Wahlen, Wahlkampf und die Medien, Jan macht’s richtig

Die Wirtschaft mag noch lahmen, die Besserwisserei läuft auf Hochtouren – auch als Wahlkampf bekannt. Meine Bitte: Bleiben Sie wachsam im Kommunalwahlkampf oder schalten Sie notfalls auf Durchzug. 

Egal, was heute ein Lokalpolitiker fordert, im Subtext läuft immer mit, dass er gegen das ist, was ein anderer gerade auf den Markt der Möglichkeiten geworfen hat. Denken Sie nur an das Szenecafe – egal, wo sie es etablieren wollen, der Widerstand der Nachbarn ist programmiert. Ob Parken, Radfahren oder Wohnungsmieten, ob Erbbauzins oder Baulandpreise, die Warnung vorm öffentlichen und privaten Schuldenkollaps oder die Frage, ob jetzt doch in Schulen und Straßen investiert werden sollte – jeder Lokalpolitiker hat die passende Antwort. Einzige Voraussetzung: Sie muss sich von den anderen Stimmen unterscheiden. Darum geht es ja auch, die eigene Kontur schärfen.

Für Medien sind Wahlen und Wahlkampf ein Minenfeld. Wie man es macht, hat diese Woche Jan Beckmann in der LZ gezeigt. Da geht es um die Wahl einer neuen Bauderzernentin, denn Heike Gundermann geht nach Jahrzehnten verdient. Neben viel Genöle hat sich auch eine verschmähte, aber in eigenen Worten „hochqualifizierte“ Bewerberin an die Fraktionen gewandt. Schon mal ungewöhnlich. Nach der Recherche und Lektüre von Beckmanns Artikel scheint das „hochqualifiziert“ doch sehr eindimensional. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie z. B. die Sozialdemokraten regiert hätten, wenn die Oberbürgermeisterin die Kandidatin vorgeschlagen hätte. 

By the Way: Wenn es noch Kritik am neuen Modell des hitzig diskutierten Erbbaurechts gibt, der Landesrechnungshof hat es durchgewinkt, und die Vizepräsidentin der Insitution sitzt in der Ratsfraktion der SPD, also falls noch Fragen sind….

Gemessen an dem, was auch in der Vergangenheit an Wahlversprechen abgegeben wurde, in der Praxis blieb bei allen Parteien vieles in der Etappe oder gar in der Schublade stecken. 

Dabei solten wir nicht alles auf die Goldwaage legen, im Kern geht es doch darum, dass die Parteien durch ihre Forderungen, egal, ob sie überhaupt umsetzbar sind, ihre Farbe konturieren wollen. Die Frage des Machbaren ist dabei erstmal zweitrangig.

Wichtig ist in diesem ganzen Ideen-Gestöber, dass sich danach wieder alle im Rat darauf einigen können, der Stadt Bestes zu wollen – das vermisse ich allzu oft im allgemeinen Bekritteln. 

Hans-Herbert Jenckel 

Fotomontage: ChatGPT

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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10 Responses to Wahlen, Wahlkampf und die Medien, Jan macht’s richtig

  1. Avatar von Rudi Radlos Rudi Radlos sagt:

    Der Rückgang des politischen Vertrauens, der sich in regelmäßig wiederholten Befragungen seit vielen Jahrzehnten abzeichnet, ließe sich vielleicht auch auf die Taktfreiheiten von Kameras, Mikrophonen und anderen Aufnahmegeräten beim Vorstellen von Wahlkandidaten auf Veranstaltungbühnen in Katzenstraßen zurückführen.

    ?

    Der Verfassungsschutz meint, der Vertrauensrückgang werde methodich von Leuten geschürt, die sich als Retter wollen preisen können:

    AfD in Niedersachsen gesichert rechtsextremistisch

    Vor vier Jahren hatte der Verfassungsschutz die AfD Niedersachsen bereits als Verdachtsfall eingestuft. Jetzt erfolgt die Hochstufung als „gesichert rechtsextremistisch“.

    Siehe: NDR-Niedersachsen, Stand heute, online am 17. Februar 2026 um 15:07 Uhr

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  2. Avatar von Gertrud Werner Gertrud Werner sagt:

    Die SPD stellte am Freitagmorgen Oliver Wozniok (47) als Oberbürgermeister-Kandidaten fürs Lüneburger Rathaus vor. Ein bescheidener Mann, der über sich und seine Vorhaben vage Auskunft, aber keine Grobheiten seinen Mitbewerbern gegenüber von sich gab.

