Vom Glück, in Lüneburg zu leben

Lüneburg, Ostern 2021

 

Vor 45 Jahren vergriff sich die Abrissbirne an der alten MTV-Turnhalle am Handwerkerplatz. Sie war dem wachsenden Autostrom im Weg. Niemand würde heute Hand an die Halle mit seinen beiden Türmchen legen. Sie konturierte die Ecke, und sie war zudem historisch aufgeladen. Es war und ist eine der größten Sünden an Lüneburgs Stadtbild – neben dem Abriss des Badehauses im Kurpark. Da hat sich doch mittlerweile ein gewaltiger Bewusstseinswandel vollzogen.

Hauptsache neu
In jener Zeit nicht weit vor unserer Zeit war Wachstum das goldene Kalb und gleichbedeutend mit Wohlstand. Das Neue schlechthin war in Mode und Denkmalschutz noch keine Macht, sondern was für Insider. In dieser Zeit hat sich Lüneburg mannigfach am Stadtbild versündigt.

Schülerinnen gehen auf die Straße
Ich kann mich in der Rückschau gut erinnern an Raabe-Schülerinnen, die in der Bäckerstraße standen wie meine Freundin Angela Meyer und Unterschriften für die alte Halle sammelten. Meine Kumpels und ich haben damals darüber gelacht. Ich hab’ in der ollen engen Halle mit der umlaufenden Galerie und der stählernen scheppernden Wendeltreppe, die heute in der Ratsbücherei steht, noch Fußball-Turniere gespielt.

Aber was war schon die alte MTV-Halle gegen die große neue Nordlandhalle für uns Kicker. Ich habe nicht darüber nachgedacht, dass für die neue Halle Reste des historischen Stadtwalls kurzerhand geschleift wurden. Und mir war die Tragweite nicht bewusst,  dass in der alten MTV-Turnhalle der erste Kriegsverbrecher-Prozess, der Bergen-Belsen-Prozess, stattgefunden hat. Diese Halle hätte niemals abgerissen werden dürfen. 

Entschuldigung fällig
Heute muss ich mich bei den Schülerinnen entschuldigen. Und es hat mich berührt, was Eva Lorenz auf der Facebook-Seite der LZ unter einen Artikel zu den Weltkulturerbe-Bestrebungen der Hansestadt geschrieben hat:

„1976 habe ich – kurz vorm Abitur stehend – mit einer Freundin eine Initiative zur Rettung der MTV Turnhalle gegründet. Durch unser bevorstehendes Abitur, die Vorbereitungen etc. und wohl aufgrund unseres damaligen unpolitischen Seins, war es uns erst spät bewusst, was dort passieren sollte, ……als es letztendlich bereits zu spät war, leider. Wir konnten zwar innerhalb weniger Tage Tausende von Unterschriften sammeln, mussten uns von Älteren anhören, warum wir nicht schon eher reagiert haben…… Wie bitte???….. Am Tag des Abrisses kam dann sogar noch auf unsere Initiative hin jemand von der Hannoveraner Landesregierung, aber die Abrissbirne hatte ihr zerstörerisches Werk bereits begonnen. Was danach entstand war von Beginn an ein Schandfleck!!! Und wenn ich jetzt lese, es soll ein Wohnkomplex entstehen, da muss aber ein sehr, sehr guter Architekt mit einen gutem Gefühl für diese Ecke ran!!…… Lüneburg hat gerade in den Jahren damals viel kaputt gemacht.“

Viele Baudenkmale dank Armut
Dass die Hansestadt überhaupt reichlich Häuser aus den großen Epochen beherbergt, ist nur der Armut zu danken, in die sie versank, als das Salzmonopol fiel. Schauen Sie sich einmal die ganz alten Stadtansichten auf der Facebook-Seite von Jesco von Neuhoff an oder auf „Lüneburg gestern und heute“. Sie dokumentieren auch den Verfall und den armseligen Zustand vieler Häuser.

Die Zeiten haben sich zum Glück gewaltig geändert, das ist nicht zuletzt dem Arbeitskreis Lüneburger Altstadt um Curt Pomp zu verdanken. Lüneburg beherbergt rund 1400 Baudenkmäler. Und das könnte heute mit den Ausschlag geben, dass Lüneburg in der Krise als vitaler Ort mit einem traumhaften Stadtbild und mit kreativen Ideen den Wandel schneller schafft als andere. Diese Stadt hat eben Substanz.

Vielleicht ist die Gewissheit, in einer schönen Stadt zu leben und sie zu pflegen, nur das kleines Glück. Aber, um Theodor Fontane zu bemühen:  „Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen.“

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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28 Antworten zu Vom Glück, in Lüneburg zu leben

  1. Otto Berg sagt:

    Der Abriss der MTV-Halle und das, was an ihre Stelle trat, sind betrübliche Denkmale planerischer Gedanken- und Geschmacklosigkeit, die sich mit kruden Geldverdieneinteressen verquickten und 45 Jahre lang stumm und hässlich davon erzählten; sind Zeugen einer Praxis also, welche die CDU von heute mit Hilfe eines »Ehrenkodexes« in Teilen eventuell zu unterbinden sich eines schönen Tages vorzunehmen überlegt.

