Als der Castor rollte und das Wendland auf Jahre zum Widerstands-Hotspot wurde

Andreas Tamme hat diese Szenen beim Castor-Protest 1996, beim zweiten Transport nach Gorleben, fotografiert – es waren Szenen wie im Bürgerkrieg.

Lüneburg, 28. September 2020

Gorleben ist als Atommüll-Endlager ganz aus dem Rennen. Aber dort lagern im Zwischenlager 113 Castoren. Als der erste vor 25 Jahren ins Lager rollte, erlebte ich als LZ-Reporter den größten Polizeieinsatz der Nachkriegsgeschichte und einen unglaublichen zähen Widerstand. 

Ich stand am Gleis vor dem Atommüll-Verladebahnhof, schaute zum Bahnhof Dannenberg-Ost. Erst näherte sich am Morgenhimmel dieses gewaltige Teppichklopfer-Geräusch, dann tauchten die Hubschrauber mit ihren gleißenden Scheinwerfern am Horizont auf, direkt über dem Zug. Mit dieser Mischung aus Science-Fiction und Apokalypse Now begann im Wendland am 24. April 1995 der erste Castor-Transport nach Gorleben.

Der Zug rollte in den hoch umzäunten Verladebahnhof. Stunden stand er dort. Und was man heute kaum glauben mag, ich habe die Lamellen des Castors angefasst, um mich zu vergewissern, dass er heiß war. Heute weiß ich, dass war naiv bis dämlich. Zu dem Zeitpunkt war das Verhältnis zur Polizei noch entspannt. Da war auch nicht ganz klar, was kommt. Der Lkw, mit dem der Castor nach Gorleben gezogen wurde, war mit Seife eingecremt, damit ihn niemand stürmen kann.

Es war die Overtüre zu einem langen Tag. Auf der Wiese vor der Esso-Tankstelle in Dannenberg liefen die Fäden des Widerstands zusammen. Da stand ein Bulli, darin saßen meistens Wolfgang Ehmke und Rebecca Harms, zwei Köpfe des Atom-Widerstands im Wendland. Ich weiß gar nicht, ob die in der Nacht überhaupt geschlafen hatten.

Unweit der Esso-Wiese suchte ich bei einem der vielen Geteckel zwischen Polizei und Demonstranten Schutz hinter einem Polizei-Fahrzeugneben mir die grüne Europa-Abgeordnete Undine von Blottnitz. Steine flogen. Dann öffnete die Dame ihre Handtasche, holte einen Eispickel raus. Ich kniete unversehens Schulter an Schulter neben dem Widerstand. Die Luft war raus.

Polizei-Kessel, Räumen von Blockaden, Kundgebungen, Waldspaziergänge, Gottesdienst, Trecker-Blockaden, Gummiknüppel und über allem im Dauereinsatz diese Hubschrauber, die fliegenden Augen der Polizei. Das Geräusch war die Begleitmusik. Die Straßen zwischen Dannenberg und Gorleben waren weiß-grün gesäumt. Vor dem Zwischenlager waren Pferdestaffeln postiert. Und wenn es „Schlagstock frei“ hieß, und ich mich im Rückwärtsgang in Sicherheit brachte, dachte ich nur: “Jetzt nicht stolpern.“ Die Szenen verfolgten mich bis in die Träume.

Die Wasserwerfer, die später eingesetzt wurden, waren natürlich effektiver: „BePo marschiert, Wasserwerfer, Marsch.“ Mich hat beim Transport 1996 ein Strahl getroffen auf einem Acker unweit  von Splietau. Es war ein Schlag, ich lag auf dem Acker und dachte mir, das ist wie Krieg. Die Umfriedung des nahen Friedhofes an der Straße war nach dem Castor-Durchzug und den Jagd-Szenen nicht mehr zu erkennen. Und als schon alles vorbei war, landete ein Hubschrauber mit Spezialeinheiten auf dem Acker, um die Reifen der Trecker des bäuerlichen Widerstandes platt zu machen.

