Lüneburgs Museen: Mehr Salz wagen

Salzsieden in LG.

Das Ende naht. Ich werfe zwei Schlaglichter auf 2024. Wir starten mit Museen. Schließlich öffnet als viertes bald das Kant-Museum, rund satte acht Millionen Euro teuer. Dabei ist Lüneburg schon für drei Museen zu klein.

 Warum: Weil Lüneburgs historisches Zentrum schon ein Gesamtkunstwerk ist, auf Salz-Reichtum erbaut, ein Freilichtmuseum, das Hunderttausende Touristen bevölkern. Wenn denn also Museum, dann Salz. Lüneburg, das ist das Salz, deswegen zieht flankierend das Salzmuseum die meisten Besucher und Besucherinnen. 

Aber da wäre noch das Ostpreußenmuseum, unabhängig von LG finanziert, und vor allem die Zangengeburt des Museums Lüneburg, in dem ein Sammelsurium aus zwei alten Museen unterbracht ist, aus dem ehemaligen Museum für das Fürstentum Lüneburg, das lange vor sich hin dämmerte, und aus dem Naturmuseum. 

Blick auf das Museum Lüneburg an der Ilmenau mit dem imposantesten Raum mit den hohen Fenstern. Foto: jj

Schon beim Neubau musste dieses Museums-Konstrukt wg. Geldknappheit und Kostensteigerung geschrumpft werden. Das hatte Folgen: Der imposanteste Raum des neuen Museums an der Willy-Brandt-Straße mit seinen riesigen Fenstern zur Ilmenau und St. Johannis hin hätte ein Place to be werden können. Stattdessen ist er mit der Vorgeschichte zugestellt. Manche sprechen von IKEA-Charme.

Dr. Eckhard Michael, ehemaliger Fürstentum-Museumsdirektor, und ich saßen öfter beim Bundestagsabgeordneten Klaus Harries am Abendbrottisch und diskutierten über sein Haus. Und er sagte am Ende oft kurz und knapp: „Magazinieren.“ Das sei die einzige sinnvolle Zukunft für seine Exponate. Stattdessen wurden viele Millionen in einen Neubau investiert. Und jetzt wachsen die Defizite der Stadt über den Kopf. Und mit den Einnahmen, zumindest aus dem eigentlich Museum, wird es nicht einfacher.

Die Generationen Y oder Z können mit den Büsten, Bechern und Bildern wenig anfangen und die spannenden Geschichten des Mittelalters, der Patrizier und der Hanse, die werden im Kern wo anders ganz anders erzählt. Zudem haben es Stadtmuseen landauf, landab schwer, schwerer als Konzept-Museen wie Kalkriese und die Varusschlacht (rund 100.000 Besucher) oder das Hansemuseum in Lübeck (auch 100.000 Besucher), ganz zu schweigen vom Panzermseum in Munster. Im Museum Lüneburg waren schon der Kassenschlager der Plastik-Dino-Ausstellung, aber auch Lesungen oder Jazz ein Fingerzeig.

Und vielleicht hätte man doch die Stararchitektin Zaha Hadid, die Interesse am Bau zeigte, machen lassen sollen. Dann wäre schon das ein Anreiz gewesen, an die Willy-Brand-Straße zu kommen. Denn, wie schrieb schon die SZ zur Eröffnung des damals Skandal-umwitterten Libeskind-Baus der Uni ganz gemein: „Während Rem Koolhaas oder Zaha Hadid ihr Vokabular veränderten oder zumindest in Vielfalt ausreizten, kennt die graue Winkel-Polka von Daniel Libeskind mit ihren Splittern und Zufallslinien eigentlich nur unterschiedliche Knüll-Stadien.“ Aber Libeskind und Hadid in Lüneburg, das wäre was gewesen.

Wurde nix. Da wäre dann das in die Jahre gekommene Salzmuseum, das für die Sanierung voraussichtlich zwei Jahre geschlossen werden muss. Das bringt mich zur steilen These im Sinne von Willy Brandt: Vielleicht sollte das Museum Lüneburg in der Zeit als Experiment mehr Salzmuseum wagen. Das könnte auf neue Wege führen, wie sich die großartige Geschichte der Stadt, flankierend zum Freilichtmuseum Lüneburg zwischen Stint, Sand und St. Michaelis, mit den Rankünen der Salz-Patrizier, der exponierten Stellung in der Hanse oder dem Kampf zwischen Herzog und Bürgern heute erzählt lässt. Und der Rest? Im Sinne von Dr. Michael: „Magazinieren.“

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Schlaglicht 2

Der Marienplatz war 2024 medial ein Platzhirsch. Allerdings nicht in den Augen der Lüneburger. Ob bei der Bürgerbeteiligung oder bei Präsentationen, es kamen und engagierten sich nicht Tausende, nur ein paar Hundert. Das bemängeln die Parkplatz-Lobbysten, aber wo waren ihre Anhänger? Die hätten Flagge zeigen können. Fehlanzeige.