    Doch zur »Stadtentwicklung« gehören auch Veränderungsbereitschaft und der Mut, alte Zöpfe abzuschneiden.

    Der Journalist Felix Zimmermann hat in der Wochenendausgabe der »taz« unter der Überschrift »Lasst die Fußgängerzonen sterben« quasi den Großkommentar zu dem verrückten Lüneburger »Menschenversuch« geschrieben, der als »Modellstadt«-Projekt getarnt ab Mittwoch (oder Donnerstag) an den Start gehen soll: 10./11. April 2021 https://taz.de/Die-These/!5760489/

    LZ-Redakteur Thomas Mitzlaff stellt ähnliche Überlegungen an: https://www.landeszeitung.de/lokales/254542-angespitzt-lueneburg-macht-auf/

    Felix Zimmermanns Wort »Menschenversuch« spielt mit schlimmen Allusionen. Das mitklingende »unmenschlich« zielt aber auf die Sache und auf die mit dieser verbundenen Illusionen.

    Insgesamt kommt es auch mir sinnvoller vor, die ohnehin nicht überlebensfähigen Fußgängerzonen sterben zu lassen und nicht die – bis heute noch gesund und zukunftsfroh – in ihnen fehlenden Menschen.

    Vgl.: https://blog-jj.com/2021/02/18/innenstaedte/#comment-14206 und https://blog-jj.com/2020/08/13/lueneburgs-rabattschacht-final-sale-hat-dieses-jahr-eine-bedrohliche-note-corona-ist-nur-der-brandbeschleuniger/

    Zimmermanns Fazit ist ein Appell:

    »Oberbürgermeister, Citymanager, Einzelhandelsverbandsleute, lasst die Fußgängerzonen sterben und österlich wiederauferstehen als etwas anderes. Senkt die Wahnsinnsmieten, kauft leer stehende Immobilien und vermietet sie günstig an Leute mit Ideen, an Handwerksbetriebe, sorgt dafür, dass die Innenstädte wieder Wohnorte werden, siedelt Volkshoch- und Musikschulen dort an, bringt Leben rein, setzt euch zusammen, gebt aber kurzfristig nicht Menschenleben auf, um euren Fuzos noch etwas Luft zu verschaffen!«

    • Klaus Bruns sagt:

      Herr Berg, das Outlet-Center in Soltau wird über kurz oder lang dafür sorgen, dass die Vermieter in den Fußgänger-Zonen von Lüneburg endlich zur Ruhe kommen dürfen. Darauf können die Vermieter einen lassen. Amazon wird ihnen den Rest geben.

      • Otto Berg sagt:

        Hallo, Herr Bruns,

        ich glaube nicht, dass das Outlet-Center sehr viel bessere Chancen hat, als die Fußgängerzonen. Es handelt sich da um eine teure Fehlplanung von Leuten, die sich sowas offenbar leisten können und wollen. Das Wettbewerbsverhältnis zu Lüneburg (Uelzen und Soltau), von dem Heiko Meyer phantasiert, existiert praktisch überhaupt nicht. Sein Gerede ist bloß ein Versuch, von den wahren Problemen in Lüneburg abzulenken. Das sind der unabänderlich voranschreitende Online-Handel und die sich raketenschnell ändernde Arbeitswelt. Siebzig bis achtzig Prozent der Büroflächen werden verschwinden. Das haben selbst die IHK und ihr GF, Herr Zeinert, noch nicht mitbekommen. Warum sonst der Bau nach hinten raus? Die Menschen erwarten, dass das Angebot zu ihnen kommt, nicht sie in stinkende Parkhäuser müssen, um durch muffige Kaufhaustempel zu hetzen, um am Ende nicht zu bekommen, wonach sie suchen. Es wird auch in Zukunft Einzelhandel geben, aber nicht mehr auf einer zentralen Fläche konzentriert. „Fußgängerzonen“ sind so out wie „Telefonzellen“. Fahren Sie mal nach Berlin, Paris oder Barcelona. Dort finden Sie kleine, stabile, meist inhabergeführte Geschäfte und Betriebe über 100 km² verteilt, flankiert von Restaurants und Cafés etc. Dezentral, quartiernah, divers und handmade, das sind die Zauberworte. Abfütterhallen mit hundert Tischen und die großen Klötze der „Warenhäuser“, in denen Trendramsch feilgeboten wird, wechseln alle anderthalb Jahre den Investor bzw. Besitzer.

        In dem Punkt aber haben Sie recht: Die Vermieter in den Fußgänger-Zonen von Lüneburg (meist Fondsgesellschaften, Versicherungen und Banken) dürfen endlich zur Ruhe kommen.

      • Andreas Janowitz sagt:

        Herr Berg,
        Sie wissen doch, das wir längst in der Zinsfalle sitzen. Die Mieten können nicht sinken, weil ansonsten die kreditfinanzierten Konstrukte dahinter offiziell Insolvenz anmelden müssten. Insofern wird weder die Zentralbank die Zinsen heben noch werden die Mieten sinken. Es ist ein echter Teufelskreis.

