Tack för att du cyklar – Auf dem Weg zur Fahrradstadt

Juliane Kerll lebte zweieinhalb Jahre in Göteborg und genoss es, in einer Stadt Rad zufahren, die auf dem Weg zur Fahrradstadt ist. Kann sich Lüneburg was von Göteborg bei der Verkehrswende abschauen. Foto: privat

Die Lüneburgerin Juliane Kerll ist zweieinhalb Jahre in Göteborg zur Arbeit geradelt, und es war eine Lust. Die Rückkehr auf Lüneburgs Velo-Pisten fiel ihr schwer. Was macht Göteborg besser? Lüneburg will jetzt Millionen in Radwege investieren. Kann die Hansestadt von den Schweden lernen?

Von Juliane Kerll

Als Radfahrerin messe ich unterbewusst den Komfort meiner Strecke in Erschütterungen, Vollbremsungen und Hindernissen pro Minute. Diese Störfaktoren sanken abrupt nach meinem Umzug von Lüneburg in Schwedens zweitgrößte Stadt Göteborg. Mein schwedischer Arbeitsweg: akkurat geteerte, zweispurige Fahrradwege mit eigenem Ampelsystem, mit Glück sogar mit grüner Welle. Und auf dem Teer der breiten Pisten grüßt mich: „Tack för att du cyklar“. Danke, dass du Rad fährst.

„Tack för att du cyklar“. Danke, dass du Rad fährst. Der Dank findet sich allerorten auf den Radwegen in Göteborg.

Selten zuvor bin ich so gerne zur Arbeit gefahren. Mein Fahrrad rollt mit mir zügig und zufrieden stadtauswärts. Hier fahre ich in einen Vorort zum Job. Vorbei an riesigen Baustellen, Parks, über Autobahnkreuze, breiten Einkaufsstraßen, vorbei an Bahngleisen und durch ein Industriegebiet. Natürlich gibt es auch in Göteborg Schwachstellen: Im Industriegebiet finden sich ein paar vertraute Schlaglöcher.

Das Auto verstaubte
Mein Partner und ich zogen im Juni 2018 nach Göteborg. Auf Zimtschnecken, Mittsommer und staatliche Alkoholgeschäfte waren wir vorbereitet, nicht aber auf die unfassbar befreienden Effekte guter Verkehrspolitik. Einige Monate nach unserem Umzug stellte sich eine mir bis dato nicht bekannte Lust, ja ein ernsthaftes Bedürfnis, nach Radfahren ein. Unser Auto, freudig mit ins Ausland genommen, dann auf dem Mitarbeiterparkplatz der Uni abgestellt, geriert schnell in Vergessenheit. Oder wie der schwedische ADAC Mitarbeiter es ausdrückte, der uns nach einigen Monaten zum zweiten Mal Starthilfe gab: „Sie müssen das Auto schon bewegen.“

Wie gelingt es der Stadt,
Radfahren attraktiv zu machen?
Zunächst haben Sport und Bewegung im schwedischen Alltagsleben generell einen festen Platz. Die Mitgliedschaft in Sportvereinen oder Fitnessstudios wird vom Staat umfassend bezuschusst, ein Fokus auf Gesundheit und Wohlbefinden ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen deutlich spürbar. „Friluftsliv“, aktives Draußen sein, eine skandinavische Erfindung. Das Fahrrad ist selbstverständlicher Teil davon und gehört genau wie Spazierengehen, Wandern oder Boot fahren zur Palette schwedischer Outdoorkultur. Allein von meinen Kolleg/innen radelten knapp die Hälfte regelmäßig zur Arbeit, auch wenn der Wohnort bei einigen bis zu zehn Kilometer entfernt lag. In einem Fall sogar 16!

Wer wo fährt und geht, das ist in Göteborg gut zu sehen. Und ein Rad-Ampel-System gibt es auch. Fotos: Gavin McCrory

Neben den kulturellen gibt es politische Aspekte. Göteborg gilt klassischerweise nicht als Vorreiterin bei Radfahrerfreundlichkeit – im innerschwedischen Vergleich mit Malmö oder den Studentenstädten Uppsala und Lund schneidet die Stadt schlecht ab. Parteien, Behörden und andere Verkehrsplanende haben daher vor sechs Jahren einen politischen Konsens errungen, den Stadtverkehr auf Radfahrer/innen und den öffentlichen Nahverkehr auszurichten.

