Was erlauben Sie sich, Radfahrer!

Der tägliche Kampf – Auto vs Rad, Graffito an der Brücke Kreuzung Bockelmannstraße/Schifferwall.

Lüneburg, 11. Oktober 2021


Meine Hand zittert, kalter Schweiß. Schreibblockade. Egal, es muss raus: Ja, ich bin Radfahrer: Und Radfahrer sind im Straßenverkehr
doch keine besseren Menschen. Das hat oft handfeste Gründe.

Kritik an Radlern triff zu. Die Rüpel fahren bei Rot, auf dem Bürgersteig, nachts ohne Licht und als Geisterfahrer. Sie erfüllen zuhauf jedes Klischee. Und völlig aus der Mode ist das Klingeln. Dazu später mehr. Das Fehlverhalten ist manchmal bloße Willkür, aber oft auch der Lage geschuldet.

Der Kampf um den Erbhof
Es fehlt der Platz in der engen tausendjährigen Hansestadt Lüneburg. Das ist der Knackpunkt.
Autofahrer verteidigen die Straße wie einen Erbhof. Radfahrer fordern mehr Straße ein. Der Verteilungskampf um den begrenzten Platz ist an der Tagesordnung wie Schmähungen im Netz. Posten Sie das Wort Verkehrswende oder Rad-Demo bei Facebook. Die Kommentare, die postwendend erscheinen, sprechen eine klare Sprache. Beispiele gefälligt, folgen Sie dem Link auf die LZ-Facebook-Seite

Straße=Auto, so sind wir lange sozialisiert worden. Das ändert sich gerade. Doch viele Autofahrer können auch heute noch nicht verstehen, dass Radfahrer auf „ihrer“ Straße fahren und brüllen. Und schon gar nicht, dass Sie mindesten 1.50 Meter Abstand zu denen halten müssen beim Überholen, schon gar nicht, dass für die Autofahrer der Bußgeldkatalog künftig empfindliche Strafen vorsieht, wenn sie die Radfahrer und ihre Rechte missachten.

Dabei geht das in Lüneburg mancherorts gar nicht anders. Da parkt auch noch ein Pkw am Straßenrand. Dann muss sich der Autofahrer regelrecht vorbeidrängeln, irgendwie, muss ja. Trödeln gilt nicht, Auto first, Rücksicht second. Sollen die doch auf‘m Fußweg radeln.

Wie wäre es mit Rollentausch?
Wenn es eingefleischten Autofahrern
ein paar Tage so ginge wie Radfahrern in Lüneburg, dann würden sie mehr Mitgefühl zeigen. Keine Straße in Lüneburg ist vergleichbar mit mancher abgerockten Radfurten. Und manche Radwege enden immer noch im Nichts und fangen dann irgendwo wieder an. Bestes Beispiel ist die Willy-Brandt-Straße, die Haupttangente vom Bahnhof zur Universität.

Man radelt gerade auf einem echten Boulevard, der dann aber in einer 60er-Jahre-Asphaltpiste und schließlich schlicht auf Waschbeton-Platten mündet, Keine 50 Zentimeter schmal. Das wäre so, als führe der Autofahrer auf der Reichenbachstraße, und plötzlich ist da nur noch ein Feldweg. 

Die Lüneburger Radwege-Karte ist ein Flickenteppich aus neu, älter, richtig alt und vergessen. Das ist längst alles aufgelistet in Studien und Strategien. Allein, selbst mit  der Verkehrswende im Kopf wird es noch viele Jahre dauern, das zu ändern. Dazu ist zu lange getrödelt worden. Die Wallstraße als Fahrradstraße ist jetzt ein Ansporn zum Besseren, ein Ansage.

Die Hybrid-Radler
Das Elend an zunehmend brenzligen Situationen im Straßenverkehr ist aber auch eng verknüpft mit der Revolution auf dem Zweirad-Markt. Es gibt noch das Hollandrad für Nostalgiker und das Tourenrad für den Stadtbummel. Aber im Trend liegen die
stylischen Hybrid-Radler. Sie fahren E-Bikes, die eher an Porsche, Ferrari und Lamborghini erinnern und die genauso so  beschleunigen. Die Liebe zum Statussymbol ist nur von vier auf zwei Räder gewechselt. Das gilt auch für die Art der Zweirad-SUV, der hartgesottenen Mountainbiker. Sie rasen übers Kopfsteinpflaster, als wenn es kein Morgen gibt. Das ist für sie die städtische Off-Road-Piste. Je fetter die Reifen, desto besser. In beiden Fällen möchte ich nicht in der Haut des Autofahrer stecken, die Hybrid-Radler fordern ein ganz anderes Reaktionsmuster. Da ist Gefahr im Anzug.