Die Mitbürger, die wirklich Interesse zeigten, wollten mit einer ganz deutlichen Mehrheit einen verwandelten Marienplatz. Der olle Parkplatz gefiel den wenigsten. Aber das wieder ist der Auto-Lobby ganz egal, lieber einen Arbeitskreis gründen, so klebt das Thema auch 2025 wie ein altes Kaugummi unter der Schuhsohle.

Ob der Marienplatz nun anders gestaltet wird oder nicht, hat noch eine ganz andere Bedeutung. Das wurde jetzt bei der Diskussion und den Protesten vor der jüngsten Ratssitzung zum Nachhaltigen Urbanen Mobilitätsplan deutlich: Da zeigte sich, wo welche Wähler und Wählerinnen ihr Kreuz bei der nächsten Kommunalwahl machen. Mit einem Arbeitskreis ist nix gewonnen. Mehr mit Haltung und klarer Linie.

Hans-Herbert Jenckel

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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22 Responses to Lüneburgs Museen: Mehr Salz wagen

  1. Avatar von Luxa Luxa sagt:

    Zur Frage der Datierung des Bilds: Dirk Stegmann verwendet es in seinem Band „Lüneburg 1918–1945. Stadtgeschichte zwischen Kaiserreich, Republik und Diktatur“ ebenfalls, Quelle: Stadtarchiv Lüneburg, um 1913 (Seite 23)

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    • Avatar von Johanna Stegen Johanna Stegen sagt:

      Vielen Dank, Herr Luxa,

      Sie haben das Lektorat des Buches von Herrn Prof. Dr. Stegmann* besorgt, in welchem sich im ersten Kapitel (»Lüneburg seit dem späten Kaiserreich: Ein Überblick«) die Angaben zu dem Foto auf der unteren Hälfte der Seite 23 finden. Unterzeile: »Arbeiter im Siedehaus der Saline um 1913 (StadtALg, BS, Pos-2677).«

      Interessanter Weise befindet auf der oberen Hälfte eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so bedrückende Aufnahme »aus dem Leben der Werktätigen« im Lüneburg von vor gut 100 Jahren. Unterzeile dort: »Arbeiter in der Fassfabrik Reichenbach um 1910 (StadtALg, BS, Pos-2680).«

      * Stegmann, Dirk (2020): »Lüneburg 1918-1945. Stadtgesellschaft zwischen Kaiserreich, Republik und Diktatur« [Beiträge aus dem Museum Lüneburg, Band 5]. Hrg.: Museumsstiftung Lüneburg, Dr.: v. Sternsche Druckerei, Lüneburg. (575 Seiten, Illustr., Hardcover, 34,90 € inkl. MwSt, ISBN: 978-3-946481-05-8) [Hier: S. 23]

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  2. Avatar von Robert Becker Robert Becker sagt:

    Salzernte am Schwarzen Meer im frühen 20. Jahrhundert (Bild: Wikipedia)

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    Salzstadt zu sein, oder besser: gewesen zu sein, ist kein Alleinstellungsmerkmal von Lüneburg. Das wird aus den Beiträgen auf dieser Seite deutlich. Die Liste der Salinen Deutschlands ist lang. Das gleiche gilt für Gradierwerke und auf die Salzgewinnung spezialisierte Museen.

    Den Generationen Y oder Z bescheinigen Sie geringes Interesse an „Büsten, Bechern und Bildern“, das „Museum Lüneburg“, eine skandalös teure Fehlplanung „magaziniert“ sich selbst in die Bedeutungslosigkeit und das „Preußenmuseum“ ist ein Zwitter aus halb stadtfernem überkandidelt rufausbeuterischem Größenwahn, halb winkelwilhelminischem, nach Zwischenkriegsmottenpulver müffelndem Kulturpolitmummenschanz.

    Woher sollen also Ihre lern- und erfahrungslustigen „Besucher“ kommen? Aus Honkong und Helsinki? Oder aus Hannover und Heinsen? Und warum sollten die gerade ins „eventumtobte“, von Kneipen durchwachsene „Freilichtmuseum Lüneburg“ strömen?

