der Straße auszudrücken.“ (Hier dokumentiert: http://www2.leuphana.de/univativ/neues-raumkonzept-steht-nur-die-studierendenschaft-tut-sich-schwer/#more-8504)

    Was verrät uns das?

    Eine ans Verrückte grenzende Selbstsicherheit?

    Jedenfalls ist offenbar auch Herrn Dr. Spoun die Petitesse nicht bekannt (oder egal), wie sich der demokratische Prozess in einer Kommune gestaltet und dass sich die Wirklichkeit nicht immer nach den Wünschen eines Präsidenten richtet; dass ein Ausschuss nur empfehlen, aber beschließen allein der Rat kann, dass die Beratungsfolge deshalb die Vorberatung durch den Kultur- und Partnerschaftsausschuss am 10. Februar und eine weitere Vorberatung durch den Verwaltungsausschuss vorsieht, aber die ENTSCHEIDUNG durch den Rat der Hansestadt Lüneburg erst heute in einer Woche, nämlich am Donnerstag, den 2. März 2017 ansteht.

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    • Kai Albrecht schreibt:

      Das ist Lüneburger Ratskultur. Es gibt immer Freunde des Hauses, die schon Wochen vor der eigentlichen Beschlussfassung Gewissheit haben können, wo ein Invest sich lohnt. Nur, dass dies derart unverhohlen im Voraus „kommuniziert“ wird, ist wohl eher selten. Doch hört man ja von Männern, die auf Ziegen starren, oder von Leuten, die sich an den Glauben gewöhnt haben, auf die Wahrheit komme es gar nicht an, solange etwas bloß mit fester Stimme ausgesprochen werde.

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    • Ossarek Bruns schreibt:

      Dies will ich, so befehle ich; statt eines Grundes gelte mein Wille.

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      • Mario Hügel schreibt:

        Die Welt als Wille und Vorstellung?

        Sind Sie Inhaber einer Werbeagentur?

        Oder Oberbürgermeister

        Oder wenigstens Gott?

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  8. Tobias Günther schreibt:

    Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall? Ist die Wahrheit letztlich Ansichtssache, Herr Zeinert? Gewiss, Fakten stören, wenn sie eigenen Wünschen widersprechen, aber schlagen Interessen tatsächlich Fakten? Muss der bekannte Satz von Karl Marx an einer Stelle abgewandelt werden, so dass er nun lautet: „Wenn ein Faktum und ein Interesse zusammenstoßen, dann blamiert sich immer das Faktum“? Dass viele, vielleicht sogar die allermeisten Lüneburger die Umbenennung der Uelzener Straße nicht wollen, ist eventuell so ein Faktum, das „Deutlichmachen der Bedeutung“ eher eine Sache des Fünfe-gerade-sein-Lassens und des leuphanatischen (Vermarktungs-)Interesses. Der Begriff „postfaktisch“ ist neu, die Abneigung gegen tatsachenbasierte Debatten jedoch alt. Mit Trump und den Schreihälsen von der AfD gewinnt diese Einstellung auch in Deutschland immer schneller an Boden, zeigt eine Allensbach-Umfrage im Auftrag der F.A.Z.: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-umfrage-interessen-schlagen-fakten-14889066.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Sollten die führenden Vetreter maßgeblicher staatlicher, halbstaatlicher, aber auch privater Einrichtungen in Lüneburg nicht sehr darauf achten, dass sie an der Zersetzung des öffentlichen Vertrauens nicht leichtfertig mitarbeiten? Vertrauen ist der Klebstoff des sozialen Zusammenhalts. Geht es verloren, gnade uns Gott! Uns allen.

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  9. Gertrud Hölscher schreibt:

    Sehr geehrte Ratsherren Pauly, von Mansberg und Webersinn,

    „Die LEUPHANA Universität Lüneburg ist mit der Bitte bzw. dem Vorschlag an die Hansestadt Lüneburg herangetreten, den südlichen Teil der Uelzener Straße, der am zukünftigen Zentralgebäude (Libeskindbau) vorbeiführt, zwischen Munstermannskamp und Gaußstraße (Richtung Uelzen) in „Universitätsallee“ umzubenennen.

    Die Hansestadt Lüneburg möchte diesen Vorschlag umsetzen, um damit die Bedeutung der LEUPHANA Universität Lüneburg deutlich werden zu lassen“, formuliert die Verwaltung in ihrer Stellungnahme (VO/6780/16) vom 16. September 2016 [!].

    Ich frage Sie: Ist eine solche Aussage überhaupt mit dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) vereinbar? „Die Hansestadt Lüneburg möchte diesen Vorschlag umsetzen“? Wer ist denn bitteschön „die Hansestadt Lüneburg“? Die Verwaltung? Die Verwaltung der Hansestadt Lüneburg hat inklusive ihrer Tochtergesellschaften etwa 3.600 Mitarbeiter*innen. Wurden diese nach ihrer Meinung gefragt? Oder ist Herr Mädge, an welchen Herr Spoun mit seinem Vorschlag herangetreten ist, „die Hansestadt Lüneburg“? Müsste es aber dann nicht heißen: „Der Oberbürgermeister der Hansestadt Lüneburg möchte diesen Vorschlag umsetzen bzw. umgesetzt sehen“? Und ist nicht erst, NACHDEM der Rat, besser: die Mitglieder der gewählten repräsentativen Bürgervertretung einen diesbezüglichen Beschluss gefasst haben, zu sagen möglich, was „die Hansestadt Lüneburg“ möchte?

    MfG, Gertrud Hölscher

    P. S.: Die Beantwortung der Rätselfrage, was es heißen könnte, „die Bedeutung der LEUPHANA Universität Lüneburg deutlich werden zu lassen“, ist Kür. Ich stelle sie Ihrer sprachlichen Knobellust und Interpretationsfreude anheim. (Hinweis: Ist „Bedeutung“ eine Wesenseigenschaft der Leuphana? Eine Quale, also der subjektive Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes? Ein Attribut? Oder eine Zuschreibung? Ist sie immer gleich? Oder gibt es mehrere? Gibt es verschiedene Grade, Varianten, Aspekte, Aggregatzustände? Für wen bzw. in Bezug auf welche Gruppen, Rezeptionsweisen oder Voreinstellungen? Warum soll diese(s) Bedeutung(sspektrum) „deutlich werden“? Könnte es sein, dass sie (es) besser nicht deutlich würde? Wem soll etwas deutlich werden? Den Lüneburgern? Den Nicht-Lüneburgern? Den Uelzenern? Etc., etc., Sie sehen schon, da steckt ordentlich hermeneutisches Krawumm drin.)

