
Die Lüneburger Wahlkämpfer haben angesichts der vergangenen Hitze-Periode den Schatten entdeckt. Jetzt für Menschen, nicht für Autos an der Ilmenaustraße. Das Thema ist abgehakt.
Christdemokraten fordern auf der Stelle große Bäume in Pflanzkübeln in der City, mehr Schattenplätze und Wasserspender – kurz mehr Aufenthaltsqualität, wie es der Städtetag seit Jahren sagt. Ich habe aber eine Frage: Wie groß müssen die Pflanzkübel inklusive Baum sein, damit sie wirklich Schatten spenden, wenn Passanten darunter Schutz vor der Hitze suchen? Vermutlich schrumpfen wir irgendwie alle zu Liliputaner-Lüneburgern. Oder versperren die Kübel dann die Sicht auf die historische Giebel-Phalanx. Ein Fall für den Denkmalschutz.
Sozialdemokraten fordern stante pede Rasensprenger und Sonnensegel für Horte, ruhig mal bei der Löns-Schule vorbeischauen, Ventilatoren und Kühlwesten für Alte und natürlich kühle Orte in der ganzen Stadt wie im Clamart- oder Scunthorpe-Park. Und Klimainseln mit mehr Grün, Trinkbrunnen und Sprühnebel. Doch Grün auf dem Marienplatz statt Autos? Keiner will mehr über Parkplätzen reden, das Thema rückt in die Schattenwelt.
Ich fordere obendrauf noch kostenlose Ausgabepunkte von Sonnencreme, einen Hitze-Beauftragten und Ad-hoc-Streifen des Ordnungsamtes, die mit Wasserflaschen-Lastenrädern ausgestatt sind.
Und überhaupt, sollten die Wahlkämpfer noch einmal die Uni ins Visier nehmen, die auf dem Campus viele Schattenspender rasiert haben.
Der Sommer ist noch lang, der Wahlkampf geht noch bis 13. September, die Fieberkurve steigt, danach hat der Aktionismus eine kurze Ruhephase.
Hans-Herbert Jenckel