Lüneburgs Ratsherr Soldan: weniger provozieren, effizienter arbeiten

6. Mai 2018

Der Liberale Frank Soldan hält nichts von längeren Ratssitzungen in Lüneburg – davor hatte ich im letzten Blog gewarnt. Soldan hatte für die vergangene Ratssitzung schon eine Rede vorbereitet, doch der Tagesordnungspunkt „Verlängerung von Ratssitzungen“, wie sollte es anders sein, kam nicht dran. Seine Rede gibt es hier als Blog-Beitrag.

Frank Soldan (FDP)Foto: fdp

Frank Soldan (FDP)
Foto: fdp

Dieser Rat hat sich am 1.11.16 die aktuelle Geschäftsordnung gegeben. Halten wir uns daran.

Zeitprobleme bei der Abarbeitung der Tagesordnung sind kein neues Problem. Aber ein von uns selbst erzeugtes Problem.

Bei Anträgen und Anfragen sollten wir uns fragen, ob sie vordringlich dazu dienen, politisches Kapital aus ihnen zu ziehen, oder hauptsächlich dem Wohle der Lüneburger Bevölkerung dienen.

Anträge, die in Fachausschüsse überwiesen werden sollen oder müssen, brauchen wir hier nicht fast eine Stunde zu diskutieren. Eine sehr kurze Stellungnahme reicht.

Anfragen lassen sich schriftlich beantworten und gegebenenfalls in Ausschüssen weiter diskutieren.

Änderungsanträge zum Protokoll lassen sich schriftlich an die Verwaltung vor einer Sitzung stellen, so dass Diskussionen zur Protokollgenehmigung in der Regel entfallen können. Voraussetzung ist natürlich, dass uns Protokolle rechtzeitig vor einer Sitzung zugesandt werden.

Bleiben wir bei unseren Beiträgen beim Thema und nutzen wir die Redezeit nicht für eine allgemeine Stellungnahme oder um ganz andere Themen anzusprechen.

Auch diese Diskussion hätte in einer Fraktionsvorsitzenden-Konferenz gelöst werden können.

Fazit aus allem: Arbeiten wir effizienter. Diskutieren wir sachlich und zielorientiert. Persönliche Angriffe, egal von welcher Seite, sind dabei absolut kontraproduktiv. Sie provozieren nur Widerreden und zerstören die Effizienz unserer Arbeit.

Einen früheren Beginn der Ratssitzungen lehne ich ab. Eher müssen Fachausschüsssitzungen später beginnen. Wir wollen und brauchen mehr Öffentlichkeit. Die erreichen wir nicht, wenn Sitzungen dann stattfinden, wenn ein Großteil der Lüneburger noch arbeiten. Oder wenn wir uns mehr als eine halbe Stunde über Formalien geradezu streiten

Und ein großer Teil der Mitglieder dieses Rates ist noch immer berufstätig. Kein Arbeitgeber freut sich darüber, wenn er seine Mitarbeiter öfter nachmittags freistellen muss.

Bei der Länge der Sitzungsdauer sollten wir uns an die GO halten. Die hat schon ihren Sinn und wir alle wissen, dass die Aufmerksamkeit eines Menschen irgendwann nachlässt. Auch wenn manch einer der hier Anwesenden immer wieder etwas anderes verlauten lässt.

Wenn es gar nicht anders geht, sollten wir den Oberbürgermeister bitten, zu einer zusätzliche Sitzung einzuladen.

An uns liegt es dann, keine zusätzlichen Anträge zu stellen und kurz und bündig zu diskutieren und die Tagesordnung abzuarbeiten.

Wie gesagt, es liegt an uns. Arbeiten wir effizient, bleiben wir mit unseren Redebeiträgen beim Thema und fassen wir uns kurz. Halten wir uns an den ersten Teil von Bismarcks Ausspruch: „Die Rede des Politikers sei kurz und verletzend.“ Aber bitte wirklich nur an den ersten Teil.

