Marketing in Not: Ben muss es machen

Die Sülfmeister von Lüneburg (Foto: jj)

Die Lüneburger Marketing GmbH ist unterfinanziert. Das ist keine Neuigkeit, das ist eine alte Leier. 

Schon immer musste die Gesellschaft um Geld betteln, die gründet wurde, um die einst rivalisierenden Parteien, die sich ums Image der Stadt und um große Veranstaltungen und Marketing kümmerten, unter einen Hut zu bringen. Der Zusammenschluss zur Marketing GmbH war der richtige Schritt. Und in der Ära von Dr. Jan-Peter Halves führte das auch zur Blüte. Alles hörte auf sein Kommando und seine Ideen wie die Salzsau-Parade zündeten auch bei niedrigem Budget. Lang, lang ist’s her.

Halves ging und der Stuhl der Marketing-Leitung wurde zum Schleudersitz, und auch darunter geht es zu wie in einem Ameisenhaufen – ein Kommen und Gehen. Veranstaltungsmanager Matthias Lutz geht nach einem Jahr. Er hat mit seinen Qualitäts-Festen einen Punkt gesetzt, der aber nicht mit der Bilanz im Einklang steht.


Was ist passiert? Zum einen haben sich Kulturschaffende in Lüneburg längst wieder vom Marketing emanzipiert, auch weil sie sich nicht repräsentiert fühlen. Zum anderen hat sich der Handel im Kern der Innenstadt lange weg vom Einzelhändler zum Filialisten gewandelt, für den Lüneburg eine Kennzahl aber keine Liebe ist.

Händler Ralph Elvers hat mit seiner Solo-Aktion „Gelbe Leiter“ gegengesteuert, gezeigt wo noch der Einzelhandel sitzt. Das LCM, das Lüneburg City Management, ist in Teilen auch eine Parallelwelt zum Stadtmarketing. Die Filialisten ziehen nach und nach weg und ins Netz, es bleibt zum Glück Gastronomie, aber prägend sind eben auch 1-Euro-Shops und Barber-Shops und Gummibärchen-Paradiese. Das ist ein schweres Umfeld auch für Feste mit lokalem Kolorit.

Was nun? Back to the roots. Die beiden größten Budget-Fresser, das Stadtfest und die Sülfmeistertage sollten wieder einen deutlich lokalen Akzent bekommen. Das heißt: Lüneburger Kultur und Kunst und Lüneburger Geschichte haben auf ganzer Strecke Vorfahrt neben dem notwendigen Trash, den solche Feste brauchen von der Bierbude über die Bratwurst bis zur Zuckerwatte.

Und wer soll nun Veranstaltungen managen? Da bleibt für den lokalen Ansatz nur einer nach: Ben Boles. Der Musiker ist erstens gut vernetzt mit dem Marketing, er ist zweitens Lüneburg-geerdet und drittens zeigt er mit seinen Veranstaltungen, allen voran der Feierabend-Kultur, was lokal heißt und wie man das auch mit Guerilla-Werbung und kleinerem Budget zum Erfolg führen kann. Wenn er dann ganz nonchalant bei der Feierabend-Kultur die „Helden des Alltags“ ehrt, die in einem Extra-Strandkorb Platz nehmen dürfen vor der KulturBäckerei, dann ist das eine wunderbare Art, Engagement für Lüneburg zu würdigen. Fragt sich nur, ob er Lust hat, ob so ein Freigeist sich die Fesseln einer Anstellung anlegen lässt. 

Lüneburg geht es mit der Geschäftswelt nicht besser und schlechter als anderen Städten, Handel ist Wandel – zurzeit sehr schmerzlich. Aber Lüneburg hat in der Welt ein geschärftes Profil als Salzstadt, gespickt mit Patrizierhäusern, Giebeln und Gassen und prachtvollen Plätzen wie Sand, Markt und Stint – einzigartig in der Region. Und die Perle des Norden wird täglich von der Telenovela Rote Rosen gratis supported. Lauter Alleinstellungsmerkmale.

