Klage über monotone Innenstädte kommt spät

Lüneburg, 18. Februar 2021

Die Pandemie verbreitet nicht nur Angst und Schrecken, sondern auch Aktionismus. So beklagt der Städtetag jetzt in einem Positionspapier eingangs das monotone, austauschbare Straßenbild der Innenstädte. Man könnte auch sagen: Spätzünder.

So lobenswert die Forderungen zur Rettung der Innenstädte im Papier auch sind, so überbordend erscheinen sie, und sie riechen nach Bürokratie und erheblichen zusätzlichem Personal. Und wenn das Papier  „2021 – Schicksalsjahre der Innenstädte“ heißt, dann sei angemerkt: Die Schicksalsjahre haben schon viel früher begonnen.

Das Gesetz des Marktes
Schon lange wird das Gesicht der Innenstädte deformiert, von Konzern-Ketten zwischen Flensburg und Fürstenfeldbruck mit immer gleichen Filialen überzogen. Und die Räte und Verwaltungen haben es nach den Gesetzen des Marktes geschehen lassen. Wohl auch geschehen lassen müssen. Was jetzt doch an möglichen Eingriffen erwogen wird, dass scheint den Reglementierungen der Pandemie geschuldet. Das wäre noch vor kurzem als eine Art Verstaatlichung light auf Zeit angeprangert worden. Zumindest von den Liberalen.

In meiner Familie gab es noch im 19. Jahrhundert hier in Lüneburg Am Sande Transport-Unternehmer mit Pferden und Kutschern. Aber ich wüsste nicht, dass damals Zeitungsnotizen wie die folgende die Runde machten: „Das stationäre Kutschen-Gewerbe warnt vor dem weiteren Ausbau des Schienennetzes. Schon heute stehen Tausende Kutscher vor dem Nichts, Transport-Unternehmer müssen Konkurs anmelden, Tausende Pferde landen auf dem Schlachthof. Der Reichstag muss umgehend ein Sofortprogramm auflegen. Die Bahn muss gezwungen werden, eine Transport-Taxe zu entrichten, die den arbeitslosen Kutschern zugute kommt. Notfalls müssen Städte vorübergehend Kutschen übernehmen, um das Überleben zu sichern.“

Online als Ausnahme
Vor ein paar Jahren hatte vielleicht die Hälfte der Lüneburger Einzelhändler einen Online-Auftritt, meist spärlich und in schlichtem Design. Händler, bei denen man schon im Internet Ware bestellen konnte, waren an einer Hand abzuzählen.

Als der Lüneburger Kaufmannschaft damals an einem Beispiel vorgestellt wurde, wie man virtuell durch Lüneburgs Fußgängerzonen und durch ihre Läden flanieren könnte, wie man Waren im Regal ansehen, Preis, Beschaffenheit und Besonderheit erklärt bekommen und dann auch noch kaufen könnte, alles auf einer Lüneburger Plattform, da fand man die Idee schon vor Jahren ganz famos, irgendwie Zukunft, also erstmal reine Theoie. Dieses Denken rächt sich in der Pandemie-Krise. Jetzt pressiert es.

Das Dilemma wird bildhaft
Ein Gang durch Lüneburgs verwaiste Innenstadt zeigt heute, an welchem Schaufenster eine Internet-Adresse oder ein QR-Code pappt oder sogar der Hinweis auf die gemeinsame Plattform „shop-lüneburg“ und wo noch das Schild „Wir sind für Sie da, Telefon oder Fax-Nummer“ klebt. Das macht das Dilemma bildhaft.

Wir stehen nicht an einer Stunde Null, aber es ist Zeit für Goldgräber. Und da denke ich nicht an die Hauseigentümer in den 1A-Lagen, die bis vor kurzem auch für Nischen Monatsmieten verlangen konnten, als böten Sie Paläste an. Die fetten Jahre sind vorbei.

Der Handel ist schwer im Wandel und es ist noch schwerer zu sagen, was kommt. Nur soviel: Es ist das Morgen, nicht das Gestern.

Die Episode der Filialisten
Vielleicht waren die Filialisten, waren die großen Ketten eigentlich immer nur die, die aufs Internet und auf einen guten Platz in der virtuellen Geschäftswelt gewartet haben. Der Rest eine stationäre Episode, die auf ein paar Showrooms in der wirklichen Welt schrumpft. Und vielleicht, wenn sich die Vermieter bewegen, zeigen die Innenstädte mit Geschäften, wie es sie heute schon in den 1c-Lage Lüneburg florieren, ihr schönes und vielfältiges Gesicht wieder. Für so viel Individualität kommen die Hamburger noch lieber nach Lüneburg zum Bummeln.

Im Lüneburg haben nur die von Inhabern geführten Einzelhändel überlebt, die sich entwickelt haben. Die, die glaubten, es ginge immer so weiter wie gehabt, von Generation zu Generation, der große Rest also, ist längst in die Annalen eingegangen.