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    • Michael Zeinert schreibt:

      … „hermeneutisches Krawumm“, hmm. Hermeneutik hat ja was mit Verstehen zu tun. Also Verstehen mit Gewalt? Wie reimte schon Otto (Waalkes): Du liest jetzt Günter Grass, sonst jetzt es was. Du liest jetzt Hermann Hesse, sonst gibt’s was in die … Geht’s auch etwas entspannter, Frau Hölscher?
      Ich fasse jetzt mal diesen wunderbaren Blog zusammen: Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall.
      Und Tschüss 👋

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      • Gertrud Hölscher schreibt:

        Lieber Herr Zeinert,

        „ich finde, Ihre Argumente werden schwächer 😉“, hatten Sie oben an Herrn Jenckel geschrieben.

        In Ihrer Reaktion auf meinen Post, Herr Zeinert, leiden Ihre Argumente nicht nur an Auszehrung, sondern an Unwirklichkeit. Mit anderen Worten, es handelt sich hier gar nicht mehr um Aussagen, die zur Widerlegung oder Begründung anderer Aussagen gebraucht werden, es geht Ihnen um das Absetzen eines gespenstischen Häufchens von Unmut mit dem Zweck, den Adressaten, in diesem Falle mich, für den unangenehmen Eindruck Ihrer Hinterlassenschaft verantwortlich zu machen. „Hermeneutisch“, ein Blick in den Duden hätte genügt, heißt, einen Text o. Ä. kommentierend bzw. auslegend (von griechisch ἑρμηνεύειν = hermeneuein) erklären, deuten, interpretieren. „Krawumm“ ist ein lautmalerischer Inflektiv, ein Onomatopoetikum, das der Nachahmung eines explosiven (brisanten, spannungsgeladenen, jähen, rapiden, heftigen) Geräusches dient, eine Wortbildung also, die besonders in der Kinder- und Ammensprache – in neuerer Zeit auch in der Sprache der Comics, in der comicinspirierten Kunst (bsp. Pop Art) und den Chat-Foren des Internets – verbreitet ist (puff, dong, klong, ratsch, hui, peng, boing, bums, rums, blub-blub, schnipp, hatschi, etc. sind weitere Beispiele). Wenn ich schreibe, in der schwammigen Formulierung der Ratsvorlage stecke „hermeneutisches Krawumm“, drücke ich folglich auf alltagssprachlich witzelnde Weise aus, dass ich die Begründung der gewünschten Namensänderung für problematisch, weil für hochgradig unausgegoren und konfliktträchtig halte. Mit anderen Worten: es ist einiger Zündstoff darin enthalten.

        Es macht sich in meinen Hinweisen aber weder (im Sinne Herrn Otto Waalkes: https://www.youtube.com/watch?v=i6OjsMLPEpg) „eine Brutalisierung der Werbung breit“, noch möchte ich ein bestimmtes Verständnis „mit Gewalt“ erzwingen. Im Gegenteil, ich votiere, indem ich auf einen ganzen Strauß möglicher Fragen aufmerksam mache, für ein gelassenes, rationales Überlegen und Abwägen, ohne mich – wie Sie, Herr Zeinert, es reflexhaft immer wieder tun – durch den Gebrauch eines zugleich imperativen, inklusiven und extensiven, kurz eines angemaßten, weil ungebeten vereinnahmenden „Wir“ in die Position einer überlegenen, weil angeblich im Namen einer „zivilgesellschaftlichen“ Majorität sprechenden Instanz zu rücken („Verorten WIR das Beste, was WIR haben, …“).

        Zu dieser von Ihnen eingenommenen Pose des Klassensprechers passt auch die Geste des selbsternannten Schiedsrichters, der resümiert und – legitimiert sozusagen durch virtuelles Fußaufstampfen – die abschließend wertende Zusammenfassung vornimmt, in welcher die Ergebnisse präsentiert und die daraus sich ergebenden Schlussfolgerungen gezogen werden. Aber was für ein läppischer Versuch, ein unverkennbares sachliches Ungenügen in eine geschmäcklerische Beliebigkeit zu verbiegen, Herr Zeinert: „One man’s meat is another man’s poison“? Jeder sieht die Sache aus seiner Perspektive? Weil es keine (oder nicht genügend) Gründe gibt? De gustibus non est disputandum? Aber für wen sprechen Sie denn dann, wenn Sie „Wir“ sagen, Herr Zeinert?

        Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass diejenigen einander suchen und finden, die Neigungen, Interessen und Fähigkeiten teilen (solange sie nicht ihr Steckenpferd für einen Araberhengst und Leute, die ein anderes reiten, für Banausen erklären). Erst recht gilt das, über die Wahl bloßer Hobbies hinaus, für fundierendes Lebensgefühl, für rational vielleicht nicht einmal erklärbare Vorlieben und Abneigungen, für all das, was der vage Ausdruck „Mentalität“ umfasst. Gleich und Gleich gesellt sich gern – das weiß jeder.

        Nur, Herr Zeinert, in Fragen, welche die Allgenmeinheit angehen, sollte da nicht auch die Allgemeinheit respektive das demokratisch gewählte Organ, welches sie repräsentiert, entscheiden und nicht eine handverlesene Runde von feinsinnigen Damen und Herren, die sich für berufen halten, „das Beste“ zu kennen, „was WIR haben“? (Übrigens, auch „die“ Uelzener sind not amused: https://www.facebook.com/az.online/posts/10158206580000230)

        Und darum, Herr Zeinert, weil ich auf das Walten der Vernunft sowie auf die zu ihrer Durchsetzung vorgesehenen Verfahren und nicht auf die Effekte der Reklame und des Marketinggebrabbels vertraue, bin ich auch völlig relaxed. Machen Sie sich da bitte keine Sorgen! Nervös und angespannt sind beim Schachspielen meist die, welche ihre Partie auf Überrumpelung anstatt auf Überzeugung und Stringenz in der Entwicklung angelegt haben.

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    • Michèl Pauly schreibt:

      Sehr geehrte Frau Hölscher,

      „die Stadt“ und „die Universität“ wurden in der Tat in der Debatte mit sehr großer Fantasie verwendet. Die größte Statusgruppe an der Universität – die Studierenden, haben vom Umbenennungsinteresse ihrer Institution noch gar nichts gehört. Auch der akademische Senat, höchstes beschlussfassendes Gremium, hatte darüber nicht entschieden. Insofern ist mit dieser Bitte nicht „die Universität“ aufgetreten, sondern das scheinbar durch Größenwahn getriebene Universitätspräsidium, das seinerzeit auch einen überteuerten und gegen die Bedarfe ausgerichteten Prunkbau vorangeprescht ist.

      Mittlerweile hat sich der Rat gegen die Stimmen der Linken für die Umbenennung ausgesprochen. Alle Argumente die gegen die Umbenennung der Hindenburgstraße sprachen, galten nun nicht mehr. Weder Kosten noch Mühen spielten jetzt eine Rolle. Wir sagen: Ein bisschen mehr Brot und Butter in den Bereichen Forschung und Lehre als diese Extravaganzen.