    Ihre Idee der lebendigen Vermittlung sozialgeschichtlich, z. B. über Salzarbeiter informierter Stadtbesichtigungen halte ich für gut. Diese sollten von vielfältigen, durchdacht aufeinander abgestimmten Möglichkeiten (Präsentation von Anschauungsmaterial, Vorträge, Workshops, Stipendien) der Vertiefung (Nuancen, Probleme) und Einbettung (deutscher, europäischer Vergleich) gerahmt werden.

    Die Frage ist, wer vermittelt solche anspruchsvollen und voraussetzungsreichen Ideen unseren kindisch eifersüchtigen, widerwärtige Parteiegoismen auslebenden Vertretern in Rat und Kreistag, die ja noch nicht einmal in der Lage sind, einen überflüssigen, seit fünfzig Jahren mit Blech, Teer, Abfall und Gestank flachgemüllten Schandfleck vor der alten Ratsbücherei zu renaturieren und endlich ins historische städtebauliche Ensemble einzupassen?

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  3. Avatar von Erwin Klawitter Erwin Klawitter sagt:

    Auch in Bad Salzuflen erinnert ein barfüßiger Sieder an die Salzgewinnung, durch welche die Stadt im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe, Regierungsbezirk Detmold, zu Reichtum und Ansehen gelangt ist und der sie letztendlich auch ihren Namen verdankt.

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  4. Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

    Ich verstehe ihre Verwunderung nicht? Das „Magazinieren“ beschreibt doch elegant den Zeitgeist? Der nächste Kanzler wird wahrscheinlich mit schon vor 25 Jahren altbackenen Ideen trotzdem gewählt? Nicht nur weil die Konkurenz noch tattriger daher kommt, sondern eben auch weil mit anfang 60 nichts mehr Gewagt, geschweige denn Gestaltet wird. Und das sind nunmal diejenigen, die massgeblichen Einfluss auf die Politik ausüben. Wenn unsere Verwalter dereinst das Zeitige segnen ist das Kind im Brunnen schon längst verrottet.

    Die Herren haben sich längst in ihrem Zeitrafferautopiloten eingeigelt und wollen bloss keine Veränderung mehr. Würdigung für das „Erreichte“ und blasierte Plattitüden über „früher“ genügen. Vor 15 Jahren manövrierte sich das Altenheim Bundesrepublik eigenhändig auf`s gemütliche Abstellgleis.

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    • Salinenarbeiter an der Sudpfanne in Ebensee. Um 1905. Handkoloriertes Glasdiapositiv, © Ch. Brandstätter Verlag

      Für das Salzsieden bediente man sich der Siedepfannen, die im Laufe der Jahrhunderte durch immer größere ersetzt wurden und deren Befeuerung enorme Mengen an Nadelholz verschlang. Schon 1367 waren auf der Tiroler Saline Hall vier Pfannen aus Eisenblech in Verwendung, die jeweils fünfzehn Meter lang und fünf Meter breit waren und eine Tiefe von einem halben Meter aufwiesen. Die gegen die sogenannte Pehrstatt hin leicht geneigten Siedepfannen waren aus verschieden großen geschmiedeten Eisenblechen zusammengesetzt, die mit Nägeln oder Nieten schuppen- oder dachziegelförmig übereinander befestigt waren. Sie ruhten auf einem Ofen aus Bruchsteinen oder Ziegeln in einem überdachten Sud- oder Pfannhaus und wurden zusätzlich durch Haken am Gebälk des Dachstuhls gehalten. Nach dem Verdampfen des Wassers blieb das kristalline Salz als Rückstand in der Pfanne. Es wurde in feuchtem Zustand in hölzerne Formen (Kufen) gepresst und mit Stösseln festgestampft. Die konischen Salzstöcke (Fuder) brachte man danach in Dörrhäuser, wo sie durch Heißluft bis zum klingenden Zustand austrockneten. Alle diese Tätigkeiten konnten nur gelernte Arbeiter, die sogenannten Pfannhauser, verrichten, an deren Spitze der Pfannmeister stand. Es gab Schürer, Pehrer, Zu- und Überzieher und Poßler (die das feuchte Salz in die Kufen pressten); dazu kamen als weniger oder nicht qualifizierte Arbeitskräfte die Fuderträger, Wochner, Samstaghüter zur Wache im Pfannhaus während des Kaltstehens der Pfannen, Kottrager, Zustürzer, Wasserhüter, Widttrager, Salzdörrer und Pfieselschreiber. Ihre Entlohnung erfolgte meist am Schluss einer jeden Siedewoche je nach Anzahl der Salzfuder, die gepresst worden waren.

