Lüneburg träumt weiter vom Titel Weltkulturerbe – trotz trüber Aussichten

Lüneburg, 19. Novembetr 2020

Die Hansestadt kann es nicht lassen und will noch einmal den Sprung auf  die Weltkulturerbe-Liste wagen. Wer dort angekommen ist, der genießt unter Touristen aus aller Herren Länder einen Platz in der ersten Reihe. Leider ist schon heute klar, die Erfolgsaussichten sind für Lüneburg wieder mal gering.

Mit Giebeln, Salz und Heide hat es Lüneburg schon versucht, ist aber seit den 80er-Jahren des letzten Jahrtausends immer in der Etappe steckengeblieben. Und nach dem Anlauf 2012 hatte Oberbürgermeister Ulrich Mädge verkündet, es sei genug, er wollte nie wieder ins Bewerberrennen einsteigen. Doch im nächsten Rat steht der Weltkulturerbe-Traum wieder auf der Tagesordnung nach dem Motto: Totgesagte Ideen leben länger. Die LZ berichtete dazu aus dem Kulturausschuss.

Wer auf die Welterbeliste will, der muss Außergewöhnliches bieten. Mehr als Giebel, die hat schon die Welterbestadt Lübeck im Übermaß. Und da waren auch die Hansestädte Wismar oder Stralsund einfacher fixer. Kurzum, mit dem, was Lüneburger reichlich bieten kann, mit Backsteingotik, ist kein Vorankommen mehr. Wer zu spät kommt, den ignoriert die UNESCO. Und Lüneburg kam eben zu spät. 

In der Begründung für den neuerlichen Anlauf heißt es: „In keiner weiteren nordeuropäischen Stadt haben sich die humanistischen Vorstellungen von gerechtem und tugendhaften Handeln im Sinne einer idealen „res publica“ in Architektur, Bildprogrammen und Ausstattung der repräsentativen Gebäude so umfangreich und gut erhalten wie in Lüneburg.“ Das ist für mich ziemlich dicke aufgetragen, wenn ich mich in Europa so umschaue.

Die Kosten für eine Welterbe-Projektstelle werden zurzeit mit rund 200000 Euro auf drei Jahre kalkuliert. Und in der Begründung der Stadt heißt es weiter: “Trotz der relativ geringen Erfolgsaussichten der finalen Aufnahme auf die Welterbeliste, würde eine Bewerbung der Hansestadt Lüneburg zur Aufnahme auf die Tentativliste die Bedeutung des reichen kulturellen Erbes der Hansestadt unterstreichen und ins Bewusstsein rufen.“ Das klingt fast nach Beschäftigungstherapie.

Da sage ich mal: Lüneburg ist ein Traum, schon heute lieben die Touristen die Schöne von der Ilmenau. Die Mundpropaganda ist gewaltig. Denn hier wird niemand enttäuscht oder getäuscht.

Aber Lüneburg hat andere Sorgen, Lüneburg muss vielmehr aufpassen, dass diese wunderschöne Stadt im Wachstumsfieber nicht ihren Charakter verliert, nicht zuletzt, weil sie so beliebt ist, auch als Wohnort. Das nämlich ist er Teufelskreis, der dieser Stadt den Charme kosten könnte. Unterm Strich hatte der Oberbürgermeister 2012 recht. Lasst es.  

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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8 Antworten zu Lüneburg träumt weiter vom Titel Weltkulturerbe – trotz trüber Aussichten

  1. Petra Güntner schreibt:

    Tolle PR für Heiko Meyer? Ich wähle ihn nicht!

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  2. Joachim von Kienitz schreibt:

    Ich bezweifel, dass der Titel Weltkulturerbe nennenswert mehr Touristen in die Stadt bringen würde. Von einer Mitarbeiterin eines Hotels hörte ich jedoch, dass regelmäßig eine nahmhafte Anzahl Gäste jedes Jahr kommen, um sich die Drehorte von „Rote Rosen“ anzuschauen. Das erscheint mir viel entscheidender zu sein.

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    • Wolf Kirchmann schreibt:

      Joachim von Kienitz, ich bin zwar seit mei­ner Ju­gend nicht mehr Mit­glied der evan­ge­li­schen Kir­che, trotz­dem ist für mich die Mo­ral und E­thik des christ­li­chen Glau­bens eine wich­ti­gere Leit­li­nie als das Vermarktungserfordernis einer Fernsehschmonzette.

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      • Was hat der christliche Glauben mit Marketing zu tun? Dass „Rote Rosen“ nun mal ein Magnet ist hat nichts damit zu tun, ob ich die Serie gut finde oder nicht. Nein, die Serie ist öde, aber das ändert nichts an der Wirkung.
        Der schlimmste Fehler im Marketing ist, die eigenen Vorlieben, Wünsche, Einstellungen, Weltanschauung einfließen zu lassen.
        Außerdem geht es ja auch nicht darum eine Fernsehserie zu vermarkten, sondern Lüneburg. „Rote Rosen“ war auch nur der Aufhänger, dass den Normaltouristen vermutlich andere Dinge interessieren, als kulturelle Werte..

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      • Wolf Kirchmann schreibt:

        Sie meinen, der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler?

        Das Erlangen des Titels UNESCO-Weltkulturerbe hat aber auch Nachteile. Besonders in größeren Städten geraten die Vorgaben der UNESCO immer wieder in Konflikt mit der Stadtentwicklung – wie vor drei Jahren in Wien zu beobachten war. Wegen eines damals geplanten Wohnhauses von 66 Metern Höhe hat die UNESCO das Welterbe der Wiener Altstadt auf die Rote Liste der gefährdeten Stätten gesetzt – zum Ärger vieler Einwohner der Stadt, in der massiver Wohnungsmangel herrscht. Die Aberkennung des Dresdner Welterbe-Titels wegen des Baus einer Elbbrücke hat hierzulande für Schlagzeilen gesorgt, aber auch in Städten wie London, Sankt Petersburg, Riga, Barcelona und Istanbul haben Bauprojekte in den vergangenen Jahren heftige Kontroversen mit der UNESCO ausgelöst.

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    • sanderthomasgmxde schreibt:

      namhaft,da fängt es schon an…..

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  3. sanderthomasgmxde schreibt:

    tote Pferde zu reiten ist in LG eine beliebte Übung,

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  4. Hedwig Fischer schreibt:

    (A) Das Geld, Wahrheit und Anstand versenkende zinkplattengepanzerte Betonschlachtschiff der Leuphanatiker, (B) die in Sachen hanseatischer Kaufmannsvernunft, ökologischem Bauen und Behindertengerechtigkeit einmalige Multi-Dysfunktionsarena und (C) das unvergleichliche Netz jahrzehntelang verkommen vor sich hinrottender Fahrradwege in der klimabewussten Zukunftsstadt Lüneburg, …

    … das sind doch expressive Leuchttürme der fraglosen Gemeinwohlhumanität, die von gerechtem und tugendhaften Handeln im Sinne einer idealen „res publica“ ebenso zeugen wie von der großen Gedankenarchitektur, von den unverkitschen inneren Bildprogrammen und von den repräsentativ ausgestatteten Vorstellungsgebäuden ihrer Befürworter, die gleichsam die Avantgarde darstellen für so umfangreich und gut erhaltene Lebenslügen, wie man sie in Lüneburg findet.

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