Die Zeit ist aus den Fugen

Häufiges Händewaschen, dafür ist jetzt viel Zeit.

Lüneburg, 26. März 2020

Für den Augenblick ist es großartig, welchen Ideenreichtum, welche Mitmenschlichkeit, welche Hilfsbereitschaft Corona in Lüneburg auslöst. Klatschen am Fenster, Musizieren, Gottesdienste und Theater im Netz, Nachbarschaftshilfen sprießen wie Pilze, Tausend Dankeschön an die Heldinn/en in Kliniken, Heimen, Supermärkten, Apotheken, Beratungsstellen, bei der Müllabfuhr. Aber es geht nicht um einen Augenblick, es geht um eine Durststrecke.

Und auf dieser Durststrecke erst zeigt sich, ob das soziale Miteinander keine Risse bekommt, ob unsere Kulturschicht im Kopf dicker ist als Pergament, dicker ist als die Angst, die daran frisst. Die Angst, zu erkranken, die Angst, sich anzustecken, die Angst, die Arbeit zu verlieren, das Ersparte verdampfen zu sehen, die Angst, Haus und Hof zu verlieren, die Angst vor der Angst.

Das Virus krümmt Zeit und Raum. Shoppen, Fußball-Bundesliga, Konzerte, Demos, Fridays for Future? In welchem Jahrhundert war das gleich noch? Gefühlt schon jetzt vor einer Ewigkeit, in einer Zeit vor Corona, seither scheint sie stillzustehen. Wann danach ist, darüber gibt keiner ernsthaft Prognosen ab. Weil die Zeitspanne womöglich unsere Vorstellungskraft und Leidensfähigkeit überschreitet, wenn uns die Folgen nicht häppchenweise serviert werden. Und wenn Sie das doch unbedingt interessiert, dann schauen Sie in Bundestagsdrucksachen zu Pandemien. Ich rate davon ab, wenn Sie den Optimismus nicht vertreiben wollen.

Corona ist eine Welle, sie dauert länger als ein Augenblick. Die erste Talsohle ist erreicht, wenn die letzte Staumeldung im Radio läuft. Und die Welle kommt leider wieder. Es gibt also keine Stunde Null. Wenn die erste Corona-Welle vorbei ist, wissen wir, was wir voneinander zu halten haben und was mit der zweiten Welle auf uns zukommt.

Unser Prophet ist heute ein Virologe aus Berlin und die Fieberkurve der Pandemie das Drehbuch eines dystopischen Films. Die Menschen leben in diesem Plot in einer Messias-Naherwartung. Der Heilsbringer wird einen weißen Kittel tragen und einen Impfstoff hochhalten.

Und noch das Beste an dieser bleiernen Zeit ist neben der großen Hilfsbereitschaft die Aufrichtigkeit im Gruß „Bleiben Sie gesund“, der keine Höflichkeitsfloskel mehr ist, sondern ehrlicher Wunsch. Ansonsten beruhigt mich der lapidare wie sibyllinsche Satz meines Lieblings-Professors: Wenn der Himmel einstürzt, sind alle Spatzen tot.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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49 Antworten zu Die Zeit ist aus den Fugen

  1. Klaus Bruns schreibt:

    zur info für betroffene. es geht um betreutes wohnen.
    Hallo Herr Bruns,

    da Sie, Ihre Frau und Ihre Tochter als Pflegekräfte für Ihre pflegebedürftige Mutter gemeldet sind, sind Sie gleichzeitig Angehörige und Pflegekräfte Ihrer Mutter in einer Person. Da die Pflege Ihrer Mutter nach wie vor sichergestellt werden muss, ist die Eigenschaft der „Pflegekraft“ höher zu bewerten als die Eigenschaft der „Angehörigkeit“.

    Insofern ist es Ihnen weiterhin gestattet Ihre Mutter im Rahmen der Pflege aufzusuchen und zu unterstützen. Besuche zu reinen Besuchszwecken sind dagegen derzeit nicht gestattet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Im Auftrag
    Christopher Schäfer

    Landkreis Lüneburg · Soziales
    Gebäude 2 · Zimmer 110
    Auf dem Michaeliskloster 4 · 21335 Lüneburg

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  2. jo bembel schreibt:

    HAMSTER STÜRMEN DIE APOTHEKEN

    Geht es noch peinlicher, Herr Chefredakteur Marc Rath?

    Auch wenn Sie diese Überschrift nicht verzapft haben, so sind Sie doch mitverantwortlich. Und sei es nur dafür, dass keiner anständig Korrektur liest. Ich selbst beherrsche die deutsche Sprache auch nicht so, dass ich es könnte. Aber ich bin bloß Zusteller.

    Hamster sind kleine, possierliche Nagetiere. Diese können sicherlich keinen automatischen Tür-Öffnungsvorgang auslösen und selbst durch Anwendung einer Räuberleiter werden sie an keine Türklinke kommen.

    Die widerlichen Menschen, die gemeint sind, sind

    Hamsterer (Deutsch)
    Substantiv, maskulin

    [Nominativ: (Singular) der Hamsterer / (Plural) die Hamsterer
    Genitiv: des Hamsterers / der Hamsterer
    Dativ: dem Hamsterer / den Hamsterern
    Akkusativ: den Hamsterer / die Hamsterer

    Worttrennung: Hams·te·rer, Plural: Hams·te·rer

    Bedeutungen:
    Person, die hamstert, also versucht, sich zusätzlich zur zugeteilten Menge oder zum aktuellen Bedarf Lebensmittel und andere wichtige Artikel zu verschaffen]

    Aber solange kein Leserbrief länger als 2.000 Zeichen ist, ist die Welt ja in Ordnung. Selbst wenn das Leserforum ein jämmerlich Bild abgibt.

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  3. Wir legen alles Still. Selbst unsere Gefühle. Wir flaten the Rate. Trauern Wir überhaupt als Menschen. Der Tod geht durch unsere Reihen. Wenn alles steht in unserem kurzen Sein der Sinn als Wir wohl wächst. Schenken wir unseren Opfern und Angehörigen eine Schweigeminute für ihr tiefes schmerzhaftes Leid. Das Leid kennt keine Grenzen. Die Not wird es uns finden lassen.. Wir sind nicht allein.. Tränen fließen in ein großes Meer.. Zeigt durch euere Herzen das Wärme fließt.. Gedenken wir uns und anderen.. Nur für eine Minute, wäre das wohl zuviel verlangt in dieser Zeit

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    • Theodor schreibt:

      Lieber Detlef,

      Erscheint dir etwas unerhört,
      Bist du tiefsten Herzens empört,
      Bäume nicht auf, versuch′s nicht mit Streit,
      Berühr es nicht, überlaß es der Zeit.