Ich trug Stunden das schwere Foto-Equipment von Andreas Tamme die Transport-Straße lang. Und unvergessen ist mir ein Polizist, der allein auf einem Acker stand und von Castor-Gegnern attackiert wurde. In seiner gepanzerten Ausrüstung und mit Helm sah er aus wie ein Trooper aus Star Wars. Und so unwirklich waren diese ganzen Scharmützel, die sich unweit von Lüneburger abspielten, in einem Landstrich, in dem sich breite Schichten der Bevölkerung mit dem Widertand solidarisierten, der im Kern friedlich und unglaublich hartnäckig war. 

Der Castor hat sein Ziel viele Stunden später erreicht, aber klar war an diesem späten Nachmittag um 17.12 Uhr, als sich die Eingangstore des Zwischenlager hinter dem Lkw schlossen: einfach wird es nie.

Gorleben ist nicht mehr auf der Shortlist möglicher Atommüll-Endlager – das ist eine späte Genugtuung für die Castor-Gegner im Wendland.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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27 Antworten zu Als der Castor rollte und das Wendland auf Jahre zum Widerstands-Hotspot wurde

  1. Klaus Bruns schreibt:

    SgH Wiemann
    Zitat:
    Ich hingegen liebe Meinungsvielfalt und die Freiheit des Einzelnen, der in der FDP „schneller und überhaupt Gehör findet“.
    Herr Wiemann, da habe ich mit einer Parteivorsitzenden der FDP eine andere Erfahrung gemacht. Dort hieß es: Psychopathen sind raus, Sie wissen bestimmt, wer damit gemeint war. Schmunzeln. Schon erstaunlich, was so eine ,,verirrte E-Mail“ alles für Folgen haben kann, wenn darauf reagiert wird.

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    • Berni Wiemann schreibt:

      Ihre Einzelfall-Erfahrung bestätigt meine liberale Einstellung zur Meinungsfreiheit.
      Ich erlaube mir meine eigenen Meinung zu sagen und ich respektiere „die Freiheit der Andersdenkenden“ (Rosa Luxemburg). Das ist nicht immer einfach und für viele sogar unverständlich.

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    • Oliver Lemke schreibt:

      Dafür hatten Sie in der Wirtschaftsjuristin Anikó Hauch bei heftigsten Schlagwettern stets Führung und Geleit, Halt und Hilfe, Stärkung und Stütze, Herr Bruns.

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  2. Markus Schulz schreibt:

    Mit Atommülltransporten per beinmuskelbetriebenen Lastenfahrrädern rechnet Eckhard Pols, der Gorleben-Kümmerer in seinem Wahlkreis Lüchow-Dannenberg/Lüneburg wohl eher nicht mehr. Aber könnte sich der seit 2009 direkt gewählte CDU-Bundestagshinterbänkler nicht trotzdem einmal rühren, statt im Kreistag bloß für superteure Protzbauten und folglich aussichtslose Elbbrücken zu nicken, die Energie- und Mobilitätswende endlich zur Kenntnis nehmen und gemeinsam mit seiner Grünen Kollegin Dr. Julia Verlinden dafür sorgen, dass auch in Lüneburg eine vom promovierten Ministertandem Althusmann (Land) / Scheuer (Bund) finanzierte Stiftungsprofessur für Radverkehr eingerichtet wird? An der Frankfurt University of Applied Sciences gibt es die jetzt. Ihr Inhaber fordert Gleichberechtigung für Velopedalisten!