Natürlich halten sich alle E-Biker für umweltbewusst. Das findet seine Grenzen aber immer dann, wenn sie ihr Elektrorad mit Kohlestrom aufladen.

Ach ja, die Klingel. Die Klingel ist out. Egal ob jung oder alt, ob schnell oder langsam, ob E oder Muskelkraft. Es wird nicht mehr geklingelt. Ich weiß gar nicht, was das auf Dauer mit der Klingel-Industrie macht. Solange die nutzlose Klingel gefordert ist, wird sie wohl als eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme überleben. Aber dann…

Man muss als gemächlicher Radfahrer immer gefasst sein, das lautlos von hinten links oder rechts, wo gerade Platz ist, wie aus dem Nichts ein Radfahrer passiert. Der böse schaut, wenn man sich erschrickt. Das sollte uns aber nicht abschrecken, etwas zu ändern, vor allem im Verhältnis zwischen Auto und Rad. Das aber wird wie ein Ritt über eine lange Lüneburger Holperpiste. Mehr Rücksicht auf beiden Seiten wäre der erste Schritt zum Besseren.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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29 Antworten zu Was erlauben Sie sich, Radfahrer!

  1. Klaus Bruns sagt:

    ich bin gespannt , ob der kleine grüne parteitag ihren spitzenvertretern um die ohren fliegt. wie war das noch, es gibt keine faulen kompromisse? wie faul müssen die kompromisse denn erst sein, bis sie stinken?

  2. Klaus Bruns sagt:

    na, wer sagt es denn, die spd und die grünen erlauben der fdp weiter zu rasen. natürlich alles für die umwelt. selten so gelacht.

    • Außer Christian und Annalena ist nun auch der ADAC nach Angaben eines Funktionärs nicht mehr grundsätzlich gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen. Deshalb will sich der Automobilclub so schnell wie möglich für ein Tempolimit einsetzen, und zwar zunächst am Sonntagabend von 23.30 bis 23.40 Uhr. „Nach einer 20jährigen Testphase werden wird die Ergebnisse genau analysieren. Läuft es gut, können wir uns vorstellen, das Ganze auf 23.45 Uhr zu verlängern“, teilte ein Sprecher mit. Gelten soll das Tempolimit für Fahrräder, E-Roller, Kreuzfahrtschiffe, Postkutschen, Snowboards, Düsenjets, Rikschas, Inlineskates, Hundeschlitten, Paternoster, Kaninchen, Elefanten, Ameisenbären und Raumschiffe. Der Club will seine Kunden aber nicht vor den Kopf stoßen. Wer eine Bescheinigung vorlegen kann, dass er aus gesundheitlichen Gründen nur mit mindestens 200 Stundenkilometern über die Autobahn fahren darf, wird vom Tempolimit befreit. Das gilt jedoch nicht für alle. „Kinder bis 14 sollten nur maximal 150 km/h fahren“, lautet die Empfehlung des ADAC.

  3. BO sagt:

    Wo kommen bloß die vielen Fachleute her?

  4. Stefanie Hüner sagt:

    Eine Ära ist vorbei, die Daten stehen fest, die Fabriken rüsten um: Das Auto, wie wir es kannten und es viele liebten, ist ein Auslaufmodell.

    Lange schien es so, als seien der Plan einer grundlegenden „Verkehrswende“, der Umbau der Städte, die Verbannung der Autos aus ihr und die Abschaffung des Verbrennungsmotors so etwas wie ein Strauß abstrakter guter Absichten, die nur langsam in den Alltag einsickern und erst in Jahrzehnten für die breite Masse spürbar werden – aber SEIT HEUTE gibt es konkrete Termine: Im Klimaplan „Fit for 55“ (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52021DC0550&from=DE) verkündet die Europäische Union, dass ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden dürfen, sondern nur noch reine Elektroautos oder Wagen, die mit Wasserstoff, Biokraftstoffen betankt werden. Dänemark will die Neuzulassung von Verbrennern schon 2030, also in neun Jahren, verbieten, Norwegen macht sogar in vier Jahren Schluss mit dem Neuverkauf von benzingetriebenen Autos; alle Norweger, die noch einmal das Röhren eines Alfa-Romeo-Motors genießen wollen, müssen sich beeilen – und werden ihr Benzinauto auch nicht ewig fahren dürfen. Spanien hat angekündigt, dass ab 2050 auch der Bestand der dann noch existierenden Verbrenner nicht mehr auf öffentlichen Straßen wird fahren dürfen.

