Althusmann setzt mit Breakball zum Karrieresprung an

Lüneburg, 4. August 2017

Frustrierte Abgeordnete reagieren im Politikgefüge oft wie TNT. Jetzt hat eine Grüne in Niedersachsen die Landtagsmehrheit gesprengt, ist zur CDU gewechselt und hat für den CDU-Spitzenkandidaten Dr. Bernd Althusmann die Chance auf einen Breakball noch einmal erhöht. 

Als Althusmann trotz Granaten-Listenplatz sein Landtagsmandat überraschend verlor und sich nach Afrika zur Konrad-Adenauer-Stiftung verzog, glomm der Stern des Ex-Kultusministers nur noch. Dass er noch einmal zurückkehrt in den Landtag, war eigentlich sicher, weil er gut vernetzt ist in der CDU, weil er lange schon zu den Buddies des Ex-Ministerpräsidenten und Ex-CDU-Landeschefs David McAllister zählt. Dass er den ablöst, okay. Dass er Ministerpräsident werden soll, hielt ich anfangs für eine Mission: Impossible.

Althusmann ist strebsam und fleißig, ein Kämpfer, aber eben kein Mann fürs Volk, eher unnahbar. Übersehen habe ich: Dass die AfD die Landtags-Tektonik beeinflusst, dass die VW-Affäre die Landesregierung so schwächt, dass Schwarz-Grün immer mehr eine Option ist wie auch die Jamaika-Koalition. Schon als Fraktionschef im Lüneburger Stadtrat pflegte Althusmann einen guten Draht zu den Chef-Grünen.

Dass schließlich Angela Merkel die Supernova Schulz, darf man den Umfragen trauen, schadlos übersteht und weiter glänzt, gibt auch Althusmann Rückenwind.

Kurzum: Mit Amtsbonus schlägt zwar in der Regel der Ministerpräsident Stephan Weil auf. Aber Althusmann ist gut im Spiel, der Break möglich. Das stößt für den Lüneburger das Tor weit auf für eine noch größere Karriere. „Dann wartet Berlin.“ Und das sagt ein wichtiger Lüneburger Sozialdemokrat. Unterm Strich: Mission: Possible.

Hans-Herbert Jenckel

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102 Antworten zu Althusmann setzt mit Breakball zum Karrieresprung an

  1. jo bembel schreibt:

    „Das stößt für den Lüneburger das Tor weit auf für eine noch größere Karriere. „Dann wartet Berlin.“ Und das sagt ein wichtiger Lüneburger Sozialdemokrat. Unterm Strich: Mission: Possible.“

    Doktorchen Bernd Alt-hu:s-mann, der als Allzweckwaffe dienende Panzer der niedersäschsischen CDU, kann auch Bundeskanzlerkandidat: Und wenn das mit dem Amt, wie zu erwarten, nicht klappt, dann eben Kandidatur zum Bundespräsidenten. Oder doch lieber als bzw. zum NATO-Generalsekretär? EU-Ratspräsident? UN-Generalsekretär?
    Oder doch die Karriere als Wissenschaftler fortsetzen? Nobelpreisträger gibt es jedes Jahr!

    „Berni! Berni! Berni!“

    P.S. Konnte sein Vorgänger als Direktkandidat der CDU im Wahlkreis 51 (Seevetal) lediglich 43,9% der Erststimmen – und damit 7,9 Prozentpunkte mehr als der SPD-Bewerber – erzielen, gewann „Berni“ mit einem Stimmenanteil von 38,6% und 0,9 Prozentpunkten (750 Stimmen) Vorsprung und vermied so die völlige Blamage für wen auch immer.

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    • Heinrich Witte schreibt:

      Hallo Herr bembel,

      das Delmenhorster Kreisblatt meldet am 17. Oktober, zwei Tage nach dem schlechtesten Abschneiden der niedersächsischen Christdemokratenunion seit der Erfindung des Buchdrucks: „CDU-Chef Althusmann will Niederlage aufarbeiten“.

      Tun Sie dem Mann nicht Unrecht, wenn Sie darauf hinweisen, dass Althusmann um ein Haar nicht nur im Herbst 2011 seinen Doktortitel, sondern auch noch letzten Sonntag den Wahlkreis Seevetal an die SPD verloren hätte?

      Denn: „Ein Weiter-So soll es nach der Wahlniederlage der CDU am Sonntag offenbar nicht geben: Partei- und Fraktionschef Bernd Althusmann will die Landeszentrale der CDU umkrempeln“ meldet das Zentralorgan denkender Harburger.

      Und witer heißt es: „Der neue CDU-Landtagsfraktionschef Bernd Althusmann hat nach Kritik aus der CDU [!] eine Aufarbeitung der Niederlage bei der Landtagswahl [!!] in Niedersachsen angekündigt. Es werde in den nächsten Wochen [!!!] ’strategische Veränderungen‘ in der CDU-Landeszentrale im Wilfried-Hasselmann-Haus in Hannover geben, sagte Althusmann. Die Zukunft des langjährigen CDU-Generalsekretärs Ulf Thiele ließ er offen. Zudem werde es ‚zeitnah‘ einen Sonder-Landesausschuss der Partei geben. Der CDU-Landesvorsitzende war am Dienstag mit 86 Prozent Zustimmung zum neuen Fraktionschef gewählt worden. Von 50 Abgeordneten stimmten sechs gegen Althusmann, einer fehlte entschuldigt. Althusmann sprach von einem ‚ehrlichen Ergebnis‘.“ (https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/966597/cdu-chef-althusmann-will-niederlage-aufarbeiten)

      Allerdings sprach Althusmann nicht davon, dass der Grund für das historisch schlechte Abschneiden der CDU höchstwahrscheinlich vor allem er selbst ist. Auch ließ „Berni“ offen, warum es „Ein Weiter-So nach der Wahlniederlage der CDU am Sonntag“ nicht mehr geben soll, er aber trotzdem nicht all seine Parteiämter niederlegt und endgültig aus der Politik ausscheidet.

      Was meinen Sie, Herr Bembel, ist „Partei- und Fraktionschef Bernd Althusmann“ der Richtige, „die Landeszentrale der CDU umzukrempeln“? Wäre seine erste „wichtige ’strategische Veränderung‘ in der CDU-Landeszentrale im Wilfried-Hasselmann-Haus in Hannover“ nicht die Verabschiedung des scheppernd gescheiterten MP-Kandidaten Althusmann, die Weitergabe seines Mandats an Frau Elke Twesten und die Bekanntgabe seines Umzugs von Heiligen- nach Seevet[h]al?

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  2. Lieber Herr Bruns,

    mit großer Freude lesen wir, dass Sie sich neuerdings dem Coaching und Mentoring junger Ratstalente zugewandt haben, um groß- und edelmütig aus der schön schäumenden Fülle Ihrer tief dringenden Einsichten zu schöpfen und mit dem Reichtum wirkmächtig funkelnder Gedankenpreziosen, den zu Diamanten gepressten Essenzen Ihrer dem Fatum abgetrotzten Weltweisheiten, heilsam auf die bildsamen Gemüter von Lüneburgs ambitioniertesten Politik-Eleven einzuwirken.

    Der Staat muss aufrüsten, die elektronische Überwachung unserer Umwelt sollte ausgeweitet werden, die Vorratsdatenspeicherung intensiviert, die lückenlose digitale Vernetzung von Behörden und öffentlichen Einrichtungen mit sämtlichen ›Points of contact‹ unseres sozialen Lebens unbedingt kommen. Solchen Aussagen würden viele Studierende widersprechen. Aber wie macht man das, wenn die von einem ehemaligen Klassenkameraden, einem Onkel oder sogar von der eigenen Mutter kommen? Wie überzeugt man sie davon, dass diese Parolen falsch, ja, teilweise sogar gefährlich sind?

    Nehmen Sie nur das sogenannte ›Sicherheitspolitische Konzept der CDU in Niedersachsen‹*, dessen von Opportunismus geprägte, angeblich volksnahe, oft demagogische Phrasen und martialische Kampfformeln, die das Ziel haben, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf die kommenden Wahlen) zu gewinnen, Bernd Althusmann, Alexander Schwake und Niels Webersinn bei jeder sich ihnen bietenden Gelegenheit mit besorgtem Augenrollen herbeten. Ist dieses ›Konzept‹ – wo es nicht ohnehin weit offen stehende Scheunentore einrennt oder auf sinnleere, praktisch niemals umsetzbare Symbolpolitik setzt – Angstmacherei, die sich als deren Lösung ausgibt.

    Wenn Sie Lust haben, auch mit uns (http://www.diskursiv.net/ueber-uns/) darüber nachzudenken, schreiben Sie uns!

    * Siehe: http://cdu-niedersachsen.de/wp-content/uploads/2017/01/Sicherheitspolitisches_Konzept-Beschluss.pdf

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  3. Klaus Bruns schreibt:

    Dora Wagner
    nur zur ihrer information, ich war weder fdp-mitglied, noch cdu-mitglied. ihr zitat: Sie als Experte und Praktiker der unbeständigen Wankelmütigkeit, als einer, der, mit Ausnahme der extremistischen Rechten (Republikaner, NPD, AfD), alle Lüneburger Parteien mit seiner Mitgliedschaft beehrt hat.
    alle parteien? wie schlecht sind sie wirklich informiert? ehrlich, ich will es gar nicht wissen.

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    • Felix schreibt:

      Hallo Herr Bruns,
      Sie haben geschrieben:“meine kandidaturen,waren nur der not der parteien geschuldet, überhaupt welche aufstellen zu können. die egomanie war damals noch nicht ganz so schlimm verbreitet, wie heute. schmunzeln. herr webersinn und herr schwake (beide CDU) wissen bestimmt, wie ich es meine“… Und Anfang 2016 hatten Sie bei Blog.jj bekannt gemacht, in inniger kameradschaftlicher Enge mit Anikó Hauch in der Vorsitz-Doppelspitze den FDP Ortsverband Gellersen ganz neu und modern positionieren und in eine noch erfolgreichere Zukunft führen zu wollen.
      Kann man denn in Reppenstedt von der CDU und der FDP auch als Listenkandidat aufgestellt werden, ohne „weder fdp-mitglied, noch cdu-mitglied“ zu sein?

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    • Dora Wagner schreibt:

      Sehr geehrter Klaus Bruns,

      Parteimitglied oder bloß Anwärter für den Platz auf einer Empfehlungsliste der Partei, wahrhaftig, das sind so feine Unterscheidungen, wie sie einem Lobbyisten in eigener Angelegenheit wohl anstehen! Ein weiterer Nachweis dafür, dass Sie einer von den geschmeidigen Typen mit Witterung sind, die Sie in den Herren Trump, Althusmann und Bonin angreifen. Aber, Sie haben es ja selbst geschrieben: Bei egomanen ist dieses verhalten „normal“, die politik wimmelt davon. Warum sollten also gerade Sie, Herr Bruns, eine Ausnahme sein und auf das haarspalterische Begriffszergliedern und das wortklauberische Sinnverdrehen verzichten, wenn Sie dadurch auch nur einen kleinen kommunikationspolitischen Vorteil hier im Forum erwirtschaften können?

      Übrigens, dass Sie sich bei der Rentnerpartei noch nicht bemüht haben, hatten wir, wie es scheint, beide zu erwähnen vergessen.

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  4. Klaus Bruns schreibt:

    warum wird hier immer gern vom kern der geschichte abgelenkt? ganz einfach, erich mende lässt grüßen, soll heißen, es kommt in allen parteien vor. kein wunder, dass es vorkommt. bei egomanen ist dieses verhalten ,,normal,,. die politik wimmelt davon.

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    • Ludwig Hüttner schreibt:

      Herr Bruns, Erich Mende, mit dessen Namen weder Alexander Schwake noch Bernd Althusmann irgendetwas verbinden, trug das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse, die Nahkampfspange in Bronze, das Deutsche Kreuz in Gold und das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes; erhielt überdies für seine Verdienste um die Verhinderung der Sprengung des Marineehrenmals in Laboe vom Deutschen Marinebund 1983 das Goldene Eichenblatt und war ab 1993 mit dem Schlesierschild der Landsmannschaft Schlesien bewehrt. Dass der den ostpolitischen Kurs der Regierung Brandt/Scheel nicht mittragen wollte, im Oktober 1970 von der FDP- zur CDU/CSU-Bundestagsfraktion übertrat und auch Mitglied der CDU wurde, um so bis 1980 noch einmal zehn Jahre, 1972 und 1976 über die hessische Landesliste der CDU gewählt, im Bundestag zu sitzen, — wer kann es ihm wirklich verdenken?

      Man wird ihn mit einigem Recht für unbelehrbar halten, für engstirnig, für ermüdend rückwärtsgewandt und für eingeschnürt in einer bedrückend blechern scheppernden Ideologie, so gibt es doch einen wesentlichen Unterschied zu den Beteiligten der Hannoveraner Ränkespiele von heute: So wie Hermann Götz, Richard Stücklen, Erwin Lange oder Herbert Wehner besaß Mende noch eine politische Überzeugung – nicht nur einen Karriereplan. Er wurde nicht bloß als ein trocknes, unbeschriebenes Blatt vom lauen Lüftchen wechselnder Gelegenheiten und grassierender Stimmungen hin und her geweht.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Ludwig Hüttner ,
        wer kann es ihm verdenken? eine ganze menge können das. nur nicht so, wie sie, herr hüttner, denken. der verrat wird geliebt, aber nie der verräter.

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    • Dora Wagner schreibt:

      Sehr geehrter Klaus Bruns,

      Sie als Experte und Praktiker der unbeständigen Wankelmütigkeit, als einer, der, mit Ausnahme der extremistischen Rechten (Republikaner, NPD, AfD), alle Lüneburger Parteien mit seiner Mitgliedschaft beehrt hat und sofort nach seiner jeweils jedesmaligen Nicht-Nominierung zur nächsten gewechselt ist, muss ja wissen, welches Verhalten unter Egomanen als „normal“ gilt.

      Ich danke Ihnen für Ihre ungeschminkte Selbsteinschätzung, die noch einmal mitzuteilen eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, aber sicher Ihrem Drange geschuldet ist, die vielen zehntausend Lüneburger Leser von Bog.jj ebenfalls wissen zu lassen, dass Ihre fachlichen Erkenntnisse auch diesmal wieder aus erster Hand stammen.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        ach meine liebe Frau Wagner wird mal wieder persönlich. können sie sich nicht anders helfen? ich bin grundsätzlich nur in parteien eingetreten ,um mit deren mitgliedern zu reden und nicht über sie zu reden. mir machen es sich zu viele menschen mit ihren urteilen über andere zu einfach. sie sind zum beispiel so ein exemplar. meine kandidaturen,waren nur der not der parteien geschuldet, überhaupt welche aufstellen zu können. die egomanie war damals noch nicht ganz so schlimm verbreitet, wie heute. schmunzeln. herr webersinn und herr schwake wissen bestimmt, wie ich es meine. schließlich haben wir uns lange unterhalten. mit ihnen Frau Wagner, hatte ich nocht nicht das wahrscheinlich zweifelhafte vergnügen.

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      • Patrick schreibt:

        Genau! Im Grunde, wird jeder LZ-Abonnent sagen, hat nicht Jens Kiesel, sondern Klaus Bruns das Lüneburger Gummi-Twesten zwischen allen Parteiungen erfunden. Gab es 1976 nicht mal einen Hit zur Warnung vor dem Reppenstedter, der ungefähr so ging: „Oh, Kläus’chen Schleicher mit den elastischen Beinen, wie der gefährlich in den Knien federn kann. Die Ratsfraktionen fürchten sich und fangen an zu weinen, doch Schleicher Kläus’chen schleicht sich immer wieder an.“?