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      • Gertrud Hölscher schreibt:

        Lieber Herr Pauly,

        vielen Dank für Ihre – leider sehr späte – Antwort. Ich hätte mir eine lebhaftere Diskussion gewünscht, solange die Sache noch in der Schwebe war. Und ich kann überhaupt nicht verstehen, warum das unterblieben ist und beispielsweise weder Sie, Herr Webersinn, noch Herr von Mansberg oder Frau Schmidt, Herr Löb bzw. Herr Blanck sich in den vergangenen zwei Wochen hier zu Wort gemeldet haben, — von Angehörigen der Leuphana, an welcher Einbahnstraßen- und Top-down-Kommunikation die gehorsamst befolgte Hausorder zu sein scheint, will ich lieber schweigen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Herr Pauly! Die Tatsache, dass ein Steuergeldskandal ungeheuren Ausmaßes hartnäckig beschwiegen oder weggegrinst wird, ist das Eine, das Andere ist, dass dieser überkandidelte Reklameschwindel von offizieller Seite mit einer lachhaften Straßenumbenennung honoriert wird, die dazu noch vorab „intern“ zugesichert, also praktisch entschieden war und unsere Gemeindevertretung erneut zum Vollzugsorgan einer herrschaftlichen Herrenrunde erniedrigt hat (sehen Sie sich die eineinhalb Wochen vor dem Ratsbeschluss von Dr. Spoun verschickte E-Mail an (unten: Post vom 23. Februar 2017 um 17:56)), — aber das Letzte, lieber Herr Pauly ist, dass niemand sieht und gesehen hat, in welcher Lage wir alle zusammen uns befinden, in einer Situation nämlich, in der förmlich zu hören ist, wie sich überall um uns herum immer rasender das Vertrauen in die Institutionen unseres öffentlichen Lebens rauschend verflüchtigt und auflöst. Die Boten der panischen Unvernunft sind doch bereits in den Rat vorgedrungen! Begreift denn niemand, wie wichtig es ist, Position zu beziehen, seine Gründe darzulegen, die Dinge zu erklären, zur Debatte zu stellen und das Risiko einzugehen, dass Widerspruch provoziert werden könnte? Niemand erwartet, dass nach jedermanns Mund geredet werden kann, dass es keine Differenzen geben wird. Aber jeder sieht das verdrückte Elend z. B. dieser läppischen Farce. Die einen lächeln gequält, die anderen schauen indigniert in eine andere Richtung. Wollen Sie denn alle immer weiter nur Theater spielen? Und möchten Sie wirklich den demagogischen Schreihälsen das Feld überlassen, die dann damit erfolgreich sein können, wenn sie den Leuten bei solchen Gelegenheiten vorschwindeln sie nähmen sie ernst? Die, ohne dass noch eine redliche Entgegnung möglich ist oder durchdringen kann, behaupten „die da oben“, das „Establishment“, die machten doch ohnehin, was sie wollen? Ich fürchte, Herr Pauly, jede ausgeschlagene Möglichkeit (auch wenn es sich dabei nur um eine Petitesse wie diese handelt), miteinander ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben, ist in der „Epoche“, in der „wir“ uns momentan fast überall in der „westlichen Welt“ befinden und zu der ja einstweilen auch Lüneburg noch gehört, ein schwer zu korrigierender Fehler.

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  10. Gitti Schrader schreibt:

    „Wenn es net so traurig wär‘, / entsetzlich schaurig wär‘, / man würde lachen ohne End‘.“ Falco, 1982

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  11. Klaus schreibt:

    Wir sollten es bei Uelzener Straße belassen. Macht am wenigsten Arbeit, beinhaltet eine geographische Richtung, ist somit leicht zu Finden und muss in 20 Jahren bei Schließung der Uni mangels Größe, Kosten und Studentenzahlen nicht wieder umbenannt werden. Die übrigen Anlieger werden sich auch freuen.

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    • Ute Hennings schreibt:

      Die Allgemeine Zeitung Uelzen berichtet am 6. Februar mit dem traurigen Defaitismus der wehrlosen, armen Verwandten über die erneute demütigende Kränkung ihrer kleinen Heimatstadt durch die bräsige, extravagant und vornehm aufgebrezelte Tante im Norden:

      »Wie die Lüneburger Straße aus der Uelzener Innenstadt in Richtung Nachbarstadt führt, fahren Uelzener über die Uelzener Straße nach Lüneburg hinein.
      (…)
      Aus dem Lüneburger Bewusstsein wird Uelzen dennoch nicht gestrichen, versichert Stadt-Sprecherin Suzanne Moenck: „Das ist eine ganz lange Straße.“ Wer kurz in den Munstermannskamp einbiegt, gelangt in den nördlichen Teil der Uelzener Straße, der am MTV-Sportplatz vorbei bis zum Freizeitbad SaLü reicht. Aber nach Uelzen führt die Uelzener Straße nicht mehr, wenn der Lüneburger Kulturausschuss dem Vorschlag folgt.
      (…)
      Die AZ hat auch die Stadt Uelzen um eine Stellungnahme gebeten. Stadt-Sprecherin Ute Krüger ist um Zurückhaltung bemüht: „Die Entscheidung, einen Teil der Uelzener Straße umzubenennen, obliegt dem Lüneburger Stadtrat.“«

      https://www.az-online.de/uelzen/bienenbuettel/uelzener-strasse-soll-verschwinden-7368078.html

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  12. Matthias schreibt:

    Die Geschäftsadressen von Tankstellen, Autohaus und Supermarkt würden ungemein aufgewertet…
    Eine Umbenennung des Stadtteils Bockelsberg in ‚Akademisches Viertel‘ wäre meines Erachtens noch sinnvoller!!!

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  13. Susanne schreibt:

    Die Leuphanatiker sitzen an der Tafel einer Kultur, bei der Prahlhans Küchenmeister ist.

    (Nach Karl Kraus)

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  14. Stimme des Volkes? schreibt:

    Bei der berühmten LZ OnlineUmfrage (ganz rechts in der auf allen Sites identisch mitlaufenden Angebotsspalte bei https://www.landeszeitung.de) haben die Leser innerhalb von zwei Tagen so votiert:

    Die Uelzener Straße in Lüneburg soll künftig den Namen „Universitätsallee“ tragen.

    Finden Sie das sinnvoll?

    Nein: (87%, 364 Votes)

    Ja: (13%, 53 Votes)

    Anzahl der abgegebenen Stimmen: 417

    Was immer man gegen solche Befragungen einwenden mag, ein relativ eindeutiger Trend ist unverkennbar. (Und übrigens: Bei Ihrer A39-Kampagne agitiert die IHK mit exakt diesem Mittel.)

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  15. Rita Böttjer schreibt:

    Sehr geehrte Ratsmitglieder Claudia Schmidt, Birte Schellmann, Friedrich von Mansberg, Michèl Pauly, Gunter Runkel und Niels Webersinn,

    Ihre Meinungen zum oben beschrieben Ansinnen des Leuphana-Präsidenten Spoun vor dem Hintergrund des besonderen Anlasses und seiner in jedem Sinne merk-würdigen Geschichte würde mich sehr interessieren.