      Am ersten Tag wirst du feige dich schelten,
      Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten,
      Am dritten hast du′s überwunden,
      Alles ist wichtig nur auf Stunden,

      Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
      Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

      Quelle: Theodor Fontane

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  4. Klaus Bruns schreibt:

    es darf gelacht werden, da gibt es jemanden , der ein fän von atomkraftwerken ist und jetzt schutzmasken zum selber basteln empfiehlt. in Tschernobyl brennt gerade der wald. die radioaktivität steigt. ob da auch masken helfen können?

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    • Andreas Janowitz schreibt:

      Gelacht werden darf wohl eher über die Rechtschreibfehler… -.-

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Andreas Janowitz
        was meinen sie, wie lange ich schon hier auf so einen fundamentalen hinweis gewartet habe. schmunzel. da ich meine schweine am gang erkenne, braucht es aber nicht zu oft diesen hinweis. es sind übrigens immer die gleichen, die solche hinweise geben. eigentlich muss deren rechtschreibfehlersammlung schon gewaltige dimensionen angenommen haben, meinen sie nicht herr janowitz? dafür fehlt es denen ja meistens an ,,echten“ argumenten, oder sehen sie das anders? hin und wieder baue ich auch gern mal rechtschreibfehler ein , um zu sehen, wer darauf reagiert und sich so in den foren tummelt. ansonsten interessiert mich die rechtschreibung schon lange nicht mehr. habe als rentner meine uhr und die rechtschreibung abgelegt. wann werden sie herr janowitz als neuer maskenball-fan venedig beglücken? schmunzeln.

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      • Ella Carina schreibt:

        Wer im Glahshaus sitzt, lieber Andi, der …

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      • Klaus Bruns schreibt:

        mein Test-Ergebnis,schmunzeln
        Sie haben 20 von 36 Punkten erreicht (55.56%)

        Du hast eine gute Balance
        Du bist weder besonders extrovertiert, noch besonders introvertiert.

        Es gibt Situationen in denen du dich lieber zurückhältst und die anderen machen lässt, aber manchmal bist du auch voll im Geschehen.

        Du hast auf jedenfall eine gesunde Portion Selbstvertrauen und weißt, wie du auf dich aufmerksam machst, wenn dir etwas nicht passt. Das ist gut und wichtig damit du nicht von anderen übergangen wirst.

        Wenn du noch genauere Informationen willst, dann kann ich dir den Persönlichkeitstest von 16personalities empfehlen. Ein genialer Test, der auf modernem psychologischen Wissen beruht und auch echt Spaß macht.

        Beste Grüße, Gustav.

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  5. Andreas Janowitz schreibt:

    Bitte diese grossartigen Neuigkeiten zur Kenntnis nehmen?! (Ja, ja der Bericht über den Barendorfer Gymnasiasten war ganz nett).
    Aber das hier demonstriert dezidiert die Kapazitäten?! Man denke sich über „Rechenkraft.net“ liessen sich nach dieser Epedemie einige hundertausend überzeugen dem Stellerator-Projekt in Greifswald Kapazitäten zuschustern?!

    https://foldingathome.org/2020/04/03/capturing-the-covid-19-demogorgon-aka-spike-in-action/

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  6. Klaus Bruns schreibt:

    vom maskenball halte ich gar nichts. sie sollten denen helfen, die andere helfen und das sind keine selbst gebastelten. sinnvoll wäre es da ,masken zu tragen, wo der sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, ansonsten besteht die gefahr, dass immer mehr menschen leichtsinnig werden und dem ,,nicht,, vorhandenen schutz, zu viele den glauben schenken, sie könnten schützen. da corona-partys ohne masken veranstaltet werden, frage ich mich, welche partys erst so mit masken veranstaltet werden?

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    • Georg Wüstenhagen schreibt:

      Obacht, Herr Bruns! Jürgen Hempel ist ein erfahrener Spezialist für Do-it-Yourself-Maßnahmen zur Social-Distance-Beachtung:


      Foto: ca

      Siehe: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1713752-juergen-hempel-ist-nicht-auf-linie

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    • Andreas Janowitz schreibt:

      Ich habe meine Meinung über`s tragen improvisierter Masken grundsätzlich geändert. Wozu sonst das mehrlagige Klopapier horten? Selbst improvisierte Masken schützen andere vor unerkannt infektiösen und reduzieren die Viruspartikellast in der ausgeatmeten Luft. Ja Sie schützen kaum vor infektion was das einatmen betrifft, trotzdem macht es Sinn Sie beim Einkaufen oder im Bus zu tragen.
      Ausserdem werden so richtige Masken den professionellen vorbehalten.

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  7. Jürgen Hempel schreibt:

    Immer mehr Ärzte raten den Menschen im Lande zusätzlich zu den verordneten Mindestabstandregeln zu anderen Menschen eine Mund- Nasenschutzmaske zu tragen. Hier sei genannt Dr. Matthias Riedl, der in der Visite- Sendung vom 24.03 auf NDR 3 dazu sprach ( nachzuhören auf der Mediathek ) Aber auch der Bundespolitiker Dr.Dr Karl Lauterbach ( SPD ) sprach sich dafür aus in der Maibrit Ilner – Runde vom 27.03.2020. Dr. Lauterbach sagt auch, dass ein ein Angesteckter, der keine Symptome zeigt, auch Viren verbreitet. Dass heißt: in der Ausatmungsluft, z.B. beim Sprechen befinden sich Viren !! Die 200 cm Abstand zu einander besagt nicht, dass Sie ggf. durch die Ausatmungswolke gehen Bsp im Supermarkt.
    Heute ( 30.03. ) nun hat Österreichs Bundeskanzler Kurz angeordnet, das alle Käufer im Supermarkt Masken tragen müssen. Auch soll geprüft werden, wenn Menschen in der Öffentlichkeit unterwegs sind, Mund- Nasenschutz- Masken zutragen. Auch in Österreich gibt es keine Masken in der Apotheke ………. Mittlerweile wird AUCH in Deutschland diskutiert ( 31.03.), dass Masken zu tragen sind. Ab Montag, den 06.April muss jeder Einwohner in Jena – Thüringen – beim Einkauf im Supermarkt eine Mund- Nase- Schutzmaske tragen.
    Aber auch in Deutschland gibt es diese Masken nicht zu kaufen, daher empfehle ich, diesen Schutz selber herzustellen. Anleitungen finden Sie auf meiner Facebook Seite dazu.Wer keine Nähmaschine hat, da geht es auch mit einer Nähnadel und Sternzwirn.

