Die „gute Regierung“ macht in Lüneburg eine Stil-Auszeit

Lüneburg Rathaus. (Foto: jj)

Lüneburg, 30. September 2021

In dieser aufregenden Umbruchzeit, dieser Zeit der Wahl-Nachwehen geht mir Lüneburgs Weltkulturerbe-Bewerbung zu Renaissance-Highlights einfach nicht mehr aus dem Sinn. Denn im Kern geht es dort um das Rathaus und dessen Innenleben, das geradezu aufgeladen ist mit Hinweisen, was eine „gute Regierung“ tut oder lässt. Zurzeit macht diese gute Regierung anscheinend eine Stil-Pause.

Der scheidende Oberbürgermeister scheint leicht bis mittelschwer verstimmt. Er schlägt den Ehrenring der Stadt aus und öffentlich gratuliert er auch seiner Nachfolgerin nicht. Er schweigt stoisch.

Therapie-Sitzung in der Großen Ratsstube
Ich empfehle, Weltkulturerbe hin, Weltkulturerbe her, die Große Ratsstube mit den symbolträchtigen Schnitzereien von Albert von Soest und den Gemälden von Daniel Frese zu Gerechtigkeit und „guter Regierung“ auch als Therapie-Stube für Lokalpolitiker. Einfach hinsetzen, schauen und erkennen: Regiert wurde lange vor einem und regiert wird auch lange nach einem. Und das Regieren soll einem guten Zweck gewidmet sein: der Stadt Bestes. Das Urteil, ob es gelungen ist, fällt die Geschichte. 

Vielleicht sollte auf den historischen Holzbänken, sicher ist sicher, noch ein kleiner Stil-Knigge liegen. Denn letztendlich geht es aktuell auch um das Ende einer Ära, das Ende der Amtszeit eines großen Oberbürgermeister. Die sollte in jedem Fall stilvoll enden.

Das Streben nach wahrer Größe ist tief verwurzelt in Lüneburgs DNA. Im keimenden Humanismus waren die Hanseaten von der Ilmenau überzeugt, die Stadt sei römischen Ursprungs. Kein Geringerer als Julius Cäsar sei der Gründervater. Zu hoch gepokert.

Auf der Suche nach dem Einzigartigen
Viel später musste man sich mit der größten Kneipendichte im Land und dem Sand als schönsten Platz Norddeutschlands begnügen. Das stillt natürlich die Sehnsucht nach Bedeutung nicht. Lüneburg will endlich Weltkulturerbe sein. Was Gotik,Giebel und Heide nicht schafften, sollen
im neuen Anlauf Renaissance, Aufklärung und namentlich die „gute Regierung“ richten.

Dass Lüneburg aber überhaupt reichlich Häuser aus der Renaissance beherbergt, hat zwei Gründe: die Armut, in die Lüneburg versank, als das Salzmonopol fiel, und die Tatsache, dass das Stadtbild von Krieg und Feuersbrunst verschont blieb.

Beispiele? Da wäre das Niedergericht unter den Rathaus-Arkaden mit einem aufklappbaren Baldachin für den Richter zu nennen. Natürlich die einmalige Gerichtslaube im Rathaus. Dort findet sich auch Julius Cäsar im Buntglas-Zyklus wieder, einzig in der Welt. Und ich bin vor allem von der mittelalterlichen „Fußboden“-Heizung im Gestühl begeistert.

Ratsaphotheke, Rote-Hahn-Stift, Nikolaihof für Leprakranke, gerade aufwändig restauriert, das IHK-Haus am Sand, das Heine-Haus, die Rathswasserkunst, es gibt genug. Aber reicht das für Weltkulturerbe? Im Kern bietet doch unser Rathaus im Innenleben mehr Renaissance-Feeling als zum Beispiel das Bremer Rathaus samt Roland. Und die sind schon seit 2004 Welterbe.

Zu guter Letzt aber geht es jetzt erstmal um die gute Regierung, die der Stadt kurzfristig mehr hilft als langfristig sicher so ein Welterbe-Titel. Bis es soweit ist, hat sich die Patina der Geschichte über kleine Stil-Dellen in der Lüneburger Gegenwart gelegt. Und mit einer Sitzung in der Großen Ratsstube bei Daniel Frese und Albert von Soest wird sicher alles wieder gut.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Die „gute Regierung“ macht in Lüneburg eine Stil-Auszeit

  1. OB sagt:

    Jeder Mensch ist des Tages einmal ein Prophet.