    Mehr dazu hier: https://www.sueddeutsche.de/politik/fit-for-55-klimaschutz-eu-1.5351072

    und hier: https://www.consilium.europa.eu/de/policies/eu-plan-for-a-green-transition/

  5. Werner Mellentin sagt:

    @Herr Jenkel

    „Ach ja, die Klingel. Die Klingel ist out. Egal ob jung oder alt, ob schnell oder langsam, ob E oder Muskelkraft. Es wird nicht mehr geklingelt. Ich weiß gar nicht, was das auf Dauer mit der Klingel-Industrie macht. “

    Ihre Beobachtung mit dem so gut wie nicht mehr stattfindenden Einsatz der Fahrradklingel kann ich aus eigener Beobachtung bestätigen.

    Ein vergleichbares Pendant finden sie auch beim PKW – den Fahrtrichtungsanzeiger, Vulgo: Blinker. Dieser fristet ebenfalls ein trauriges Dasein, weil kaum benutzt, in der Fahrzeugkarosserie. Bei der nächsten Neufassung der StVZO (Straßenverkehrszulassungsordnung) wird dieses überflüssig gewordene Bauteil wohl auch als obsolet erkannt und nicht mehr vorgeschrieben sein. 😉

  6. Werner Mellentin sagt:

    @Herr Jenkel

    „Meine Hand zittert, kalter Schweiß.“

    In früheren Zeiten nannte man das „Cold Turkey“. Halten Sie durch!

  7. Werner Mellentin sagt:

    @Marcus Schröder

    „Und was ist dann mit den Horden der über 75jährigen? Die müssen dann zuhause bleiben, weil Autos aus der Innenstadt verbannt wurden?“

    Ihre Frage zeugt von einem hohem Maß Empathie. In der Tat: wo soll diese Personengruppe unter den aktiv Autofahrenden dann zukünftig ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Brems-Gaspedal-Vertauschen, nachgehen?

  8. Rudi Radlos sagt:

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    jenseits der erregten Voreingenommenheiten aufseiten von Zwei- und Vierradfreunden sehe ich mehrere unbehandelte Probleme – und den Ansatz einer Teillösung, die wahrscheinlich jedoch auch nicht ohne soziale Folgen und diesen entsprechendem Unmut bleiben wird.

    1. Wenn sich der Rad- und Lastradverkehr durchsetzen soll, müssten dann nicht die dafür verfügbaren Wege überall in Stadt und Kreis erheblich verbreitert werden? Die Vorbauten und Anhänger dieser Fortbewegungsmittel nehmen eine Menge Raum ein. Von der Dahlenburger Landstraße wollen wir lieber gar nicht erst sprechen. Aber sogar auf kilometerlangen Strecken des Radweges entlang der B4 zwischen Lüneburg und Bienenbüttel ist es für zwei entgegenkommende Donkey- oder Cargobikes nicht möglich, aneinander vorbeizurollen.

    2. Müssten Anschaffung und Nutzung von tonnenschweren Velo-SUVs durch Kampfgreise im Geschwindigkeitsrausch nicht stärker reguliert werden? Oft habe ich die Befürchtung, die zarte Omi, die in neonfarbener Warnweste auf ihrem surrenden Staubsauger an mir vorbeifegt, weiß gar nicht, was für ein wildes Pferd sie da reitet. Und sollte ich zum Beispiel einmal mit meinem alten, aber verkehrstüchtigen Drahttretesel am Ochtmisser Kirchsteig mit Jens-Peter Schultz zusammenprallen, wenn der auf seinem E-Bike R&M Homage GT mit hundertachtzig Sachen vom Kossenweg um die Ecke gebogen kommt, bin ich garantiert ein toter Mann.

