Lüneburgs Stadtentwicklung braucht kein Hochglanzpapier

Lüneburg, 5. Juli 2017

Lüneburg gehört zu den Top-Mittelstädten Deutschlands beim Einwohnerwachstum. Das ist eine feste Größe im LZ-Berichtswesen. Das geht wieder aus aktuellen Quellen des Bundesinstituts für Bau, Stadt- und Raumforschung und des Forschungsinstituts F+B hervor. Und so stand es nun in der Süddeutschen Zeitung. Deutliches Zeichen: Die Immobilienpreise kennen nur einen Trend: teurer.

Um die Beliebtheit in Bahnen zu lenken, wird seit Jahren ein Stadtentwicklungskonzept für Lüneburg gefordert, damit das Laborieren an alten Flächennutzungs- und Bauplänen aufhört. Und da sage ich, das ist alternativlos.  Allerdings nicht, um den Weg frei zu machen für eine nächste Hochglanz-Broschüre zu Hochglanz-Preisen. Experten-Papier, das oft Makulatur ist, wenn sie fertig ist, weil die Entwicklung doch einen anderen Weg eingeschlagen hat. Es verstaubt in Regalen. Und der einzige Effekt: Der Rat hat Hunderttausende Euro atomisiert. Im 21. Jahrhundert sollte es eine dynamische digitale Stadtkarte sein, die Fallstudien erlaubt, die Hypothesen prospektiert, und Klippen, an die keiner denkt, markiert. Eine Karte, die der Bürgerbeteiligung, die am Anfang steht, eine gute Fakten-Grundlage gibt, an der man Entwicklungen ablesen kann.

Die Fakten für diese dynamische Stadtkarte, sie sind längst fast alle da. Sie schlummern in den Datenspeichern von Stadt, Landkreis, Land und Bund, beim Arbeitsamt, den Handels- und Handwerkkammern, und, und und. Man muss den Schatz nur heben und verknüpfen. In dem Fall ist der unbelegte Einstein-Satz: Wissen heißt wissen, wo es geschrieben steht, von Bedeutung. Und zwar damit die Stadtväter wissen, was sie tun.

Bevölkerungswachstum in einer Stadt wie Lüneburg ist keine erstrebenswerte Größe an sich,  Wachstum bedeutet nicht nur mehr Flächenverbrauch, sondern auch mehr Kitas, Schulen, Sporthallen, Altenheime, Krankenzimmer, Straßen und Folgekosten. Millionen an Investitionen. Und dafür weniger Grün und mehr Grau.

Zurzeit heißt das einzige Konzept, damit die Preise nicht weiter davon galoppieren und Makler und Bauträger pro Quadratmeter mehr und mehr verdienen, Bauland ausweisen, Lücken bebauen, Druck rausnehmen. Fläche versiegeln. Ohne Plan könnte man so in kürze das Bild der historischen Salzstadt  verhunzen. Und vermutlich den Trend trotzdem nicht stoppen.

Die Stadt muss also nicht die hausinternen Experten losschicken, damit sie für die externen Experten und ihre White-Lable-Papiere die Daten liefern, sondern sie sollte sie besser selber heben und verwerten. Selbst wenn dafür eine Stelle mehr nötig wäre in der Verwaltung, ist das billiger und führt bei klugen digitalen Schnittstellen dazu, dass die Daten immer up to date bleiben und nicht im Ratsdepot modern – staubiges Hochglanzpapier fürs gute Gewissen. Davon liegt da genug.

Hans-Herbert Jenckel

 

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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47 Antworten zu Lüneburgs Stadtentwicklung braucht kein Hochglanzpapier

  1. Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

    Liebe Leuphana Combo, unser Ratsherr Rainer Petroll hat doch ausreichend Stellung bezogen. Was wollt ihr von Michèl Pauly wissen?

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    • Doris, i. a. Leuphana Combo schreibt:

      Hallo Herr Fahrenwaldt,

      sind bei den Linken alle immer nur der Meinung von Rainer Petroll (der im Übrigen einen ausgezeichneten Beitrag geschrieben hat)?

      Uns würde interessieren, was Michèl Pauly insbesondere zur „digitalen Stadtkarte“ von Hans-Herbert Jenckel und Kevin Schnell sagt und wie er sich gegenüber Friedhelm Feldhaus, Ulrich Blanck, Ortwin Riechel, Peter Luths und Niels Webersinn positioniert.

      Und wenn Sie schon einen so guten Draht zu Fraktionsvorsitzenden haben, bringen Sie doch bitte Klaus-Dieter Salewski mit einem Late Night-Call dazu, sich hier auch einmal zu äußern. (Oder können Sie uns seine Haltung zur Sache erläutern?)

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  2. Klaus Bruns schreibt:

    meine herrschaften, haben sie nicht auch das gefühl, dass das pferd mal wieder von hinten aufgezäumt werden soll? sozialer wohnungs bau ,gut und schön, aber warum? weil die menschen zu wenig geld verdienen um die ,,normale,,miete zahlen zu können. niedersachsen gehört beim verdienst zum ende der fahnenstange, da ist lüneburg keine ausnahme. wie wäre es dieses mal zu ändern, anstatt für zukünftige ,,slams,, zu sorgen? menschen in not muss selbstverständlich sofort geholfen werden, aber was kommt danach? gibt es in der lüneburger politik auch eine strategie, arbeitsplätze ,die anständig bezahlt werden, ran zu holen? bitte nicht so ,wie in der fußgängerzone , eine filiale nach der anderen, bei mieser zahlungsmoral der konzerne.

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  3. Doris, i. a. Leuphana Combo schreibt:

    Hallo Herr Pauly,

    wollen Sie sich nicht mal grundsätzlich zu dem Vorschlag von Hans-Herbert Jenckel äußern? Die SPD hat da offenbar mal wieder außer einem bockigen Nein aus Prinzip nichts weiter zu sagen.

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  4. Georg Grothe schreibt:

    Auf der Höhe der Zeit „sollte es eine dynamische digitale Stadtkarte sein“? „Die Fakten sind längst fast alle da . . . Man muss den Schatz nur heben und verknüpfen“?

    Mit blumigen Bekenntnissen für eine schöne, friedliche Welt, in der es allen bessergeht, warten auch die Bosse der Silicon-Valley-Konzerne jedes Mal auf, wenn sie ihre Produkte unter die Leute bringen. Dabei geht es in Wahrheit um die möglichst rechts- und datenschutzfreie und steuergünstige Ausbeutung der digitalen Existenz aller Menschen und die Eroberung neuer Märkte in allen Bereichen. Demokratische Verhältnisse sind da einerlei.

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  5. Katja Wagner schreibt:

    Die begründeten Meinungen von Klaus-Dieter Salewski, Niels Webersinn und Michèl Pauly zu diesem Thema würden mich mal interessieren.

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    • Niels Webersinn schreibt:

      Sehr geehrte Frau Wagner,

      eine breite Datenbank die auf Basis aller verfügbaren Daten eine Entwicklung, die Konsequenzen etc. Möglich macht, würde ich begrüßen. Eine Planbarkeit aller Handlungen ist wünschenswert und in Zeiten von BigData durchaus machbar aus meiner Sicht. Man sollte sich mal vertieft anschauen, wo es schon etwas Vergleichbares gibt in Deutschland.
      Genauso kritisch sehe ich die nicht erfolgte Novellierung des Flächennutzungplan bzw. Die immer nur partielle Anpassung. Allerdings habe ich auch mittlerweile die Information erhalten, dass die Neuaufstellung des FNP durchaus nach hinten los gehen kann. In anderen Kommunen, wie beispielsweise Freiburg, eine Stadt die mitnichten bürgerunfreundlich handelt, haben sich alle verschiedenen Interessengruppen so in die Haare bekommen, dass die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans anscheinend derzeit abgebrochen wird. Jede Interessensgruppe hat nur die eigenen Interessen vor Augen gehabt nach dem Prinzip „Not in my backyard“ oder St-Florian-Prinzip.
      Interessant finde ich in dem Zusammenhang mit Städteplanung die Aussagen der grünen Stadtplanerin in Frankfurt, die schlichtweg die Wohnungsfrage als die soziale Frage der wachsenden Städte der Zukunft ansieht und den Wohnungsbau, sozial und normal als unausweichlich ansieht, dies aber im Einklang mit möglichst sinnvoller Planung. Dem würde ich auch folgen wollen.
      Daten für die Stadtentwicklung haben wir zur genüge: seit dem ich Ratsherr bin, seit 2011, habe ich mindestens 3 oder 4 unterschiedliche Initiativen erlebt, sowohl aus der Stadtbevölkerung als auch von der Uni, deren Daten vielleicht mal aggregiert werden sollte, zum Beispiel vom Nachhaltigkeitsbeauftragten.

      Grundsätzlich gilt für mich: dem Wachstum können wir uns nicht versperren, ohne dies zu Lasten der Schwachen (junge Familien, Arbeitnehmer mit geringem Einkommen (alles unter 2.500 brutto)) zu machen. Daher müssen wir Bauen und das in jedem Stadtteil und jeder Lüneburger muss bereit sein Einschnitte in seine bisherige privilegierte Situation hin zu nehmen. Das ist innerstädtische Solidarität. Dafür benötigt es einen Plan, aber schnell, denn sonst steuern wir immer mehr in die Probleme hinein, zumal wir dringend neue Schulen brauchen, wie die heutige Berichterstattung in diversen Zeitungen zeigt. Schulen, Kindergärten und Gesundheitsversorgung sind die Themen, die dann entsprechend angepasst werden muss und auch die Verkehrsinfrastruktur muss angepasst werden. Denn trotz aller Bemühungen auf Fahrrad und ÖPNV umzusteigen, muss man auch zur Kenntnis nehmen, dass auf jeden Bundesbürger über 18 ein PKW kommt. DIes wird sich auch in Zeiten der Elektromobilität wenig ändern, denn wir entwickeln uns zu einer immer individualisierten Gesellschaft, die individuellen Verkehr möchte.