Radfahren, schnell, einfach und sicher
In der aktuellen offiziellen Verkehrsstrategie (Trafikstrategi för en nära storstad 2015-25) wird klar verkündet: I en nära storstad ska det vara snabbt, enkelt och säkert att cykla – In einer werdenden Großstadt soll das Radfahren schnell, einfach und sicher sein. Teil der Strategie: Ein 100 Seiten starkes Fahrradprogramm. Das ambitionierte Ziel: Bis 2025 sollen drei von vier Bürger/innen Göteborg als fahrradfreundliche Stadt bezeichnen sowie der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken drei Mal so hoch liegen wie bei Veröffentlichung des Programms 2015. Bei der Umsetzung orientiert sich Göteborg an den Erfolgsfaktoren großer europäischer Fahrradstädte:

  • Feinmaschiges und solide ausgebautes Wegenetz
  • Umfassende Separation der Radwege vom Fußgänger- und Autoverkehr
  • Hoher Qualitätsstandard bei Fahrradstellplätzen
  • Hohe Abstimmung der Wegeplanung auf den ÖPNV
  • Restriktionen für den Autoverkehr
  • Kommunikation mit den Verkehrsteilnehmenden

Radwege verlaufen abgegrenzt
Und so sieht es momentan aus: Radwege sind fast durchweg geteert, viele verlaufen deutlich abgegrenzt vom restlichen Verkehr. Dies gilt insbesondere für die viel befahrenen Hauptstrecken, welche wie Rad-Autobahnen die großen Verkehrsknotenpunkte der Stadt miteinander verbinden sowie Pendler aus den Vororten in die Innenstadt leiten. Es gibt ein separates Ampelsystem, überwiegend zweispurige Radwege, an großen Kreuzungen mit eigenen Abbiegespuren. Auch auf gemeinsame Rad- und Fußgängerwege trifft man, diese sind jedoch sehr breit und auch noch zur Rushhour angenehm zu befahren.

Viele Abstellmöglichkeiten
An jeder größeren Straßenbahnhaltestelle befinden sich zahlreiche, weitgehend überdachte Fahrradstellplätze. Die Taktung der Busse und Straßenbahnen ist für eine 600.000-Einwohner-Stadt beeindruckend eng: Das Rad ist schnell abgestellt und angeschlossen, danach wird selten länger als 10 Minuten auf Bus oder Tram gewartet. Die Fahrradwege sind so geplant, dass die Nutzung des Rades (plus ggf. ÖPNV) auf den Hauptrouten der Stadt eine deutliche Zeitersparnis gegenüber dem Auto darstellt. Auch die Einschränkung des PKW-Verkehrs im Innenstadtbereich trägt dazu bei. An vielen großen Ecken gibt es Reparaturstationen mit Luftpumpe und Werkzeug. Außerdem sind die Beschilderungen mit Richtungsanzeigen für Radfahrer so umfassend und hilfreich, dass man sich selbst als Tourist kaum verfahren kann. Besitzt man kein eigenes Rad, kann man die stadteigenen Leihräder nutzen, die an vielen zentralen Punkten der Stadt zur Verfügung stehen, mit komfortabler Navigation per App.

Einfache Konsequenz, zumindest für mein Radfahrverhalten: Es machte schlichtweg Spaß, und deswegen tat ich es. Die Fortbewegung ist leicht und geschmeidig, ich fühlte mich als Verkehrsteilnehmerin respektiert und in meinen Bedürfnissen gesehen.

Teure Anwohnerparkscheine
Die Regelungen für PKWs kann man sich vor diesem Hintergrund vorstellen, dürften jedoch trotzdem jedem deutschen Autoliebhaber spontan den Angstschweiß auf die Stirn treiben: Die Parkgebühren liegen je nach Stadtteil und Tageszeit zwischen umgerechnet 50 Cent und 3 Euro pro Stunde, 24 Stunden rund um die Uhr. Zwar galant bezahlbar per App, ein kurzer Einkaufsbummel wird an einem Samstagnachmittag jedoch trotzdem kostspielig. Ein Anwohnerparkausweis in unserem Szeneviertel hätte uns rund 70 Euro pro Monat gekostet.