Für die Feste aber gilt die alte Ansage am Lüneburger Bahnhof, wenn ein Zug einfuhr: „Lüneburg, Lüneburg, hier ist Lüneburg!“ 

Hans-Herbert Jenckel

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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7 Responses to Marketing in Not: Ben muss es machen

  1. Avatar von R. Löser R. Löser sagt:

    Lieber Hans-Herbert Jenckel,

    ich habe drei Fragen:

    Erstens:In der Ära von Dr. Jan-Peter Halves führte das auch zur Blüte. Alles hörte auf sein Kommando und seine Ideen wie die Salzsau-Parade zündeten auch bei niedrigem Budget. Lang, lang ist’s her.“ Ist’s vielleicht zu lang her? Denn die Idee für „die zündende Salzsau-Parade“ stammt von Wolfgang Gärtner, Geschäftsführer der Lüneburg Marketing GmbH von 1997 bis 1998, der, weil er zu früh zu viele Struktur-, Einfluss- und Finanzierungsfragen gestellt hatte, von Jan-Peter Halves und dessen Rathausfreunden aus dem Job gekegelt worden ist und sich nach Fehmarn trollen musste. War es nicht so? Sie sind zwar erst knapp zwei Jahre, nachdem Gärtner (wie nach ihm noch so viele andere) abserviert worden war, ins Team-Mädge gestoßen, haben den Wechsel aber aus Ihrem Ressort bei der LZ mitverfolgt und Halves später noch vier Jahre lang als Ober-Ulis Pressesprecher „begleitet“. Trübt die Erinnerung an das gute Verhältnis Ihr Gedächtnis?

    Zweitens: Jan-Peter Halves ist Jahrgang 1965, war also, genau wie Sie, ein junger, dynamischer Mann als er Ende der 90er von Bremen über Marburg und Brake nach Lüneburg gelangte, bevor er (über einen eineinhalbjährigen Umweg in Hamburg) 2006 nach Bremen zurückkehrte, wo er heute als einer der beiden Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser agiert. Olaf „Ben“ Boles jedoch gehört heute bereits zu denen, die im Seniorenrat sitzen und zsammen mit dem 74jährigen Mädge und dessen greiser Sozenkombo die juvenile Kalisch-Administration aufmischen könnten. Wie kommt es, dass ältere Herren immer nur ältere Herren für hippe Positionen empfehlen? Echokammer-Denk-Blasen-Effekt? Deformation liée à l’âge? Warum auf der Brücke des Stadtvermarktungsdampfers immer Freddy-Fans wie Christoph Steiner, Klaus Hoppe und Manfred „Manni“ Vogt die auf Bill Haley, Peter Kraus, Roy Orbison, die Puhdys, Inga Rumpf etc. schwören? Warum nicht mal Swifties wie Jakob Blankenburg, Ravi und Eckhard Pols die mit den Klängen von Raye, The Weeknd, und Beyoncé aufstehen und mit denen von Udo Lindenberg, Billie Eilish und Charles Otto „Charlie“ Puth Junior etc. ins Bett gehen?