      Nun habe ich viel geschrieben – erstmal alles, was mir so in den Kopf kommt. Fürs erste soll das reichen und falls Fragen offen geblieben sind, werde ich sie in den nächsten Tagen und Wochen, so wie es meine Zeit zu läßt zu beantworten. Ihr Niels Webersinn

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    • Thorsten Kruse schreibt:

      Lieber Ratsherr Webersinn,

      ich grätsche mal in Ihren Briefwechsel mit Frau Wagner, dem ich entnehme, dass Stadtentwicklung, obwohl Sie vor diesem Hintergrund geradezu eine neue Soziale Frage heraufdämmern sehen, auch für Sie weit mehr ist, als die themenplakative karlheinz-fahrenwaldtsche Forderung nach öffentlich gefördertem Wohnungsbau. Man kann ja nicht einfach tausende und abertausende von erschwinglichen Appartements beidseitig entlang der Universitätsallee als intervenierende architektonische Kontraposition zum obszönen Hundermillionen-Luxus des byzantinischen Libeskind-Palastes 38 Meter hoch stapeln und dann darauf hoffen, die ihnen entsprechende „Einbettung“, Kindergärten, Tagesstätten, Schulen, Arenen, Sport- und Freizeitanlagen, Ausbildungsplätze, Pädagogik- und Ingenieursstudiengänge neuen Typs, die hippen Startups und die beschäftigenden Betriebe, die Kulturhallen, Parks, Straßen, Fahrradschnellwege, Krankenhäuser, Solarbahnen, usw., usf., würden sich unter der wundertätigen Regie von Hiltrud Lotze, Sascha Spoun und Rainer Petroll einfach wie durchs Blinzeln der bezaubernden Jeannie dazu gesellen.

      Auch für die Nutzung elektronischer Hilfsmittel und moderner Datenverarbeitung sind Sie ohne Einschränkung, also ohne den Verdacht, es könnten Auskunftspflichten und Freiheitsrechte in Konflikt geraten, sehen aber gewisse Probleme im Hinblick auf die verlangte Bürgerbeteiligung. Sie fürchten aus gutem Grund den Streit der Parteiungen bereits auf der sogenannten „basisdemokratischen“ Ebene, der, wie wir seit Thomas Hobbes spätestens wissen, meist sehr viel unerbittlicher gerät als auf der stellvertretend „parlamentarischen“, weil dort die hier geregelten und auch heilsam einschränkenden Verfahren institutionalisierter sowie gesetzlich gestützter und geschützter Geschäftsordnungen nicht gelten.

      Ich erinnere mich immer wieder gerne an den öffentlichen Erörterungstermin von Ende Juni 2013 zur Verkehrsführung für die geplante Brücke zwischen Neu Darchau und Darchau in der Oberschule Dahlenburg, bei welchem sich Stellungnehmer und Landrat noch einmal über das Für und Wider der verschiedenen Trassenvarianten und die Haltung „des Landkreises“ zu den vorgebrachten Argumenten austauschten. Im Vorfeld hatten Bürger, Gemeinden und Organisationen insgesamt zwanzig Stellungnahmen zum „Raumordnungsverfahren Elbbrücke“ eingereicht. Rund fünfzig Bürger sowie Vertreter von Kommunen, Umweltschutzverbänden und Organisationen saßen einem juristisch gerüsteten Dutzend von Landkreisvertretern und Gutachtern gegenüber. Zwanzig Jahre edelsten Bekennertums hatten Tatkraft und Zielbewusstsein aller damals Anwesenden stählern gefestigt. Es war herrlich! Den weiteren Verlauf und den Ausgang kennen wir alle.

      Trotz der Erfahrung mit dieser komödiantischen Aufführung, deren Protagonist sich über ein Vierteljahrhundert lang, vor großem Publikum operettenhaft nach allen Seiten flötend, im Todeskampf gewunden hat, bin ich nach wie vor der Meinung, dass plebiszitäre Beteiligung bei derart wichtigen Fragen im lokalen Kontext wichtig ist, auch wenn die Prozesse dadurch verlängert werden und sich oft frustrierend mühsam gestalten. Muss nicht jeder dem anderen zunächst immer unterstellen, er sei als Träger des Volkswillens mündiger Bürger mit ausreichend Kompetenz in politischen Urteilen (dank Bildung, Zugang zu Informationen und demokratischem Bewusstsein)? Natürlich ist die Festlegung der Agenda, des Zeitplans und der Abstimmungsgegenstände, des Verfahrens zur Auswahl von Beteiligten, der Herbeiführung von Entscheiden und der Verbindlichkeit (dezisiv oder konsultativ) des Ergebnisses immer die Sache unserer gewählten Kommunalvertretung, des Rates nämlich. Sollten wir hier nicht zwischen Routine- und Ausnahmeverfahren unterscheiden, Herr Webersinn? Müssen wir nicht Peter Luths recht geben, der betont, dass Bürgerbeteiligung, d. h. „direkte Demokratie“, nie Alternative ist, sondern immer Ergänzung, Korrektiv, Balancierung der repräsentativen Demokratie? Und liegt nicht auch Herr Feldhaus richtig, der mir, um es einmal im Kleid der Computermetaphorik von Herrn Jenckel zu formulieren, auszudrücken scheint, die repräsentative Demokratie sei gewissermaßen das „Betriebssystem“, ohne das die Anwendungsprogramme „Demokratie“ und „direkte Demokratie“ nicht lauffähig seien? Könnte man Ihren Einwand gegen das Risiko eines Meinungsbürgerkrieges um das Thema Stadtentwicklung nicht mildern, indem man zunächst klarstellt, auch unsere städtische repräsentative Demokratie sei keine – von der direkten Demokratie aus betrachtet – Demokratie zweiter Klasse, — sondern die Bedingung der Möglichkeit jeder Art von Demokratie?

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      • Niels Webersinn schreibt:

        Sehr geehrter Herr Kruse,

        Erst einmal eine kurze Antwort, zwischen Fortbildung und Abendprogramm:

        1. DIe Stadt hat schon viele Daten, die die Verwaltung schon jetzt nutzt um Vorlagen für Ratsentscheidungen vorzubereiten. Auf Basis der Daten des Standesamtes werden Kindergärten und Schulbezirke für Grundschulen geplant, alles ganz legal, anonymisiert und ohne Verletzung von Rechten der Bürger. Wir haben auch noch viel mehr Daten: EInzelhandelsgutachten, Verkehrsflüsse etc. All diese Daten müsste man in einem Simulator zusammen einspielen können, ein großes, reales SimCity. Selbstverständlich muss man auch da schauen, das man es Rechtssicherheit gibt. Da allerdings all diese Daten auch über das Allris-System frei verfügbar sind, dürfte es da keine Schwierigkeiten geben. Aber dann kann man am Ende vielleicht auch problemlos feststellen, dass wir eine neue Grundschule in Kaltenmoor benötigen, eine Feuerwache, wie von der CDU schon seit einiger Zeit gefordert, zur Absicherung der Bevölkerung etc….oder eine Apotheke um den Anwohnern, vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, eine sichere Versorgung zu gewährleisten und so weiter…

        2. Ich befürchte keine Beteiligung der Bürger. Das ist zwingend notwendig. Ich hinterfrage bloss, ob die althergebrachten Mittel immer die richtigen Mittel sind. Ich stelle auch in Frage, ob ein Flächennutzungsplan die adäquate Lösung für unsere Probleme ist.
        Ich erlaube mir aber, wenn Sie mir diese Skepsis unterstellen, den Hinweis, dass gerade mal drei Bürger 2012 bzw. 2013 an dem Bürgerhaushalt interessiert waren von 75.000 Bürgern.

        Soviel fürs erste. Ich freue mich auf den weiteren Austausch mit Ihnen! Ihr Niels Webersinn

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      • Thorsten Kruse schreibt:

        Lieber Ratsherr Webersinn,

        ich danke Ihnen für Ihre ausführliche Antwort.

        Zu 1.: Klar, es gibt viele Daten und Datenbanken. Diese zu einer zentralen, komfortabel handhabbaren, integrierten, dynamischen Stadtkarte zusammenzuführen, darin sehe ich das Neue des Jenckel-, Feldhaus-, Schnell’schen Vorschlags. Man kann dann praktisch per Knopfdruck anschaulich machen, was der Apothekenneubau in Kaltenmoor für die Bachbefestigung in Oedeme bedeutet und wie sich beides auf die Tiefgaragenplanung neben der Spar-Arena Lüneburger Rand auswirkt.

        Zu 2.: Ich meinte nicht, Sie würden Bürgerbeteiligung fürchten. Ich hatte zu verstehen geglaubt, Sie würden das darin liegende Konfliktpotenzial sehen und darum, wie Herr Riechel oben, zu besonderer Aufmerksamkeit in der Anfangsphase raten. Der und Herr Schnell hatten sich ja aus genau diesem Grund für die Einrichtung einer „Smart City-Dialog-Plattform“ zu Beginn ausgesprochen.

        Nach meinem Dafürhalten besteht wischen einem Flächennutzungsplan und einem umfassenden Stadtentwicklungskonzept ein großer Unterschied – ungefähr wie der zwischen dem Zähneputzen und einer kompletten Sanierung des Beißapparates.

        Dass die allermeisten Bürger an lokalpolitischen Details nicht wirklich interessiert sind, ist auch nach meiner Erfahrung die andere Seite der „modernen“ Moser- und Beschwerdekultur in sozialen Netzwerken. Auch hier würde die während der Formations- und Findungsperiode zur freien Verfügung stehende Dialogplattform helfen, die Spreu der uninformiert nölenden Dauermauler vom Weizen der – aus welchen Motiven auch immer – wirklich sach- und lösungsorientiert Engagierten zu trennen.

        Auch ich freue mich, dass Sie hier teilnehmen und mir und anderen Ihre Vorstellungen entgegenhalten, damit wir uns nicht von vornherein auf Holzwegen vergaloppieren, die bloß ins Dunkle und Abseitige führen.

        LG, Thorsten Kruse

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  6. Kevin Schnell schreibt:

    Liebe Frau Meinert,

    ich möchte Ihnen teilweise widersprechen.

    Die „digitale Karte“, von der Herr Jenckel schreibt, wäre das „Gesicht“ oder die Schauseite einer komplexen, sich ständig (im günstigsten Fall automatisch) aktualisierenden Datenbank, die sich dahinter verbirgt. Dieses „Interface“, das heißt diese spezielle Grafische Benutzeroberfläche (oder Mensch-Maschine-Schnittstelle) würde der Bereich sein, an dem autorisierte Personen mit dem damit „verknüpften“ digitalen Zettelkasten über entsprechende Programminstrumente interagieren.