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  8. Währungsreform? schreibt:

    Deutschlands größte private Gelddruckerei Giesecke & Devrient (G+D) würde wohl die neuen Banknoten produzieren. Und ist dazu, zumindest theoretisch, jederzeit in der Lage. Karsten Ottenberg, Vorsitzender der G+D-Geschäftsführung: „Wir brauchen etwa ein halbes Jahr, um neue Banknoten zu entwerfen und dann zu produzieren.
    Hessen im März 2020

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    • jj schreibt:

      Die Quelle ist „Focus“. Alles klar.

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    • jo bembel schreibt:

      Und wer sollte Interesse an einer Währungsreform haben? Ganz gewiss nicht, den 10% der Bevölkerung, die 56% des Gesamtvermögens besitzen. Und diese Ungleichverteilung, die in allen großen Volkswirtschaften (extremer) existiert, wird dafür sorgen, dass die Krise zu keinen fundamentalen wirtschaftlichen Veränderungen kommen wird.

      Und wenn es doch zur Währungsreform kommen sollte, wird gleichzeitig das Bargeld abgeschafft werden.

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  9. Klaus Bruns schreibt:

    meine mutter 91 jahre alt ist stinksauer. sie soll jetzt eine reinigungsfirma beauftragen, damit bei ihr gesaugt werden darf. sowas nennt sich betreutes wohnen. meine tochter darf es angeblich nicht mehr, trotz einweghandschuhe und sicherheitsabstand. diesen groben unfug werden wir nicht mitmachen. wir sind als pflegekräfte bei der krankenkasse eingetragen und werden unsere rechte zu nutzen wissen.

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  10. Fünf Uhr morgens. Sie schleppt sich zum Bus.
    Sie fühlt sich krank, doch sie weiß genau: Sie muss.
    Sie ist Krankenschwester auf der Intensivstation.
    Und die Patienten warten schon.
    Er gehört im Altenheim zum Pflegepersonal.
    Sein Tagesdienstplan ist hektisch und brutal.
    Doch so gut es geht, nimmt er sich für jeden Zeit
    und hält für alle ein Lächeln bereit.
    Selten Lob, wenig Kohle, kein Glamour und kein Glanz,
    doch das Herz am rechten Fleck, und zwar voll und ganz.
    Quelle
    https://www.wiseguys.de/index-111.html

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  11. Andreas Janowitz schreibt:

    Die Bundesrepublik ist derzeit, das einzige Land auf der Welt, was Patienten aus Nachbarländern einfliegt. Noch Fragen?

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    • Berni schreibt:

      Ja. Wie hörten wir Bestsellerautor Frank Schätzing jüngst so Klaus Brunsisch aus dem Radio rausraunen? »Wenn Sie sich einmal in die Politik reinbegeben, verlieren Sie Ihre Freiheit – auch die Freiheit, Dinge auszusprechen. Die Parteistrukturen, in denen Politiker sich von der Pike auf hocharbeiten, sind wie Flüsse, und Sie sind der Kiesel. Sie werden rund geschliffen, ob Sie das wollen oder nicht. Andernfalls kommen Sie ja gar nicht oben an!«

      Au weia. Was also, Andreas Janowitz, würden Sie an Frank Schätzings Stelle tun? Flusskiesel künftig ungeschliffen lassen, damit sie besser oben ankommen und auf der Wasseroberfläche schwimmen? Strukturen entwässern, damit sie aufhören, wie Flüsse zu sein? Die Pike aus dieser feuchten Metapher nehmen, bevor sie rostet? Ja? Und wenn Politiker dann endlich die Freiheit haben, »Dinge auszusprechen« – was schätzen Sie: Wird das dann so eloquent und bildstark klingen, als hätte es ein gelernter Schriftsteller formuliert?

      Übt immer noch die flüssige Aussprache:

      Jens Kiesel (Mitte) im Juni 2015 als Neuzugang in den Reihen der SPD-Ratsfraktion. Eine Karriere, die im September 2016 wieder endete. (Foto: t&w)

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      • Andreas Janowitz schreibt:

        Ach wissen Sie, ich halte die Fluss-Metapher für gar nicht so unangebracht. Wir alle treiben im Strom der Zeit vorran, manche glauben gar sie schwämmen, obwohl das Leben von Zufällen und Untiefen jenseits allen Zugriff´s geprägt ist. Der Zufall bestimmt weit mehr aus die eigene Fertigkeit im Kraueln. Sicher, schwimmen muss man können, nur ist der wahre Unterschied zwischen den Spitzenschwimmern und der breiten Masse der sich über Wasser haltenden geringer als all zu oft Erklärt.

        Ohne Schliff, kein Schneid? Bis schliesslich nichts mehr zum Schleifen übrig ist. Es ist nunmal der Cursus Honorium in Deutschland derart verinnerlicht, das nicht sein kann was nicht sein darf. Wer sich nicht über Jahre bewährt, kann nichts Können? Egal was die Tiefe der geschlagenen Kerbe gerade demonstriert. Die Demonstration gilt in meiner kleinen Welt nunmal alles. Da kann kommen wer will.

        Ich für meinen Teil habe den elaborierten Kode gerade verlegt: das verstünde sowieso niemand. Ein wenig mehr gerade herraus? Ein bischen ausschmücken? Märchen Onkels haben doch Hochkonjunktur? Kein Wunder das unsere beamtisch Quasselnden auf dem trockenen rudern? Deren rechtssichere Aussprache versteht einfach niemand mehr.

        Ideenlos kommen sie daher. Ich lud jüngst eine wüste Triade über das Notdurftprogramm im i-mehl Ordner der Bundesbank ab. Ich bin mir sicher die hochwohlgeborenen Experten lasen höchst angewidert welche Möglichkeiten abseits des abgekauten Knochens vom „schlanken Staat“ liegen. Nach Jahren des Cursus ist die Idee vom grosse Narativ schlicht unter Bergen von Akten, Formularen und Durchschlägen begraben. Dröge dümpelt die Beamtenrepublik vor sich hin und ist sich selbst so sehr genug, das jede noch so krude gute Nachtgeschichte, jedes noch so hingeschmierte Plakat als gewichtige Erzählung an jederman verkauft werden kann. Zumindest 20% lassen sich freimütig für Dumm verkaufen.