Dann macht die Arbeit in diesem Gremium auch wieder mehr Spass und wir können zeitnah über Anträge und Anfragen entscheiden.

Frank Soldan

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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29 Antworten zu Lüneburgs Ratsherr Soldan: weniger provozieren, effizienter arbeiten

  1. Ortwin schreibt:

    Karl Kraus und Frank Soldan?

    Ich wäre nie darauf gekommen, daß einer die beiden mal miteinander verheiraten könnte.

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  2. Die Natur hat mir nicht gesagt: Sei nicht arm, noch weniger : Sei reich, sondern sie ruft mir zu : Sei unabhängig !

    „Es gibt eine Art von Freude in Verbindung mit dem Mut, sich über das Glück hinaus zu wagen. Das Geld zu verachten, heißt einen König entthronen: hier liegt der Reiz.“

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  3. Gerd Wagner schreibt:

    Sind nicht Lüneburgs beiden größten Planungs- und Finanzierungskatastrophen der letzten Jahre, der Libeskind- und der anstehende Arena-Bau, genau das: ein Ergebnis der angeblichen und vermeintlichen Notwendigkeit, auf hin- und zureichende Information und Debatte und die dazu gehörige Zeit in Rat und Kreistag zu verzichten? Tempo ist immer das Argument interessierter Kreise, oder?

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  4. Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber
    arbeiten.Wann erfolgt denn die Umsetzung 2030? Bei diesen Erleuchtungszeiten zur GO vom 01.11.16. Persönlichkeitsmerkmale der Ratsmitglieder ein Hindernis? Fehlende Zielvorgaben, fehlende Anreize? Strukturschwäche der Verwaltung? Fehlende Disziplin? Schlechtes Auffassungsvermögen? Zu viel Appelle?

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  5. Andreas Janowitz schreibt:

    Tut mir leid die Herren, wenn es Usus sein sollte auf Komunaler, also unterster Verwaltungsebene, irgendwelche Intrigchen Spinnen zu müssen, trägt das zur Politikverdrossenheit bei? Da ist mir völlig egal wer welches Zitat richtig zugeschrieben hat oder wer sich sonst noch solcher Methoden bedient oder bedient hat? Von den Böcken die die Herrschaften in diesem Jahr geschossen haben ist nichts mehr übrig? Was haben sie sich dabei gedacht den im Amt zu halten?!

    Ich als Bürger erwarte eine effizente Verwaltung- mehr nicht. Ist das so viel? Sinn- und nutzloses Geschwatze, was für „Insider“ evtl. „cleveres Taktieren“ darstellen mag, gehört nicht dazu?
    Es interessiert mich nicht wer sich da für wie ausgebufft hält. Machen Sie das, wofür sie reichlich Vorschusslorbeeren, Respekt und Gefolgschaft verlangen- Entscheidungen treffen, selbst wenn das bedeutet irgendeinen Acker zu zubauen.

    Als Nachschlag: Wenn sich einer der Schreibenden einmal die Foren der LZ ansehen möchte? Dort gibt es zuhauf Fake-News-Fluten in den Kommentarspalten zu lesen?

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    • Uwe Peters schreibt:

      Sie meinen, den Gerhard Scharf im Amt zu halten? Das frage ich mich auch. Aber wer bestimmt, wann eine Anfrage diskussionswürdig ist, wann nicht? Karl Kraus? Oder doch Friedrich von Mansberg?

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  6. Ein Geniestreich, ein Tollfreffer, äh, Felltroffer, äh, Volltreffer …

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  7. Andrea Henkel schreibt:

    Wir setzen uns seit Beginn der Ratsperiode für die Einhaltung der Sitzungszeiten ein. Auch aus Vereinbarkeitsgründen.