    Letzteres übernahmen Jakob Blankenburg und Philipp Meyn, die bei der Vorstellung im Utopia an der Katzenstraße Amtsinhaberin Claudia Kalisch (Grüne) ebenso heftig wie anlass-, sinn- und inhaltslos attackierten.

    Dem notwendigen und schwierigen Bemühen Ihres Kandidaten Wozniok, sich auf angenehm nachwirkende Art rasch bekannt zu machen und sich in den Herzen der Lüneburger Wähler ein erinnernswertes Sympathieplätzchen zu erobern, haben die beiden kleinmütigen Mauler damit bestimmt keinen Gefallen getan.

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    • Avatar von Der Kampf ums wahre Gesicht. Das Risiko der Lächerlichkeit Der Kampf ums wahre Gesicht. Das Risiko der Lächerlichkeit sagt:

      Der Mensch, von dem Oliver Wozniok, Jakob Blankenburg und Philipp Meyn ja Vertreter sind, neigt dazu, vor seinen Mitmenschen zu übertreiben. Und zwar übertreibt er das Ausmaß, in dem er mit sich selbst eins und einverstanden ist. Besonders unter Unbekannten gibt er sich gern ein wenig konsequenter, als er sich selbst kennt, weil er insgeheim weiß oder ahnt, dass er mit Ungereimtheiten und Mehrdeutigkeiten in seinem Erscheinen nur Misstrauen wecken würde. Doch solche idealisierten Auftritte „aus einem Guss“ sind prekär, denn stets lassen sich Merkmale finden, die „seinem Wesen“ widersprechen.

      Andererseits gibt es ein starkes gemeinschaftliches Interesse daran, dass jeder Mensch cum grano salis so bleibt, wie er sich einmal dargestellt hat. Denn die anderen haben ihre eigenen Verhaltensweisen im Vertrauen darauf gewählt, dass ihr Gegenüber sich nicht plötzlich verändert benehmen wird. Treten dann trotzdem Irritationen aufgrund seiner Darstellungsgeschichte hevor, bringt das auch sie aus dem Konzept. Die Bereitschaft, anderen bei ihrer Selbstdarstellung zu helfen, ist dementsprechend groß. Man kann diese Hilfsbereitschaft als Zartsinn oder Fingerspitzengefühl bezeichnen.

      Wer andere nicht brüskiert, also auf mögliche Darstellungskritik verzichtet, zeigt „wachen Respekt vor der anderen Seele und damit die erste und letzte Tugend des menschlichen Herzens“. Man hilft dem anderen, „nicht aus der Rolle zu fallen“ auch wenn man hören und sehen kann, wie wenig er seinem „Schema“ gerecht wird. Ein Sprecher mimt Ruhe und Sicherheit, aber seine Hände zittern. Der Taktvolle wird dann nicht nur darauf verzichten, diesen Kontrast anzusprechen, er wird auch jeden weiteren Blick auf die Hände vermeiden.

      Die besten Beobachtungen über Achtsamkeit kann man bei geselligem Beisammensein anstellen. Das ist kein Zufall, denn soziale Situationen dieser Art leben davon, dass sie ihren Teilnehmern gefallen. Jeder Gast soll sich ungehindert so zeigen können, wie er gern wäre, ohne offenen Widerspruch fürchten zu müssen. Was in anderen Situationen mit dem Verbot des Eigenlobs kollidieren würde, das kann hier auf allgemeine Unterstützung hoffen, und wenn es nur in der Form höflicher Zustimmung ist. Erst auf dem Heimweg darf man über den Prahlhans lästern.

      In anderen Situationen wäre es naiv, Schonung zu erwarten, da Personen anwesend sind, deren Rolle diesen gar nicht zulässt, deutliche Unebenheiten in der Selbstdarstellungen wohlwollend zu ignorieren: Grenzbeamte bei der Ausweiskontrolle, Polizisten während der Vernehmung, Anwälte vor Gericht. Gemeinsam ist diesen professionellen Rezensenten laienhafter Schauspielkunst, dass sie die Einlassungen ihres Gegenübers mit unverhohlenem Misstrauen aufnehmen. „Taktlos“ kann man ihr Verhalten nicht nennen, denn das würde einen Anspruch auf schonende Behandlung voraussetzen, der hier gerade suspendiert ist; „taktfrei“ würde es besser treffen.

