Ex-Lüneburgerin Sonja Haase lebt im Landkreis Görlitz: „Es wütet hier wie verrückt“

Sonja Haase geht mit der Kamera auf die Pirsch, ihre Naturfotos sind großartig.

Lüneburg, 16. Dezember

Die Naturfotografin und Ex-Lüneburgerin Sonja Haase, von der die LZ viele beeindruckende Tierfotos veröffentlich hat, lebt schon länger im Landkreis Görlitz in Sachsen, der jetzt mit einem Inzidenzwert von mehr als 700 einen traurigen Rekord aufgestellt hat. Zu ihrer letzten Ausstellung kam schon nur noch eine Handvoll Besucher. Ich habe Sonja Haase gefragt, wie es sich unter solch schwierigen Corona-Umständen lebt.

„Hallo Herr Jenckel, es freut mich, von Ihnen zu lesen. Ja, es geht mir gut. Aber es wütet hier wie verrückt. 

Viele gehen mit 
der Lage zu lässig um
Und ehrlich gesagt, bin ich ein Corona “Schisser” Dazu stehe ich. Wenn man als Risikopatient gilt, will man sich so gar nicht anstecken. Leider gibt es hier sehr, sehr viele Corona-Leugner – egal, ob die alten Menschen hier wegsterben. Es ist einfach nur traurig. Viele gehen mit der Situation einfach zu lässig um. Ich pflege hier im Dorf zur Zeit keine Kontakte, ich vermeide alles. Es muss eben alles telefonisch oder per Internet gehen. Außer, wenn ich mal einkaufen muss. Ansonsten mache ich nichts.

Draußen
immer alleine

Zum Glück wird mir nicht so schnell langweilig. Ich gehe in meinem erlaubten Radius von 15 Kilometern, wenn es das Wetter erlaubt, mal raus zum Fotografieren, Bewegung an der frischen Luft, und hoffe, dass ich niemanden treffe. Immer alleine. Es bleibt mir ja nichts anderes übrig.

Ich möchte mich nicht mit dem Virus anstecken, um auszuprobieren: überlebe ich oder nicht? Leider kann ich auch nicht nach Lüneburg fahren, wo meine Familie lebt. Das war schon beim ersten Lockdown schlimm.

Weihnachten machen mein Partner und ich gar nichts, wir bleiben einfach gemütlich daheim. Wir wollen niemanden gefährden und auch kein Risiko eingehen. Er ist in seinem Beruf schon dem Risiko täglich ausgesetzt. Viele haben noch nicht gemerkt, wie schlimm es ist.. 

Aber hier gibt es schon das Triage-Prinzip in einem Krankenhaus.(Anm. Wenn nicht genug Beatmungsgeräte bereitstehen, muss ein Team entscheiden, wer beatmet wird. Über die Aussage eines sächsischen Klinik-Chefartzes wird heftig diskutiert, und es wird viel dementiert. Der Ministerpräsident hat sich eingeschaltet.) 

Pfleger
sind entsetzt
Ich kenne Leute, die in der Pflege beschäftigt sind, die sind einfach nur entsetzt, was hier so abgeht. Pfleger werden z.B. nicht getestet, nur die Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Denn die Pfleger tragen ja ff2 Masken. Das Risiko ist also immer da. Wie gesagt, ich meide alle Kontakte, gehe nirgends weiter hin, nur mal notgedrungen zum Einkaufen und dann meist gleich früh am Morgen, wo noch nichts los ist.

Und ich habe immer ein wenig Vorräte da. Ich kann nicht verstehen, wieso so viele es leugnen, dass es Corona gibt. Ich kenne jemanden aus dem näheren Umfeld, der an Corona erkrankt ist. Und der Person geht es leider gar nicht gut, Sie ist daheim. Man mag gar nicht daran denken, was alles passieren kann. 

