Wie kommt die Krankenschwester zum Haus und in die Stadt?

Lüneburg, 28. Januar 2022

Im Baugebiet an der Wittenberger Bahn wird weiter verdichtet – zu stolzen Preisen. (Foto: jj)

„Bauen, bauen, bauen“, den Gassenhauer singen die Fraktionen der Mitte in der Stadtpolitik am liebsten. Und hinterher schauen sie irritiert, wenn es beim Verkehr knirscht, weil wieder der zweite vor dem ersten Schritt gemacht wurde. Bestes Beispiel Hanse-Viertel. Neuauflage garantiert.

Nichts gegen planvolles und kreatives Bauen in unserer Zeit und schon gar nichts gegen sozialen Wohnungsbau, das ist wichtig. Aber wenn es ums Häuslebauen geht, scheinen die Realitätsverweigerer unter den Partei-Posaunen, die nur das eine Lied kennen, in der Überzahl. 

Solange Lüneburg auf dem heißgelaufenen Immobilienmarkt immer noch unter den Preisen Hamburgs und des Speckgürtels der Elbmetropole liegt, dient die kleine Hansestadt auch als Überdruckventil der großen Schwester. Und weil die Nachfrage erdrückend ist, das Angebot aber bei allen Anstrengungen auch künftig hinterhinkt, läuft der Preis heiß. Wer sich die wenigen Annoncen im LZ-Immobilienmarkt am Wochenende anschaut, hat eh das Gefühl, da tummeln sich nur noch Millionäre. Einheimischen haben das Nachsehen,

Ich wohne am künftigen Neubaugebiet Wienebütteler Weg. Im Quartier zieht die Zukunft ein, nämlich mit wenig Verkehr und wenig Emission. Viele Grundstücke sind zudem reserviert für die von den Lokalpolitikern gern zitierte Lüneburger Krankenschwester, die sich auch ein Häuschen leisten soll. Aber zu welchem Preis! 

Wer auf Lüneburg-Ticket im Auswahlverfahren der städtischen Grundstücke Glück hat, zahlt mit Grunderwerbssteuer und Notar rund 400 Euro – pro Quadratmeter, ohne das auch nur ein Stein gesetzt ist. An dieser Stelle würde ich gerne die Krankenschwester zu Wort kommen lassen, wie sie die 400.000 Euro bis halbe Million mit Grundstück und Haus wuppt. Besser, sie verzichtet freiwillig aufs Auto. Denn ein Parkplatz als Plus ist mit 280 Euro pro Quadratmeter veranschlagt. 

Verzicht auf Gas, Kohle, Öl ist vorgeschrieben, stattdessen der Anschluss ans Kaltwärmenetz über Geothermie vorgesehen. Ebenso gibt es Verpflichtungen, um regenerative Energien nutzen zu können (z.B. Photovoltaik, Solarthermie). Über die beliebten Kamine, Emissionsschleudern erster Güte, habe ich nichts gefunden. Ich vermute, die sind auch ein No- Go. 

Großbaustelle auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik. (Foto: jj)

Wir schalten um zum Verkehr: Der direkte Weg in die Stadt führt über Schomackerstraße und Wienebütteler Weg/Lauensteinstraße, die auf Jahre als „Baustellenstraßen“ zugleich Lkw-Zubringer für das Großprojekt auf dem Gelände des Psychiatrischen Klinik und fürs Neubaugebiet werden. Die Lkw werden später abgelöst von den Siedlern. 

Aus dem Senkungs-lädierten Ochtmisser Kirchsteig zwischen Schomackerstraße und Wienebütteler Weg meldet sich der grüne Ratsherr Martin Lühmann zu Wort mit dem Vorstoß, den Kirchsteig doch zur Fahrradstraße zu deklarieren. Das macht die Lage nicht einfacher. 

Im Westen droht sich zu wiederholen, was im Hanse-Viertel  schon Realität ist. Wenn Lüneburgs Sozialdezernentin, die dort wohnt, bei einer Podiumsdiskussion sinngemäß sagte, sie sei jeden Morgen froh, wenn sie mit dem Rad fährt, dass sie lebend am Rathaus ankomme, dann läuft am Zubringer Bleckeder Landstraße gewaltig was schief. Auch da wurde der zweite vor dem ersten Schritt gemacht. Erst wird gebaut, dann wird beim Verkehr nachjustiert.