      Ein gutes Beispiel sind Fernsehinterviews mit Politikern. Gerade wenn der Politiker hinsichtlich einer gegebenen Lage nur die für ihn vorteilhaften Aspekte betont, soll der Journalist ihn mit entgegenstehenden Tatsachen konfrontieren oder Widersprüche zu anderen Äußerungen aufdecken. Der Journalist muss also hartnäckigen Unglauben zeigen, und wenn es ihm gelingt, den Gesprächspartner auf diese Weise zu verunsichern, gilt dies als Erfolg seiner Fragetechnik. Aus Sicht des Politikers unterliegt die Glaubwürdigkeit seiner Person, der eines Angeklagten ähnlich, permanentem Zweifel.

      Allerdings kann der zur Neutralität verpflichtete Journalist nicht offen, also dauerhaft und unverändert als Gegner des Politikers auftreten. Zum Ausgleich dieses Mangels behauptet sich inzwischen ein Typus von Talkshow, der auf eine Nachstellung bekannter Konfliktfronten hinausläuft. Entgegengesetzt eingestellte Sprecher werden als solche eingeladen und vorgestellt. Die Grenzen zum taktfreien Angriff, die dem Gastgeber gezogen sind, werden von den Gästen selbst überschritten, vor denen der Gastgeber dann, nicht selten ohne durchschaubare Scheinheiligkeit, den Besonnenen spielen kann.

      Solche Beobachtungen gerinnen leicht zu einer kleinen Theorie des „öffentlichen Schauspiels“. Vor dem Web-, Zeitungs- oder Fernsehkonsumenten trägt letztlich jede Art der „Präsentation“ zur Entzauberung „ranghoher“ Akteure bei, indem sie diese immer auch so zeigt, wie sie selbst vermutlich durchaus nicht gesehen werden möchten, zum Beispiel in grausam genauen Großaufnahmen ihres Gesichts oder in ungeprobten Situationen des schauderhaft verhaspelten Phrasengestammels. Den Rückgang des politischen Vertrauens, der sich in regelmäßig wiederholten Befragungen seit vielen Jahrzehnten abzeichnet, ließe sich vielleicht auch auf die Taktfreiheiten von Kameras, Mikrophonen und anderen Aufnahmegeräten beim Vorstellen von Wahlkandidaten auf Veranstaltungbühnen in Katzenstraßen zurückführen.

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  3. Avatar von Markus Schulz Markus Schulz sagt:

    Maja Lucht wird neue Stadtbaurätin der Hansestadt Lüneburg.

    Ich gratuliere und hoffe, die wahlkampfsalbadernden Vorfeldschlaumeier erinnern die Gebote demokratischen Anstands.

    Der Rat wählte heute die bisherige Leiterin der kommunalen Gebäudewirtschaft in Lüneburg einstimmig zur Nachfolgerin von Heike Gundermann. Die 49-Jährige übernimmt zum 1. Juni das Baudezernat.

    Bereits am Mittwoch hatte der Verwaltungsausschuss (VA) auf einer Sondersitzung einstimmig beschlossen, dem Rat die langjährige städtischen Mitarbeiterin vorzuschlagen. Sie wird zum 1. Juni ihre Vorgängerin und bisherige Chefin Heike Gundermann ablösen, die sich nach rund 30 Jahren im Amt in den Ruhestand verabschiedet.

    Bezug: LZ/WA, 12.02.2026, 18:46 Uhr

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  4. Dieses Thema ist wohl – zumindest für die Medien – im anstehenden kommunalen Wahlkampf kein Minenfeld mehr.

    Offenbar haben Rechtsbewusstsein und Gesetzestreue sich durchgesetzt. Ab sofort findet das politische Spiel nur noch auf der regionalen Finanzierungsbühne statt (siehe Eigenanteil LK LG). Juristische Prozesse im Anschluss an die Klagen Betroffener zählen nicht zum Feld der Politik, sondern der Verfassung. Ein Ausriss aus einem längeren Text zur Sache von Stefan Bohlmann in der Landeszeitung (online heute am 12. Februar 2026 um 10:30 Uhr):

    Jetzt ist es offiziell: Der Bau der Elbbrücke ist förderfähig. Jens‑Michael Seegers, Leiter des kreiseigenen Betriebs für Straßenbau und ‑unterhaltung (SBU), hatte die Neuigkeit kurz vor Sitzungsbeginn erreicht. „Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat bestätigt, dass der Bau der Elbbrücke förderfähig ist“, berichtete er dem Betriebs‑ und Straßenbauausschuss des Lüneburger Kreistags bei dessen Sitzung in Scharnebeck.

