Warum es manchen Alt-Linken so schwer fällt, sich klar von G20-Gewalt zu distanzieren

Lüneburg, 16. Juli 2017

Der aktuelle Verfassungsschutzbericht stuft 28 500 Deutsche als linksextrem ein, mehr als je zuvor, und 8500 als gewaltorientiert und linksextrem. Viele davon haben am Wochenende mitgeholfen, das Schanzenviertel zu verwüsten.Ich halte die große Zahl an Linksextremisten für irreführend, weil da Gewaltgeile mitgezählt werden, die gar nicht wissen, wo oder was Links ist. Sicher marschierten im Schwarzen Mob in Hamburg Autonome und Linksextreme, aber eben auch viele Marodeure, die nur Autos anzünden, mit Pflastersteinen nach Polizisten werfen und Budni-Geschäfte plündern wollen – unter dem Schutzschirm der Demokratie.

Und weil das so ist, frage ich mich, warum eigentlich tun sich gerade bekannte Alt-Linke, die ihr Gewicht in die Schale werfen könnten, schwer damit, sich klipp und klar von den Hamburger Straftätern zu distanzieren? Schuld ist vermutlich das 68er-Virus, das es dem Verstand schwer macht, zwischen Politik und Randale zu unterscheiden.

FAZ.net: Die Linkspartei und der Schwarze Block
Ausgebrochen ist das Virus im tiefroten Deutschen Herbst, allein 33 Menschen starben bei RAF-Anschlägen. Und es gab trotz der vielen Toten, der Brutalität, der Kriminalität eine bemerkenswerte Zahl klammheimlicher Sympathisanten, die sich bis heute bei diesem Thema unbeirrt in verschwurbelter Rhetorik winden. Sie trauern nicht um die Toten von damals, sondern wohl eher, weil Deutschland immer noch eine Demokratie ist, natürlich nicht ihre, die Revolution ausgefallen ist, weil die Arbeiter sich nicht solidarisiert haben, der Kapitalismus nicht in die Knie gegangen ist, sondern ungebremst weiterwuchert. Ihnen bleibt immer noch der deutsche Herbst und ein Feindbild. Damals, als sich ihr prinzipieller Hass auf Polizisten, den Staat und den Wohlstand der anderen manifestierte.

Die Vermummten von Hamburg haben nichts davon. Es sei denn, dass das Zerstören um des Zerstörens willen und Wahllosigkeit auch eine Ideologie ist. Nein, das sind Verbrecher. Ganz besondere. Nehmen Sie sich die Fotos vom Schwarzen Block mal mit der Lupe vor, sie schauen in Gesichter, die Sie morgen beim Einkauf an der Käsetheke grüßen, Leute, die Ihnen an der Kasse den Vortritt lassen. Die haben ein zweites, ein grausames Gesicht, verzerrt nicht von Politik, nur von Adrenalin. Denen geht es um den Kick. Mir fällt dazu nur Max Liebermann ein: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

  Hans-Herbert Jenckel

Ein Interview mit den Antifa-Chef Olaf Meyer hat Dennis Thomas geführt, der erklärt seine Sicht auf die Gewalt. Hier geht es lang

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Journalist, Dipl.-Kaufmann
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40 Antworten zu Warum es manchen Alt-Linken so schwer fällt, sich klar von G20-Gewalt zu distanzieren

  1. Gutes Omen schreibt:

    Bürgerschilderstreicher — wäre das keine Alternative zum Kommentatorendreschflegel, Herr Bruns?

    Vielleicht bieten Ihnen die Hauseingänge senkrecht zur Uelzener Straße sogar die Möglichkeit, von Herrn Spoun als Pfeil in die Zukunft gedeutet zu werden.

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  2. Klaus Bruns schreibt:

    Dora Wagner
    ich komme hier zum schluß. ich mache nichts unkontrolliert . ich halte so manches schild hoch, und weil ich ein bürger bin, kann auch schon mal ein streich dabei rauskommen.

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  3. Klaus Bruns schreibt:

    und jetzt ein neuer beitrag zum wetter: scheint die sonne in der nacht, hat es die cdu vollbracht, gibt es regen oder schnee, dann war es die spd. glück auf.

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  4. Die Re(d)aktion schreibt:

    Inside Rote Flora

    Sie ist in diesen Tagen Symbol für die sinnlose Gewalt gegen eine unmenschliche Weltordnung: die Rote Flora in Hamburg, besetzt seit 1989, Zentrum der Autonomen. Viele haben darüber geschrieben, nur wenige sich selbst ein Bild gemacht. UNIVATIV war für Sie in der linken Herzkammer der kommenden Revolution.

    Vor dem Eingang der Flora spielen rotgebrannte Kinder mit herumliegenden Pflastersteinen in der Abendsonne Demonstrant und Gendarm und tun sich dabei gegenseitig tüchtig weh. Es ist wieder Alltag eingekehrt in der Sternschanze, erstaunlich schnell wurde das Viertel neu aufgebaut, nachdem es linksextreme Krawallmaschinen bei den Protesten gegen den G20-Gipfel „in Schutt und Asche“ (Quelle: Facebook) gelegt hatten. Angeblich waren Bewohner der Flora an den Ausschreitungen beteiligt, doch sind radikale Gegner der herrschenden Besitzverhältnisse mit einem ganz eigenen Verständnis von Eigentum wirklich zu solch unmenschlichen Gewalttaten fähig?

    Von außen zumindest wirkt das Gebäude durch und durch friedlich. Einzig die zahlreichen Graffiti an der Fassade lassen auf die kriminelle Energie schließen, die hier herrschen könnte. „Hallo, schön, daß ihr gekommen seid“, begrüßt uns Jutta. Jutta ist so etwas wie die gute Seele der Flora. Bei ihr laden die oft jungen Szeneaktivisten ihre Sorgen ab, seit zwanzig Jahren hört sie sich die immergleichen Geschichten von Liebeskummer und kaputten Sonnenbrillen an. Sie ist auch da, wenn nach einer durchzechten Nacht mal etwas „danebengeht“. Jetzt sitzt Jutta in der großen Küche der Flora und erzählt von damals, wie sie zuerst in Berührung kam mit den Ideen von Sachbeschädigung und Gewalt gegen Polizisten. Es sieht gut eingelebt aus hier. Die Wände wurden vor langer Zeit in bunten Farben gestrichen, vergilbte Poster von „Pulp Fiction“, „Fear and Loathing in Las Vegas“ und Che Guevara hängen daran. In der Kochzeile bereiten ein paar langhaarige junge Menschen mit einem Pürierstab vegane Brotaufstriche zu; aus einem tragbaren CD-Spieler scheppert „Light My Fire“ von den Doors. Der einzige Umsturz, der hier derzeit geplant wird, scheint der des roten Wackelpuddings auf dem Fenstersims zu sein.