Saftige Strafzettel und Maut
Strafzettel fürs Falschparken: 40 Euro beim ersten Mal, 60 Euro und mehr bei Wiederholungstätern, außerdem gibt es eine Maut auf den Autobahnen und größeren Straßen im Stadtverkehr und dem Göteborger Umland. Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts von über 15 km/h: 250 Euro. Das Missachten von Parkverboten kann ebenfalls sehr teuer werden. Sich mit dem Auto auf einen Radweg zu stellen ist Tabu, wildes Kurzparken ist vor lauter Straßenbahngleisen und Radwegen links und rechts eh kaum möglich. Nicht verwunderlich, dass der lokale Verkehrsverbund Västtrafik Wechselprämien für Menschen vergibt, die vom Pendeln mit dem Auto auf Bus und Straßenbahn umsteigen. 

Auch in Göteborg rollt der Autoverkehr
Natürlich wirkt Göteborg trotz allem nicht weniger voll mit Autos als eine deutsche Stadt ähnlicher Größe. Auch dort gibt es reichlich Feierabendverkehr und nervenraubende Baustellenstaus, die Parkplätze in der Innenstadt sind immer voll besetzt. Göteborger, die Auto fahren wollen, tun es auch und lassen sich es entsprechend viel kosten.

Anders wirkt allerdings, und das ist ein weiterer Punkt, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Verkehrsbeteiligten. Viele Schwed/innen verhalten sich im Verkehr rücksichtsvoll und bewegen sich von allen Seiten vorausschauender umher, als ich es aus Lüneburg oder Hamburg gewöhnt war. Den Autofahrertypen, der ohne mit der Wimper zu zucken aus Einfahrten heraus auf den Radweg schießt, habe ich dort genauso selten beobachtet, wie den Radfahrer, der schwarz gekleidet im Dunkeln ohne Licht über große Kreuzungen rast. Ein allgemeines Rücksichtscredo ist in Schweden kulturell stark verankert. Das erklärt, warum sich der Verkehr für mich wenig bedrohlich anfühlte. Als Radfahrerin bin ich in jedem Fall selten in brenzlige Situationen geraten, ganz im Gegenteil, ich bekam schon ein schlechtes Gewissen, wie häufig für mich gebremst wurde. Aber es war eben auch klar, dass ich zu diesem entspannten Verkehrsflow genauso meinen Beitrag leiste, wie der Autofahrer, der gewissenhaft seinen Schulterblick ausführt: Reflektoren an der Kleidung trägt ab der dunklen Jahreszeit so gut wie jeder Radler, Helme sowieso. Auf Plakaten in Bussen und Bahnen weist die schwedische Verkehrsbehörde ab dem Herbst auf das Tragen von Sicherheitswesten hin. Auch lassen sich Vielfahrer im Oktober Winterreifen auf die Fahrräder ziehen, ohne Licht habe ich innerhalb von zweieinhalb Jahren nur sehr wenige Radfahrer gesehen. Da kämen in Lüneburg leider in der Zeitspanne ganze Legionen zusammen.

Der Weg zu Lüneburgs ersten Fahrradstraße um die City ist noch weit. Hier zeigt der ehemalige Radbeauftragte Sebastian Heilmann das Schild, das darauf hinweisen würde, das es sie gibt. Foto: jj

Fest steht, dass jemand, der sich einmal auf den Bahnen einer werdenden Fahrradstadt bewegt hat, es nicht wieder anders tun möchte. Als ich nach meinem Rückumzug nach Lüneburg das erste Mal die Stöteroggestraße den Kreideberg heraufholperte, musste ich das schmerzlich feststellen. Und nahm das Auto.