Man kann natürlich wie ein Kaninchen vor der Schlange „Amazon“ stehen und jammern, dann verliert man garantiert. Man kann sich aber auch abschauen, was die im Netz gut und richtig machen. Die Zukunft gehört den Mutigen, die brauchen Unterstützung. Aber wie das mit dem Wandel so ist, er gefällt nicht jedem, manche hängen dem Gestern nach, und der Weg zu den Sternen führt leider über spitze Steine.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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17 Antworten zu Klage über monotone Innenstädte kommt spät

  1. jj sagt:

    Beim Innenstadt-Dialog vor wenigen Tagen im Audimax hat Lüneburgs Marketing-Chef Lars Werkmeister noch vorgestellt, was zur Rettung der Innenstadt getan werden müsste. Jetzt hat er gekündigt, nach nicht mal zwei Jahren. Das Marketing-Chef-Karussell dreht sich munter weiter. Am Abend des 30. März gab die Stadtpresse folgende Mitteilung raus:

    Marketing-Chef gibt Leitung der LMG im Juni aus familiären Gründen ab

    HANSESTADT LÜNEBURG. – Der Geschäftsführer der Lüneburg Marketing GmbH, Lars Werkmeister, wird seine Position nach nur zwei Jahren aufgeben. Das hat Werkmeister dem Aufsichtsrat heute (30. März 2021) mitgeteilt. Der 38-jährige gab familiäre Gründe für die Kündigung an. Die Ehefrau Werkmeisters und die beiden kleinen Kinder leben in Nordrhein-Westfalen. Lars Werkmeister hat die Geschäftsführung der LMG zum 1. Juni 2019 übernommen.

    Die Aufsichtsratsvorsitzende der GmbH, Gabriele Lukoschek, bedauert das Ausscheiden des Geschäftsführers. „Lars Werkmeister hat in den zwei Jahren seiner Tätigkeit für die LMG verlorenes Vertrauen in die Marketinggesellschaft zurückgewonnen und einen ambitionierten Prozess der Neuausrichtung gestartet. Dabei wurde er von den Gesellschaftern und großen Teilen der Stadtgesellschaft sehr gut unterstützt. Er hatte zu jedem Zeitpunkt das volle Vertrauen des Aufsichtsrates.“

    Lukoschek bedauerte, dass es nicht gelungen sei, den hohen Zeiteinsatz und die Präsenz vor Ort, die für die Position an der Spitze der Lüneburg Marketing unabdingbar sind, mit den Anforderungen einer jungen Familie und zwei Wohnsitzen zu verknüpfen. „Gemeinsam mit Herrn Werkmeister haben wir in den vergangenen Monaten verschiedene Arbeitszeitmodelle diskutiert, aber leider keine für beide Seiten tragfähige Lösung gefunden“, sagt die Aufsichtsratsvorsitzende.

    Lukoschek kündigte an, dass man in den nächsten Tagen gemeinsam mit dem Geschäftsführer ein Ausstiegsszenario erarbeiten werde. Dazu gehöre es, die noch zu erledigenden Aufgaben zu definieren, die Übergabe zu besprechen und einen konkreten Beendigungszeitpunkt festzulegen. Dieser werde voraussichtlich im Juni liegen. Zugleich müsse ein Verfahren für die Neubesetzung der Geschäftsführerposition angeschoben werden.

    Weitere Einzelheiten wird die Hansestadt in den nächsten Wochen nach Abschluss der Vorbereitungen mitteilen.

    Hintergrund
    Die LMG hat insgesamt neun Gesellschafter, die Hansestadt Lüneburg ist Hauptgesellschafter und stellt zugleich den Vorsitz im Aufsichtsrat der LMG.

  2. jj sagt:


    Prof. Dr. Thomas Krüger sprach über die Rettung der Innenstädte beim Dialog im Audimax, Oberbürgermeister Ulrich Mädge, hier mit gebotenem Abstand, unter anderem über Aktionsprogramme.

    Den Geist der Innenstadt wachrütteln, damit Lüneburg nicht zur Geisterstadt wird.

    „Da ist was los, da muss ich hin.“ So knapp skizzierte Prof. Dr. Thomas Krüger von der Hafencity Uni einen Rettungsplan für Innenstädte bei Lüneburgs erstem Innenstadt-Dialog im Audimax. Damit aber was los ist, muss sich Lüneburg ins Zeug legen, denn die Innenstadt leidet nicht erst seit der Pandemie. Im Grunde ist sie schon länger ein „Pflegefall“, es hat nur kaum einer bemerkt. Jetzt ist Eile geboten, dem Patienten geht es deutlich schlechter. Und weil viele Akteure mitspielen, bleibt es nicht bei Adhoc-Programmen, sondern auch ein Masterplan muss her, ein Innenstadt-Mangement, damit auch wirklich was los ist, wenn Lüneburg die Reset-Taste drückt.

    Allerdings wird das Feld der Zukunfts-Initiativen in Lüneburg noch etwas unübersichtlicher. Ein Innenstadt-Management unter dem Dach der Marketing GmbH ist eingebettet in ein komplexes Netzwerk: Es läuft gerade mit eigenem Team die Zukunftsstadt „Lüneburg 2030+“ mit 15 Experimenten, dazu das aufwändige Stadtentwicklungskonzept mit Leitbild. Beides ist eng an die Stadtverwaltung geknüpft. Das schränkt auch die Beinfreiheit ein. Dann ist da die Wirtschaftsförderungs GmbH, kleinere Interessengruppen mit meinungsstarken Multiplikatoren und nicht zu vergessen das Lüneburger Citymanagement. Da braucht es einen starken Dirigenten, um ein furioses Konzert und nicht Kakophonie für Lüneburg zu erzeugen. Angesichts drohender Reibungsverlusten fragte beim Dialog im Audimax schon Roy-Robson-Boss Heiko Westermann: Warum haben wir ein Lüneburg City Management und eine Marketing GmbH? Und ohne Frage droht angesichts des Koordinations-Aufwands auch die Gefahr, dass man in der Etappe stecken bleibt.

