Vom Unsinn Koalitionen auszuschließen und schon Kanzler-Versprechen abzugeben

Lüneburg, 21. September 2021

Prof. Dr. Michael Koß lehrt seit 2019 am Institut für Politikwissenschaft der Leuphana. Als Experte für politische Systeme wird er häufig von Medien angefragt. (Foto: Hans Panichen)

Kanzlerkandidat Olaf Scholz von der SPD wird in den Prognosen hoch gehandelt. Auch weil er quasi als „Amtsinhaber“ für Kontinuität steht, glaubt Professor Dr. Michael Kvon der Leuphana Universität. Der Politikwissenschaftler kennt sich im Maschinenraum der politischen Systeme bestens aus und sieht TV-Trielle im Telefon-Interview eher wie Auffahrunfälle auf der Autobahn: Man fährt vorbei, sollte nicht hinschauen, weil es einen nichts angeht, und kann den Kopf doch nicht abwenden.

Was ihn richtig ärgert sind Parteien, die im Wahlkampf von anderen Parteien fordern, Koalitionen auszuschließen, und Kanzlerkandidaten, die im TV sagen müssen, was sie als Kanzler zuerst tun, obwohl sie gar nicht wissen, mit wem sie sich die nötige Mehrheit nach der Wahl verschaffen. Das Telefon-Interview mit Prof. Koß 👇👇👇 

 

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Journalist, Dipl.-Kaufmann
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6 Antworten zu Vom Unsinn Koalitionen auszuschließen und schon Kanzler-Versprechen abzugeben

  1. Werner D. sagt:

    Wenn ich dieser Tage mit meinen Freund*inn*en im politischen Dahlenburg spreche, höre ich einen Satz sehr oft: Schade, dass der Wahlkampf schon vorbei ist. Für viele kommt jetzt die große Leere, das Loch danach: Wo brillieren beispielsweise die beiden Online-Werbegenies von Heiko Meyer in den nächsten fünf Jahren? Oder wie verdient ein Triell-Moderator wie Oliver Köhr in den 4 Jahren zwischen einer Bundestagswahl sein Geld? Was macht das mit einem, wenn die Lichter ausgehen und du erst einmal nicht mehr gebraucht wirst? Auch ich hätte gefühlt noch ein paar Schlussrunden im ZDF vertragen können, bevor meine beiden Kreuze vergangene Woche bei „Team Todenhöfer – Die Gerechtigkeitspartei“ gelandet sind, aber Demokratie ist am Ende vor allem eines: Eine Kompromissmaschine, ein gesamtgesellschaftliches Debattencamp, das ständig unbefriedigende Ergebnisse produziert, mit denen wirklich kein „Lüneburger gut und gerne leben“ (A. Schwake) kann.

    Einer, der auf den ersten Blick auch nicht gut mit Ergebnissen leben kann, ist mein künftiger Ministerpräsident Bernd Althusmann. Und geht deswegen den aus meiner Sicht einzig richtigen Weg: Daran arbeiten, es besser zu machen als Armin Laschet, sein Heiland aus NRW. Was ist denn, wenn die Ampel plötzlich doch nicht mehr leuchtet? Für uns im ländlichen Tosterglope nach 22 Uhr ohnehin schon lange brutale Realität. Niemand möchte Ja-Sager*innen und Unterordner*innen, die sich nur das zu artikulieren trauen, was ohnehin alle schon immer denken. Letztes trauriges Beispiel: Der Noch-Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, erregte die konservativen Gemüter, als er den Ostdeutschen vorwarf, diktatursozialisiert und demokratieunfähig zu sein.

    „Würdelos“ sei Laschets Performance am Wahlabend gewesen, ein „unwürdiges Schauspiel“, so ließen sich diese Woche einige Kommentator*innen hinreißen, auf http://www.facebook.com/landeszeitung/ zu schreiben. Wird nicht genau andersherum eine Aachener Printe daraus? Nämlich dann, wenn man den Unionskandidaten zu lesen lernt als einen Mann, der ähnlich wie Sebastian Heilmann oder Elon Musk in schwindelerregenden Möglichkeitsräumen, weit weg von uns Normalsterblichen, konzipiert? So wird auch noch einmal zu reden sein über das denkwürdige Aufeinandertreffen von Laschet und Musk im Herbst des Wahlkampfes. Während in einer ersten Welle mal wieder kräftig über Laschets scheinbare Unkenntnis in Sachen Mobilität der Zukunft abgeLOLt wurde, haben die beiden am Ende doch mehr gemeinsam als manche*r meint: So kommen beide im Prinzip vom Bergbau (Laschets Vater Heinrich war Steiger auf der der Grube Anna des Eschweiler Bergwerks-Vereins in Alsdorf und Errol Musk soll Gerüchten zufolge die Hälfte einer Smaragdmine in Sambia gehört haben), beide haben Spaß an ausgefallenen Namen für den Nachwuchs (Joe Laschet, X AE A-XII Musk), doch vor allem eint sie, dass sie als Visionäre gegen jeden Widerstand für ihren jeweiligen Traum kämpfen: Musk für die Besiedelung des Weltalls, Laschet von der Jamaika-Koalition unter Laschet.

    Jeder sucht sich eben seinen ganz eigenen Kampf im Leben.

    Einen affenstarken Montag euch noch

    Euer Werner

  2. Gabi Schrader sagt:

    Freitag: Schülerinnen und Schüler gehen für mehr Klimaschutz auf die Straße.