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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12 Antworten zu Tack för att du cyklar – Auf dem Weg zur Fahrradstadt

  1. wie ich gehört habe, hat JJ nachdem sein Lieblingswasserspiel nun wohl Realität wird, unlängst bei einem ehem.Grünen in dessen Garten vorgefühlt, ob dieser sich nun mit einer Garagenunterkellerung des Marktes anzufreunden bereit wäre. Ausschliesslich für Fahrräder versteht sich. Oder hat man mich in den April geschickt ? Antworten Sie Herr Jenckel, bitte. In jedem Fall : Min skal, din skal, alla vackra flickors skal och glad paask !

    • jj sagt:

      Lieber Herr Sander, ich kann Ihnen versichern, dass die Unterkellerung des Marktplatzes, die tatsächlich einmal von Ratsherren geplant war – typisch Lüneburg – von mir nicht betrieben noch hintertrieben wird. Da hat Sie tatsächlich jemand auf in die Irre geführt. Frohe Ostern

  2. Hallo Herr Pez,

    das klingt nach spannenden und vielversprechenden Neuigkeiten. Natürlich bewege ich mich trotzdem gerne in Lüneburg – mit dann hoffentlich bald neuen Wegen, die, wie für alle Radler/innen hier, deutlich mehr Sicherheit sowie Nutzungsanreiz bieten.

    Drücken wir die Daumen!

  3. Ulf Reinhardt sagt:

    Herr Janowitz, da muss ich widersprechen:

    Es ist nicht die Aufgabe von Politik, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern viel mehr für stabile Rahmenbedingungen, zum Beispiel ein stabiles Rentensystem, zu sorgen.

    Viel zu oft hat sich Politik seit Beginn der siebziger Jahre mit von reinem Populismus getriebenen Versprechen, Arbeitsplätze zu schaffen, überschätzt. Herausgekommen ist maximal der Bestandsschutz bestimmter Branchen, welche auf Kosten der Solidargemeinschaft bis heute zum Beispiel im Bereich Kohle mit mehr als 1 Million Euro je Arbeitsplatz jährlich finanziert werden.

    Das Arbeitsplatz-Argument hat immer nur zum Erhalt des Status Quo, nicht jedoch dazu beigetragen, die Wirtschaft wirklich voran zu bringen und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.

    Bis heute sind im Bereich der erneuerbaren Energien deutlich mehr Arbeitsplätze entstanden als in den letzten 20 Jahren in der Kohle und Atomkraft weggefallen sind.

    Arbeitsplätze in der Autoindustrie als Argument gegen Fahrrad-Mobilität anzuführen ist daher völlig absurd.

    • Andreas Janowitz sagt:

      Augenblick Herr Reinhardt, ich muss mal eben in der Geschichtskiste kramen: Korea, Japan, Taiwan, China, USA u.v.m. subventionieren und schützen strategisch Industriezweige. Nur das dort nicht, wie Sie richtig hervorheben, „Bestandsschutz“ betrieben wird/wurde, sondern in technologische Wachstumsbereiche investiert wird.
      Die chin. Solarbranche kann nur wegen Subventionen aller Art zu Dumpingpreisen „produzieren“.

      Ich glaube mal nicht, das Fr. Merkel der deutschen Solarbranche wegen der NF³ Emissionen den gar aus machte. Strategische Planung obliegt einzig der Politik, denn im nächsten Quartal macht eine Neuerung numal keinen Gewinn. Vielleicht nie, das Risiko kann man keinesfalls eingehen und so fällt die EU stetig weiter zurrück- in allen Bereichen.
      Hier Herrschen konservative mit begrenzter Lebenserwartung, die gehen ums Verrecken kein Risiko mehr ein.

      Können Sie mir erklären wieso Loewe heute nurnoch eine Marke ist? Um die 2000er hatten die den heutigen „smartTV“ marktreif. Es gab keine strategische Planung seitens der Politik, mangeldes Fachwissen und Lakaientum taten ihr übriges. Die KfW vergab keine Kredite und rückwärtsgewandten Experten war das Hemd näher als die Hose.

      In Grundlagenforschung steht die EU noch gut da, aber in strategischer Industriepolitik ist hier Ödland angesagt. Wie der Altmaier von den Pfründesicherern mit Jauche übergossen wurde spricht Bände. So sehen Verlierer aus. Nur nichts wagen und beim kleinsten Problem einknicken. Niemals Fehler machen (wollen) und abschliessend doch totalversagen.