    3. Sie schreiben von der Augenwischerei, wenn Bike-Batterien mit Kohlestrom aufgeladen werden. Ein Riesenproblem sehe ich in der Bekleidung. Sind die bunten „Funktionswäschen“ inklusive Helm, Trail Evo Gore-Tex-Boots und Ortlieb Sport-Roller-Classic-Fahrradtaschen, mit denen die meisten Rentner sich aufbrezeln, als wollten sie den grellen Superhelden der Marvel-Comics Konkurrenz machen, nicht ein Hauptgrund für die Verseuchung der Flüsse und Meere mit Mikroplastikfasern? Wie kann dieser „stylischen“ Pest wieder Einhalt geboten werden?

    Von vorgestern bis übermorgen (11. bis 15. Oktober) treffen sich in Hamburg gerade beim ITS Weltkongress 2021 die sogenannten Vordenker, d. h. Entwickler, Entrepreneure und Entscheider aus den Bereichen Verkehr, Logistik und IT im Kongresszentrum und der Messe. Auf Seite 15 in der Landeszeitung von heute wird vom Hamburger Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) über Mietwagen geredet, die ferngesteuert zum Kunden kommen. „Wir wollen immer weiter weg vom Privatauto zum Sharing-System“, so Tjarks, der betonte, dass er sich von dem neuen Angebot viel für die Hamburger Randbezirke verspreche. Was halten Sie davon?

    Es ist natürlich schwierig, schon jetzt konkret einen Zeitpunkt zu nennen, ab dem auch die On-Demand-Shuttles der KVG Stade GmbH & Co. KG ihre Passagiere ohne menschliche Fahrer befördern können. Es spricht aber vieles dafür, dass die Prognose von Sebastian Heilmann, dem Mobilitätsdirektor des Landkreises, „eines Tages“ werde es „soweit sein“, sogar noch unterboten werden könnte. Die enormen technischen Fortschritte beim autonomen Fahren lassen erahnen, dass es wohl schneller als erwartet gehen wird, auf Menschen hinterm Lenkrad zu verzichten. Daher ist es richtig, dass die Kraftverkehrgesellschaft eine Kooperation mit innovativ führenden Unternehmen anstrebt, um von den neuen Errungenschaften zügig profitieren zu können.

    Schwachpunkte des öffentlichen Nahverkehrs waren bislang immer, dass die letzten Meter von der Haustür bis zur Haltestelle nicht abgedeckt waren und es insbesondere im ländlichen Raum nicht ausreichend Bus- und Schienenverbindungen gibt. Diese Schwächen können die On-Demand-Shuttles abstellen.

    Da die kleineren Elektro-Busse aber weniger Passagiere befördern, müssten recht viele von ihnen eingesetzt werden, um die Menschen von der Nutzung des eigenen Autos abzuhalten. Das wiederum würde für hohe Personalkosten sorgen, sofern es überhaupt ausreichend Fahrer gibt.

    Abhilfe könnten autonom fahrende Kleinbusse schaffen. Dem chronisch unterfinanzierten öffentlichen Nahverkehr würden damit die nötigen Ressourcen bereitgestellt, um sein Angebot im Sinne der Verkehrswende weiter auszubauen. Das ist bitter nötig, denn zu den Stoßzeiten fühlt man sich in vielen Bussen wie die sprichwörtliche Sardine in der Büchse. Umgekehrt sind etwa in Tosterglope, in Artlenburg oder Diersbüttel nach 20 Uhr immer wieder Busse auf der Straße zu sehen, in denen allein der Fahrer sitzt. Insbesondere solche Strecken können abends und nachts viel günstiger von On-Demand-Shuttles bedient werden. Damit diese Alternative akzeptiert wird, müssen die Einsatzgebiete künftig besser vernetzt werden. Es kann doch nicht sein, dass der Nieperfitzer Otto Normalverbraucher nicht zum Eisessen in das zwanzig Kilometer entfernte Bleckede fahren darf.

    Noch stellen die Shuttles keine Konkurrenz für die Lüneburger Taxen dar. Sobald ihr Angebot jedoch flächendeckend verfügbar ist, wird sich das alleine aufgrund der gewaltigen Preisunterschiede schnell ändern.