Apropos „bauen, bauen, bauen“. Lüneburg arbeitet zurzeit an einem Stadtentwicklungsplan, für rund 300.000 Euro. Am Ende wohl nur noch eine  Nachbetrachtung für die Schublade, wenn alle Restflächen schon verbaut sind – eine schöne Steuergeld-Vernichtung.

Der zentrale Platz im Hanse-Viertel. Unter Platz im urbanen Sinne verstehen Architekten etwas anderes. (Foto: jj)

Beim Bauen, das wird leider oft vergessen, geht es auch um Architektur, um den Gestaltungswillen einer Stadt und nicht nur um Pragmatismus und Profit. Es gilt den öffentlichen und privaten Raum im urbanen Sinne zu gestalten, für die Schönheit, die Lüneburg verdient. Auch das ist schon im Hanse-Viertel versäumt worden. Der zentrale Platz ist in diesem Sinne gar kein Platz, sondern Grün mit Häusern am Horizont. Und an der Wittenberger Bahn hätte der legendäre Bundesligatrainer Riegel-Rudi seine Freude, in Klein-Prora wird gerade an der dritten Abwehrkette gebaut. Wo waren da die städtebaulichen Wettbewerbe? Fehlanzeige.

Lüneburg ist gut tausend Jahre alt und hat zwei Weltkriege unbeschadet überdauert. Lüneburg hat noch wenig Restflächen zu gestalten, aber viel Charme zu verlieren. Wäre doch schade, wenn man es planlos verhunzt, weil man wieder den zweiten vor dem ersten Schritt macht.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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21 Antworten zu Wie kommt die Krankenschwester zum Haus und in die Stadt?

  1. Burkhard Kalliefe schreibt:

    Die Preise für Immobilien steigen in astronomische Höhen. So wird z.B. im Schäferfeld eine neu zu errichtende Doppelhaushälfte mit üblicher Wohnfläche für 910.000 Euro angeboten, auch für Mittelstandsfamilien unerschwinglich – so kann es nicht weitergehen.

    Die Folge ist eine Abwanderung ins Umland in kleine Dörfer, was die Zersiedlung befördert. Die Folge ist auch, dass preiswerte Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen nicht freiwerden, weil die dort Wohnenden sich eben keine neue Bleibe leisten können.

    Baugebiete für Wohnungen mit Planreife sind aber Mangelware. Das an sich zu begrüßende Bauen im Bestand reicht aber wegen der beschränkten Kapazitäten nicht aus. Und ich kann auch verstehen, dass Baulandausweisungen nach Maßgabe eines Konzepts, nämlich des Stadtentwicklungsplans erfolgen sollen. Dessen Verabschiedung wird allerdings noch Jahre dauern, Zeit, die sich die Stadt im Interesse ihrer Bürger aber nicht leisten kann.

    Ich schlage deshalb vor, die vorhandenen Freiflächen darauf zu durchforsten, wo keine oder nur geringe Hindernisse oder Ratsbeschlüsse wie die Freihaltung des Grüngürtels West einer Bebauung entgegenstehen. Mithilfe des Geoportals, des Landschaftsrahmenplans sowie der Klimaanalyse ist dies mit relativ geringem planerischen und zeitlichen Aufwand möglich.

    Im Übrigen bin ich überzeugt davon, dass ein Stadtentwicklungskonzept, was mögliche Bauflächen anbelangt, eh nicht zu einem wesentlich anderen Ergebnis kommen könnte. Und zum Thema Verkehrsbelastung muss sich die Politik endlich dazu durchringen, wirklich verkehrsarme oder autofreie Wohngebiete zu planen, wie es andere Städte wie z.B. Tübingen oder Freiburg vormachen und was ja der neuen grünen Stadtregierung eigentlich ein Herzensanliegen sein müsste.

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  2. Jürgen Langmach schreibt:

    Wann beginnt das Bauen am Wienebütteler Weg?