      Ich find´s lustig wie diese geschellackten Blender ein ums andere mal ihre Inkompetenz demonstrieren und trotzdem noch glauben wunder wer sie doch sind.

      Wissen Sie was ich für ein Armutszeugnis halte: das die Schweiz tatsächlich mit Frankreich und Belgien verhandelt um die Nord-Süd-Eisenbahntrasse an Deutschland vorbeizuführen, weil wir es in 20 Jahren nicht hinbekommen die Rheintrasse zu renovieren. Die haben in der Zeit den Gotthard-Basistunnel gebaut!?

      Es gibt keine strategische Planung in der Bundesrepublik. In keinem Bereich wird von zwölf bis Mittag gedacht. Und wenn jemand den Mund aufmacht wird nach dem nichtigsten Makel gesucht, während die erwiesener Massen unfähigen es bunter als je zuvor treiben. Tut mir Leid das so zu sagen: diese Radfahrobsession ist im Vergleich Eskapismus.

      Ich hoffe der Humor ist nicht abhanden gekommen.

      Frohe Ostern.

  4. Otto Berg sagt:

    Lieber Herr Jenckel,

    wenn ich recht sehe, haben Sie hier drei Kommentare gelöscht, die den halben Tag freigeschaltet waren. Warum? Gefiel Ihnen der Inhalt plötzlich nicht mehr? Oder fürchten Sie, wie kürzlich im Falle Dr. Buller (oder Christoph Steiner), erneut um den Seelenfrieden eines Ihrer Schäfchen, die zarter besaitet sind als Christiane Bulwan oder Helga Dreyer?

    Hier ein aufschlussreicher Dialog von heute Nachmittag mit einer Lüneburgerin, die auch nicht Ihrer Meinung ist:

    Christiane Bulwan: In Lüneburg kann man (Ich konnte es 4 Jahrzehnte) wunderbar alles mit dem Rad erreichen und auf das Auto verzichten…wer das nicht kann, sollte vielleicht nochmal den Parcours bei der Grundschule absolvieren. Den lernten wir damals.😂😉 Klar hat Göteborg und Kopenhagen völlig andere Konzepte, aber das sind völlig andere Hausnummern.
    Vor 6 Std.

    Hans-Herbert Jenckel: Liebe Frau Bulwan, wenn schon der Blick über den Tellerrand bemängelt wird, dann ist Holland in Not. Ich fahre jeden Tag in Lüneburg Rad, und es gibt da so Ecken, und davon nicht zu wenig, die würde ich Ihnen nicht empfehlen. Die meisten davon finden Sie auch in der Radverkehrsstrategie der Stadtverwaltung, die ich Ihnen als Lektüre ans Herz lege. https://www.hansestadtlueneburg.de/…/Radverkehrsstrateg… Und richtig, Göteborg ist eine große Stadt, Lüneburg dagegen Provinz. In Lüneburg wurde 1990, also vor dreißig Jahren, beschlossen, dass das Rad Vorfahrt hat. Da ist doch noch einiges an Potenzial drin, vielleicht sogar beim Blick über den Tellerrand. LG und frohe Ostern.
    Vor 6 Std. · Bearbeitet

    Hans-Herbert Jenckel: Christiane Bulwan, PS: Ein bisschen Lektüre gibt es auch hier: https://blog-jj.com/herr-heilmann-uebernehmen-sie/
    Vor 6 Std.

    Christiane Bulwan: Hans-Herbert Jenckel, das ist für mich nur Jammern auf keinem Niveau. Ich habe in der Friedenstrasse gewohnt und bin etwa 250km im Monat geradelt. Wo ist das Problem denn heute??? Man kommt überall hin und wo es in der Innenstadt nicht geht, steigt man ab. Das Problem sind eher die Dörfer umzu, wo man keine 2 km radeln kann, ohne Radweg. DAS ist ein Problem.
    Vor 6 Std.

    Christiane Bulwan: Hans-Herbert Jenckel, ich kenne keinen Lüneburger der meckert.😂
    Vor 6 Std.