    Immerhin 309 Einzelhändler, 114 Gastronomen, 74 Dienstleister und jede Menge Kulturschaffende bevölkern die Innenstadt, weiß Marketing-Chef Lars Werkmeister. Woran es fehlt: An Menschen, die auch in der Innenstadt leben, damit sie nach sieben Uhr nicht wie ausgestorben brachliegt. Das ist das Manko von Fußgängerzonen und Filialisten.

    Warum besuchen Sie Lüneburg?
    Prof. Krüger warnte davor, Straßenzüge sich selbst zu überlassen. Leerstand ist das Stigma einer sterbenden Einkaufsstraße, „die kriegen sie nie wieder hoch“. Gefragt sind deswegen auch Zwischenlösungen, Anschubfinanzierungen, Popup-Stores, so eine Art Eintagsfliegen des Handels, mehr Startups in der Innenstadt, ja Erwerb von Immobilien durch Kommunen und eine Taskforce, „sonst geht das in die Hose“. Und er fragt sich, warum öffentliche Einrichtungen wie Theater, Museen oder auch die Universität nicht tagsüber mit Angeboten direkt in der Innenstadt präsent sind.

    Zu Beginn der Amtszeit von Oberbürgermeister Ulrich Mädge stand Lüneburg vor einem dramatischen Wandel: Drei Kasernen wurden geschlossen, Tausende Soldaten abzogen. Heute sind in der Lüner- und der Schlieffenkaserne Wohnen und Gewerbe angesiedelt und die Scharnhorst-Kaserne ist heute Universität. Gelungene Konversion. Am Ende seiner Laufbahn steht Mädge wieder vor einem dramatischen Wandel: mehr Online-Handel, weniger Shopping in der Stadt. In der Metropolregion seien nach Schätzungen 65 Prozent der Geschäfte von Schließungen bedroht sind, sagt Mädge.

    Innenstadtmanagement, Beirat oder Adhoc-Hilfen, schon im März will Mädge ein Aktionspaket im Stadtrat verabschieden. Und eine Berater, der das Innenstadt-Management auf den richtigen Kurs bringen soll, ist auch schon benannt. De facto bedeutet dieser Schritt aber, überspitzt formuliert, auch eine Bagatellisierung des bestehenden Citymanagement der LCM. Kein Wunder, dass LCM-Boss und OB-Kandidat Heiko Meyer nicht auf dem Podium stand.
    Das Aktionspaket für Lüneburg

    Auch auf die Vermieter kommen Einschnitte zu. Prof. Krüger geht davon aus, dass sich die Hauseigentümer in der Innenstadt auf 20 und bis zu 30 Prozent Mietreduktion einstellen müssen. „Die Zeiten, in denen Vermieter alle zehn Jahre einen neuen und höher dotierten Vertrag abschließen, sind vorbei.“

    Die Statements von Händlern und Gastronomen beim Dialog waren überraschend ohne Lamoryanz, die würden sich über einen schöneren Platz Am Sande ohne Verkehr, aber mit Cafés freuen würden. PS: Was ist eigentlich mit dem Marktplatz und dem Ratskeller?

    Den Punkt setzte Axel Bornbusch von der „heiter & wolkig GmbH“, er ist ein kreativer Kopf der neuen und jungen Generation in Lüneburgs Innenstadt-Szene. Hinter der GmbH verbergen sich unter anderem Schröders Garten, Salon Hansen, Hausbar und das TO HUUS. Bornbursch sprach in Bildern, bediente sich der Fruchtfolge und resümierte: „Lüneburg ist ein starker Nährboden.“ Und das wachsen bei Bornbusch schon längst neue Ideen, nur der Konsum steht dabei nicht immer an erster Stelle. Da stehen Charakter und Charme. Dann steht alles zum Guten dafür, dass der Geist der Innenstadt wach bleibt und Lüneburg nicht zur Geisterstadt wird.
    Hans-Herbert Jenckel
    Prof. Dr. Thomas Krüger macht Lüneburg Hoffnung.

    • Was qualifiziert Journalist Christoph Steiner für den Posten eines Innenstadtmanagers? Hat er Stadtplanung studiert und bringt entsprechende Berufserfahrung mit? Wurde die Stelle überhaupt ausgeschrieben? Was waren die Kriterien für seine Wahl?
      Wenn jemand ernsthaft krank ist, braucht er einen Arzt. Ein Platz zum Ausheulen ist zwar auch immer gut, bekämpft aber nicht die Ursache der Krankheit. Und einen Fachfremden mache ich auch nicht zum Leiter der qualifizierten Angestellten.
      Kümmern ist zwar eine unheimlich nette Geste, managen bedeutet aber mehr. Bitte nicht falsch verstehen: Christoph Steiner kennt sich im Bereich Medien sicher hervorragend aus und hat erfolgreich eine Zeitung gemacht, bis er in Rente ging. Davor habe ich großen Respekt.
      Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwas riecht hier seltsam. Möge ich mich täuschen und positiv überrascht werden.