  2. Florian Grunau sagt:

    Deutsche Überheblichkeit gegen Österreich ist unangebracht. Kanzler Kurz hat meinen Respekt bis er rechtskräftig verurteilt ist.

    • Klaus Bruns sagt:

      lol, respekt, wofür? weil er gegen ausländer stimmung macht? oder weil er mit seiner truppe so gekonnt die eigenen bürger verarscht hat? die grünen tun mir leid. sind einfach zu machtgeil ,um die richtigen konsequenzen zu ziehen. ich befürchte, das gleiche wird uns in deutschland auch passieren. der fdp sei dank. schmunzeln

  3. Mietzekatze an Miesekater:

    In der Capuletti Vigna graben
    Gärtner, finden einen Marmorknaben,
    Meiſter Carlo holen ſie herbei,
    Der entſcheide, welcher Gott es ſei.

    Wie den Fund man dem Gelehrten zeigte,
    Der die graue Wimper forſchend neigte,
    Kniet‘ ein Kind daneben: Julia,
    Die den Marmorknaben finden ſah.

    „Welches iſt dein ſüßer Name, Knabe?
    Steig‘ ans Tageslicht aus deinem Grabe!
    Eine Fackel trägſt du? Biſt beſchwingt?
    Amor biſt du, der die Herzen zwingt?“

    Meiſter Carlo, ſtreng das Bild betrachtend,
    Eines Kindes Worte nicht beachtend,
    Spricht: „Er löſcht die Fackel. Sie verloht.
    Dieſer ſchöne Jüngling iſt der Tod.“

    (Meyer, Conrad Ferdinand: Gedichte. Leipzig, 1882, S. 13)

    ·

    Das Ganze in Kurzform:

    „Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist.“ (Theodor Heuss)

  4. Das hätten wir nicht zu träumen gewagt. Das SaLü Wellenbad in einer Reihe mit den Pyramiden von Gizeh, dem Kölner Dom. Mit dem Baujahr 1973 ist das Bad das jüngste Kulturdenkmal der Moderne und neben dem Rathaus die einzige Welterbestätte, die noch in vollem Betrieb ist. Dreimal hatte sich Lüneburg zuvor schon bemüht, Welterbe-Stadt zu werden. Authentizität (Echtheit) und Integrität (Unversehrtheit) sind die Grundbedingungen einer erfolgreichen Bewerbung. Die UNESCO-Experten waren sich einig, dass es diesmal passte. So wird das „SaLü“ als „herausragendes Beispiel einer wohldurchdachten und vorbildlichen Bäderarchitektur aus dem letzten Jahrhundert“ gewürdigt. Es repräsentiere eine Architekturauffassung, die das Bedürfnis des Menschen nach Überschaubarkeit, Ruhe, Nachhaltigkeit und Funktionalität in idealer Weise verbinde. – Erbaut an einem „glücklichen Ort“, mit dem es wie selbstverständlich harmoniere.

  5. Otto Berg sagt:

    Lieber Herr Jenckel,

    in Ihrer Antwort vom 29. September 2021 um 19:56 Uhr auf meine Frage neun vom 29. September 2021 um 18:44 Uhr (siehe unten) schreiben Sie, »ich wolle beleidigen«, ohne zu berücksichtigen, dass meine Frage aus zwei Teilen (A ) und (B) bestand.

    Ich wollte NICHT beleidigen! Dass Herr Mädge »sich als einen Mann sieht, der seinen Job gemacht hat und dafür nicht den Ring bekommen möchte, den er eigentlich anderen gerne an den Finger gesteckt hat«, nehme ich als eine mögliche und deshalb befriedigende Antwort zu meinem Punkt (A). Auf Punkt (B) sind Sie nicht eingegangen, aber dazu stand heute etwas auf Seite fünf in der Landeszeitung:

    Der Rat der Stadt Lüneburg hat vorgestern Abend über die Vergabe des Ehrenringes der Stadt entschieden. »Den CDU-Politiker Gerhard Scharf holte dabei die Vergangenheit ein«, stellt LZ-Redakteurin Antje Schäfer fest: https://www.landeszeitung.de/lueneburg/383412-misstoene-bei-abstimmung-ueber-vergabe-des-ehrenringes

