Rats-Revolte in Lüneburg erstmal abgeblasen

18. Januar 2017

Die christdemokratisch-grün-links-liberale Allianz im Rat zur Bändigung des Oberbürgermeisters von Lüneburg steckt in der Etappe fest. Ihre Novelle zur Geschäftsordnung, mit der der Redefluss des Stadtoberhauptes eingedämmt und er auf das Gardemaß eines höheren Beamten gestutzt werden soll, will und will nicht gelingen. Und die neue Entschädigungssatzung für den Rat, die zweite Duftmarke des Bündnisses, hat sich schon zum lauen Lüftchen vernebelt.

Dabei roch es noch in der ersten Sitzung des neuen Rates ein bisschen nach Pulverdampf, nach Sturm auf die Bastille. Nicht zuletzt, weil es um den König ging: Nach 25 Jahren als Oberbürgermeister rufen viele Ulrich Mädge mal wohlwollend und anerkennend, mal frotzlig und kritisch „König Uli“. Und schließlich ging es bei der abgeblasenen Rats-Revolte auch darum, in die Machtsphäre des Königs einzubrechen.

Die Jakobiner im Revolutions-Frankreich wollten ja zuerst auch nur die konstitutionelle Monarchie durch eine Republik ersetzen. Ein paar Namen und Titel ausgetauscht, kommt einem das vertraut vor. Wie schrieb es der Linken-Chef Michèl Pauly nach der Auftaktsitzung so schön auf seiner Facebook-Seite: „Wenn es einer Begründung bedurft hätte, das Rederecht des Oberbürgermeisters zu regeln“, habe Mädge sie schon in der ersten Sitzung selbst geliefert. Getan hat sich nichts. Robespierres Geist rumpelt in der Kiste, und da wird er auch bleiben.

Nun scheint die Gefahr groß, dass die Jamaika-Gruppe, als Tiger gesprungen, als Bettvorleger landet. Und es locken neue Reize: Der Sprecher der Jamaika-Gruppe, Niels Webersinn, träumt aktuell wohl mehr vom Landtag in Hannover als vom Rat in Lüneburg. Und an der linken Flanke spurtet Michel Pauly Richtung Bundestag/Berlin.

Die nüchterne Bilanz nach einem Quartal neuer Rat: Mädges Duftmarken wabern weiter durchs Rathaus. Das hätten die Rats-Reformatoren schon wissen können, als sie ihre Gruß- adressen zu Mädges 65. Geburtstag im Juni 2016 sandten. Damals hörte sich das nämlich so an – Auszüge:

Michèl Pauly (Linke): Vermutlich der fleißigste Oberbürgermeister, den unsere Stadt je hatte.

 Niels Webersinn (CDU): Mit Respekt stelle ich fest, dass Herr Mädge nie die Flinte ins Korn wirft, dass er stets fintenreich versucht, neue Wege zu gehen, …dass seine Schlagfertigkeit oft für gute Stimmung sorgt und die politische Fortune ihn stets begleitet hat.

Andreas Meihsies (Ex-Grüner): Seit Jahren ein zentraler Ideengeber und ein zupackender Stadtgestalter.

Birte Schellmann (FDP): Wer seit über 150 Jahren der am längsten amtierende OB in Lüneburg ist, verfügt offensichtlich über ungewöhnliche Fähigkeiten, auch oder gerade weil er vielfach in monarchischer Manier über Partei, Gesamtrat und Verwaltung herrscht… Lüneburg ist ihm zu Dank verpflichtet.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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