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  5. Helmut Müller schreibt:

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    warum greift Herr Althusmann nicht nach der Pauer?

    Sein CDU-Dachverband könnte zusammen mit der FDP die rot-grüne Regierungskoalition sofort ablösen. Ein konstruktives Misstrauensvotum benötigt einen Antrag und drei Wochen Wartezeit. Schon Ende August hätte der edle Retter sich zum Ministerpräsidenten wählen lassen und sein eigenes Kabinett bilden können, um „den Missbrauch des Landes und seiner Menschen durch Stephan Weil“ umgehend abzustellen und um „die Probleme in Wolfsburg kraftvoll zu lösen“. Althusmann selbst nannte nach dem spektakulären Transfergeschäft vom vorletzten Freitag das Misstrauensvotum „ein scharfes Schwert“, das er jederzeit ziehen (und schwingen) könnte, aber bisher „bewusst in der Scheide stecken gelassen habe“. Warum allerdings er „die Menschen in Niedersachsen“ – in solcher Bewusstheit – nicht sofort aus ihrem akuten Elend hat befreien und in den viereinhalb Monaten bis zum ursprünglichen Wahltermin Mitte Januar die allergrößten Fehler seines Vorgängers zügig hat ausbügeln wollen, verriet „der Panzer“, wie er von Parteifreunden in liebevoller Bewunderung für seine geistvolle Kultiviertheit genannt wird, nicht.

    Warum spielt Althusmann den Breakball nicht, Herr Jenckel? Ist ihm das Ergehen der leidenden Bürger denn egal? Ist ihm der eigene Karrieresprung morgen wichtiger als heute die unmittelbare Milderung oder Beseitigung fremder Not? Was meinen Sie? – Was leitet das „bewusste“ Unterlassen des Thronprätendenten aus Heiligenthal?

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  6. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole: mein Ehrenwort:

    Ich habe immer gesagt, dass ich zurücktreten würde, falls meine Partei wirklich an die Macht käme, weil ich keine Lust hätte, die tägliche Politikarbeit zu bewältigen – und dabei bleibt es wohl.

    Die meisten Politiker verteidigen ihre Sätze, nicht weil sie von der Wahrheit derselben überzeugt sind, sondern weil sie die Wahrheit derselben einmal behauptet haben

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    • Basti schreibt:

      FALSCH, Detlef: Die meisten Politiker verteidigen ihre Sätze nicht! Aber nicht, weil sie von der Wahrheit derselben nicht überzeugt sind, sondern weil sie die Wahrheit derselben einmal behauptet haben.

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  7. Uwi schreibt:

    Hannover (dpa/lni) – CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann hat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Mitverantwortung für den Machtwechsel in Niedersachsen gegeben. «Ein kluger, vorausschauender Ministerpräsident hätte immer darauf achten müssen, alle seine Leute an Bord zu haben. Das ist ihm völlig aus dem Blick geraten», sagte der CDU-Landesvorsitzende der «Braunschweiger Zeitung» (Freitag) mit Blick auf den Wechsel Elke Twestens von den Grünen zur CDU. Er habe zwar von deren Unzufriedenheit bei Weils Koalitionspartner gewusst, aber «bis auf den letzten Tag nicht ernsthaft geglaubt, dass Thümler und Busemann diesen Transfer wirklich so hinbekommen». Fantasiemangel und geringen Weitblick lasse er sich deshalb aber nicht vorwerfen, so Althusmann.

    Althusmann bekräftigte, dass Elke Twesten der Wechsel in die CDU nicht angeboten worden sei. «Der Übertritt ist bei uns Christdemokraten ein völlig normaler Vorgang, den es immer gegeben hat.» Er selber zum Beispiel plane seinen Wechsel zu den Sozialdemokraten für Anfang Oktober. Im Wahlkampf vor der vorgezogenen Landtagswahl am 15. Oktober müsse es nun aber wieder um Inhalte gehen, sagte Althusmann. Die CDU wolle es vor allem in der Bildungspolitik besser machen als die SPD. Deutlich besser werden müssten die Unterrichtsversorgung und die Vorbereitungen der Rückkehr zum Turbo-Abi.

    Quelle: https://www.welt.de/regionales/niedersachsen/article167581352/Weil-hat-Koalition-nicht-zusammengehalten.html

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  8. Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

    Da ich von Mörtel keine Einladung zum Opernball kriech, geht mir die Stadt Österreich am Arsch vorbei.

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    • Dietlof schreibt:

      Hier ist das Niveau Ihrer Replik wieder sehr deutlich in die Sphären der Gewöhnlickeit zurück gerumpelt, lieber Herr Fahrenwaldt.

      Für Inhalt und Form gibt es diesmal leider nur ein rite.

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    • Irene Warnke schreibt:

      Hallo Herr Fahrenwaldt, hallo Herr Pauly, hallo Herr Petroll,

      halten Sie Aufrichtigkeit und daraus abgeleitete Vertrauenwürdigkeit für „politisches“ Kapital von Personen (Spitzenkandidaten, Volksvertretern) oder Personengruppen (Parteien, Fraktionen), die z. B. „Niedersachsen nach vorne bringen“ wollen?

      Jetzt kam heraus:

      Sie hätten sich am 28. Juli das erste Mal über ihre Wechselabsichten unterhalten – so wiederholte es Bernd Althusmann, wann immer er in den letzten Tagen über den Wechsel von Elke Twesten von den Grünen zur CDU sprach. Allerdings, und das verschwieg der CDU-Kandidat bisher, haben die beiden schon am 9. Juni während einer Feier länger miteinander geplaudert. http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Niedersachsen/Uebersicht/Althusmann-und-Twesten-wann-sprachen-sie-zum-ersten-Mal

      Was sagen Sie dazu?

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  9. Jan Wrede schreibt:

    Sehr geehrter Herr Kreistagsabgeordneter Fahrenwaldt,

    Sie erinnern sich bestimmt an unser Vorstellungsbild von den Kreistagsabgeordneten Jens-Peter Schultz und Hinrich Bonin, wie sie ihre massiven Einwände gegen das Hoppenburger Arena-Projekt am 19. Juni im »Extended Frodo« (https://i.ytimg.com/vi/196Dgw3NvPI/maxresdefault.jpg) erheben oder das Schreiben wegen überzogen übergesetzlicher Übertragungsübergriffigkeit dem LZ-Ombudsmann Dr. Reiner Faulhaber mit ausgestreckter Hand im »Double Knee Hook« (https://www.landeszeitung.de/wp-content/uploads/2017/06/8383252_.jpg) überreichen.

    Jetzt lese ich, bei vielen Jungwählern sei laut Forschern die körperliche Attraktivität von Politikern ein entscheidendes Kriterium.

    «Jungwähler bewerten Politik anhand ästhetischer Kategorien. Sie sind sehr stark Augenmenschen und wollen Erkenntnisse durch bildliche Wahrnehmung gewinnen», sagte der österreichische Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier der Deutschen Presse-Agentur. Bei einer repräsentativen Umfrage seines Meinungsforschungsinstituts «tfactory» im Vorfeld der Wahlen in Österreich habe sich die Macht der Optik bestätigt. «Die starke Verkörperlichung des Politischen hat einen neuen Idealtypus hervorgebracht: den Slim-Fit-Warrior.»

    In Österreich verkörperten die sichtbar fitten Spitzenkandidaten Christian Kern (SPÖ) und Sebastian Kurz (ÖVP) diesen Typus. «Kurz und Kern symbolisieren den schlanken, neuen, liberalen, beweglichen, hochgradig individualisierten Kapitalismus», meinte Heinzlmaier. Bei politischen Inhalten müssten die meisten Befragten passen, aber ob jemand modern und modisch sei, wüssten sie ganz genau, so der Forscher. «Sie beurteilen immer das, was oberflächlich wahrnehmbar ist.» Quelle: https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/politik/944892-schlank-an-die-macht-junge-waehler-moegen-slim-fit-warrior

    Was meinen Sie, Herr Fahrenwaldt, welcher Niedersachse würde bei der 26. Nationalratswahl in Österreich, die ja auch am 15. Oktober 2017 stattfindet, in den Kategorien «Jugendlichkeit», «Modernität», «Durchsetzungsfähigkeit» punkten?

    Ich befürchte, zehn Wochen vor der Wahl sind die Erkenntnisse der Studie von Heinzlmaier für den Spitzenkandidaten der CDU, Bernd Althusmann, nicht ganz so schmeichelhaft. Der 50-Jährige wird vermutlich eher als weniger attraktiv wahrgenommen. Althusmann hat abgebaut. Er wirkt leicht übergewichtig, blass und nicht vital. Er strahlt keine Dynamik mehr aus.

    Ganz im Gegensatz zu Stephan Weil. Der juvenile sozialdemokratische Politiker, der mit den Wolfsburgern Pirouetten tanzt, trifft bestimmt auch mit seinen gut überlegten Slogans – etwa auf http://www.stephanweil.de – zum Beispiel «Hier geht es um mich» einen Nerv bei den jungen Menschen. Weil ist ein Meister der Dekomplizierung, meint ja mancher Beobachter.

    Auch müsse man in den Konflikt mit den Modernisierungsverhinderern in der eigenen Partei treten, schreibt Heinzlmaier. Genau das verschaffe die Glaubwürdigkeit, verändern zu können. Insofern ist nach meiner Ansicht die einmütige Nominierung des Ex-Namibia-Exilanten zum CDU-Direktkandidaten des Seevetaler Wahlkreises 51 im Februar äußerst kritisch zu sehen. Wenn man wie Bernd Althusmann 99 Prozent bekommt, ist das im Prinzip schon der Untergang, würde Heinzlmaier mit Gewisheit schlussfolgern.

    Also, Herr Fahrenwaldt? Welcher unserer beiden Amtsanwärter hat Ihres Erachtens das Kurze-Kernige? Das Slim-Fit-Warrior-Gen? Wer stößt jetzt das Tor weit auf für eine noch größere Karriere? Über wen würde ein wichtiger Lüneburger Sozialdemokrat sagen: «Auf den wartet Wien»? Wer symbolisiert den schlanken, neuen, liberalen, beweglichen, hochgradig individualisierten Kapitalismus am vorteilhaftesten? Und wen würden SIE als Bundeskanzler der Republik Österreich vorziehen? Bringen klassische Politiker – zumindest solange es noch keinen Livestream aus dem Lüneburger Kreistag gibt – überhaupt noch die sozial-kulturelle Empathie rüber, «um von jungen Menschen emotional angenommen zu werden»?

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    • Leo Fischer schreibt:

      Hallo Herr Fahrenwaldt, kann es sein, dass Ihr Unwille, etwas Sinnvolles auf die Fragen von Jan Wrede zu antworten, mit einer altersbedingt zunehmenden Wahrnehmungstrübung zusammen hängt? Realität ausblenden, an lange gepflegten Glaubensschätzen festhalten, den Wandel einfach nicht mehr wollen? Wenn es doch im Zeitalter der großen Rückentwicklungen, in denen uns allen Ernstes Karikaturen wie Tump, Kim Jong-Un und Rodrigo Duterte beschäftigen (http://www.titanic-magazin.de/fileadmin/content/Postkarten/170809_Atom.jpg), in denen das Glotzen und Dabeisein mehr zählt als das Aufnehmen und Verarbeiten, ein Bild mehr als ein Gedanke, ein geiler Fake mehr als ein uncooles Faktum, ein Stream mehr als ein Zusammenhang, warum soll da «die starke Verkörperlichung des Politischen nicht einen neuen Idealtypus hervorgebracht: den Slim-Fit-Warrior»? Müssen Sie sich nicht auch irgendwie dazu verhalten, dass die angesagte Frage längst nicht mehr lautet: «Wer expropriiert die Expropriateure?», sondern: «Wer symbolisiert den schlanken, neuen, liberalen, beweglichen, hochgradig individualisierten Kapitalismus am vorteilhaftesten»? (Vgl.: (http://www.wulfenerhals.de/fileadmin/user_upload/Eroeffnung_Duenenpark_1.jpg) Von manchem Böswilligen wird Karl Marx die Sentenz zugeschrieben: «Wenn eine Idee und ein Interesse zusammenstoßen, dann blamiert sich immer die Idee.»

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Lieber Leo Fischer, es ist auch mir als „relative Persönlichkeit der Zeitgeschichte“ unbenommen auf verhuschte Fragen (welcher Lüneburger 3. Klassen-Politiker wird Bundeskanzler in Österreich) eine ebenso verhuschte Antwort geben zu dürfen und wenn Sie meinen, dass sich die Qualität eines Nachwuchspolitikers am Boddymaßindez bemisst können Sie sich auf einen Einstieg des 2. Klitschkos in die Politik freuen.

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    • Leo Fischer schreibt:

      Lieber Herr Fahrenwaldt,

      da ich mich gerne mit Ihnen streite und für heute meinen Spaß hatte, möchte ich Ihnen als Zeichen meiner Dankbarkeit das Geschenk einer Leseempfehlung machen, die an Ihren gestrigen VW-Post in der LZ anknüpft: Sebastian Brünger (http://zzf-potsdam.de/de/news/sebastian-brunger-droysen-preis-ausgezeichnet) erörtert in seinem eben erschienenen Buch (das auch zeigt, was eine Dissertation sein kann oder sein sollte, die man wirklich als eine solche bezeichnen darf): „Geschichte und Gewinn. Der Umgang deutscher Konzerne mit ihrer NS-Vergangenheit“ (Wallstein Göttingen 2017, 452 Seiten, 39,90 Euro) an vier Beispielen (Bayer, Deutsche Bank, Daimler und Degussa) Strategien und Formen unternehmerischer Vergangenheitspolitik oder -manipulation (sehr oft mit Hilfe bezahlter Wissenschaftler). Der Wolfsburger Konzern kommt leider nur am Rande vor, aber es wird begreiflich wie z. B. in Niedersachsen die siebzigjährigen Gepflogenheit Normalität werden konnte, dass – auch wenn Herr Althusmann jetzt etwas anderes behauptet – durchweg ALLE Regierungserklärungen, in denen es um VW geht, bei VW zum Redigieren vorgelegt wurden und werden. CDU als auch SPD haben es in ihren jeweiligen Regierungszeiten so gehalten. Der Punkt ist nicht, wie Althusmann seinen eventuellen Wählern weis machen möchte, dass sowas in Krisenzeiten krimineller als in ruhigen ist, sondern dass eine solche Praxis NIEMALS mit der Souveränität und der Integrität einer Regierung vereinbar sein kann – oder gewesen ist. Hier eine sehr gute Rezension, die Ihnen Appetit machen wird: http://www.sueddeutsche.de/politik/ns-vergangenheit-der-konzerne-die-wagenburg-der-anstaendigen-1.3618139

      Apropos, die überaus strebsame Entwicklung Ihres früheren Kollegen, des ungemein geschäftstüchtigen Diplom Ökonomen Malte Riechey, demonstriert, dass es auf einen niedrigen Body-Mass-Index alleine nicht ankommen kann, wenn einer «den schlanken, neuen, liberalen, beweglichen, hochgradig individualisierten Kapitalismus vorteilhaft symbolisieren» (und praktizieren) möchte. Wollen wir die Thesen des österreichischen Jugendforschers Bernhard Heinzlmaier nicht in toto über den Haufen werfen, müssen wir wohl annehmen, der Ausdruck «Slim-Fit-Warrior» sei irgendwie metaphorisch aufzufassen (vielleicht etwa so wie Sascha Spouns senkrecht zur Uelzener Straße stehender Läufi-Haupteingang als «Pfeil in die Zukunft zu deuten ist» – oder, wenn man an den Keller denkt, vielleicht auch als «Piephahn mit Stress-, Belastungs- oder Überlaufinkontinenz»).