    Eine solche „dynamische digitale Stadtkarte, die Fallstudien erlaubt, die Hypothesen prospektiert, und Klippen, an die keiner denkt, markiert“, kann aber gerade kein reiner „Datensandhaufen“ mehr sein, wenn jene bereits „der Bürgerbeteiligung, die am Anfang steht, eine gute Fakten-Grundlage geben soll, an der man Entwicklungen ablesen kann.“

    Jede „Karte“ lenkt bereits den Blick des Betrachters nach Gesichtspunkten, die sie als relevant auszeichnet. Schon wenn man den rechtlich bestimmt nicht immer unproblematischen Zugriff auf bestimmte informative Mikrodaten wie Auskünfte über Unternehmen, Haushalte oder persönliche und sachliche Verhältnisse von Merkmalsträgern (Alter, Geschlecht, Bildungs- und Erwerbsbiographie, Einkommen, Krankheiten, Vorstrafen, Mitgliedschaften, Vorlieben, Gewohnheiten, etc.) einmal außer Acht lässt (von demographischen Metadaten wie Schlüsselverzeichnisse, Erhebungsunterlagen oder Beschreibungen der verwendeten Verfahren zur Anonymisierung ganz zu schweigen), bleibt die Tatsache, dass spezifische Einzelangaben ausgewählt, zusammengetragen, nach bestimmten Hinsichten sortiert und in die neue „digitale Kartendatenbank“ eingespeist werden müssen. In Ihren Worten, Frau Meinert: Der Jenckelsche „Sandhaufen“ wäre folglich bereits mit Hilfe von weitgreifenden – und weitgehend vorentscheidenden (!) – Hypothesen „analysiert“ und seine Komponenten wären zu einer neuen „Synthese“ zusammengeführt worden, einem kartographischen Gesamtbild relevanter Fakten für die Stadtentwicklung nämlich, das nun mit der Autorität technologischer Avanciertheit eventuelle Einsprüche marginalisieren könnte.

    Darum folge ich Tanja Bauschke (B90/GRÜN), Ulrich Blanck (B90/GRÜN) und Peter Luths (CDU) und sage: Die Bürgerbeteiligung bzw. -mitarbeit und erste Bürgergerbeschlüsse, welche Auswahlkriterien und Relevanzgesichtpunkte festlegen, müssen der Erstellung einer dynamischen (d. h. ständig nachjustierbaren) „digitalen Stadtkarte“ vorausgehen – und zwar bald!

    Das von Herrn Jenckel vorgeschlagene Verfahren ist unter Stadtplanern seit etwa zehn Jahren als „Smart City-Konzept“ bekannt. Im Vergleich zu Bezeichnungen wie „Sustainable City“, „Green City“ oder „Klimaneutrale Stadt“ betont der Begriff „Smart City“ erstens die Nutzung der neueren Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für eine moderne, i. e. effiziente und mittelfristig erheblich kostengünstigere elektronische Infrastruktur als Lösungsansatz und zweitens dass die Vernetzung und Integration aller wichtigen Aufgabenbereiche eine herausragende Rolle spielt. Also in etwa die Bereiche, über die Herr Petroll geschrieben hat:
    – Mobilität
    – Energie
    – Umwelt
    – Wirtschaft
    – Governance (Verwaltung, Planung, Gestaltung unter Einbeziehung aller Betroffenen)
    – Mensch und Lebensqualität (Wohnen, Kultur, Bildung, Versorgung, Arbeit, Austausch, Freizeit, Erholung)

    Aber die Angehörigen unserer (politischen) Verwaltungsspitze haben – mit wenigen Ausnahmen – bisher kaum einen Begriff von diesem Schlagwort. Leider ist – trotz ihrer gebetsmühlenhaften Sonnenscheinrhetorik von der hanseatischen Zukunftsstadt – den wenigsten klar oder begreiflich, dass mit „vielen Daten, Sensoren und Rechnern“, mit integrierten Infrastrukturen und mit digital gestützter Kommunikation und Partizipation ein höherer Wirkungsgrad geschaffen, Ressourcen geschont und der Lebensstandard verbessert werden können. Digitalisierung, Datafizierung und Vernetzung sind also zentrale technische Bausteine „smarter“ Städte.

    Unter „Smart Cities“ wird also die Aus- und Aufrüstung der Städte und ihrer Infrastrukturen mit digitaler Technologie verstanden, die Verknüpfung bisher getrennter Infrastrukturen oder ihrer Teilsysteme. Zu „Smart Cities“ gehört auch die Modernisierung kommunaler Entscheidungs-, Planungs- und Managementprozesse unter (pemanentem (!)) Einbezug von Bürgern, der Attraktion von privatwirtschaftlichem Kapital und der intensiven Nutzung von Daten zur Verbesserung des Nachfrage-Leistung-Verhältnisses (auch und besonders mit Rücksicht auf finanziell schwächere und schwächste Einwohnergruppen). „Smart Cities“ sind daher ein urbaner Ausdruck des Zeitalters der Digitalisierung.

    Auch werden unter dem Schlagwort „Smart Cities“ die Digitalisierung und die „intelligente“ Vernetzung der Städte (die natürlich immer nur so „intelligent“ sein kann wie ihre „Designer“) häufig als bedeutendste Strategie und goldener Schlüssel auf dem Weg zu einer nachhaltigeren, innovativeren und lebenswerteren Stadt von morgen gehandelt.

    Für Lüneburg und die Gemeinden im Kreis kann Digitalisierung durchaus neue Möglichkeiten öffnen, kommunale Aufgaben mit ihren Mitteln effektiver zu lösen. Verschiedene Infrastrukturen (Verkehr, Energie, Ver- und Entsorgung) und urbane Dienste (wie Bildung, Gesundheit und Freizeit) können verknüpft und integriert gesteuert werden. So könnten zugleich erwünschte soziale, ökonomische und ökologische Effekte erzielt werden, die sich mit „Bauchgefühl“ und Pi mal Daumen nie erreichen ließen.

    In der öffentlichen Diskussion wird das Thema Smart City allerdings von den Euphorien über die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung geprägt. Eine gesellschaftliche Debatte darüber, ob es auch Risiken gibt und was angesichts der traditionellen Aufgaben einer Stadt und der Herausforderungen der Zukunft wirklich „smart“ ist, wird eher am Rande geführt.

    Werden sich die Wirkungen der digital vernetzten, der digital aufgerüsteten Infrastrukturen und der neuen Daten-Infrastrukturen auf unser Leben, auf unsere Stadt von den bisher bekannten Wirkungen unterscheiden? Und wenn ja, wie? Wie verändern sich Beteiligung, wie der Diskurs zwischen Stadtgesellschaft und Stadtpolitik durch digital gestützte Kommunikation? Welche digitalen Instrumente sind für Lüneburg oder – besser – für Lüneburger nutzbar? Wie wird der Stadtverkehr der Zukunft aussehen? Wie die Verwaltung? Wie der Umgang miteinander? Wie können wir aus den Erfahrungen anderer Gemeinwesen (auch in anderen Ländern) lernen? Das sind Fragen, die im Zusammenhang mit so einem Projekt aufzuwerfen und im Vorfeld wenigstens vorläufig befriedigend zu beantworten wären.

    Angesichts der existierenden, zu erwartenden und denkbaren Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung auf die Entwicklung einer Stadt ist es nicht einfach zu beurteilen, was aus stadtentwicklungspolitischer Perspektive wirklich „smart“ ist. Diese Frage geht über sektorale oder technische Fragestellungen und das wirtschaftliche Management einer Stadt hinaus. Auch sind Digitalisierung und Vernetzung kein Selbstzweck.

    Ziel muss vielmehr sein, Lüneburg als zentralen Ort sozial ausgeglichen, ökologisch nachhaltig, wirtschaftlich stabil, schön und lebenswert zu gestalten und seine Administration (Rat und Verwaltung) in seiner Verantwortung und Gestaltungskraft für diese Aufgabe zu stärken.

    Es muss daher vor allem darum gehen, was Lüneburg braucht, um seine zentralen gesellschaftlichen Anforderungen und Herausforderungen zukunftsangemessen zu bewältigen. Die Frage, die im Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern zu beantworten wäre, ist, wie digitale Lösungsansätze dabei helfen und sich in nachhaltige, am Gemeinwohl orientierte Gesamtkonzepte einfügen lassen.

    Um diese – notwendige – Debatte so bald und so breit als möglich zu führen, könnte zum Beispiel die Landeszeitung unter der Federführung von ihrem Onlinechef und geschäftsführenden Redakteur Hans-Herbert Jenckel eine Dialogplattform „Smart Lüneburg“ einrichten.

    Mit der Dialogplattform Smart Lüneburg würde eine interdisziplinäre Chancen- und Risikodebatte über die digitale Transformation unserer Stadt initiiert werden. In einem mehrstufig, moderierten Dialogprozess könnten Vertreter der Stadt und des Kreises, aber auch von Landes- und Bundesressorts gemeinsam mit der betroffenen Zivilgesellschaft auf dieser Plattform die digitale Transformation unserer Stadt diskutieren. Aus einer interdisziplinären Chancen- und Risikodebatte könnten so gemeinsame „Leitplanken“ und Beurteilungskriterien zur Digitalisierung im Kontext einer nachhaltigen Stadtentwicklung (als Goethesch/Meinertsche Arbeitshypothesen) identifiziert und formuliert werden. Dabei würden zugleich kommunale Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten untersucht und die Rolle der Stadtorgane im digitalen Wandel gestärkt.

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    • Kevin Schnell schreibt:

      Nachtrag:

      Die Antwort von RA Peter Luths an Frau Meinert und „die lieben Herren“ Hansen und Schubert (oben, 7. Juli 2017 um 16:36 h) wurde freigeschaltet, während ich noch am Tippen meines Beitrages war. Seine Erläuterungen ergänzen sich mit meinen Ausführungen von eben (7. Juli 2017 um 21:14 h). Mit dem von ihm vogeschlagenen Verfahren stimme ich nahezu vollständig überein, würde aber den ersten Schritt in der – gemeinschaftlichen – Erarbeitung eines „Pflichtenkatalogs“ für die Anfertigung der Jenkelschen Digitalkarte sehen, die dann zugleich als Konkretisierung der Meinertschen „Hypothese“ wie des Jenckelschen „Faktenreservoirs“ die nachfolgende „Leitkonzept-Debatte“ orientiert und vorstrukturiert und damit den (im besten Gadamerschen Sinne) aufsteigenden „hermeneutischen Zirkel“ von ständig wechselndem interpretatorischem Vorgriff und korrigierend präzisierender Revision aufgrund anwachsender Informationen ermöglicht.

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  7. Klaus Bruns schreibt:

    Lüneburg gehört zu den Top-Mittelstädten Deutschlands beim Einwohnerwachstum. Das ist eine feste Größe im LZ-Berichtswesen.
    und warum ist das so? durch eigene leistung? oder doch eher durch die rentner aus berlin,oder hamburg? oder durch junge familien aus hamburg und berlin, die dort sich das leben nicht mehr leisten können?da man in lüneburg sehr schlecht bezahlt wird, außer man ist bei einer behörde beschäftigt, gibt es immer mehr pendler. die schreien dann gern auch mal nach neuen straßen und autobahnen. die wertschöpfung, findet die etwa in lüneburg statt? wohl kaum . die zonenrand -mentalität ist hier noch sehr weit verbreitet. nicht nur ein dachziegel mag manches wissen.

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    • Mark Kregel schreibt:

      Sie meinen, auch ein Dachschaden könnte da manchem Schornsteinfeger etwas voraus haben?