    Mit ermunternden Grüßen, Rita Böttjer

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  16. Kevin Schnell schreibt:

    „Ich könnte manchmal vor Glück eine ganze Allee von Purzelbäumen schlagen“, hat zwar kein/e Leuphana-Studierende/r, sondern Heinz Erhardt, der Lieblingsbundeskanzler von Karlheinz Fahrenwaldt, gespottet, aber dass es, wie Michael Zeinert, der Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg meint, darauf ankomme, „das Beste, was wir haben, mitten in unserer Stadt“, also an der südlichen Ausfallstraße nach Uelzen, durch Umwidmung zu „verorten“, wäre wohl selbst Ludwig Erhard nicht eingefallen, in dessen „Haus“ in der Charlottenburger Fasanenstraße die Berliner Industrie- und Handelskammer die Miethöhe von derzeit 14 Millionen Euro pro Jahr – aus Kostengründen (!) – auf etwa vier Millionen senken möchte.

    Sollte, bevor von ortsansässigen Geschäftsführern und Oberbürgermeistern über „Stolz“ und die „Ehrung des Besten, was wir haben,“ in wolkiger Ahnungslosigkeit salbadert wird, nicht erst einmal darüber nachgedacht werden, inwiefern die Studienmodelle der bolognalisierten Universität, deren eiferndste Streber und Propagandisten neuen Typs in der Chefetage der Leuphana anzutreffen sind, mit an einer Misere die Verantwortung tragen, welchen mit billiger Häme, aber wirtschaftsfreundlicher Zielsetzung diese Woche die Zeitschrift „Der Spiegel“ (Nr. 6 / 2017, S. 104 bis 109) aufs Korn genommen hat? (Für Abonnenten und Zahlungswillige: https://magazin.spiegel.de/SP/2017/6/149411893/index.html)

    Dem auf Seite 108 festgehaltenen Dialog zweier Düsseldorfer Studentinnen der Germanistik vor einem Porträt Heinrich Heines, des Namensgebers der dortigen Universität, ist ein Platz im ewigen Zitatenschatz der wohlfeilen Jugendschelte sicher, die sich mit selbstgefälliger Überlegenheit zurücklehnt, doch nicht nach den Ursachen fragt. Die eine Studentin nämlich hält Heine für Schiller „oder so“. Die andere verneint, Schiller sei Komponist gewesen. Echt? Dann sei das vielleicht Goethe? Aber wer war das noch mal? „Keine Ahnung, irgendso’n Toter.“

    Dass man ohne Abitur keinen ordentlichen Beruf finde und ohne Studium, egal welches und egal wie desinteressiert betrieben, auf dem Karriereholzweg sei, haben sich diese und andere Studenten nicht selbst eingeredet. Wenn dabei Wissen über Schiller, Goethe und anderes Ungelesene zumeist nur den Zweck hat, Prüfungen zu überstehen, in denen es abgefragt wird, verantworten das nicht irgendwelche Düsseldorfer Mädchen. Sondern die schulpolitisch Maßgeblichen. „Hauptsache, Zertifikat“ ist die Losung der Schüler und Studenten nur, weil es zuvor die der Kultusminister, der OECD, der Bertelsmann-Stiftung, der IHKn und vieler Eltern gewesen ist. Zu Heine, Schiller, Goethe fällt in erster Linie denen nichts mehr ein.

    Als die sogenannte „Bologna-Reform“ begann, deren Imperative das Studiertempo, die Fremdsteuerung des Studienverlaufs, das Abrechnen jedes Kurses sowie die Zertifizierung der Ahnungslosigkeit waren und sind, hörte man von denen, die jetzt Bildungsdefizite beklagen, wenig. Als kurz darauf die „Exzellenzinitiativen“ und die Sonderzuteilungen für Abgehängte und „Strukturschwache“ mit Phantasienamen wie z. B. „Innovationsinkubator“ dafür gesorgt haben, dass die Lehre an vielen Universitäten noch unwichtiger wurde, hörte man von ihnen gar nichts.

    Warum also wird über desorientierte Studenten geseufzt, die Fächer studieren, an denen sie innerlich unbeteiligt sind? Warum werden nicht vielmehr Lehrbücher oder „Studienmodelle“ attackiert, die Wissen über die Weimarer Klassik mit dem Zusatz versprechen, eine Kenntnis der „Primärtexte“ sei nicht nötig? Was ist mit Vorlesungen, in denen Erstsemester der „Kulturwissenschaften“ alles über den Unterschied zwischen extradiegetischem und metadiegetischem Erzählen erfahren, aber nichts über das Vergnügen an tragischen Gegenständen oder über den Unterschied zwischen Batman und Dracula? Was ist mit den literaturtheoretischen Geßlerhüten, genannt „Paradigmen“, vor denen die Studenten sich schon verneigen sollen, noch bevor sie lesen können, was da steht? Wer spricht über die mitunter offene Verachtung, die Lehramtskandidaten durch Professoren erfahren, für welche „Einheit von Forschung und Lehre“ bedeutet, dass vollwertig nur künftige Forscher sind? Die anderen werden ja nur Deutschlehrer, da muss man keine Rücksicht nehmen auf das, was an Literatur begeistern könnte.

    Bevor ernsthaft über eine ländlich volkstümelnde Provinzgemütlichkeit (neudeutsch: Wellness) suggerierende „Universitätsallee“ an der Peripherie unserer Stadt gestritten wird, müsste vielleicht einmal eingehend über den im Zentrum unserer „Universität“ herrschenden Effizienz-, Quantifizierungs- und Beschleunigungswahn geredet werden, für den das Libeskind-Monument, diese gigantische Verkaufsbude für Image-Cocktails, Standortaufwertungsillusionen und Reputationsnarkotika, im Grunde der betonierte, mit Glas und Zink dekorierte bauliche Ausdruck ist und dies nach den (durch nebulös waberndes, den „Kontext“ abwertendes Kontrapositions-, Brechungs- und Vielfaltsgeblubber) kaum kaschierten Wünschen seiner Befürworter und Betreiber de facto auch sein soll!

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    • Klaus Bruns schreibt:

      Nur weil zufällig mädels die glocke gehört haben, aber nicht wissen, ob sie von goethe oder schiller ist, sollte man sich nicht zu sehr darüber lustig machen. die jungs sind nicht besser. diese herrschaften haben abitur. sie wollen arbeiten lassen. was dabei rauskommt, kann man am libeskind -gebäude gut erkennen. nichts ist mehr gerade.

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    • Karsten Albrecht schreibt:

      Danke! Ich kann zu diesem Kommentar nichts anderes als „Danke“ sagen.