    Für Studenten der Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik sowie Wirtschaft und Recht, aber auch für andere Interessierte wird Prof. Dr. Dennis Knese vom 1. Januar an Vorlesungen, Seminare und Exkursionen anbieten. Wichtig ist ihm nach eigenen Worten ein hoher Praxisanteil: „Ich will mit den Studierenden auf die Straße gehen.“ Dort sollen sie gute und weniger gute Lösungen für den Radverkehr kennenlernen und eigene Ideen entwickeln. In Betreff der weniger guten, der minderwertigen und der katastrophal schlechten „Lösungen“ könnte Lüneburg dem renommierten Ingenieurwissenschaftler eine Fülle an Studien- und Anschauungsmöglichkeiten bieten. Viel verspricht sich der geborene Emsländer von Radschnellwegen durch Stadt und Land. In Dänemark etwa sei zu besichtigen, wie solche Verbindungen angelegt sein sollten: breit, mit Service-Stationen, wenigen Kreuzungen, schräg angebrachten Mülleimern für den raschen Einwurf im Vorbeirollen und LED-Signalen, die helfen, an den Ampeln die „grüne Welle“ zu erwischen.

    Mehr: https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt-university-of-applied-sciences-lehrstuhl-fuer-radverkehr-16986901.html

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  3. Theo Fuchs schreibt:

    Lüneburgs sozialliberale Koalition hat entschieden. Ulrich Mädges Nachfolger im Amt des Oberbürgerrmeisters kann nur eine Doppelspitze sein.

    Andrea Schröder-Ehlers und Berni Wiemann haben ihr Wahlkampfthema bereits gefunden:

    https://pbs.twimg.com/media/Ei_OIqXWoAEROw2?format=jpg

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    • Berni Wiemann schreibt:

      SgH Fuchs, ich kenne weder eine sozialliberale Koalition in Lbg noch persönliche Gemeinsamkeiten mit Frau Schröder Ehlers. Ich versuchte zwar (vor rd.15 Jahren) im Gorleben-Konflikt „Brücken zu bauen“ und habe größten Respekt vor den Leistungen von Brandt und Schmidt, aber das ist mit der aktuell konträren SPD-Politik für mich nicht kompatibel.

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      • Theo Fuchs schreibt:

        Was nicht ist, kann ja noch werden, Herr Wiemann. Gerade im Versuch eine „Brücke zu bauen“ könnte doch Ihre persönliche Gemeinsamkeit mit Frau Schröder-Ehlers reifen. Zwar war die Abgeordnete zwischen 2011 und 2014 unbedingt für die Brücke, zwischen 2015 und 2017 dann strikt dagegen („Man sollte ehrlich sein mit den Menschen“, so Schröder-Ehlers in ihrem Plädoyer für das „endgültige Brücken-Aus“ am 20. Juli 2015). Zwischen August 2019 bis Juli 2020 war sie dann wieder sehr dafür und ist neuerdings, wie es scheint, wieder entschieden dagegen, aber gilt nicht auch die FDP als „Zünglein an der Waage“, das, wenn es etwas zu gewinnen gibt, mal hierhin schwankt und mal dahin? Gerade Brandt und Schmidt könnten mit Sicherheit ein Lied davon singen, wenn sie noch singen könnten.

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      • Berni Wiemann schreibt:

        SgH Fuchs, Ihr „Zünglein an der Waage“ war auch stets die „Stimme der Vernunft“. In Sinne der Vernunft habe ich vor 4 Jahren auch den Werbeversuchen der Kreis-SPD widerstanden und Lindner im Bund, was natürlich auch kritisiert wurde. Man kann es halt nicht allen recht machen.