      Die jungen Familien aus Hamburg oder Berlin versauen also in Lüneburg die Mietpreise? Warum nicht die aus Paris, New York und Tokio? Wie ich höre, soll die Uelzener Straße zwischen Kant- und Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße im September in Boris-Becker-Chaussee umbenannt werden, weil der rundliche Recke von London aufs Feldbett im Keller des THC-Vereinsheims umzieht.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Mark Kregel
        warum soll es lüneburg anders gehen, als reppenstedt?mein nachbar ist gebürtiger berliner, arbeitet als diplom-ing in hamburg. er hatte vorher mit seiner familie in hamburg gewohnt. es wurde ihm dort zu teuer. reppenstedt ist eine beliebte adresse für hamburger. dadurch steigen auch bei uns mieten und grundstückskosten. aber dieses ist doch bekannt. verdrängung von oben nach unten ist doch an der tagesordnung.

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  8. „Ein Dachziegel mag manches wissen, was der Schornsteinfeger nicht weiß.“

    Ob das Wissen über Stadtentwicklung in Lüneburg zugenommen hat, weiß ich nicht, die Interjektions-Zeichen haben gewiß zugenommen. Wo man sonst bloß ! setzte, da steht jetzt!!

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    • Thea schreibt:

      Lieber Detlef,

      Ob das Wissen über Stadtentwicklung in Lüneburg zugenommen hat, weiß ich auch nicht, Ihre Unsinnsmeldungen haben gewiß zugenommen!!

      Hier ein Poem mit viel Selbstdiagnosepotential: https://www.youtube.com/watch?v=-GHWb-pbpUI

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    • Rutzi schreibt:

      DAS HALBE AUSRUFEZEICHEN

      es
      lässt die
      ruhigen Gemüter
      aufzucken rüttelt das
      schlechte Gewissen
      duldet keine Wider
      rede ja keinen ein
      spruch euer ehren
      ist du sollst nicht
      du darfst nicht
      hier spricht
      die strenge
      autorität
      barsch
      punkt
      aus

      kann
      wohl gellend
      schreien gebieten
      von herzen lachen
      aber auch zum
      glück

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  9. Lars Trede schreibt:

    Hallo Herr Jenckel,

    dass OB Mädge die Erarbeitung eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes mit allen Mitteln (offenbar sogar durch Übertreibungen an der Grenze zur Unehrlichkeit) verhindern will, finde ich total krass. Siehe: https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/842772-bedenken-verstaendlich

    Denken Sie nicht auch, dass es sich bei einem hier nötigen Invest von vielleicht € 300.000,- um hundert Mal besser angelegtes Geld handelt als etwa bei der Millionensumme, welche demnächst in die teure Arena-Fehlplanung inmitten der würgenden Parkraumnot an der Lüner Rennbahn gepumpt wird?

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  10. tanja Bauschke schreibt:

    Liebe Interessierte,

    ich freue mich, dass es zu diesem Thema einen Blog gibt und ich halte die Ausführungen von Herrn Jenkel hierzu für absolut zutreffend und auch zeitlich dringend diskussionswürdig. Im Bericht der LZ im Interview mit dem Grünen Fraktionsvorsitzenden Blanck werden die Ergenbnisse der kommunalrechtlichen Prüfungen bekannt, wonach alles nur eine Frage des Geldes ist, nicht aber des Inhaltes. Hier bestimmt der Rat:
    Deswegen möchte ich darauf hinweisen, dass der derzeig geltende Flächennutzungsplan von 1981 ist! Derzeitig ist er 83 X fortgeschrieben und bildet so ein einziges Stückelwerk. In seiner ursprünglichen Form ist er noch händisch zeichnerisch dargestellt.Dazu gibt es noch nicht einmal digitale Aufzeichnungen ( denn wo gab es die denn schon vor 35 Jahren….?).Es ist also gar nicht so einfach, diesen als einen Gesamtplan mit all seinen Änderungen darzustellen bezw zusammenzuführen. Das alles ist in den letzen 25 Jahren der Zeit des derzeitigen OB versäumt worden!
    Der OB konstatiert einen möglichen Stadtentwicklungsplan immer wieder als ein Werk für das Bücherregal, weil er weiß, dass er keinen rechtsverbindlichen Rahmen hat und das ist damit im Umkehrschluß sein Faustpfand: So kann man alles beim alten System lassen, dass man weiterhin Änderungen anschließt, um damit auch in exquisiten Zirkeln die zukünftigen Bauleit-und Bebauungsplanungen auszuloten.
    Also, alles was hilft und in Zukunft wegweisend sein kann, und auch die Rechtslage fordert, ist endlich einen F-Plan (mit all seinen Fachplänen genau in den Bereichen Stadtentwicklung Verkehr, Wirtschaftl. Entwicklungen, Grünordnung, Soziales etc)), fort-oder neu zu schreiben. Natürlich, das kostet Geld meint die anvisierten Summen, wie sie im der LZ-Bericht genannt sind. Aber die letzte Stadtratssitzg. hat m.W. die hierfür erforderlichen 2 Stellen im Bauamt nicht genehmig oder durchgsetzt!.
    Pro Jahr wären hier ggf 100.000,- € anzusetzen und so kommt man (allerdings ohne weitere Planungsbüros) auf die Summe von 300.000,- € in 3 Jahren!
    Warum soll dafür das Geld nicht ausgegeben werden? Auch, wenn die Planungszeit lang ist, bedeutet das keinen Stillstand in den lfd Planungen oder dringend weiter kurzfristig anberaumten Planungen, was gerne als Hilfsargument dagegen verwendet wird. So wird ja ohnehin schon seit 3 Jahrzehnten verfahren! Denn ein F-Plan sollte nach Fachkreisen schon alle 15 Jahre fortgeschrieben werden! Und er bietet endlich die erhoffte Rechtsverbindlichkeit in den weiteren Bebauungsplanungen .
    Daher wünsche ich der JameikaGruppe, dass sie sich in den kommenden Haushaltsplanungen von Weissagungen des OB nicht beirren lässt und dieses neue Regel-oder fast schon Wunderwerk (auf Lüneburger Verhältnisse bezogen..) auf den Weg bringt, um damit endlich Klarheiten zu schaffen.

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  11. Julia Meinert schreibt:

    Liebe Herren Fahrenwaldt, Feldhaus, Hansen, Luths und Mencke,

    es gibt einen kleinen, kaum beachteten Text von Goethe über „Analyse und Synthese“ aus dem Jahre 1829. In dem heißt es:

    „Die Hauptsache, woran man bei ausschließlicher Anwendung der Analyse nicht zu denken scheint, ist, daß jede Analyse eine Synthese [in Form einer Hypothese nämlich] voraussetzt. Ein Sandhaufen läßt sich nicht analysieren; bestünd‘ er aber aus verschiedenen Teilen, man setze Sand und Gold, so ist das Waschen eine Analyse, wo das Leichte weggeschwemmt und das Schwere zurückgehalten wird.
    (…)
    Eine große Gefahr, in welche der Analytiker gerät, ist deshalb die: wenn er seine Methode da anwendet, wo keine Synthese [bzw. eine gedankenleitende Annahme] zugrunde liegt. Dann ist seine Arbeit ganz eigentlich ein Bemühen der Danaiden; und wir sehen hiervon die traurigsten Beispiele. Denn im Grunde treibt er doch eigentlich sein Geschäft, um zuletzt wieder zur Synthese [hier: zu einem „ganzheitlichen“ Stadtentwicklungskonzept] zu gelangen. Liegt aber bei dem Gegenstand, den er behandelt, keine zum Grunde, so bemüht er sich vergebens, sie zu entdecken. Alle Beobachtungen werden ihm immer nur hinderlich, je mehr sich ihre Zahl vermehrt.“

    Das leuchtet unmittelbar ein: Bevor ich mir nicht im Klaren darüber bin, wonach ich suche, kann ich einen Sandhaufen nicht „analysieren“.

    Hans-Herbert Jenckel geht noch einen Schritt weiter zurück und sagt: bevor man Fragestellungen und Hypothesen bilden, um dann in deren Licht zu analysieren beginnen kann, muss man diesen Sandhaufen doch erst einmal haben!

    Der Jenckelsche Sandhaufen sind „die Fakten“ für seine „dynamische Stadtkarte“, die „längst fast alle da“ sind: „Sie schlummern in den Datenspeichern von Stadt, Landkreis, Land und Bund, beim Arbeitsamt, den Handels- und Handwerkkammern, und, und und. Man muss den Schatz nur heben und verknüpfen.“ Das heißt, (1.) der Datensand ist da, (2.) man muss Zugang erhalten, (3.) ihn zu einem Haufen zusammenkehren UND IHN DANN (4.) unter allen für relevant erachteten Gesichtspunkten analysieren und „verknüpfen“ und auf diese Weise nutzbar machen.

    Natürlich muss man, bevor man beginnt, außerdem beschlossen haben, dass man Sand und nicht Laub zusammenkehren will. Aber das ist trivial. Entscheidend ist, dass der Haufen (mit den Fakten) zunächst gewollt und da (bzw. zugänglich) sein MUSS (Schritte 1 bis 3) und ERST DANN gefragt werden KANN (Schritt 4), wie – und warum so und nicht anders – die Kriterien lauten, nach denen analysiert, geordnet und gewichtet werden soll, damit anschließend „Wissen wirklich wissen heißt, wo es geschrieben steht. Und zwar damit die Stadtväter wissen, was sie tun.“

    Also, liebe Herren Fahrenwaldt, Feldhaus, Hansen, Luths und Mencke. Ihre Vorschläge in allen Ehren. Aber Sie sollten zunächst über die ersten drei Schritte die vernunftgebotene Einigkeit erzielen und die Verwaltungsleitung damit beauftragen, sie ausführen zu lassen, bevor Sie sich im Rahmen Ihrer weltanschaulichen Präferenzen über den vierten (und die dann folgenden) – auf hoffentlich sachdienliche Art – in die Wolle kriegen.

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  12. Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

    Liebe Julia Meinert, wenn man ein Problem in der Politik nicht lösen will gründet man eine AG oder bestellt extern ein Konzept. Aber durch Aussitzen löst man das Problem der drohenden Wohnungsnot nicht. Noch besteht die Chance, mittelfristig Abhilfe zu schaffen. Jede AG oder jedes Konzept schiebt die Problemlösung vor sich her. Die dann durch Sozialwohnungsbau infratrukturell auftretenden Probleme kann man anhand von konkreten Fakten angehen. Sandkastenspiele helfen bei konkreten Problemen nicht weiter!

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    • Klaus Bruns schreibt:

      Karlheinz Fahrenwaldt für deine kommentare bist du in der falschen partei.besser wäre es , du würdest keiner partei angehören, dann wird man auch sensibler für die probleme, die wirklich anstehen.diejenigen, die den zugriff auf die kassen der gesellschaft haben, lassen es vermissen . auch ein herr jenckel hat da sein problem. zeit ist geld.politiker fühlen sich gestört, wenn man sie außerhalb ,,der,, reihe befragt. ein redakteur fühlt sich gestört, wenn er auf sein online-hobby reagieren soll.