    Doch nach der G20-Katastrophe fordern zahlreiche Politiker die Schließung der Flora. Statt einer Oase alternativer Widerstandskultur gegen die Herrschaft des Kapitals sehen sie in dem besetzten Haus eine Keimzelle linksextremer Zerstörungsorgien. Etwas mehr als einen Steinwurf entfernt, plant man bei der Polizei den Aufstand gegen die kommunistische Gesinnungsdiktatur der Flora, mit der diese ein ganzes Stadtviertel kaputt und lebenswert machen will. „Die Besetzung muß ein Ende haben, ganz einfach“, bringt Polizeihauptkommissar Mirco Stoever die Sache auf den Punkt. „Und da uns die Anarchos ihr kulturelles Kapital nicht freiwillig überlassen werden, bedarf es des bewaffneten Widerstands durch unsere Ordnungskräfte gegen das Schweinesystem der Flora!“ Eine regelrechte Revolution des Stadtteils schwebt Stoever vor, an deren Ende jeder Polizist ohne Angst verschiedene Autonome verprügeln dürfen wird.

    In der Flora sieht man solchen Ideen gelassen entgegen. Die langhaarigen jungen Leute kündigen aufgeregt an, sie würden jetzt „eine Runde spazieren gehen“ und Jutta kurz mitnehmen. Wenige Minuten später kommen die Spaziergänger mit glasigen Augen und ständig kichernd wieder – wie sich später herausstellt, haben sie draußen Marihuana geraucht. Wurde der Linksextremismus in den letzten Jahren doch verharmlost? Jutta gerät bei dieser Frage ins Schlingern, hört zwischendurch auf zu reden und starrt minutenlang in die Tischkerze. Am Ende, so gibt sie schließlich zu, sei das „alles echt megakomplex“, weil ja „alles mit allem“ zusammenhänge; ihr und „den meisten anderen roten Socken“ gehe eigentlich auch nur darum, „eine gute Zeit“ zu haben und „die da oben ein bißchen zu ärgern.“ Inzwischen steht ein Sixpack Oettinger Radler auf dem Tisch, die Musik scheppert lauter, der Nahostkonflikt wird diskutiert. Schnell sind die Fronten verhärtet, Antideutsche und Antiimps stehen einander unversöhnlich gegenüber. Plötzlich klingelt es, es ist die Polizei. Die Nachbarn hatten sich wegen der Lärmbelästigung beschwert.

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  5. Claudius Becker schreibt:

    Herr Olaf Meyer hat uns die Ziele „linker Aktionen“ verraten. Nicht daß alle gleich arm, sondern daß alle gleich reich sind, darauf komme es an.

    „Riot-Hipster“, also Leute, die der Kleidung nach zum Schwarzen Block gehören, aber mit iPhone vor brennenden Barrikaden ein Selfie machen und Markenklamotten tragen, seien für ihn nicht das Problem. Entscheidend sei nicht, „was für Bekleidung ein Mensch trägt, sondern, was er für eine Einstellung im Kopf hat“. Die „Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen“, deren Sprecher Meyer ist, trete „sogar eher dafür ein, daß alle, wirklich alle Menschen z.B. einen Nobelwagen und ein gutes Handy besitzen können.“ Meyers Kritik jedoch richtet sich zunächst „gegen die Verteilung des Reichtums und gegen die Eigentums- und Ausbeutungsverhältnisse in diesem [sic] Land“. Und er wiederhole es gerne, wiederholt Meyer: Er fände es toll, wenn alle Menschen die Möglichkeit hätten, einen teuren BMW zu fahren. „Aber in so einer Gesellschaft leben wir [!] nicht.“ Da (um einmal Bertolt Brecht zu zitieren) hat er leider recht.

    Auch der arme B. B. übrigens besaß, was die Verbesserung der Weltverhältnisse angeht, einen geradezu Olaf Meyerschen Sinn für Lokalpatriotismus und dafür, daß einem das Maßhemd näher ist als die Hose von der Stange.

    Unter all den Legenden, welche das Leben und die Meinungen des Bertolt Brecht immer verziert und ausgemalt haben, ist die folgende weder die schönste noch die bekannteste; aber wahr ist sie wie keine andere, auch wenn ihre Echtheit nicht bewiesen werden kann: Ein Mann, so geht die Geschichte, habe sich einst bei dem Philosophen Ernst Bloch darüber beschwert, daß der angeblich so bedeutende Schriftsteller Brecht ein furchtbar verkommenes und verwahrlostes Äußeres habe. Und Bloch habe geantwortet: „Sie irren sich, Herr Brecht hat sich einen kostspieligen kosmetischen Apparat konstruieren lassen, der ihm den Schmutz unter die Fingernägel schiebt.“

    Verbürgt ist jedenfalls, daß Brechts graue Arbeiterkluft, seitdem er sich das leisten konnte, aus dem besten Material und in der Savile Row in Mayfair maßgeschneidert war, gelegen im vornehmen Londoner Stadtbezirk City of Westminster. Gesichert ist weiterhin, daß seine Ballonmützen vom besten Ballonmützenmacher Berlins angefertigt wurden. Und seine Nickelbrille mit dem Kassengestell war in Wirklichkeit aus Titan und furchtbar teuer. Auch die Verwahrlosung, sagt Jonathan Jeremiah Peachum in der „Dreigroschenoper“, muß sorgfältig in Szene gesetzt werden: „Weil einem niemand sein eigenes Elend glaubt.“

    Was uns Heutige (wie Herr B. uns nennen würde) naturgemäß an die Sex Pistols erinnert, die ja ihre Fetzen und Lappen, welche nur von Sicherheitsnadeln zusammengehalten wurden, auch nicht aus der Altkleidersammlung hatten, sondern aus Vivienne Westwoods schicker Boutique. An die Ramones, mit ihren kunstvoll geschlitzten Jeans. Oder an Dolly Parton, die sich selber gerne so beschreibt: „It’s very expensive to look so cheap.“ Kurzum, wer heute rückwärts schaut, meint Brecht in einer Reihe zu entdecken mit jenen populären Stars, für welche die aufwendige Inszenierung des eigenen Außenseitertums immer ein integraler, wenn nicht gar der wesentliche Teil des eigenen Werks darstellt.

    So war Brechts Markenzeichen der proletarische Habitus, die Inszenierung des scheinbar Nichtinszenierten – und je genauer man sich den Aufwand anschaut, den Brecht bei der Inszenierung seiner selbst betrieb (und den Erfolg, den er damit hatte), desto mehr drängt sich die Arbeitshypothese auf, daß unter all seinen Werken diese Selbstinszenierung eines der besten und der schlüssigsten sei. Erst kam seine Fresse. Dann die Moral. Wobei auch so ein schäbiger Dandyismus immer eine Tendenz zum Totalitären hat: Warum nicht auch die Welt nach dem eigenen Bild formen?