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      • Theo Fuchs schreibt:

        Mir ging es bei meinen Bemerkungen auch mehr um Ihre Partei als um Ihre Person. Sie zähle ich eher zu den liberalen Lichtgestalten. Doch zu einem Tango Corrupti gehören wenigstens zwei Tänzer. Die bekannten „Parallelen“ der beiden großen Bauskandale im Süden und Norden der Stadt haben das gezeigt: https://blog-jj.com/2020/09/04/wie-viel-libeskind-audimax-steckt-in-der-arena/#more-2994 Eigentlich sollten die Verantwortlichen bei der Kandidatenauswahl für wichtige Wahlämter nach Qualifikation vorgehen. In Lüneburg ist es demgegenüber leider oft so, dass nicht zählt, was man kann, sondern wen man kennt. Oder ob man das nötige Kleingeld auf den Tisch legen kann. „Regieren“ hat hier immer auch mit den Erwartungen der Wohlwollenden, also mit der Gier der später Prosperierenden zu tun, mit Hinterzimmern, Begünstigten, Spenden, Postenschacher und Machtmissbrauch.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Berni Wiemann
        Hallo Herr Wiemann, in der Zeit , wo ich Mitglied bei die Linke war, kamen Sie uns besuchen. Die Linke war sehr überrascht und wie ich weiß, nicht einmal negativ. Schmunzeln. Sie erwähnten Brand und Schmidt , vergleichen die heutige SPD damit. Wie sehen Sie jetzt die Linke heute in diesem Verhältnis? Ich weiß auch, warum Sie in die FDP eingetreten sind. Sind Sie immer noch davon überzeugt, in eine kleine Partei einzutreten, damit man schneller und überhaupt Gehör findet? Sie waren nie ein Parteisoldat, was Sie mir sympathisch macht. Und Sie sagen immer das , was Sie wirklich denken. Schreiben Sie auch so? Schmunzeln.

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      • Berni Wiemann schreibt:

        SgH Bruns, zur eigenen Wissenserweiterung bzw. -Überprüfung besuche ich auch Veranstaltungen der Wettbewerber/Parteien (ex AfD).
        Gern beantworte ich Ihre Fragen. Die heutige SPD glaubt, auch 30 Jahre nach der SED-Insolvenz, zunehmend an die eigene „Unfehlbarkeit“ (Arena etc.) und Verstaatlichung (Wohnungsmarkt, ÖPNV etc.). Mit der Anpassung an die Linke-Ideologie wird sie koalitionsfähig. Ich hingegen liebe Meinungvielfalt und die Freiheit des Einzelnen, der in der FDP „schneller und überhaupt Gehör findet“. In diesem Sinne schreibe ich auch immer „was ich wirklich denke“. Da mache ich keine Unterschiede bei Hierarchien oder „Freund und Feind“, auch wenn dass oft unbequem ist. In diesem Sinne habe ich 2011/12 auch auf beiden Seiten viele „Frontgespräche“ geführt, um den ewigen Grabenkrieg in Gorleben zu überbrücken.

        Klicke, um auf gorleben_altmaier.pdf zuzugreifen

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  4. Klaus Bruns schreibt:

    ich bin erstaunt über die grünen. wo ist deren anti-atom-sturm geblieben? ach, schon zu alt geworden und deswegen immer konservativer? man stelle sich vor, das atomklo in der nähe von lüneburg. da werden die grundstückspreise aber purzeln , nein , sich förmlich überschlagen. aber dafür wird ja dann ein atomendlager ,bis zum bitteren ende, steuern zahlen und zukünftige denkmäler mit finanzieren. ein atom-museum wäre dann doch für die besucher lüneburgs die krönung , oder?

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  5. Stefanie Hüner schreibt:

    Lieber Herr Jenckel,

    Herr Sander schreibt, «in Sumte aber könnte es noch ‹summen›».

    Frau Dreyer schreibt, «der Salzstock in Gülze / Sumte ist von der Expertenkommission ausgeschlossen worden.»

    Was stimmt nun? Wird die Brücke für Castor-Transporte gebraucht oder nicht?