    Hans-Herbert Jenckel: Liebe Frau Bulwan, hier jammert niemand, hier schildert nur jemand, wie es in einer anderen Stadt läuft, die wie Lüneburg Fahrradstadt werden will. Und offenbar läuft es da schon etwas besser. Zum einen hat die Stadt Lüneburg selber den Anspruch Radfahrerstadt zu werden. Zum anderen klingt das etwas nach Retrospektive bei Ihnen: Ich vermute mal, die Zahl der angemeldeten Autos und die Zahl der Fahrräder haben sich seither vervielfacht. LG und Frohe Ostern hhjenckel
    Vor 5 Std. · Bearbeitet

    Christiane Bulwan: Hans-Herbert Jenckel, und das ist der Punkt! “Wer“ will denn, dass Lüneburg Fahrradstadt wird??? Nicht die Lüneburger.
    Vor 5 Std.

    Hans-Herbert Jenckel: Christiane Bulwan, das ist zumindest der Anspruch von Rat und Verwaltung im Sinne des Verkehrsentwicklungsplans. Es ist sogar eine Radstraße um die City geplant. Aber ich will Sie nicht weiter beängstigen. Lg und frohe Ostern
    Vor 4 Std. · Bearbeitet

    Christiane Bulwan: Hans-Herbert Jenckel, mich mistet niemand mit so einer Rechtschreibung ab.😂 Radeln muss man einfach können.😂
    Vor 4 Std.

    Hans-Herbert Jenckel: Christiane Bulwan, immer diese lütten Handytasten 🙂 Entschuldigung. Aber „abmisten“, nie gehört. War wohl vor meiner Zeit, wird auch im Duden nicht mehr geführt. PS: Schöne Fotos schießen Sie. lg
    Vor 3 Std. · Bearbeitet

    Quelle: https://de-de.facebook.com/landeszeitung/posts/4180370391996553?__tn__=-R

    • jj sagt:

      Ja, Herr Berg, die habe ich gelöscht, weil es Aprilscherze waren und in eine andere Abteilung gehörten. LG jj

  5. Florian Grunau sagt:

    Ich bin ja stark dafür eine Schleuse zu bauen. So kann man dann die Ilmenau deutlich schiffbarer machen sodann endlich die anderen beiden Schleusen in Richtung Elbe erneuert werden. Auch wäre ein Yachthafen ganz gut. Für emmisionsfreie Boote und Yachten mit Landastromanschluss. So würde unsere Region attraktiver werden 🤷‍♂️

  6. Andreas Janowitz sagt:

    Ist ja alles schön und gut: es ist nunmal so das erhebliche Teile der Arbeitsplätze an der Autoindustrie hängen, direkt oder indirekt. Dafür müssen Lösungen her?! Oder wollen Sie zur Vermeidung der Altersarmut „Begrüsser“ in Einkaufsläden? Bei Wallmarts in den USA finden sich solche eigentlich überflüssigen „Gnadenjobs“, damit die wenigstens irgendeine Einkunftsmöglichkeit haben? Einkaufswagenbereitsteller oder Tütenaufhalter sind weitere dieser demütigenden Einkunftsmöglichkeiten.

    Ja es ist sinnvoll und auch notwendig den Individualverkehr zu reduzieren, aber wohin mit den Arbeitslosen? Es hilft auch nicht das 10 Mio. Menschen aus dem Arbeitsmarkt verschwinden (demogr. „Wandel“ bis 2040). Wie ich an anderer Stelle bereits erwähnte ist es völlig nutzlos sich auf Unternehmen zu verlassen. Die werden es gerade nicht richten. In Konzernen wird eine Karikatur von Politik betrieben? Die haben völlig andere Vorstellungen von der Verwendung liquider Mittel. Schauen Sie doch die Dividendenausschüttung bei Daimler an?! Trotz Kurzarbeitergeld steigt die Dividende?! Das ist offene Steuersubvention für Aktionäre: Sozialismus für die Reichen…

    Wollen wir uns über einen gewissen Gesundheitsminister unterhalten? Für den ist das Amt Zweck zur persönlichen Bereicherung. Ja er hat nichts illegales gemacht. Viel schlimmer: er hat nichts sinnvolles(!) auf die Kette gekriegt! Noch schlimmer: er ist ja nicht der einzige. Erschütternd das ich sowas schreiben muss, aber Söder ist derzeit veritabler Kanzleraspirant.