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:
      • Karsten Konradi schreibt:

        Cool, Herr Fahrenwaldt!

        „Alles beim Alten, alles wie gewohnt!
        Durch die Woche gekrochen, wie auf Rohypnol?
        (…)
        Die dummen Sprüche, die kamen, souverän überhört?
        Die Augenringe gekonnt mit Sonnenbrille kaschiert?

        Es ist Freitag Abend, das wahre Leben lockt
        ‚N Bündel Euro auf Tasche, ’nen Haufen Bullshit im Kopf?
        Wollen doch mal sehen, wie gut die Nacht es mit Ihnen meint?
        Es ist Freitag Abend, ja Sie wären dann so weit?
        Und was auch immer geschieht wird erst ab Montag bereut,
        Denn vorher fehlt die Einsicht und die Zeit?
        Achtung, Sie kommen“?

        Das rockt! Das schillert vielsagend. Da erspart Daniel Wirtz Ihnen mal wieder die Mühen des Antwortens mittels Selbstformuliertem.

        Zwinkerzwonker!

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  10. Miriam Wurster schreibt:

    Lieber Detlef, die resolutesten Verkäuferinnen Lüneburgs findet man in der Damenwäscheabteilung bei Karstadt. Freudig unterwerfe ich mich diesen Wunderwesen mit kantigen Brillen. Sie haben eine beruhigend schroffe Autorität und scheuen sich nicht, Kundinnen ihnen ungeeignet erscheinende Ware aus den Händen zu nehmen und somit den Kauf zu untersagen. Es ist immer wieder spannend, in welchem Moment sie unbeirrt – ratsch! – den Vorhang der Umkleidekabine aufreißen, um den Sitz des Büstenhalters zu kontrollieren. Niemals würde ich anderen Menschen auch das erlauben: sich hinter mich zu stellen und ohne Warnung die Strumpfhose unter dem Kleid bis kurz unter die Achseln hochzuziehen.

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  11. Ossarek Bruns schreibt:

    Sehr geehrter Herr Althusmann,

    1. Sind Sie bereit, die Arbeitszeitstudie und die Belastungsstudie der Universität Göttingen als eine wesentliche Grundlage für die Beurteilung der Arbeitszeit der Lehrkräfte in Niedersachsen anzuerkennen?
    2. Werden Sie die Empfehlungen der „Arbeitszeitkommission“ akzeptieren, die von der Landesregierung im November 2016 eingesetzt worden ist und auf dem Urteil des OVG Lüneburg basiert, und diese in einer neuen Arbeitszeitverordnung umzusetzen, die zum 1. August 2018 in Kraft tritt?

    Mit freundlichem Gruß
    Ossarek Bruns

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  12. Susanne Jäger schreibt:

    Hallo Herr Jenckel,

    Ende September 2016, ein paar Wochen vor seiner Nominierung als CDU-Direktkandidat im Wahlkreis 51 für die kommende Landtagswahl, hat Bernd Althusmann „den Menschen in Seevetal, Neu Wulmstorf und Rosengarten“ fest, feierlich und verbindlich zugeschworen, er werde, so er im Februar 2017 gewählt werde, mit Frau, Kindern und Hund nach Seevetal umziehen. Eine Scheinadresse in der Region komme für ihn keinesfalls infrage. Anfang Dezember steigerte er sein emotionales Heimatbekenntnis noch einmal, indem der Lüneburger die Welt wissen ließ, im Herzen sei er schon immer Harburger gewesen.

    Am 14. Februar ist Althusmann, der ohne Gegenkandidaten angetreten war, schließlich auf dem gut gefüllten Saal bei Böttcher in Nenndorf von den Mitgliedern des CDU Gemeindeverbandes Seevetal mit 104 von 105 abgegebenen Stimmen gekürt worden.

    Wissen Sie zufällig, ob Herr Althusmann sein ehrenwörtliches Vorwahlversprechen inzwischen eingelöst und sein neues Zuhause zwischen Maschener Kreuz, Horster Mühle und dem größten Rangierbahnhof Europas bezogen hat?

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    • jj schreibt:

      Ich werde nachfragen, beides, Versprechen und Umsetzung. LG

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      • Gerda Ebeling schreibt:

        Das ist eine Sache, die ich mir auch schon öfter überlegt habe, Herr Jenckel.Was ist mit dem vielmals angekündigten Umzug nach Harburg? Betrifft ja auch die Glaubwürdigkeit des Kandidaten. Wenn Sie da bei Blog.JJ schnell Auskunft geben könnten, wäre ich Ihnen dankbar. Auch ist mir nicht klar, ob einer im Wahlkreis, für den er kandidiert, nicht sogar nach Recht und Gesetz leben und wohnen muss.
        Dann möchte ich noch fragen, was passiert, wenn Herr Althusmann im Oktober nicht in den Landtag gewählt wird? So ist es ihm im Januar ’13 schon einmal gegangen. Trotz Spitzenplatz mit 3facher Absicherung. Kann er sich dann trotzdem zum Präsidenten der Minister wählen lassen? Oder muss es dann doch wieder ein anderer machen? Wenn die Genossen nicht ohnehin die Mehrheit haben, wer könnte das dann werden? Doch nicht etwa der olle Busemann?

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    • Wolfgang Schreiber schreibt:

      Hallo Herr Jenckel,

      kennen Sie Dennis Thomas‘ schönes Video vom 7. Oktober 2016, das er am stark bedieselten Straßenrand bei Heiligenthal aufgenommen hat, nachdem „im Saal der Wassermühle das Publikum gepeist und das Geschirr geklappert hatte, während Althusmann, der gebürtige Oldenburger über das geschützte Leben hinter hohen Mauern, Elektrozäunen und Sicherheitsdienst sprach, das er führte in dem außerhalb dieser mondänen Premiumfortifikation für reiche Weiße und einheimische Milliardäre sonst so armen Land, in dem Menschen verhungern und ‚Trinkwasser ein Luxusgut ist‘, aber nimmer-politikverdrossene Vorbildsbürger stundenlang in Wahllokalen anstehen, um wählen zu dürfen“? ==> https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/367578-politische-einsicht-in-der-wueste

      Schon dort unterstreicht Bernd Althusmann – ungefragt – ab Minute 2:25: „Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, dass ich da, wo ich kandidiere langfristig natürlich auch leben möchte, weil ich mich um die Menschen vor Ort kümmern möchte.“

      Dies nur als ersten Hinweis für Ihre Recherchen. Ansonsten einfach einmal, z. B. morgen Früh, um Viertel vor sieben in unserer Dorfbäckerei Soetebier (Horster Landstr. 64 in Seevetal/Maschen, Telefon 04105 / 669444) mit Kamera und Mikrofon die Brötchenholenden fragen, wie die Zusicherungen im Einzelnen lauteten.

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    • Susane Jäger schreibt:

      Hallo Herr Jenckel,

      Sie wollten netter Weise nachfragen (s. o.: Ihr Post vom 8. August).

      Haben Sie schon eine Auskunft erhalten?

      MlG, Susanne Jäger

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    • Susanne Jäger schreibt:

      Lieber Herr Jenckel,

      ich habe mir Ihr Gespräch mit Herrn Althusmann angesehen und die gewünschten Informationen erhalten (https://www.lzplay.de/index.php/2017/08/16/althusmann2/).

      Herzlichen Dank!

      Es gäbe einiges Kritische dazu anzumerken, aber etwas an der Art, wie Ihr Gast sich auf dem Seil bewegt, verbietet mir, auch nur zu hüsteln. Soviel immerhin: Das, was wir heute, meist ohne zu wissen, woran genau wir eigentlich dabei denken, als Authentizität bezeichnen, nannte Schiller Anmut, die freie Bewegung in Schönheit, oder den unwillkürlichen Ausdruck einer Harmonie zwischen Sinnlichem und Geistigem. Kleist hat die Überlegungen des großen Marbachers wenige Jahre nach dessen Tod in dem berühmten Aufsatz „Über das Marionettentheater“ aufgegriffen und ihnen eine zeitliche Dimension hinzugefügt. Seine Schlussworte werden Sie kennen: „So, wie sich der Durchschnitt zweier Linien, auf der einen Seite eines Punkts, nach dem Durchgang durch das Unendliche, plötzlich wieder auf der andern Seite einfindet, oder das Bild des Hohlspiegels, nachdem es sich in das Unendliche entfernt hat, plötzlich wieder dicht vor uns tritt: so findet sich auch, wenn die Erkenntnis gleichsam durch ein Unendliches gegangen ist, die Grazie wieder ein.“ Ich befürchte, auf den Wiedergewinn unangestrengter Natürlichkeit wird Herr Althusmann deutlich länger warten müssen als auf den eines politischen Mandats in Hannover.

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    • Lena Bergmann schreibt:

      Lieber Herr Jenckel,

      jetzt muss schnell auch das Gespräch mit Stephan Weil kommen. Alles andere wäre Wettbewerbsverzerrung!

      Vielleicht fragen Sie ihn einmal, warum er sich von Herrn Althusmann in die Rolle des klagenden Gefoppten drängen lässt, warum er den „kommunikativen“ Kardinalfehler macht, ständig Vorwürfe zu wiederholen („Ich habe meine Regierungserklärung nicht weichspülen lassen“; „Ich habe keine strafbaren Handlungen des Vorstands von Volkswagen ignoriert“, etc.), warum er Althusmann, der ja Angriffsflächen in Fülle bietet, nicht seinerseits angreift, dessen Glaub- und Vertrauenswürdigkeit nicht infrage stellt und warum er nicht in knapper, eingängiger Weise Ziele formuliert („Niedersachsen zuerst“), anstatt lahme Rechtfertigungstiraden („Ich werde einer Intrige nicht weichen!“; „Wir sind nicht für die Bildungsmisere verantwortlich“, etc.) zu streuen. (Schon auf der „offiziellen Homepage von Stepan Weil“ fängt es an: Ein erschöpft grienender Ministerpräsident biedert sich an: „Moin, herzlich willkommen auf meiner Homepage! Hier geht es um mich, vor allem aber um Niedersachsen.“ Es geht um ihn? Warum nicht: „Hier geht es um Niedersachsen und darum, was ich für seine Menschen tun kann“? Seine Blog-Kolumne ist eine Katastrophe! Stellvertretend für das meiste: 19. Juni 2017, 10:29 Uhr, „Eigentlich bin ich der typische Heimschläfer – zuhause schlafe ich am besten“, etc. – gäähhhn)

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    • Lena Bergmann schreibt:

      Lieber Herr Jenckel,

      Ihr Gespräch mit dem aufgeräumten und im Vergleich zu Bernd Althusmann deutlich entspannteren Ministerpräsidenten Stephan Weil von gestern, Freitag, den 1. September, hat mir gut gefallen.

      Vielen Dank!

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  13. Kevin Schnell schreibt:

    Sehr geehrter Herr Zießler,

    in Ihrem heutigen Komentar (https://www.landeszeitung.de/kommentar, Zugriff: 14:11 Uhr) sprechen Sie unter der Überschrift „Relikt als kollateraler Schaden“ drei Themen an: A) Das Renegatentum der Elke Twesten, B) das Schattensegeln von Bernd Althusmann und C) das „betreute Regieren“ (Heribert Prantl) in Niedersachsen.

    Zu Ihren Ausführungen habe ich fünf Fragen:

    1. Sie schreiben, man könne Frau Twesten kaum vorwerfen, dass sie aus strategischem Kalkül übergelaufen ist. Dieser Satz ist doppeldeutig. Meinen Sie, Parteikonversion „aus strategischem Kalkül“ dürfe man niemandem vorwerfen – also auch Frau Twesten nicht? Oder kritisieren Sie, die Grüne habe nicht (einmal) „aus strategischem Kalkül“ die eine Fraktion verlassen und die andere bereichert?

    2. Dann benutzen Sie den Ausdruck „rachedurstiger Stellungswechsel“. Woher wissen Sie, welche Affekte das Verhalten der langjährigen Landtagsabgeordneten steuern?

    3. Althusmann ist eine farblose, durch schwere politische (und persönliche) Fehler zwischen Juni 2009 und Februar 2013 stark belastete Figur, deren einziger Vorteil ist, dass sie der breiteren Öffentlichkeit in Niedersachsen bisher kaum bekannt war. Wieso glauben Sie, die Merkelliebe der Deutschen hätte ihm am 24. September „ziemlich sicher“ in die Staatskanzlei geholfen? (Stephan Weil ist sehr beliebt und Land ist nicht gleich Bund – auch am gleichen Wahltag nicht. 2013 hat die Union auf Bundesebene 7,7 % hinzugewonnen, auf Landesebene 6,5 % verloren.)

    4. Sie stellen m. E. zu Recht klar, dass „die filzige Nähe“ von Landesregierung und VW-Vorstand alle bisherigen Ministerpräsidenten (nicht zuletzt auch Wulff und McAllister) betraf. Wie der jetzige wird auch der nächste balancieren müssen. Häme darüber können sich die CDU und die FDP allen voran Bernd Althusmann sparen. In den Worte Prantls: Solches Fingerzeigen „ist scheinheilig. Die von der CDU in Niedersachsen gestellten Regierungen haben es (in Zeiten, die für VW weniger angespannt waren) nicht anders gehalten; man saß miteinander im Schaumbad des VW-Erfolgs und seifte sich gegenseitig ein.“ Sie sagen auf der einen Seite, das VW-Gesetz sei veraltet, ein Überbleibsel aus der Nachkriegszeit, andererseits „eine Bastion gegen Heuschreckenangriffe und ein Korrektiv in den Rivalitäten der Besitzer-Familien“? Wie lautet Ihre Empfehlung?

    5. „Wir wollen VW aus der Umklammerung durch die Politik befreien“, posaunte Bernd Althusmann am heutigen Dienstag unter anderem dem NDR ins Mikrofon, womit er – für die Forderungen logischer Konsistenz offenbar unempfänglich – seinem Vorwurf vom Sonntag, die Regierung sei nur eine Handpuppe der Konzernleitung, offen widersprach (denn jetzt würgt und gängelt jene diese offenbar). Glauben Sie, ein Tandem aus MP und „einem Experten“, i. e. „einer parteipolitisch unabhängigen Person, die sich mit Wirtschaftsprüfung ebenso gut auskennt wie mit der Automobilbranche“ im VW-Aufsichtsrat, wie Althusmann vorschlägt, würde die Zusammenarbeit „verfachlichen“ – oder würde das darauf hinauslaufen, die Auto-„Kompetenz“ allein beim Ministerpräsidenten zu konzentrieren und eine effektive Kontrolle zugunsten eines „persönlichen Regiments“ künftig komplett auszuhebeln?

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  14. Kevin Schnell schreibt:

    Lieber Herr Jenckel,

    haben Sie vorhin die Tagesthemen gesehen?

    Mir scheint, Althusmann ist immer weniger gut im Spiel, der Break kaum noch möglich. Seine Machenschaften, die jetzt so nach und nach ans Licht kommen, stoßen für den Heiligenthaler das Tor wieder auf für eine noch größere Karrierepause. „Dann wartet Windhoek.“ Und das sage ich nicht als ein wichtiger Lüneburger Sozialdemokrat. Unterm Strich: Mission: Horrible!

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    • jj schreibt:

      Nein, ich habe mit meiner Band geübt. Eigene Stücke. Nichts von Belang. Aber eben eigen. Nicht von der Stange, keine Konfektionsware.