        Gerade weil das Preisniveau derart aus dem Ruder gelaufen ist wird es auch keine Möglichkeit geben die Fuzoos zu renovieren. Schon gar nicht mit den Mitteln vor Ort, obwohl in LG wenigstens das Deckmäntelchen des „Senkungsgebiets“ über notwendige Investitionen geworfen werden könnte. Innerstädtische Treuhandgesellschaften wird´s wohl in absehbarer Zukunft auch nicht geben und mit welcher Berechtigung sollte man die Fantasiepreise abrufen, um nachher doch an der Resterampe zu schachern? Wenn das am Ende wenigstens die Zinskosten trüge könnte man froh sein. Von Fantasierenditen ganz zu schweigen. Diese Früchte sind längst ausgequetscht. Es muss erst knallen (garantiert keine Sektkorken).

        Ich weiss ja nicht was sich unsere Oligarchen in Davos so gedacht haben, aber „Augen zu und durch!“ wird erstmal vom Abriss der Luftschlösser begleitet sein. Da kann die Immobilienlobby ihre faschistoide Truppe im Bundestag halluzinieren lassen was sie will: die echte Welt stellt unausweichlich Bedingungen. Und es hat den Anschein, als wenn ~20% der deutschen Menschenversuchen gar nicht so abgeneigt gegenüber stehen…

        Keine Ahnung wie die Luft aus den Spekulationsblasen raus soll, aber das muss unweigerlich geschehen. All das neue Geld der letzten 10 Jahre, all die Milliarden sind eine Fehlallokation historischen Ausmasses.

        Da wagt sich garantiert niemand ran, denn damit ist nichts zu gewinnen, kein persönlicher Profit, kein Glanz oder Glitter, das wird einfach bitter.
        Von wegen „goldene 20er“. Niemand will die Kettensäge schwingen, die man bräuchte um durch diesen Filz der alten Zöpfe schneiden zu können. Steuergerechtigkeit und dezidierte Investitionsvorgaben sind die hässlichen Themen die nur wir alle bewältigen könnten- womit wir auch schon bei den gordischen Knoten angekommen wären. ^^

    • Theo Fuchs sagt:

      Hans-Herbert Jenckel am 13. August 2020:

      „Corona ist nur der Brandbeschleuniger für den Niedergang der guten alten Fußgängerzone. Es bröckelte schon vorher.“

      Ja!

      Und drei Jahre zuvor, am 5. Juli 2017, war die Misere genausogroß wie heute. Hans-Herbert Jenckel, Friedhelm Feldhaus, Ortwin Riechel, Peter Luths, Tanja Bauschke, Rainer Mencke, Karlheinz Fahrenwaldt, Rainer Petroll, Kevin Schnell, Niels Webersinn und andere haben die „dynamische digitale Stadtkarte“ als ein wichtiges Instrument der Steuerung von Raumordnungsproblemen vorgeschlagen (zu denen auch rapide abkackende Wunschvorstellungen von „Handel ohne Wandel“ gehören): hier: https://blog-jj.com/2017/07/05/lueneburgs-stadtentwicklung-braucht-kein-hochglanzpapier/

      Was hat sich getan?

      Nüscht!

      Wo Fähigkeit und Bereitschaft fehlen, eine ökonomische Revolution, die sich seit zwanzig Jahren ankündigt, ins schmallippige Antlitz zu schauen, da helfen auch keine von PR-Agenturen eingekauften Artikel, in denen der Wunsch des Aufraggebers die Feder führt, wie hier:

      https://www.landeszeitung.de/lokales/48655-baeckerstrasse-auf-dem-niveau-der-duesseldorfer-koenigsallee/

      Die Realität sieht so aus:

      11.07.2013: https://www.landeszeitung.de/lokales/58580-das-ende-einer-ara-naht/

      07.01.2014: https://www.landeszeitung.de/lokales/hansestadt/56273-konzept-gegen-leerstand-geplant/

      27.10.2014: https://www.landeszeitung.de/lokales/hansestadt/52216-abschied-von-der-baeckerstrasse/

      18.12.2019: https://www.landeszeitung.de/lokales/25204-fachhaendler-trotzen-dem-online-boom/

      20.01.2020: https://www.landeszeitung.de/lokales/24783-abschied-vom-einhorn/

      13.06.2020: https://www.landeszeitung.de/nachrichten/wirtschaft/79394-karstadt-kaufhof-schliessungen-staedtetag-warnt-vor-veroedeten-innenstaedten/

      01.07.2020: https://www.landeszeitung.de/nachrichten/wirtschaft/73705-die-krise-der-modebranche-immer-mehr-unternehmen-kaempfen-ums-ueberleben/

      03.07.2020: https://www.landeszeitung.de/nachrichten/wirtschaft/73247-die-grosse-warenhaus-krise-zurueck-zu-den-anfaengen/

      03.08.2020: https://www.landeszeitung.de/nachrichten/politik/63848-die-innenstaedte-muessen-sich-wandeln-wenn-sie-ueberleben-sollen/

    • Felix Rogler sagt:

      Die Spatzen pfeifen es von allen Dächern. In Frankfurt genau wie in Lüneburg:

      Die neue Normalität? Nick Jue ist sich sicher, sie zu kennen, zumindest was den künftigen Büroalltag angeht. Der Deutschlandchef der niederländischen Digitalbank ING glaubt, dass künftig die Mitarbeiter des Unternehmens etwa die Hälfte ihrer Zeit von zu Hause aus arbeiten werden: „Homeoffice wird Teil der neuen Normalität nach Corona“, sagt er. Mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter der Direktbank arbeiten im Corona-Lockdown daheim. Bei der Frankfurter DZ Bank waren es sogar neun von zehn Angestellten, berichtet deren Co-Vorstandsvorsitzender Cornelius Riese. Wenn es in Unternehmen jemals eine Präsenzkultur gegeben habe, dann sei sie vorbei, sagt Riese. „Wir stehen vor einer unglaublichen Zäsur.“

      Mit den steigenden Homeoffice-Zahlen wächst in deutschen Städten die Unsicherheit, ob künftig die vorhandenen Büroflächen noch gebraucht werden. Doch ein drohendes Überangebot an Büroflächen in Frankfurt ist nicht das einzige Problem, was nach der Pandemie auf den Immobilienmarkt am Main zurollt. Eine Studie der DZ Bank hat ergeben, dass die Corona-Krise erhebliche Auswirkungen auf Gewerbeimmobilien in Frankfurt haben wird. Der Untersuchung zufolge wird sich zwar der von der Pandemie gebeutelte Hotel- und Gastronomiesektor vergleichsweise schnell erholen, wie Studienautor und Immobilienexperte Thorsten Lange prognostiziert. Am Büromarkt, aber auch im Einzelhandel stehe hingegen eine Neuausrichtung an, die Frankfurt verändern könnte.

      Mehr dazu: FAZ, Montag, 12. April 2021: https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurter-innenstadt-das-konzept-der-zeil-ist-ueberholt-17286248.html

      • Jens Petersen sagt:

        Ähnliches habe ich auch schon wiederholt in verschiedenen Artikeln gelesen. Für viele Betriebe würde das auch eine nicht unerhebliche Kostenersparnis bedeuten. Dabei ist diese Verlagerung ins Homeoffice gar keine neue Idee, Das Problem ist bislang hauptsächlich dass die meisten Unternehmen in denen das durchaus problemlos praktikabel ist ihren Mitarbeitern/-innen bislang nicht genug Vertrauen entgegenbringen können, bzw. konnten. Dabei gibt es schon länger Studien die belegen, dass die Arbeitseffektivität im Homeoffice teils signifikant höher ist als bei Anwesenheit im Firmenbüro. Ich kenne ein größeres Unternehmen dass dieses Model (dort ist es längst Normalität) schon seit über 20 Jahren erfolgreich praktiziert.
        Und hier läßt sich recht gut ein Bogen spannen zum Umsatzrückgang in der Gastronomie und der schleichenden Verödung von Innenstädten. Denn beides wird natürlich in der Mittagspause und/oder nach Feierabend auch von vielen Berufstätigen frequentiert. Und da bin ich auch bei der von Ihnen erwähnten Neuausrichtung von Gastronomie und Einzelhandel die dann wohl unumgänglich werden wird.
        Aber das geht dann ja noch weiter ohne leider noch immer keinen Bezug zum Abriss der alten MTV-Turnhalle zu haben. Ich hoffe es wird verziehen.
        Wenn dann immer weniger Berufstätige täglich in die Innenstädte kommen, ist dann eigentlich noch ein massiver und kostspieliger Ausbau des ÖPNV erforderlich? Losgelöst von jeder Ideologie muss das dann auch auf jeden Fall ernsthaft geprüft werden.
        Und jetzt doch nur zur alten MTV-Halle Ecke Barckhausenstrasse. Da sind wir nachmittags zum Vereinssport immer mit Fahrrädern hingefahren. Jedenfalls solange wir noch keine PKW-Führerschein hatten.

  2. Jens Petersen sagt:

    Es ändert nichts dem Bauwerk nachzuweinen und z:B. auf ausschlaggebende 30cm für den Abriss zu verweisen. Natürlich verdeutlicht es den Wahnsinn der damaligen Zeit, doch bringt es nichts darüber noch zu sinieren. Gestern war Gestern und der Frevel, besonders auch das Badehaus im Kurpark betreffend, läßt sich nicht rückgängig machen.

    Aber was immer wach und gegenwärtig bleibt sind die Erinnerungen an die Zeit als die MTV-Halle noch genutzt wurde/werden konnte. Meist in der großen Pause gingen wir vom Johanneum rüber zu der Halle zum Sportunterricht. Ich höre noch Heute die Stimme des Sportlehrers Toni D. durch die Halle hallen: Schüler XY, Deutschland, ans Reck! Aus heutiger Sicht köstlich.
    Ebenso der Besuch eines Amtsarztes in der Sportstunde der den jungen Schülern nach kurzer Begutachtung Spreiz, Platt- oder Senkfüße bescheinigte und auch die Körperhaltung nach unterschiedlichen Kriterien und kurzer äußerlicher „Begutachtung“ kategorisierte. Ich sehe uns Schüler noch Heute vor dem geistigen Auge in der muffigen Umkleidekabine in Reih und Glied für diese Fleischbeschau stehen.