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  6. Ernst Kruse schreibt:

    Sehr geehrte Frau Dreyer,
    Ihre Partei- und Brückenfreunde Herr Dr. Pols (CDU) und Herr Minister Althusmann (CDU) können und wollen die Eignung von Sumte nicht ausschließen. Auch Marco Wanderwitz (CDU), der Ostbeauftragte der Bundesregierung hält Endlager östlich der Elbe für durchaus denkbar: https://www.landeszeitung.de/nachrichten/politik/120777-ostbeauftragter-der-bundesregierung-atom-endlager-auch-in-ostdeutschland-moeglich/ Von der vom Wind der Opportunitäten wieder in Ihr Lager gewehten Brückenfreundin Andrea Schröder-Ehlers (SPD) ist momentan noch nichts Gegenteiliges zu hören.
    Svenja Schulze (SPD) schlägt in dieselbe Kerbe: „Es geht uns darum, den sichersten Ort in Deutschland zu finden“. Die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit betont, dass das Auswahlverfahren zum Endlager von Atommüll „streng wissenschaftlich“ ist. Persönliche, politische und geographische Motive dürften die Suche nicht beeinflussen.
    Warum sollten die weltgewandten Diplomatennaturen Eckhard Pols, Bernd Althusmann und Andrea Schröder-Ehlers in puncto fest einbetonierter Elbquerung nicht längst weiter voraus in eine von Äonen andauernden Ausgleichzahlungen nur so strahlende Zukunft hinein denken als die eher weltabgeschiedenen politischen Schrebergärtner Jens Böther, Andreas Gehrke und Marko Puls? Einen Bonin, der jedem obrigkeitlich angeordneten Irrsinn mit viel lautstarkem Meinungsgebölke applaudiert, werden Sie nicht nur in Reppenstedt finden.

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    • Helga Dreyer schreibt:

      Sehr geehrter Herr Kruse, Sie sprechen mich in Ihrem Beitrag persönlich an und ich möchte nicht unhöflich sein. Aber:

      Ich habe weder die zeitlichen Ressourcen noch verspüre ich die Lust dazu, allgemein auf eine Pseudodiskussion und speziell auf Ihre Pseudo-Erklärung einzugehen. Bitte schauen Sie mal hier:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudo-Erkl%C3%A4rung / auszugsweise ein Beispiel, an das ich mich beim Lesen Ihres Beitrags erinnerte:
      „Molière bringt in einem seiner Lustspiele ein berühmt gewordenes Beispiel, womit er die Unwissenschaftlichkeit der damaligen Medizinerausbildung anprangert:

      Prüfer: Warum schläfert Opium ein?
      Prüfling: Weil es eine Einschläferungskraft besitzt, deren Natur es ist, einzuschläfern.

      Da die „Einschläferungskraft“, die Opium angeblich besitzt, sich nur daran zeigt, dass die Einnahme von Opium einschläfert, also auf keine Tatsache verweist, die unabhängig vom Explanandum feststellbar wäre, beruht die angebliche Erklärung auf einer petitio principii“.

      Der Salzstock in Gülze / Sumte ist doch von der Expertenkommission ausgeschlossen worden.
      Was also, sehr geehrter Herr Kruse, haben Ihre Ausführungen (noch) mit Sumte und dann erst recht mit der Elbbrücke zu tun?

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      • Ernst Kruse schreibt:

        Sie haben wohl recht, sehr geehrte Frau Dreyer. Und ich muss mich wegen meiner Spekulationen entschuldigen.

        Am Montag hieß es noch im NDR: „Der Zwischenbericht der BGE weist bundesweit offenbar eine hohe zweistellige Zahl an Gebieten aus, die weiter geprüft werden soll. ‚Es ist auch wegen der geologischen Struktur davon auszugehen, dass nennenswerte Teile von Niedersachsen dabei sind‘, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) im Vorfeld. Auch Atomkraftgegner rechnen damit, dass im Nordosten Niedersachsens mehrere Standorte liegen könnten. Das legten öffentlich zugängliche Geologie-Daten nahe. Nach Angaben der Initiative ‚ausgestrahlt‘ könnte dies zum Beispiel der Salzstock Sumte-Gülze in Amt Neuhaus oder der Salzstock bei Volkwardingen im Heidekreis sein.“ https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Endlagersuche-Fliegt-Gorleben-von-der-Liste,gorleben2108.html