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    • Thorsten Praschke schreibt:

      Hallo Herr Schnell,

      für eine Universität, die, wie ja der Name schon sagt, ein breites, möglichst umfassendes akademisches Angebot bereitstellen soll, ist die Leuphana viel zu klein, viel zu schwach und viel zu eindimensional auf wirtschaftliche Verwertbarkeit ausgerichtet. Einer hat mal von einer als Hochschule getarnten Unternehmensberatung für höhere kaufmännische Kadettenanstalten gesprochen, die sich ein paar Alibi-Studierende hält, um an Fördergelder, an Kontakte und an Kunden aus Wissenschaftsministerien zu gelangen. Da ist was dran. Auf dem Bildungsmarkt möchte man gerne zumindest als Netzwerker, Koordinator oder Sachverständiger mitmischen. Die ständige präsidiale Angeberei und die maßlos übertriebene Selbstbeweihräucherung durch die absurd aufgeblähte Public Relations-Armee in der Scharnhorststraße ist sicher nur die Kehrseite von Bauspektakel, Erlebnismarketing und Extra Value Propositions. Dass als Logistik-, Vermittlungs- und Unterstützungsplattform aber durchaus das eine oder andere gelingen kann, wenn man diese sehr stark aufs Merkantile verengte Zielsetzung einmal akzeptiert hat, die man ja auch Spezialisierung auf die Geheimwissenschaft des Managements nennen könnte, dafür ist gerade heute wieder ein Beispiel in der Zeitung zu finden: http://www.sueddeutsche.de/bildung/entrepreneure-unter-gleichgesinnten-1.3383092

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      • Kevin Schnell schreibt:

        Lieber Herr Praschke,

        die Ausrichtung unserer Hochschule haben Sie recht gut beschrieben. Es fehlt nur noch die praktisch universell einsetzbare Dampf- und Kampfvokabel „Nachhaltigkeit“, die unter den Verkaufsargumenten der Leuphana in genau die Richtung zielt, in der entsprechend eingekleidete ökonomische Interessen am unverfänglichsten in Erscheinung treten können.

        Zu Ihrem Pressehinweis: Das klingt alles sehr gut und ist für die jungen Leute gewiss wichtig, aber meines Erachtens gehört das Schaffen und die Pflege einer „erfolgreichen Gründungskultur, die zu einem attraktiven und lebendigen Innovationsökosystem in Deutschland beiträgt“, NICHT zu den primären Aufgaben einer Universität. Zweifellos sind „Gründungen ein wichtiger Weg, um den Wissenstransfer aus der Forschung in wirtschaftliche Wertschöpfung umzusetzen“, aber erstens ist wirtschaftlich nutzbares Wissen nur ein geringer Bruchteil gesellschaftlich relevanten Wissens und zweitens wären, wenn es um solche „Transfers“ und um „Gründungen“ geht, nach meiner Überzeugung privatwirtschaftlich oder staatlich organisierte Rechteverwerter sowie spezialisierte Kanzleien bzw. Einrichtungen wie die Arbeitsämter oder „Jobcenter“ zuständig. Eine Hochschule ist weder an erster, noch an zweiter und auch nicht an dritter oder vierter Stelle ein Kongress- und Veranstaltungsunternehmen ebenso wenig wie eine Kontaktbörse für ambitionierte Jungunternehmer und an deren Geschäftsideen interessierte Investoren.

        Will man jedoch eine „Business-School“, an der kaum noch etwas „School“, aber fast alles „Business“ ist, soll man es doch bitte ehrlich sagen und die dann wegfallenden „Förderperspektiven“ aus eigener unternehmerischer „Innovationspower“ durch hohe Studiengebühren und effiziente Rekrutierungsprogramme kompensieren!

        Zuletzt noch: Was die gerade erschienene Publikation, den „Gründungsradar 2016 des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft“ angeht, auf den die Autorin der SZ sich stützt, sollte man wissen, dass es sich hier um die zentrale Interessenvertretung von zurzeit rund 650 zumeist wissenschaftsfördernden Stiftungen sehr großer, großer und mittelständischer Wirtschaftsunternehmen handelt, die alle „nach Einfluss im Vorzimmer der Herrschaft suchen“ (engl.: Lobbying). Und wenn in deren „Studien“ die vorbildliche Rolle der Leuphana stets an prominenter Position hervorgehoben wird, sollte man sich außerdem erinnern, dass Dr. Volker Meyer-Guckel, nicht nur der Vorsitzende des Leuphana-Stiftungsrates, sonder zugleich auch stellvertretender Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung dieses emsig um „Meinungshoheit“ bemühten Spitzenverbandes ist.

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      • Sven schreibt:

        Thorsten Praschke, sie schreiben:

        „Einer hat mal von einer als Hochschule getarnten Unternehmensberatung für höhere kaufmännische Kadettenanstalten gesprochen, die sich ein paar Alibi-Studierende hält, um an Fördergelder, an Kontakte und an Kunden aus Wissenschaftsministerien zu gelangen.“

        Die Problematik einer öffentlich finanzierten Hochschule, die als Auftragnehmer mit öffentlichen Mitteln produziert, um private Gewinne zu erwirtschaften, ist im Dezember 2015 von der LZ und einigen Leserzuschriften unter dem Artikel schon sehr konkret angesprochen worden:

        https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/289352-stiftungsrat-der-leuphana-beschliesst-gruendung-eines-unternehmens

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  17. Joachim Fischer schreibt:

    Wie die Autorin in der WELT schon richtig meint, wirkt dieser kolossale Bau an dieser Einfallstraße zwischen Waldstücken, ersten Wohnhäusern und Tankstellen deplatziert. Man sollte daher die Straße verlegen (zum Beispiel in einen Tunnel ab dem Ortsschild bis zur Abzweigung Scharnhorst str.) und vor das Gebäude einen Platz mit Blick in die Ilmenau Niederung ansiedeln. Diesen kann man dann ja „Universitäts-“ oder auch „Platz der wissenschaftlichen Horizonte“ nennen. Think bog, begin small! Seid kreativ JoFi

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    • Christian schreibt:

      Die Idee find ich klasse, JoFi.

      Und auf dem „Platz der wissenschaftlichen Horizonte“ über dem „39-(Ohne “ “ fehlt uns ws)-Tunnel“, durch den dann die 8-spurige Fahrradautobahn „Universitätsallee“ führt, kann Sascha mit seinen Eleven schon vor Sonnenaufgang das Anfertigen von gut verkäuflichen Hochglanzstudien der unternehmerischen Consultingschule neuen Typs im Parademarsch einexerzieren! „Think bog!“, ist ein voll geiler Wahlspruch für solchen abgefahrenen Commitment-Drill an nebelverhangenen Frühlingsmorgen! Noch besser würde mir allerdings „Think full bog!“ gefallen.