    Schon vor 46 Jahren hat Frieda Grafe (Zeit, SZ) dann endgültig die Luft herausgelassen aus solchem Weltveränderungspathos Brechtscher Olaf Kleinmeyerei. Im Jahr 1931 entstand, nach einem Drehbuch von Brecht, der Film „Kuhle Wampe“, dessen Moral man ohne Bedenken auf den Schlußdialog reduzieren darf. „Wer soll denn die Welt verändern?“ fragt da ein Kleinbürger. Und die Proletarierin antwortet: „Die, denen sie nicht gefällt.“ In einem Aufsatz übers Kino jener Zeit (und dabei anspielend auf einen bekannten Propagandafilm der Nazis) fragte die Kritikerin Frieda Grafe weiter: „Hat dem ,S.A. Mann Brand‘ die Welt etwa gefallen? Und hat er sie nicht verändert?“

    Da (um B. B. ein letztes Mal zu zitieren) hat sie eben leider recht.

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  6. Klaus Bruns schreibt:

    Herr Jenckel, was meinen Sie? hat das auch mit links und somit natürlich auch mit rechts zu tun?
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/frankreich-randalierer-stecken-fast-900-autos-in-brand-a-1158078.html

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    • Antonia schreibt:

      Hallo Herr Bruns,

      wenn es bei Demonstrationen zu Gewalt kommt, liegt das meist nicht nur daran, dass der Anlass der Proteste aufregend und umstritten ist. Sondern daran, dass es Leute darauf anlegen, dass es zu Auseinandersetzungen kommt – die verschiedensten Leute aus den unterschiedlichsten Gründen. Ein bisschen ist es wie bei Streitereien unter Gleichaltrigen, wo es dann nachher darum geht, wer angefangen hat. Auch da ist die Frage nach dem eigentlichen Anfang ja schon kniffelig – geht es darum, wer als erstes zugeschlagen hat, oder zählt auch schon die Provokation?

      Bei gewalttätigen Protesten geht es nicht nur darum, wer angefangen hat, sondern auch um die Frage, wer welche Gesetze und Vorschriften verletzt hat. Wer schuld daran ist, dass es so schlimm geworden ist. Und ob das alles nicht zu verhindern gewesen wäre. Manche Leute sagen, in Hamburg hätten die Polizisten nur darauf gewartet, dass die Demonstranten mit Steinen werfen und Sachen kaputtmachen – um einen Grund dafür zu haben, ihrerseits brutal gegen die Demonstranten vorzugehen. Sie behaupten, dass die Mächtigen alle Leute hassen, die mit ihrer Macht nicht einverstanden sind, und dass die Polizei tut, was die Mächtigen wollen. Dabei sind manche Leute extra dafür nach Hamburg gereist, um mit der Polizei zu kämpfen und überhaupt ordentlich Krawall zu machen.

      Es gibt Leute, die behaupten, es hätten sich bei Demonstrationen sogar schon Leute als Demonstranten verkleidet und mit Steinen geworfen, obwohl denen gar nicht wichtig ist, worum es bei der Demonstration eigentlich geht, bloß damit es Ärger gibt und Straßenkämpfe. Die wollen dann entweder nachher sagen: Schaut mal, wie brutal die Polizei war, die Politiker, die dafür verantwortlich sind, müssen zurücktreten. Oder: Guckt mal, wie brutal die Demonstranten sind, denen geht es doch gar nicht um ihre Sache, sondern nur ums Kaputtmachen, am besten, man sperrt die alle ein.

      Das Demonstrationsrecht lässt sich besonders in einer Mediendemokratie von vielen Seiten aufs Schändlichste missbrauchen.

      Aber es ist meiner Meinung nach jeden Preis wert, dass es dieses Recht gibt!

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Aber es ist meiner Meinung nach jeden Preis wert, dass es dieses Recht gibt! dito
        ob die ganze wahrheit tatsächlich ans licht kommt? wohl kaum. der kapitalismus verhindert es. gibt es aber für den menschen ein besseres system? wir sind nicht perfekt und auch nur eine laune der natur.

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  7. Felix Staake schreibt:

    Was mich erschrickt: Daß Jutta Ditfurth, Olaf Meyer und Jan van Aken sich in der grobschlächtig rechthaberischen Dummheit ihres Denkens und Argumentierens überhaupt nicht von der geistverlassen eifernden Demagogie einer Frauke Petry, eines Björn Höcke oder eines Matthias Matussek unterscheiden.

    Wenn es tatsächlich eine quasi-natürliche Korrespondenz zwischen destruktiven Neigungen und infektiöser Verstandestrübung geben sollte, dann ist ihr hervorstechendstes Symptom offenbar die Paarung von müdkartoffligen Intelligenzdefiziten und tobsüchtiger Lärmbegier.

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    • Renate Schwabe schreibt:

      Wenn MANN Jutta Ditfurth und Jan van Aken mit Frau Petry und Björn Höcke IN EINEN TOPF WIRFT“!: WAS FÜR EIN ENGER!!!! HORIZONT SICH DOCH DAHINTER VERBIRGT!!:……UND: WAS MARTIN LUTHER WOHL ERWIDERN WÜRDE!!!…..

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      • Felix Staake schreibt:

        Sie meinen, ich könnte Jutta Ditfurth, Olaf Meyer und Jan van Aken damit Unrecht getan haben?

        Ich sehe es ein und entschuldige mich bei den Dreien.

        Und bei Ihnen natürlich ebenfalls!

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  8. Frank Huber schreibt:

    Große Autos oder kleine Autos anzünden? Große Konzerne oder kleine Läden abfackeln, Herr Olaf Meyer? Zu diesen wahrhaft großen „politischen“ Fragen gibt es eine kleine literarische Intervention von Erich Fried, die sich mit denjenigen beschäftigt, die von solchen „Aktionen“ betroffen sind. Der Titel des Gedichts nennt sie „Humorlos“. Welches Attribut würden Sie wählen? Übrigens, dass diese gewaltig unscheinbare Einrede von 1967 „symbolisch“ aufgefasst werden kann, war vom Autor keineswegs unbeabsichtigt.
     