    Es ist nicht die Frage ob, sondern das Wann und Wie ist zu entscheiden, so sinngemäß Frau Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. Aber wer zahlt die Zeche wirklich bei der drohenden, unnötigen Verzögerung? Die Fraktion der Grünen meint, durch eine Aufzählung von niedersächsischen Bauerfolgen beweisen zu können, dass schon viel getan wurde, und suggeriert damit: Es ist keine Eile geboten.

    Auch die Linke erkennt keinen dringenden Handlungsbedarf beim sozialen Wohnungsbau. Ich empfinde es anlässlich der Zahlen von Wohnungssuchenden abenteuerlich, hier nicht mit den Bauvorbereitungen anzufangen. Das Gericht hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Normenkontrollklage keine aufhebende Wirkung entfaltet. Fehlt der politischen Führungsriege die Kraft bei der Umsetzung, weil genau ihre Klientel sich in der entsprechenden Bürgerinitiative tummelt?

    Der mehrheitliche Aufstellungsbeschluss des Stadtrates ist vom Juli 2021. Schon damals gab es grüne Skeptiker. Durch die unnötige Verzögerung wird Bauen, im letzten Jahr mehr als zehn Prozent, teurer. Die Erschließung muss begonnen werden, die Grundstücke sind vergeben, die Bescheide an die Familien unterwegs, die Architekten bereits ausgesucht, die Wohnungsbaugesellschaften lauern auf eine neue Förderkulisse. Die Verzögerung wird in diesem Baugebiet monatlich mehr als eine Million Euro kosten. Worauf warten wir?

    Jürgen Langmach, Lüneburg

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    • Michèl Pauly schreibt:

      Nur zur Einordnung:

      1. Jürgen Langmach ist kein „Bürger, der wütend ist auf die böse böse Politik“, sondern er ist selbst langjähriger SPD-Funktionär und hat an ebendiesen Ratsentscheiden (sowohl dem 2014er als auch dem Satzungsbeschluss) mittelbar mitgewirkt. Es war eine zeitlang so, dass „Leserbriefe“ aus dem parteipolitischen Raum auch so eingeordnet wurden. Das wäre hier womöglich auch gut gewesen.

      2. Der B-Plan ist rechtskräftig, daher kann dort gebaut werden. Das habe ich auch als jemand zu respektieren, der gegen DIESEN B-Plan war, nicht aber gegen EINEN B-Plan dort.

      3. Es gab im Verfahren von Seiten meiner Fraktion (DIE LINKE) einen Vorschlag, nach welchen Parametern ein B-Plan dort zu entwickeln sei. Dieser umfasste insbesondere das autofreie Quartier. Die (leider nicht verfolgten) Leitlinien unter deren Bedingungen DIE LINKE dem zugestimmt hätte, finden sich hier: https://ratsinfo.stadt.lueneburg.de/bi/___tmp/tmp/45-181-136300424405/300424405/00199910/10-Anlagen/01/AntragLeitlinienErschliessungB-PlanLinkev22022.pdf

      Warum ich das schreibe? Weil Jürgen Langmach dies natürlich weiß und weil seine oben im Kommentar getätigte Aussage, wir seien gegen den sozialen Wohnungsbau, nicht nur verkürzt, sondern wissend falsch ist. Also eine Lüge.

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  3. Kerstin Rabeler schreibt:

    Wie sozialverträgliches Bauen und vorausschauende Stadtplanung geht, skizziert Alt-OB Ulrich Mädge, der gemeinsam mit dem ehemaligen LZ-Journalisten Carlo Eggeling auf 30 Jahre seiner Amtszeit zurückblickt: „Von der Garnisonsstadt zur Kultur- und Uni-Stadt“ ist das Resümee auf den Seiten 15 bis 18 im Lüneburger „Bürgerbrief“ von Februar 2022 überschrieben.