  9. Rüdiger Schulz sagt:

    Zwischen dem 28.7.2021 und heute gab es in unserer örtlichen Presse neun (in Worten: Neun) Berichte, dass Autofahrer einen Radfahrer oder Radfahrerin übersehen haben. Folgen: leichte bis mittlere Verletzungen, allerdings in keinem Fall beim Autofahrer! Im genannten Zeitraum ist mir kein einziger Fall aufgefallen, in dem ein Radfahrer einen Fußgänger geschädigt hätte.

    • Julia Mateus sagt:

      RADFAHRER SCHWER VERLETZT

      Lüneburg. Ein Fahrradfahrer ist bei einem Unfall in der Dahlenburger Landstraße am Dienstagabend schwer verletzt worden.

      Eine 27-Jährige war mit ihrem VW aus der Kastanienallee gekommen und nach links in die Dahlenburger Landstraße abgebogen. Der Abbiegevorgang sei bereits abgeschlossen gewesen, heißt es von der Polizei, als der dunkel gekleidete 28-Jährige mit seinem Fahrrad ohne Licht aus Richtung der Theodor-Heuss-Straße kam.

      Er fuhr mehrere Meter hinter der Kreuzung auf die Fahrbahn, wo es zum Zusammenstoß kam.

      ·

      JUGENDLICHE STÜRZT

      Embsen. Am Dienstag gegen 16.55 Uhr wollte eine 15-Jährige mit ihrem Pedelec zwischen Embsen und Oerzen die Zufahrt zur B209 überqueren, da touchierte ein 86-Jähriger mit seinem VW ihr Hinterrad. Dadurch stürzte die Jugendliche und verletzte sich leicht. Der VW-Fahrer setzte seine Fahrt fort. Das Kennzeichen des VW brachte die Polizei später zum Halter, gegen den Senior wird jetzt wegen des Verdachts der Unfallflucht und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

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      UNFALLFLUCHT

      Lüneburg. Am Dienstag gegen 10 Uhr fuhr ein 44-Jähriger mit einem Kleinlaster durch die Gebrüder-Heyn-Straße und touchierte den Außenspiegel eines vorschriftsmäßig geparkten VW Transporters. Der 44-Jährige setzte seine Fahrt fort, ohne sich um die Schadensregulierung zu kümmern. Ein Zeuge beobachtete den Unfall jedoch, so kam die Polizei auf den Fahrer, gegen den sie nun
      wegen Unfallflucht ermittelt.

      ·

      GEGEN SCHRANKE GEFAHREN

      Bleckede. Ein 63-Jähriger soll mit seinem VW am Dienstag gegen 18.10 Uhr am Deichverteidigungsweg gegen die zur Fahrbahnsperrung genutzte geschlossene Schranke gefahren sein und sie dadurch beschädigt haben. Der Fahrer aber machte sich einfach aus dem Staub, der Halter konnte allerdings aufgrund von Zeugenhinweisen ermittelt werden.

      ·

      Alles aus der LZ (print) von heute, Donnerstag, 14. Oktober 2021, Seite 6, äußere rechte Spalte.

  10. Klaus Bruns sagt:

    Meine Hand zittert, kalter Schweiß.
    Herr Jenckel, ich hoffe, Sie fahren in diesem Zustand nicht auch noch Fahrrad. Schmunzeln.

  11. Sigurd Böttcher sagt:

    Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird sich das Automobilproblem in Lüneburg von ganz alleine erledigen. Entweder die Verbrennungsstinker im Privatbesitz verschwinden pö a pö rasch und restlos in den Schrottpressen des Landkreises oder das Nordseewasser kommt die A39 entlanggerauscht und spült die ollen Möhren über die Soltauer Straße die Stadt hinaus und über die B209 bis in den Lopausee und in die amelinghäuser Samtgemeindevorgärtem von FDP-Plaschka, AfD-Bothe, SPD-Nahrstedt, CDU-Petersen und B90-Schulz-Hendel.

    Ein symbolischer Anfang und ein Zeichen der Fähigkeit und der Bereitschaft zum Umdenken wäre das sofortige Verbot der beknackten jährlichen ADAC-Rallyes durch die Innenstadt.