      Bei manchen Kommentaren beschleicht mich die Sorge, nur weil einer eine große Zeitung zitiert, glaubt er auch selber einen großen Kommentar abgesondert zu haben. LG jj

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      • Kevin Schnell schreibt:

        Das soll selbst unter Profis vorkommen, Lieber Herr Jenckel. Bernd Althusmann hat sich bis Juli 2011 ja sogar in dem Glauben gewiegt, große Zeitungen NICHT zu zitieren, könne ihn mit der Würde zieren, einen großen Kommentar abgesondert zu haben.

        Alles in allem, geben Sie zu, daß der Breakball verschlampt wurde und die Chancen beim Inhaber des Amtsbonus wieder steigen, seinen Aufschlag durchzubringen?

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      • jj schreibt:

        15. Oktober.

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  15. Strebsam und flleißig! Eignung, Neigung, Leistungsfähigkeit, Glaubwürdigkeit?

    Dissertation:
    „Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung – Folgen für die Personalentwicklung“ (Betriebswirtschaft, Uni Potsdam)
    Ende 2011 geriet der niedersächsische Minister Bernd Althusmann ins Visier der Plagiatsjäger. Dieser Fall war besonders heikel, denn Althusmann war damals nicht nur Kultusminister dieses Landes, sondern auch noch amtierender Präsident der Kultusministerkonferenz KMK. Er hatte es besonders toll getrieben, indem er sogar aus den Werken seines Doktorvaters abgeschrieben hatte und dabei auch noch falsch zitierte. (Seite 257, obwohl der Band nur 186 Seiten hatte). Der Reserveoffizier Althusmann, auch „Panzer“ genannt, erhielt für seine Forschungsleistung von der Universität Potsdam das wohl angemessene Prädikat rite (ausreichend) und war damit zufrieden. Zufrieden konnte er auch mit der Entscheidung der Gutachter seiner Universität sein: sie bestätigten ihm zwar zahlreiche formale Mängel in der Dissertation, aber er durfte seinen Dr.-Titel behalten.
    Ja, ich fürchte. Entweder gibt es einen Epochenwechsel – oder meine Magisterarbeit war grober Unfug.

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  16. Andreas Maier schreibt:

    Die bisher genaueste Darstellung der Fakten, die belegen, dass die niedersächsische Regierung den Landtag und damit auch die Opposition spätestens am 15. September 2016 umfassend „darüber informierte, dass Reden von Weil zum VW-Skandal dem Autokonzern vorab zur Prüfung geschickt wurden“ und „wie sehr Ministerpräsident Weil und seine Regierung in Hannover mit der VW-Spitze über Kreuz sind, was den Umgang mit der Affäre anbelangt“ [Weil drängte zu Ehrlichkeit und weniger Beschönigungen], bietet die Süddeutsche Zeitung:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/niedersachsen-niedersachsens-regierung-draengte-vw-vergeblich-zu-mehr-offenheit-in-abgasaffaere-1.3619598

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  17. Andreas Maier schreibt:

    Tja, Herr Jenckel,

    es scheint, Althusmann setzte mit Breakball zum Karrieresprung an und landet jetzt als Fangopackung vor dem Schlammbad, das er für Stephan Weil eingelassen hatte.

    Siehe: ZEIT ONLINE, 7. August 2017, 21:57, dpa, jp: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/dieselskandal-vw-niedersachsen-landtag-opposition-stephan-weil-streit

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  18. Andreas Maier schreibt:

    WAS FÜR EINE MIESE SCHMIERENKOMÖDIE VON ALTHUSMANN & Co. !

    SCHAUDERHAFT !

    »Die Opposition in Niedersachsen ist schon vor einem knappen Jahr über die Abstimmung einer Rede von Ministerpräsident Stephan Weil mit VW informiert worden. Während sich CDU und FDP heute darüber empören, hatte sie seinerzeit keine Bedenken. Dies ergibt sich aus dem Protokoll einer Sitzung des Wirtschaftsauschusses des Landtags im September 2016, das der dpa vorliegt. In der Ausschusssitzung hatte die Landesregierung die Abgeordneten aller Parteien darüber informiert, dass eine Rede Weils über die VW-Abgasaffäre dem Konzern vorab zur Prüfung vorgelegt worden war.«

    Quelle:(dpa-Meldung von 21:17 Uhr) http://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/niedersachsens-opposition-wusste-von-vw-absprachen-15141551.html

    Was sagen Sie dazu, Herr Jenckel?

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  19. Tobias Günther schreibt:

    Lieber Herr Jenckel,

    die beiden Skandale, meint Lisa Caspari, Redakteurin im Ressort Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei ZEIT ONLINE, vor zwanzig Minuten in einem langen Artikel, könnten Stephan Weil vielleicht sogar helfen, die Landtagswahl nun doch zu gewinnen.

    „Zum Beispiel der Fall der Grünen Elke Twesten, die ihren Wechsel zur CDU-Fraktion nicht mit Gewissensbissen bezüglich einer konkreten politischen Entscheidung, sondern vor allem mit fehlenden Karrierechancen bei den Grünen erklärte.

    Diesen ‚Verrat am Wählerwillen‘, wie es die Sozialdemokraten nennen, wollen sie sich im Wahlkampf zu eigen machen. Die SPD will aus der Twesten-Affäre einen Bumerang machen. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, ein Niedersachse, sagte am Montag, er habe am Wochenende in seiner Heimat viele Menschen erlebt, die ‚angewidert sind von der Art und Weise‘, wie die CDU dort versuche, Politik zu machen. ‚Wir erleben eine Solidarisierungswelle, viele Bürger sind wütend und sauer und wollen die SPD im Wahlkampf unterstützen“, sagt ein Sprecher des SPD-Landesverbandes in Hannover.“
    (…)
    Auch tauge die Verbrüderung von Autoindustrie und Politik in Niedersachsen nicht zum Wahlkampfthema. „Schließlich hängt dort jeder dritte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von VW ab, wie das Wirtschaftsministerium auf seiner Website schreibt. Rund 250.000 Wähler finden es vielleicht also gar nicht so skandalös, dass die Landesregierung in ihren Reden Rücksicht auf den eigenen Arbeitgeber nimmt.“

    Zumal auch der CDU vorgeworfen werde, zu eng mit der Autoindustrie verwoben zu sein. Das Verhältnis von Autoindustrie und Politik werde also auch die CDU in Niedersachsen ganz gewiss nicht neu erfinden. Vgl.: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/stephan-weil-spd-niedersachsen-volkswagen-ruecktritt/komplettansicht

    Was glauben Sie heute, drei Tage nach dem CDU-Coup, Herr Jenckel?

    Der Breakball ist doch wohl vorerst vergeben, oder? Jedenfalls ist Weil zurück im Spiel.

    Wem werden die Wähler am 15. Oktober zurufen „Punkt, Satz und Sieg“?

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  20. Heike Öslau schreibt:

    Althusmann und seine CDU werden froh sein, dass sie in Niedersachsen derzeit nicht mitregieren und deshalb auch nicht mehr (oder noch nicht) im VW-Aufsichtsrat sitzen. Das gilt aber besonders auch für Björn Försterling und Stefan Birkner von der FDP, die mit schamloser Tartüfferie herumposaunen, Stephan Weil sei dem Aufsichtsratsmandat bei VW nicht gewachsen und die FDP fordere deshalb die Amtsaufgabe vom Ministerpräsidenten. Müsste aber nicht gerade diese Partei, die privaten Wettbewerb als Markenkern propagiert, sich stärker für ihre Widersprüche im Fall von Volkswagen rechtfertigen als jede andere?

    Die Staatsbeteiligung, die dem Land Niedersachsen seit Jahrzehnten eine Sperrminorität im Autokonzern sichert, hat die FDP in letzter Konsequenz stets verteidigt. So jubelte auch ihre damalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, als der Europäische Gerichtshof 2013 die Klage gegen die Sonderrechte abwies, die das VW-Gesetz Staat und Gewerkschaften sichert.

    Übergroßer Staatseinfluss ist aber die Wurzel der Skandale und Mauscheleien, mit denen der Konzern schon vor dem Dieselabgasbetrug von sich reden machte. Die Landespolitik versagt – seit Jahrzehnten – als Kontrolleur, weil sie nicht unabhängig ist und es nie war oder sein wollte. Der Haushalt hängt am Steuerzufluss des Konzerns, die Wählerstimmen am Wohlwollen der starken Gewerkschaften. KEINE PARTEI rührt an diesem marktwidrigen Zustand, auch die Althusmannsche nicht und selbst die nicht, die sich „liberal“ nennt. Offenbar sieht die FDP in Hannover nur die Macht, die nun schon wieder zum Greifen nahe rückt.

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    • Werner Fuchs schreibt:

      Liebe Frau Öslau,

      daß Bernd Althusmann von der CDU sowie Björn Försterling und Stefan Birkner von der FDP gottfroh sind, daß sie in Niedersachsen derzeit nicht mitregieren und deshalb auch nicht mehr (oder noch nicht wieder) im VW-Aufsichtsrat sitzen, in dem sie vor vier Jahren die Anbahnung des beispiellosen weltweiten Kundenbetrugs verschlafen haben, glaube ich auch.

      Aber mit Ihrer Ursachenforschung gehe ich nicht d’accord! „Übergroßer Staatseinfluß ist die Wurzel der Skandale“, nämlich bei VW und anderswo? Sie meinen aber nicht die überaus branchenfreundliche Gesetzgebung oder die enormen Subventionen mittels Dienstwagenprivileg, oder? – Davon ist bei unseren Freundinnen und Freunden freiheitlicher Ordnungspolitik, heißen sie nun Öslau, Althusmann oder Lindner, seltsamerweise nie die Rede –, sondern Sie meinen, daß bei VW das Land Niedersachsen eine Sperrminorität besitzt, und schreiben: „Die Landespolitik versagt als Kontrolleur“, eigentlich: Kontrolleurin, „weil sie nicht unabhängig ist. Der Haushalt hängt am Steuerzufluß des Konzerns, die Wählerstimmen am Wohlwollen der starken Gewerkschaften. KEINE PARTEI rührt an diesem marktwidrigen Zustand, auch die Althusmannsche nicht und selbst die nicht, die sich „liberal“ nennt. “

      Liebe Frau Öslau, klingt das nicht sehr nach den immergleichen lies’schen Signalen aus der kahlen zeinertschen Nebenwelt unserer abwanderungsentschlossenen Mit-Mach-IHK? Die Landespolitik ist nicht unabhängig vom größten Konzern des Landes, weil er der größte Steuerzahler und Arbeitgeber ist: ein, schreiben Sie, „marktwidriger Zustand“. Wie sähe aber nun ein marktkonformer Zustand aus, Frau Öslau? Das müßte wohl einer sein, wie auch Herr Althusmann ihn schmetternd fordert, einer, in dem die Landespolitik unabhängig vom größten Konzern des Landes ist und Wählerstimmen nicht am Wohlwollen der starken Gewerkschaften hängen, also Gewerkschaften keinen Einfluß aufs Wahlvolk haben, – also keinen. Damit die Landespolitik ihrer Aufgabe, den größten Steuerzahler und Arbeitgeber des Landes zu kontrollieren, unabhängig nachkommen kann, muß nicht nur die Sperrminorität weg (die sich ja schlimmstenfalls sehr marktwidrig für Sozialklimbim mißbrauchen läßt), sondern müssen auch die Steuern runter und die Arbeitsplätze auf eine Weise prekarisiert werden, daß Wählerstimmen nicht sowohl am Wohlwollen der Gewerkschaften als an dem der „Bild“-Zeitung hängen? Soll es darauf hinauslaufen?

      Und die Landesregierung versagt als Kontrolleurin, weil sie abhängig ist? Das sind Regierungen in Marktwirtschaften freilich immer – weshalb Kretschmann vor Daimler und Seehofer vor BMW und Dobrindt vorm VDA und Merkel vorm BDI ihre Bücklinge machen –, und weil das nun mal so ist und Sie, Frau Ösling, und Herr Althusmann, bzw. seine „Berater“, woher immer die stammen, aber marktwidrige Zustände nicht und nicht ertragen, müssen Sie und Herr Althusmann wohl so konsequent sein und das Regieren gleich ganz abschaffen oder es jedenfalls in Richtung small government modeln. Und „Experten“ zuziehen! Damit die Marktwirtschaft sich endlich unbehelligt selbst kontrollieren und die Skandalwurzeln ausreißen kann (vgl. u.a. „Der Spiegel“ 30/217: „Das Kartell“: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/volkswagen-audi-porsche-bmw-und-daimler-unter-kartellverdacht-a-1159052.html), anstatt bspw. irgendwelchen kleinkarierten US-Behörden Strafmilliarden hinterherzuwerfen, die doch bei den Aktionärinnen weißgott besser aufgehoben sind.

      Ich kann es nicht mehr hören, liebe Frau Öslau; und nehme mir die „Freiheit“ (FDP), es nicht zu müssen und mich erfreulicheren Dingen, nämlich meiner Arbeit zuzuwenden.

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    • Lucas Niemann schreibt:

      Sehr geehrte Heike Öslau,

      erinnern Sie sich?

      Vierte Freiburger These der F.D.P. von 1971:

      „Das Vertrauen des klassischen Liberalismus, die Ziele einer liberalen Gesellschaft aus dem Selbstlauf einer privaten Wirtschaft zu erreichen, ist nach den geschichtlichen Erfahrungen nur in Grenzen gerechtfertigt. Es besteht kein selbstverständlicher Einklang zwischen persönlichem Vorteil und allgemeinem Wohl. (…) Die Tendenzen zur Akkumulation des privaten Kapitals, wie sie in der Verzinsung des Geldes, aber auch in der Wertsteigerung des Bodens sichtbar werden, sind einem über Gewinnstreben und Marktnachfrage gesteuerten Wirtschaftssystem ebenso eigentümlich wie die Tendenzen zur Konzentration des privaten Eigentums an den Produktionsmitteln. Sie sind die Kehrseite der durch eben diese Mechanismen gesicherten Leistungsfähigkeit eines solchen Wirtschaftssystems.

      Dem freien Selbstlauf überlassen müssen eben diese negativen Tendenzen, bei aller ungebrochenen Leistungsfähigkeit, dessen Menschlichkeit am Ende zerstören: durch permanente Überprivilegierung der Besitzenden gegenüber den Besitzlosen, der Reichen gegenüber den Armen, der Produzenten gegenüber den Konsumenten, des Faktors Kapital gegenüber dem Faktor Arbeit.“

      (Die Freiburger Thesen zur liberalen Reform des Liberalismus wurden am 27. Oktober 1971 auf dem 22. Ordentlichen Bundesparteitag der FDP als Programm beschlossen. Sie waren eine Reaktion auf den gesellschaftlichen Umbruch der späten Sechzigerjahre. Und auf die Bundestagswahl 1969, nach der es zwar zur Bildung der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt gekommen war, die FDP aber bloß 5,8 Prozent erreicht hatte – das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte bis zum 22. September 2013, dem Tag ihres Ausscheidens aus dem Bundestag mit einem Ergebnis von 4,8 Prozent.
      Als Verfasser der Thesen gelten der damalige Parteivorsitzende und spätere Bundespräsident Walter Scheel, der Generalsekretär Karl-Hermann Flach und der spätere Bundesinnenminister Werner Maihofer.)