    Aber Jahre später gab es dann ganz andere Erlebniss in genau derselben Halle. Es war das Ereignis des Jahres. Die Maskerade, der Lumpenball und Rosenmontagsball des MTV in der Halle. Die Stimmung, die später bei den verkrampften Fortsetzungsversuchen in der Nordlandhalle nie wieder in dieser Art aufkam, spüre ich noch Heute. Aber in der alten Halle haben wir mit den MTV-ern im Turmzimmer noch bis in die Morgenstunden gefeiert als die Halle sich längst geleert hatte.

    Da kann am heutigen Handwerkerplatz noch so oft etwas abgerissen und neu gebaut werden, diese Erinnerungen und Bilder im Kopf kann niemand abreissen und auf eine Deponie fahren. Sie bleiben bestehen. Und manchmal glaube ich das alte Gebäude dort wieder stehen zu sehen.

    Und mal ganz direkt. Was bringt es neu zu recherchieren welche politischen Interessen ausser angeblich fehlenden 30cm für die Verkehrsplaner noch ausschlaggebend für den Abriss der Halle gewesen sein könnten oder nicht. Sie ist nicht mehr da und lässt sich nicht zurückbringen.

    Was aber nicht zwingend davor bewahren wird, das ähnlicher Frevel auch in der heutigen Zeit durchaus möglich ist. Politik zeigt sich in der Hinsicht äußerst stabil und zuverlässig beratungsresistend und begeht Fehler mit Vorliebe gerne mehrfach ohne einen Lerneffekt.

    • Hallo Herr Petersen, was bringt es sich lediglich den aus heutiger Sicht köstlichen Erinnerungen an den Spotlehrer Toni Dr. hinzugeben und dabei auszublenden, dass zu eben dieser Zeit und noch später, ein nicht nur Turnlehrer Charlie M. seine braunen Trainingsanzüge aus „herrlichen“ Zeiten auftrug. An manchen Stellen waren noch Spuren von entfernten Aufnähern zu entdecken. Als die WRS und das Johanneum 1961 im Berliner Olympiastadion den „Bundessieg“ bei dem vom Kuratorium „Unteilbares Deutschland“ ausgelobten Wanderpreis errang, gehörte Charlie M. zum Aufsichtstross. Selbst als wir eines Abends im Theater des Westens eine Aufführung von My Fair Lady besuchten, trug er (s)einen braunen Trainingsanzug Und nun kommem Sie mir bitte nicht mit den Boys in Brown, dem FC St. Pauli.

  3. jj sagt:

    Ausschnitt aus der LZ
    Ausschnitt aus der LZ vom 24. Februar 1976.

    Ich habe mal versucht, die wichtigsten Artikel zum Abriss der MTV-Turnhalle aus dem frühen Jahr 1976 zusammenzustellen – aus dem wunderbaren LZ-Archiv. Sie zeigen, wie naiv und noch ganz dem preußischen Beamtentum verhaftet von Stadtverwaltung und Rat reagiert und agiert wurde. Was einmal beschlossen war, durfte auch trotz neuer Erkenntnisse nicht mehr über den Haufen geworfen werden. Beschlossen ist beschlossen. Auch wenn der Fachmann für Denkmalpflege der Landesregierung tobt. Da müssen sich manche schämen. Auch die Unterschriftenaktion der Raabe-Schülerinnen findet nur unter „ferner liefen“ statt. lg jj

    https://blog-jj.com/wp-content/uploads/2021/04/009_LL_1976-01-12_019.pdf

    https://blog-jj.com/wp-content/uploads/2021/04/011_LL_1976-01-14_003.pdf

    https://blog-jj.com/wp-content/uploads/2021/04/013_LL_1976-01-16_004.pdf

    https://blog-jj.com/wp-content/uploads/2021/04/041_LL_1976-02-18_004-2.pdf

    https://blog-jj.com/wp-content/uploads/2021/04/042_LL_1976-02-19_003.pdf

    https://blog-jj.com/wp-content/uploads/2021/04/044_LL_1976-02-21_003.pdf

    https://blog-jj.com/wp-content/uploads/2021/04/046_LL_1976-02-24_003.pdf

    • Eva Lorenz sagt:

      Danke für die Recherche!!! Den vorletzten Artikel meinte ich! DANKE!!!! Den zu lesen….. mit dem Abriss, mit dem Ablauf dessen….da hat sich die Stadt damals wirklich alles andere als Lorbeeren mit verdient, eher peinlich!!!