    In einem Bescheid sagt die Landesbehörde dem Landkreis Fördermittel von bis zu 75 Prozent der Gesamtkosten zu. Die Förderzusage gilt laut Seegers bis zum 27. Januar 2031. „Das heißt, wir können am 1. Oktober 2026 den Bau beantragen und 2027 beginnen“, erklärte er. Von den veranschlagten 96,5 Millionen Euro sind rund 72,2 Millionen Euro förderfähig. Die Mittel stammen aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, mit dem das Land kommunale Verkehrsprojekte unterstützt. Den Eigenanteil von rund 24,2 Millionen Euro trägt der Landkreis.

    Quelle: LZ/WA, online 12.02.2026, 10:30 Uhr

    PS: Morgen vor 14 Jahren, am 13. Februar 2012 feierte die Unesco zum ersten Mal den Welttag des Radios.

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  5. Mir ist ja selbst der Kommunalwahlkampf zu windig für die durchzugempfindlichen Ohren. Ich orientiere mich jetzt auf Bezirksebene. Es ist außerordentlich aufschlussreich, wie die Vertreter der verschiedenen Parteien mit den Problemen vor meiner eigenen Haustür umgehen oder sie abbügeln. BVV macht schlau, denn der alte Spruch lässt sich auch umkehren: Wie ’s Gescherr, so der Herr.

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    • Avatar von Georg Wüstenhagen Georg Wüstenhagen sagt:

      Ich verstehe Ihre Mitteilung nicht, werte Frau Hartwig. Wären Sie so gut und würden Ihre elaborierten Rätselworte für mich in die barrierefreie Einfache Sprache der Landeszeitung übersetzen?

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  6. Avatar von Roberta Kaufmann Roberta Kaufmann sagt:

    Zitat Jenckel:

    Wenn es noch Kritik am neuen Modell des hitzig diskutierten Erbbaurechts gibt, der Landesrechnungshof hat es durchgewinkt, und die Vizepräsidentin der Institution sitzt in der Ratsfraktion der SPD…

    Andrea Schröder-Ehlers ist m. E. 2023 nicht vom Landtag zur Vizepräsidentin des Landesrechnungshofes gewählt worden, weil sie rechnen kann. …

    Andrea Schröder-Ehlers hat bei der Landtagswahl 2022 ihr Direktmandat an Pascal Mennen (Grüne) verloren und schied aus dem Landtag aus. Da muss wohl der ebenfalls aus seinem Amt ausgeschiedene SPD-Daueroberbürgermeister Ulrich Mädge, so scheint es jedenfalls mir, bei seinem SPD-Kumpel Stephan Weil in Hannover mit dem Bescheid angeklingelt haben, für seine getreue Prätorianer-Chefin habe baldigst ein repräsentables Versorgungspöstchen die sich unter ihrem Ratssitz in Lüneburg auftuende Rentenlücke zu schließen.

    Ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung, — aber eine, die erklären würde, wie eine Bewerberin an eine Leitungsposition dieses Ranges gelangt, ohne die dafür erforderlichen Erfahrungen und Qualifikationen mitzubringen.

    Anstatt immerzu hinterbühnenzischelnde Verschwörungsfantasien in Lüneburgs tamtambegierige Aktualitätstrompeten einzuspeisen, wäre bei manchem senioren Ratsmitglied (w, d, m) ein gelegentlicher Selbsvergewisserungsgriff an die eigene Nasenspitze sicher heilsam.

    Baudezernentin-Nachtigall, ick hör dir trapsen…

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    • Avatar von jj jj sagt:

      Dass Ulrich Mädge sich für Andrea Schröder-Ehlers stark gemacht hat, kann nur eine Vermutung von Ihnen sein. Aus der Vergangenheit könnte auch ein anders Bild entstehen. Aber vermutlich wollten Sie nur mal auskeilen. lg jj

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      • Avatar von Otto Berg Otto Berg sagt:

        Lieber Herr Jenckel,

        ich lese Frau Kaufmanns Polemik als eine Ermunterung an Frau Schröder-Ehlers und an ihre ihr nachbetende (oder vorsagende) Leibgarde, zu bedenken, dass dem einen dünnen Finger, mit dem man unablässig auf andere zeigt, immer gleich drei pummeligere entsprechen, die auf einen selber weisen.

        Und monoton einseitige „Kritik“ bedeutet eben keineswegs in allen Fällen „die Zärtlichkeit des Journalisten“, wie auf manchem Lüneburger Anzeigenportal behauptet wird, sie kann auch als die obsessive Liebedienerei eines eifernden Gekränkten aufgefasst werden (besonders, wenn sie häufig mit mangelhafter Logik und windigen, im Internetz mit verstörender Naivität zusammengefingerten „Fakten“ operiert, die zusätzlich mit Falschzitaten angeblich „großer“ Männer „beglaubigt“ werden).

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