Keine Ahnung, wo Herr Webersinn radelt

Als ich vor einem Jahrzehnt das erste Mal in meinem Leben in Groningen in den Niederlanden war, fürchtete ich um mein Leben. Nicht, weil ich ein Deutscher war, sondern, weil ich mich von Radfahrer-Horden verfolgt und bedroht sah. Dabei zeigte die hölländische Zweirad-Kultur nur, wie weit wir Lüneburger hinterherhinken.

In Groningen hatten die Räder längst wie selbstverständlich in der Innenstadt die Vormachtstellung der Autofahrer gebrochen und die Innenstadtstraßen für sich reklamiert. Schöne Radwege, Vorfahrt an Ampeln, das Rad als schnellstes Verkehrsmittel. Und Lüneburg verkrampft sich heute noch an zweihundert Metern Ilmenausstraße. 

Und jetzt bekrittelt auch noch der ehemalige Verkehrsdezernent Michael Webersinn den Radring. Unnötig, überflüssig, falscher Ansatz. Was zeigt, das? Herr Webersinn radelt offensichtlich irgendwo anders oder artikuliert seine Ideen vom Grünen Tisch.

Lieber Herr Webersinn, Sie führen an, wer die Dahlenburger oder die Bleckeder Landstraße runter in die Stadt radelt, der sucht den kürzesten Weg. Das stimmt. Der fährt nicht durch die Ilmenaustraße. Insofern sei der Radring obsolet. Das allderdings ist Unsinn.

Es gibt zwei zentrale Anlaufpunkte in Lüneburg, den Sand und den Markt. Dazwischen liegen die Fußgängerzonen. Und wenn ich die Dahlenburger Landstraße runterradel, dann biege ich natürlich in die Ilmenaustraße ein, um zum Markt zu gelangen. Da rumpel ich nicht über das Kopfschmerz-Kopfsteinpflaster am Berge, umgekehr schon gar nicht. Und wie fahre ich, wenn ich von der Bleckeder Landstraße zum Sand will. Über Am Berge? Rumpel, rumpel. Nein, da fahre ich entweder über die Ilmenaustraße oder über Schleichwege – Lüner Straße, Rothehahnstraße, Finkstraße, Auf dem Wüstennort, Zollstraße, Glockenhof, Glockenstraße. 

Über die Zufahrten von Westen und Süden brauchen wir hoffentlich nicht zu streiten. Das jetzt auch noch ein ehemaliger Verkehrsexperte der Polizei anmerkt, Radfahrer zwischen Sand und Markt würden unter anderem die Bäckerstraße wählen, das ist vermutlich purer Sarkasmus.

Als vor vielen Jahren der Verkehrsplan für Lüneburg abgesegnet wurde, war damit auch ein Stadtring verbunden, der den Autoverkehr lenken und im Fluss halten sollte. Heute ist er eine sichere Bank, um im Stau zu stehen. Lüneburg wollte zwar den Individualverkehr um mindestens 25 Prozent senken. Das ist nicht gelungen, obwohl der Radverkehr um weit mehr als 25 Prozent gestiegen ist – E-Bikes und leider auch E-Roller machen es möglich. Vielmehr haben sich die Zulassungszahlen für Fahrzeuge in Stadt und Kreis vom Stichtag 1. Juli 1990 mit  86.229 Fahrzeuge zum 1. Januar 2025 auf 158.382 zugelassenen Fahrzeuge fast verdoppelt.

Wie steht es im Verkehrsentwicklungsplan, der mehr als dreißg Jahre alt ist: „Alle Bemühungen müssen darauf gerichtet sein, eine deutliche Minimierung des Kfz-Verkehrs zu bewirken. Dabei darf das im Plan angestrebte Ziel von ca. 25 % Reduzierung des Indiviudalverkehrs nur als Minimalziel angesehen werden.“ Auf dem Papier klingt das immer alles so einfach. 

Wenn ich jetzt also einen Wunsch zu Weihnachten frei habe, dann: Hört auf zu streiten über Rad, Auto oder Parkplätze, es geht auch um Zeichen, pflastert die Ilmenaustraße Rot mit großen Radsymbolen, dann ist schon viel gewonnen. 