    • Otto Berg sagt:

      Die „wichtigsten LZ-Artikel zum Abriss der MTV-Turnhalle aus dem frühen Jahr 1976 (…) zeigen, wie naiv und noch ganz dem preußischen Beamtentum verhaftet von Stadtverwaltung und Rat reagiert und agiert wurde (…). Da müssen sich manche schämen.“

      Lieber Herr Jenckel, wie hätte es anders sein sollen? Die 1910 Geborenen, sofern sie das große Morden und Schlachten überlebt hatten, sind 1975 in Pension gegangen. Die 1925 Geborenen, die letzten, die bei Kriegsende volljährig wurden, erreichten erst 1990 die Altersgrenze. Fünfzehn Jahrgänge, die von den Nazis sozialisiert worden waren und ihnen zum weit überwiegenden Teil frenetisch zugejubelt hatten. Rund 90 Prozent der Beamten und Angestellten, der Lehrer, Professoren, Anwälte, Architekten, Ärzte, Ingenieure – und der Politiker haben im Mai 1945 ein Parteibuch besessen. Wo sollten die denn alle hingegangen sein? Die unterrichteten an Lüneburgs Schulen und operierten in Lüneburger Krankenhäusern, die saßen in Büros, Verwaltungen und Behörden, die fällten Urteile „im Namen des Volkes“ und bauten Häuser, Brücken und Straßen und rissen andere ab. — Und die führten in den Räten, Vertretungen und Bezirksregierungen das große Wort. Was „gesetzlich“ ging oder nicht ging, wussten die ganz genau.

      Da schämte sich kaum eine*r.

      Ordnung musste sein. Die Zeit der Demütigungen hatte lange genug gedauert. Wem’s nicht gefiel, konnte ja nach drüben gehen. Zweimal Weltmeister! 1976 war man längst wieder wer.

      Ob dieses Rollenmodell heute aus der Mode gekommen ist?

      Ich habe da meine Zweifel.

    • Dank an den Berg und die Johanneskirsche !

  4. Klaus N. sagt:

    Der Abriss der Halle ist das eine. Und nicht wieder gut zu machen. Schlimm war der Klotz der darauf folgte. Welcher Architekt zeichnet dafü eigentlich verantwortlich? Hoffentlich nicht der gleiche, der auch die Nordlandhalle und St. Stephanus in Kaltenmoor konzipierte? 3 Fehlbauten Par excellence…, von denen nur noch eins steht

  5. Dem Vernehmen nach stand die Halle lediglich UM 30 ZENTIMETER der Verkehrs- Bauplanung im Wege ! Das dürfte ein zureichend unvermeidlicher Grund für ihre Abriss allein nicht gewesen sein.

    • Johann S. Kirsche sagt:

      In der Landeszeitung von Mittwoch, den 14. Januar 1976 (31. Jahrgang – Nr. 11 – zum Preis von 50 Pfennigen), ist auf Seite 3 (urteilsfreudiger Verfasser war vermutlich Fritz Grahner / übrigens unter der Photographie von oben) Empörtes zu lesen:

      »Plötzlich Tauziehen um ein ‚Baudenkmal‘

      FRIST FÜR RETTUNG DER MTV-HALLE VORBEI

      Warum erst jetzt? Innenstadtring gegen Schutzbestrebungen – Dem MTV Trb gehen Sportstunden verloren

      ri Lüneburg. Gut einen Monat vor dem Abbruch der MTV-Turnhalle an der Lindenstraße werden Stimmen laut, die nachdrücklich die Erhaltung des fast 100jährigen Gebäudes fordern. Die Fassade mit den zwei Schlauchtürmen der damaligen Turnerfeuerwehr gibt schon längst kein positives Beispiel für vorbildliche Stadtbildpflege ab. Jetzt plötzlich ist u. a. beim Arbeltskreis Altstadt die Rede von einem ‚Baudenkmal‘, ein Begriff, der noch vor wenigen Jahren im Zusammenhang mit Bauten aus der wilhelminischen Zeit fast schamhaft vermieden wurde. Freilich: die Frist für Überlegungen über Nutz und Schutz ist verstrichen.

      Der Denkmalspfleger der Bezirksregierung, Dr. von Osterhausen, sagte gestern: „Zweifellos ist die alte MTV-Turnhalle ein Baudenkmal aus einer Zeit, da Verwaltungsgebäude als Renaissance-Palazzi gebaut wurden und Bahnhöfe gotisch aussehen mußten. Die Türme der Halle entsprechen dem Stil des frühchristlichen Kirchenbaus. Zu den Abrißplanungen sind damals unsere Bedenken angemeldet worden. Wenn nun aber der Bebauungsplan genehmigt ist, läßt sich gesetzlich nichts mehr machen!“

      Es ist so. Baudirektor Reiß vom Stadplanungsamt: „Der Bebauungsplan 41 wurde im Juni 1972 beschlossen und hat auch ordnungsgemäß öffentlich ausgelegen!“

      Grundlage für den rechtskräftig gewordenen Plan ist die ursprüngliche Absicht, die Innenstadtanbindung — die ja nach der Fertigstellung der Kaltenmoorbrücke jetzt zu einem großen Teil bewältigt ist — vierspurig über den Platz an der MTV-Halle vorbeizuführen. Inzwischen ist nur noch ein zweispuriger Ausbau beabsichtigt. Reiß: „Für das Verkehrsaufkommen der späteren Jahre wird nach den gegenwärtigen Berechnungen eine dreispurige Straße vollkommen ausreichen.“ «
      __________________________