        Ich „würde“ nicht? Ich versuche wenigstens das grosse Narativ ein wenig aufzupolieren, unter der Patina ein wenig verlorenen Glanz hervorzuholen. Es war die Hoffnung auf Freiheit die, Bürger des Ostblocks ermutigte weiter zu schwimmen?! Jene unüberwindbar scheinenden Strohmschnellen letzlich doch zu überwinden? In dieser zähen sich quälend langsam dehenenden Zeit braucht es doch ein wenig frohen Mut?

        Die Bundesrepublik ist derzeit der einzige Staat weltweit, der Patienten zur Behandlung einfliegt?!

        Wir werden das schon irgendwie schaffen, aber wie? Hundertausende spenden derzeit Rechenzeit, damit Mediziner die Details der Proteinfaltung nutzen können um schneller als je zuvor eine Medikation bereit zu stellen? Einfach Menschen, zusammen an einem Strang ziehend, nähen nicht nur improvisierte Gesichtsmasken für Verkäufer oder Altenpfleger, sondern stellen zusammen den grössten und schnellsten Supercomputer aller Zeiten?! Wenn weltweiter Zusammenhalt und Solidarität normaler Bürger kein grossartige Narativ ist, dann weiss ich auch nicht. Ohne die so viel gescholtenen sozialen Medien gäbe es keine Koordinationsmöglichkeit?

        Das ist was der Aufstieg zur Kardaschow I Zivilisation bedeutet?! Das glänzt ganz sicher- naja gut es schimmert ein wenig…

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      • Bertolt schreibt:

        Am Grunde der Moldau wandern die Steine
        Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
        Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
        Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

        Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
        Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
        Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne
        Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.

        Am Grunde der Moldau wandern die Steine
        Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
        Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
        Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

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  12. Peter Ringer schreibt:

    Hallo, Herr Jenckel,

    in der Frankfurter Allgemeinen ist heute zu lesen: „Kürzlich erblickte eine interne Lageeinschätzung des Bundesinnenministeriums zur Corona-Pandemie das Licht der Welt, bei deren Lektüre dem Leser der Atem stocken kann. Schon im ersten Absatz des 17-Seiten-Papiers mit der Überschrift ‚Wie wir Covid-19 unter Kontrolle bekommen’ wird eine Horror-Zahl genannt: Wenn nichts unternommen würde, wäre mit mehr als einer Million Toten allein in diesem Jahr in Deutschland zu rechnen.“ (https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-wie-bringt-man-den-deutschen-bei-wie-schlimm-es-ist-16707527.html)

    Wird die „Arena“ im Hinblick darauf nicht mit eiligstem Vorrang fertig gestellt werden müssen, da sie unter Umständen als Ergänzungskrankenhaus „Am Alten Schlachthof“ systemrelevant ist?

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    • Jochen Wolters schreibt:

      Dazu gestern in der FAZ an anderer Stelle:

      „Das Ausmaß der Corona-Krise ist in der Tat nicht zu verharmlosen. In einem vielzitierten Strategiepapier des Bundesinnenministeriums wurde für den schlimmsten Fall ein bis dahin für unsere Gesellschaft nicht gekannter „Abgrund“ vorhergesagt: der totale Zusammenbruch von Wirtschaft und Gesellschaft, wie er seit Ende des nicht dagewesen ist, bis hin zu Anarchie, Plünderungen und Gewaltausbrüchen. Der Druck auf Politiker, vom Landrat bis zur Kanzlerin, eine solche Katastrophe abzuwenden, ist seit Tagen und Wochen so groß, dass es durchaus plausibel und menschlich erscheint, dieser Last nicht standhalten zu können.

      Dennoch: Die Einschätzung des „worst-case“ aus dem Innenministerium in Berlin ist gut zwei Wochen alt. Für Gesprächsstoff unter Ministern und Beamten in Bund und Ländern wird dieses schlimmste Szenario schon früher gesorgt haben. Seither ist viel geschehen. Resultat waren unter anderem die drastischen Maßnahmen während und am Ende der Woche, aus dem das Papier stammt. Wichtigster Bestandteil dieser Maßnahmen waren das Kontaktverbot in allen Bundesländern, das am Wochenende vom 21./22. März ausgesprochen wurde.

      Diese Beschränkungen zeigten erste positive Wirkungen schon vor Tagen, auch schon vor dem 28. März. Nicht Horrorszenarien, sondern Hoffnungen gaben seither den Ton an. Der „Abgrund“ war erst einmal abgewendet. Stattdessen ist ein Szenario viel wahrscheinlicher, das bei allen Unwägbarkeiten, die noch bleiben, keinen Anlass zur allgemeinen Verzweiflung bietet. Grund zum Optimismus gab es schon seit Tagen mit Blick auf China und Südkorea, wo sich die Infektionskurven dauerhaft abflachten.“

      Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zum-tod-thomas-schaefers-von-den-sorgen-erdrueckt-16708665.html

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  13. Ute Hannemann schreibt:

    Eine tödliche Pandemie hat der Virologie endlich den Sexappeal eingehaucht, den dieser nischige Berufsstand schon lange verdient hat. Die folgenden Lüneburger Berufsrepräsentanten warten sehnsüchtig auf ihre eigenen attraktivitätssteigernden Katastrophen:

    KFZ-SACHVERSTÄNDIGER: Durch einen verheerenden Hagelsturm werden deutschlandweit hunderttausende an der Lüner Rennbahn im Freien parkende Autos zerbeult. Im ersten Ansturm auf die ATU-Filialen bewahrt ein Amelinghäuser KfZ-Sachverständiger in täglichen ARD-Brennpunkten kühlen Kopf und dieser blaue Overall sieht irgendwie süß aus.

    FACHFRAU FÜR WEINBAU: Nach dem stärksten deutschen Erdbeben seit Beginn der Aufzeichnungen rechnen die niedersächsischen Winzerpioniere an der leichten Hanglage des ehemaligen Kartoffelackers im Thomasburger Orsteil Wiecheln mit einem Ernteausfall von bis zu 90 Prozent. In ihrem eigenen „TikTok“-Format gibt eine Dipl.-Ing. für Weinbau den panischen Hobby-Sommeliers zwischen Neetze und Rehlingen wertvolle Tipps für das Leben ohne fruchtige Abgänge. Ihre vom schweren Rotwein blauen Lippen können ruhig näher an die Kamera.