Hans-Herbert Jenckel

Foto: danke Beate Kalisch

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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19 Responses to Keine Ahnung, wo Herr Webersinn radelt

  1. Avatar von Pittiplatsch der Liebe Pittiplatsch der Liebe sagt:

    „Konrad Adenauer misstraute dem politischen Verstand der Deutschen“ Mit Recht.

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  2. Avatar von Der echte Leser Der echte Leser sagt:

    Warum die Welt nicht untergeht, wenn Subventionen für Theater, Museen und Musikschulen gestrichen werden. Von Rainer Hank in der FAZ

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  3. Avatar von Der echte Leser Der echte Leser sagt:

    Finanz-Drama beim Theater Lüneburg – Landesgeld reicht nicht mehr

    Na, sowas aber auch. Die Selbstbedienung des Mittelstandes kann in einer Demokratie auch zu Ende gehen? Wer kann einen nackten Mann in die Tasche greifen? Politiker versuchen es immer wieder. Sie gehen gern dabei über die Leichen des kleinen Mannes und behaupten gern dabei, es bleibt ja für diesen dann ja auch was übrig. Wer profitiert dabei wohl am meisten? Die FAZ hat es erkannt. So mancher Nobelpreisträger auch.

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  4. Avatar von Otto Berg Otto Berg sagt:

    Ich wünsche allen Blog.jj-Joggenden, namentlich meinen guten Freunden, u. a. den Herren Althusmann, Beckmann, Bruns, Dr. Balmaceda, Eggeling, Fahrenwaldt, Groß, Dr. Kamp, Kohlstedt, Mencke, Dr. Meihsies, Pols, Schultz, Schulze, Schulz-Hendel und O.-B., einen guten Start ins herangaloppierende Dreivierteljahrhundert.

    Möge sich Herr Jenckel die Großherzigkeit und den Humor bewahren, die nötig bleiben werden, den freien Zugang zu seinem einzigartigen, weil einzig wahrem Lüneburger Forum für Debatten über „Lokalpolitik und Stadtleben“ offen zu halten.

    LG, O. B.

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  5. Avatar von Kerstin Rabeler Kerstin Rabeler sagt:

    Vielleicht gibt es gegenwärtig in Deutschland (und somit auch in Lüneburg) drei Arten von Menschen: erstens die, welche die ökologischen Probleme, den Angriff auf die freiheitliche Demokratie und den Generationenwechsel durch das Abtreten der „Boomer“ als Möglichkeit ansehen, die Lebensform zu erneuern, politisch, sozial und kulturell. Solche Menschen treffe ich gar nicht so selten. Zweitens jene, die durch die notwendigen Veränderungen verunsichert sind, überfordert durch die Komplexität der Situationen, die vor ihnen erstarren und lieber nichts als das Falsche tun. Und drittens die, denen auch nichts zur Gestaltung einfällt, die aber wütend sind, dass nichts passiert, dass neben die Veränderung einfach die Verwaltung eines Verfalls und leere bloß symbolische Reden getreten sind. Man bemerkt hauptsächlich die zweite und die dritte Gruppe, nicht die erste in der Öffentlichkeit. Gegenwärtig scheint die zweite die mächtigste. Hoffentlich stellt die dritte, die der einfallslos Wütenden, nicht bald die Entscheidungsträger.

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  6. Avatar von Der Leser/Reppenstedter Der Leser/Reppenstedter sagt:

    Da schreibt ein Bernie Wiemann Unsinn als Leserbrief über Reppenstedt und sein Fahrradweg. Freie Fahrt für freie Bürger soll das wohl wieder für Porschefahrer heißen, oder was sollte der Unsinn? Abschaffen der Verkehrsregeln? Radfahrer kommen auf der falschen Seite entgegen und natürlich , was die Batterie hergibt. Autofahrer werden nicht gezwungen Radfahrern in den Hintern zu fahren, um zu drängeln. Aber sie tun es. Wer Egoisten bremsen will, muss sie kontrollieren und zwar energisch. Man sollte bei diesen mal deren Charaktereigenschaften zum Führen eines Fahrzeuges überprüfen und den ,,Lappen,, wegnehmen, wenn er vorhanden ist. Nur eine Strafe, die wirklich droht, wird deren Verhalten ändern. Alle, die ihre Nackenmuskulatur lockern wollen, können sich mal im Zentrum von Reppenstedt ,Lüneburger Landstraße, hinstellen und sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer mit Fahrzeugen ansehen. Kopfschütteln ist angesagt.