      Vier-, zwei- oder dreispurig, Herr Sander! „Gut einen Monat vor dem Abbruch“ scheint da noch manches recht unklar zu sein. Was bedeuten da schon 30 oder vierzig Zentimeter? Nur eines ist für den „Denkmalspfleger“ ebenso sicher wie für den LZ-Redakteur: „Wenn nun aber der Bebauungsplan [vier-, zwei- oder dreispurig] genehmigt ist, läßt sich gesetzlich nichts mehr machen!“

      Außerdem: „Die Fassade“ gab „schon längst kein positives Beispiel für vorbildliche Stadtbildpflege“ mehr ab. „Beherzt schob „man“ also „die denkmalpflegerischen, dem Straßenbau entgegenstehenden Gesichtspunkte zur Seite.“

      • Was genau wollen Sie mir jetzt sagen Herr Kirsche ? Zu einem guten Plan gehört auch die rechtzeitige Herstellung vollendeter Tatsachen ?

      • Johann S. Kirsche sagt:

        Eindeutig, darum geht es, Herr Sander. Erst Fakten schaffen, dann über Sinn, Zweck und mögliche Begründungen (ndt.: „Narrative“) nachdenken. Funktioniert bei „notwendigen“ Abrissen genauso wie bei „unerlässlichen“ Neubauten. Der IHK-Brunnen soll für sommers auf nassen Platten herumglitschende Kleinkinder sein, ist aber von spitzeckig-scharfkantigen Steinquadern umstellt, die deren Leben gefährden. Der Widersinn muss erst augenfällige Wirklichkeit geworden sein, um seine teure Nutzlosigkeit zu begreifen. Nicht „Wilhelminismus“, wie „ri“ und Dr. von Osterhausen meinten, ist der Name für SOLCHE Denkmale, sondern „Winkelwilhelminismus“, wie Helmut Schmidt meinte, der Name für solches Denken.

        Am Beispiel der „Arena“ ist das „Lüneburg Prinzip“ hier gut beschrieben worden:

        https://blog-jj.com/2021/02/25/arena-beschluss/#comment-14063

  6. Eva Lorenz sagt:

    Moin JJ, viele Grüße von der oben erwähnten Angela Meyer, mit der ich eben telefoniert habe. Zu viert haben wir WRSchülerinnen naiv aber doch voll motiviert gehandelt – leider zu spät! Wir schrieben zwar noch den Petitionsausschuss der Landesregierung in Hannover an, am Vormittag des Abrisses erschien noch ein Vertreter von dort, aber da setzte die Abrissbirne bereits von der Ostseite an. Angela und eine weitere von uns 4en – wie auch Thomas Sander, der hier bereits kommentiert hat – erinnern sich übrigens ebenfalls an die „paar“ Zentimeter. Wir hatten damals Einsicht in die Pläne der Stadt, es ging meiner Erinnerung nach um einen Abbiegewinkel, dem 30 cm fehlten….. für den die Halle dann weichen musste. Sie waren für uns nur ein vorgeschobener Grund. Wir hatten zuvor noch das große Glück intensivst durch die MTV Halle geführt zu werden – auf allen Etagen. Die Wendeltreppe knarrte nicht nur sondern sie bewegte sich auch.
    Naiv war es insofern, das wir weder zu der Unterschriften- Aktion aufriefen, es wurden keine Plakate gedruckt, keine Info Blätter zum Verteilen. Nach der Schule stellten wir uns in die Bäckerstrasse; zwischen Ratsapotheke und Tchibo sprachen wir JEDEN an! In den Händen Din A4 Blätter auf denen oben nur stand: Ich bin gegen den Abriss der MTV Halle! Innerhalb von wirklich nur wenigen Nachmittagen hatten wir über 2000 Unterschriften zusammen. Wie lange bewahrt die LZ Artikel? Über die Aktion, den Besuch des Vertreters der Hannoveraner Landesregierung, etc wurde damals geschrieben. Leider hat es nichts gebracht, uns bleibt es als Einblick in die Stadtpolitik in Erinnerung, als gelebter Gemeinschaftskunde- Unterricht. Als zwar negative Erfahrung, da der Abriss nicht verhindert werden konnte, aber dennoch lehrreich für uns als Staatsbürger, als Bewohner einer Stadt.
    Liebe Grüße, Eva Lorenz

    • jj sagt:

      Danke, grüßen Sie bitte Angela herzlich zurück. Ihr hhjenckel

    • jj sagt:

      PS: Den Artikel besorge ich.

    • Werner Mellentin sagt:

      Hallo, Frau Lorenz.

      Über Ihre Aktion wurde in der LZ vom 25.02.1976 berichtet:

      MTV-Halle abgerissen:
      Protest bei Dr. Frede

      to L ü n e b u r g . Der größte Teil der
      MTV-Turnhalle ist bereits abgebrochen. „Das
      eigentliche Objekt ist ja nicht mehr da“,
      meinte deshalb Regierungspräsident Dr.
      Hans-Rainer Frede, als er gestern nachmittag
      Vertreter der Wilhelm-Raabe-Schüler und
      des Arbeitskreises Jugendzentrum (AKJZ)
      empfing. Sie hatten unter anderem bei ihm
      mit zahlreichen Briefen und 1300 Unterschriften
      gegen den Abriß protestiert.