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    • Rainer Petroll schreibt:

      Hallo Herr Jenckel,
      Ihre Ausführungen könnte ich im wesentlichen unterschreiben.
      Sozialer Wohnungsbau ist sicher eines der wichtigen Themen der linken Stadt- und Kreistagsfraktion. In unserem Stadtrats-Antrag „Zur sozial gerechten Bodennutzung“ vom März 2015 steht:“„Wichtigste Aufgabe der Stadtentwicklung ist bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Über das im Frühjahr 2016 von der Stadtverwaltung vorgelegte Wohnungsbauprogramm freuen wir uns. Besonders, weil wir viele Ideen aus unserem Antrag wiedererkennen. Das wird auch Zeit, denn in den letzten ca. 10 Jahren ist für sozialen Wohnungsbau in der Stadt Lüneburg und dem Landkreis so gut wir gar nichts passiert. Egal ob CDU/SPD oder rot/grün regiert haben, im Gegenteil mit dem Hanseviertel wurde und im Ilmenaugarten wird ein Nobelviertel gebaut, das bis jetzt nur Besserverdienenden vorbehalten ist. Es wurde immer wieder als Grund die fehlenden Bundes- und Landesmittel angegeben. Wenn jetzt von Bund und Land jeweils ca. 400-500 Millionen € bereitgestellt werden, dann ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.
      Aber zu dem Stadt-Wohnungsbauprogramm dazu gehört nach m.E. auch ein Klimagutachten und ein Stadtentwicklungskonzept in dem alle Aspekte des urbanen Wachstums oder auch der Begrenzung des Wachstums für Wohnungsbau-Verkehr-Grünanlagen usw. erfasst und laufend fortgeschrieben werden. Zum Beispiel sollten wir den Grüngürtel um die Stadt, der im Westen noch gut intakt, aber in anderen Richtungen schon etwas schlechter aussieht, nicht vergessen. Für alles das ist eine umfassende Bürgerbeteiligung sehr wichtig. Das hat die Stadt für den Bereich Wienebütteler Weg bereits sehr gut durchgeführt. Ich war bei der ersten Veranstaltung dabei als ca. 80 Anwohner/rinnen über die Bebauungspläne informiert wurden und sich viele für Arbeitsgruppen zu Themen wie Verkehr, Grünflächen, Bauflächen usw. angemeldet haben. So sollten auch möglichst viele Lüneburger/rinnen beim geplanten Stadtentwicklungskonzept beteiligt werden. Wir haben im Stadtrat zusammen mit der Jamaika Gruppe abgestimmt, für die Einstellung von 35.000,- € in den Haushalt für die Bürgerbeteiligung am Stadtentwicklungskonzept. Unser Oberbürgermeister hat mit der SPD dagegen gestimmt, dagegen geredet und die Kommunalaufsicht eingeschaltet um das zu verhindern. Die Antwort der Kommunalaufsicht war negativ für Oberbürgermeister Mädge. Wenn unser Oberbürgermeister behauptet, das Stadtentwicklungskonzept würde 600.000,- € kosten erkenne ich daran seine Verhinderungsstrategie. Das Gleiche hat er schon mit dem geplanten Klimagutachten gemacht, als er dafür im Stadtrat Kosten von 300.000,-€ nannte um es zu verhindern. Die tatsächlichen Kosten liegen bei ca. 20.000,- € !?
      Beim Bauverwaltungsamt der Stadt Lüneburg und der LüWoBau werden schon seid Jahren wenig Planungsleistungen von eigenen Mitarbeitern erbracht, da zu wenig Architekten und Ingenieure vorhanden sind. Die Personaldecke hat sich in den letzte Jahren noch verschlechtert, weil in Rente Gehende teilweise nicht ersetzt wurden. Der städtische Eigenanteil an Architekten-Planungsleistungen wurde von Frau Gundermann mit ca. 20-30% angegeben. Viele Mitarbeiter im Bauverwaltungsamt sind überlastet. Aber der Oberbürgermeister möchte wohl möglichst mit dem vorhandenen Personal auskommen. Wenn also kostengünstig ein Stadtentwicklungskonzept erstellt werden soll, dann können das sicher nicht die sehr guten aber zu wenigen Mitarbeiter der Stadtbauverwaltung leisten. Dafür müsste nach m.E. mindestens ein Ingenieur/Architekt mit dem Studium-Schwerpunkt Stadtplanung/Stadtentwicklung eingestellt werden.
      „Der teure schlanke Staat“ Deutschland hat mit ca. 11% Bediensteten im öffentl. Dienst weltweit die wenigsten öffentlich Bediensteten. Schweden mit 30% weltweit führend. Geht es den Schweden deshalb schlechter als uns? Nein umgekehrt, der Lebensstandard ist deutlich höher als bei uns. Mehr als 2,5 Millionen Stellen wurde in 25 Jahren im öffentl. Dienst abgebaut. „Privat läuft alles besser und billiger“ wurde uns jahrelang eingeredet. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Jeder Bürger merkt es: Wir haben zu wenig Polizisten, Finanzbeamte, Krankenschwestern und eben auch Architekten in den Bauämtern.
      Als langjähriger Mitarbeiter des staatlichen Baumanagements Lüneburg habe ich in den neunziger Jahren die schleichende Privatisierung von Planungs-Aufgaben miterlebt. Von ehemals ca. 100 Mitarbeitern sind z.Z. nur noch ca. 50 übrig. Ich musste private Ingenieurbüros fachtechnisch begleiten und deren Rechnungen anweisen. An der Höhe der Honorareordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) konnte ich erkennen, dass die abgerechneten Summen für private Erledigung ca. doppelt so teuer sind als die staatliche Erledigung.
      Die Linke Fraktion im Stadtrat hat zur Ratssitzung am 02. Juni 2016 die Bildung einer interkommunalen Architektengemeinschaft (2 Architekten) beantragt. Die Gemeinschaft sollte zur Kosteneinsparung im sozialen Wohnungsbau beitragen. Der Antrag wurde vom Oberbürgermeister Mädge und der Ratsmerhrheit leider abgelehnt. Es ist doch ein Jammer, dass in der Stadtverwaltung bezüglich Stadtentwicklung, Energiewende, Verkehr, Wohnungsbau usw. so wenig Kompetenz vorhanden ist, dass immer mehr Ingenieurwissen teuer eingekauft werden muss.
      Rainer Petroll

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    • Jörg Thomann schreibt:

      Hallo Herr Fahrenwaldt und Herr Petroll,

      hier die Verbindung zu zwei lesenswerten Artikeln zu Ihrem Fokusthema:

      Lüneburgs Hauskäufer: Alt, reich und kinderlos. Weil die Preise steigen, wird das Wohnen in manchen Gegenden Deutschlands zum Luxus. Das spüren vor allem Familien mit Kindern: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/immobilie-alt-reich-und-kinderlos-1.3582726

      Und – frei nach Wladimir Iljitsch Uljanows „Что делать?“ von 1902:

      Was Deutschland (also auch Lüneburg) gegen die Wohnungsnot tun muss. Union und SPD sind schon 2013 angetreten, den Wohnungsbau zu stärken und den Anstieg der Mieten zu bremsen. Doch in kaum einem anderen Feld klaffen die Ziele der Regierenden und die Realität so weit auseinander. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/samstags-essay-die-grosse-soziale-frage-1.3577786

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Lieber Jörg Thomann, mit der Förderung von Wohneigentum und einer nicht funktionierenden Mietpreisbremse kann man die herrschende Wohnungsnot nicht beheben. Nach meiner Meinung ist der Bau von Sozialwohnungen vorrangig zu betreiben. Der von uns geforderte Drittelmix (Sozialwohnungen, Normalwohnungen und Eigentumswohnungen) kann die Wohnungsnot nicht verhindern. Meine Forderung an die Stadt ist daher weitergehender: Die städtische Lüwobau soll ab sofort nur noch Sozialwohnungen bauen und die dafür vorhandenen Standorte habe ich oben benannt. Der von Jamaika geforderte Stadtentwicklungsplan kann dann parallel dazu entwickelt werden.

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  13. Klaus Bruns schreibt:

    wie wäre es, studenten der leuphana da mal ranzulassen? es soll ja studienfächer geben, die auch ,,mal,, was sinnvolles zulassen. preiswerter wird es dann bestimmt.

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  14. Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

    Mir erschließt sich nicht, warum ein zeit- und geldaufwendiges Stadtentwicklungskonzept erstellt werden soll. Die Fakten sind doch bekannt: Es fehlt an für Normal- und Geringverdiener bezahlbarer Wohnraum! Die jetzt fertiggestellte und noch in der Planung oder im Bau befindlichen Wohngebiete sind doch Schwerpunktmäßig im hochpreisigen Bereich angesiedelt. Es gibt in der Hansestadt zum einen genügend Baulücken, die mit Sozialwohnungen zielgerichtet geschlossen werden können. Darüber hinaus ist es ein Anakronismus, in Citynähe das ehemalige Lucia-Gelände als Industriebrache vegetieren zu lassen anstatt dort Sozialwohnungen entstehen zu lassen. Auch das Gelände von Eisenhändler Schröder eignet sich besonders für Sozialwohnungen; für Industriebetriebe ist am Hafen noch genügend Platz. Dafür benötigt man keinen Stadtentwicklungsplan sondern nur den Willen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Und was die Einbeziehung der Öffentlichkeit betrifft: Das Beispiel des zur Zeit beim Landkreis laufende Verfahrens zur Findung eines Mobilitätskonzepts von zwei privaten Beratungsunternehmen hat bisher im Ergebnis dazu geführt, dass rund 80 % der Bürgerfragen nicht in die Bearbeitung einbezogen werden.

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    • Rainer Mencke schreibt:

      Sehr geehrter Herr Fahrenwaldt, nur die Wohnungsproblematik zu sehen, ist zu kurz gesprungen – für die tausenden Neubürger in den nächsten Jahren braucht man auch weiterführende Konzepte für den Verkehr, Schulen, Kindergärten usw. !

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    • Julia Meinert schreibt:

      Hallo Herr Fahrenwaldt,

      Herrn Jenckel geht es zunächst um die Professionalisierung einer Vorgehensweise (unter Ausnutzung bereitliegender technischer Hilfsmittel), nicht schon sofort um die Rangordnung von Inhalten!