    Drittens:Ben Boles. Der Musiker ist Lüneburg-geerdet„? Was soll das heißen? „Lüneburg-geerdet?“ Was heißt das für einen Geiger, der nach eigener Auskunft lange „den Weg ins Büro und in ein sicheres Bürgerdasein in Grevenbroich gesucht“ hat? Wie viele Jahre muss einer denn irgendwo leben, bevor er dort „geerdet“ ist? Ist nicht viel wichtiger, ob ein Musikus, der vom Dreadnought-Klampfen, vom Trällern und Träumen kommt, automatisch auch das „Management-Gen“ in sich trägt? Die Kondition und den Willen, sich 13 Monate im Jahr sieben Nächte in der Woche bei 16 Stunden am Tag mit Heerscharen pfennigfuchsender Agenten (mit Lüneburger Marktbeschickern, Händlern und Schaustellern) über tausendmal hin und wedder arrangierte Mehrjahreskalender zu beugen, Gagen und Konditionen zu verhandeln Steckdosen, Ladegeräte und Adapter zu zählen und für grippeverhinderte Rowdies tonnenschwere Scheinwerfer zu schleppen, ist nicht jedermanns Sache (besonders nicht in jedem Lebensalter)! Und ganz am Ende kommt Heiko Meyer um die Ecke gebogen, schüttelt einem zum Abschied die Hand und verkündet, „die Stadt“ suche sich nun einen, der besser rechnen könne? Übrigens wohnt keiner der ehemaligen, mehrjährig gedemütigten Stadtmarketing-Macher heute noch im Landkreis. Ist es das, was Sie sich für Ben vorstellen können?

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    • Avatar von jj jj sagt:

      Sie haben alte, weiße Männer in Ihrer vergifteten Suada vergessen.
      Die Fragen 2/3 sind natürlich keine Fragen, da wollten Sie nur mal ordentlich austeilen.

      Zu Frage 1: Die Idee der Salzsäue hatte tatsächlich Herr Gärtner. Die Salzsau-Parade, und nur die erwähnte ich, hat Jan-Peter Halles umgesetzt und Lüneburg bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. lg jj

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      • Avatar von Henri Petersen Henri Petersen sagt:

        Naja, Herr Jenckel,

        es war bei Ihnen und dem R. Löser aber nur von „Ideen“ die Rede.

        Die Salzsau-Parade war Gärtners Idee. Das hatten Sie falsch in Erinnerung und folglich falsch aufgeschrieben. Halves hat sich Gärtners Idee „anverwandelt“ und diese „umgesetzt“, nachdem Gärtner gegangen worden war. Das ist nur eine Richtigstellung, die weder Gärtners noch Halves‘ Verdienste im Geringsten schmälert — und auch aus Ihrer Krone nicht einen Zacken herausbricht.

        Zum Übrigen: „Was trifft, trifft meist auch zu.“ (Zitat eines in Redaktionssitzungen und bei anderen Gelegenheiten oft wiederholten Merksatzes von Hans-Herbert Jenckel.)

        Warum bezeichnen Sie ein kleines anspielungsreiches und unterhaltsames Späßchen von fremder Hand, aber ganz nach der Art, wie Sie selbst oft und gerne welche lancieren, als „vergiftete Suada“? Hätte nicht das Wort „Eulenspiegelei“ auch genügt? Dort findet sich ja immer nur wieder, wer hineinblickt, um nachzuschauen, wessen Gesichter darin zu sehen sind.

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      • Avatar von jj jj sagt:

        Ines Utecht lesen bei Facebook Lg jj

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  2. Avatar von Sebastian Hutz Sebastian Hutz sagt:

    Für die Feste aber gilt die alte Ansage am Lüneburger Bahnhof, wenn ein Zug einfuhr: „Lüneburg, Lüneburg, hier ist Lüneburg!“

    Dazu das (einzig passende) moderne Lüneburg-Gedicht von Rang:

    Bahnhof Lüneburg, 30. April 1976

    Es ist 5.45, unausgeschlafene Autolandschaft,
    als habe damit alles endgültig seinen Platz.
    (Nichts mehr anrühren, nichts bewegen!)
    Ohnmächtig schluckende Frühaufsteher,
    Rauch auf nüchternen Magen, Aktentaschen,
    aufmuckende Blicke zwischen den flappenden
    Pendeltüren.
    Frau zieht das Rollo des Zeitungsstandes hoch. Birken.
    Violetter Schaum.
    Es ist noch nicht hell, ein bläulicher Abglanz
    des Himmels hängt zwischen den Bäumen.
    Postkarren rattern über den Bahnsteig.
    Etwas später macht die Gaststätte auf. Wer eintritt bin ich.