      Schon die Kelten waren als Salzsieder bekannt, und vom keltischen Begriff für Salz (hala) stammen wohl die vielen Bezeichnungen von Salzorten auf „hall“ wie Halle an der Saale, Hallstatt, Hall in Tirol, Hallein, Schwäbisch-Hall oder Reichenhall. Ebenso weisen Namen wie Salzburg, Salzgitter, Salzkotten, Salzwedel oder Salzkammergut, die Bäder Salzhausen, Salzdetfurth, Salzuflen, Salzig, Salzschlirf oder Salzungen auf Orte oder Regionen hin, deren Bevölkerung in ihrer Lebensform maßgeblich vom Salz bestimmt war.

      Quelle: Palla, Rudi (2014): „Die Welt der verschwundenen Berufe“. Wien, Brandstätter Verlag. Auch: insel taschenbuch, Insel Verlag, Berlin, 2019², Stichwort „Salinisten“, S. 203 bis 208, hier S. 206f.

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      • Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

        Mir ist sogar die Herkunft des lokalkolorit „Grapengiesser“ bekannt, Hr. Kirsche. Auch die Meierei als mittelalterliche Nachnamensherkunft. Was aber hat es mit dem Totalversagen von 2010 zu tun? Mir erschliesst sich der Zusammenhang nicht?

        Das althergebrachte war damals schon Geschichte? Während unsere Aushilfselite sich (und uns alle) 2010 mutwillig selbst auf`s Abstellgleis verschob? Ob nun blöd oder mutwillig ist mittlerweile auch egal.

        Weder die selbsternannte noch die vererbte „Elite“ war oder ist nützlich!

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      • Man kann auch nicht bei der Bahn arbeiten und trotzdem keine Ideen haben, Herr Janowitz.

        Wer keine Handschellen trägt, ist noch lange kein freier Mensch.

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      • Avatar von Rudi Radlos Rudi Radlos sagt:
        • Ein Prozess der Degeneration hat 2010 begonnen? Welcher?
        • Können Sie das Ende dieses Geschehens genauso exakt wie dessen Anfang terminieren?
        • Eine „Aushilfselite“ ist Schuld? Wer gehört dazu?
        • „Uns allen“ ist von diesen Dunkelbösen übel mitgespielt worden? Wer ist „wir alle“? Sie, Herr Janowitz? Wer noch?
        • Was haben Sie und die, von denen Sie behaupten, es sei ihnen ähnlich gegangen wie Ihnen, unternommen, um nicht „aufs Abstellgleis“ rangiert zu werden, Herr Janowitz.
        • Wer ist verantwortlich? „Der tiefe Staat“ (das nach rechts frisierte, ehemals links gescheitelte „System“)? Die perfiden „Strukturen“ geheimnisvoller Verschwörer (rechts: „die Eliten“, links: „die Kapitalisten“)? Oder doch die von rechts und links (und aus Reppenstedt) jammernden Leserbriefschreiber, die große Töne spucken, aber k(l)eine Sprünge machen?
        • „Demokratie ist eine Mitmachveranstaltung“, Herr Janowitz, „keine Plauderrunde für immobile Miesepeter“. (Jesus / unverbürgt)
        • Könnte da was dran sein?

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      • Avatar von Andreas Janowitz Andreas Janowitz sagt:

        Herr Ratlos (ein Rad ab wollen sie doch wohl nicht haben?), die von Konzernvorständen angeordnete Demontage der Solarindustrie, die vor 2010 noch weltspitze war, wurde im Verlaufe des Jahres 2010 mittels Belagerung des Kanzleramtes durchgezogen. Im Verlaufe dessen wurden 100.000 Arbeitsplätze unwiederbringlich vernichtet. Völlig ohne Not wurde die Zunkunftsbranche Deutschlands an die Wand gefahren und zugleich Sachsen endgültig wirtschaftlich entkernt. Nichtnur wurde die automatisierte Solarzellenproduktion sabotiert, sondern die ebenso die zuliefernde Halbleiterindustrie! Nur ein Jahrzehnt später dämmert es derselben Industrielobby, das man „plötzlich“ vollumfänglich vom wohlwollen des Auslands insbesondere „Systemrivalen“ abhängig ist. Für deren Verhältnisse ein recht schneller Sinneswandel.