    Die Jungen
    werfen
    zum Spaß
    mit Steinen
    nach Fröschen
     
    Die Frösche
    sterben
    im Ernst

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  9. Patrick Hansen schreibt:

    Das verdruckste Herumgeeiere hier z. B. von Antifa-Chef Olaf Meyer (siehe Hyperlink oben) bei der Frage, was er von Körperverletzung, Zerstörung, Autoanzünden und Geschäftsplünderungen hält, finde ich unerträglich. Noch unerträglicher finde ich aber das Gerede vom „68er-Virus, das es dem Verstand schwer macht, zwischen Politik und Randale zu unterscheiden“. Das nämlich hat eine die Gesellschaft spaltende, fast schon verhetzende Qualität, denn ein solches „Virus“ gibt es ebenso wenig, wie es „rasse-“ und „blutmäßig fortgezeugte Wesenseigenschaften von Untermenschen“ gab, gibt oder jemals geben wird. Erstens folgt die Biologisierung von (ohnehin extrem schwachen) soziologischen Korrelationen (Warum ist diese „Virus“ nicht schon bei den Saalschlachten in den 30ern entstanden oder beim großflächigen Verprügeln von aufmuckenden „Proletariern“ im Juni 1953?) einer unhaltbaren pseudowissenschaftlichen Rhetorik unseligsten Angedenkens und zweitens steht „die“ 68er-Bewegung nur zu einem sehr geringen (allerdings absolut verurteilenswerten) Teil für (wie es vor allem die AfD und ihre reaktionären Simplifikateure gerne verbreitet hätten) Dumpfsinn und Gewalt. „Die“ Achtundsechziger sind ein westeuropäisch-nordamerikanischer Geschichtsmythos, der eine in sich äußerst heterogene Jugendbewegung erzählerisch überwölbt, die sich etwa im damaligen „Westdeutschland“ vom erstickenden Spießertum der Adenauerzeit befreite und allen Bereichen des sozialen Lebens (Familie, Politik, Bildung, Musik, Malerei, Literatur, Reisen, Umwelt, usw.) wichtige positive Impulse gegeben hat, von denen junge Menschen bis heute überall auf der Welt zehren und ihren Lebensmut und ihre Zuversicht beziehen.
    Auch das Horrorgemälde vom „zweiten, grausamen Gesicht“ hinter der freundlichen Miene von jungen Leuten, die uns „morgen beim Einkauf an der Käsetheke grüßen, Leute“, die uns „an der Kasse den Vortritt lassen“, finde ich in seinem unspezifischen Alarmismus hochgradig beunruhigend. Denn durch die textliche Nachbarschaft zu den bereits kurz zuvor generalistisch stigmatisierten 68ern wird implizit eine Vorsicht und eine misstrauische Aufmerksamkeit angeraten, die auf kleinste Zeichen „linker“ Verluderung im Erscheinungsbild von Menschen in beliebigen Alltagssituationen lauert, um dahinter die adrenalinverzerrte Fratze des viral infizierten Totschlägers aus dem schwarzen Block zu identifizieren.

    Ihr Text ist misslungen, Herr Jenckel. Sie wollten sich einem heiklen Thema mit Umsicht und berechtigter Empörung über selbstgerechte Heuchler nähern, haben aber Öl in das Feuer grassierender Vorurteile gegossen, als ginge es Ihnen „nach dem Bürgerkrieg“ um Vergeltung durch das Angebot eines Feindbilds, auf dem rotbesternte, schwarz- und langhaarig haschende Sündenböcke mit unschuldigem Augenaufschlag über von Aggressionsblitzen durchzuckten, hassvernebelten Pupillen zu sehen sind.

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    • Felix Staake schreibt:

      Hierzu auch Martin Luther: »Wer mit einem Scheißdreck rammelt, er gewinne oder verliere, er gehet beschissen davon.«

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    • Basti schreibt:

      Hallo Herr Jenckel,

      wie bringen Sie denn die Nachricht, dass große Kampfverbände Rechtsradikaler Gewalttäter durch geplanten Vandalismus und gezielte Angriffe auf Polizisten direkt oder – als Agents Provocateurs – indirekt durch Stimmungsmache und Fanatisierung, aber auf jeden Fall mit Vorsatz zur Eskalation bestimmter Situationen beim G20-Gipfel beigetragen haben (http://www.mopo.de/hamburg/g20/bei-krawallen-in-der-schanze-auch-rechte-randalierten-mit-27941982), mit Ihrer infektionsbiologischen These von der Pathogenese „linker“ Enthemmung durch das Ausbreiten des aggressiven, ein halbes Jahrhundert in der Erbfolge wirkenden 68er-Virus zusammen?

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      • jj schreibt:

        Hallo, Basti,
        da bringen Sie aber allerhand durcheinander und schüren noch die Verschwörungstheorie:
        Die Gewalttäter und die Alt-Linken haben so gar nichts miteinander zu schaffen.
        Es geht vielmehr um die Frage, warum sie sich anfangs so zögerlich und verschwurbelt dazu geäußert haben, wenn denn etwas vermeintlich einen linken Anstrich hat, tatsächlich aber nur eine Straftat ist. Da ist ja von Frau Kipping angefangen langsam die Kartharsis erreicht.
        Ob die Straftäter behaupten sie seien links oder rechts oder weiß ich was, spielt überhaupt keine Rolle. Gewalt, Straftat stehen auf der einen, Politik und berechtigte Demonstrationen auf der anderen Seite. Und ihre steile These von den Agents Provocateurs verfolgen wir mal weiter. Wenn Sie recht haben, was ich nicht hoffe, rollen reichlich Köpfe. lg jj

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      • Sandro Herbert schreibt:

        Hallo Herr Jenckel,

        die sich verdichtenden Erkenntnisse (s. u.) über rechtsextreme Gewalttäter unter den G20-Randalierern entlasten keinen einzigen, der sich unter irgendeiner anderen Flagge an den brutalen Exzessen beteiligt hat. Aber sie ergänzen Ihr etwas einseitig geratenes Bild, das die Ursprünge der (geistig/kulturellen) Verantwortlichkeiten nur im „linken“ Milieu vermutet, wo angeblich „das 68er-Virus … es dem Verstand schwer macht, zwischen Politik und Randale zu unterscheiden“.

        → „Allmählich schärft sich das Bild von den Tätern. Die Polizei geht davon aus, dass die größte kriminelle Energie von Linksradikalen aus dem Ausland ausging, die sich in Störergruppen aufteilten und Kleiderdepots anlegten, um sich von schwarzvermummten Gewalttätern sehr schnell in bunt gekleidete Passanten verwandeln zu können. Und sie geht davon aus, dass ein vielfältiges Volk aus Trittbrettfahrern der Gewaltwelle eine ganz eigene Dynamik gab; mittlerweile sind dazu auch Bekenntnisse von Rechtsradikalen bekannt“:
        http://www.sueddeutsche.de/politik/gewalt-beim-g-gipfel-die-g-show-der-hamburger-polizei-1.3597161

        → „Unter den Randalierern beim G20-Gipfel in Hamburg seien auch etliche Mitglieder der rechtsradikalen Szene gewesen. Das sagt Andreas Scheffel, Video- und Fotojournalist, im Interview. Er selbst habe mehr als 70 von ihnen zweifelsfrei identifizieren können“:
        https://www.swr.de/swraktuell/proteste-bei-g20-journalist-rechtsradikale-unter-randalierern/-/id=396/did=19916574/nid=396/1efq4t8/index.html

        → „Zwei Neonazi-Gruppen geben Beteiligung an G20-Protesten zu“:
        https://www.thueringen24.de/welt/article211302087/Exklusiv-Neonazis-geben-Teilnahme-an-G20-Protesten-zu.html

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      • Berni Wittvogel schreibt:

        Hallo Basti,

        eine Woche später (also heute, am 24. Juli) stellt Panorama klar:

        Informationen über Aktivitäten von Neonazis liegen den Sicherheitsbehörden nicht vor. Laut dem Sprecher des Hamburger Verfassungsschutzes, könnten zwar auch Neonazis nach Hamburg gereist sein, da vorab in der Szene mobilisiert worden sei. Doch „liegen bislang keine Erkenntnisse vor, dass sich Rechtsextremisten in die Gesamtlage beeinflussender Größenordnung in nennenswerter Anzahl beteiligt haben“, heißt es auf Panorama-Anfrage. Die Hamburger Polizei hat dazu ebenfalls „keine gesicherten Erkenntnisse“. Auch das globalisierungskritische Netzwerk Attac hat keine Hinweise darauf, dass Rechtsextreme an den Demonstrationen oder Anti-G20-Aktionen teilgenommen hätten.