    Ein Zug ist eingefahren; wenn er steht, hört man ihn
    knistern und stöhnen. Das Material erschöpft
    und müde.
    Vor nicht langer Zeit lag hier Schnee
    Schlafende Parkuhren.
    Schlafende Oberleitung.
    Diesige Helligkeit schwebt ein, ohne jede Härte wie
    – ich muß mich zusammennehmen – die weiche Hand mit der
    Äthermaske.
    Welch‘ ein Morgen und welch‘ ein Auge darin.
    Wie verlassen und wie müde ich bin.
    wie krank und verwohnt ein Schnellzug vorbeiweht.

    Der Kellner nimmt mir die Tasse weg die noch nicht
    leer ist. Eine Frau raucht mit gespreizten Fingern.
    Daß sie so früh daran denkt die Finger zu spreizen.
    Als sie gähnt, wölben sich ihre Brüste hervor.
    Leere Streichholzschachtel auf dem Tisch, Zellophan
    und Silberpapier. Das Wasser rauscht im Spülbecken.
    Kleine zähe Frau, deren Gesicht neben der Kaffeemaschine
    erscheint, wie die Rückblende in einem Zufallsfilm
    den noch keiner gesehen hat.

    Nicolas Born: Bahnhof Lüneburg, 30. April 1976, in: Ders.: Gedichte 1976-1978, Reinbek beiHamburg 1983. S. 212 f. – Oder Seite 94 hier

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  3. Avatar von Henrik Winkelmann Henrik Winkelmann sagt:

    Großartig ge- und be-schrieben. Danke. Als Inhaber einer Marketing Agentur kann ich nur sagen, dass Ben sicher eine Bereicherung für das Stadt Marketing Lüneburg wäre. Auch ich habe aber Zweifel daran, dass er sich in eine Anstellung „zwingen“ lassen würde… 🤷🏻‍♂️

    Einige gut gemachte Imagefilme und entsprechend sichtbare Marketingumsetzungen in einigen Sozialen Medien wären bestimmt ein guter Anfang.

    Lüneburg hat so viel zu bieten, zu zeigen. Man kann so viel erleben. Eine Größe als HOM, wie Ben Boles wäre sicher in der Lage es außerhalb und innerhalb der Grenzen von Lüneburg zu präsentieren.

    Let’s go!

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  4. Avatar von Anke Sänger Anke Sänger sagt:

    LCM ist seit mindestens 15 Jahren nichts weiter mehr als eine Stänkerbühne, auf welcher der Sich-selbst-Vermarkter Heiko Meyer seine jämmerlichen Me First-Profilierungsschauspielchen darbietet.

    ……

    Anstatt hier ein Bewerbungsschreiben für Ihren Musi-Buddy zu publizieren hätten Sie ja mal drauf hinweisen können, wie gut das LMG-Team mit Melanie-Gitte Lansmann an der Spitze seinen Job macht, obwohl seine Büros immer noch nicht einmal ausreichend mit moderner digitaler Arbeitstechnik ausgestattet und vor allem für das, was von ihm an Veranstaltungszaubereien erwartet wird, nicht genügend finanziert ist. Vergleichen Sie mal die Mittel, die der Landkreis (also die zahlende Gemeinschaft von dessen Kommunen) dem Arena-Geschäftsbesorger in die Kassen (und Taschen) flutet, mit dem Penunzenrinnsal, das Mit- und Hauptprofiteure von den aufwändigen Reklame-Events der Lüneburger Fremdenverkehrsvereinsprofis um Frau Lansmann wie etwa Adendorf und Bardowick als „Beitrag“ bezeichnen. Und Reppenstedt, die stadtnahe Hochburg überproportional vieler mitkassierender Airbnb-Anbieter, berappt gar nichts dafür, dass die LMG seinen privaten Gastraumökonomen die Betten mit Besuchern füllt.

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