    Komisch… damit haben wir bisher nur Unmut hervorgerufen. Im Endeffekt führte das dann u.a. auch hierzu: https://blog-jj.com/2017/02/05/rat-will-lz-an-kandare-nehmen/

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    • jj schreibt:

      Hallo, liebe Frau Henkel, der zweite Teil hat zwar nichts mit der Länge der Sitzungen zu tun, liegt auch schon reichlich zurück, sitzt aber wohl tief. Vielleicht hat der Karl Kraus doch recht. LG Ihr hhjenckel

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      • Andrea Henkel schreibt:

        1. Wer ist Karl Kraus und was hat das mit der Sache zu tun?
        2. Auf Ihre Frage: Glauben Sie mir, ich bin darüber hinweg. Dennoch werde ich nicht aufhören das anzuprangern, weil der Sexismus, der sich darin widerspiegelt, ein gesellschaftliches Problem ist. Aber vor allem, weil Sie bis heute anscheinend nicht verstanden haben, was das Problem an Ihrem Handeln (und dem von Herrn Stüwe) war. Beides in Kombination wird dadurch zum Problem der Landeszeitung.
        3. Ja, es ist eine Weile her, aber anscheinend haben für Sie auch 1,5 Jahre Zeit nicht ausgereicht, um ihre Meinung zu dem Thema zu überdenken.
        4. Was das mit den Sitzungszeiten zu tun hat: Meine Beschwerde über die Länge der Sitzungszeiten aus Vereinbarkeitsgründen hat die Sache damals ins Rollen gebracht.

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      • jj schreibt:

        Liebe Frau Henkel,
        Hintergrund des Blog-Beitrages von mir aus dem Januar 2017 waren Fragen eines Kollegen, dessen Vorgesetzter ich bin, Fragen an Sie, Fragen, die Sie für „übergriffig“ hielten. Das ist Ihr gutes Recht.

        Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut und wenn sie schon an der Art und Weise scheitert, welche Fragen gestellt und welche nicht gestellt werden dürfen und wie, dann ist es schlecht um sie bestellt.
        Fragen kann man unangemessen, übergriffig, blöd, frech oder gewagt finden, Fragen kann man beantworten oder es einfach sein lassen. All das stand und steht Ihnen frei.

        In Ihrem Fall allerdings war ich der Meinung, dass ein persönliches Gespräch der bessere Weg gewesen wäre und nicht ein Fragen-Katalog per Mail. Deswegen habe ich noch am gleichen Abend, einem 13. Januar 2017, Ihren Fraktionschef und Sie angerufen und die Fragen als gegenstandslos erklärt. Und ich habe dazu auch eine Mail an Sie geschrieben, hier zur Erinnerung:

        Von: Hans-Herbert Jenckel
        Datum: 13. Januar 2017 um 21:24:41 MEZ
        An: david.amri@dielinke-lueneburg.de
        Betreff: Lz
        Sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr Amri
        Der Fragenkatalog ist obsolet
        LG schönes WE
        Beste Grüße
        Hans-Herbert Jenckel

        Trotzdem wurde der Fall nicht-öffentlich im Rat verhandelt, trotzdem sollte der LZ anhand dieses Beispiels erklärt werden, was „unangebrachte Fragen“ sind, der LZ-Ombudsmann eingeschaltet werden. Dagegen, und nur dagegen habe ich in einem Blog-Beitrag Stellung bezogen. Am Ende passierte nichts.

        Hier noch mal der Blog-Beitrag:
        https://blog-jj.com/2017/02/05/rat-will-lz-an-kandare-nehmen/

        Was das gesellschaftliche Problem des Sexismus angeht, so nimmt das die LZ sehr ernst, gerade haben wir dazu eine ganze Themenwoche zur #Me too-Debatte gedruckt.
        LG Ihr hhjenckel

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      • Andrea Henkel schreibt:

        Lieber Herr Jenkel,

        Ich brauche Ihrer Antwort nichts zu erwidern, denn sie spricht für sich.