      Im Übrigen hat Herr Mencke recht. Stadtentwicklung ist der Name einer Aufgabe, die praktisch alle Aspekte urbanen Wachstums erfasst, gewichtet und zueinander ins wünschenswerteste Verhältnis setzt. Möchten Sie sich einen ersten Eindruck darüber verschaffen, worum es dabei im Einzelnen sowie im Ganzen geht, lesen Sie sich vielleicht zunächst einmal die klar strukturierte Arbeitshilfe über integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte für Kommunen durch, die uns das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Referat I 4 – Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung im August letzten Jahres zur Verfügung gestellt hat:

      http://www.staedtebaufoerderung.info/StBauF/SharedDocs/Publikationen/StBauF/Arbeitshilfe_ISEK.pdf?__blob=publicationFile&v=5

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  15. Rainer Mencke schreibt:

    Selbst für die Organisation einer Kindergeburtstages schreibt man sich eine Einkaufsliste und einen Merkzettel um nichts zu vergessen – die Organisation der Stadtentwicklung sollte dann wohl auch einen Merkzettel (Stadtentwicklungskonzept) zur Abarbeitung haben ! Was hierbei der Rat, die Ausschüsse und die Verwaltung selbst leisten kann und welche Fragen von Experten gelöst werden müssen, wird sich zeigen. In jedem Fall muss die Diskussion erlaubt sein und die künftige Stadtentwicklung strategisch geplant werden !

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  16. Peter Luths schreibt:

    Lieber JJ,
    ich fürchte, die weitere Stadtentwicklung ist zum einen zu komplex und zum anderen nicht auf die städtebaulichen Fragen zu beschränken, um sie mit Bordmitteln zu lösen. Richtig ist hingegen, dass es nicht weiterer teurer Hochglanzpräsentationen bedarf.
    Wenn ich nach den Vorzügen unserer Hansestadt gefragt werde, nenne ich vier Punkte:
    – Die Salzfunde im Mittelalter haben uns bis heute im Stadtbild sichtbaren Wohlstand gebracht;
    – die Überlegungen der Engländer, hier nach dem Krieg ihren Regierungssitz zu etablieren und folglich nicht zu bombardieren, hat ihn erhalten;
    – in den 1940er Jahren hat es starken Zuzug aus den Ostgebieten gegeben, der für frische Impulse für Wirtschaft und Kultur und eine offene Gesellschaft gesorgt hat;
    – und die Stadtväter haben es immer verstanden, bedeutende Einrichtungen staatlicher Verwaltung, der Justiz, der Bildung, der Kultur einschließlich der Fernsehunterhaltung, der Gesundheit und der Wirtschaftsverwaltung hierher zu holen, die interessante Menschen in die Stadt geholt und dort gehalten haben, die wiederum in besonderer Weise Kultur, Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten und vieles andere mehr nachfragen und vielfältige Impulse setzen, die es vergleichbar sonst nur in mindestens doppelt so großen Städten gibt.
    Diese Kombination ist mir sonst noch nirgendwo begegnet. Hinzu kommt die Lage mit der gesunden Nähe zu unserem großen Vorort im Nordwesten und die davon ausgehenden Möglichkeiten. Wenn es jetzt noch eine bessere Straßenanbindung in Richtung Süden und Osten gäbe …
    Das alles schafft Nachfrage. Hierfür gezielte Angebote bereitzuhalten, erfordert Planung.
    Basis könnte ein Runder Tisch sein, an dem im Rathaus Eingeborene und Zugezogene, Fachleute und Generalisten, jedenfalls aber Lüneburg-Lieb-Haber in einer ersten Phase Eckpfeiler entwickeln könnten, wie unsere Stadt in zehn, 30, 50 Jahren aussehen könnte, um danach für einzelne Bereiche in Arbeitsgruppen mit der Verwaltung Optionen zu entwickeln.
    Du fändest an dem Tisch sicherlich auch Deinen Platz …
    Beste Grüße,
    Peter Luths

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    • Patrick Hansen schreibt:

      Sehr geehrter Herr Luths,

      wenn ich mir Ihren Beitrag so durchlese, frage ich mich, woran Sie eigentlich bisher gedacht haben, wenn Sie über Lüneburg und seine politisch-administrative Struktur gegrübelt haben.

      Gibt es für eine Stadtverwaltung und das zur Gemeindevertretung berufene Kollegialorgan des Rates neben Verwaltung und Erhaltung denn eine wichtigere Aufgabe als — eben: Stadtentwicklung im umfassendsten Sinn?

      Und kann es einen vernünftigen Grund geben, diese Entwicklung nicht von morgen früh an auf der Basis aller, auch der, wie von Herrn Jenckel skizziert, mit modernen und hochgradig differenzierenden Mitteln und Methoden erreichbaren (nach Maßgabe der anstehenden Aufgaben und Probleme analysierten) Daten zu konzipieren, zu planen und zu gestalten? Sie tun ja gerade so, als würde wir in unseren Ämtern noch mit Rechenschiebern und Logarithmentafeln hantieren und – wie am Ende eines Krieges nach einem kompletten Archivverlust – quasi bei Null anfangen müssen.

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    • Daniel Schubert schreibt:

      Lieber Herr Luths,

      Sie möchten einen Runden Tisch einrichten, „an dem im Rathaus Eingeborene und Zugezogene, Fachleute und Generalisten, jedenfalls aber Lüneburg-Lieb-Haber in einer ersten Phase Eckpfeiler entwickeln könnten, wie unsere Stadt in zehn, 30, 50 Jahren aussehen könnte, um danach für einzelne Bereiche in Arbeitsgruppen mit der Verwaltung Optionen zu entwickeln.“ Hans-Herbert Jenckel und selbstverständlich Sie, Herr Luths, fänden an dem Tisch sicherlich auch Ihren Platz …

      Wer bestimmt über die Teilnehmer der Tafelrunde? Sie, Herr Luths?

      Der Soziologe Hartmut Rosa hat vor Kurzem in einem sehr überzeugenden Essay (Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Berlin: Suhrkamp Verlag 2016.) die „Fremdheitsgefühle“ analysiert, die unsere Zeit durchdringen. Er vertritt die These, solche Gefühle, die von Gruppen wie Pegida und der AfD hemmungslos ausgebeutet werden, entstünden nicht durch die Konfrontation mit wirklich Fremdem, sondern durch einen rasanten sozialen Wandel, der vom Einzelnen kaum noch zu verkraften sei: „Fremd im eigenen Land, in der eigenen Stadt fühlen sich nicht selten ältere Mitbürger“, schreibt er: „Das ist nicht verwunderlich. Moderne Stadtlandschaften ändern rasch ihr Erscheinungsbild und ihren Charakter. Ganze Stadtviertel verschwinden. Das alte Café hat geschlossen, Starbucks ist eingezogen. Die Telefonzellen sind nicht mehr da. (…) Die Techniken und Praktiken des Bezahlens, der Toilettenbenutzung, der Kundenberatung, des Fahrkartenkaufs und so weiter – sie alle haben oft nur wenige Monate Bestand.“ Wenn das politische System nicht vermitteln könne, dass es die daraus entstehenden Anverwandlungsschmerzen verstehe, vielleicht sogar lindern könne, wenn demokratische Politik vielmehr selbst den „globalen Konkurrenzsystemen“ hinterherhetze und deshalb „alternativlose Basta-Entscheidungen“ durch Rat und Gremien gepeitscht würden, dann breche die „Kommunikationsachse“ zwischen Politik und Bevölkerung. Rosa plädiert für eine „Beziehung des antwortenden Sprechens“.

      Der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter drückt es so aus: „Ein Oberbürgermeister, der gelegentlich Klartext reden und den Leuten Zusammenhänge erklären würde, hätte die besten Voraussetzungen, eine solche kommunikative Veränderung herbeizuführen. Das tut er aber nicht. Er bietet nur Alternativlosigkeit an. Aber wenn es keine Alternative mehr gibt, gibt es auch keine Politik mehr.“

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      • Peter Luths schreibt:

        Liebe Frau Meinert, liebe Herren Hansen und Schubert,
        prima, dass Sie, lieber Herr Schubert, mir offenbar substantielle Beiträge für einen Runden Tisch zutrauen; reizvoll, aber ich bin mir nicht so sicher, ob es da nicht bessere gibt.
        Wo die Teilnehmer bestimmt werden? Natürlich „im Rathaus“, von den dafür von uns gewählten Stadträten. Dabei könnte sicherzustellen sein, dass jede Fraktion/Gruppe max. 50 Prozent der von ihr zu benennenden Personen aus den eigenen Reihen nominiert, um auch externen Sachverstand einbringen zu können. „Im Rathaus“ würde selbstverständlich auch über das Ergebnis aus dem von mir in zwei Phasen aufgeteilten Verfahren entschieden.
        Und das keineswegs archivlos und ohne Berücksichtigung vorhandener Daten und Erhebungen, lieber Herr Hansen. Dafür aber ohne teure Berater und Hochglanzpräsentationen und auf breiter Basis mit Identifikation mit unserer Stadt, was auch bessere Gewähr für eine Umsetzung bietet.
        Ihre Ausführungen zur Analyse, liebe Frau Meinert, teile ich. Sollte aber nicht vor jeder Entscheidung, in welche Richtung es gehen und was analysiert werden sollte, Konsens über die Ziele hergestellt werden? Diese zu identifizieren und zu gewichten sollte am Anfang stehen, finde ich. Die Vermeidung von „Fremdheitsgefühlen“ im Sinne Hartmut Rosas (s. Beitrag Herr Schubert) könnte neben bezahlbarem Wohnraum, Mobilität, Infrastruktur, Versorgung, Bildung, Gesundheit, Klima, Freizeit/Sport/Kultur u.a. eines davon sein.
        Ein solcher Runder Tisch wäre ja vielleicht sogar eine „Beziehung des antwortenden Sprechens“ (s. Beitrag Herr Schubert) at its best.

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      • Daniel Schubert schreibt:

        Lieber Herr Luths,

        vielen Dank für Ihre Antwort. Natürlich traue ich Ihnen substantielle Beiträge an einem Runden Tisch zu. Meine Frage war auch keineswegs despektierlich gemeint, sondern sollte auf das Problem des Anfangs hindeuten, wo schon mit der Auswahl der externen, nicht in den Rat gewählten, sondern zugezogenen Teilnehmer die Dinge in die falsche Richtung laufen können. Die Veranstaltungen um die Schienenwege unter der Regie der Bahn haben es gezeigt und zeigen es noch immer. Wie bekommen Sie Vertreter aller Betroffenen und aller Anspruchsgruppen an den Tisch, so dass am Ende nicht wieder nur Herr Piehl, Herr Sallier und Herr Manzke sich die Hände reiben? Mit Bezug auf diese Schwierigkeit hatte ich auf Hartmut Rosa, Soziologe und Professor in Jena hingewiesen, der – man muss das heute ja leider betonen: rechtsradikaler Sympathien unverdächtig – sich mit den Ursachen und Gründen wachsender Unzufriedenheit in allen Schichten der Bevölkerung beschäftigt, worin er – und da ist er nicht allein – ein gewaltiges Potenzial demokratiegefährdender Energien sieht. Ein zentrales Versäumnis ist seiner – und auch meiner – Ansicht nach das fehlende Bemühen um echte – also nicht bloß Sprechblasen, Phrasen und Gestanztes austauschende – Kommunikation zwischen Politikern und Bürgern.