    »Michèl Pauly (Linke) machte vor dem Wahlgang deutlich, dass eine Ehrung von Scharf für ihn nicht gehe. ›Wir sind uns einig, dass wir die vier für ihre langjährige Ratsarbeit ehren wollen‹, leitete Pauly ein. Bei Scharf habe aber nicht nur die Linke Vorbehalte. Er werde ihn nicht wählen wegen des Vorfalls am Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division. Wie berichtet, hatte sich Scharf dort Anfang 2018 von einem ultrarechten Blogger interviewen lassen und dabei Dinge gesagt, ›die nicht kompartibel sind mit dieser Stadt‹, machte Pauly deutlich. Direkt nach den Äußerungen von Scharf hatte es scharfe Kritik von der Linken, Opferbänden und dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten gegeben. Anfang Februar 2018, viel zu spät für viele, entschuldigte sich der CDU-Politiker in einer Ratssitzung umfangreich, einen Abwahlantrag der Linken überstand der Bürgermeister nur knapp. Im August 2018 legte er dann dieses Amt nieder.«

    Ja, der Bürgermeister, der seinem eigenen Ansehen, dem Ansehen des Rates und dem Ansehen der Stadt Lüneburg während vier lastender Wochen im Januar 2018 schwer und andauernd geschadet hat, legte sein Amt nieder, — nachdem er sich noch über sieben Monate daran geklammert hatte. Unerwähnt bleibt bei Frau Schäfer, dass nicht nur »Linke«, »Opferbände« und »Antifaschisten« über den unsäglichen »Videoauftritt« von Herrn Dr. Scharf entsetzt waren, sondern viele Bürgerinnen und Bürger des Landkreises inklusive vieler Lüneburger Politikerinnen und Politiker quer durch alle verfassungstreuen demokratischen Parteien. Siehe: https://blog-jj.com/2018/08/17/der-abgang-auf-raten-des-buergermeisters/ Auch in den Kommentarspalten der LZ gab es über einen Monat lang täglich hunderte von Leserzuschriften.

    Zu den bleibenden Peinlichkeiten halsstarriger Lüneburger Unbelehrbarkeit muss die Äußerung von Christel John, der derzeitigen Ratsvorsitzenden und Fraktionskollegin von Gerhard Scharf, gezählt werden, die vor zwei Tagen allen Ernstes zu Michèl Pauly sagte: »Ich hoffe, dass Sie mit 80 nichts im Internet stehen haben, was einer Ehrung von Ihnen entgegen stehen kann.« Was wollte die Ratsdame der CDU dem Ratsherrn der LINKEn damit sagen? Dass sie Herrn Pauly ein langes, ehrenwertes Leben wünscht? Oder dass die unvergessene eifernde Entgleisung eines städtischen Repräsentanten à la Dr. Scharf zu den vernachlässigbaren Petitessen irgendwo im weit vom »wahren Leben« entfernten »Internet« gehört, welche der Zuerkennung eines Ehrenringes NICHT entgegensteht, da dieser ja an jene verliehen wird, »die sich um die Stadt in außergewöhnlichem Maß verdient gemacht haben, indem sie deren Ansehen und Entwicklung in besonderer Weise gefördert haben, sodass dadurch der Ruf der Stadt überörtlich nachhaltig verbreitet wurde«?

    Wie wurde zwischen Januar und August 2018 von Herrn Dr. Scharf (und seinen Freunden) welcher »Ruf der Hansestadt Lüneburg überörtlich nachhaltig verbreitet«?

    • jj sagt:

      Lieber Herr Berg, meine Antwort muss ich doch etwas präzisieren. Ich vermute, Ulrich Mädge wollte angesichts der Machtkämpfe und Ratsscharmützel der zurückliegenden Jahre, bei den er oft im Zentrum gestanden hat, gerade von diesem Rat nicht den Ring verliehen bekommen. Und ich denke, es ist auch eher eine Entscheidung, die mit etwas Abstand von anderen gefällt werden sollte. Lg jj

  6. Klaus Bruns sagt:

    Na ,unter
    Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird sich bestimmt doch für den Ober Ulli einer finden lassen. Ob eine Ampel dabei behilflich sein kann? Was ist schon ein Ring dagegen? schmunzeln .