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  18. Michael Zeinert schreibt:

    Lieber Herr Jenckel, ich kann auf Ihren letzten Kommentar nicht mehr replizieren. Ist diese Möglichkeit technisch begrenzt? Wie auch immer, ich finde Ihre Argumente werden schwächer 😉 Und ja, den Beitrag von Caroline Georg in der WamS habe ich gelesen. Auch die Bildunterschrift: „Das Raumschiff“. Da habe ich gleich an das Schwesterschiff von Zaha Hadid gedacht: http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Wettbewerb_in_Lueneburg_entschieden_1135931.html. Das hätte unserer „Kleinstadt“ (George) auch gut ins frische und mutige Antlitz gepasst. LG MZ

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    • jj schreibt:

      Da bin ich voll und ganz bei Ihnen. lg

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      • Hannelore Gause schreibt:

        Hallo Herr Jenckel, hallo Herr Zeinert,

        niemand, unterstelle ich mal, hat etwas gegen „frische und mutige“ Architektur in Lüneburg. Aber meinen Sie beide nicht auch, wie die Welt-Autorin anmerkt, diese sollte entsprechend auftreten können und nicht am verlotterten Stadtrand zwischen Tankstelle und Vamos in ein geducktes Ensemble roter Klinkerquader gepresst werden? Und dann der ranzige Mief von Geltungssucht, Hochstapelei und Lügen, der ein halbes Jahrzehnt lang aus dem Rohbau quoll, wird der nicht ewig in den vielen Winkeln und Ecken dieses intrusiven Großklotzes haften?

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      • jj schreibt:

        Nichts geht verloren, es ändert sich nur der ZUSTAND

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      • Hannelore Gause schreibt:

        So betrachtet, lesen sich sogar Rilkes bekannte Verse wie eine alles vergebende Anleitung zur Komplizenschaft um Geldbeschaffung und Claqueursnetzwerke:

        Nichts geht verloren, alles gibt sich weiter.
        Wer es im Innersten begreift, der steigt,
        Und oben ist das Ende seiner Leiter
        Ans Gleichgesinnte sicher angeneigt.

        Aus: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Ragaz, Mitte Juli 1924)

        Man sollte vielleicht mal mit Wolfgang Ries und den entlassenen Pickenpack-Arbeitern über die Metamorphose als sozialökonomisches Geschick sprechen (ihre Beschäftigung sei nicht verloren, nur deren ZUSTAND habe sich gewandelt) und ihnen am Ende aufmunternd zurufen: „Empfanget nun von manchem Zweig ein Winken, / als sei`s ein Grüßen oder Wiedersehen …“, — aber für sich behalten, was man wirklich denkt:

        Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
        Wer ohne Job ist, wird es lange bleiben,
        wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
        und wird in den Alleen hin und her
        unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

        (Paris, 21. September 1902)

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    • Thilo Clavin schreibt:

      Herr Zeinert, Sie sind ein echter Leuphanatiker! Möglicherweise von der Universitätsleitung ideologisch geschult worden. Ich empfehle der IHK, einen Antrag zu stellen, den Platz Am Sande in „Platz der Industrie- und Handelskammer“ umzubenennen.

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  19. Karsten Albrecht schreibt:

    Ich unterstütze SCHAUMSCHLÄGERTWIETE. Es beschreibt die Führung dieser Universität exzellent in ihrer auf Selbstdarstellung zu Lasten anderer.

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  20. Michael Zeinert schreibt:

    Lieber Herr Jenckel,
    der Argwohn, mit dem Sie in Ihrem Blog Leuphanathemen begegnen, erscheint mir fast etwas reflexhaft. Mir dünkt, die Hochschulleitung könnte dem Vorschlag „Universitätsallee“ anstelle von „Leuphanaallee“ auch deshalb den Vorzug gegeben haben, um Sie in Ihrem Urteil milde zu stimmen. Scheint nicht geklappt zu haben. Wenn’s denn so war.
    Im übrigen gilt: „Glaube nur der Google-Recherche, bei der Du selbst die Suchwörter gesetzt hast.“ So führt beispielsweise die Suche nach „Universiätsstr.“ zu zahlreichen ehrenhaften Treffern: Berlin, Freiburg, Bayreuth, Köln, Marburg, um nur einige zu nennen. Stolze Städte, die dem Privileg einer Universität in den eigenen Mauern einen Ort geben. Das scheint mir persönlich eine gute Idee zu sein. Verorten wir das Beste, was wir haben, mitten in unserer Stadt, an der Universitätsallee.
    Um die Bedeutung unser Nachbarn in Uelzen muss uns da nicht bange sein. Ist doch eine tolle Wegbeschreibung: Wo, bitte, geht es nach Uelzen? Durch die Universtätsallee und dann immer geradeaus!
    Herzliche Grüße über den Sand
    Michael Zeinert

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    • Jo Bembel schreibt:

      Herr Zeinert,
      seit wann heißen die Universitätstraßen in Berlin, Freiburg, Bayreuth, Köln, Marburg „Universitätstraße“? Wurden sie umbenannt?
      „Verorten wir das Beste, was wir haben, mitten in unserer Stadt, an der Universitätsalle.“
      Der ist gut, sehr sehr gut. Aber was ist „das Beste“ und wer ist/sind „wir“?

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      • Michael Zeinert schreibt:

        Die erste Frage ist wirklich interessant. Ich habe mal recherchiert: Die Umbenennung der Berliner Universitätsstraße erfolgte 1815, in Marburg passierte das 1900, in Köln 1938 – was dann 1945 bestätigt wurde -, und im schönen Wien im Jahre 2012. Ruhig mal gute Ideen zulassen 😉

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      • Felix Staake schreibt:

        Hallo Herr Zeinert,

        Jo Bembels zweite Frage ist viel interessanter: »Was ist „das Beste“ und wer ist/sind „wir“ (die meinen, darüber befinden zu sollen)?«

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    • Lena Bergmann schreibt:

      Sehr geehrter Herr Zeinert,

      mit seinem Argwohn den „Leuphanathemen“ gegenüber ist Herr Jenckel nicht allein, wie sie an Tausenden von Kommentaren und Leserzuschriften leicht werden feststellen können, wenn Sie die weit überwiegend unerfreuliche Berichterstattung (also den Darstellungen, die nicht durch selbstverfertigte Pressemitteilungen oder bezahlter Reklame veranlasst waren) der letzten zehn Jahre über unsere Hochschule in lokalen, regionalen und überregionalen Medien auch nur flüchtig durchgehen. Dass Ihnen die Jenckelsche Skepsis da schon „fast etwas reflexhaft“ erscheint, könnte doch damit zusammenhängen, dass gerade „die Hochschulleitung“ im genannten Zeitraum allen Anlass gegeben hat, dass Zweifel, Misstrauen und schlimmer Verdacht im Hinblick auf deren Verlautbarungen und Kommunikationsmanöver bei praktisch jedem, sogar dem verehrungs- und glaubenswilligsten Beobachter zur zweiten Natur oder zum – wie der moderne Sportsmann sagt – Automatismus werden MUSSTEN. Vielleicht ist die organische Empfindlichkeit Ihres Nervensystems für Jenckels quasi physiologische Reizantworten ja nur die andere Seite derselben Münze — derjenigen nämlich, die alle paar Wochen immer wieder zusätzlich in die Hand zu nehmen war, wenn sich die Unwahrhaftigkeit von präsidialen Auskünften erneut herausgestellt hatte?