  12. Jonas Korn sagt:

    Erst wenn man einmal in einem solchen Fahrradkorso unterwegs ist auf einer Demonstration oder bei einer Critical Mass, merkt man so richtig, was Radfahrenden alles vorenthalten wird: nicht nur eine angemessene Beschaffenheit des Untergrunds, sondern auch Wege, bei denen nicht ständig mit Hindernissen auf der Fahrbahn (Fußgänger*innen, stehende Autos, Baustellen) zu rechnen ist und vor allem auch: lange durchgehende Verbindungslinien! Man wird nicht kreuz- und quer entlang von Straßen geführt, hat viele Kurven und Ampeln (sowie Ampelphasen) extra zu nehmen, sondern darf plötzlich eine sinnvolle Route fahren.
    Man Vergleiche: die gesamte Nord-Süd-Achse von Artlenburger Landstraße in Adendorf bis Uelzener Straße in Bockelsberg (über Bockelmannstraße, Schießgrabenstraße, Willy-Brandt-Straße und Universitätsallee). Es ist tatsächlich eine Frechheit, was dem Radverkehr hier zugemutet wird. Dazu könnte die LZ eigentlich mal ein vergleichendes Video machen.

    Lüneburg ist Jahre, nein Jahrzehnte, hinterher, was eine angemessene Umstellung der Strukturen für verschiedene Verkehrsformen angeht. Fahrradstraßen, protected bikelanes, autofreie Innenstädte, angemessene Radwegbreiten, günstiger oder kostenloser ÖPNV sind anderswo schon längst Standard. Und Lüneburg verpasst die selbst gesteckten Ziele. Man kann nur hoffen, dass sich die Zustände mit der neuen Oberbürgermeisterin endlich ändern.

    • Marcus Schröder sagt:

      @Jonas Korn: In Lüneburg wird es auch nie Protected Bikelanes, eine Autofreie Innenstadt oder ähnliches, was Sie aufgezählt haben, geben.

      Wer das glaubt, ist realitätsfremd!

      Allein schon die Tatsache, das die Busse nicht auf den Stadtring ausweichen können, sofern sie ihre Fahrpläne auch nur ansatzweise einhalten sollen, wird dafür sorgen, das der Sande zumindest von diesen Fahrzeugen bevölkert wird.

      Dann wird bei diesem ganzen Fahrrad-Hype vergessen, das die Bevölkerung älter wird – hab ich zumindest mal irgendwo gelesen und gehört.

      Und was ist dann mit den Horden der über 75jährigen? Die müssen dann zuhause bleiben, weil Autos aus der Innenstadt verbannt wurden?

      Es wird leider immer wieder der Fehler begangen, Lüneburg, das im Krieg bis auf wenige Fälle an der Bahn, von Zerstörung verschont wurde, mit Städten vergleichen zu wollen, die damals dem Erdboden gleich gemacht wurden.

      Und eine seit dem Mittelalter gewachsene Stadt mit einer im Krieg zerbombten, die ganz anders beplant wurde, zu vergleichen, ist wie der Vergleich von Äpfel mit Birnen.

      • Martin Kessler sagt:

        75 Prozent der Straßen und Flächen in Lüneburg wurden im 20. und 21. Jahrhundert ge- und be-baut, das heißt während der letzten 120 Jahre. Also, was schreiben Sie da für einen Unsinn, Herr Schröder? In Venedig, einer Großstadt, die – zwangsläufig – wirklich noch viele mittelalterliche Strukturen aufweist, geht es doch auch ohne Autos, obwohl beinahe die Hälfte der dort heimischen Einwohner über siebzig Jahre alt sind.

        Jonas Korn plädiert für günstigeren oder kostenlosen ÖPNV. Davon, dass Bussen sowie Liefer- Anwohner- und Rettungsfahrzeugen das Verkehren Am Sande verboten sein soll, war bei ihm nicht die Rede.

        Außerdem: Warum dürfen Äpfel denn nicht mit Birnen verglichen werden? Was denn sonst? Wer immer nur Äpfel mit Äpfeln vergleicht, der kann noch nie ein Stück von Bäcker Hesses herbstlichem Kernobstkuchen genossen haben.

  13. Sven Mai sagt:

    …und nicht zu vergessen die Radfahrer, die in eine enge Stelle einfahren (wie z.B. Lüner Straße legal entgegen der Einbahnstraße mit parkenden PKW), wo bereits ein Auto in dieser Enge fährt. Die Radfahrer halten bisher dann nicht an, um die 1,5m einzuhalten. Der Autofahrer hat in diesem Fall keine Chance mehr und wird noch blöd „angemacht“. In solchen Situationen wäre es am Radfahrer zu warten. Rücksicht und Achtung muss in beide Richtungen erfolgen.