Lüneburger stellt
euch nicht so an
Es ist keine schöne Zeit oder gar Weihnachtszeit. Selbst ist man immer sehr vorsichtig und andere spielen das herunter. Heute, am 16.12.2020, haben wir einen Inzidenz Wert von 701,16 je 100.000 Einwohner im Landkreis Görlitz, wo ich lebe! Das macht mir Angst! Wenn ich dann lese, wie gering die Zahlen in Lüneburg sind, kann ich nur sagen: Leute, stellt euch nicht so an, dass ihr euer Leben einschränken müsst! Und das man nicht zum Weihnachtsmarkt kann, das stand hier schon sehr, sehr früh fest, da es keine gibt. Glühwein kann man auch daheim trinken, wenn man will. Hauptsache man bleibt gesund! 

Existenzen
bedroht
Ja, und auch hier sind Existenzen unmittelbar bedroht! Sehr sogar, auch hier fallen bei vielen die Einkünfte ganz weg oder es gibt Kurzarbeitergeld. Da kenne ich genug schon aus dem Dorf. Es geht doch allen so! Nur zusammen, wenn sich jeder an die Maskenpflicht, AHA-Regel usw. hält, dann kann es auch in den nicht so sehr betroffenen Gegenden besser werden oder gar nicht erst so schlimm wie hier! Ich hoffe sehr, das sich die Lage bald wieder bessert. Und das ich nicht krank werde. Oder mein Partner, seine Eltern, meine Familie in Lüneburg usw.  Mehr Wünsche habe ich gar nicht zu Weihnachten!  Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie auch alles Gute und bleiben Sie gesund! 

Ein Naturkalender
von Sonja Haase

Viele Grüße von Sonja Haase PS: Auf meiner Website Der verlinkte Link am Ende des hier verlinkten Artikels linkt nicht … Versuchts hier, das hilft vielleicht sich zu verlinken, weil echt dolle Bilder: https://wiesensafari.de/ biete ich gerade den aktuellen Naturkalender aus diesem Jahr an. Heute kam eine kleine Auflage an.

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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7 Antworten zu Ex-Lüneburgerin Sonja Haase lebt im Landkreis Görlitz: „Es wütet hier wie verrückt“

  1. Neue Virus-Variante in England – „Können nicht mit Weihnachten fortfahren wie geplant“

  2. Klaus Bruns sagt:

    https://www.landeszeitung.de/nachrichten/politik/179315-die-afd-nimmt-den-tod-der-schwachen-in-kauf/
    Ein neuer Extremismus
    Es handelt sich um eine Form der Sabotage, die sich nicht mehr wie in der Flüchtlingskrise gegen Migranten richtet, sondern gegen die Schwächeren im eigenen Land – nicht zuletzt im Osten Deutschlands, wo es mehr sozial Schwache gibt, die wiederum häufiger Vorerkrankungen haben. Dass die ohnehin Schwachen sterben, nimmt die AfD billigend in Kauf.

    • Andreas Janowitz sagt:

      Es ist doch wunderbar das es solche gibt?! Wer öffentlich zur Sabotage der Seuchenkontrolle aufruft, meldet sich quasi freiwillig für den ersten Triageplatz?

      Das wird sehr hässlich werden in den nächsten Wochen, aber wer jetzt davon schwafelt es handele sich bei der Seuche “nur” um eine harmlose Grippe oder improvisierte Masken würden die ausgeatmete Aerosolwolke nicht verkleinern, der meldet sich freiwillig um an knappen Ressourcen zu sparen. Wer A sagt muss auch B sagen!
      Ich empfinde ein Dezimierung der gefährlich bekloppten für keine so schlechte Sache?

      • Hedwig Fehrmann sagt:

        Geschätzte Kosten, in Milliarden Euro, die dem deutschen Staat

        durch die Corona-bedingte Kurzarbeit entstehen: 30

        durch „Cum-Ex“-Geschäfte mindestens entstanden sind: 32

        Quelle: Statistisches Bundesamt

  3. “Corona-Schisser” – was für ein Wort! Ich jedenfalls zähle mich dann eben auch dazu, denn ich tue alles, um mich und natürlich auch andere nicht anzustecken.

  4. Thomas sagt:

    Hoi! Der Link am Ende des Artikels linkt leider nicht, versuchts hier, das hilft vielleicht: https://wiesensafari.de/

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