  7. Otto Berg sagt:

    Lieber Herr Jenckel,

    diesmal holen Sie weit aus. Ich habe neun Fragen:

    Der Name »Renaissance [rənɛˈsɑ̃s] (das französische Wort für ›Wiedergeburt‹)«, so Wikipedia, bezeichnet (allerdings erst ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts) »die europäische Kulturepoche in der Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. […] Bahnbrechende neue Perspektiven ergaben sich […] insbesondere für das Menschenbild, für die Literatur, die Bildhauerei, die Malerei und die Architektur.«

    1. ➽ Glauben Sie, das Ende der »Ära Mädge« stellt ebenfalls den Beginn eines Übergangs, den »Aufbruch aus Verkrustungen« (Marc Rath) hin zu »bahnbrechenden neuen Perspektiven«, befreitem Aufatmen und belebender kultureller Frische dar?

    Sie, lieber Herr Jenckel, sind heute – wie Ulrich Mädge – seit 40 Jahren in der Lüneburger Lokalpolitik unterwegs. Allerdings – anders als Mädge – eher als Beobachter, als Analytiker und bloß während einer knappen halben Dekade als Beteiligter

    Herr Mädge ist am 27. September 1981 erstmalig in den Rat der Stadt Lüneburg (seit dem 5. Oktober 2007 »Hansestadt Lüneburg«) gewählt worden, zu deren ehrenamtlichem Oberbürgermeister er im Oktober 1991, zu deren hauptamtlichem Oberbürgermeister er im September 1996 gekürt worden ist.

    2. ➽ Wo steht eigentlich geschrieben, wie, wo und wann ein aus Altersgründen scheidender Hauptverwaltungsbeamter seiner gerade gewählten Nachfolgerin öffentlich gratulieren sollte?

    Herr Mädge war 41 Jahre alt, als er eine Wahlperiode lang der Ratsvorsitzende und Grüßaugust an der Seite von Oberstadtdirektor Dr. Reiner Faulhaber sein durfte, und war 46 Jahre alt, als er sich gegen diesen administrativ äußerst erfahrenen Mitbewerber durchsetzte und Lüneburgs erster HVB seit Kriegsende in einer eingleisigen Verwaltung (nach Ablösung der Norddeutschen durch die Süddeutsche Ratsverfassung) wurde. Die von Mädge bei vielen Gelegenheiten despektierlich und uncharmant (und dumm) als »Dorfbürgermeisterin« betitelte Claudia Kalisch, die – als erste Frau in der elfhundertjährigen Geschichte unserer Stadt – ab dem 1. November (also in 32 Tagen) Lüneburgs neue Verwaltungschefin und politische Repräsentantin sein wird, hat dieses Jahr ihren 49. Geburtstag gefeiert.

    In diesem Zusammenhang möchte ich an einen Satz erinnern, den »der Oberuli« seit dem Herbst 1981 (d. h. seit seinem Einzug in die Vertretung der Stadt Lüneburg) – geschätzt – ungefähr siebzigtausendmal gesagt (oder eingesetzt) hat: »Demokratie lebt von Kompromissen und Mehrheitsentscheidungen – und von der Bereitschaft, diese zu akzeptieren.«

    Nun las ich am Montag auf Seite 1 in der Landeszeitung: »Die obligatorische öffentliche Geste des Glückwunsches des Amtsinhabers an die Nachfolge wird es Sonntagabend im Lüneburger Rathaus offensichtlich nicht geben. Aus der Pressestelle hieß es auf die LZ-Frage nach einem Fototermin: ›Herrn Mädge brauchen Sie am Sonntag nicht einzuplanen‹.«

    3. ➽ Meinen Sie, der Grund für Herrn Mädges Verzicht, jener schönen und (zwar keineswegs »obligatorischen«, wie Marc Rath fälschlich behauptet, aber) wichtigen Übergabetradition zu genügen, könnte das Missvergnügen (um einen knackigen Begriff aus dem Vokabular der deutschen Aufklärer des 18. Jahrhunderts zu gebrauchen) daran sein, seine »Regierungsgewalt« nicht wie die Leitung eines mittelalterlichen Erbhofes an die von ihm designierte Prätendentin haben übermittelt zu bekommen?