    Im Gespräch listet der 71-Jährige Mädge vier maßgebliche Leistungen seines Waltens an der Spitze der Stadt auf:

    (1.) Die Verkehrswende von 1993

    (2.) Den Wandel der Scharnhorst-Kaserne zur Uni

    (3.) Das kommunale Bauen und die Gründung der Gesundheitsholding

    (4.) Das Fördern von Lebensqualität und Kultur

    „Das Zentralgebäude des Architekten Daniel Libeskind präge das Viertel“, also den Bockelsberg, meint Mädge einmal (S. 17) und hebt hervor, es „habe über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung“. Nur welche „Bedeutung“ des Zentralgebäudes über seinen landesweiten Ruf als dauerhaft Geld vertilgendes Euro-Grab mit Baukosten im dreistelligen Millionenbereich hinaus das sein könnte, vergisst der Alt-OB leider auszuführen.

    Fundstelle: http://www.buergerverein-lueneburg.de/bv_docs/buergerbriefe/2022/buergerbrief_111_2022_02.pdf

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    • jj schreibt:

      Hallo, Frau Rabeler,
      bereits vor einem halben Jahr stand hier im Blog ein umfänglicher Beitrag über Ulrich Mädge und seine Zeit als Oberbürgermeister – weitgehend würdigend, aber wo Licht ist, da ist eben auch Schatten, also etwas differenzierter.
      https://blog-jj.com/2021/09/16/ulrich-maedge-oder-wo-licht-ist-ist-auch-schatten/

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      • Kerstin Rabeler schreibt:

        Vielen Dank für den Link zu Ihrem Mädge-Portrait, Herr Jenckel,

        ja, man kann Embleme verehrender Vereinszugehörigkeit flach und sauber auf Klubjacken bügeln, man kann freilich auch maulen, wie Herr Schröder es tut (https://blog-jj.com/2021/09/16/ulrich-maedge-oder-wo-licht-ist-ist-auch-schatten/#comment-15304), oder man kann versuchen, plastisch und damit kritisch zu würdigen, den „Menschen in seinem Widerspruch“ zu ehren, ohne seine Schwächen zu kaschieren, wie Sie es unternommen haben.

        Das Bild, das sich die meisten Lüneburger von Ulrich Mädge gemacht haben, ist zu Recht geprägt von Kontrasten. Friedrich Schiller meinte Wallenstein, als er schrieb:

        „Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.“

        Wie wird man so einem Menschen gerecht?

        Mir fällt eine Parallele ein. Auch ein Riese im Organisieren (nur in der Körpergröße und in der Reichweite gibt es einen deutlichen Unterschied zum Ex-Oberbürgermeister), auch einer der sich fortwährend Notizen machte, ein gusseisernes Gedächtnis und ein umsichtig gepflegtes „Netzwerk“ besaß und der ein „persönliches“ Ehrenwort zuweilen höher bewertete als kodifiziertes Recht oder das Schicksal seiner Partei:

        „Es war einmal ein imposantes Talent, aus dem der machtversessene und machtvergessene Kanzler wurde. Wie kam es dazu?“

        So fragte Gerhard Spörl am 2. September 2012 im „Spiegel“ anlässlich des Erscheinens der dickleibigen Kohl-Biographie von Hans-Peter Schwarz (https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/87997163) und fand in diesem Buch auch gleich die Erklärung. Weil er so geblieben ist, wie er immer war. Körperlich mit 1.93 Meter ein Hüne, massiv, respektheischend, als Redner direkt, hart, polemisch, rücksichtslos, der Raufbold aus Ludwigshafen, eine Kraftnatur, reizbar, hämisch, eine rhetorische Dampfwalze.

        „Helmut Kohl lässt bereits in frühen Jahren seinen charakteristischen Führungsstil erkennen, den er auch als Bundeskanzler beibehalten wird. Erst entwickelt er im Gedankenaustausch mit Vertrauten Reformkonzepte. Diese werden dann gegen alle sturen Verteidiger des Status quo und alle lästigen Zweifler durchgesetzt. Ungerührt setzt er notfalls auch jenen breiten Fächer von Maßnahmen ein, über die eine Regierung verfügt. Später, kann er nicht mehr als strahlender Siegfried im besten Mannesalter auftreten. Eine kritische Öffentlichkeit sieht in ihm dann viel eher einen gealterten, mürrischen dickfelligen Riesen, der jeden Widerstand unwirsch beiseite räumt.“ (Schwarz, S. 113 f.)