  3. Detlev Schulz-Hendel sagt:

    ja das Klagelied kommt spät, aber solange in der Politik der mögliche Wegfall von Parkplätzen defizitorientiert geführt wird, frei nach dem Motto es wird was ganz schreckliches passieren, wenn Parkplätze wegfallen, solange wird sich im Gesamtkontext nichts ändern. Wir brauchen im Innenstadtkern keine dreckigen Dieselbusse, die ihr Runden drehen und sich durch die engen Straßen quälen. Wir brauchen deutlich mehr Platz für einen Erlebnisraum Innenstadt, d.h. mehr Platz für Aktionen, Bühnen, Außengastronomie, Wohnen aber auch vor allem auch Kleinkunst und Kultur. Natürlich muss auch der regionale Handel digital gestärkt werden. Ich habe vor kurzem mit einem stadtbekannten Einzelhändler in Lüneburg gesprochen. Seine Aussage eindeutig: wir brauchen keine zusätzlichen Öffnungszeiten, sondern Kultur und Kleinkunst, kombiniert mit dem Handel. Aber schon die Diskussion über unseren grünen Antrag auf einen Shuttle Busbetrieb mit alternativen Antrieben hat beim OB hektische Flecken verursacht. Frei nach dem Motto: funktioniert doch alles nicht, wollen wir nicht etc. Da müssen wir wohl noch eine Weile auf den grundlegenden Personalwechsel im Rathaus warten, um dann mit neuen Ideen und Konzepten, die natürlich auch Mut brauchen, durchstarten.

  4. Andreas Janowitz sagt:

    Im Prinzip läuft für alle Einzelhändler jetzt die Karstadt-Saga: die Immobilienpreisen sind sind absurd, befeuert von Deregulierung und billigem Geld von …überall. EZB: 0%,Fed: 0% und weil der Fianzmarkt völlig losgelöst von der realen Welt irgendwo investieren muss explodieren die Preise. Ulkig finde ich die Warnmeldungen von der 3% Inflation dieses Jahr: schonmal die Mieten angesehen?! Vom Hörensagen weiss ich das in Reppenstedt ~750€ warm für eine drei Zimmerwohnung (70qm) berappt werden müssen? In Reppenstedt. Bei den Bodenpreisen ist die Preisinflation 100% in den letzten 10 Jahren? Selbst Bauern müssen regelmässig ihre Ackerflächen neu pachten und somit -oh wunder- mehr bezahlen. Da beeindrucken mich die Krokodilstränen einer gewissen Ministerin überhaupt nicht. Wesswegen flennt die alte doch grad? Ach ja die armen Ferkelzüchter. Nicht „zufällig“ Eigeninteresse in Reinstform. Das Landwirte den gepachteten Boden vorsätzlich degradieren lassen, weil sie eben nicht wissen ob die nächste Preiserhöhung die letzte sein wird kümmert die Dame natürlich überhaupt nicht. Ebensoweinig die Nitratschwemme oder wie man LPG Nitatbelastungen der Böden vermeiden könnte. Die Dame bekämpft keine Ursachen, sondern will Subventionen für ein „Weiterso, denn das ist mein Geschaftsmodel“.

    Die Gastronomen haben immerhin noch ihr Geschäftsmodel. Bei den Einzelhändlern wird´s schwierig. Schonmal jemand über Transportversicherungen, Containermieten oder entsprechende Logistik nachgedacht? Das wird die IHK wohl bieten können. Oder Verkaufen die auch nur heisse Luft in Tüten? Denn das ist was Amazon allen auf seiner Plattform „tätigen“ de facto Angestellten bietet. Gegen diese Einkauftsmacht wird jeder Einzelkämpfer verlieren müssen. Zumal Amazon Steuervermeidung perfektinoniert hat? Sogar Werbetreibende sog. „Influencer“ preisen die Steuerflucht neuerdings als „Geschäftsmodel“?

    Die explodierenden Containerpreise beweisen gerade wie die globale Transportkette zum Zwischenlager mutiert ist. Aber Cargo-Cap als neumodernes Flusslager ist ja völliger Quatsch, sowieso nur Spinnerei und keine konsequente Zergliederung der Transportkette vom Container zur Europalette. Geben wir uns besser weiter buchalterischen Spagat hin und geben vor die kaputtgefahrenen Strassen müssten nicht Teil der Produktkosten sein, denn für Cargo-Cap müsste man ja Maut zahlen.
    Wundern wir uns also auch in Zukunft über Hochregallager auf der grünen Wiese, Verpackungsmüllberge und museenhafte Innenstädte. Seht her Kinder so haben wir früher die Saturnalien begangen! Und wenn ihr dem zufallsreichen Onkel-Oligarchen ganz lieb hinten reinkriecht dürft ihr auch heute noch bestellen.