        Nur so viel: Sie stellen die Interpretation des Fragenkatalogs als sexistisch weiterhin als mein subjektives Empfinden dar und bleiben dabei, dass die Pressefreiheit diskriminierende Fragen also nicht nur rechtfertige, sondern auch eine Kritik politischer Institutionen daran verbiete. Vor diesem Hintergrund finde ich Ihren Verweis auf die #Metoo-Themenwoche der LZ geradezu zynisch.

        Es ist sehr zu begrüßen, dass Anna Sprockhoff und Anna Paarmann diese Impulse in die Redaktion einbringen. Sicher ernten Sie dafür nicht nur Begeisterung. Das ist aber kein Freifahrtschein für den Sexismus anderer Redakteure oder gar des Lokalchefs.

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      • jj schreibt:

        Liebe Frau Henkel,
        Kritik ist nicht nur erwünscht, Kritik ist für Redakteure immens wichtig, auch für Kurskorrekturen. Deswegen freut mich auch Ihre Kritik. Und überhaupt, wer austeilt, muss auch einstecken.

        Ach so, Sie fragten noch, wer Karl Kraus sei. Er war einer der bedeutendsten österreichischen Publizisten, Satiriker, Lyriker und Aphoristiker Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein scharfer Kritiker der Journaille übrigens, ihm wird das Zitat zugeschrieben: „Was trifft, trifft auch zu.“ LG Ihr hhjenckel

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      • Otto Berg schreibt:

        „Was trifft, trifft auch zu.“ Karl Kraus (angeblich)

        1993 behauptet Oskar Negt in einer Laudatio im SPIEGEL, Rudolf Augstein sei ein „Geistesverwandter“ von Karl Kraus und beiden gemeinsam sei das von Kraus fomulierte Prinzip: „Was nicht trifft, trifft auch nicht zu“.

        2007 verteidigt Henryk M. Broder mit diesem Aphorismus die Moderatorin Eva Herman, allerdings in stark veränderter Form: „Was trifft, trifft auch zu“ -, und 2010 verteidigt er damit Thilo Sarrazin im SPIEGEL gegen den Vorwurf, rassistisch zu argumentieren.

        2012 bekennt sich Jan Fleischhauer in seinem Buch: „Der schwarze Kanal: Was Sie schon immer von Linken ahnten, aber nicht zu sagen wagten“ zu dieser angeblichen Maxime von Karl Kraus, wie seine Vorgänger ohne jede Quellenangabe. Den Angestellten des vielgerühmten SPIEGEL-Archivs fällt weder auf, dass der SPIEGEL im Abstand von 14 Jahren zwei verschiedene Versionen des angeblichen Kraus-Zitats druckte, noch, dass beide Versionen in den Schriften von Karl Kraus nicht zu finden sind.

        2016 kritisert Broder mit diesem falschen Karl-Kraus-Zitat den Öffentlichen Rundfunk und den ARD: „Was den Vorwurf der ‚Lügenpresse‘ angeht, so hat Karl Kraus schon das Notwendige dazu gesagt: ‚Was trifft, trifft auch zu!'“ Nun, Kraus hat „das Notwendige“ nicht gesagt.

        Mit der Autorität des Namens Karl Kraus kann man also Rudolf Augstein, Eva Herman und Thilo Sarrazin loben und verteidigen, den Öffentlichen Rundfunk kritisieren und jahrelang bemerkt niemand, dass das Zitat gar nicht von Karl Kraus ist.- Es wird auch Walter Benjamin, Kurt Tucholsky und Ulrich Sonnemann zugeschrieben, wahrscheinlich stammt es aber von einer bisher nicht bekannten Person.
        __________
        Das Zitat ist in keinem Text von Karl Kraus nachweisbar (was auf der unentgeltlich nutzbaren Fackel-Seite der Österreichischen Akademie der Wissenschaften leicht zu prüfen ist: http://corpus1.aac.ac.at/fackel/), wird ihm aber inzwischen zum Beispiel auch auf der seltsamen Männer-Seite WikiMANNia zugeschrieben. Auf Google Books gibt es keinen Nachweis dieses Zitats vor dem Jahr 1993.