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  4. Rainer Mencke schreibt:

    Angebot und Nachfrage regelt den Markt. Wenn nicht genügend Bauland und Gewerbeflächen ausgewiesen werden, aber die Nachfrage da ist, wird es halt immer teurer. Zudem zwingt man die Firmen dazu, Lüneburg zu verlassen – auf Wiedersehen Gewerbesteuer ! Und man zwingt die Menschen ins Umland zu ziehen und damit zum Pendeln. Für die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten gibt es leider keine politischen Mehrheiten mehr.

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  5. Gesine Schuster schreibt:

    Warum geht’s dem „Kaufhaus Lüneburg“ so scheiße? Eine Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen IQ zum Einkaufsverhalten fördert Überraschendes zutage. Es ist weniger, dass sich während der Corona-Pandemie das Verhalten der Verbraucher veränderte, als dass sich schon seit Jahren sowohl die Einkaufs- als auch die Konsumgewohnheiten dauerhaft revolutionieren.

    „Der Trend geht nach Aussage der Forscher dahin, seltener einzukaufen und möglichst alles auf einen Schlag zu erledigen. Spontane Einkaufstrips würden immer seltener. ‚Die Menschen haben das Bedürfnis, ihre Einkäufe zu reduzieren, das galt im Lockdown und es gilt noch immer‘, beobachtet Nielsen-Experte Thomas Montiel Castro. Dabei sei die Ansteckungsangst nur ein Faktor – und nicht einmal der bedeutendste. Gerade junge Menschen wollten nicht mehr so viel Zeit mit dem Einkaufen verbringen. ‚Sie haben in Corona gelernt, dass es spannendere Sachen gibt, mit denen sie ihre Freizeit verbringen können'“: https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/werbesprech-marken-stecken-in-der-glaubwuerdigkeits-zwickmuehle/27563762.html Mit fortschreitendem Zivilisationsprozess werde die Sehnsucht nach dem Echten, dem Reinen und Authentischen befeuert. Der Urlaub, der Einkauf, die Kunst sollen im Kontrast zum mit agilen Prozessen und Innovationskokolores hochgemodelten Arbeitsalltag wieder unverstellt, einfach und erdschollenverhaftet sein.

    Und Arbeitnehmer, liest man dieser Tage, schätzen unter den Arbeitgebern neuerdings vor allem jene, die ihnen Authentizität bieten und ermöglichen. Arbeitgeber wiederum versuchen derweil, dem sogenannten Authenticity Gap zu entkommen, das die Kommunikationsagentur FleishmanHillard 2021 rund 80 Prozent der untersuchten Branchen attestierte: https://fleishmanhillard.de/arbeit/authenticity-gap-studie-2021/ Das beste Mittel dagegen, meinen zumindest Personaler und das Marketing, lautet: weiter Wertebotschaften in Äther und Netzwerke blasen, heißt, engagiert und authentisch wirken, bis es eben sitzt. Und dabei stehen dann doch wieder alle zusammen. Der Verbraucher nämlich, so eine Erkenntnis der Studie, wünscht sich seine CEOs nicht etwa in die Wüste, sondern in die Öffentlichkeit, wo sie zu politischen Themen und gesellschaftlichen Ereignissen dann auch bitte Stellung beziehen sollen, während das Unternehmen im Hintergrund auf magische Weise soziale Missstände hinwegwirtschaftet. Immerhin ein doch geradezu erstaunlich authentischer Blödsinn.

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  6. Marcus Schröder schreibt:

    Es geht doch nicht nur um Hanseviertel oder Wienebütteler Weg!

    Was ist mit der (bisherigen) Parkplatzfläche / Party(zelt)fläche an der Bockelmann- / Lise-Meitner-Straße?

    Zur Rushhour – und nicht nur dann – stapeln sich die Autos bis zurück zur Straße ‚Auf der Hude‘ und nicht selten noch weiter rauf Richtung ‚Vor dem Bardowicker Tore‘. Vom Rückstau auf der Bockelmann bis zum Tierheim gar nicht gesprochen.