        Doch Sascha Nitsche von der Schweriner Volkszeitung/Hagenower Kreisblatt gab gestern (29. September 2020, 18:40 Uhr) Entwarnung: „Kann man der veröffentlichten Karte Glauben schenken, ist die rechtselbische Gemeinde schon im ersten Schritt raus aus dem mitunter sehr unbeliebten Rennen zum Endlager. Erstrahlt die Gemeinde Amt Neuhaus mitten im bunten Norddeutschland doch im schönsten Weiß. Und das nahezu genau entlang des Verlaufs der politischen Grenzen, obwohl der Salzstock Sumte-Gülze in den zurückliegenden Tagen in einigen Medien als heißer Kandidat für eine Nachfolge von Gorleben gehandelt wurde.“ – Quelle: https://www.svz.de/lokales/hagenower-kreisblatt/ein-gluecklicher-weisser-fleck-id29790032.html

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Frau Dreyer
        Ulf Göldner, Vorsitzender des
        Vereins für Tourismus und Wirtschaft Amt Neuhaus, pflichtete
        bei: „Auf beiden Seiten der Elbe
        gibt es viele Unternehmen, die
        die Brücke brauchen.“
        Schon seltsam, oder? Wer diese Unternehmen wohl sind? Warum sind sie nicht bekannt? Werden diese Unternehmen auch einen Obolus für die ,,Märchenbrücke“ leisten? Ob auf die A39 gewartet wird, damit Unternehmen sich wirklich engagieren werden und nicht den Alarmismus den armen Industrie und ,,Handelskassen“ überlassen müssen? Oder wird auf die strahlende Fracht Richtung Ost-West gewartet, wenn sie schon nicht von Westen nach Osten fährt?

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  7. Heiko Fischer schreibt:

    Hans-Herbert Jenckel „erlebte“ in Gorleben „den größten Polizeieinsatz der Nachkriegsgeschichte und einen unglaublichen zähen Widerstand“. Flap-flap-flap, „gewaltiges Teppichklopfer-Geräusch“ im Morgendunst, Francis Ford Coppola Assoziationen, Vietnam- und Weltuntergangsromantik mit Wagners Walkürenritt, „Hubschrauber mit ihren gleißenden Scheinwerfern“, eine „Mischung aus Science-Fiction und Apokalypse Now“, „Steine flogen“, eine Dame „holte einen Eispickel“ aus ihrer Handtasche. „BePo marschiert, Wasserwerfer, Marsch.“ Ein Strahl trifft unseren Autor „auf einem Acker unweit von Splietau“, er hat Jagd- und Star Wars-Szenen vor Augen, flap-flap-flap im Ohr. Impressionsstakkato: „Polizei-Kessel, Räumen von Blockaden, Kundgebungen, Waldspaziergänge, Gottesdienst, Trecker-Blockaden, Gummiknüppel und über allem im Dauereinsatz diese Hubschrauber, die fliegenden Augen der Polizei“.

    Ja, wenn der Senator erzählt.

    Resümee: „Gorleben ist nicht mehr auf der Shortlist möglicher Atommüll-Endlager – das ist eine späte Genugtuung für die Castor-Gegner im Wendland“, zum Beispiel für Evelyn Kuttig, die Grafikdesign- und Projektmanagerin, die „vor wenig mehr als vierzig Jahren aus ihrer Geburtsstadt Berlin über Hamburg nach Lüneburg“ kam und sich an berittene Polizei erinnert, „die von oben den Gummiknüppel [benutzte], den einzelne Beamte Leuten auf den Kopf schlugen, die sie nach der Einkesselung des Dorfes mit Nato-Draht durch enge Lücken vor sich hertrieben.“

    Groß war die Zeit.