        Quelle: http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/G20-Mythos-Nazi-Randalierer,gzwanzig266.html

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    • Horst schreibt:

      „Es gibt keinerlei Rechtfertigung für gewalttätige Ausschreitungen. Wer Stadtviertel verwüstet, Polizisten angreift, ja deren Tod mindestens in Kauf nimmt, wer Bürger in Angst und Schrecken versetzt, der ist ein krimineller Idiot, der vor den Richter und wo immer es geht in den Knast gehört. N i c h t s aber haben solche Mordbrenner zu tun mit linken Ideen.
      (…)
      Links-Sein bedeutet, für Emanzipation, Freiheit, Gerechtigkeit – gegen Gewalt, Krieg, Hunger, Armut und Unterdrückung zu streiten. Menschen anzugreifen, Kleinwagen anzuzünden und Panik zu verbreiten – das ist nicht links.“

      Mehr als dies, was Ralf Stegner gestern in der FR geschrieben hat, ist im Grunde zu dieser Sache nicht zu sagen. Der Rest ist Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden.
      (Quelle: http://www.fr.de/politik/meinung/gastbeitraege/g20-in-hamburg-gewalt-ist-nicht-links-a-1314724)

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      • Rosa schreibt:

        Wer oder was war dann die RAF? Frieden, Pazifismus und Gerechtigkeit?

        Was ist eine emanzipierte Volkspartei?
        Von wem hat sie sich emanzipiert? Wann war das? Woran merkt man das?
        War sie bisher unterdrückt? Versklavt? Abhängig? Von wem?

        „Man soll öfters dasjenige untersuchen was von den Menschen meist vergessen wird, wo sie nicht hinsehen, und was so sehr als bekannt angenommen wird, daß es keiner Untersuchung mehr wert geachtet wird.“

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    • Karsten Konradi schreibt:

      Was brabbeln Sie da wieder, Detlef?

      „Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt.“ (Lichtenberg, Sudelbuch H, 1789-1793. [H 24])

      Sind Linke die besseren Menschen? Natürlich nicht. Wissen die nicht, dass Stalin, Mao, Pol Pot, die RAF, Erich Mielke und andere schreckliche Gewalttaten verübt, angeordnet und/oder geduldet haben? Natürlich wissen die das!

      Reden auch demokratische Linke manchmal dummes Zeug? Klar. Niemals aber gehören Ressentiments gegen Minderheiten oder physische Attacken auf Andersdenkende zu unserem ideologischen Werkzeugkasten. Bei der politischen Rechten ist dies aber unzweifelhaft angelegt. Von Ressentiments über die Abwertung und Verächtlichmachung von Minderheiten ist der Weg zur Gewalt geebnet. Linke verstellen diesen Weg, wo immer sie können.

      „Die SPD ist die linke Volkspartei in Deutschland und das mit Stolz. Deshalb lassen wir auch nicht zu, dass andere definieren, was angeblich links sein soll. Gewalt ist das Gegenteil von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Anständige Linke haben mit all dem nichts gemein. Konservativen Publizisten und rechten Trollen [selbst, wenn sie aus Wendisch Evern kommen] überlassen wir gewiss nicht die Deutungshoheit über das, was links ist.“ (Ralf Stegner)

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    • Wolfgang Schreiber schreibt:

      Es gibt kein Kontinuum vom Marxismus zur kleinkriminellen Militanz, die in Hamburg ausgerastet ist: http://www.sueddeutsche.de/kultur/politische-rhetorik-warum-links-und-rechts-laengst-verbrannte-begriffe-sind-1.3594464

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    • Anne Heinen schreibt:

      Lieber Herr Jenckel,

      Radikalität im Denken brauchen Sie nicht für etwas Bedrohliches zu halten. Sie sind kein Politiker, sondern Journalist. Sie müssen eine gesellschaftstheoretische Debatte nicht nach versicherungslogischen (oder therapeutischen) Gesichtspunkten führen.

      Es wird viel Recherche und ein bisschen Zeit brauchen, bis einigermaßen rekonstruiert werden kann, was in den Hamburger Horrornächten wirklich geschehen ist. Was aber vielen, die diese Nächte und deren Folgen jetzt kommentieren, ganz egal zu sein scheint — dass die Gewalttäter links waren, reiche doch als Erkenntnis! Wer es etwas genauer wissen will, bevor er als feist, wohlhabend und prominent gewordene, alt-linke Virenschleuder sein Gewicht in die Schale des kameragerechten Abstandbekennertums wirft, beweist damit nur, dass auch er zu den Verharmlosern und Beschönigern gehört, zu denen, die linke Gewalt nicht linke Gewalt nennen wollen.

      Es ist längst Wahlkampf, und da kann es nicht schaden, wenn man das Wörtchen „links“ mit soviel Gift anreichert, dass SPD und Grüne sich davon erst erholt haben werden, wenn die Wahl vorüber ist. Von der Linkspartei ganz zu schweigen. „Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau“, das stand 1953 auf einem Wahlplakat der CDU. Alle Wege „der“ Linken führen ins Schanzenviertel, das ist in diesen Tagen die semantische Strategie. In der linksradikalen Aktion, in linksextremer Gewalt offenbare sich sich nur besonders deutlich, worauf links zu sein im Grund immer hinauslaufe – und deshalb sei es nur verständlich, dass Grüne, Sozialdemokraten, Linkspartei diese Gewalt verharmlosten, „relativierten“ (wie es aus den begriffverdrehenden Propagandakloaken der AfD gellt) und die Schuld an den Exzessen auf die Polizei abschöben.

      Schon hat sich Heiko Maas, Justizminister und Sozialdemokrat, der Forderung angeschlossen, dass es analog zu „Rock gegen rechts“, auch „Rock gegen links“ geben müsse (Delmenhorster Kreisblatt vom 13. Juli). Um ein Zeichen zu setzen. Oder so.