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    • Mir ist gar nicht aufgefallen, dass sich der Berni Wiemann hier zum Vorschlag des »ehemaligen Verkehrsdezernenten« geäußert, hätte Herr Bruns.

      Wer dagegen – wie Frau König – das Foto von Michael Webersinn auf einem Transportrad bei der Mobilitätsausstellung in der Ehrenhalle des alten, von Jakob Wolff dem Jüngeren (1571–1620) konzipierten Nürnberger Rathauses aufmerksam betrachtet, der / die, bemerkt sofort, dass es dem ehemaligen mittelfränkischen Umweltreferenten, der »lieber dicke Bretter bohrte«, als »Effekthascherei« betrieb, mit seinem Bild um eine klare Botschaft ging:

      Nicht der autosuggestive Dr. Feelgood-Glaube, die elektrische Energie für die chinesischen Akkus am 9.800,- Euro teuren Lastenrad komme aus der einwandfrei »sauber« gespeisten Steckdose, schafft echten ökologischen, Umwelt und Gesundheit fördernden Mehrwert, sondern das eigenständig beherzte Strampeln zum Zwecke der Übertragung von muskulär erzeugter Bewegungskraft über Beine, Füße, Pedalen, Kurbeln, Zahnräder und Kette auf den Antriebsreifen. Ich wette, Herrn Jenckels Bonmot, »der Gebrauch eines Hilfsmotors sei Betrug an der Wade«, hat dem Sinn nach einen anderen Weber.

      Apropos »Nackenmuskulatur lockern«: Lauf ich am Friseur vorbei, dann guckt da einer raus und denkt: »Der könnte aber auch mal eine Frisur gebrauchen!« Lauf ich am Schuhgeschäft vorbei, dann guckt da einer raus und denkt: »Der braucht aber auch mal neue Schuhe!« Recht hat aber eigentlich nur der, der bei der Bank rausguckt.

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  7. ​Lieber Hans-Herbert,​

    kurz vor dem Fest wollte ich dir noch schnell einen Gruß ‚einfädeln‘!​

    Ich wünsche dir ein Weihnachtsfest, das so reibungslos verläuft wie eine Fahrt auf dem perfekten Radring – ohne Gegenwind, ohne Schlaglöcher und vor allem ohne rote Ampeln in der Familien-Kommunikation.​Lass die Tastatur mal im Leerlauf und genieß die Feiertage mit ordentlich Rückenwind. Möge dein Gabentisch dieses Jahr besser ausgebaut sein als das Lüneburger Radwegenetz und der Rutsch ins neue Jahr ohne Sturzgefahr gelingen!​Danke, dass du uns das ganze Jahr über mit deinen Texten auf Spur gehalten hast. Ich freue mich schon auf die nächste Etappe mit dir in 2026.​

    Herzliche Grüße und frohes Fest,

    Detlef Ossarek-Bruns

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    • Avatar von Rudi Radlos Rudi Radlos sagt:

      Die nächste Etappe, lieber Detlef? Vielleicht würde das passende Kostüm und eine schneidige Stimme die Angelegenheit (Kennwort: piepewurschtejal) etwas beschleunigen?

      Szene aus dem Film Hauptmann von Köpenick, 1956, Regie: Helmut Käutner (nach dem Soundtrack transkribiert):

      Fr.: Haste denn jar keene innere Stimme, die dir sagt…

      Voigt: Vorhin, uff’m Friedhof, da hab‘ ick se jehört, die innere Stimme. Da hat se jesprochen, da hat se zu mir jesacht: Mensch, hat se jesacht, einmal kneift jeder ’n Arsch zu – du auch, hat se jesacht, und dann stehste vor Jott dem Vater, der alles jeweckt hat, vor dem stehste denn, un der fragt dir ins Jesichte: Schuster Willem Voigt, wat haste jemacht mit dein‘ Leben, un dann muß ick sagen: Fußmatte!…Fußmatte, muß ick sagen, die hab ick jeflochen in‘ Gefängnis, un da sind se alle drauf rumjetrampelt. und Gott der Vater sagt zu mir: Jeh wech, sacht er, Ausweisung, sacht er, detwegen hab ick dir det Leben nich jeschenkt, det biste m’r schuldich, sacht er, wo isset? Wat haste ‚mit jemacht?…Un denn, Friedrich, denn isset wieder nischt mit de Aufenthaltserlaubnis…

      Fr.: Du pochst anne Weltordnung, Willem. Det is Versündigung.