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      • jj schreibt:

        Lieber Herr Berg, mit Bedacht habe ich geschrieben, das Zitat werde ihm zugeschrieben.
        Denn vorher habe auch ich recherchiert. Sie haben allerdings vergessen, Ihre Internet-Quelle zu nennen, aus der Sie den gesamten Text per Copy/Paste erzeugt haben.
        https://www.kraus.wienbibliothek.at/content/was-trifft-trifft-auch-zu

        Dort ist vom Autor auch zu lesen: „Die Mitteilung eventuell früherer Quellen würde mich freuen.“
        Und es wird dort die Ursprungsquelle genannt:
        http://falschzitate.blogspot.co.at/2017/04/was-trifft-trifft-auch-zu-karl-kraus_7.html
        Copyright:
        Gerald Krieghofer

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Lieber Herr Jenckel, wenn Sie Andrea Henkels Beitrag mit dem angeblich von Karl Kraus stammenden Zitat kommentieren begeben Sie sich auf eine Stufe mit Boulevard-Journalismus a la „Bild“ und legitimieren jeden Fake-News, dem widersprochen wird! Damit bekennen Sie sich zum Gegenteil vom investigativen Journalismus. Ich persönlich glaube nicht, das so ein kluger Kopf wie Karl Kraus einen so schwachsinnigen Aphorismus rausgehauen hat!

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      • jj schreibt:

        Lieber Herr Fahrenwaldt,
        Sie sehen ja, wer da alles den Kraus schon zitiert hat. Und sie sehen, dass die Quellenlage dünn ist.
        Aber deswegen gleich die Boulevard-Keule rausholen, das tut mir jetzt weh, und Fake auch.

        Im Blog geht es eigentlich um die Frage, ob längere Ratssitzungen gut sind? Ich finde, nein.
        Die Debatte allerdings hat ganz Déjà-vu einen unerwarteten Weg eingeschlagen. lg Ihr hhjenckel

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Lieber Herr Jenckel, ich möchte Sie in diesem Zusammenhang auf den Inhalt des Zitats hinweisen: Kachelmann hat sich gegen die Fake-News der Bild-Zeitung gewehrt und vom Gericht seine Unschuld bestätigt bekommen. Nach dem Kontext des von Ihnen angeführten Aphorismus könnte die Bild ihn immer noch als Vergewaltiger darstellen!
        Und zum hier angesprochenen Thema habe ich am 4. April auf dem vorhergehenden Blogbeitrag einen Kommentar abgegeben. (Eine Verlinkung krieg ich nicht hin!)

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      • jj schreibt:

        Noch einmal, Herr Fahrenwaldt: Ich habe geschrieben, das Zitat werde Kraus zugeschrieben, nicht, stammt von Kraus, denn mir war der Sachverhalt bekannt, dass die Quellenlage unsicher ist, und zweitens, was wichtiger ist: Die Blog-Beiträge von mir und Herrn Soldan handeln von längeren Ratssitzungen. Kurzum: wir sind auf Exkurs. LG Ihr hhjenckel

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      • Otto Berg schreibt:

        Hallo Herr Jenckel,

        es ist doch in Stadt und Kreis bekannt, wessen ausufernde Rede- und Erziehungsbeiträge für die Zeitnot im Rat vor allem sorgen. Wenn ich den sehr umständlichen, sich dreimal um die eigene Achse drehenden und deshalb um drei Viertel Pfund leerer Klanghülsen zu lang geratenen Beitrag vom Herrn Soldan lese, der die Sache mit dem exzessiven liberalen Protokollstudium vom Spätsommer letzten Jahres entweder vergessen oder unterschlagen hat, dann frage ich mich, ob dem Freidemokraten eigentlich klar ist, vor den Karren welchen Taktgebers und welcher Interessen er sich mit seiner kreuzbraven Einlassung hat spannen lassen. Cui bono? Das ist doch auch so eine Wendung, die Ihnen immer mal wieder aus der Feder rinnt. Wer macht denn in Lüneburg Musik mit ewig hinhaltenden Verzögerungen und unerwartet halsbrecherischen Tempovorstößen? Geschwindigkeit und Demokratie gegeneinander auszuspielen, hat zwar eine gewisse Tradition in Deutschland und nicht zuletzt in unserer schönen Stadt, aber eine ungute, wenn Sie sich erinnern. Keine sozialdemokratische jedenfalls. Quasiparlamentarische Beratungsinstitutionen als zeitverschlingende „Schwatzbuden“ hinzustellen, schien mir bisher nur die Strategie der greisenhaft grotesken Neofaschisten, die neuerdings ihre zerschlissenen, mürben braunen Gesinnungsfetzen blau eingefärbt haben und die, wo sie können, verschleppen, blockieren und prokrastinieren, nur um zu diskreditieren. Eine Verfahrensweise, deren historische Vorbilder sattsam bekannt sind.

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      • jj schreibt:

        Hallo! Der Duktus kommt mir so vertraut vor, dieses Räsonieren. LG

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      • Andrea Henkel schreibt:

        Lieber Herr Jenckel,

        vielen Dank für Ihre Antwort. Ich werte das mal als ersten Schritt in die richtige Richtung.

        Zur etwas abgedrifteten Diskussion um das Zitat „Was trifft, trifft auch zu“: Es ist m.E. relativ egal, WEM dieses Zitat nun zuzuschreiben ist. Der Kern des Problems ist doch, wie Otto Berg richtig schreibt, dass es hauptsächlich dazu benutzt werden kann, um „Hate Speech“, Rassismus und Sexismus zu rechtfertigen. Etwas anderes lässt sich mit diesem Zitat auch nicht anfangen, denn das würde seinem Inhalt widersprechen. Was persönlich trifft, sind nun mal vor allem Beleidigungen, Diskriminierungen, Herabwürdigungen. Sachliche Informationen treffen dagegen meist weniger persönlich. Insofern passt es tatsächlich sehr gut in diesen Kontext der Rechtfertigung von Diskriminierung.

        Treffen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie zu, weil sie treffen? Sicher nicht.

        Zum Nachdenken: Überlegen Sie doch mal wie häufig sich wohl ältere, gut verdienende, weiße, heterosexuelle Männer in der Presse für ihre politische Arbeit diskriminierend „treffen“ lassen müssen und ob da ein Zusammenhang zur Überrepräsentanz dieser Gruppe in allen politischen Bereichen bestehen könnte.

        Die trifft nicht so viel und trotzdem trifft es zu: 27% Frauenanteil in deutschen Kommunalparlamenten, 8,2% weibliche OBs, Altersdurchschnitt 45+ (von Menschen mit Migrationshintergrund ganz zu schweigen)

        z.B.: http://www.budrich.de/Zeitschriften/Leseprobe/GWP_4_2017_Bogumil.pdf

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      • jj schreibt:

        Liebe Frau Henkel, ein guter Ansatz. Hate Speech, Diskriminierung und Rassismus liegen mir fern.

        Gerade was Rassismus angeht, war auch meine Familie davon betroffen. Gehen Sie zur Sparkasse Am Sand und schauen Sie auf den Stolperstein davor.

        Der Sexismus-Vorwurf trifft auch, ob er zutrifft, das werde ich jetzt anhand Ihrer Kommentare mit Frau Sprockhoff und Frau Paarmann diskutieren. Dann melde ich mich bei Ihnen. LG hhjenckel

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      • Otto Berg schreibt:

        „Vielleicht hat der Karl Kraus doch recht.“

        Mit diesem Satz haben Sie den Namen Karl Kraus eingeführt Herr Jenckel. Da ist zunächst einmal im ersten Schritt überhaupt nichts Relativierendes/Einschränkendes vor-oder nachgeschaltet. Warum haben Sie den Namen Karl Kraus denn überhaupt an dieser Stelle ins Spiel gebracht? Der tut hier doch gar nichts zur Sache. Wollten Sie mit Ihren Lesefrüchten und historischen Kenntnissen imponieren?