      Auch Lüneburger Sozialdemokraten und ihre Freunde in Hannover und Berlin wirken eher defensiv, mutlos, verdruckst. Sie alle (Stegner in Kiel ist ein Ausnahme) meiden jetzt schon das Wörtchen „links“ zur Selbstbeschreibung, oder sie verleugnen, was noch verdruckster und absolut geschichtsvergessen wirkt, dass „links“ und „Gewalt“ – jenseits des Krankheitsherdes von 1968, der „im tiefroten Deutschen Herbst“ (1977 (!)) zum Vulkan mutierte – überhaupt ein Begriffspaar bilden können. Und keiner hat anscheinend den Mumm, die Lüneburger Öffentlichkeit an die Geschichte der SPD zu erinnern, daran dass die Sozialdemokraten eigentlich immer mit – und meistens ganz vorne – dabeibei waren, wenn es darum ging, Insubordination ohne Ausnahme, allen Aufruhr, jede Rebellion in Deutschland niederzuschlagen, von der Münchner Räterepublik bis zu der von Ihnen perhorreszierten Revolte der Studenten im Berlin der späten Sechziger. Es mag viele Gründe geben, sich Martin Schulz nicht als Bundeskanzler zu wünschen, — dass er Teil einer linken Bewegung wäre, die in Hamburg mal wieder ihr wahres („zweites, grausames“) Gesicht gezeigt hat, gehört aber ganz sicher nicht dazu.

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      • jj schreibt:

        Breit und relativierend erklären, heißt nicht gleich stark und schon gar nicht konkret argumentieren.
        Man kann alles, bohrt man nur tief genug, verstehen. Weil ja alles doch einen Grund hat, und sei es nur gewalttätige Abenteuerlust unter Koks. Und wenn man dann zur Rechenschaft gezogen wird, hilft immer noch ein guter Anwalt und eine schwere, unverstandene Jugend. 21ff

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    • Anne Heinen schreibt:

      Verzeihen Sie, lieber Herr Jenckel,

      aber die Bitte um journalistische Genauigkeit statt plakativer politischer Klischees als Forderung nach „relativierendem Erklären“ (also nach Wegerklären) zu bezeichnen, nenne ich runkelnden Populismus problematischster Güte! Jedes echte Erklären ist meines Erachtens immer ein Vergleichen, ein In-Beziehung-Setzen also ein Relativieren! Fürchten müssen wir uns gerade vor denen, die – aus Einfalt oder aus Kalkül – mit absoluten „Erklärungen“ aufwarten! Die dumpfe Kaczyński-Clique, die gerade den Rechtsstaat in Polen zerstört, bezeichnet Millionen von Landsleuten, die vor ihren Parlamentstoren demonstrieren, als „Bolschewiki“. Putin beschimpft einheimische russische Kremelkritiker als „Linksfaschisten“. Der verlogene Trump und seine republikanischen Speichellecker diffamieren nicht nur die Redakteure der New York Times als linke Volksverräter. Und Erdoğan peitscht blutige Säuberungen im großen Stil durch, indem er hunderttausende von türkischen Beamten und öffentlichen Angestellten als Angehörige der „extremen Linken“, der PKK oder der Gülen- oder Hizmet-Bewegung, verteufelt, während Viktor Orbán, der seiner selbst bis zum Platzen gewisse ungarische Ministerpräsident, der EU-„Inquisition“ und den europäisch orientierten Parteien seines Landes linksterroristische Unverschämtheiten vorwirft.

      Offenbar WOLLEN sie nicht verstehen. Militante Gewalttäter sind Kriminelle und gehören vor Gericht (wo sie sich dann ja im Rahmen rechtsstaatlicher Garantien mit Unterstützung ihrer Anwälte verteidigen und meinethalben auch auf Unzurechnungsfähigkeit wegen Drogenkonsums oder auf mildernde Umstände plädieren können, weil ihnen eine rauhe Kindheit ohne Farbfernseher aber dafür mit einer prügelnden, alleinerziehenden Mutter zugemutet worden ist).

      Was mich irritiert, wie Patrick Hansen, Basti und Wolfgang Schreiber offenbar auch, ist die Tatsache, dass Sie vor allem die Frage zu beschäftigen scheint, wie viel Gewalt in „der Linken“ stecke, beziehungsweise Ihre Überzeugung, dass sehr viel darin stecke, aber außerdem noch gesagt werden müsse, wie „links“ die Gewalttäter von Hamburg gewesen und wie ungheuer link(s) erst die Alt-Linken seien, die solches Linkssein nicht öffentlich verurteilen.

      Nimmt man Ihre Behauptung dieser Kausalkette, die im deterministischen Dreisprung von 1968 nach 1977 und dann ins Schanzenviertel von 2017 führt (in der NZZ von gestern auf Seite 22 bekommen Sie dieses quasi naturgeschichtliche Schema im geradezu erdoğanitisch verdichteten Terroristen-Identifiziermodell präsentiert: https://www.nzz.ch/feuilleton/linksautonome-gewalt-das-system-hat-aber-angefangen-ld.1307092, gegen das die dreisten Unterstellungen von Olaf Sundermeyer bei Hayali reine Kindereien sind (s.o. Ihr FAZ-Link)), ich sage, nimmt man jene Behauptung einmal als Frage, so offenbart diese ihre ganze Dürftigkeit spätestens in dem Moment, da man sich eine Antwort auf gleichem Niveau vorstellt: Ja, ziemlich links waren die, viel linker als die SPD oder die Grünen, linker sogar als die Linkspartei. Auf der nach oben offenen Linksskala haben unsere Messgeräte die stärksten Ausschläge seit dem Kampf ums Glockenhaus als autonomes Lüneburger Jugendzentrum vermerkt.

      Derartige Sortierungen und Skalierungen sollen suggerieren, dass mit ihnen Klarheit geschaffen werde, – wo doch die Frage, wer die Täter tatsächlich waren und woher sie kamen, die Frage, was da wirklich geschehen ist und wer sich alles hat verführen lassen von dem, was der Münchner LMU-Soziologieordinarius Armin Nassehi neulich in einem klugen Artikel (http://www.zeit.de/kultur/2017-07/g20-linke-gewalt-kapitalismuskritik-globalisierung-essay/komplettansicht) die Attraktion der Gewalt genannt hat, wo diese Fragen doch noch längst nicht abschließend beantwortet sind: Erste Zwischenberichte, veröffentlicht vor allem von Hamburger Zeitungen, scheinen aber darauf hinzuweisen, dass die Antworten den wenigsten gefallen werden, weil es anscheinend nicht viel mehr brauchte, als Krawall, Chaos, eine aufgeheizte Stimmung, damit auch Leute, die nur zufällig, aus Neugier oder Schaulust am Ort waren, mit Pflastersteinen oder Flaschen auf jene Polizisten warfen, von denen sie eigentlich wissen konnten, dass die, unterbezahlt und überarbeitet, am allerwenigsten können für die „Ungerechtigkeit der Verhältnisse“, gegen welche sich „die Aktionen“ (so der verharmlosende, hilflos in seinem verquasten Szene-Jargon eingesperrte Olaf Meyer) sich doch vermeintlich richteten.