        Einen konzentrierten, doch gut verständlichen, weil weitgehend jargonfreien Überblick über Rosas Argumente bieten die folgenden sechs Seiten aus dem Jahr 2012: http://www.kolleg-postwachstum.de/sozwgmedia/dokumente/Thesenpapiere+und+Materialien/Thesenpapier+Krise+_+Rosa.pdf

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  17. Friedhelm Feldhaus schreibt:

    Anmerkung aus grüner Perspektive
    Daten heben, zusammen führen, fertig ist das Stadtentwicklungskonzept? So einfach? Gerade das Bau- und Stadtentwicklungsressort ist LG ist personell so knapp gehalten, dass selbst einfache Bauanträge Monate zur Bearbeitung brauchen. Da wirkt das nur in Ihrem Hinweis „Man muss den Schatz nur heben und verknüpfen“ schon fast wie eine Provokation. Es nützt nichts, die Daten zu haben. Man muss auch wissen, wie man sie deutet und zusammenführt, damit ein Bild daraus entsteht. Zudem geht es uns Grünen nicht um ein Hochglanzexpertenpapier, sondern um ein aus Bürgerbeteiligung entstehendes integriertes, flexibles Stadtentwicklungskonzept – das der deutsche Städtetag seinen Mitgliedern schon seit Jahren empfiehlt. Und für eine solche strukturierte Bürgerbeteiligung braucht es wiederum personelle Ressourcen und Know-how, das es in der Stadtverwaltung nicht geben kann. Die vom OB behaupteten 600.000 Euro Kosten allerdings möchte ich schon gerne konkret hergeleitet wissen. Insgesamt geht es nicht nur um das sich verteuernde Wohnen oder Wohngebiete, sondern auch um stadtteilgerechte Lösungen zur Mobilität, Energieversorgung, für Bildungs-, Kultur- und Sozialeinrichtungen. Was die Stadt in ihren Teilen lebenswert macht oder machen könnte, wissen die Bürger vor Ort am besten. Das, was sie subjektiv empfinden, mit den schlummernden Daten zusammen zu führen, wäre ein guter Einstieg für ein integriertes Stadtentwicklungskonzept.

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    • Ortwin Riechel schreibt:

      Sehr geehrter Herr Feldhaus,

      Herr Jenckel schlägt „eine dynamische digitale Stadtkarte“ vor, „eine Karte, die der Bürgerbeteiligung, die am Anfang steht, eine gute Fakten-Grundlage gibt, an der man Entwicklungen ablesen kann“.

      Sie rufen: „HAAALT … NEIN … SO GEHT DAS NICHT … !“

      Stattdessen schlagen Sie „ein aus Bürgerbeteiligung entstehendes integriertes, flexibles Stadtentwicklungskonzept“ vor, um das, was die Bürger „subjektiv empfinden, mit den schlummernden Daten zusammen zu führen“.

      MEINE FRAGE:

      Wo genau sehen Sie den Unterschied zwischen Ihrer Anregung und der von Herrn Jenckel?

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      • Friedhelm Feldhaus schreibt:

        Guten Morgen, Herr Riechel!
        Herzlichen Dank für Ihren Hinweis auf diese Passage im Blog-Beitrag von Herrn Jenckell. Sie haben recht. Dieser Passus ist meiner Wahrnehmung entgangen. Da muss ich Herrn Jenckell Abbitte leisten. Umso mehr freue ich mich – mit Blick auf die vielen konstruktiven und konkreten Beiträge der letzten Tage – , dass es keine seriös belegbaren, substanziellen Argumente gegen die Erstellung eines Stadtentwicklungskonzepts gab. In einem 2013 herausgegebenen Positionspapier des Deutschen Städtetages zur integrierten Stadtentwicklung heißt es:
        „Vor dem Hintergrund einer regional sehr differenzierten Wirtschaftsstruktur und Bevölkerungsdynamik erfüllt das Leitbild der räumlich kompakten, nutzungsgemischten, sozial und kulturell integrierenden Europäischen Stadt wohl am besten die Anforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung. Die Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt, die am 24. Mai 2007 auf dem informellen Treffen der europäischen Städtebauminister verabschiedet wurde, unterstreicht die Bedeutung der Städte für die Entwicklung Europas. Sie empfiehlt eine Strategie der integrierten Stadtentwicklung, um knappe Ressourcen wirkungsvoll zu bündeln und der Ausgrenzung benachteiligter Stadtgebiete entgegenzuwirken.“
        Anschließend werden Instrumente und Bausteine zur Erstellung integrierter Stadtentwicklungskonzepte vorgestellt. An dem aktuellen Vizepräsidenten des Niedersächsischen Städtetags Ulrich Mädge geht diese Entwicklung offenbar spurlos vorbei. Mit haarsträubenden Argumenten blockiert er eine Entwicklung, die seine Hoheit über die Entwicklung der Stadt Lüneburg einschränkt. Gerade weil Lüneburg auf seine Ressourcen und sein Geld achten muss, ist eine langfristige Stadtentwicklungsplanung unerlässlich. Das Forum grüne Stadtentwicklung befasst sich mit diesen Fragen seit Januar 2015. Interessierte sind herzlich eingeladen zum nächsten Treffen nach den Ferien am 21. August, 18.30 Uhr, in die Neue Sülze 4 zu kommen.

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      • Ortwin Riechel schreibt:

        Guten Morgen, Herr Feldhaus,

        vielen Dank für Ihre Antwort.

        Was Sie ausführen, deckt sich weitgehend mit meinen Ansichten und gerne werde ich beim nächsten Treffen des „Forums grüne Stadtentwicklung“ nach den Ferien am 21. August, um 18.30 Uhr, in der Neuen Sülze 4 einmal vorbeischauen.

        Zuvor noch drei FRAGEN:

        1. Gestern (s. u.: Post vom 12. Juli 2017 um 18:34 Uhr) hat der Kreistagsabgeordnete Karlheinz Fahrenwaldt den absoluten Vorrang des Sozialwohnungsbaus angemahnt, der umgehend (etwa durch „das zielgerichtete Schließen von Baulücken“, die Umwidmung „der Industriebrache auf dem ehemaligen Lucia-Areal“ oder die Nutzung „des Geländes von Eisenhändler Schröder“) in Angriff zu nehmen sei, um einer Raum greifenden katastrophischen Notlage vorzubeugen. Das sei das Pflichtprogramm. Ein integraler Stadtentwicklungsplan sei demgegenüber allenfalls Kür oder Begleitbemühen. Sehen Sie das auch so?

        2. Hans-Herbert Jenckel plädiert für eine DIGITALE Stadtkarte, also für ein Konzept, das nicht, sobald es einmal ausgearbeitet ist, (statisch) die kommenden zwanzig Jahre bestimmt und dann durch ein „moderneres“ ersetzt werden muss, sondern das als (dynamische) Grundlage für Erweiterungen, Modifikationen und Korrekturen prinzipiell immer brauchbar bleibt und niemals dirigistisch, sondern vor allem kommunikativ wirkt, d. h. als empirischer Anhalt bei (Fach- und Planungs-)Gesprächen aller Art dienen kann. Die Krux ist die Beschaffung und das elektronische „Management“ der notwendigen bzw. hinreichenden Daten. Zum informationstechnologischen Aspekt haben sich Georg Grothe (am 9. Juli 2017 um 15:08 Uhr) und Arne (am 12. Juli 2017 um 10:06 Uhr) mit Vorbehalten geäußert. Was sagen Sie zu Herrn Jenckels Vorschlag der DIGITALEN Stadtkarte?

        3. Kevin Schnell (am 7. Juli 2017 um 21:14Uhr) unterschlägt die Risiken nicht, betont jedoch die Vorteile des Instruments, das Herr Jenckel zur Diskussion stellt. Er ist für die sofortige Einrichtung einer Dialogplattform „Smart Lüneburg“, auf welcher der Austausch zu diesem Thema „so bald und so breit als möglich zu führen“ und zu dokumentieren wäre und die „zum Beispiel von der Landeszeitung unter der Federführung von ihrem Onlinechef und geschäftsführenden Redakteur Hans-Herbert Jenckel“ aufgebaut, betreut und moderiert werden könnte. Was halten Sie von dieser Anregung?

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      • Friedhelm Feldhaus schreibt:

        Moin Herr Riechel,

        herzlichen Dank für Ihre Fragen.

        Zu 1. Es ist richtig, dass der Sozialwohnungsbau in den vergangenen 20 Jahren vernachlässigt wurde. Ebenfalls richtig ist, innerstädtische Baulücken zielgerichtet zu schließen (dazu wäre die Erstellung eines Baulückenkatasters eine gute Idee). Auch die Aufstockung im Bestand, wie etwa vom Wohnungskonzern Vonovia zu Kosten von 1.500 Euro/qm im Modulbau betrieben, schafft Wohnraum. Absoluten Vorrang für den Bau öffentlich geförderter Wohnungen halte ich jedoch für nicht richtig, wenn wir die Zielstellung der stabilen, sozialen Mischung verfolgen. So kann ein 50%-Anteil von Sozialwohnungen in einem bürgerlichen Viertel zielführend sein, während in sozial wackeligen Quartieren besser frei finanzierte Mietwohnungen oder Eigentumswohnungen entstehen sollten. Die Verlängerung von Belegungsrechten im Bestand ist eine weitere, auch für die öffentliche Hand günstigere Option, preiswerten Wohnraum zu erhalten. Ein integriertes Stadtentwicklungskonzept schafft den Überblick und die Daten, wo wir das eine tun und das andere lassen sollten.

        Zu 2. Die Digitalisierung hat unseren Alltag längst erreicht – etwa, wenn wir unser eigenes Kommunikationsverhalten betrachten. Smart City ist der nächste Schritt, der kommen wird – egal, ob wir uns bei dieser Entwicklung an die Spitze stellen oder Bedenken als Alibi nutzen, um uns zu verweigern und den Anschluß zu verlieren. Es geht um die Nutzung und Verknüpfung bestehender Daten, aber auch die Generierung neuer Daten – anonymisierte Bewegungsprofile via Smartphone und durch Sensoren im öffentlichen Raum – zur effizienten Steuerung der Mobilität, Logistik, des Energieverbrauchs. Swwitch in Hamburg ist ein gutes Beispiel für die digitale Verknüpfung von ÖPNV, Leihrad und Leihauto. Datenschutz muss dabei als eine gleichrangige Herausforderung des technischen Entwicklung berücksichtigt werden. Kurz: digitale Stadtkarte? Ausdrücklich ja.