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  21. Lena Bergmann schreibt:

    Hallo lieber Herr Bürgermeister Löb,

    Sie sind – neben Ulrich Mädge – der wahrscheinlich erfahrenste Lüneburger Beobachter des Politikbetriebes im Fünfeck zwischen Göttingen, Wolfsburg, Lüneburg, Cuxhaven und Osnabrück.

    + Die SPD verbreitet über Facebook, etc. das Plakat: „Das Volk wählt die Mehrheit. Man kauft sie nicht.“ (https://www.facebook.com/spdnds/photos/a.79887874484.77998.76866574484/10155642791384485/?type=3)

    + Die B90/Grünen nennen Frau Twesten eine „Verräterin“.

    + Und Bernd Althusmann (Sicherheit, Innovation, Fairness (!)), der sonst jedes CDU-Mitglied umgehend für vogelfrei erklärt, das eine andere Meinung hegt als er selbst, lobt die verfassungskonforme „persönliche Gewissensentscheidung, die Frau Twesten getroffen hat, welche es zu allererst zu respektieren und zu akzeptieren“ gelte. Bei ihrem „Parteiwechsel aufgrund einer stetig gereiften konservativen Grundstruktur“ handle es sich um „einen Schritt, der ihr sicherlich nicht leichtgefallen“ sei.

    Wie analysieren und bewerten Sie die Vorgänge rund um die Niedersächsische Staatskanzlei?

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  22. Georg Grothe schreibt:

    Vom Ende Dezember scheidenden Chefredakteur der Landeszeitung Christoph Steiner gibt es unter dem Titel „Twestens teurer Transfer“ einen melancholischen Kommentar zum schäbigen Hannoveraner Bubenstück, der es wert ist, auch von der großen, kritischen digitalen Fan-Gemeinde der Jenckelschen Blog-Jott-Jogger gelesen und immer wiedergelesen zu werden:

    »Zwölf Jahre nach dem „Heide-Mord“ von Schleswig-Holstein spielt sich in Niedersachsen nun ein „Heidekreis-Mord“ ab. Opfer sind jeweils rot-grüne Konstellationen. Doch während der Abweichler von Kiel, der die Karriere von SPD-Ministerpräsidentin Heide Simonis 2005 jäh beendete, bis heute ein großer Unbekannter bleibt, wissen die Landtagskollegen in Hannover genau, woran sie sind. Die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten aus Rotenburg/Wümme im Heidekreis setzte sich – Neymar lässt grüssen – auch für ihre Fraktion völlig überraschend selbst auf die Transferliste und wechselt zur CDU.

    In Euro und Cent, wie bei dem brasilianischen Kickerstar, lässt sich die Kostspieligkeit dieses Wechsels zwar nicht berechnen. Aber mit Blick vor allem auf die im laufenden Wahljahr ohnehin schwer gebeutelte SPD kann man erahnen, dass Twestens Schritt von den Genossen als nicht minder teuer wahrgenommen wird. Der Verlust der Parlamentsmehrheit ist ein GAU, der nur fünf Monate vor der etatmäßigen Landtagswahl noch verheerender wirkt und dessen Schockwellen den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz gut sechs Wochen vor dem Bundestagsvotum ebenfalls empfindlich treffen. Nach Hannelore Kraft und Torsten Albig reiht sich nun offenbar auch Stephan Weil ein in die Jahresliste gescheiterter SPD-Ministerpräsidenten.

    Weder Vergabe-Affäre noch VW-Abgasbetrug, angeblich unbemerkt auch von ahnungslosen Aufsichtsratsmitgliedern aus dem Landeskabinett, läuten eine Zeitenwende in Hannover ein, sondern eine von der eigenen Partei enttäuschte einzelne Abgeordnete. Nebenbei rührt Elke Twesten eifrig an ihrem Karrieresüppchen, das sie, dann freilich im CDU-Trikot, nach eigenem Bekunden entweder in den Bundestag oder ins Europaparlament spülen soll. Letzteres nährt den Argwohn der Grünen, dass ihre Enttäuschte von den Schwarzen damit zum Überlaufen verlockt, gar gekauft worden sei. Das weist CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann kategorisch zurück, räumt gleichwohl ein, dass er vergangene Woche von Twesten selbst über ihre Wechselabsichten informiert worden sei.

    CDU und FDP, plötzlich ausgestattet mit einem Sitz Mehrheit, haben es selbst in der Hand, wie üppig der Honig für sie fließen wird nach dem rot-grünen Desaster. Das steht für sich. Daher sind bei Schwarzen und Gelben Besonnenheit und Augenmaß mehr gefragt, als sogleich die Keule zu schwingen. Die würde Misstrauensantrag, Weils Abwahl und auf den Herbst vorgezogene Neuwahlen heißen.«

    (Quelle: https://www.landeszeitung.de/kommentar (Abgerufen: 6. August 2017, 12:46 Uhr))

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  23. Kevin Schnell schreibt:

    Konnte man sich Freitag Nachmittag, den 4. August, zwei Minuten nachdem die Bombe vom Überlaufen der grünen Elke Twestens zu den Schwarzen geplatzt war, als Bernd Althusmann in seiner langen, sorgfältig vorbereiteten Pressemeldung von 15:32 Uhr behauptete: „Die amtierende Landesregierung hat sich durch mutloses und kraftloses Agieren ausgezeichnet“, noch fragen, was er damit eigentlich meinte, so ist es jetzt heraus: Seit gestern Spätabend muss Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sich gegen den Vorwurf wehren, er habe eine Regierungserklärung durch Mitarbeiter des VW-Konzerns umschreiben lassen (https://www.landeszeitung.de/blog/newsticker/933622-weil-wehrt-sich-gegen-vorwuerfe-wegen-absprachen-mit-vw). Damit wird Weil als „mutloser und kraftloser Akteur“, als windelweiches Werkzeug der Bosse, gebrandmarkt. Trifft der Vorwurf zu, ist Stephan Weil als Ministerpräsident nicht mehr zu retten.

    Aber was für ein ekelerregendes Schelmenstück, was für eine perfide Dramaturgie! Erst den Teppich unter den Füßen wegziehen, dann die charakterliche Integrität des Taumelnden beschädigen.

    Erinnert diese ganze empörende Inszenierung nicht sehr an den spektakulären Fall des auf peinigende Art unbeholfen-unglücklichen Bundespräsidenten Wulff, an dessen methodischer Demontage als Regisseur beteiligt gewesen zu sein, der frühere niedersächsische Justizminister und jetzige Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) stets lautstark dementierte? (Vgl. etwa: https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/548853/busemann-wehrt-sich-keine-wulff-geheimnisse-verraten-1#gallery&0&0&548853)

    Ist in Wöllnau im Landkreis Nordsachsen nicht eben gerade die Matsch-Fußball-Meisterschaft zuende gegangen?

    Dort reichte der Dreck den Spielern nur bis zum Knöchel (http://www.radioleipzig.de/uploads/pics/matsch.jpg).

    Bei der Schlammschlacht von Hannover quillt der stinkende Unrat allen Beteiligten bereits aus den aufgerissenen Mäulern.

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  24. Andreas Maier schreibt:

    Hallo Herr Jenckel, bei mir verstärkt sich der Eindruck, Björn Thümler und Bernd Althusmann haben in dieser hässlichen Schmuddelpartie ein Eigentor geschossen, das ihre ohnehin angeschlagene Glaub- und Vertrauenswürdigkeit sehr schwer beschädigt und die CDU im Kampf um die Macht in Hannover weit zurückwirft. Kann man das, nach allem, was wir inzwischen erfahren haben, so sehen? Und was machte Sie gestern so optimistisch, dass Herrn Althusmann und dessen Christen-Kompagnons solche unwürdigen Machenschaften von den Wählern nicht auf die Rechnung gesetzt werden würden?

    Interessant dazu ist auch das Interview mit Stefan Weil von heute Mittag: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/weil-ueber-twesten-wechsel-unsaeglicher-vorgang-15138245.html

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  25. Berthold Schwarze schreibt:

    Die CDU täte sich mit der Abwahl von Weil keinen Gefallen. Bis zur in 5 Monaten ohnehin fälligen Wahl könnte Althusmann nicht viel Regierungsrenommee aufbauen, wäre aber auf ewig mit dem Makel des hinterhältigen Intriganten behaftet, zumal die Abgefallene kein Geheimnis von ihren äußerst zweifelhaften Motiven macht.

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  26. Karen Fincher schreibt:

    Sehr unappetitlich! Da bringt Frau Twesten ja ein dickes Geschenk für ihre Aufnahme in die CDU mit. Hätte sie anständig das Ende der Legislaturperiode abgewartet, dann wäre die Begeisterung über diese Spitzenkraft bei Althusmann sicher verhaltener gewesen. Zwar kann Frau Twesten als Beamtin in ihren alten Beruf zurückkehren, aber die Gehaltseinbußen werden schon sehr erheblich sein, da Frau Twesten ja nicht so viele Berufsjahre als Zollbeamtin vorweisen kann. Mit diesem „Neuzugang“ ramponiert auch Althusmann seinen ohnehin nicht sehr guten Ruf weiter, denn dieses Chaos kostet das Land viel Geld und die Tolerierung eines solchen Verhaltens macht Erpressung zum Vorbild für parlamentarisch demokratisches Verhalten. Noch mehr Seilschaften und Sesselhocker, die den Bürger entsetzen.

    Allerdings haben solche Machinationen in der Niedersachsen-CDU Tradition. Erinnert sich noch jemand an den September 1989, wo ein SPD-Nachrücker auf wundersame Weise einen Tag nach seiner Mandatsübernahme aus der Fraktion austrat und damit der CDU die Mehrheit sicherte (die hatte gerade einen Abgeordneten an die Republikaner verloren)? Wenn es um Macht geht, ist der CDU Nds. kein Weg zu schmal.

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  27. Martin Weber schreibt:

    Bernd Althusmann, Landesvorsitzender und Spitzenkandidat der CDU, gab am Freitag in einer Presseerklärung bekannt, dass es in den kommenden Tagen zuerst darum gehe, die Rechtslage zu klären. „Elke Twesten gilt in ihrer politischen und parlamentarischen Arbeit als sachorientiert und als Realpolitikerin. Als Landesvorsitzender der CDU in Niedersachsen nehme ich Sie gerne in unsere Reihen auf.“ Zudem äußerte er sich kritisch gegenüber der Regierung Weil, es habe Vorboten für das Scheitern gegeben. „Die amtierende Landesregierung hat sich durch mutloses und kraftloses Agieren ausgezeichnet. Das alles mag dazu geführt haben, dass sich das Klima in der rot-grünen Koalition immer weiter verschlechtert hat.“ Ort: https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/929971-rot-gruene-mehrheit-im-landtag-weg-das-sagen-die-lueneburger-abgeordneten

    Das ist die Stimme eines schäbigen, widerwärtigen und gierigen Opportunismus der abstoßendsten Sorte!

    Wenn Althusmann und die CDU diese miese „Gelegenheit“ nutzen, um die Regierung Weil zu stürzen, werden Sie sich in einer Weise beschädigen, um nicht zu sagen beschmutzen und die Politikverdrossenheit, um nicht zu sagen den Politikekel in einer Weise fördern, die ihnen über Jahre hinaus kein Wähler verzeihen wird.

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  28. Michèl Pauly schreibt:

    Solch ein politisches Beben, das Ende einer Regierung, bietet einer Opposition die Chance, wohlverpackt und als Solche nicht gekennzeichnet, einen Kübel voll Häme über die betroffene Partei auszuschütten. Alleine: An diesem Tag kann ich es nicht. Auch wenn Rot-Grün in vielen Punkten, sei es Fracking oder die Inklusion, weit hinter ihren Wahlversprechen zurückblieb, Sie hat eine Chance verdient vom Souverän, dem Wähler, beurteilt zu werden. Einer Abgeordneten, die um den Termin der Aufstellungsversammlung herum, bei dem Sie erwartbar nicht wiedergewählt würde, auf einmal größte Diskrepanzen zu der Partei erkennt für die sie 20 Jahre eingestanden hat und in der hunderte Ehrenamtliche für Sie ihre Freizeit geopfert haben, solch einer Abgeordneten gebührt nicht die Ehre einen Regierungswechsel herbeizuführen. Wir brauchen – so schnell wie möglich, das heißt am Tag der Bundestagswahl – Neuwahlen in Niedersachsen und eine demokratische Entscheidung wie es mit unserem Land weitergeht. In Lüneburg nennt man das Verhalten von Frau Twesten den doppelt geschwungenen Meihsies – ohne standhaften Abgang.

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    • Dörte Schulz schreibt:

      Lieber Herr Pauly,

      dass „Abgeordnete, die um den Termin der Aufstellungsversammlung herum, bei dem sie erwartbar nicht wiedergewählt worden wären, auf einmal größte Diskrepanzen zu der Partei erkennen, für die sie 20 Jahre eingestanden haben und in der hunderte Ehrenamtliche für Sie ihre Freizeit geopfert haben“, sich gekränkt fühlen können und das Abteil wechseln, dürfte Ihnen doch nicht völlig unbekannt sein:

      Am 14. Januar 2013, wenige Tage vor der Landtagswahl, wechselte Sigrid Leuschner von der SPD zur LINKEn, nachdem Doris Schröder-Köpf in einer Kampfabstimmung an ihrer Stelle zur SPD-Direktkandidatin im Wahlkreis Hannover-Döhren gewählt worden war.

      Auch unsere langjährige Ratsdame Petra Güntner verließ die SPD am 30. April 2016, machte in großem Zorn die gute Frau Lotze für die Verhinderung ihrer Wiederaufstellung verantwortlich, und ist seit dem 30. November 2016 bei den Lüneburger LINKEn.

      Sehen Sie bitte einmal zum Post von Frau Hannemann hoch. Wie können Sie sich über die Motive der Abgeordneten Elke Twesten so sicher sein wie Stephan Weil, Miriam Staudte und Andrea Schröder-Ehlers, die doch alle ihre eigenen, ganz speziellen Beweggründe haben, die Lage „so und nicht anders“ zu interpretieren. Soweit ich höre und lese, ist Frau Twesten mit ihrem Gewissen (auf das alleine es im Leben von Abgeordneten ankommt, wie unsere Verfassung betont) im reinen.

      Woher rührt Ihre Empörung, Herr Pauly? Könnten Sie Ihre Haltung mit etwas konkreteren, stärker an den hier regierenden Umständen orientierten Argumenten einsichtig machen?

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      • Petra Güntner schreibt:

        Sehr geehrte Frau Schulz, ich bedaure mit Ihrem Namen nun gar nichts zu verbinden – aber das ist auch nicht enttscheidend. Warum sie die Affäre in Hannover mit mir in Verbindung bringen, entbehrt jeglicher Tatsachen! Wie sie richtig zitiert haben, bin ich NACH der Kommunalwahl der Linken beigetreten! Aber wir können uns gerne darüber unterhalten, das die SPD-Faktion sehr gerne den Parteiaustritt des Ratsherrn der Rentnerpartei ohne Mandatsrückgabe einverleibt hat, oder wie ein grüner Ratsherr mit dem Versprechen auf einen sicheren Listenplatz von OB und SPD-Fraktion zum Austritt bei den Grünen bewegt hat. Also, mal halblang!