      Es ist in diesen Tagen ja allseits darauf hingewiesen worden, dass die sogenannte Rote Flora, das Zentrum der Autonomen und Linksradikalen im Hamburger Schanzenviertel, genauso wie zum Beispiel ein besetztes Haus in Berlin-Friedrichshain nicht nur von der jeweiligen Obrigkeit mit ganz erstaunlicher Milde betrachtet werden, selbst dann, wenn die Leute dort gegen das eine oder andere Gesetz verstoßen (welches Verhalten Ihnen ja auch nicht völlig fremd ist: https://jj12.wordpress.com/2017/05/05/der-deutsche-regelverstoss-das-muss-kein-widerspruch-sein/ und: https://jj12.wordpress.com/2017/07/05/lueneburgs-stadtentwicklung-braucht-kein-hochglanzpapier/#more-197). Sondern dass eine gewisse, wohlwollende Indifferenz, vielleicht sogar Neugier und Sympathie für diese „Projekte“ bis weit in die „bürgerlichen Kreise“ (Peter Luths) reicht.

      Dies alles korrespondiert mit der Beobachtung, dass auch die Bereitschaft, gegen das G-20-Treffen zu sein, bis weit hinein in „bürgerliche“ und kirchliche Kreise zu spüren war, – wenn das auch aus eher unscharfen, allgemeinen, mehr dem Empfinden, als einer klaren politischen Haltung geschuldeten Gründen geschah, wie man dies etwa den ein wenig kitschig und naiv wirkenden Formen und Parolen des gewaltfreien Protests, bis hin zu „Yoga für den Weltfrieden“ ablesen konnte. Selbst Polizisten, verstanden gut, „warum die Leute wütend sind“: https://polizistmensch.de/2017/06/offener-brief-eines-polizisten-gedanken-zum-g20-gipfel-in-hamburg/

      Noch einmal, Herr Jenckel: Bei Ihrer Verurteilung des randalierenden Mobs haben Sie meine volle Zustimmung und ich glaube sogar, die der meisten Leser hier. Nur meine ich, Sie hätten unsere medialen Wortführer (unabhängig von ihrer politisch-weltanschaulichen Confessio) aufrufen sollen, hier einmal klar Stellung zu den Vorgängen zu beziehen, und hätten das entrüstete Aufspringen auf den bekannten Zug unterkomplexer agitatorischer Geschichtsfiktionen (68er-Virus, etc.) besser gelassen.

      Hans Delbrück, ein bedeutender Historiker im Kaiserreich, sagte einmal: „Die Menschen brauchen grob gefügte Münzen, die durch tausend Hände gehen und sich doch nicht abnutzen“. Einfache Schlagwörter. Aber als nachdenklicher, nicht vom Publikationsdruck getriebener Blog-Kommentator metropolregionaler Zeitereignisse sollten Sie sich sagen: Ich lasse auch mal die „Fifty Shades of Grey“ zu. Die Dinge sind kompliziert, und das nicht unter den Tisch zu kehren, steht uns besser an.

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      • jj schreibt:

        Das mit Runkel ist gemein.

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      • Anne Heinen schreibt:

        Für wen?

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      • jj schreibt:

        Komische Frage

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      • Carsten Dittmers schreibt:

        Bravo,

        ähnlich hatte Ulrich Schulte, der taz-Leiter Parlamentsbüro, schon am 8. Juli geschrieben:

        „Die Gewalttäter, die Teile der Stadt in Angst versetzten, Mülltonnen abfackelten, Geldautomaten aufbrachen und Polizisten mit Steinen bewarfen, sind nicht links. Manche von ihnen nennen sich vielleicht so, aber sie pervertieren eine politische Verortung, die sich traditionell an der Seite der Schwachen sieht. Diese Typen wollen nicht protestieren, sie haben kein politisches Anliegen. Sie wollen Randale – und machten die Stadt zu ihrem lebensgefährlichen Abenteuerspielplatz. Es ist nicht links, Kleinwagen anzuzünden. Es ist nicht links, einen Drogeriemarkt zu plündern. Es ist auch nicht links, eine Kitaleitung so zu verängstigen, dass diese die Eltern aufforderte ihre Kinder abzuholen – weil für ihre Sicherheit nicht mehr garantiert werden könne.
        (…)
        Bei der Aufarbeitung [der Krawallnächte] sollten die Beteiligten Mut zur Komplexität beweisen. Differenzierung ist in aufgeheizten Situationen nötiger denn je. Man kann Gewalt verurteilen, Polizisten loben – und einzelne Polizeiaktionen skeptisch hinterfragen. Alles gleichzeitig.“

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    • Arne Tabatt schreibt:

      Professor Rainer Kilb (* 1952 in Kelkheim/Taunus), einer der führenden akademischen Vertreter der »konfrontativen Pädagogik« in Deutschland, hat sich heute zur Frage geäußert, woher die Gewalt kommt, und geschrieben:

      »Bei den Hamburger Ereignissen kann man von fünf Gewaltformen ausgehen: (1.) von zweckorientierter Gewalt wie etwa dem Plündern von Geschäften, (2.) von affektuellem Reagieren auf nicht alltägliche Reize einer Eskalationsspirale, (3.) von kompensierender Gewalt im Rahmen einer Projektion eigener biografischer Demütigungen, die sich auch in politischer Radikalisierung äußern kann („Macht kaputt, was euch kaputt macht“), (4.) von Gewalt im Rahmen adoleszenter Identitätsfindung und (5.) von Gewalt im Sinne eines „Eigenwertes“, als körperlicher Selbsterfahrung durch Kampf, Erregung und Risikolust.

      In der Regel treffen solch unterschiedliche, zunächst eher persönliche Motive im Sinne einer Bereitschaft zur Gewaltausübung bei Ereignissen wie denen in Hamburg auf politisch akzentuierte und zumeist friedliche Artikulationspraktiken.
      (…)
      Die anfangs (…) rein auf Schutzaufgaben eingestellte Polizei gerät in einer solchen Dynamik leicht in die Rolle des Gegners, insbesondere bei dem Teil der Demonstranten, der mit auch anderen Motiven als den rein politisch orientierten teilnimmt. Die Polizei als Akteur ist dann kaum in der Lage, die intrinsische Gewalt von der politischen zu trennen; eine solche Trennung würde sich zudem als Spaltungsversuch der Demonstrationscommunity äußern und die Gegnerschaft zur Polizei verschärfen.