      Voigt: Nee nee. So knickrich will ick mal nicht vor mein‘ Schöpfer steh’n. Ick wer‘ noch wat machen…mit mein‘ Leben… Is jut, Friedrich. Bis’n braver Kerl. Dank d’r für alles. Ick jeh. Ich wer’…Ich wer‘ noch wat machen nu…

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      • Avatar von Otto Berg Otto Berg sagt:

        Hier ein funktionierender LINK zur Käutner-Verfilmung von Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ aus dem Jahr 1956. In der 3sat-Mediathek bis zum 25. Januar 2026 verfügbar.

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  8. Avatar von Florian Grunau Florian Grunau sagt:

    Einzig die A 39 wird für eine vernünftige Verkehrsberuhigung sorgen.

    Doch der sehnlichst erwartete Bau ist noch Lichtjahre entfernt. Ärgerlich.

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    • Avatar von Rainer Mencke Rainer Mencke sagt:

      Ich war am Wochenende in Paderborn, dort gibt kaum Leerstand in der Innenstadt. Hier scheint die Stadtpolitik etwas anders ausgerichtet zu sein.

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    • Leerstand in der Paderborner City bereitet Sorgen

      Die IG Innenstadt ist nach eigenen Angaben besorgt über die aktuellen Leerstände. „Das Angebot in der Innenstadt muss in der Vollständigkeit und Vielfalt gegeben sein. Die Innenstadt lebt aus einer Symbiose aus Handel, Kultur, Gastronomie, Dienstleistungen und Verwaltung und muss für den Individualverkehr erreichbar bleiben“, lautete der Tenor.
      Quelle: Wesfalenblatt

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      Wir haben eine Leerstandswanderung durch die Paderborner Innenstadt gemacht und innerhalb von nur einer Stunde 20 leerstehende Objekte entdeckt. Hier eine kleine Videocollage dazu.
      Quelle: Zwischenstand e.V. Paderborn

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    • Avatar von Otti Scholze Otti Scholze sagt:

      Hei Rainer,

      noch schlimmer steht es um die Innenstadt von Buxtehude:

      Neue schmerzhafte Leerstände in Premiumlage

      Gleich drei nebeneinander liegende Ladengeschäftte an der Langen Straße stehen leer. Foto: Wisser

      In den vergangenen Monaten machten einige Geschäfte in der Buxtehuder Altstadt dicht. So viel Leerstand in kurzer Zeit fällt auf. Der Vorsitzende des Altstadtvereins ist in großer Sorge.
      Quelle: Stader Tageblatt

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      „Buxtehude stirbt langsam“: Beliebte Rösterei schließt – eine Stadt trauert
      Quelle: Kreiszeitung

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    • Avatar von Der Leser Der Leser sagt:

      Blödsinn wird nicht besser, wenn er ständig wiederholt wird. Welche Straße hat schon mal einen Stau verhindert? Der Deutsche ist schlichtweg ein Autonarr, dabei gibt es Alternativen. Nur dazu muss man seinen Egoismus besiegen. Und die Politik muss endlich mit dem Rumgeeiere aufhören. Die Ameisen sind da weit aus besser. Sie produzieren keine Staus auf ihren Straßen. Übrigens, einen Blick nach Barcelona könnte helfen.

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  9. Avatar von Florian Grunau Florian Grunau sagt:

    Wer ist eigentlich Michael Webersinn? Nie gehört von. Warum ist hier der Rede wert, was der sagt? Und wo hat der sich wann wie worüber genau geäußert?

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    • Avatar von jj jj sagt:

      Michael Webersinn hat einen Leserbrief in der LZ geschrieben.
      Er war Verkehrsdezernent im Rathaus zur Zeit der Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans.
      Ich glaube, er wurde dem OB damals zu Grün, obwohl das gar nicht seine Heimat war. Ging danach, so meine Erinnerung, nach Nürnberg. Für Lüneburg damals ein wichtiger Mann. lg jj

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      • Avatar von Anne König Anne König sagt:

        So ist es.

