
Sie hat immer ein Händchen gehabt für die 1000-jährige mit ihren mehr als 1500 Baudenkmalen. Sie wohnt selber im Herzen der Lüneburger Altstadt. Jetzt geht Stadtbaurätin Heike Gundermann nach dreißig Jahren im Dienst der Hansestadt in den Ruhestand. Schade für Lüneburg.
Der Schutz der historischen Altstadt liegt ihr nicht weniger am Herzen wie die Zukunftsprojekte der Stadt. Gerade die Konversion der Kasernen in den 90er-Jahren zu Uni, Hanseviertel und Dienstleistungpark mit Kinopalast seien benannt, aber auch der Bau der Parkhäuser rund um die historische Stadt oder das Projekt Soziale Stadt Kaltenmoor und die Mammutaufgabe Schulsanierung mit geräuschloser Schadstoffsanierung.
Sie ist einer für damalige Verhältnisse seltener Ost-West-Wechsel in Führungspositionen gewesen, in Thüringen aufgewachsen, u.a. in Weimar studiert.
Doch eines ihrer Lüneburger Herzensprojekte wird sie nicht ganz zu Ende führen, den Masterplan Rathaus, die historische Machtzentrale am Markt. Seit 2010 wird das historische Rathaus Schritt für Schritt saniert und restauriert. Gerade ist die statisch gefährdete Fassade dran. Allein dafür werden bis zu fünf Millionen Euro veranschlagt.
Heike Gundermann hat immer ein gutes Händchen für diese Stadt und den Rat. Durch ihre leise wie bestimmte und an Fakten orientierte Art hat sie die Ratsmitglieder in aller Regel überzeugt, auch wenn das Geschäft mit den Jahren schwerer geworden ist und das Geld knapper.
Manchmal aber, wie bei der Nordlandhalle, die sie gerne als Veranstaltungshalle umgebaut hätte, oder beim Umbau der Grapengießerstraße, wo ihre Pläne, die sich harmonisch an den umgebauten Platz Am Sande anlehnten und die im wahrsten Sinne vor der Entscheidung über Nacht einkassiert wurden, waren die politischen Sachzwänge und der Einfluss mancher Investoren größer als der Ideenreichtum einer Dezernentin, die ihre Altstadt liebt. Da wurde ihr mehr als einmal die Suppe versalzen, um im Lüneburger Jargon zu bleiben.
Was bleibt: Sie hat Lüneburgs größten Schatz, die Giebel und Gassen, geschützt.
Hans-Herbert Jenckel
Foto: Stadt Lüneburg