    Sonntag: Ihre Vorfahren gehen wählen.

  3. Miriam Wurster sagt:

    Die ganze Laschethaftigkeit in einer Schlagzeile:

    https://pbs.twimg.com/media/FASGY0yUcAAHlaf?format=jpg&name=medium

  4. Andreas Janowitz sagt:

    In den ersten 10 min. hätte ich mir schon weniger akademisch konservative Positionen gewünscht.

    Fr. Baerbock ist bei online Falschinformationen mit über 70% das eindeutige Ziel.

    https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/fakenews-bundestagswahl-baerbock-laschet-101.html

    Und Quell dieser Flut an Datenmüll sind wahrscheinlich militärische Dienste. Deren Zweck ist Desinformation. Das Kosten/Nutzenverhältnis liegt auch ganz eindeutig im online Bereich? Wenige Dauerspammer können mit gefälschten Identitäten sehr einfach „Masse“ suggerieren, insbesondere bei Aussenseiterpositionen. Dann fühlt sich der arme Irre auf einmal gar nicht mehr so allein?!

    Ich kann mich auch nicht daran erinnern, das es vor 7.000 Tagen schon irreführende Wahlplakate gab?! „Gib mir mal ne Flasche Bier“ war die eher harmlose Satiere der Schröderjahre, wenn ich mich recht erinner?

    Ebensowenig gab es offene Oligarchenparteien? Ich verbuche das unter „Betriebsblindheit“ denn für den Herrn Prof. ist es ja „normal“ sog. Drittmittel einzuwerben wie er in seinen Schlusssätzen unterstreicht. Für ihn ist es somit schon normal die Unabhängigkeit der Lehre selbst abzuschaffen. „Wes´ Brot ich ess, des Lied ich sing.“ wird er niemals erwähnen denn es droht „Ende der Karriere“.

    Diese sog. Partei ist nur ein verlängerter Lobbyarm mit dem Ziel der Störung und Zersetzung? Dieser Verein hatte über Jahre(!) nichtmal ein „offizielles“ Programm! Im Dunstkreis dieses Vereins finden sich „zufällig“ solche, die mit Galgenbäumen auf „Demonstrationen“ erscheinen, von „Nürnberger Tribunalen“ fantasieren und fliegende Standgerichte als ultima ratio preisen. Anhänger dieses Haufens haben immer wieder sog. „Notwehr“ verteidigt- Parteimitglieder. Die Rädelsführer sitzen „zufällig“ in einer gewissen Partei? Mangels Programm können die ganz ungeschoren hochverräterische Unternehmungen gegen den Bund (§81StGB?) auf Demonstrationen zugunsten ihres Vereins gutheissen?! Da wird mit „Androhung von Gewalt“ die Abschaffung der freiheitlich demokratischen Grundordnung und Lynchung von gewählten Vertretern gefordert. Wer auf den Demonstrationen zugunsten seiner Partei solche zumindest duldet verdeutlicht damit eine stille Übereinkunft?! Nur weil dieser Verein die Zusammenrottungen nie „offiziell“ angemeldet hat, aber trotzdem Mitglieder immer wieder mitmarschieren gibt es keinen Zusammenhang?

    Nur ein Mosaikstein:

    https://www.fr.de/meinung/walter-luebcke-kreisverband-verhoehnt-getoeteten-regierungspraesidenten-12347641.html

    Der andere kaputte Haufen, der tatsächlich öffentlich zu Straftaten auffordert, sitzt nichtmal im Knast?

    Der „normale“ Filz wird über diese Mengen an Datenmüll schlicht kaum noch wahr genommen.

    Der Herr Prof. müsste genügend Tage Reisezeit auf der Uhr haben, um zu erkennen, das es sowas in dieser brachialen Gewalt früher nicht gab. Meines wissens ist in Hoyersweder niemand aufgetaucht und hat die Straftaten als „Notwehr“ hingestellt?

    Ich halte die Wette das in der Jauchegrube Telegram jede Menge Verbindungsoffiziere ihre nützlichen Idioten betreuen. Dafür muss man nicht erst Historiker in 20 Jahren fragen, oder?

    Gut er hatte auch nur eine halbe Stunde Zeit und ich gehöre sowieso zur aussterbenden Spezies derer, die Parteiprogramme wenigstens auszugsweise lesen und auf den Zirkus pfeifen.

    • Andreas Janowitz sagt:

      Nurnochmal ein komisches Ereignis von heute angehängt: Russia Today wurde gerade von Google gesperrt. Ich weiss ja nicht inwieweit sich die Institusmitglieder im Neuland aufhalten- die Kommentarspalte von Fox News ist die reinste Irrenanstalt, gibt sich nichts mit der von RT. Von belustigend ahnungslos bis Wahnvorstellungen ist alles vertreten.
      Hat es eigentlich einmal eine Kooperation mit Psychologen gegeben?

      Der Typ der den Kassierer von der Tankstelle erschossen hat ist nicht kriminell, der ist einfach irre…
      Das fliesst belästigender Weise auch in die pol. Willensbildung ein, oder? Nicht umsonst darf man sich mit absurden Meinungen herrumschlagen, wenn es um Klimawandel oder Coronaquarantäen geht.

  5. OB sagt:

    „In der Wahlkampfzeit ist es wie im Konzert: Ungeübte Ohren halten das Stimmen der Instrumente schon für Musik.“

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