    FDP-MITGLIEDER: Wegen der Insolvenz des weltweit größten Herstellers für Reitaccessoires und -zubehör geraten die Pferdebesitzer im Landkreis Lüneburg in Panik. Die Liberalen zeigen sich großzügig und springen ihrem Naturell entsprechend als Steigbügelhalter ein.

    EVENTMANAGER IM BEREICH TEAMBUILDING: Als die alte Ziegelei bei Rettmer samt Umland einer Explosion auf dem nahegelegenen Gelände des ADAC-Slalomkartrennzentrums zum Opfer fällt, kann ein aufgeweckter StartUp-Unternehmer durch ein Paket an Sofortmaßnahmen für die Umwandlung des Brachlands in den größten deutschen Hochseilgarten für Ruhe sorgen. Seine starken Hände können auch gerne mal unseren Teamgeist stärken.

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  14. Werner Dachs schreibt:

    Liebe Leser*innen,

    gestern Mittag erreichten mich die ersten wütenden E-Mails: Wo denn mein nächster Blog.jj-Kommentar bliebe, es sei langsam ja einmal Zeit und die Fernsehgebühren für den April würden sonst vorerst einbehalten. Deswegen an dieser Stelle: Bitte beruhige dich, Mama! Keine Entschuldigung, aber der Versuch einer Erklärung: Ich bin beim Info-Streamen zur überraschenden OB-Kandidatur von Heiko Meyer (https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/2716387-heiko-meyer-will-maedges-nachfolger-werden) eingeschlafen und habe schon länger kein Gefühl mehr dafür, welchen Tag wir eigentlich schreiben. Als ich eben aufwachte, lief jedenfalls das Amazon Original von Chris Tall: Mich hat das irgendwie angepowert, diese subtile „Jeder kann es ins Fernsehen schaffen“-Submessage, das Tröstende in der Tragödie. Und ich glaube, das ist genau der Spirit, den Christian Lindner meinte, als er diese Woche in „Bild“ erklärte, dass die Bevölkerung in Normalzeiten betüddelt und unterfordert werde und die Krise eigentlich erst so richtig zeige, was in uns stecke.

    Auch mein Eindruck in den letzten Tagen, dass die Ausnahmesituation das Beste aus uns rausholt: Bei Tschorn herrscht zum Beispiel blanker survival of the fittest. Wer nicht schon eine Stunde vor Ladenöffnung auf dem Sande ausharrt, hat es in my humble opinion nach auch nicht verdient, entspannt auf Toilette gehen zu können oder in den Genuss von Bananen zu kommen. Viele Menschen in Lüneburg haben den köstlichen Geschmack von purem Weizenmehl (405) inzwischen schon vergessen, weil sie nach wie vor zu zweistelliger Uhrzeit aufstehen. Nichts erzählt die Geschichte dieser Pandemie eindrücklicher als die Blicke der Menschen zwischen den Tiefkühlfächern und dem Aktionsregal. Zwischen „Von hier an kämpft jeder für sich allein“ und „Ich habe vier Wochen lang keine Nachrichten gelesen, was ist hier eigentlich los?“ ist im Grunde alles dabei.

    Und dann sehe ich in junge, hungrige Gesichter, die – Gnade der frühen Geburt – Abitur und Studium schon hinter sich haben und jetzt eigentlich bereit wären für Karriere und Gehaltsverhandlung. Doch statt Zukunftsgeilheit geht bei vielen die Angst um: Was, wenn Julia Klöckner mobilmacht und mich aufs Spargelfeld schickt? Wie macht sich die Saison dann später im CV? Planungssicherheit sieht anders aus.

    Full Darwin Mode offenbar auch in der Virologenbubble: Der von mir erst vor zwei Wochen an dieser Stelle hochgelobte Cheferklärer Prof. Dr. Christian Drosten erwägt offenbar den Rückzug aus den Medien. In seinem Podcast beschwert er sich, dass Wissenschaftler mehr und mehr als Entscheidungsträger dargestellt werden. Manche unken schon: Vielleicht ist dieser Mann einfach nicht gemacht für das Haifischbecken Aufmerksamkeitsökonomie. Ich glaube, ich weiß, wie Drosten sich fühlen muss: Als mein erster Tweet bei „Twitterperlen“ gefeatured wurde, war da auch erst einmal ein paar Tage Leere. Aber dann ging’s weiter. Denn es muss weiter gehen. Irgendwie.

    Keep on fighting, Prof. Drosten!

    Dein Werner Dachs

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    • jj schreibt:

      Bei Tschorn in der SaPa, das kann ich versichern, ist das Einkaufen durchaus entspannt und nicht so, wie beschrieben. Das scheint sich um einen anderen Laden zu handeln. Lg jj

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  15. Bitte denken Sie auf keinen Fall an einen Bären, der auf einem Fahrrad fährt. Er hat auch keine dunkle Sonnenbrille auf und auf seinem Rücken trägt er keinen gelben Rucksack.

    Ablenkungen sind zeitlich begrenzt…

    Klopapier kaufen, sowie Nase-Mundschutz aus Strickwaren tragen wirken ähnlich.

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  16. Hans A. Plast schreibt:

    Ich möchte Ihnen verraten, wie auch Sie es schaffen, zu Hause nicht durchzudrehen. Folgende Übersicht strukturiert für Sie den Tag:

    8.00 Uhr: Stehen Sie auf und lüften Sie!

    8.30 Uhr: Frühstücken Sie! Denken Sie dabei an etwas, das Ihnen Freude bereitet, zum Beispiel an Ihren letzten Italien-Urlaub!

    9.00 Uhr: Informieren Sie sich über den neuesten Stand, aber nicht zu lange! Ordnen Sie ca. 25 Browserfenster mit Nachrichten zur Covid-19-Epidemie dicht neben- und untereinander auf Ihrem Monitor an und lesen Sie ca. anderthalb Stunden lang quer!

    10.30 Uhr: Putzen Sie Ihre Wohnung und sortieren Sie ein Regal Ihrer Wahl, zum Beispiel das Gewürzregal. Wenn Sie fertig sind, schmeißen Sie alle Gewürzdosen lauthals fluchend wieder auf den Boden und beginnen Sie von neuem! Wiederholen Sie den Vorgang fünf Mal.