  5. Wolf von Nordheim sagt:

    Lebensort Innenstadt STATT Kaufhaus Lüneburg

    Nachfolgend in Steno meine Begründung im Rat, warum wir als grüne Stadtratsfraktion Geld für ein Planungsbüro für „Lebensort Innenstadt“ beantragten (abgelehnt bei Haushaltsbeschluß), aber Kandidat Meier hat eifrig mitgeschrieben…
    Bei Bedarf kann ich dies alles ausführlich„bebildern“.
    ———Lebensort Innenstadt STATT Kaufhaus Lüneburg——
    1. Ehem. Wohn-/Diensträume über Gewerberäumen wieder nutzbar machen (Nachfrage nach Wohnraum steigt, die nach Einzelhandelsflächen sinkt)
    Wohnraum auch unter den alten Dächern
    Neue Nutzung: z.B „Gewerbe airbnb,“;
    Schreibtisch, WLAN u. Klo+Dusche reichen für Klein- und Kurzzeit-Büros; für Home office NICHT zuhause. Bahnhofsnähe = kein PKW-Stellplatz.
    2. Kultur in die Stadt:
    a.Histor. Stadtführungen in Kleingruppen, Szenen spielen lassen-Mitarbeit der Theaterleute.
    b.Straßentheater, Proben oder Teilaufführungen des Theaters
    c.Straßenmusik, Wettbewerb ausschreiben, koppeln mit Tourimusangebot
    d.Nicht (nur) ein riesen Sülfmeisterspektakel, sondern ca.alle zwei Monate im Freien Jux- u.Wettspiele im Kleinformat
    3. Soziale Einrichtungen in die Altstadt (dank Stiftungen gibt’s schon viel!):
    a. eine StadtKiTa (so wie es 5-6 WaldKiTas gibt)
    b. Betreutes Wohnen in ehem.Geschäftshaus
    c. Tagespflege für Demenz-Erkrankte
    d. Ein Tagestreff für Wohnsitzlose (funktioniert seit Jahrzehnten in Uelzen)
    e. Anlaufpunkt der Migrationsarbeit
    4. Ein Stadteilhaus für die Innenstadt (zusätzlich zu Mosaiqu)
    5. a. Handwerk neu ansiedeln (mit geringem Materialfluß, aber hoher Wertschöpfung – ideal: Dentallabor, Goldschmiede): viele Handw.-Hinterhöfe sind noch da.
    b. Reparaturwerkstätten (EU: Zukünftig Recht auf Reparatur gekaufter Produkte)
    c. Repaircafes
    6. Zusätzlich zum Markt:
    a. Stadt-Land-Partnerschaftsmarkt (gibt’s in BaWü in jeder Stadt)
    b. Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften
    c. Landschlachtereien in Kooperation mit städt.Schlachthof
    7. a. Beratungs- und Bestell-Läden (gibt’s zB. in Hannover in der1 A-Lage Georgstrasse), auch Rückgabepunkt bzw. Klärung von Reklamationen. Anbieter zahlen für die Präsentation ihrer Produkte.
    b. Pop-up-Läden wie in Bremen: Versuchsgeschäfte mit kurzer Mietdauer (Geschäfte von Stadt gekauft/gepachtet)
    c. (Kleine) Präsenz-Büros von (großen) z.B.Architeken-Arbeitsbüros auf dem Land
    8. für Fahrrad/Kinderwagen/Rollator/Rollstuhl/ ältere Fußgänger:
    Strassenquerungen mit gesägtem Kopfsteinpflaster; evtl. auch 1Meter breite Längsstreifen für Fahrrad/Lastrad
    Noch nicht im Angebot: Kippsichere Dreiräder (großer Korb auf Hinterachse) für Ältere mit Sturzangst/Kreislaufproblemen
    9. Mehr Grün: (Zusammenarb.+Monitoring mit Uni!) Dach-u.Fassadenbegrünung(gibt schon kleines Förderprogramm), Bäume oder hochwachsende Sträucher in Hinterhöfen/an Straßen/auf Parkplätzen/an Haltestellen/ als niedrigere Hecken zur Parkplatzaufteilung oder Zaunersatz
    10. Erhitzung dämpfen:
    a. Prioritär Kühlung von Sozialeinrichtungen! am besten PV-gespeist.
    b. Nord-Süd-Straßen u. Plätze beschatten
    c. PV als Beschattungselemente auf Parkplätzen/vor Geschäften u.Behörden/für Sitzgruppen /Spielplätze/KiTas //aufgehängt statt Sonnensegel mittig über Bäcker-/Schröderstr.
    11. Sammel-/Verwaltungs-Agentur für kommunal(s.o.) erzeugten Strom für soziale u. kommunale Einrichtungen; Kompensierung des Stromverbrauchs von EDV, E-Bike-Lade etc.
    12. 1, 2, 3, viele Wasserspiele (nicht nur vor Handw.Kammer) viele Trinkbrunnen
    und mehr öffentl. Toiletten.
    13. Sport mit Jux in die Stadt: Wettangeln an der (durchgängig gemachten) Ilmenau/ Beachvolleyball auf dem Markt/Basketball wo immer es geht/öffentliches Kajakrennen auf Trainingsstrecke/Kopfstein-Fahrradrennen
    14. Vision: ein drei Meter breiter Sandweg mitten auf dem Sande, links und rechts von Bäumen gesäumt, zwischen ihnen Sitzgruppen, mehrere kleine Kinderspielplätze, irgendwo auch ne Boule-Bahn; links und rechts je eine Fahrspur für die fahrerlosen elektrischen Kleinbusse, die vom ZOB zum Sande pendeln – die nicht stören, weil man sie nicht hört oder riecht…

    • Otto Berg sagt:

      Zu Punkt 12:

      Die Wasserspiele sollten kindgerecht und nicht als lebensgefährliche Stolperfalle angelegt sein, etwa indem, wie auf dem Platz vor der IHK bereits begonnen, ein rechteckiges und nahezu ebenerdiges Fontänenfeld mit scharfkantigen, spitzeckigen Sitzwürfeln aus Granit bestückt wird, die auch dann zu tödlichen Verletzungen in der mittagssonnenbeschienenen Glitschwasserglätte führen können, wenn die Quader hübsche Glasperlen erhalten, die reflektieren, sobald sie in der Dunkelheit angestrahlt werden: https://www.landeszeitung.de/lokales/198018-erste-vorbereitungen-fuer-das-wasserspiel-am-sande/

    • Andreas Janowitz sagt:

      2d./13. Ich hätte hier gerne noch die Dollerrei, die Gaudi kann bleiben wo der Hopfen wächst. Ein wenig mehr Lokalkollorit kann man ruhig drüber wienern- nicht das ich den Hopfen nicht schätzte…

    • ezwoh sagt:

      Viele gute Ideen – bis auf den Radverkehr. Wieso hinter das zurückfallen, was als beschlossenes Konzept schon vorliegt? Es gibt jetzt schon das zweite Radverkehrskonzept = 2015-2025+ (das erste – 2005-2015). Darin kann man nachlesen, das Pflaster und Radverkehr nicht zusammenpassen. Wenn der Ruf nach Lastenrädern kein hohles Geschwätz sein soll, braucht man schon ohne Überholmöglichkeit mindestens 1,5 m Breite Radverkehrsanlagen mit ebener Oberfläche. Lastenräder, aber auch Kinderanhänger sind 1 Meter breit. Fahrräder laufen nicht auf Schienen, schwanken immer einige Dezimeter hin und her. Die Oberfläche kann wie An den Brodbänken aussehen. Gesägtes Pflaster geht nur dann, wenn die Fugen mit Bitumen vergossen werden. Sonst werden die Fugen in wenigen Wochen von den Kehrmaschinen ausgekehrt. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Pflastersteine sich unter der Last von LKW und Bussen verkanten.

  6. Ralf Gros sagt:

    Ich kann mich daran erinnern, dass die SPD-Fraktion vor über 20 Jahren zu einer öffentlichen Fraktionssitzung zum Thema „Die Zukunft der Innenstadt“ in die IHK einlud. Unter den Bürgern sassen auch Vertreter der Wirtschaftsverbände, so manch bekannter Immobilienmakler und
    Vertreter der damaligen Werbe- und Parkgemeinschaft. Zu meinem großen Erstaunen, dreht sich die Zukunft der Innenstadt vor allem um die Frage, ob der Parkraum ausreichten würde. Ich äußerte meine Verwunderung über diese einseitige Diskussion, denn schon damals waren die meisten der heutigen Probleme bekannt. Beklagt wurden die zu hohen Ladenmieten und der drohende Leerstand abseits der 1a-Lagen. Aber auch die heute hier diskutierten Lösungsansätze zeichneten sich schon ab. So äußerte der ALA, wie wichtig es sei, dass wieder mehr Menschen in der Innenstadt wohnen mögen. Er wies darauf hin, dass in vielen Häusern durch die Ladengestaltung und fehlenden Treppenhäuser, eine Wohnungsnutzung der oberen Etagen vielfach nicht mehr möglich sei und diese Etagen daher vielfach leer stünden. Es ist schon erschütternd festzustellen, dass es immer noch eine Mehrheit im Rat dafür gibt, die meinen, mit Rezepten von vorgestern eine Wirtschaftsförderung zu betreiben, deren Halbwertszeit schon abgelaufen ist, wenn Sie öffentlich verkündet wird.

    • Sebastian Balmaceda sagt:

      Wie wahr. Vor Jahren gab es eine Reportage über den Bereich Neuer Wall, ABC-Straße etc. in Hamburg. Dort lebten weniger als 50 Menschen.

  7. Sebastian Balmaceda sagt:

    Wer jetzt nach dem Staat ruft, sollte sich im Klaren sein, dass der Staat irgendwann zurückruft. Es bringt nichts, heute die Mieten von Morgen aus Steuergeldern zu bezahlen. Dieses Geld wird für die Stadtgemeinschaft im Ganzen benötigt.
    Es bringt aber etwas, als Staat/Stadt kreative Prozesse zu begleiten, die Händler*innen zu unterstützen, die Ideen für die Belebung der Einkaufsstraßen haben.
    Das „Kaufhaus Lüneburg“ klingt nett, ist aber out. Ein Kaufhaus schießt im spätestens 19 Uhr. Ziel sollte es aber sein, die Innenstadt auch außerhalb der Öffnungszeiten interessant zu machen — und das nicht nur mit Gastronomie.
    Es muss Spaß machen, in die Stadt zu kommen: Zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus, mit der Bahn, mit dem Shuttlebus vom Parkhaus. Um dann dort etwas zu erleben, anzufassen, zu hören.
    Lüneburg kann mehr als Giebel.

  8. Klaus Bruns sagt:

    das outlet-center aus soltau lässt hiermit allen anwesenden online grüßen. schmunzeln.

  9. Ulf Reinhardt sagt:

    Das schöne Kutscherbeispiel zeigt, dass Marktwirtschaft und Strukturwandel zu früheren Zeiten offensichtlich besser verstanden wurde als heute.

    Denn heute bläst sich gleich eine sich völlig selbstüberschätzende Politik auf, berichtet von weinenden Gewerbetreibenden und verspricht für die Steuerzahler unbezahlbare Lösungen.