    • Theo Fuchs sagt:

      Wenn ich als Kind mit meinen Eltern im Auto fuhr, kritisierte meine Mutter manch einen anderen Verkehrsteilnehmer, der, so fluchte sie, fahre »wie eine gesengte Sau«. Dass man in grauer Vorzeit Schweine mit Lötflammen zu enthaaren pflegte, und dass jene, jedenfalls wenn sie zuvor nur unzureichend getötet worden waren, regelmäßig der brutalen Behandlung in wildem Galopp entflohen, hatte mir damals noch niemand eröffnet. Ja, ich zweifle bis heute daran, dass diese Anekdoten überhaupt der Wahrheit entsprechen. Als Kind verstand ich stattdessen »wie eine gesenkte Sau«, und ich finde, das ergibt allemal mehr Sinn, schließlich ist da »tiefergelegt« nicht weit von entfernt.

    • Christian Schaper sagt:

      Die 1,5 m beziehen sich auf das Überholen von Kraftfahrzeugen ggü. Rad Fahrenden oder zu Fuß Gehenden. Im Begegnungsverkehr und beim Vorbeifahren hat diese Mindestabstandsregelung laut StVO keine Gültigkeit.Es kommen aber in den Situationen andere Regelungen zum Tragen. Ich denke, Rad Fahrende würden sich einen Mindestabstand im Begegnungsverkehr wünschen. Dann würden nämlich auch die ganzen Zweirichtungsradwege verschwinden.

      • jj sagt:

        Falsch: Kraftfahrer, die einen Radfahrer überholen, müssen mindestens einen Abstand von 1,5 m bis 2 m einhalten – im Zweifel mehr. Ist kein ausreichender Abstand aufgrund der Verkehrssituation einzuhalten, muss das Überholen unterbleiben und es ist hinter dem Radfahrer zu bleiben.

      • Christian Schaper sagt:

        Meine Kommentar ist korrekt, Herr Jenckel. Sie bestätigen dies in ihrem Kommentar. Begegnungsverkehr und vorbeifahren ist allerdings kein überholen.

  14. Ich bin Vielfahrer (Rad/Rennrad/Motorrad unhd auch mal PKW/LKW), wenn auch nicht grad in der Stadt, aber mit ein wenig Rücksicht und mit ein paar kleinen Umwegen kommt man in Lüneburg schon gut von A nach B . Sicherlich besteht die eine oder andere Lücke im Radwegenetz und auch der Fahrbahnzustand ist an einigen Stellen historisch . Verständnis und Rücksicht sollte von allen Beteiligten eingefordert werden.

  15. Michael Zeinert sagt:

    Ich oute mich mal als Hybrid-Radler. Ich wähle folglich das Verkehrsmittel, so wie es mir gerade in den Tagesablauf passt. Mal das eine, mal das andere, wunderbar! Das bedingt, dass ich mich einerseits über die Wallstraße als Fahrradstraße freuen kann und zugleich weiter dafür streite, dass sich Lüneburgs überregionale Verkehrsanbindung verbessert (A39 jetzt!). Wer sich über die mögliche Koexistenz von Autofahrern und Radfahrern informieren möchte, dem sei ein Besuch in Italien empfohlen, wo das wunderbar funktioniert: ohne Beschimpfungen, ohne allzu genau nachgemessenen Abstandsvorgaben, ohne Provokationen auf der einen wie auf der anderen Seite, aber mit Verständnis füreinander und – verblüffenderweise – nicht ohne Dynamik. Wie bei einer Melange, pardon, einer „Latte Macchiato“, wo die Komponenten sanft ineinander fließen.

  16. Olli Glodzei sagt:

    Etwas ändern im Verhältnis Auto und Rad? Aber die anderen haben doch angefangen!

  17. Hans-Ulrich Kreisel sagt:

    Es gibt leider inzwischen noch eine weitere Variante: den social media biker, der häufig freihändig fahrend das Smartphone bedient. Gegenverkehr wird am Rande des Blickfeldes registriert und als Rennradfahrer ist empfehlenswert dieser Spezies bei einer Begegnung ausreichend Reaktionszeit zu geben. Sonst endet zumindest einer der beiden im Bankett und das ist in der Regel nicht der Smartphone-Nutzer.

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