        In Nürnberg galt er sogar als bedeutender Mann, der mit den 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seiner Dienststellen einen kollegialen, Eigenverantwortlichkeit fördernden Umgangsstil gepflegt und viele Bürger der Stadt zum Umdenken und Befürworten von konkreten Verbesserungen im Umweltschutz angeregt habe.

        In der Winterausgabe des halbjährlichen Stadtmagazins von 2003, Nürnberg Heute Nr. 75, heißt es auf Seite 22, Spalte 2, unter seiner lässigen Sportsman-Photografie auf dem noch nicht elektrifizierten „Transportfahrrad“:

        Von der Mittelstadt Lüneburg war der Jurist 1997 nach Nürnberg gekommen, da ihn die komplexen Fragestellungen einer Großstadt interessierten. Seine Frau und vier Kinder zogen ebenfalls in die Frankenmetropole. Mit seiner Familie ist er jetzt wieder nach Lüneburg zurückgekehrt und arbeitet als Anwalt und Berater für Umweltfragen.

        Die sechsjährige Amtszeit des ehemaligen Nürnberger Umweltreferenten Michael Webersinn endete am 30. September 2003. Damal war er 56, dürfte heute also 78 Jahre alt sein. Zuletzt war er wohl in der Kanzlei Webersinn, Merve am Hirtenweg 3 in Oedeme tätig.

        Einer, der dem OB später auch „zu Grün wurde, obwohl das gar nicht seine Heimat war“, (und manchen Schranzen um den OB herum vielleicht auch zu bedeutend wurde), heißt übrigens Niels Michael Webersinn. Der führt heute „eine aufs Steuerrecht spezialisierte Beratungskanzlei für wirtschaftlich aktive Privatpersonen und den Mittelstand“ in Hamburg.

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  10. Avatar von Erwin Habisch Erwin Habisch sagt:

    Herr Webersinn mag äußern was er will. Das ist sein Recht und schadet niemand. Problematischer ist es, wenn diejenigen, die politische Entscheidungen treffen ohne ausreichende Sachkenntnis entscheiden – beispielsweise Jörg Kohlstedt von der SPD: „Ich fahre nicht über die Ilmenaustraße in die Stadt rein,
    ich fahre über Am Berge. Das ist der richtige Weg, da fahre ich nämlich gleich in die Innenstadt rein und nicht irgend so ein Herumgetörne.“
    Herr Kohlstedt wird vermutlich wie fast alle dort fahren Radler schneller als erlaubt unterwegs sein. Erlaubt ist ab Einmündung Kalandstraße nur Schrittgeschwindigkeit – Fußgängerzone, wie sie Herr Jenkel treffend anmerken. Wer vier bis fünf Mal so schnell über die Ilmenaustraße fahren darf und kann, wird sich das nicht antun.
    Damit nicht genug, beansprucht er dann auch noch die Deutungshoheit, darüber, was der richtige Weg sei.
    Die Fußgängerzone, die er dafür hält, ist es ganz gewiss nicht. In der sollen nicht Radfahrer herumkurven, sondern Fußgänger sich sicher fühlen können.
    Darum brauchen wir den Fahrradstraßenring.
    Der soll weitgehend mit Fördermitteln finanziert werden, die an Ziele gebunden sind: „Es sollen Anreize zum Umstieg vom motorisierten Individualverkehr aufs Fahrrad geschaffen werden, die zur Senkung der Treibhausgasemissionen beitragen.“ Mit dem Erhalt aller Parkplätze in der Ilmenaustraße wären also die Fördermittel komplett futsch – läppische 2,6 Millionen Euro.
    Und die gleichen Leute, die den Eigenanteil in Höhe von ca. 600.000 Euro für untragbar halten, haben vor einem Jahr noch einem Doppelhaushalt zugestimmt, der 2.178.400 € für diesen Fahrradstraßenring, aber auch jeweils 500.000 Euro für einen Kunstrasen und für Baumaßnahmen an einer Halle des MTV-Treubund enthält.
    Das hätte man alles den Vorlagen der Verwaltung entnehmen können. Eine Ratsmehrheit gebärdet sich aber anscheinend lieber als Wutbürger, die alles in Stadtrat und Ausschüssen platt machen, was irgendwie mit der Politik der Oberbürgermeisterin zu tun haben könnte.

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