    Dem Grünenduo ist bei ihrem Stratosphärenflug offenbar die Luft ausgegangen. Kein einziges Wort über Arbeitsplätze.

  7. Otto Berg sagt:

    Liebe Frau Kerll,

    Friluftsliv ist also das neue Hygge?

    In den 50er Jahren war Lüneburg Fahrradstadt. „Per pedes oder pedalieren!“, lautete die Alternative für 80 Prozent der Landkreisbewohner. Die OHE war teuer. Ein Auto besaßen nur die Großkopferten. Wer etwas wo hinzuschaffen hatte, klemmte sich einen Anhänger hinter den Drahtesel. Lehrer, Krankenschwestern und Tapezierer radelten bei Wind und Wetter. – Die 20 km von Betzendorf zur Keulahütte führten zur Hälfte über ungeteerte Feldwege. Wer die Strecke zweimal am Tag gestrampelt war und zwischerein zehn Stunden in der Eisengießerei performt hatte, der kannte keine Einschlafschwierigkeiten. (Der Schriftsteller Arno Schmidt lebte damals mit seiner Frau in Borg/Cordingen, heute ein Ortsteil der Stadt Walsrode. Als der Rowohlt Verlag 1948 drei seiner Erzählungen zur Veröffentlichung annahm, fuhr das Paar, das sich eine Zugfahrt nicht leisten konnte, die rund 100 km mit dem Tandem zum Vertragsabschluss nach Hamburg.)

    Dann packten Männlein und Weiblein fünfzig Jahre lang den Tiger in den Tank.

    Und heute „steht fest“, dass „jemand, der sich einmal auf den [Natur großzügig versiegelnden] Bahnen einer werdenden Fahrradstadt“ in Schweden bewegt hat, „es nicht wieder anders tun möchte“ und dass, wer mit seinem Velo „nach seinem Rückumzug nach Lüneburg das erste Mal die Stöteroggestraße den Kreideberg heraufholperte“, das Auto nehmen MUSS?

    O tempora, o mores!

    Oder?

    PS: Wie ich höre, soll die gerade geplante Elbebrücke bei Neu Darchau mit dem Highlight einer supersmooth geteerten, deutlich vom restlichen Verkehr abgegrenzten Radschnellstrecke das stromüberschreitende Radvergnügen am ampellosen Elberadweg deutlich erhöhen. Was halten Sie von einer unterbrechungslosen Rad-Autobahn „Walsrode-Lüneburg-Dahlenburg-Neu Darchau-Amt Neuhaus-Schwerin-Rostock“?

    Ett konsekvent genomförande av trafikstrategin bidrar till mer attraktiva stadsmiljöer, enklare vardagsliv, mindre miljöpåverkan, förbättrad folkhälsa och högre ekonomisk aktivitet på båda sidor av Elbe.

    Vad tycker du?

    • Juliane Kerll sagt:

      Hej hej Herr Berg,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Ich bin leider weder bei Elbbrücken vom Fach, noch bei Lokalgeschichte. Ich bin vielmehr ein intensiv Rad und Auto fahrender Mensch, der durch Auslandsaufenthalte in verschiedenen europäischen Städten in Kontakt mit unterschiedlichen Verkehrskonzepten gekommen ist. U.a. aus dieser Sicht glaube ich, dass es sich heute zwei großen Herausforderungen zu stellen gilt: Zum einen klimaschonende Verkehrskonzepte zu entwickeln, zum anderen der dichten städtischen Besiedelung Herr zu werden. Das sehe ich so wie Sie.