      Herzliche Grüße aus der Scharnhorststraße rüber zum Sand

      Lena Bergmann

      P. S.: Wie würden Sie mir den Unterschied zwischen Ihnen und Ihnen persönlich erklären?

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    • jj schreibt:

      Aber Herr Zeinert, die Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg, die gute, liegt an der Fahnenbergplatz, 79085 Freiburg im Breisgau, die Universität zu Köln an der Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln, die Philipps-Universität Marburg an der Biegenstraße 10, 35037 Marburg. Wer hat da für Sie recherchiert? LG Ihr hhjenckel

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      • Michael Zeinert schreibt:

        Es geht mir nicht um die Postadressen der Hochschulverwaltung. Es geht um die Verortung in der Stadt. Und hier markieren in den genannten Städten die Universitätsstraßen den Weg hin zur Alma Mater. Das ist übrigens auch in Stanford nicht anders, wo der Campus umfasst wird vom … genau: vom Campus Drive. Oder in Cambridge, wo sich die Hochschulgebäude um den Havard-Square gruppieren. Ich denke, es ist offenkundig, wo hier der Nachholbedarf besteht. LG MZ

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      • jj schreibt:

        Ja, aber das hieße ja, die Uni läge nur geographisch an der Universitätsstraße, dafür aber postalisch ein Supermarkt, eine Tankstelle und ein großer Krankenversicherer, oder ist der schon wieder Uelzener Straße? Diese Kasse müsste ja viele Adressen ändern.
        Apropos Kritik: Haben Sie den Welt-Beitrag gelesen? Bitte:
        https://www.welt.de/regionales/hamburg/article162034609/Dieses-Haus-darf-nicht-nur-schoen-sein.html

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      • Helmut Müller schreibt:

        Lieber Hans-Herbert Jenckel, lieber Michael Zeinert,

        vielleicht können Sie sich auf das Folgende einigen:

        Generationen von herausragenden Gelehrten verschafften Stanford, Yale, Harvard, Cambridge sowie etwa den Hochschulen in Göttingen, Freiburg, München und Berlin zunächst den Weltruf, erstklassige Einrichtungen wissenschaftlicher Forschung und akademischen Unterrichts zu sein, bevor vielleicht hundert Jahre später irgendein Marketingmanager eines x-beliebigen Unternehmens in ihrer Nähe auf die Idee kam, die Straße vor seiner (nicht vor deren) Tür „Universitätsallee“ zu nennen, um so von der Markenreputation seines bedeutenden Nachbarn zu profitieren, —- während in Lüneburg die Marketingmanager eines x-beliebigen Bildungsunternehmens auf die Idee gekommen sind, die Straße vor einem überdimensionierten futuristischen Stück Signalarchitektur in „Universitätsallee“ umzutaufen, um durch derartige Imageproduktion den erträumten Wandel eines kleinen, völlig unbedeutenden Verbunds früherer Fachhochschulen zu einer herausragenden Einrichtung akademischer Forschung und Lehre mit den Mitteln der Reklame – gewissermaßen magisch – einzuleiten. (Michael Zeinerts Allusion auf Spielbergs „Wo bitte geht’s nach Hollywood“ in seinem verbalen Uelzen-Sedativum oben war doch sicher kein Zufall.)

        In der Sprache des Vereins Lüneburger Kaufleute:

        Die einen haben den Überfluss an Waren, aber nicht unbedingt immer das geeignete Schaufenster, um diese auszustellen, während wir in Lüneburg jetzt das ultimative Schaufenster haben und nun feste bangen und Daumendrücken müssen, dass irgendwie die Fülle der Waren wie von Zauberhand hineingelangt.

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      • Christian schreibt:

        Nicht kleckern, klotzen!

        Die Stadt selbst sollte sich bekennen und der Oberuli per Antrag beim PistoriusBorisle im niedersächsischen Innenministerium zum 11. März die amtliche Namensänderung in „Europäische Universitätsmetropole Hansehauptstadt Generaloberzentrum Lüneburg“ klar machen. Was am 1. August 2011 mit dem Landkreis Soltau-Fallingbostel möglich war, kann einer Kommune, in der Mark Twain und Karlheinz Fahrenwaldt zuhause sind, nicht verwehrt werden. Die Uelzener könnte dann ab Munstermannskamp in ganzer Länge auf das Triumph- und Parademaß von hundert und dreiundzwanzigeinhalb Metern verbreitert werden und fortan der gesamten westlichen Welt als „Siegesallee“ bedeuten, wie sich ein selbstbewusst und positiv denkendes Hochschulmanagement auf die Herausforderungen der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts vorbereitet. Ich stelle mir vor, wie, nachdem der Jubelchor „Seid umschlungen Millionen!“ ins freudig schöne Götterfunken gewärtigende Honoratiorenpublikum geschmettert hat, der Vorsitzende des Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg vor den Minister-, den Leuphana- und den IHK-Präsidenten (Olaf Kahle: „Ich finde, es hätte eine Frau werden müssen.“) hintritt und mit Blick auf die ewig nölende Schar reflexhaft argwöhnender Zeitungsleute aus dem Brief des Dichters Anton Tschechow vom 19. Oktober 1891 zitiert: „Sattheit enthält, wie jede andere Kraft, immer auch ein bestimmtes Maß an Frechheit, und dies äußert sich vor allem darin, dass der Satte dem Hungrigen Lehren erteilt.“

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      • Ludwig und ich schreibt:

        Mit dem guten alten, von mir sehr geschätzten Beethoven habe ich schon einiges gemein: schlechtes Gehör, schwache Augen und zwei linke Hände. Deshalb habe ich dem »Raum der Stille« mit dem soeben fertig verlegten Laminatboden in Anlehnung an das Op. 133 auch den Ehrentitel »Die Große Fuge« verliehen.

        Helge Möhn

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    • Gabriele Suchardt schreibt:

      Als Präsident des Vereins Lüneburger Kaufleute, Herr Zeinert, sollten Sie vielleicht, um wenigstens den Anschein der Unparteilichkeit gegenüber Ihren Kammerschäfchen am beliebten Touristenziel Hundertwasserbahnhof zu wahren, besser sagen: Lasst den Lüneburgern die Uni, aber gebt den Uelzenern die Allee!

      Stellen Sie sich einfach mal vor, Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Jürgen Hesselbach, der CEO der Technischen Universität Braunschweig, kommt als Pilot mit Olaf Kahle, dem Präsidenten der IHK Lüneburg/Wolfsburg, als Stoker auf einem Hightech-Treckingtandem von der Pockelsstraße 14, den Weser-Harz-Heide-Radfernweg entlang, über die Lüneburger und die Ebstorfer Straße in den Kuhteichweg hineinvelopedaliert und erkundigt sich beim dienstfertig bereitstehenden Bürgermeister Jürgen Markwardt, dem gelernten Polizisten und Diplom-Verwaltungswirt: Wo, bitte, geht es zu Präsident Dr. Spoun in Lüneburg? Durch die Universitäts-, zuvor Nordallee und dann immer geradeaus! Ist doch eine tolle Wegbeschreibung!

