In Zeiten von Fake-News und Postfaktisch: Falschmeldungen haben eine lange Tradition

Postfaktisch als Wort des Jahres, Fake-News als Trend. Kein gutes Jahr für Journalisten. Der Ruf ist ramponiert. Dabei sind das altbekannte Tricks. Reichtum und Ruhm werden schon seit Jahrtausenden nicht nur durch harte Arbeit, Mut und Genialität, sondern auch durch Fake-News gewonnen wie die Konstantinische Schenkung, die dem Papst auf ewig Macht garantierte, oder die erfundene Schlacht von Clavijo mit dem heldenhaften Jakobus, der Santiago de Compostela auf immer als Wallfahrtsort gequälter Pilger Reichtum garantiert, obwohl Jakob nie, nie da war.
Natürlich ist auch das Jahr 2016 im kleinen Lüneburg nicht frei von Nachrichten, deren Wahrheitsgehalt begrenzt ist.

Man könnte zum Beispiel erstaunt glauben, die Grünen seien plötzlich auch für eine Elbbrücke. Im Kooperationspapier von CDU und Grünen im Kreistag steht, ich zitiere die LZ, dass nach neuen Lösungsansätzen gesucht werde – „dabei ist der finanzielle Spielraum des Landkreises zu beachten“. Klingt wie: Nichts Neues an der Elbe. Wenn Grüne überhaupt über eine Querung nachdenken, dann vermutlich über eine mobile Fußgänger-Pontonbrücke. Der Vorstoß könnte sich also als getarnter Fake rausstellen.

Oder das Tohuwabohu bei der Haltung der Hansestadt zur geplanten Bahntrasse Typ E. Mal hü, mal hott. Auch das hat Verwirr-, wenn nicht Fake-Potenzial.

Kommen wir zu Knallern, deren Fake-Gehalt erst die Zukunft beweist – in Klammern meine Prognose.

1.) Das Audimax kostet aufgrund „unerwarteter Kostensteigerungen im letzten Moment und der ungünstigen Witterungsverhältnisse“ unterm Strich 120 Millionen. (Fake-Faktor 20%)

2.) Für die SPD zieht in Lüneburg Friedrich von Mansberg in den Landtagswahlkampf. Warum? Landrat Manfred Nahrstedt (dann 69) sagt Ende 2017 tschüs. Parallel zur Landtagswahl im Januar 2018 wird die Noch-SPD-MdL Andrea Schröder-Ehlers seine Nachfolgerin. (Fake-Faktor 50%)

3.) Der Hallenbau verzögert sich, weil der Nabu auf dem Areal zwei Rotbauchunken und eine Haubenlerche ausgemacht hat, die erst gefunden und dann umgesiedelt werden müssen. Nabu-Chef Thomas Mitschke fordert jetzt mit Nachdruck ein Naturschutz-SEK. (Fake-Faktor 40%)
4.) Im Herbst 2017 endet Jamaika im Rat. SPD und CDU gründen eine neue Mehrheits-Gruppe. Das Zugeständnis der Roten: Der Schwarze Niels Webersinn wird wieder Gruppensprecher. (Fake-Faktor 60%)

5.) Überraschend stellt Kreisrat Krumböhmer fest, der die Elbbrücken-Planung wieder aufgegriffen hat, dass der Kreis weit mehr als 15 Millionen zuzahlen müsste und nicht kann. (Unerwartete Baukostensteigerung, Wetter etc. – Sie kennen die Leier ja.) Die Pläne verschwinden wieder in der Schublade mit der Zusicherung, nie wieder eine Bürgerbefragung an der Elbe anzustoßen. (Fake-Faktor 1%)

Es reicht jetzt. Das Gute zuletzt: Nach dem schwarzen Jahr 2016 sind sich alle sicher, dass es 2017 nur besser werden kann. Ich schließe mich dieser Einschätzung an – komplett unrecherchiert.

Frohes neues Jahr
Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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