        Jenckel: Nein, ich kenne das Zitat seit Jahrzehnten und erst auf die Nachfrage, wer Kraus sei, bin ich noch einmal in die Recherche eingestiegen und habe festgestellt, dass es zwar Kraus zugeschrieben und in seinem Namen oft herangezogen wird, obwohl die Quellenlage es scheinbar gar nicht hergibt. Dass auch Prominente und Intellektuelle das vermeintliche Kraus-Zitat gerne nehmen, war in Ihrem Copy/Paste-Beitrag bereits zu lesen. Das soll aber nichts entschuldigen.

        Sollte die Frau Henkel von Ihrem gedanklichen Beziehungsreichtum eingeschüchtert sein?


        Jenckel: Einschüchterung ist meine Sache nicht.

        Ist das nicht auch eine Art von Sexismus, so die intellektualistischen Muskeln vor einer Dame spielen zu lassen?

        Jenckel: Ich habe mich an die Lokalpolitikerin gewandt. Und mit meinen Muskeln ist es ehrlich gesagt nicht weit her.

        Und was soll das mit dem Stolperstein? Wenn es in Ihrer Familie nazistische Opfer gab, ist das schrecklich. Aber sind Sie darum hier und heute dagegen gefeit, vor einer jungen Mutter mit sexistischen Stereotypen, mit rechthaberischen Kommentaren zu diskriminierenden Fragebögen oder mit der Eitelkeitskeule vermeintlich überlegenen Bildungswissens herumzufuchteln?

        Jenckel: Nichts sensibilisiert für ein Thema mehr, als eigene oder auch familiäre Erfahrungen. Und ja, vor dem Hintergrund der NS-Rassentheorie gab es da einen Mord.

        Sie sehen es mir nach, dass ich auf Ihre Tiefschläge und Beleidigungen nicht eingehe. Schade, dass Sie zum eigentlich Thema, Länge der Ratssitzungen, so gar nichts beitragen können. Aber das ist vermutlich auch gar nicht Ihr Metier.

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  8. Otto Berg schreibt:

    „sich an die eigene nase zu fassen, scheint in der politik am schwierigsten zu sein.“

    So ist es, Herr Bruns. Aber jeder macht sich eben lächerlich, so gut er kann. Lesen Sie, was Herr Jenckel am 1. September 2017 an die Adresse vor allem von Herrn Soldan und seiner Kollegin Schellmann geschrieben hatte:

    „Noch nie in den Jahrzehnten habe ich so eine verbissene und kleinkarierte Debatte über ein Protokoll oder die Installation einer Lautsprecheranlage erlebt wie Donnerstag im Huldigungssaal des Lüneburger Rathauses. Der Schlagabtausch war nur Indiz der vergifteten Grundstimmung.

    Was für ein Gezerre, was für eine Haarspalterei um Formulierungen. Juristen wurden eingeschaltet, schrieben Tonbänder ab, Wort für Wort. Paragraphen wurden wie Geschütze aufgefahren, Haarspalterei wurde weidlich praktiziert und zur Sache nichts beigetragen.“

    Quelle: https://blog-jj.com/2017/09/01/der-vergiftete-lueneburger-rat/

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  9. Jens Peter Schultz schreibt:

    Ich kann Frank Soldan nur voll zustimmen.

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  10. Klaus Bruns schreibt:

    Frank Soldan hat hier völlig recht. wird aber die egomanie und die eitelkeiten es zulassen, recht zu bekommen? ich bezweifle es sehr. sich an die eigene nase zu fassen, scheint in der politik am schwierigsten zu sein.

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