    4. ➽ Sollte ein wahrer »Oberuli« hier nicht über seinen Schatten springen, noch einmal seine unter Umständen ebenfalls im Umruch befindliche Gefühlslage hintanstellen und Größe zeigen, indem er – in seiner kommunalpolitischen ROLLE, nicht in seiner privaten PERSON – durch die symbolische »öffentliche Geste der Beglückwünschung der bzw. des Nachfolgenden durch den bisherigen Amtsinhaber« unsere VERFASSUNG beglaubigt, das AMT ehrt und die DEMOKRATIE stärkt?

    Wir leben in einer Zeit, in der jeder geistig minderbemittelte Choleriker, welcher sich selbst als »Querdenker« wahrnimmt und sich im Besitz eines »Smartphones« befindet, die öffentlichen Institutionen benagen (und diese aus der blödschäumenden Masse ihm Gleichgesinnter heraus sogar demolieren) kann.

    5. ➽ Brauchen wir einen schmollenden Heide-Trump in Lüneburg, lieber Herr Jenckel, einen, der Vorbild sein sollte, aber eine Flappe zieht, weil er zuletzt nicht bekam, was er sich wünschte, und solche gefährliche Demontage – aus verletzter Eitelkeit, vermeintlichem (oder meinetwegen auch tatsächlichem) Besserwissen und/oder aus individuellem Gekränktsein – mit den oberbürgermeisterlichen Weihen scheinbarer Berechtigung versieht?

    Marc Rath hat »Merkel und Mädge« am Montag in einem Atemzug genannt. Der Oberuli war schon 14 Jahre Stadtoberhaupt als »Kohls Mädchen«, dem damals kaum einer etwas zutraute, 2005 ans Ruder kam. Sechzehn Jahre später verlässt »Angie« die Bühne als die angesehenste Politikerin der Welt.

    6. ➽ Ist denn Ulrich Mädge 1991 bzw. 1996 als der ausgebuffte Könner mit dem Riesennetzwerk vom Himmel gefallen, zu welchem er sich inzwischen zweifellos entwickelt hat?

    Ja, er hatte das Glück, ein Talent mit besten Anlagen zu sein!

    7. ➽ Aber hatte er nicht auch den Vorteil, mit Faulhaber und Koch (später vielleicht ungeliebte, doch) exzellente Lehrmeister in Sachen urbaner Verwaltungspraxis vorzufinden?

    Sie Schreiben, der »Oberbürgermeister scheint leicht bis mittelschwer verstimmt«.

    8. ➽ Woher rührt dieses Verstimmtsein Ihrer Ansicht nach? Hat es nicht etwas zutiefst Kindisches?

    Heute schrieb LZ-Redakteurin Antje Schäfer auf Seite 3 in der Printversion (und Sie wiederholen das), der Oberbürgermeister »schlägt den Ehrenring der Stadt aus«.

    9. ➽ Könnte das nicht damit zu tun haben (A) dass Herr Mädge nicht in den Verdacht geraten möchte, eine Auszeichnung anzunehmen, die er selbst ausgelobt und mit Vorschlägen versehen hat und (B) dass er (wofür er mein volles Verständnis hätte) nicht auf der Bühne neben einem Mann stehen und geehrt werden möchte, den Friedrich von Mansberg in der ersten Januarwoche 2018 via SPD-Facebook als »schlimmen Geschichtsklitterer« bezeichnete (bevor er dessen Abwahl als Bürgermeister am 1. Februar 2018 mit einer sein eigenes »moralisches« Rückgrat »nachhaltig« verbiegenden »koalitionsstrategischen« Kehrtwende verhindert hat)?

    • jj sagt:

      Lieber Herr Berg,
      1) das Ende der Ära Mädge ist eine Zäsur für Lüneburg. Die Neuen müssen sich erstmal auf der Lüneburg-Landkarte zurechtfinden. Wir gehen also in einen Experimentier-Status über. Das ist doch spannend. Und erstmal nicht so gefährlich, weil da eine kompetente Verwaltung den Rücken stärkt.
      2) Stil hat man, das steht nicht irgendwo geschrieben. Und gratulieren muss man nicht. Gehört sich aber für mich. Weil es Größe zeigt. Wenn der Wahlkampf vorüber ist, dann sollte man wieder zusammenrücken.
      3) Was Herrn Mädge bewegt, dass weiß er nur selber. Da will ich nicht spekulieren. Frau Steinrücke wie auch Frau Scharf wären auch sehr gute Verwaltungschefinnen gewesen. Die SPD allerdings hätte gut daran getan, eine/einen Kandidaten von außen zu wählen. Dafür gab es auch Stimmen. Aber es gibt eben auch die Mädge-Kohorte. Es wäre auf eine Zerreißprobe hinausgelaufen und hätte der SPD geschadet. Das gilt allerdings nicht, wenn das weit im Vorfeld geschehen wäre.
      4)Es wäre zu wünschen, dass Herr Mädge mit seinem profunden wissen zumindest vorübergehen für Fragen zur Verfügung stünde.
      5)Rhetorische Frage
      6) Herr Mädge hatte Machinstinkt, war Stratege, hat immer einen Schritt mehr voraus gedacht und ist zu dem geworden, was er heute als Chef ist. Könner, aber leider auch Rechthaber.
      7)Die Lehrmeister von Herrn Mädge waren andere, zum Beispiel der großartige OKD und spätere CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Harries.
      8)Die Frage kann ich nicht beantworten.
      9)Da wollen Sie nur beleidigen. Ich denke, Herr Mädge wird noch ausreichend geehrt. Das passiert in Teilen auch noch dieses Jahr. Vielleicht sieht er sich einfach als ein Mann, der seinen Job gemacht hat und dafür nicht noch den Ring bekommen möchte, den er eigentlich anderen gerne an den Finger gesteckt hat. lg jj

      • Rudi Radlos sagt:

        Sehr geehrter Herr Jenckel,

        Papst Franziskus hat am Mittwoch junge Klimaaktivisten (somit auch junge Lüneburger Klimaaktivisten) für ihre Forderungen an führende Politiker der Welt (also auch an Claudia Kalisch, Dagmar Schulz und Jens Böther) zur Eindämmung von Treibhausgasen gelobt (siehe LZ von heute, Donnerstag, 30. September 2021, rechts auf Seite 1).

        In einer Videobotschaft anlässlich eines dreitägigen Klimaschutztreffens in Mailand (28. bis 30. September: https://youth4climate.live/) mit rund 400 Teilnehmern, darunter Greta Thunberg und Vanessa Nakate aus Uganda, verlangte der Papst (ohne diese eigens zu erwähnen, auch von dem Lüneburger Rat und den Kreistagen von Lüchow-Dannenberg und Lüneburg), dass „kluge Entscheidungen“ getroffen werden, die „eine Kultur des verantwortlichen Teilens“ begünstigten.

        Der Youth4Climate-Gipfel schickt seine Empfehlungen an den UN-Klimagipfel, der am 31. Oktober in Glasgow beginnt (https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Klimakonferenz_2021). Der Papst hat die Pflege „unseres gemeinsamen Zuhauses“ Erde zu einem wichtigen Thema seiner Amtszeit gemacht. Aus der schottischen Bischofskonferenz hieß es, man rechne damit, dass Franziskus am Klimagipfel in Glasgow teilnehmen werde.

        Wird Ulrich Mädge es Mario Bergoglio gleichtun und den UN-Termin in Glasgow ab dem 1. (bis zum 12.) November ebenfalls wahrnehmen? Was verlautet aus der sozialdemokratischen Bischofskonferenz im Uwe-Inselmann-Haus? Womit wird da gerechnet?

    • Landeszeitung sagt:

      V o r · 2 5 · J a h r e n

      Montag, 30. September 1996

      Lüneburg hat gewählt: Ulrich Mädge hat sich mit 59 Prozent gegen Reiner Faulhaber (41 Prozent) durchgesetzt und ist damit Oberbürgermeister.

      „Das war der härteste Tag meines Lebens“, sagte Mädge nach der Wahl. Freudentränen liefen ihm über die Wangen, als er gegen 19 Uhr vor dem Rathaus aus einem Taxi stieg.

      Zum 1. Dezember wird er sein Amt antreten und damit auch die Aufgaben des bisherigen Oberstadtdirektors Faulhaber übernehmen. Durch die Änderung von Niedersachsens Gemeindeordnung verschmelzen die ehrenamtlichen und repräsentativen Aufgaben des Oberbürgermeisters mit denen des Oberstadtdirektors.

      (Aus der Landeszeitung für die Lüneburger Heide von heute auf Seite sechs.)

Kommentar verfassen