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      • Dörte Schulz schreibt:

        Du lieber Himmel, Frau Güntner,

        ich wollte Sie auf gar keinen Fall beleidigen. Und Sie eigentlich auch nicht „mit der Affäre in Hannover in Verbindung bringen“. Es ging mir im Gegenteil gerade darum, durch das Beispiel von Sigrid Leuschner und Ihnen die Vehemenz des Moralisierens bei Herrn Pauly ein wenig zu dämpfen und darauf aufmerksam zu machen, dass für Parteiwechsel, selbst wenn diese für die konvertierenden Personen in zeitlicher Nähe zu enttäuschenden „Aufstellungsversammlungen“ lagen oder liegen, keineswegs immer unehrenhafte Motive den Ausschlag geben müssen. Das Gefühl der Kränkung bei einem sich ankündigenden oder bereits erfolgten Fehlschlag im Kampf um einen aussichtsreichen Listenplatz für ein Wahlamt ist für jeden, der eine oder mehrere Legislaturperioden politisch aktiv war, gut nachzuempfinden. Aufschäumende Erbitterung ist menschlich. Und auch dem, was ich den weltanschaulich-ideologischen „Abteilwechsel“ genannt habe, kann, wie ich es etwa in Ihrem Fall unterstelle, ein langer Prozess wechselseitiger geistiger Entfremdung voraus gegangen sein, der auf der einen Seite zu wachsender Ablehnung, ja, Zurücksetzung und auf der anderen Seite, hier bei Ihnen, zu gedanklicher Neu- bzw. Re-Orientierung geführt hat – aber eben wohl auch zu Verärgerungen über ehemalige Kolleginnen.und Kollegen.

        Und Ihre „Verbindung zur aktuellen Hannoveraner Affäre“ ergibt sich einfach daraus, dass diese Affäre das Thema dieses Blog-Threads ist und ich Herrn Pauly als Lüneburger Linkem mit einem Muster aus seiner eigenen Umgebung zum Nachdenken bringen wollte. Ich habe Herrn Pauly gefragt, ich zitiere:“Wie können Sie sich über die Motive der Abgeordneten Elke Twesten so sicher sein“? Und ich habe Michèl Pauly, in Anlehnung an Frau Gabriele Hannemann oben, auf das verfassungsbewehrte Recht der Mandatsfreiheit hingewiesen, das allein die Inhalte von Gewissensentscheidungen als Maßstab des Verhaltens von politischen Vertretern anerkennt.

        Wie Sie, Frau Güntner, und wie Frau Leuschner ist auch Elke Twesten ja keineswegs die erste und einzige Abgeordnete, die die Fraktion gewechselt hat. Im Bundestag ist das immer wieder vorgekommen. In der ersten Legislaturperiode haben 53 Abgeordnete die Fraktion gewechselt, in der zweiten waren es noch 40. Berühmte Parteiwechsler waren Gustav Heinemann, Oskar Lafontaine, Günther Verheugen und Otto Schily. Die SPD verdrängt ferner, darauf hat ein Herr Tabatt weiter unten hingewiesen, dass ihre prekäre Mehrheit im Thüringer Landtag darauf beruht, dass ein AfD-Abgeordneter im April 2016 zur SPD-Fraktion übergetreten ist. Was ist anrüchiger, könnte man Herrn Pauly in diesem Zusammenhang einmal fragen: Von den Grünen zur CDU zu wechseln oder von der AfD zur SPD? Ist ein Parteiwechsel zur CDU anders zu bewerten als einer zur SPD? Meine Absicht am Freitagabend war es, wie gesagt, Herrn Pauly (und natürlich andere, ähnliche Temperamente) zum Innehalten zu bewegen und dazu, nicht vorschnell zu verurteilen. Um das zu erreichen, habe ich Ihr Vorgehen als (eher vorbildliches) Antidot gegen eilige Generalisierungen ins Feld geführt. Nach Auffassung vieler Politiker übergibt der Wähler offenbar seine Stimme der Partei. Die Partei entscheidet dann darüber, was mit dieser Stimme geschieht. Dem liegt das Verständnis einer Kader- und Funktionärspartei zugrunde. Aber hat die Partei immer Recht? Nein! – Natürlich ist für gedeihliche Arbeit, die dicke Bretter bohren möchte, Kontinuität vonnöten. Aber auch Minderheiten, und der Einzelne ist die kleinste denkbare Minderheit, können gelegentlich richtig liegen und die Majorität zuweilen daneben.

        Liebe Frau Güntner, falls Sie sich immer noch durch mich als illustrierendes Exempel missbraucht fühlen, möchte ich mich entschuldigen. Mehr ist, nachdem einmal geschehen ist, was geschah, leider nicht mehr möglich. Ihr „Transferverhalten“, soweit es mir als lokalpolitisch interessierte Zeitungsleserin bekannt ist, finde ich tadellos!

        Im Hinblick auf das von Elke Twesten neige ich, nach allem, was ich mittlerweile weiß, heute eher zu Unverständnis und Missbilligung, nicht mehr zu Mitgefühl, allenfalls zu Mitleid.

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      • Linda Franzen schreibt:

        Hallo Petra,

        lang nichts mehr gehört. Du bist jetzt bei den Linken? Ist das eine Weiter-, eine Tiefer- oder eine Höher-Entwicklung? Ich erinnere mich noch gut an die zahlreichen Sträuße, die du im Rat mit Rittchi, dem roten Baron Richey ausgefochten hast. Kontrovers, kontrovers: http://www.petra-guentner.de/reden/

        Hast du deine großen Ferien genossen? Am 30. September beginnt ja der Herbst-Break schon wieder.

        Falls du Lust hast, ein schönes Buch zu lesen, in dem man mehr und Genaueres über die Fein- und Gemeinheiten Lüneburger Lokalpolitik lernt, als manchem in zwanzig Jahren Ratsmitgliedschaft möglich ist, empfehle ich dir (OBWOHL oder TROTZDEM es immer noch als ein Bestseller gilt):

        Juli Zeh: „Unterleuten“. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2016 (jetzt auch im btb Verlag als Taschenbuch), 656 Seiten, 12 Euro

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    • Peter Klüster schreibt:

      Herr Pauly, die Sache mit dem Verrat hat wohl immer mit der Perspektive zu tun. Fraktionswechsel gab es schon immer in jeder Richtung. Und immer kommt das Argument, das Mandat gehöre der ursprünglichen Partei. Die Verfassung sagt was anderes: das Mandat gehört dem Abgeordneten. Insofern scheint der Herr Weil Probleme mit der geltenden Verfassung zu haben. Es ist einigermaßen unanständig, eine „Intrige“ zu unterstellen. Da spricht ein Verlierer. Hatten wir auch beim Machtwechsel Schmidt/Kohl.

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    • Jutta Gräulich schreibt:

      Sehr geehrter Herr Pauly,
      ich stimme zu, Elke Twesten hat ihrer Partei, ihrer Fraktion und der Regierung den größtmöglichen Schaden bereitet. Bekanntlich liebt man den Verrat, aber nicht den Verräter. Zumal es heißt, dass Twesten einerseits sehr viel an öffentlicher Aufmerksamkeit liege, dieser Anspruch andererseits aber nicht immer durch politische Leistung gedeckt sei. Das war es dann wohl für die gute Frau.

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    • Werner Trojahn schreibt:

      Herr Weil und alle anderen, die sich jetzt hier auf den Wählerwillen kaprizieren, sollten doch einmal kurz innehalten und darüber nachdenken, was der Wählerwille wert war, als zu Anfang dieser Legislaturperiode eine Landesregierung gegen die größte Fraktion des Landtages gebildet wurde. Mithin gegen den Wählerwillen …

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    • Arne Tabatt schreibt:

      Hallo Herr Pauly,

      in Thüringen sichert sich Rot-Rot-Grün seine Einstimmen-Mehrheit völlig ungeniert mit einem ehemaligen AfD-Überläufer, der auf Platz 2 der AfD-Landesliste in den Thüringer Landtag eingezogen war.

      Was sagen Sie dazu?

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    • Lena Bergmann schreibt:

      Sehr geehrter Ratsherr Michèl Pauly,

      kommen da noch Antworten von Ihnen? Oder war´s das schon?

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      • Michèl Pauly schreibt:

        Sehr geehrte Frau Bergmann,
        ich dachte bereits einen Kommentar abgesandt zu haben, der offenbar doch nicht von mir versandt wurde. Noch einmal in Kürze:
        Ich glaube ich kann diese Kritik sehr wohl beantworten. Frau Güntner kam NICHT mit Mandat zur Linken und hat ihr über die SPD erworbenes Mandat auch nie für DIE LINKE und damit gegen die Partei ihrer Kandidatur ausgeübt (obwohl Ihr das ein Leichtes gewesen wäre, der SPD durch einen Übertritt zum Wahlkampf massiv zu schaden wie es Frau Twesten tat).
        Frau Twesten war über Jahrzehnte herausgehobene Persönlichkeit innerhalb der Grünen. Die wenigstens Parteigänger erringen je ein Abgeordnetenmandat, Frau Twesten hat ihr Landtagsmandat (stets über Liste gewählt) sehr lange innegehabt. Sie trat auch dieses Mal wieder an, soweit mir bekannt erklärte Sie in Rotenburg (Wümme) Ihre Übereinstimmung mit Grünen Zielen. Dann wurde Sie nicht gewählt (oder besser gesagt: jemand anderes wurde gewählt) und auf einmal fiel ihr auf, dass Sie sich von Ihrer Partei über Jahre entfremdet hat. Diese sehr starke zeitliche Nähe zwischen der plötzlich entdeckten aber über Jahre währenden Entfremdung mit der eigenen Partei mit einer innerparteilichen Wahlniederlage macht ihr Auftreten vollends unglaubwürdig. Ganz gleich war es bei Andreas Meihsies. Wenn ich verliere, gewinnen andere, aber daraus ex-post eine inhaltliche Differenz herzuleiten zeugt nur von mangelnder Aufrichtigkeit.
        In Thüringen liegt der Fall insofern anders, als dass es keine Nähe zu einer innerparteilichen Aufstellungsversammlung gibt. Nichtsdestrotrotz empfinde ich ganz grundsätzlich dass ein Abgeordneter dem Programm für das er gewählt wurde auch verpflichtet sein sollte. Davon bleibt nach einem gravierenden Parteiwechsel oft nichts mehr übrig. Man sollte dann sein Mandat IMMER an die Partei zurückgeben, die das Mandat errungen hat. Wer das nicht tut – und das gilt quer durch alle Parteien – tut dies in aller Regel wegen der dahinterstehenden materiellen Absicherung der Abgeordneten und nicht wegen irgendwelcher vorgeschobenen politischen Ideale.

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    • Lena Bergmann schreibt:

      Lieber Ratsherr Pauly,

      vielen Dank für Ihre Antwort.

      Ich glaube, über Frau Twesten persönlich braucht niemand viele Worte zu machen. Da wird eine ziemlich ordinäre „Mischung:Impossible“ aus Ich-Bezogenheit, Geltungssucht, Dummheit, Selbstgerechtigkeit und Verantwortungslosigkeit sehr bald schon für das jämmerliche Ende von über zwanzig Jahren „Engagement“ im öffenlichen Leben an der Rotenburger Wümme sorgen. Wie das genau aussieht, wird – wie bei Andreas Meihsies – niemanden mehr kümmern. Außerdem ist die andere, die „christdemokratische“ Hälfte dieser Transferkungelei ja mit weitem Abstand die aufregendere für Liebhaber von echt machiavellistischen Umsturzthrillern. Busemann, Althusmann, Schünemann: welche Rolle spielt das bleiche Triumvirat der Untoten aus den dunklen Zeiten schaurigen Wulffens und Maschmeyerns in der moralisch transparenten, deshalb natürlich einwandfreien Personal- und Einkaufspolitik von Björn Thümler, dem in wenigen Wochen schon nicht mehr ganz so wichtigen CDU-Coach und -Fraktionsvorsitzenden im niedersächsischen Landtag?

      Interesse verdient diese ganze Sache meines Erachtens aber eigentlich nur als Symptom für den scheinbaren Zwang zu Ränkespielen und verlogener „Öffentlichkeitsarbeit“ auf der einen Seite und auf der anderen für den offenbar unauflöslichen Konflikt zwischen der Verfassungsgarantie individueller Mandatsfreiheit und der Notwendigkeit parlamentarische Mehrheiten zu organisieren.

      Dazu – obgleich mehrfach darauf angesprochen – sagen Sie leider wenig bis gar nichts, lieber Herr Pauly. Hier wird es „grundsätzlich“ (s.o. KH Fahrenwaldt). Woher nehmen Sie die Überzeugung, dass Abgeordnete dem Programm für das sie gewählt wurden auch verpflichtet sein sollten? Im Grundgesetz und in den Kommunalverfassungen steht davon nichts. Wie gehen Sie mit diesem Widerspruch von Idealnorm und Praxiserfordernissen um, ohne sich und andere zu verbiegen?

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    • Christopher Hennings schreibt:

      Sehr geehrte Frau Bergmann, sehr geehrter Herr Pauly,

      vor genau einer Stunde, um 14:11 Uhr, hat Jakob Augstein in seiner Spiegel-Kolumne einen Artikel frei geschaltet, der sich bis in Einzelheiten der Wortwahl hinein an den Argumenten von Ihnen beiden und an denen von Frau Gabriele Hannemann (oben) orientiert. Siehe: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/niedersachsen-elke-twesten-und-der-diskrete-charme-der-bourgeoisie-kolumne-a-1161687.html

      Jakob Augstein ist also ein Leser von Hans-Herbert Jenckels Blog.

      Er stimmt in seiner Empörung Herrn Pauly zu: „Einen derart gewissenlosen Egoismus, wie ihn die gelernte Zollbeamtin Twesten mit ihrem plötzlichen Wechsel von den Grünen zur CDU an den Tag legte, erlebt man selten.“

      Er sieht den Konflikt, den Frau Hannemann und Frau Bergmann herausstellen, gelangt aber nicht zu dessen Kernproblematik (Wie ist Art.38GG zu verstehen?), sondern überspielt diese, indem er einfach behauptet, wie es in der Verfassung „nicht gemeint“ war: „In Artikel 12 der Niedersächsischen Landesverfassung heißt es – analog zu Artikel 38 des Grundgesetzes: ‚Die Mitglieder des Landtages vertreten das ganze Volk. Sie sind an Auftrage und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.‘ Aber bei Frau Twesten geht es gar nicht um das Gewissen. Es geht um Geltungssucht. Es gibt keinen rot-grünen Regierungsbeschluss, den Frau Twesten nicht mittragen wollte – das Einzige, was sie nicht mittragen wollte, war ihre Absetzung. Als die Verfassungsväter das freie Mandat einführten, hatten sie verantwortungsvolle Abgeordnete vor Augen – keine Egoisten.“

      Und Augstein paraphrasiert Frau Bergmann: „Dass eine Person wie Twesten überhaupt Aufnahme bei der CDU findet, spricht allerdings Bände über das Pflichtverständnis dieser Partei. Ist in der CDU Platz für politische Illoyalität? In ihrer Ansprache sagt die Überläuferin: ‚Ich würde mich über das weitere Vertrauen von Ihnen, meine Wählerinnen und Wähler, sehr freuen.‘ Sehr lustig. Es ist ja nun gerade jenes kostbare politische Gut – Vertrauen – das hier restlos verspielt wurde. Weder ihre Wähler noch ihre neuen Parteifreunde werden dieser Frau jemals wieder vertrauen können.“

      Was sagen Sie zu Augsteins (Ihnen beiden manche Formulierungshilfe verdankender) Unterstützung Ihrer Positionen?