      Dr. Frede. Sportdezernent Martens sowie
      Straßenbau- und Städtebauexperten machten
      den Jugendlichen deutlich, daß die Bezirksregierung
      rechtlich gegen den Hallenabriß
      nichts unternehmen konnte.

      Die Stadt habe in befriedigender Weise
      dargelegt, wie sie den Sportunterricht ohne
      die MTV-Halle gewährleisten will. Die Stadt
      Lüneburg liege mit ihrem Sporthallenangebot
      noch immer über dem Bezirksdurchschnitt.
      „Ein echtes Argument dabei ist allerdings“
      gestand Dr. Frede zu, „daß im Stadtzentrum
      ein Mangel an Sportstätten besteht“.

      Der Sportdezernent der Bezirksregierung,
      Martens, wies darauf hin, daß nur eine
      „kleine Durststrecke“ zu überwinden sei, bis die
      neuen Groß-Sporthallen in Oedeme und am
      neuen Johanneum fertig seien.
      Die Straßenbauexperten blieben dabei, daß
      der Hallenabriß für eine funktionstüchtige
      Kreuzung unumgänglich sei.

      Eva Lorenz und Bettina Wehdemeier, die
      Vertreterinnen der Raabe-Schüler, und
      Bernd Schindler vom AKJZ blieben nach
      dieser Unterredung dennoch skeptisch.

      Mit freundlichen Grüßen
      Werner Mellentin

      • jj sagt:

        Das Kürzel to steht für den späteren Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn. Lg jj

      • Eva Lorenz sagt:

        Hallo Herr Mellentin,

        vielen Dank für Ihre Recherche. Ich krame jetzt nach über 40 Jahren wieder in meiner Erinnerung, und langsam fügen sich die Puzzle Teile zusammen. Zu gerne würde ich selber in den Archiven der LZ wühlen, es juckt mir unter den Fingernägeln, aber ich wohne mittlerweile 600km von Lüneburg entfernt.

        Der zeitliche Ablauf wird mir, je mehr ich in diese Geschichte wieder abtauche, immer klarer. Es stimmt, dass die Stadt ja bereits den Abriss einige Jahre vor unserem Einsatz beschlossen hatte. Als wir dann aktiv wurden stand die Halle noch. Den Petitionsausschuss schrieben wir vorm Abriss an. Ein Vertreter von dort erschien dann aber erst am Tag des Abrisses in Lüneburg, was meiner Erinnerung nach auch von der LZ mit einem Artikel dokumentiert wurde. Ich habe ein Foto im Kopf, auf dem der Herr, dessen Namen ich nicht mehr erinnere, in der bereits angeschlagenen Halle steht (ich glaub ich war auch mit drauf). Das Gespräch mit Herrn Dr. Frede und den anderen oben genannten Herren fand – meiner Erinnerung nach – danach statt. Als es wirklich zu spät war, denn der Abbruch hatte ja bereits begonnen.

        Gegen all die Bürokratie, all die bereits bestehenden Entscheidungen, an denen keiner Interesse hatte sie zu revidieren, konnten wir nichts mehr ausrichten. Leider!

        Und – ich bin immer noch der Meinung – dass die Kreuzung anders hätte gebaut werden können, das war ja damals auch unser Argument- eine neue breitere Kreuzung bedingte u.E. nach nicht den Abriss der Halle!

        Mit freundlichen Grüßen,
        Eva Lorenz

        PS: und während ich tippe bemerke ich, das Herr Jenckel doch noch einige Artikel gefunden hat, DANKE!!!!

  7. „Sie war dem wachsenden Autostrom im Weg. “ Aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen wurde mir versichert, dass es sich um ganze 30 Zentimeter gehandelt hat. Könnte es etwa noch den einen oder anderen Grund gegeben haben ?

    • jj sagt:

      Lieber Thomas, könntest du das mit den 30 Zentimetern etwas genauer ausführen. Und welche Gründe fielen dir noch ein. Bloß kein Schild an der Tür: hier wurde über deutsche NS-Schergen und Mörder zu Gericht gesessen? Lg jj

      • Lieber Hans-Herbert, von dem von Dir erwähnten Schild ist mir bisher nichts bekannt. Von der Theorie, es handelte sich bei dem Abriss um das Machwerk NS-affiner Lokalpolitiker zur Beseitigung eines Schandmals skandalöser Siegerjustiz auch nicht..Meine Vermutung geht eher dahin, dass der Abrissgrund eine gedankenlose Baupolitik gepaart mit handfesten finanziellen Interessen war.. Falls die Wiederaufnahme der Recherche belegbare neue Erkenntnisse zu Tage fördern sollte, werde ich mich melden. Lg ts

      • jj sagt:

        Das denke ich auch. Aber was meintest du mit dem 30 Zentimetern? Lg Hans-Herbert

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