    Diese Lösungen sind nichts anderes als populistische Wahllversprechen, welche nebenbei einen längst überfälligen Strukturwandel verhindern wollen.

    Einen Strukturwandel hin zu vielfältigeren Innenstädten jenseits eines mumifizierten Kaufhaus Lüneburg wird es nur durch neue Geschäftsideen von Bürgern und Gewerbetreibenden geben, wenn diese auf Vermieter treffen, welche sich für attraktive Ladenflächen statt mit den üblichen 60-80 Euro mit 10 – 15 Euro Miete je Quadratmeter zufriedengeben.

    Und dafür braucht es keinen Staat und keine Kommune, die mit Steuergeldern als Zwischenmieter auftritt. Die öffentliche Hand sollte sich hier vielmehr auf Ihre Verantwortung besinnen, mit einer aktiven Verkehrspolitik ÖPNV, Fahrrad- und Fußgängertauglichkeit der Innenstädte sicherzustellen.

    Erst mit der letzten gescheiterten Wirtschaftsförderung, dem keine zwei Tage währenden Budenzaubers als Weihnachtsmarktersatz, hat zumindest die Hansestafdt Lüneburg gezeigt, dass sie es mit derartigen Aktionen maximal zu einer Berichterstattung in der Bildzeitung bringt.

  10. ezwoh sagt:

    Leider sind die kundenorientierten Händler in Lüneburg nur noch mit der Lupe zu finden. Inhabergeführte Geschäfte sind weitgehend aus der Innenstadt verschwunden. Solange ich mir vergeblich die Hacken ablaufen kann, um ein gewünschtes oder gar benötigtes Produkt (Tonerkartusche für meinen Laserdrucker) zu bekommen, ist nicht der Onlinehandel schuld. Solange ich als Wunsch nach einem Produkt die Antwortet „das ist nicht gelistet“ bekomme, geht es diesen Ladeninhabern noch viel zu gut.
    Dass es auch anders geht, kann man beispielsweise in einem traditionsreichen Lebensmittelgeschäft am Sande sehen. Da bekommt man Produkte, die man auch in x-mal so großen Läden vergeblich sucht. Da hilft es, einfach mal den Chef zu fragen, ob er nicht ein bestimmtes Produkt ins Sortiment aufnehmen kann. Da werden schon seit vielen Jahren Einkäufe nach Hause geliefert. … Oder ein Haushaltswarengeschäft in der Rosenstraße, wo man ziemlich sicher sein kann, im Sortiment nur qualitativ hochwertige Produkte angeboten zu bekommen – eine qualifizierte Beratung gibt es dort obendrauf.
    Das nenne ich kundenorientiert.
    Dass die von Ketten dominierte Bäckerstraße bald eine leere Wüste sein könnte, kann ich nicht bedauern. Da hat Lüneburg-Marketing anscheinend jahrelang geschlafen.
    Staatliche Subventionen verfehlten Wirtschaftens sind mit Sicherheit keine Lösung. Die Pferdedroschkenunternehmen wären auch mit staatlichen Subventionen auf Dauer nicht am Markt geblieben.

  11. Ronald Orth sagt:

    Hallo Herr Jenckel,
    danke für die Infos. Um die etwas ideenarmen, ausschließlich an wirtschaftlichen Interessen orientierten und ökologisch unterbelichteten Forderungen um eine zukunftskompetente und wirklich wirksame Maßnahme aufzuwerten, braucht der Städtetag nur ein paar Kilometer über den eigenen Tellerrand schauen:

    https://radentscheid-lueneburg.de/es-geht-auch-anders-fahrradstadt-groningen/

    Die Nachbarn machen es vor.

    viele Grüße
    Ronald Orth

  12. Das alles kommt ja nun keineswegs unerwartet. Ich habe in meiner Haushaltsrede im Rat vor Weihnachten auf genau diese Probleme hingewiesen und Mittel für ein Innenstadtkonzept beantrag. Leider vergeblich weil die anderen Parteien das für nicht nötig oder sinnvoll hielten. Hier der Ausschnitt aus der Rede:

    Die Welt, Europa, unser Land und damit natürlich unser unsere Stadt befinden sich in einer schwierigen Situation, viele sprechen von der größten Herausforderung seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Ein kleines Virus hat Wirtschaft und Gesellschaft fest um Griff und zwingt Systeme zu, zumindest vorrübergehenden, Änderungen und Veränderungen wie es Politik so selber nie vermocht hätte. Die meisten Menschen wünschen sich ein möglichst schnelles Ende der Pandemie und die Rückkehr zum Gewohnten.

    Das wird nicht passieren. Es gibt kein zurück. Corona hat die Welt nachhaltig verändert und einige dieser Veränderungen werden dauerhaften Bestand haben. Da gibt es solche, die wir überwiegend positiv sehen wie z.B. mehr Nutzung von Homeoffice und einen Schub für die Digitalisierung. Aber es gibt auch Bereiche in denen Corona zu Veränderungen führt die von vielen nicht gewünscht und sogar gefürchtet sind. Corona wirkt an manchen Stellen wie ein übergroßes Brennglas, welches Veränderungen die bereits begonnen hatten erheblich beschleunigt. Aus einem kleinen Glimmen wird so schnell ein großes Feuer. Dieses Feuer wütet im Einzelhandel überall in Deutschland. Aus der Sorge um Ansteckung haben viele Menschen erstmals den Onlinehandel genutzt und viele sind bis heute dann auch dabeigeblieben, werden da möglicherweise auch künftig. So wie es nach der Pandemie ganz sicher auch weiter mehr Homeoffice Nutzung geben wird als zuvor werden auch die Veränderungen Einkaufens und damit die Auswirkungen auf den Handel in Deutschland zu gewissen Teilen dauerhaft sein. All dieses hatte ohnehin längst begonnen, darüber muss man sich im Klaren sein. Corona hat diesen begonnenen Prozess, gewissermaßen exponentiell, beschleunigt und führt nun zu Verwerfungen die, hätten sie langsamer stattgefunden nicht so deutlich zu Tage getreten wären.