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      • Lena Bergmann schreibt:

        Sehr geehrter Herr Hennings,

        ich sage dazu, dass Herr Augstein – wie wohl die meisten von uns – seine Kenntnisse über die Vorgänge in Hannover unverkennbar in der Hauptsache durch Zeitungslesen und Medienkonsum gewonnen hat. Das erklärt die zahlreichen Übereistimmungen zwischen seinem Text und den hier im Forum gebrauchten Gedankenfiguren und Wendungen sofort. Denn, fasst man zusammen, worum es geht, wird jedermann schnell klar: Wir haben es mit einem grässlich schäbigen Plot zu tun, die Ausführung ist durchweg schlampig, das darein verwickelte Personal auf allen Seiten weit unterdurchschnittlich interessant und das verbale Gehabe ebenso wie das stumme Spiel, die Formeln, Symbole und Requisititen seiner Selbstdarstellung sind von erbärmlichster Vorhersehbarkeit. Was bleibt denen, die versuchen, diesen minderwertigen Pfusch von einem Theaterstreich zu analysieren denn anderes übrig, als sich ständig in gleichen oder ähnlichen Begrifflichkeiten zu artikulieren?

        Da, wie Sie richtig erkennen, Jakob Augstein mehr Energie darauf verwendet, sich zu empören, als der theoretisch und praktisch eminent bedeutsamen Frage nachzugehen, wo das parlamentarische Handeln als Konsequenz einer abstoßenden Charakterlumperei aufhört und als Folge einer nachvollziehbaren Gewissensprüfung beginnt, rangiert er mit seinem lärmend und entschieden urteilenden Ausbruch jedoch eher in der geistigen Nachbarschaft von Herrn Pauly als in der meinigen.

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      • B. Obacht schreibt:

        Verzeihen Sie, wenn ich mich einmische, Herr Hennings, aber auch der SZ-Kommentar scheint mir lesens- und erwähnenswert, da er doch sehr differenziert argumentiert:
        http://www.sueddeutsche.de/politik/elke-twesten-mandat-und-moral-1.3619586

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      • Christopher Hennings schreibt:

        Sehr geehrte(r) Frau (Herr) B. Obacht,

        Sie haben recht, in dem SZ-Artikel von Robert Roßmann, dem stellvertretenden Leiter der Berliner Parlamentsredaktion der Süddeutschen Zeitung, wird sehr (bis zur Spitzfindigkeit) differenziert argumentiert und damit die reichlich läppische Vorhaltung entkräftet, Elke Twesten sei „nur“ über die Landesliste ins Parlament gelangt und müsse sich daher für ihren „Wählerbetrug“ besonders intensiv schämen.

        Ich finde allerdings, der Autor hätte auch weniger Wind machen und seinen übermäßig geblähten Text auf den letzten Absatz zusammenschnurzeln lassen können, in dem alles Wesentliche mitgeteilt wird. Ich zitiere:

        „Kurzum: Man kann Frau Twesten vorwerfen, dass sie wegen ihrer Nicht-Aufstellung, also aus egoistischen Motiven, die Grünen verlassen hat. Man kann beklagen, dass sie ihr Mandat nicht niedergelegt, sondern stattdessen heimlich Gespräche mit der CDU über einen Fraktionswechsel geführt hat. All das hat einen Hautgout und gefährdet die Akzeptanz des Parlamentarismus. Aber darauf zu verweisen, dass Elke Twesten nicht direkt, sondern über die Grünen-Liste gewählt wurde, ist bestenfalls teilweise stichhaltig.“

        So ist es: Twestens „Übertritt“ stinkt gewaltig. Wie sie gewählt wurde, ist egal.

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      • Christopher Hennings schreibt:

        P. S.:

        Sehr geehrte(r) Frau (Herr) B. Obacht, mit Ihrer Formulierung vom Sonnabend (5. August 2017, 09:39 Uhr: „Mal schauen, ob SPD und Grüne daraus eine Dolchstoßlegende konstruieren können. Ein solches Geschenk anzunehmen, könnte sich für Althusmann & Co. als Bumerang erweisen.“ https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/929971-rot-gruene-mehrheit-im-landtag-weg-das-sagen-die-lueneburger-abgeordneten#comment-103851) haben Sie ja Herrn Tobias Günthers „Frau Lisa Caspari“ vorgegriffen, der „Redakteurin im Ressort Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei ZEIT ONLINE“ (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/stephan-weil-spd-niedersachsen-volkswagen-ruecktritt/komplettansicht), die gestern, am Montag – also zwei Tage NACH Ihnen – zwar nicht von grün-roter „Dolchstoßlegende“ und schwarzem „Danaergeschenk“ schrieb (und damit eine Neigung zum „konservativen“ Lager verriet), aber die Frage „Am Ende ein Bumerang?“ immerhin als Überschrift verwendete — und sich damit als glaubwürdigkeitzerstörende Plagiatorin Ihrer wortfinderischen Autorschaft im Detlefschen Sinne erwies (https://jj12.wordpress.com/2017/08/04/althusmann-setzt-mit-breakball-zum-karrieresprung-an/#comment-1002).

        LzOnline-Leser aber wissen, mit der Kombination „Bumerang-Althusmann“ waren Sie VOR der Zeit-Mitarbeiterin Lisa Caspari am Start!

        Ich gratuliere!

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      • B. Obacht schreibt:

        Sehr geehrter Herr Hennings,

        danke für die Blumen – fein beobachtet (verzeihen Sie das billige Wortspiel)! Den Bumerang habe tatsächlich ich zuerst ins Spiel gebracht, das Danaergeschenk lag mir auf der Tastatur, ich verzichtete aber auf die Formulierung – wohl, um meine (bildungs-)bürgerlich-konservative Grundstruktur nicht zu sehr durchscheinen zu lassen. Natürlich schmeichelte es mir, wenn ich eine Redakteurin der ZEIT zu einer ähnlichen Formulierung inspiriert hätte. Falls betreffende Dame tatsächlich diesen Blog und die Kommentare dazu liest, kann man ihr nur gratulieren – die meisten Beiträge sind sehr lesenswert, was man nicht von vielen Kommentaren anderer Medien sagen kann. Im übrigen hatte schon Reinhard Bingener in der FAZ vom 4. August treffend formuliert: „[…] durch Twestens gewagten Schritt könnte der Wahlkampf psychologische Färbungen und emotionale Dynamiken erhalten, die derzeit noch keiner der Beteiligten abschätzen kann.“ (https://m.faz.net/aktuell/politik/inland/niedersachsen-rot-gruen-nicht-mehr-moeglich-15136840.html) Man darf weiterhin gespannt sein!

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  29. Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

    ACHTUNG: SATIRE
    Nachdem jj mit seiner investigativen Lupe die G 20 Höllendemo gründlich analysierte und anhand der Ergebnisse einen Kommentar zwecks Linkenbeshings veröffentlicht hat ist er wieder mit der Lupe am Start. Diesmal mit der Weitwinkellupe: Von Grünlinks bis Schwarzrechts. Oder waren es diesmal die investigativen Ersatzmittel Kaffesatz von Mutti, die magische Kugel von Dobrindt oder der Scholzomat? Und was ist das Ziel? Fragen über Fragen.

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    • Kevin Schnell schreibt:

      Hallo Herr Fahrenwaldt,

      daß „ein wichtiger Lüneburger Sozialdemokrat“ (Man ahnt ja gar nicht, wer das sein mag: http://www.leuphana.de/fileadmin/_processed_/csm_1105_gsl_totale_e6af393d5a.jpg) Herrn Althusmann „eine noch größere Karriere“ prophezeit, enthält schon einiges an Komik im Unterton, die nicht verrät, ob sie sich lustig macht oder unfreiwillig dazu gesellt und darum Lachhaftes im Gepäck hat, da gebe ich Ihnen recht. Für mich ist unsern Berni eine eher tragische Figur, über deren Stehaufmännchenqualitäten ich mich sogar freuen könnte, wenn mich ihre intellektuellen Defizite unter ihrer derben, christlich-rechtschaffen angespannten und schaustellernd polternden Bauernschläue nicht so beunruhigten. Auf so eine ungeschmeidige Provinzgestalt „wartet Berlin“ mit Sicherheit – nicht.

      Was nun aber Ihre satirische Berufung angeht, Herr Fahrenwaldt, auch da sehe ich leider schwarz – und nicht rot. Hans-Herbert Jenckel ging es in seinem vorigen Blog-Beitrag nicht um LINKEn-Bashing! Er hat ein paar klischeehafte Zusammenhänge überbetont, aber im Grunde nur darauf aufmerksam machen wollen, daß im Namen der LINKEn in Hamburg Terror und Gewalt ausgeübt wurden und unter den prominenten LINKEn unserer Region nur der Lüneburger Antifa-Chef Olaf Meyer im Gespräch mit Dennis Thomas von der LZ den Mut besaß, sich von den randalierenden Kriminellen zu distanzieren. Das ist Meyer auf etwas linkische Weise auch einigermaßen glaubhaft gelungen.

      Sie, Herr Fahrenwaldt, haben sich dagegen feige herausgehalten. Ihnen ist nicht eingefallen, wie Sie den jungen Leute bei Jenckel die Position der LüneLINKEn mit gut überlegten Argumenten verklickern könnten.

      Und unter anderem deswegen, der Hauptgrund ist seine verquaste Albernheit, ist Ihr Text von oben auch keine Satire, die einer mangelbehafteten Wirklichkeit mittels Parodie oder Polemik ein Ideal gegenüber zu stellen sucht, sondern schludriges Altmännergeschwätz. Eine Meinung, wenn auch eine anfechtbare, zu haben wie Jenckel, Herr Fahrenwaldt, ist etwas anderes als feixend hinter dem Busch hervorzuspringen, jemanden als Büttel der herrschenden Klasse zu bezeichnen und vielsagend mit den Augen rollend wieder abzutauchen.

      Was ist das Ziel, Herr Fahrenwaldt? Was könnte der LZ-Online-Chef uns mitzuteilen beabsichtigen? Stellen Sie bitte eine plausible These auf und konfrontieren Sie ihn damit. Gerne auch im launigen Tonfall, solange es der Sache dient. Ich denke, Jenckel wird es eine Ehre sein, ihnen höflich und differenziert zu erläutern, inwieweit Sie recht haben, und wo Sie mit Ihren Mutmaßungen übers Ziel hinausgeschossen sind.

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Sehr geehrter Herr Schnell,
        Ihr Vorwurf an mich geht total ins Leere: Am 7. August schrieb ich folgenden Leserbrief der erst am folgenden Montag in der Printausgabe der LZ erschien:
        Leserbrief zu dem Kommentar „Politik für Menschen machen“ in der LZ vom 7. Juli 2017
        „Lieber Herr Steiner!
        Vielen Dank für Ihren hervorragenden Kommentar. Nur an zwei Stellen möchte ich was ergänzen: Am Anfang schreiben Sie, dass es besser ist wenn die Mächtigen miteinander reden als aufeinander zu schießen. Die Mächtigen schießen nicht selber, die lassen schon länger schießen: Erdogans Soldaten auf die von den USA unterstützten Kurden im Irak und die von Russland unterstützten Militärs gegen die von den USA unterstützten Aufständischen in Syrien. Und an allen Fronten sind deutsche Waffen dabei. Es muss Schluss sein mit den Stellvertreterkriegen und den Waffenlieferungen. Aber leider wird es in dieser Richtung keine Erklärung der Mächtigen geben.
        Die von Ihnen am Ende geforderte Friedlichkeit der Proteste setzt voraus, dass die Vertreter der Mächtigen (in diesem Fall die Polizei) und die Demonstranten sich daran halten. Von Beginn an hat die Polizeiführung nicht zu einer Deeskalation beigetragen sondern mit unrechtmäßigen Auflagen und den Situationen nicht angemessenen Einsätzen eher das Gegenteil bewirkt. Gewalt ist grundsätzlich abzulehnen – egal von welcher Seite.“
        Mit freundlichen Grüßen
        Karlheinz Fahrenwaldt
        Also erst auch die Printausgabe lesen und dann posten!

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    • Kevin Schnell schreibt:

      „Gewalt ist grundsätzlich abzulehnen – egal von welcher Seite.“

      Das ist der Satz, über den man diskutieren kann, Herr Fahrenwaldt. Allerdings, mit dem Grundsätzlichen hab ich grundsätzliche Schwierigkeiten. Wie war das im Februar 1998 bzw. im März 1999? Hätte „man“ den Genozid an den Kossovaren abwarten sollen? Usw. Sie wissen schon.

      Nur haben Sie das Thema verfehlt. Sie haben oben über Jenckels Blog vom 14. Juli gespottet: https://jj12.wordpress.com/2017/07/14/warum-es-manchen-alt-linken-so-schwer-faellt-sich-von-gewalt-zu-distanzieren/#more-202

      Dort aber ging es um die Gewaltnächte vom 7., 8. und 9. Juli. In der Nacht zum 8. Juli, also erst zwanzig Stunden NACH Veröffentlichung Ihres Briefes in der LZ eskalierten die Proteste im Schanzenviertel, wurden IM NAMEN DER LINKEN Menschen verletzt, Autos angezündet und Geschäfte geplündert. DAZU und AN DER STELLE, über die Sie jetzt frotzeln, haben Sie KEIN WORT gesagt.

      Also richtig lesen und dann posten!

      Übrigens ist es für eine „grundsätzliche“ Stellungnahme (unter Berücksichtigung der zum Teil glänzenden Wortbeiträge in Jenckel Blog-Thread vom 14. Juli) noch nicht zu spät.

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    • Dietlof Marek schreibt:

      Sehr geehrter Herr Kreistagsabgeordneter Fahrenwaldt,

      in den Wortwechsel zwischen Studienrat Schnell und Ihnen über Ihre unklare Haltung zur (angeblich) politisch motivierten Gewalt in Hamburg während des G-20 Gipfels möchte ich mich nicht einmischen.

      Doch der Anregung von Herrn Dottore Schnell, Sie möchten Ihre süffisanten Andeutungen gegenüber Hans-Herbert Jenckel von gestern, den 4. August 2017 um 19:53 Uhr, etwas verdeutlichen, schließe ich mich an.

      A) Was denken Sie, welchen Zweck verfolgt Herr Jenckel mit seinem Blog-Artikel über den hart erkämpften Breakball von Herrn Althusmann?

      B) Wenn ein Lehrer seinem Eleven ins Zwischenzeugnis schreibt, wie der Vize-Chef der LZ das bei Bernd Althusmann tut, dieser sei „strebsam und fleißig“, halten Sie das für eine Prädikatsbenotung („summa cum laude“) oder doch eher für ein „rite“ (deut.: Versetzung gefährdet)?

      Zwei präzise Fragen. Ich würde mich über zwei genaue Antworten von Ihnen freuen.

      Mit besten Grüßen aus dem Moorfeld

      Dietlof Marek, Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH)

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Lieber Dietlof Marek.
        Zu A: Mädge for Präsident (da gibts glaube ich keine Altersbeschränkung).
        Zu B: Das entspricht in etwa dem Zeugnis für einen Schlachter: „Er war ehrlich bis auf die Knochen!“

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      • Dietlof Marek schreibt:

        Chapeau!

        Maximal pointiert!

        Zu A) Eine Obergrenze ist mit Althusmann ganz sicher nicht machbar.
        Zu B) Charakter ist in der moralischen Welt, was in der physischen die Knochen.