    12.30 Uhr: Mittagessen (Wursthappen-Pakoras in Senfsoße)

    13.30 Uhr: Leichte sportliche Betätigung fördert die Verdauung. Wir empfehlen den „Ententanz“.

    14.00 Uhr: Telefonieren Sie mit Ihren Liebsten! Ordnen Sie dazu wie in Punkt 3 (Nachrichtenüberblick) sämtliche Video-Fenster nebeneinander an und sprechen Sie allen Zugeschalteten beruhigend zu!

    15.30 Uhr: Werden Sie kreativ, bemalen Sie Ihre Wände! Versuchen Sie dabei, Ihre Ängste und Sorgen zu externalisieren! Falls Sie keine Farbe im Haus haben sollten, tun es auch flüssige Lebensmittel oder Zahnpasta mit kleineren Portionen hessnatur Lederbalsam.

    16.30 Uhr: Nochmal Ententanz.

    17.00 Uhr: Puh, keine Ahnung! Ganz schön lang so ein Tag, was? Vielleicht einfach mal in sich hinein horchen?

    19.00 Uhr: Abendessen (Kalte Knabbermix-Suppe)

    20.00 Uhr: Verhöhnen Sie das Corona-Virus, indem Sie das Fenster öffnen und laut lachen! Wer weiß: Womöglich lacht am Ende die ganze Straße mit.

    21.00 Uhr: Singen Sie eine Oper Ihrer Wahl! Spielen Sie sämtliche Konflikte Ihrer Kindheit vor dem Spiegel nach! Sprechen Sie die Rollen Ihrer Eltern dabei einfach mit! Spielen Sie Halma gegen sich selbst!

    00.00 Uhr: Trinken Sie eine warme Milch mit Honig und gehen Sie ins Bett! Morgen wartet ein neuer Tag auf Sie.

    (Achtung: Diese Anleitung gilt nur für Alleinstehende! Für Paare oder gar Eltern mit Kindern gibt es leider keine Hilfe.)

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  17. Andreas Janowitz schreibt:

    Na immerhin werden Desinfektionsmittelchen in Lüneburg nicht ausgehen: A.F.P. im Hafen produzierts..

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  18. Stefan schreibt:

    Dass die gegenwärtige Viruskrise das Kleingewerbe besonders trifft, sei mit Blick auf mein eigenes nicht zum Witz gemacht, besteht doch mein Problem bloß darin, wie in derart monothematischen Zeiten hier im Forum ein Blog.jj-Kommentar zu schreiben ist; oder, ja, sogar deren zwei. Bei der Gelegenheit und weil’s unsere Schüler auch betrifft und weil grad Zeit ist, möchte ich einen meiner gelungeneren Witze wiederholen, falls ihn, was ich gar nicht glauben mag, nicht schon irgendein Herderschuldirektor mit therapeutischen Absichten vor mir gemacht hat: „Das bayerische Abitur lässt sich letztlich ohne Hochschulabschluss gar nicht bewältigen“. Was fürs niedersächsische natürlich nicht gilt.

    Jasper von Altenbockum, ein sicherer Banker in Saure-Virus-Zeiten wie diesen, hat, das wird aus Wikipedia nicht recht klar, entweder ein achtbares rheinland-pfälzisches oder ein unschlagbares baden-württembergisches Abitur, was ihn zu allerlei berechtigt, etwa zu einer ungetrübten Spargelsaison: „Die Corona-Krise schreibt ihre ersten leicht widersinnigen Geschichten. Um doch noch die benötigten dreihunderttausend Saisonhelfer für die Gemüse-Ernte in Deutschland zu organisieren, wird es nicht ohne Improvisationskunst abgehen können – es sei denn, das Gemüse verdirbt auf den Feldern.“ Andersrum, Jasper: Das Gemüse wird auf den Feldern verderben, es sei denn, es gelingt ein Improvisationskunststück, das den Ausfall der ausländischen Erntehilfe kompensiert. Ein „Katastrophenfall de luxe“ ist nämlich eingetreten, und „der Katastrophenfall erlaubt es durchaus, inländische Arbeitskräfte dort einzusetzen, wo es dringend nötig ist, auch wenn sie davon nicht begeistert sind“. (Vgl.: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-krise-studenten-als-erntehelfer-einsetzen-16686893.html)

    Ihm wird doch nicht fad geworden sein in der Frankfurter Redaktion? Er wird sich doch nicht sehnen nach Sonnenschein, frischer Luft und Rückenschmerzen? Für einen Stundenlohn, der auf der Fressgass für einen Cappuccino reicht? „Aber schon wird bis in das Bundeslandwirtschaftsministerium vor der Rekrutierung von ,Zwangsarbeitern’ gewarnt, etwa Studenten. Das mag daran liegen, dass Julia Klöckner aus eigener Erfahrung weiß, dass sich Soziologie-Studenten für schwere Landarbeit einfach nicht eignen. Geschweige denn zum Spargelstechen.“

    Sowenig wie ehemalige solche der Geschichte, die auch gar keine Zeit hätten, den Spargel, den sie verzehren, auch noch selbst zu ernten, es wäre dies ja auch ein Verstoß gegen das eherne Frankfurter Prinzip von oben und unten: Sich von der harten Arbeit anderer ernähren, das ist soziale Marktwirtschaft oder, in „Notzeiten“ (Jasper), sogar „Solidarität“, die „einzufordern“ (deutsch: zu fordern) „nicht nur heiße Luft“ bedeuten darf, sondern auch, jawoll: „Zumutungen“.

    Wenn auch nicht für einen Frankfurter Allgemeinen Zeitungsredakteur, für den die Grenzen der Zumutbarkeit bereits dann weit überschritten sind, wenn in der Kantine der Pudding alle ist oder ein Frühling ohne Spargelgericht stattfinden soll, was zu verhindern jede Zumutung wert ist; sofern sie bloß arme Schlucker oder potentielle Diversantinnen trifft, die, wo Solidarität und harte Arbeit nottäten, sich mit „irgendeiner Soziologie“ (Gunnar Homann) die Zeit vertreiben. Dass man nicht mal faule Hartzer zur Spargelernte pressen kann, wird Jasper da so bedauern wie die von Missgünstigen wie mir gezogene Parallele zum sog. Ernteeinsatz in der Deutschen Demokratischen Republik, deren Unrechtscharakter aber gerade hier sehr deutlich sichtbar wird, denn da fehlten die billigen Bulgaren halt immer. Mangelwirtschaft, widerlich.