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  21. Thilo Clavin schreibt:

    Sehr guter Kommentar, sehe ich genau so. Ganz genau: Harvard, Stanford und all die anderen genannten Unis haben eine solche „Selbstaufwertung“ auch nicht nötig. Der letzte Satz bringt es auf den Punkt: Auf den Inhalt kommt es an! Die Straße nach Uelzen soll weiter Uelzener Straße heißen.

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  22. Jutta Hansen schreibt:

    Lieber Herr Jenckel,

    das ist fei wieder ein vorzüglich durchsalzener Kommentar mit einer saftigen Portion Spott zum immerwährenden Hauptgericht: dem Jahrmarkt der Lüneburger Eitelkeiten.

    Hier meine Fragen:

    1. Da „man“ auf in anderen Städten übliche Ausschreibungen und Wettbewerbe bei Planung und Bau des neuen Hochschulgebäudes in quasi soldatischer Demokratieabstinenz verzichtet hat (und da sage noch einer „militaristische Traditionen“ und „architektonische Geisteskasernierung“ präge das Verhalten von Eliten nicht), wäre es da nicht an der Zeit, wenigstens beim Umtaufen seiner lieben Uelzener auch einmal dem Bürger ein kleines Mitspracherecht einzuräumen?

    2. Wären Sie als Ratsvorsitzender des heimatlichen Pressekollegiums bereit, eingehende Vorschläge zu sammeln und diese Diversitäten anschließend dem Ombudsmann unserer so wahnsinnig gesprächskulturbewussten Kommunalvertretung zukommen zu lassen?

    3. Wäre nicht der folgende Straßenname wert, an höherer Stelle erwogen zu werden, — deliberativ (Habermas) sozusagen und in jamaikanischer Aufgeschlossenheit für das Björn Adam´sche Brückenbauen hinüber zu den Menschen an sich?

    Um . . .

    . . . (a) die einzige „Fakultät“ ins gleißende Licht der „existenzsichernden“ Standortstrahlerei zu stellen, für welche die Leuphana in den vergangenen zehn Jahren überregional tatsächlich eine Art von unverwechselbarer Brand-Reputation (USP) gewonnen hat,

    . . . (b) auch die zentrale Leistung des Universitätspräsidiums und des Stiftungsrates zu würdigen,

    . . . (c) zugleich auf die entscheidende Kraft im „Coffe-Kaufhaus Lüneburg No. 1“ und den Wesenskern „unseres“ singulär ausgefuchsten Stadtmarketingkonzeptes dauerhaft hinzuweisen

    und schließlich um

    . . . (d) an eine Tradition des Finanzierungspläne lärmend zinkenden Metallplattenverschleierns am äußersten Rande des Gemeinwesens anzuknüpfen, für das unsere Stadt im ausgehenden Mittelalter schon einmal gestanden hat (siehe Seite sieben hier: http://www.medienzentrum-lueneburg.de/gast/Projekt-Johanneum-2016.pdf),

    . . . um all das mit auszudrücken oder wenigstens anklingen zu lassen und so zuletzt noch der raffiniert kontrastierenden Vieldeutigkeit des „tangierten“ Denkmals für Hans Christian Andersens berühmtestes Märchen gerecht zu werden, frage ich, lieber Herr Jenckel: Sollte der Straßenabschnitt vor dem Studien-Model neuen Typs nicht SCHAUMSCHLÄGERTWIETE heißen?

    Würden Sie diese Anregung in Ihren Fragenkatalog mit aufnehmen und beizeiten an Birte Schellmann, die Vorsitzende des offenbar maßgeblichen Kultur- und Partnerschaftsausschusses weiterleiten, in dem auch die nicht zu Landtagskandidaten nominierten Ernst Bögershausen, Friedrich von Mansberg und David Amri als Experten der Straßennamensgebung Mitgliedernde sind?

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  23. Klaus Bruns schreibt:

    Ich finde ,,Rechenkünstlerallee,, wäre passend.

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  24. Klaus schreibt:

    Die Willy Brand Straße hatte mal einen unsäglichen Namen aber hieß sie zwischenzeitlich wirklich UELZENER Straße? Soweit ich mich erinnere verlief die UELZENER Straße immer wie heute von Uelzen kommend bis vorbei am MTV Platz und Kurpark. Herr Jenckel, wie hieß die Willy Brand Straße vorher?

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    • jj schreibt:

      Die Willy-Brandt-Straße hieß früher Berliner Straße, erst ab der Einmündung Munstermannskamp Uelzener Straße. Gut aufgepasst, geändert. lg hhjenckel

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    • Jo Bembel schreibt:

      Als gebürtiger Lüneburger, der bin seiner Kindheit und Jugend in der Wilhelm-Reinecke-Str. gewohnt hat, kann ich mich noch sehr gut an das Dröhnen der Panzerketten auf der UELZENER Straße, wenn die Panzer Richtung Deutsch Evern zur Schießbahn oder ins Manöver fuhren.

      Meiner Meinung nach ist die von Herrn Jenckel verwendete Schreibweise „Leuphana Allee“ nicht ganz korrekt und würde damit gut passen. Müsste es nicht „Leuphanaallee“ sein?

      Für diese Namensänderung wäre ich zu haben. Wobei dann möglicherweise die Gefahr besteht, dass ein Taxifahrer einen für betrunken hält.

      Alternativen:
      „Allee der Universität der Zukunft“
      „Prof.-(HSG)-Dr.-Sascha-Spoun-Allee“
      (Hoffe die richtigen Schreibweisen genutzt zu haben.)

      http://www.ries-vt.de/html/___schreibweise

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  25. Klaus schreibt:

    Die Scharnhorst Straße steht für Gerhard von Scharnhorst, einem angesehenen Militärreformer der Befreiungskriege, der sich unter anderem für die Abschaffung der Prügelstrafe und für die Bildung von Soldaten einsetzte. Von daher steht die Stasse in einem positiven Kontext und von daher braucht die Uni einen NS Kontext nicht zu fürchten.

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  26. Ossarke Bruns schreibt:

    Das Denken wohnt nicht an einer Allee oder Straße, es ist Frei! Nur die gelenkte Lehre fährt gerne in eine Sackgassenallee.
    Und nun gehe ich schlafen, weil ich müde bin.
    Aber nicht ohne diese Gedanken:
    Ich fürchte, unsere allzu sorgfältige Erziehung liefert uns Zwergobst.

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  27. Arne Tabatt schreibt:

    Warum nicht „Sparkassen-Allee Leuphanaburger Land“?

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