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  30. Gabriele Hannemann schreibt:

    Hallo Herr Jenckel,

    Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich für baldige Neuwahlen ausgesprochen. Er wolle dem Parlament empfehlen, sich aufzulösen, denn die Entscheidung über die Landesregierung liege allein beim Wähler. „Ich stelle mich jederzeit dem Wählerwillen, aber ich werde einer Intrige nicht weichen“, so Weil. Hintergrund ist der Wechsel der Grünen-Landtagsabgeordneten Elke Twesten aus Scheeßel (Landkreis Rotenburg/Wümme) in die CDU. Damit verliert Rot-Grün die knappe Ein-Stimmen-Mehrheit im Parlament. Twestens Wechsel „aus ausschließlich eigennützigen Gründen“ sei aus seiner Sicht, so Weil, „unsäglich“ und sehr schädlich für die Demokratie. „Wenn die CDU sich dieses Verhalten zu eigen macht, gilt für sie das Gleiche.“

    Quelle mit Video (ca. drei Minuten) hier: http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Weil-spricht-sich-fuer-schnelle-Neuwahlen-aus,twesten102.html

    MEINE FRAGE:

    In Artikel 12 der niedersächsischen Verfassung, in deren Präambel es heißt, das Volk von Niedersachsen habe sich diese Verfassung durch seinen Landtag „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“ gegeben, steht über die „Rechtsstellung der Mitglieder des Landtages“ erstens: „Die Mitglieder des Landtages vertreten das ganze Volk.“ und zweitens: „Sie sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“

    Wie vertragen sich diese unmissverständlichen Worte zur Mandatsfreiheit, also zur weisungsfreien, auch von den Weisungen oder „Aufträgen“ eines vermeintlichen Wählerwillens (!!), von den Zwängen parteilicher Fraktionen und Gruppen ohnehin freien, explizit ausschließlich dem eigenen Gewissen unterworfenen Ausübung des Mandats, mit den Worten von MP Stephan Weil? Handelt nicht die Landtagsabgeordnete Elke Twesten aus Scheeßel verfassungskonform? Ist nicht die Weil’sche Unterstellung unehrenhafter Handlungsmotive dumm (weil unbewiesen und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sogar unbeweisbar) und selbstgerecht (weil damit die Lauterkeit prinzipiell jeder Abgeordnetenentscheidung nach bestem Wissen und Gewissen in Zweifel gezogen wird) und verletzend bzw. diskriminierend (da die Gewissensnot einer Abgeordneten weniger zählen soll als Stephan Weils Ehrgeiz, Niedersachsens Ministerpräsident zu bleiben)? Und ist nicht viel eher der Wunsch (und die Begründung dieses Wunsches) von Herrn Weil, der meint, sich „dem Wählerwillen“ vorzeitig stellen zu sollen, weil die parteipolitischen Mehrheitsverhältnise sich im Parlament geändert haben, in Konflikt mit der Verfassung unseres Landes?

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    • Sven Lupin schreibt:

      Liebe Frau Hannemann, im Prinzip liegen Sie richtig, aber haben Sie gesehen, wie Frau Twesten ihren Wechsel gestern Mittag auch gleich vor den Plakatwänden der CDU und an der Seite des CDU-Fraktionsvorsitzenden Björn Thümler erklärte? Nach zwanzig Jahren Mitgliedschaft bei den Grünen und zehn Jahren in der Landtagsfraktion falle ihr der Abschied „nicht leicht“, sagt die 54 Jahre alte Abgeordnete. Doch sei ihr Schritt „notwendig“, denn sie sehe bei den Grünen „weder vor Ort noch im Land eine politische Zukunft“, nachdem sie nicht wieder für ein Landtagsmandat nominiert worden sei. Twesten bemüht sich, ihren Übertritt als folgerichtigen und konsequenten Schritt darzutun; persönlich habe sie eine „bürgerliche Grundstruktur“, sie sei auch schon lange eine „bekennende Anhängerin von Schwarz-Grün“. (Siehe Video auf: https://www.tagesschau.de/inland/bundesreaktionen-regierungskrise-niedersachsen-101.html)

      Mit Blick auf die Grünen spricht sie von einem „längeren Entfremdungsprozess“. Seit Jahren habe sie sich angesichts der politischen Ausrichtung aber auch wegen innerparteilicher Umgangsweisen bei den Grünen gefragt, ob sie in ihrer Partei noch richtig sei. Vermutlich, sagt Twesten, hätte sie sogar schon zu einem früheren Zeitpunkt zur CDU übertreten sollen. Mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden sei sie jedenfalls schon lange im Gespräch.

      Zuletzt seien die Gedankenspiele konkreter geworden und am vergangenen Freitag (Also bereits vor einer Woche!) habe es ein „Informationsgespräch“ mit dem CDU-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Bernd Althusmann, gegeben. Thümler ergänzt, in einem längeren Gespräch am Montag habe man den Wechsel konkretisiert. Ihren endgültigen Entschluss zum Übertritt zur CDU habe ihm Twesten dann am Donnerstag mitgeteilt. Thümler sagt, er habe vor dieser Entscheidung der „couragierten und leidenschaftlichen Politikerin“ Twesten „große Achtung“.

      Die CDU-Spitzen wurden am Freitag natürlich auch danach gefragt, ob sie Twesten im Gegenzug für ihren Übertritt irgendwelche Zusagen gemacht hätten. Twesten befeuerte entsprechende Vermutungen, indem sie davon sprach, dass es außer dem Landtag „auch noch andere Parlamente“ gebe, etwa das Europaparlament oder den Bundestag. Sie wolle weiter politisch aktiv sein und habe das „alles im Kopf“.

      Sowohl der CDU-Fraktionsvorsitzende Björn Thümler, als auch CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann wiesen den Verdacht aber ganz weit von sich, sie hätten Twesten irgendwelche Versprechungen für künftige Mandate oder Posten gemacht – zumal die Listen für die anstehende Bundestags- und Landtagswahl schon geschlossen seien. Es habe „Nullkommanull Zusagen“, sogar „weniger als Nullkommanull Zusagen“ gegeben, sagte Althusmann.

      Übrigens, wer erinnert sich noch an Oswald Metzger, der jahrelang als Rechtsausleger der Grünenn in alle Talkshows eingeladen wurde, von dem jedoch nach seinem CDU-Übertritt kein Hund mehr ein Stück trocken Brot nahm. Kein Verband wollte ihn als Kandidaten für den Bundestag aufstellen. Na, immerhin ist er seit letztem Jahr Chefredakteur der extrem rechtslastigen Website „The European“.

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    • Jürgen Kern schreibt:

      Bernd Althusmann und Björn Thümler bearbeiten die geltungssüchtige Twesten also schon eine ganze Weile, um aus ihr eine ferngesteuerte Marionette, einen menschlichen Tornado zu machen, der das klapprige Regierungsschiff versenkt. Es geht gar nicht um den „Wählerwillen“ und die ringende „Seele“. Das sind emotionale Kulissenmalereien mit denen die Öffentlichkeit für dumm verkauft werden soll. Dahinter führen egozentrische Antriebe, Lügen, Halunkenehrgeiz, Betrug und gemeine Machtgelüste ihre schurkische Regie.

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  31. Mit der nötigen Beobachtungsgabe erkennt man Dinge, die anderen verborgen ¬bleiben – und hilft damit seinem Glück auf die Sprünge.
    Althusmann, der als Sohn der Konrad Adenauer Stiftung in die Fremde ging und allerlei kuriose Schlüsse aus Erlebnissen entlang des Weges zog.
    Sehr viele und vielleicht die meisten Menschen müssen, um etwas zu finden, erst wissen, dass es da ist.
    Um Bedeutsames zu entdecken, ohne dass man es darauf anlegt. Sind manche Menschen besonders talentiert darin, ihr Glück zu bezirzen?
    Wenn nicht er der lieblichen, Grünen Maid tief ins Auge sah, so vergaß sie das nun und nimmermehr, sondern folgte ihm in Gedanken, wo er ging und stand, aus reiner Ehr, ihm Herzens Gunst zu schenken.
    Serendipität: Wie Althusmann seinem Glück auf die Sprünge half?
    Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.

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    • Benjamin Wiesengrund schreibt:

      Von welchem GLÜCK reden Sie, Detlef?
      Welches ist der Glücksgegenstand oder Glücksinhalt, auf den Sie sich, unabhängig von der Weise seines Begegnens, beziehen?

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  32. Rudolf Schaller schreibt:

    Ob Neuwahlen oder ein konstruktives Misstrauensvotum – ein Erfolg für eine schwarz-gelbe Koalition in Niedersachsen kann auch nach dem Verlust der parlamentarischen Mehrheit von Rot-Grün bezweifelt werden.

    Nicht, dass es in Niedersachsen im Wahlkampf für die Neuwahl des Landtags am 14. Januar an Reizthemen gefehlt hätte: Das Spektrum reichte schon vor dem heutigen Freitag von der Rolle der früheren CDU-Ministerpräsidenten und ihrer Wirtschaftsminister im Aufsichtsrat von VW (deren Suppe Stephan Weil und Olaf Lies auzulöffeln hatten) über die wirtschaftshörige Schulpolitik von Schwarz-Gelb und diverse anrüchige Vergabeaffären sowie den Skandal um die Borkumer Villa von Landtagspräsident Busemann bis zu dem Dauerbrenner Agrarpolitik.

    Nun wirft der Übertritt einer grünen Landtagsabgeordneten zur CDU und der damit einhergehende Verlust der parlamentarischen Mehrheit von Rot-Grün ein schlimmes Licht auf die CDU und Bernd Althusmann. Sie stehen als finstere Strippenzieher und ruchlose Manipulateure da. Alle Planungen der Regierung sind über den Haufen geworfen. Will SPD-Ministerpräsident Stephan Weil die Legislaturperiode nicht wie einst der CDU-Politiker Karl Albrecht an der Spitze einer Minderheitsregierung regulär beschließen, bleibt wohl nur eine Neuwahl des Landtags vor der Zeit – es sei denn, CDU und FDP täten Weil einen Gefallen und ließen es auf einen (keineswegs absolut aussichtsreichen) Versuch ankommen, ihn durch ein konstruktives Misstrauensvotum zu stürzen.

    Ob ein solches Unterfangen der CDU mehr Erfolg verspräche als eine Neuwahl im Windschatten einer wahrscheinlich gewonnenen Bundestagswahl, darf bezweifelt werden. Sicher ist eine Mehrheit weder hier noch dort.

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  33. Micha schreibt:

    Lieber Herr Jenckel, die einzige „breaking news“ aus Lüneburg, die es eines Kommentars wert wäre, lautete:

    „Ex-Buddy des Ex-Oberbürgermeisters Mädge verlässt heute die LZ und wechselt auf den Posten des Rathauschefs. Michel Pauly verzichtet auf seine Kandidatur und übernimmt die Lokalredaktion. Beide begründen Ihre Entscheidung in einer gemeinsamen Presseerklärung wie folgt:

    „Für uns stehen rein inhaltiche Fragen im Mittelpunkt. So ersparen wir den Lüneburger Bürgern die Qual der Wahl und sparen auch noch die Kosten für die nächsten drei Oberbürgermeister-Direktwahlen.“

    Einfach mal fortschrittlich und mutig handeln, ans Recht muss man sich nicht zwingend halten, wenn sie systemrelevant oder am „pulse of Europe“ sind.

    Schönes Wochenende!)

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    • jj schreibt:

      Ach Herr Recha,
      mit der CDU-Karriere wurde es ja nichts. Was wären das jetzt für Aussichten. Der Wechsel zur AfD hat immerhin zu einer Kandidatur geführt, wenn auch fruchtlos. Bleibt da dann nur noch das Pöbeln und Frotzeln? Lustig geht ja anders. LG Ihr hhjenckel

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  34. Susanne Jäger schreibt:

    Noch hat der Wahlkampf – in der Öffentlichkeit – nicht begonnen, auf den Hinterbühnen schon. Aber entscheidend ist nicht das schmutzige Spiel jenseits der zugezogenen Vorhänge. Da hat der blasse Althusmann seit acht Monaten – wie Sie schreiben – alle Buben auf der Hand. Wenn’s aber ab September nach draußen geht, auf die Bretter, die die Welt bedeuten, ins Fernsehen und vor die grölenden Menschenmassen (mit knackigen Kommentaren in allen Gazetten des Landes und höhnischen Anmerkungen dazu in den [a]sozialen Medien), dann wird dem bürgerfernen CDU-Feldwebel der steife Wind aus der jüngeren Vergangenheit mit ihren, nein, seinen vielen Fehlern, Missgriffen und Unaufrichtigkeiten die Maske des pausbackigen Biedermannes zerknittern (ganz lösen lassen wird sie sich nicht mehr, da, wie ich fürchte, das Theaterutensil längst mit der Gesichtshaut des Polit-Schauspielers verwachsen ist). Wenn beispielsweise nach Alhusmanns (Mit)Verantwortung an der unterlassenen Kontrolle krimineller VW-Manager, am verheerenden Personalabbau in Polizeidienststellen, Schulen, Universitäten und Krankenhäusern, nach seiner persönlichen Verantwortung an der niedersächsischen G-8-Katastrophe, am 150-Millionen-Desaster des Lüneburger Libeskind-Baus, an der unbeholfenen Verfertigung seiner müllreifen Doktoratsschlamperei, etc, etc. gefragt werden wird, dann wird sich zeigen, ob der runde Blonde über martialische, aber gänzlich hohle Sicherheitsphrasen und grinsendes Nachbarschaftsgetue hinaus (Was ist mit seinem laut angekündigten Umszug nach Seevethal?) auch noch irgendetwas entwicklungspolitisch Substanzielles und konzeptionell Überzeugendes zu bieten haben wird.

    Ein Breakball ist noch lange kein Break!

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  35. Klaus Bruns schreibt:

    Supernova Schulz
    witz komm raus du bist umzingelt. jemand , der mehr verdient hat, als die kanzlerin, soll glaubwürdig für den kleinen mann sein?
    der verhinderte afrikaner altus….ist ein typischer politischer witz. es fallen immer weniger darauf rein. die wahlbeteiligung beweist es. da können nicht mal mehr die medien was daran ändern. ,,schickssalswahl,, ,oder gern auch richtungswahl genannt, wird an der dummen und lobbyistischen politik nichts ändern. die politik ist viel zu feige, um eine eigene richtung vorzugeben. ihr fehlt dann geld in der geldbörse, wenn sie es wagen würde.

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    • Leo Fischer schreibt:

      Wir haben uns kaum von den drei CDU-Kabinetten nach Schröder (1990), Glogowski (1998 ) und Gabriel (1999 bis 2003) erholt, da soll ein Erledigter zum Phönix aus der Asche werden und den christdemokratischen Stillstand in Hannover restituieren? Ein Ausputzer und Kofferträger mit Glaubwürdigkeitsproblemen aus der zweiten Reihe?

      Hat der mehr zu bieten als sein junger Lüneburger Papagei, der jeden Kokolores, den er auf der Website seines Herrn findet, zur Aufhübschung seiner eigenen Nullität sogleich unters hiesige Volk trägt?

      Der letzte gedankenlose Schildbürgerstreich des profillosen Althusmannschen Statthalters findet sich hier: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/915441-junge-union-fordert-den-kreistag-live-im-internet

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    • Flori schreibt:

      Eine Grüne „hat für den CDU-Spitzenkandidaten Dr. Bernd Althusmann die Chance“ erhöht.

      Ist es nicht unglaublich, dass es schon genügt, wenn Hans-Herbert Jenckel den CDU-Spitzenkandidaten als „Dr. Bernd Althusmann“ tituliert, um aus diesem eine Witzfigur zu machen? Ich stelle mir vor, wie die Umstehenden sich entweder leise kichernd abwenden oder verlegen auf ihre Fingernägel schauen.

      Meisterhaft!

      Zwei Buchstaben genügen dem LzOnline-Chef, um eine Karikatur vor die Augen seiner Leser*innen zu rücken, die ein ganzes Panoptikum von Hochstaplern, Taschenspielern, Gernegroßen und Verstellungskünstlern auferstehen lässt.

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