        Jetzt spielt die Bundesrepublik unter „ferner Liefen“ irgendwo in der vierten Liga in Robotik, Halbleiter, Solarzellen und anhängigen Bereichen wie Software oder „KI“ keine Rolle. Mittlerweile werden nicht nur die Erfindungen woanders gemacht, sondern das wissen wie man solche Güter produziert wird woanders gelernt. Also ich nenne das Abstellgleis. Sicher hegen Sie Symphatien für`s frisieren von Verbrennungsmotoren oder verteidigen die ach so cleveren Einfälle der Vorstandsetagen als „notwendigen“ Schritt um die (tote) Technologie noch ein wenig länger relevant zu halten. Wie auch das Erdgas eine auf jahrzehnte geltende „Übergangsregelung“ darstellen sollte. Mich beeindruckt dieser Quatschsprech von „Technologieoffenheit“ wenig.

        Wussten Sie das in Japan zwei Stromnetze (von AEG und GE) gebaut wurden? Weil seinerzeit (also vor über hundert Jahren) deutsche Unternehmen Normen schufen, die weltweit demassen bahnbrechend waren, das die Japaner beide Standarts zur Hand haben wollten?

        So schafft man Fortschritt durch Technik! Ganz sicher nicht wie VW und die anderen Pfeifen 2015 verfuhren.

        Dafür bedarf es keineswegs irgend einer schrulligen Erzählung für ein dümmliches Publikum. Jeder kann wenn er will herrausfinden, das in der Bundesrepublik ein paar hundert Herren erhebliche Teile der Wirtschaft direkt besitzen, ganz ohne „Geheimbünde“, dem „tiefen Staat“ oder sonstige Versatzstücke aus der Tik-Tok Idiotenhölle. Wie der hampelnde Hofnarr im weissen Haus einmal mehr beweist sind Milliardäre nicht nur überflüssig, sondern eine ernsthafte Gefahr, denn weder Thyssen noch Siemens sind als vermögende „Wohltäter“ gestartet! Die hatten Befähigung jenseits der Hampelei und Heissluftproduktion, ganz ohne dabei das Händchen nach der Steuerkasse zu strecken. Aber bei „Erfolgsunternehmern“ wie Musk wird die wesentliche Rolle des US Steuerzahlers natürlich unter den Teppich gekehrt. Angesichts solch beleidigender Idiotie übrigens kein wunder, das dort neuerdings amerikanische Probleme auf amerikanische Art gelöst werden- mit der Schusswaffe. Und nur falls Sie mir Verherrlichung von Gewalttaten oder sowas unterstellen wollten: ich zöge es vor das ganze hier ziviler zu lösen.

        Da die missratenen Bälger der Vermögenden deutschen auf Sylt ihre ebenso missratene Meinung lauthals ins Netz plärren, habe ich wenig vertrauen in eine vernünftige Lösung. Wozu auch? Die tauben Nüsse tanzen doch schon längst nach deren Pfeife. Wo steht die Nietentruppe aus reaktionären Konservativen und Faschisten doch gleich? 60%?
        Wer war doch gleich die „von Storch“? Ach ja eine alteingesessene Adelige, „angesehene“ deutsche Aristokratie also, wo deren Loyalitäten wohl liegen? Ganz sicher nicht in Einigkeit und Recht und Freiheit- blühen soll da auch besser nichts…

        Übrigens: mitgehangen, mitgefangen. Wer auch immer Sie sind, dürfen auch Sie an dieser überaus bescheidenen, sich der AfD anbiedernden CDU Kanzlerschaft teilhaben. Ob sie wollen oder nicht- rückwärts immer, vorwärts nimmer! Der böige Wind der letzten Nächte ist nur das lauhe Lüftchen der 1,5° Marke. Für den kommenden Sturm sind diese hemdsärmligen Gestalten nicht im geringsten gewappnet.

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      • Avatar von Rudi Radlos Rudi Radlos sagt:

        Don’t Look Up, Herr Janowitz, mein Spielfilmratschlag für den zweiten Weihnachtstag. Ein hübsches cineastisches Gleichnis auf die menschliche Neigung, das Unausweichliche lieber weg zu moderieren.

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  5. Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

    Herr Jenckel

    Das Ende naht.

    Der Satz, ein Wink mit dem Zaunpfahl? es wäre schade, wenn sie aufhören. ich war vor kurzer zeit im städtischen Krankenhaus, mal wieder mehr tot als lebendig. habe mich mal wieder so gerade berappeln können und jetzt dieser satz. worauf soll man sich noch freuen?