        Zu 3. Wenn es um eine Dialogplattform Smart Lüneburg geht, finde ich es wichtig, dass die Stadtverwaltung verbindlich und verantwortlich einbezogen wird – auf Basis politischer Entscheidungen und ausgestattet mit Budgets zur Akquisition des nötigen Know-hows sowie zur Umsetzung konkreter Probeläufe. Doch auch hier gilt: Wir müssen erst einmal den Überblick haben, wo der Schuh drückt, wo Bedarf ist und Potenzial. Smart City und Stadtentwicklung sind voneinander unabhängig nicht denkbar und machbar. Denn das technisch Mögliche ist nicht in jedem Fall das für Lüneburgs Entwicklung Sinnvolle. Wenn die Landeszeitung einen solchen Prozess konstruktiv und kritisch begleitet, erfüllt sie ihren verfassungsgemäßen Auftrag am besten.

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      • Ortwin Riechel schreibt:

        Ach so (Frage 4), dann würde ich auch gerne noch Ihre Meinung dazu hören, warum niemand von der SPD konstruktiv (z. B. hier im Forum) an dieser wichtigen Debatte teilnimmt. Sie deuten an, eine Objektivierung der Planungsmöglichkeiten durch ein integriertes (digitales) Stadtentwicklungskonzept mit bürgerlich partizipatorischen Komponenten würde die Handlungsspielräume im persönlichen Regime unseres Oberbürgermeisters auf eine Weise beschränken, die nicht gewünscht und gewollt ist.
        Könnten Sie diese Andeutung ein wenig präzisieren und (mit ein, zwei illustrierenden Beispielen) erläutern?

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      • Friedhelm Feldhaus schreibt:

        Hallo Herr Riechel,
        zu 4. Herr Mädge bemüht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um Kontrolle. Was er sicherlich erfolgreich kultiviert hat, ist, seine Partei strammstehen zu lassen. Da traut sich keiner, zu inhaltlichen Fragen Stellung zu nehmen, ohne das vom OB absegnen zu lassen. Im Rahmen dieser Debatte wurden bereits Beispiele genannt, wie der OB mit alternativen Fakten um die Ecke kommt, wenn ihm ein Thema nicht passt. Und wenn es jetzt einen Kommentar aus der SPD gibt, dann sicherlich eine sorgsam formulierte Empörung über den respektlosen Angriff auf unseren verdienten Oberbürgermeister.

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      • Ortwin Riechel schreibt:

        Lieber Herr Feldhaus,

        danke für die prompte Reaktion und die Beantwortung zunächst meiner vierten Frage.

        Ich habe leider nur zwei Sekunden. Darum ganz kurz: Die unbeherzte Sprachlosigkeit der SPD-Frauen und Männer ist bekannt. Friedrich von Mansberg, der einzige, der das Zeug zur eigenständigen Profilbildung gehabt hätte, hat kläglich versagt, als er im Februar um die Landtagsnominierung gegen Komfortzonen-Andrea, die unbewegliche Schröder-Ehlers, mit einem ideen- und mutlosen Programm des Stillstands und der Besitzstandsverteidigung angetreten ist. Aber warum zum Teufel stellt der Oberuli sich hier gegen etwas, dass er nicht aufhalten kann? Kann er schlicht nicht mehr aus seiner Lederhaut? Oder opfert er seine Vernunft auf dem Altar der Macht, — die ihm so nur noch schneller zwischen den Fingern zerrinnen und seinen überfälligen Abschied beschleunigen wird?

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      • Ortwin Riechel schreibt:

        Hallo Herr Feldhaus,

        ich danke Ihnen erneut für Ihre Antworten.

        Zwei Anmerkungen:

        1. Ich bin gestern im Meeting-Pausenstress zwei Sozialdemokraten gegenüber etwas aus der Rolle gefallen. Das betrifft Herrn von Mansberg, den ich für einen guten „Volksvertreter“ halte, und gerade deshalb enttäuscht war, dass er nicht mit mehr Power und Pepper um seine MdL-Nominierung gefighted hat, und es betrifft Herrn Mädge, den ich, wie wohl alle, die ihn kennen, für einen erstklassigen OB halte, aber einen, der leider versäumt hat, seinen Rückzug vorzubereiten und nun wie Kaiser Franz Josef um 1914 in den nicht mehr ganz zeitgemäßen Tugenden seiner Glanzzeit zu versteinern beginnt.

        2. Die „Dialogplattform Smart Lüneburg“ hatte ich mir zunächst nur als eine Art digitaler, selbstredend aus der Stadtkasse finanzierter Informationssammelstelle gedacht, die von der Landeszeitung über den Jägerzaun politaverser Aufmerksamkeitsunlust gehoben wird und in der betroffene Lüneburger (w/m) ihre Ansichten zu bestimmten Fragen der Stadtentwicklung äußern und mit Fachleuten auf städtischer, regionaler, aber auch auf Landes- und vielleicht sogar Bundesebene via Internet in Kontakt kommen können. Dadurch würde sich der Organisationsaufwand in der ersten Runde reduzieren und die sich nach und nach formierenden Interessengruppen wären in etwa auf dem gleichen Kenntnisstand, wenn es mit ihren Delegierten zu Face-to-Face-Gesprächen käme. Sobald die Schwelle des Aufnehmens und Bereithaltens zum Sortieren, Bewerten und Bearbeiten überschritten wird, muss natürlich die Stadtverwaltung unter der Federführung des Rates und der konsultierenden „außerparlamentarischen“ Gruppen übernehmen, schon allein deshalb, weil die LZ ab dem Zeitpunkt die Freiheit besitzen muss zu berichten, wie es kritisch hinsehenden, differenziert schildernden und kernig kommentierenden Journalisten ansteht.

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    • Arne schreibt:

      Hallo Herr Riechel,

      vielleicht ging es Herrn Feldhaus neben den von ihm angedeuteten Kapazitätsgrenzen, die ein solches dynamisches DIGITALES Stadtentwicklungskonzept schwierig machen, auch um eine gewisse Skepsis bezüglich der Möglichkeit mit diesem Instrument noch Quantität und Qualität von Gesichtspunkten auseinander zu halten? Von den Fallstricken solcher automatisierten „daten- und indikatorenbasierten“ Verfahren der Rangbildung für alles und jeden handelt das vor kurzem erschienene Buch des Berliner Soziologen Steffen Mau über „Das metrische Wir“ (Suhrkamp Verlag, Juni 2017: http://www.suhrkamp.de/buecher/das_metrische_wir-steffen_mau_7292.html). Seine These ist, dass unsere Gesellschaft einer neuen Form der „sozialen Rangbildung“ unterworfen wird, die allein auf einer „Hierarchisierung und Klassifikation“ quantifizierender Daten aufbaut.

      Die Daten, an deren Erhebung wir alle täglich freiwillig oder unfreiwillig mitwirken, werden gemessen, angezeigt und zugeteilt. Täglich wird ermittelt, ob ein Hotel ein hohes Rating hat oder ein Song in den Charts gut plaziert ist, ob die Abteilung gut performt oder die Universität international sichtbar ist, ob wir fit sind und kreditwürdig, genug schlafen oder sicher Auto fahren. Was immer gemessen werden kann, wird quantifiziert und verglichen, es kann also in Ranglisten eingetragen oder in Statusklassen umgerechnet werden. Das Modell einer geschlossenen, digitalen Welt wie der World of Warcraft, in der sich jederzeit der eigene Rang (Level 1 bis Level 110) und der eigene Score (total damage done: 116,891 M) einsehen und mit anderen Spielern vergleichen lässt, erfasst nun die gesamte Lebenswelt – man „levelt“ sich hoch und genießt das Dopamin.

      Das „Kompilieren, Kumulieren, Assemblieren und Verknüpfen von personengebundenen Daten“ macht vor keinem Lebensbereich halt und ermöglicht eine neue Form der Individualisierung durch Quantifizierung. Das nicht weiter dividierbare und daher einzigartige Individuum tritt ab. Profil bekommt der Mensch als „Vektor in einem Zahlenraum“, also als Adresse, der sich Messwerte und Positionen zuordnen lassen – numbering life. Die Zugehörigkeit zu einer Schicht oder die Funktionsrolle in einem Subsystem liefert nicht länger die entscheidenden Informationen über eine Person, sondern die von Algorithmen ausgewerteten „individualisierten Daten“. Je größer der „digitale Schatten“ ist, den Sie werfen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie das Eis, das Buch oder den Partner mögen, die eine App Ihnen vorschlägt, oder dass Sie einen Kredit, eine Versicherung, eine Beförderung, ein Stipendium bekommen, weil Ihre Zahlen stimmen. Ausruhen können Sie sich auf den guten Werten freilich nicht. „Alle Quanta sind unendlich progressiv“, hat Friedrich Schlegel 1797 festgestellt. Folglich ist nichts umkämpfter und vergänglicher als eine Top-Level-Positionierung.

      „Quantifizierung des Sozialen“ hat Steffen Mau die Bedingung einer Gesellschaft genannt, die anhand von „Scores, Rankings, Sternchen und Noten“ eine „Numerokratie“ erschafft, in der alle immerzu „die Zahlen im Blick haben“, um Dinge und Menschen, sich selbst und andere in einer Rangordnung zu positionieren. Mau spricht von einer „Landnahme“ der Algorithmen, die sich keinen Bereich entgehen lassen, der quantifiziert und metrisiert werden kann. Dass umgekehrt alles, was sich nicht messen und digitalisieren, raten und ranken, scoren und skalieren lässt, in dieser Sozialordnung keine Rolle mehr spielt, wird ebenfalls deutlich. Was Beachtung und Anerkennung findet, ist allein das, was quantifizierbar ist. Dies gilt gerade für Qualitäten. Das beste Eis ist eben das am besten geratete Eis, das bedeutendste wissenschaftliche Paper das am häufigsten zitierte Paper, der schönste Urlaubsort der mit dem höchsten Score. Und die wichtigste Hinsicht bei der „Stadtentwicklung“ einfach das, was die meisten gerne hätten? Mit allen Konsequenzen?

      Die Kurven, Sternchen und Balken der Numerokratie werden aus Daten erstellt, deren Genese niemand kennt, und von Algorithmen errechnet, die geheimgehalten werden. (Denken Sie nur an die Schufa.) Während die Soziometrie Transparenz erzeugen soll, stützt sich die neue Rangordnung der Gesellschaft tatsächlich auf „Arkanpraktiken“. Das metrische Wir hat sich der Macht der Algorithmen unterworfen, Mau spricht von „Unentrinnbarkeit“. Widerstand ist zwecklos. Steffen Maus Buch hat bereits ein beneidenswertes Amazon-Ranking. Lesenswert ist es trotzdem.

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