      Wenn es nicht der geteerte Radweg ist, der einem dazu als ein mögliches Mittel der Wahl erscheint, dann sind es vielleicht Erkenntnisse über die Beziehung und Kommunikation zwischen den Göteborger Verkehrsteilnehmern, die man von seinen europäischen Nachbarn mitnehmen kann:

      In Schweden ist die gleichberechtigte Teilhabe seiner Bürger/innen am gesellschaftlichen Leben ein hohes Gut. Das zeigt sich auch in der Verkehrspolitik. Und ja, es geht von guten Radwegen bis hin zu englischsprachigen Anzeigetafeln an der Straßenbahn und großzügigen Kinderwagenplätzen in jedem noch so kleinen Dorfbus. Natürlich bei allem mit Fokus auf Rad und ÖPNV – das hat aus meiner Sicht nichts mit hygge zutun, sondern ist vermutlich nichts anderes als zeitgemäß und erforderlich angesichts der genannten Herausforderungen. Und: Es führt zu scheinbar zu erstaunlich positivem Kommunikationsverhalten auf den Straßen, wenn verschiedene Verkehrsteilnehmer sich ernst genommen und berücksichtigt fühlen.

      Även om det är bara det som man kan lära sig från svenskarna, då har man redan kommit ett steg vidare – eller hur?

      Und natürlich nehme ich nicht jedes Mal das Auto, um rumpelige Radwege zu umfahren. Entscheidend ist der psychologische Aspekt: Was passiert mit unserem Verkehrsverhalten, wenn die Hürde, ein bestimmtes Verkehrsmittel zu nutzen, höher oder niedriger wird? Ich konnte das bei mir selbst sehr gut beobachten…

  8. Peter Pez sagt:


    So, wie eindrücklich beschrieben, ergeht es vielen, die Schweden, Dänemark oder die Niederlande besuchen oder gar einige Zeit dort leben dürfen. Der Frust nach der Rückkehr ist dementsprechend groß, Lüneburg steht darin zwar nicht alleine, aber man fragt sich schon, warum es in unserer Stadt den Akteuren in Politik und Planung trotz vieler Klagen und Hinweise seit einem Vierteljahrhundert nicht gelingt, über die Stadtmauern zu blicken und zu merken, wie man nachhaltigen Verkehr organisiert.

    1990 stand im Beschluss für den Verkehrsentwicklungsplan wörtlich „Es gilt: Fahrrad vor Auto“ – 30 Jahre später ist davon nach wie vor nicht viel zu merken. Das Fatale: Die Akteure sind ehrlich überzeugt davon, eine Menge für den Radverkehr zu tun und verstehen gar nicht, warum wir nun zum dritten Mal in Folge im ADFC-Fahrradklimatest abgesagt sind von der Durchschnittsnote 3,59 (2016) über 3,81 (2018) auf 4,04 (2020).

    Dabei liegen die Gründe auf der Hand: Die Attraktivität des Radelns entscheidet sich nicht so sehr beim Parken in einem Radparkhaus, sondern auf der Strecke, und nicht auf einzelnen wenigen, immer nur linear wirkenden, erneuerten Radwegen, sondern in der Fläche. Und mehr sowie schneller (elektrifizierter) Radverkehr oder Lastenräder und Kinderanhänger brauchen erheblich mehr Platz – eine Flächenumverteilung vom Auto zum Fahrrad tut dringend not. Aber das war angesichts bisheriger starrer politischer Bedingungen in den letzten Jahrzehnten nicht möglich.

    Immerhin gibt es Hoffnung: Dieses Jahr sind Kommunalwahlen, Mobilität ist ein Topthema (wenn auch zz. noch hinter Corona), ein (wirklich überfälliger) Generationenwechsel im Rat steht an und ein Teil der OB-Kandidaturen wecken Hoffnung auf die ersehnte Verkehrswende. Was das im Radverkehr bedeuten kann und müsste, habe ich in einem zweiteiligen Aufsatz im „Internationalen Verkehrswesen“ erst im letzten Jahr beschrieben. Bei Bedarf schicke ich gern ein pdf davon zu, kurze Anfrage unter pez@uni.leuphana.de genügt.

    Und es kommt noch besser: Mit dem Landkreis zusammen gelang es mir und meiner Kollegin, ein Förderprojekt im Modellvorhaben Rad des Bundesministeriums für Verkehr an Land zu ziehen! Kaum zu glauben, aber Stadt und Landkreis haben jetzt die Chance, Radelleuchtturm in Deutschland zu werden. Im kommenden Sommersemester beginnen die Erhebungsarbeiten. Es wird spannend, liebe Frau Kerll, und vielleicht mögen Sie bald wieder gern in Lüneburg Rad fahren!

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