    Gemüsebauer, der Angst um seine Ernte hat, möchte man nicht sein; doch um wieviel weniger ein Erzähler allzu sinniger Geschichten, bei dem „Solidarität“ noch im Frühjahr wie Winterhilfswerk klingt.

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  19. Klaus Bruns schreibt:

    Was hamstern in der Corona-Krise die Italiener, die Franzosen und die Deutschen? – Die Italiener Rotwein, die Franzosen Kondome und die Deutschen Klopapier.“

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    • Gerhard Schulz schreibt:

      Und das, obwohl „Pariser“ weder gegen Viruserkrankungen noch gegen Alkoholismus schützen. Aber das mit dem beidseitig genutzten Klopapier hätte im frischluftschneisigen Grüngürtel zwischen dem ortskernsanierten Reppenstedt und dem klappbrückenbauenden Oberzentrum schon längst ein Ende haben können, wenn der 3D-Campus bereits arbeiten und nicht mehr analog, sondern digital gedru(e)ckt würde.

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  20. Gelangweilte Fußballmillionäre Turnen in ihrer Wohnung. Die Kassiererin bei Aldi, mit kleinem Einkommen, solidarisch im Frontrinsatz, in Lebensgefahr. Eine Frontheldin, ein Orden aus Blech winkt ihr, der Coronaorden am Bande. Eine Ernte im Herbst wird nicht stattfinden. Obst und Gem<se werden fehlen, 60% Unterdeckung. Veganer verhungern, Fleischesser danach, weil Viehfutter fehlt. 300.000 Saisonkräfte nicht auf den Feldern. Wer nicht sät, kann nicht ernten. Asylbewerber auf den Acker. Die Armen sollen den Hunger stillen? Studenten,? Bildung im Feldversuch? Nein, am Reichstagsgebäude steht "Dem deutschen Volke". Solidarität wäre wohl, Politik auf den Spargelacker. .Leider nicht "Unabkömmlichkeit" heißt das Zauberwort. Systemrelevant sind ältere Menschen nicht in diesen Tagen, Triage heißt das Zauberwort.
    Nach der dritten Welle… Wird neu verteilt..
    Oben ist unten und unten ist oben…
    Ein Szenario.. Kein Happy End? Doch, es gibt Klopapier, sogar bedruckt! Was da wohl drauf steht?

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  21. Klaus Bruns schreibt:

    es darf gelacht werden. wir leben unter einem dach. fünf erwachsene und ein kleinkind. das denunziantentum hat konjunktur. ist aber nicht neu in deutschland. ab den ersten april gibt es die leinenpflicht. keiner wird mehr verarscht als hundebesitzer und ihr steuerzahler hund. wenn wir spazieren gehen, wie lange wird es wohl dauern , bis die polizei gerufen wird? wir sind mehr als zwei. vier erwachsene müssen arbeiten, ich als rentner warte auf meine infizierung zu hause. wie war das noch mit den 25 000 toten durch die grippe in einem jahr in deutschland? wen hat es interessiert?

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  22. Otto Berg schreibt:

    Sie meinen, wenn Corona (lateinisch für „Kranz“) vorbei ist, wird wieder über andere unselige Verflechtungen gesprochen?

    Die „Krise“ ist ja auch, das sollte niemand übersehen, ein temporär blickdichter Vorhang, hinter dem sich andere „Kontinuitäten“ ebenfalls mit großer Hast weiter entwickeln (lassen).

    Und solche scheint es ja zu geben, wie zwei Bild-Text-Zitate aus Lüneburger Printmedien mit großer regionaler Reichweite nahelegen:


    Foto: kt
    „Sie wollen den Bau einer Halle in Lüneburg voranbringen: Oberbürgermeister Ulrich Mädge (Mitte) und Landrat Manfred Nahrstedt (r.) (…mit) Oberfan und Sponsor Klaus Hoppe (l.)“ / (Lünepost 19. Jan. 2015)
    ·


    Foto: LK/n
    „Endlich unterschrieben: Landrat Manfred Nahrstedt (links) und Klaus Hoppe (Mitte) halten den Betreibervertrag in Händen, an ihrer Seite Oberbürgermeister Ulrich Mädge“ / (LG heute, 3. Januar 2019)

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    • jj schreibt:

      Die Arena lässt Sie auch in dieser Zeit nicht los. Da müssen notfalls alte Bilder herhalten. Nur zu Ihrer Information, der Oberbürgermeister von Lüneburg hat den Betreibervertrag mit der Campus Management GmbH, der jetzt für viel Geld aufgehoben wurde, nicht, ich wiederhole nicht unterschrieben. Auch wenn das Bild dies suggeriert. Und der Oberbürgermeister von Lüneburg ist als Fan auch schon im Stadion von Borussia Dortmund gesichtet worden, und stellen Sie sich vor, mit eben diesem Landrat. Wenn da man nicht wieder was im Busch war…..lg jj

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      • Otto Berg schreibt:

        Ich frage mich, wozu Sie das schreiben, Herr Jenckel. Alle wesentlichen Informationen stehen bereits – als originale Verlautbarungszitate – unter den Bildern, für deren Verbreitung in sämtliche Haushalte des Kreises sowohl der Herr Oberbürgermeister Ulrich Mädge selbst (denn niemand hatte ihn gezwungen, sich am 31. Dezember 2018 mit aufs Pressebild zu drängeln) als auch die Herren Klaus Hoppe und Manfred Nahrstedt zu den angegebenen Terminen im Verein mit den „kommunikativen“ Qualitätserzeugnissen des Medienhauses Lüneburg GmbH gesorgt haben.

        Ist dummdreiste politische Propaganda nur erlaubt, wenn sie den Interessen der Lüneburger Hauptverwaltungsbeamten dient? Aber dieselben Bilder mit denselben Bildunterschriften „suggerieren“ wenige Monate später plötzlich Dinge, die überhaupt niemand behauptet hat (z. B. Herr Ulrich Mädge habe den für den Landkreis nachteiligen Betreibervertrag von Silvester 2018 unterschrieben), und müssen deshalb mit Betonung, ich wiederhole: mit Betonung dementiert werden?

        Und, ja, die Arena lässt mich auch in dieser Zeit nicht los. Denn, wie ich geschrieben habe, „diese Zeit“, so schlimm sie ist, sollte niemanden darüber hinwegtäuschen, dass sich hinter ihren Gardinen weiterhin rührige Akteure bewegen, die keineswegs nur und ausschließlich ans Händewaschen denken.