    Kurzum wir werden mit diesen Veränderungen leben und vor allen Dingen umgehen müssen. Je schneller desto besser.

    Eine zweite Veränderung ist der Paradigmenwechsel. Die Tempel des Konsums erfüllen nicht mehr die ihnen zugewiesenen und zugedachten Funktionen. Tempel, also Kultstätten sind oft überraschend funktional. Der neue Kult heißt in weiten Teilen kommender Generationen aber auch im mittlerweile im durch Wertewandel veränderten Bewusstsein der jetzigen nicht mehr: „billiger, schneller, mehr, schöner, weiter.

    Die Geschichte hat nachdrücklich gezeigt die neuen Kulte und Religionen bauen sich ihre neunen Tempel. Wo das nicht passierte wurden die Tempel der alten Kulte auch einfach umgewidmet und dann weiter genutzt.

    Bezogen auf den Einzelhandel, auch und gerade in unsere Stadt, sind wir nun gefordert daran mitzuarbeiten, dass es nicht nur diesen einen neuen virtuellen Tempel des Onlineshoppings geben wird.

    Dafür bedarf es Veränderungen
    Die Lüneburg Innenstadt ist das pulsierende Zentrum unseres Landkreises mit Strahlkraft weit in die Region hinaus. Hier konzentrieren sich vielfältige Nutzungen, hier verdichten sich private und öffentliche Aktivitäten. Die Innenstadt ist zwar nicht die geografische Mitte des Oberzentrums Lüneburg aber doch ein gemeinsamer Bezugspunkt mit großer identitätsstiftender Wirkung. Unsere Innenstadt ist die Bühne für das Gesellschaftsleben der Bürgerschaft, sie ist zentraler Geschäfts- und Handelsstandort, bedeutendes kulturelles Zentrum und nicht zuletzt Wohnort und Arbeitsplatz. Unsere Innenstadt ist aber auch die Visitenkarte der Stadt. Sie prägt doch auch in Teilen das Image einer ganzen Region nach außen mit.

    In Anbetracht dieser Vielzahl von Anforderungen an die Innenstadt und des sich daraus natürlich erwachsenden Konfliktpotenzials ist es dringend und zwingend geboten, parallel zu den innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekten und unserem Stadtentwicklungsprogramm, zu 2030+, die Entwicklung der Innenstadt in Gänze zu betrachten und die stadtplanerischen Ziele für diesen Bereich regelmäßig fortzuschreiben. Wir wollen und müssen neue Wege zur Reurbanisierung der Innenstadt und Aufwertung der öffentlichen Räume beschreiten.

    Wie gesagt, der Einzelhandel ist – auch bedingt durch das Online-Shopping – seit Jahren im Strukturwandel. Die Beschleunigung dieses Prozesses, kann für die gewünschte urbane Nutzungsmischung in der Stadt durchaus positive Wirkungen haben – auch in Lüneburg.
    Der Terminus vom „Kaufhaus Lüneburg“ beschreibt insbesondere für die 1a-Laden in erster Linie eine Monostruktur, die nach 19 Uhr dazu führt, dass sich die Straßen komplett leeren. Denn die in den letzten Jahrzehnten stetig gewachsenen Einzelhandelsmieten, die in Lüneburg bis zu 90 Euro je Quadratmeter erreicht haben, machen es für die Eigentümer unattraktiv die oberen Geschosse dieser Innenstadtimmobilien mit Leben zu füllen. Das wird sich nun wohl ändern und bietet Chancen für die Stadt.

    Unsere Innenstadt braucht dafür dringend ein neues Konzept, vielleicht so: Statt einer Kultur der Größe möchten wir eine Kultur des Kleinods und der liebevollen Besonderheit entwickeln. Die Innenstadt wird zu einem urbanen Erlebnispfad, in dem es zum Vorhandenen die unterschiedlichsten Angebote und Geschäfte gibt. Vom kleinen (Kunst)Handwerksbetrieb über Tauschgeschäfte, Repairläden, Kunstateliers, Galerien und 3-D-Druckerläden bis zu Bürgertreffs und Kindertobeländern, …. Der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Die Straßen sind keine Straßen im bisherigen Sinne, sondern Wege mit viel Grün und vielen Ecken und kleinen Plätzen, die dann auch die herausragende Architektur würdigen können. Es kann unterschiedliche Märkte geben an verschieden Orten und zu verschiedenen Zeiten.

    Mit dem Innenstadtkonzept 2022 setzen wir nun einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einem nachhaltig urbanen Zentrum für eine prosperierende Region. Für den Haushalt 2021 beantragen wir 80.000 Euro für den Einstieg in das Innenstadtkonzept.

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