      Die Eskalationsspirale nimmt Fahrt auf, und die Konfrontationsspannung entlädt sich in einem Furor entgrenzter Gewalt. Die Polizei empfindet sich gegenüber einer überwältigenden Masse von Demonstranten wie „Freiwild einer aggressiven Erlebnisgesellschaft“. Der Exzess wird selbst zum intrinsischen Motiv von Gewalt. Lust im Zusammenhang mit Aggression steht für ein Gefühlserlebnis, welches durch Entgrenzung in einem Rausch aufgehen kann, der Kontrollverlust auf beiden Seiten der Akteursgruppen verursachen kann.
      (…)
      Will man den Entwicklungen kollektiver Gewaltexzesse wirklich näherkommen, müssen nicht nur sämtliche dieser verschiedenen Motive Einzelner im kollektiven Ganzen einer Großdemonstration betrachtet, sondern darüber hinaus auch miteinander verzahnt und in der Dynamik gegenseitiger Aufschaukelung begutachtet werden.
      (…)
      Wir müssen feststellen, dass wir es mit Begleiterscheinungen globaler Verwerfungen in ihrer nationalen Ausprägung zu tun haben, die wir nicht direkt lösen, aber aushalten können müssen. Das einzige wirklich Regulierbare für solche Widerstand evozierenden Gipfeltreffen ist die Wahl eines weniger vulnerablen Ortes als der einer Metropole. Hier ist der vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag des Frankfurter Satirikers Michael Herl, auf ein luxuriöses Kreuzfahrtschiff auszuweichen, fast schon genial.«

      Quelle: http://www.fr.de/politik/meinung/gastbeitraege/g20-krawalle-woher-kommt-die-gewalt-a-1319313

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  10. Klaus Bruns schreibt:

    dieses thema taugt nichts für schuldzuweisungen in eine bestimmte politische richtung. des deutschen liebstes hobby sind schuldzuweisungen. wer von gruppen- dynamik etwas versteht, weiß auch ,wann und warum was eskalieren kann. im vorfeld von diesem besonderen,,hafengeburtstag,, ist versagen in der politik flächendeckend zu erkennen gewesen. und damit meine ich nicht nur deutsche politiker. despoten regieren mit gewalt. gewalt erzeugt gegengewalt. es ist irrelevant ob man für oder gegen gewalt ist, sie wird trotzdem stattfinden. sympatisanten gibt es immer,sonst gäbe es keine gewalt. naivität ist in der politik sehr gefährlich und wer das lied von pippi langstrumpf kennt, unsere allseits geliebte ,,arbeitsministerin,, hat es im deutschen bundestag gesungen, weiß es auch. wie soll man gegen kriegstreibende vorgehen? freiwillig zur schlachtbank gehen? oder ihnen friedlich untertan sein? ob sich gewaltbereite politiker sich von friedlichen demonstrationen beeinflussen lassen? warum berichten medien ständig von übergriffen in ländern, wo friedliche demonstranten eingesperrt werden. ich erinnere an den chinesischen friedensnobelpreisträger. er ist tot. haben friedliche demonstrationen ,auch von den medien denn geholfen? nein!nach warren buffet leben wir im krieg. stimmungen werden weiter angeheitzt. wir sollten froh sein, dass es keine toten gab. ich befürchte, dieses wird nur eine frage der zeit sein, dass genau dieses bald geschehen wird. die reaktionen der empörten kann ich mir jetzt schon vorstellen, sie werden ihr eigenes verhalten dann aber immer noch nicht ändern.

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  11. Gerhard Fließ schreibt:

    Hallo Herr Jenckel,

    gilt auch bei Ihnen „Furorpflicht auf der Empöre“?

    Warum soll ich mich, nur weil ich zwischen 1946 und 1956 geboren bin, von ein paar Idioten distanzieren, die im Namen einer nebulösen „Linken“ Autos anzünden und einen Drogeriemarkt plündern?

    Hat Sascha Lobo vorgestern vielleicht auch Sie zum Maßhalten gemahnt und Ihnen ins Drehbuch geschrieben?

    Unter der Überschrift „World Wide Wut“ steht da zu lesen:

    „2017 gibt es in Deutschland über 30 Millionen aktive Facebook-Nutzer. Dort, in der Onlinebevölkerung, ist Verstörendes geschehen: ein sozialer Medien-Massenfuror, nicht als einzelner Wutausbruch, sondern über zwei, drei Tage, sich immer wieder selbstentzündend. Die deutsche Netzöffentlichkeit hat sich nach anfänglicher Irritation über die Härte der Polizei hineingesteigert in einen Empörungsrausch.

    Wichtigster Auslöser ist wahrscheinlich ein Video, in dem schwarz maskierte, entschlossene Männer in einem Wohngebiet ausschwärmen, wahllos Autos anzünden und Schaufenster einschlagen….

    Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/g20-gipfel-in-hamburg-sascha-lobo-ueber-den-umgang-mit-extremisten-im-netz-a-1157337.html

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    • jj schreibt:

      Hallo, Herr Fließ, natürlich habe ich den Beitrag von Sascha Lobo gelesen. Sie zitieren da etwas lang draus. Das ist dann kein Zitat mehr, sondern eine Kopie. Ich habe mal einen Link gesetzt. Lg

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    • Luisa schreibt:

      Lobo zitierte Nutzer, die bei Facebook fordern: „Abschlachten das Pack“, „zur Strafe selbst anzünden“, „Erschießen ist zu gnädig“. Diejenigen, die nun plötzlich solche radikalen Vorgehensweisen befürworten, lokalisiert er nicht im linken oder im rechten Spektrum, sondern in der „Mitte der Gesellschaft“. Und er warnt, je existenzieller die Bedrohung scheint, desto wichtiger werde es, sie differenziert und fern jeder Emotion zu betrachten und zu bewerten.

      Auch sein Text hat Leser dazu angeregt, im Forum von SPIEGEL ONLINE über dieses Thema zu diskutieren. In seinem neuen Debatten-Podcast reagiert Lobo auf einige der Kommentare:

      http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-der-debatten-podcast-von-spiegel-online-a-1157780.html

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  12. Martin Witte schreibt:

    Was soll man dazu noch kommentieren, Herr Jenckel?

    Es waren Hooligans, Schläger und Gewalttouristen. Heute nennen sie sich links, morgen rechts übermorgen identitär oder anarchosozialistisch. Seien wir froh, dass es keine Toten gegeben hat. Die alten Blödmänner aus der Roten Flora, die in den Nachrichten zu hören waren, sind nicht repräsentativ für die, die 1968 jung waren! Die RAF ist es nicht und Jutta Ditfurth und Karsten Hilsen sind es – dem Himmel – sei Dank auch nicht! Das „Rotgrünversiffte“ ist eine Erfindung von Primitivisten, deren Vernunftlosigkeit ebenfalls Ungeheuer gebiert. Passen wir auf, dass wir wegen tausend randalierender, plündernder und brandschatzender Verbrecher und ihren 28.000 Sympathisanten nicht eine ganze Generation von Siebzigjährigen verunglimpfen, auf die sich heute nicht nur „die Kreativen“ im Silicon Valley berufen.

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