        Haben Sie die LZ gelesen? „Der nichtöffentliche Kreisausschuss tagte an diesem Montag. Nicht zuletzt, um wichtige Weichenstellungen für die Arena vorzunehmen.“ Eine nächste Sondersitzung „für das Gremium ist am 6. April … anberaumt“. Vor drei Tagen wurde dort eine inferiore zweite „Verkehrsuntersuchung“ durchgewinkt, die sich von der monierten ersten praktisch kaum unterschied und nicht das Papier wert ist, auf das sie gedruckt wurde. Worüber dagegen NICHT unterrichtet wurde, ist, wer für die Umsatzssteuer in Höhe von rund 200.000 Euro aufkommen wird, die mit der Millionen-Entschädigung anfällt, die „der Landkreis“ (also die Lüneburger Steuerbürgerschaft) der Campus GmbH für die Auflösung eines Betreibervertrages zahlen will (bzw. soll), welcher, da ihm immer die Geschäftsgrundlage fehlte, mutmaßlich vom ersten Augenblick seines Bestehens an nichtig gewesen ist.

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      • jj schreibt:

        Oh, ist diese Summe denn nicht in der Aufhebungsvereinbarung schon berücksichtigt, wird dort nur eine Nettosumme genannt? Vielleicht ist es ja wie so vieles ein „durchlaufender Posten“. Lg jj 🙂

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      • Otto Berg schreibt:

        Bei den einen läuft so „ein Posten“ durch, bei den anderen reißt er ein Loch in die Hose.

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    • Carmen Rudolph schreibt:

      Hallo Herr Jenckel,

      was soll heißen: „Die Arena lässt Sie auch in dieser Zeit nicht los. Da müssen notfalls alte Bilder herhalten“?

      Werden Wahrheiten unwichtig, weil wir „diese Zeit“ haben? Was anderes als „alte Bilder“ (Spuren, Indizien, Hinweise, also Beweismittel aus der Vergangenheit) sollte „herhalten“, wenn einer Missstände in der Gegenwart (in diesem Fall das Möglichwerden des Arena-Fiaskos) zu erklären versucht?

      Während wir Menschenleben retten, die vom neuen Virus bedroht sind, verschwinden die alten Probleme doch nicht einfach. Ganz im Gegenteil – sie verschärfen sich gerade, und wir werden unausweichlich und mit voller Wucht mit ihnen konfrontiert werden, sobald die Corona-Krise überstanden ist.

      Was wir in dunklen Zeiten tun bzw. unterlassen sollen, das ergibt sich eben nicht allein aus naturwissenschaftlichen Tatsachen. Wir brauchen auch moralische Einsicht. Moralische Tatsachen werden durch ethisch-philosophisches Nachdenken und eine gehörige Brise kritischer politischer Theorie aufgedeckt, das ist der Kernbestand der Aufklärung. Diesen sollten wir ebenso wenig kurzfristigen Kalkülen opfern wie die Menschen, deren Leben wir gerade völlig zu Recht durch sozialen Abstand schützen.

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      • jj schreibt:

        Die gezeigten Bilder haben leider keinen größeren Mehrwert als den der Wiederholung.
        Die Entwicklung bei der Arena bleibt weiter unter Beobachtung, keine Sorge. Lg jj

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      • Otto Berg schreibt:

        Die Wiederholung, lieber Herr Jenckel, ist ein machtvolles rhetorisches Instrument. Ulrich Mädge, Klaus Hoppe und Manfred Nahrstedt (sowie seit November 2019 Jens Böther) wissen das. Sie wiederholen bei jeder sich bietenden Gelegenheit (und werden damit in der Landeszeitung ohne redaktionellen Kommentar zitiert), dass ein Oberzentrum wie Lüneburg diese Arena „brauche“, obwohl es nie eine Bedarfsfeststellung gegeben hat und fast jeder, der sich mit dem Katastrophenprojekt auch nur am Rande beschäftigt hat, weiß, dass DIESE Arena an diesem Standort kein Mensch braucht. Was Mädge, Hoppe, Nahrstedt und Böther mit ihren Wiederholungen sagen möchten, ist eigentlich, dass allein sie, die vier Herren selbst, (aus ganz unterschiedlichen Gründen) die Fertigstellung dieses Unglücksbaus WOLLEN.

        Übrigens gibt es für die Rhetorik der Wiederholung auch ein – weltberühmtes – Beispiel dafür, wie jene nicht der VERNEBELUNG sondern der AUFKLÄRUNG dient, nämlich der Entlarvung des (dort allerdings mörderischen) Eigennutzes. Sie haben Ihren Blog-Artikel mit einem Hamlet-Zitat überschrieben, ich komme mit der Rede des Mark Anton vor den Bürgern Roms:

        „Mitbürger! Freunde! Römer! Hört mich an: Begraben will ich Cäsar, nicht ihn preisen. Was Menschen Übles tun, das überlebt sie; das Gute wird mit ihnen oft begraben. So sei es auch mit Cäsarn! Der edle Brutus hat Euch gesagt, daß er voll Herrschsucht war; und war es das, so war’s ein schwer Vergehen, und schwer hat Cäsar auch dafür gebüßt. Hier, mit des Brutus Willen und der andern (denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, das sind sie alle, alle ehrenwert) komm ich, bei Cäsars Leichenzug zu reden. Er war mein Freund, war mir gerecht und treu; doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, und Brutus ist ein ehrenwerter Mann, er brachte viel Gefangene heim nach Rom, wofür das Lösegeld den Schatz gefüllt. Sah das der Herrschsucht wohl am Cäsar gleich? Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Cäsar: Die Herrschsucht sollt aus stärkerm Stoff bestehn. Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. Ihr alle saht, wie am Luperkusfest ich dreimal ihm die Königskrone bot, die dreimal er geweigert. War das Herrschsucht? Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, und ist gewiß ein ehrenwerter Mann. Ich will, was Brutus sprach, nicht widerlegen; ich spreche hier von dem nur, was ich weiß. Ihr liebtet all? ihn einst nicht ohne Grund: Was für ein Grund wehrt Euch, um ihn zu trauern? – O Urteil, du entflohst zum blöden Vieh, der Mensch ward unvernünftig! – Habt Geduld! Mein Herz ist in dem Sarge hier beim Cäsar, und ich muß schweigen, bis es mir zurückkommt.“ — (»Julius Cäsar«, William Shakespeare, 3. Aufzug, 2. Auftritt)

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