Phrasendrescher im Schlepptau des Terrors

20. Dezember

Die Trauer nach so einer Nacht ist groß. Die Phrasen von Politikern mit ADS, die jetzt reflexartig landesweit ihren Aktionismus ausleben und mehr Schutz für Weihnachtsmärkte fordern, sind unerträglich. Wann kommt die Forderung nach einem Schutzkonzept für christliche Kirchen, wann das Verbot von größeren Menschenansammlungen? Genauso unerträglich sind die, die es immer gewusst haben und jetzt nicht an sich halten können.

Es wird Tage und Wochen dauern, bis wir verstehen, dass wir nicht mehr vor Terror warnen, sondern mit dem Terror leben müssen oder wie immer man solche fanatischen Taten nennt, die jeden treffen können ohne Ansehen von Geschlecht, Religion, Hautfarbe und Herkunft. Überall. Mord als Mittel. Das Ziel heißt Vergeltung und Angst säen, destabilisieren. Der Polizeistaat ist das Ziel der Täter, nicht unserer Demokratie.

An einem Tag wird der russische Botschafter in Ankara auf offener Bühne erschossen, in Berlin sterben bei einem Terroranschlag viele Menschen. Weit mehr als hundert Terroranschläge zählt das Jahr 2016. Die Welt ein grausamer Ort. Und heute trägt Deutschland schwarz.

Das Lüneburger Rathaus flaggt heute halbmast. Der Weihnachtsmarkt auf dem Lüneburger Marktplatz wird wie jeden Tag öffnen. Nur das wird anders sein: Die Gespräche drehen sich vorm Rathaus um den Anschlag, die Gedanken sind in Berlin.

Nach dem Amoklauf von Utoya 2011 sagte der norwegische Ministerpräsident Stoltenberg: „Die Antwort auf die Attacken muss heißen: mehr Demokratie und mehr Offenheit. Andernfalls werden diejenigen, die dahinter stecken, ihre Ziele erreicht haben.“ Das ist leicht gesagt, verdammt schwer zu leben, aber der einzige Weg.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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