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  6. Avatar von Johanna Stegen Johanna Stegen sagt:

    Von wann ist denn die bedrückend gestellte Aufnahme der Salzsieder auf Ihrem Eingangsphoto, Herr Jenckel? Arbeiter in Sackleinen, Chef im feinen Zwirn, Gehrock, Hemd mit Kläppchenkragen, Möckel-Homburger, Edwardianischen Halbstiefeln und italienischem Zigarillo? Muss wohl noch ein paar Jahre vor 1906 geschossen worden sein, dem Jahr, als der Böttcher Henneberg auf dem Johannes Reichenbach-Brunnen vor Kloppenborchs Brauhaus, damals die Meyersche Gastwirtschaft, begann, gen St. Johannis zu blicken.

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    • Avatar von jj jj sagt:

      Ich finde, das Bild ist eines der eindrucksvollsten Sitten-Fotografien aus Lüneburg. Die Hierarchie, diese zur Schau gestellte Gesellschaftsordnung. Schauen Sie, der eine Arbeiter steht mit nackten Füßen im Salz.

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      • Avatar von Christian Hartig Christian Hartig sagt:

        In der Tat, eindrucksvoll beschämend. Aber, wann wurde das Bild aufgenommen? Das war die Frage. Bis wann herrschten in Lüneburg solche Arbeitsbedingungen? Lässt sich das herausfinden?

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      • Avatar von jj jj sagt:

        Leider nicht

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      • Avatar von Heidi Heidi sagt:

        Zwei ähnliche Situationen. Barfüßigkeit gehörte wohl zum Handwerk:

        Salzausperer um 1900 / Keltenmuseum Hallein

        Saline Reichenhall – Pfanne um 1900 (Foto Andreas Hirsch)

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      • Avatar von Hans Gehrke Hans Gehrke sagt:

        Barfüßigkeit war bis weit in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts ein Zeichen von Armut auf der untersten Stufe der sozialen Leiter. Die ersten „festen“ eigenen Schuhe gab’s frühestens zur Konfirmation. Solange wurde nach Alter „durchgereicht“. Auch wenn die Bilder „gestellt“ sind, damit das Foto nicht „verwackelt“, zeigen sie, dass das Leben für die Malocher in der Saline bitter war und das Sterben vermutlich ohne Weinlaub im Haar.

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  7. Avatar von Erwin Habisch ezwoh sagt:

    Bei der Bürgerbeteiligung zum Marienplatz kam eben nicht der Wunsch nach noch mehr Parkplätzen im öffentlichen Raum heraus wie in der Wilhelm-Leuschner-Straße. Darum waren es in der Wilhelm-Leuschner-Straße genug, beim Marienplatz zu wenig Leute… So wird Bürgerbeteiligung zur Show gemacht und den Bürgern klar gemacht, dass ihre Meinung nur zählt, wenn es die von SPD, CDU und FDP gewünschte ist.

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  8. Avatar von Anne König Anne König sagt:

    Zur – in diesem Betracht symptomatischen – Lüneburger Kant-Schildbürgerei (8 Millionen Euro, 4 Stockwerke, für 99 Prozent Fake- bzw. im 19. Jahrhundert nachgemachte Nippes-Exponate) Eröffnung vermutlich in 2 Jahren, i. e. zwei Jahre nach dem 300. Geburtstag des Namensgebers) hat Herr Wagner alles Wesentliche vorgetragen.

    Ja, das Salz ist wichtig, das weiße Gold, – aber ebenso das schwarze, die Hauptfarbe von Typen oder Lettern – und deren gewaltiger Einfluss auf das geistliche und das geistige Leben unserer Stadt.

    Auch der jahrhundertelang glanzvollen von Sternschen Drucker-Dynastie gebührt nämlich ein großer Raum im Museum Lüneburg. Deren zwölfjähriges unheilvolles, bis heute nicht professionell aufgearbeutetes Sich-Gemeinmachen mit dem nationalsozialistischen Massenwahn könnte, wenn es in einer Seitenkammer jenes „Museums“ endlich dargestellt wäre, einen stark in unsere Gegenwart weisenden Fingerzeig darauf geben, wohin prioritäres Gewinndenken, besinnungsarmes Mitbölken und verantwortungsscheues Wegschauen im Spagat zwischen Mediengeschäft und Journalistenethos führen können.

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