    Dabei müsste die Tatsache, dass der Salzstock Gorleben so früh schon als ungeeignet aus der Endlagersuche ausscheidet, eigentlich nicht nur Eckhard Pols und die Geologen überraschen, die den Standort über Jahrzehnte für geeignet gehalten haben.

    Eine Ära geht damit zu Ende – eine neue hat begonnen, und die könnte mit hoher Wahrscheinlich so enden wie die alte. An Gorleben lässt sich schließlich ablesen, was getan werden muss, um ein Endlager zu verhindern. Kein Verfahren kann so hieb- und stichfest sein, dass es in der Atomfrage nicht zu erbittertem Widerstand kommen dürfte.

    Ironie der Geschichte ist die Rolle der Grünen. Die Kinder der heute als Jugendabenteuer verherrlichten Atomproteste von einst sind nun plötzlich die größten Treiber der „wissenschaftlichen“ Suche nach einem „geeigneten“ Standort, in der Annahme, so Robert Habeck, dass das Endlager zugleich die letzte Ruhestätte der Atomkraft sein werde.

    Zweifel daran, und seien es klimapolitische, beschleichen die Grünen nicht, auch nicht, dass ihr Gorleben-Triumph ein Pyrrhussieg sein könnte. Denn die Botschaft des Zwischenberichts zur nunmehr alles andere als „weißen Landkarte“ lautet eigentlich:

    Gorleben ist überall.

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    • Andreas Janowitz schreibt:

      Naja,… nicht überall.
      Die Gruft Onkalo ist das Paradebeispiel für ein in geologischen Zeiträumen stabiles Endlager? Insofern dürfte ein solches wohl kaum „irgendwo“ in Deutschland zu finden sein? In der norddeutschen Tiefebene schonmal gar nicht?! Obendrauf kommt die Tatsache, das durch unser Geoengineering-Experiment eine äusserst aktive Erosions- und Sedimentationphase ansteht?! Die Alpen fliessen schon jetzt wie ein Riesenpudding auseinander? (siehe Hochvogel)
      Da in der Bundesrepublik kein alter Schild oberflächlich aufgeschlossen ist, muss unser Endlager in grössere Tiefe verlagert werden?
      Es wäre schon sehr peinlich, wenn nach Abschmelzen der Gletscher die Anlage noch zu Lebzeiten überflutet würde. Unter dem Bayrischen Wald scheint plausibel, zumal die Tschechische Republik dort sowieso gräbt (ganz egal was Söder so trällert).

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  8. Klaus Bruns schreibt:

    Nach dem deutschen Atomgesetz darf kein Kernkraftwerk ohne Entsorgungsnachweis betrieben werden. Ein Export deutschen Atommülls ist nicht erlaubt.

    Immer wieder weisen Atomkraftgegner deshalb darauf hin, dass die derzeitige Entsorgung des Atommülls nicht den Anforderungen des Atomgesetzes entspricht, welches eine schadlose Verwertung oder geordnete Beseitigung radioaktiver Abfälle fordert.

    Die gängigen Praktiken erfüllen diese Anforderungen nicht.
    https://www.planet-wissen.de/technik/atomkraft/atommuell/index.html

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  9. Evelyn schreibt:

    Danke für Deine lebendigen Eindrücke, lieber JJ!
    1980 begann der Widerstand, und da benutzte berittene Polizei von oben den Gummiknüppel, den einzelne Beamte Leuten auf den Kopf schlugen, die sie nach der Einkesselung des Dorfes mit Nato-Draht durch enge Lücken vor sich hertrieben.
    https://www.gorleben-archiv.de/chronik/huettendorf/
    Die Gorleben Rundschau der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg erscheint im 43. Jahr. Ob sie nun eingestellt werden wird?

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  10. sanderthomasgmxde schreibt:

    in Sumte aber könnte es noch „summen“

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