    Wenn da jetzt noch zig Dutzend Wohneinheiten, deren Bewohner sicher nicht nur zu Fuß gehen werden, sondern auch – wie andernorts und allgemein üblich – über 2 Fahrzeuge pro Familie verfügen, hinzukommen, ist an der Kreuzung, bzw. den beiden kreuzenden Straßen Bockelmann und eben Lise-Meitner, weder für den Verkehr noch für die Feuerwehr ein Durchkommen!

    Ganz zu schweigen davon, das trotz der geplanten Baugebiete – nicht nur in der Stadt, sondern auch außerhalb, irgendwelche Scherzkekse dann auch noch die Uelzener Straße zur Einbahnstraße Stadteinwärts und die Soltauer gen Stadtauswärts machen?

    Und das, ohne auch nur Ansatzweise zu erzählen, wo z. B. diejenigen künftig ihr Fahrzeug abstellen sollen, die jetzt schon den Verkehr am Munstermannskamp Richtung Willy-Brandt-Straße blockieren?

    Glaubt wirklich irgendwer ernsthaft, das der Verkehr zukünftig weniger wird?

    Wenn ich schon höre, das der Verkehr mehr wird, weil wir mehr Straßen bauen, weia, was für ein Bullshit!

    Schon klar, das der Verkehr zunimmt, weil z. B. die A1 und die A7 vierspurig werden – wer’s glaubt

    Oder wird er nicht mehr, weil mehr Güter transportiert werden müssen, dank der ganzen Online-Shops und dem Wirtschaftswachstum in Nicht-Corona-Zeiten.

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    • Hagen Büsing schreibt:

      „Nichts nützt ein Auto so schnell ab wie das neue Auto des Nachbarn“, lautet eine alte Marketingweisheit in den Vertriebsabteilungen der Automobilindustrie. Sie stammt aus der Zeit industrieller Prestigelogik, in der soziale Differenzierung vor allem in materiellem Wohlstand ausgedrückt wurde. „Aufstieg“ bedeutete zunächst einmal die Beförderung in einen verantwortungsvolleren Job mit mehr Gehalt – und ein teureres Auto.

      Inzwischen wird diese Orientierung an quantitativem Wachstum immer öfter hinterfragt: Der neue Luxus ist nicht mehr unbedingt eine Gehaltserhöhung, sondern die Freiheit, sich Arbeitszeit und Arbeitsort einteilen zu können. Lebensqualität und individuelles Wohlergehen drängen in den Vordergrund, befeuert von den ohnehin enger gesteckten ökonomischen Möglichkeiten des Einzelnen, von steigendem Umweltbewusstsein und von der grundsätzlichen Frage nach den glückstiftenden Werten im Leben.

      Ja, Herr Schröder, ich glaube ernsthaft, dass das Im-Dauerstau-Stehen im eigenen Kraftfahrzeug mit großkalibrigem Verbrennungsmotor zukünftig abnehmen wird.

      Wir werden ganz sicher auch weiterhin Individualverkehr haben, denn die Werte Mobilität und Freiheit besitzen dauerhaft einen wichtigen Stellenwert für Menschen. Doch der Zugangsmodalitäten und die Formen verschieben sich: Prestige drückt sich nicht mehr in Hubraum aus und immer seltener im eigentlichen Besitz. Gerade in den Generationen X, Y und Z wird sichtbar: Es geht nicht unbedingt darum, ein Auto zu besitzen, sondern vielmehr darum, schnellen, komfortablen, unkomplizierten Zugang zu einem Transport- und Beförderungsmittel zu haben. Und das muskelbetriebene Vehikel, das Rad, besonders das Lastrad gewinnen zunehmend an Anziehungskraft.

      Der Lehrstuhl für Verkehrsökologie an der Technischen Universität Dresden hat 2017 europaweit die volkswirtschaftlichen Kosten des Pkw-Verkehrs zusammengetragen und errechnet, dass über einen Zeitrahmen von zehn Jahren eine vierköpfige Familie der Gesellschaft 30.000 Euro an autobezogenen Kosten auflastet, durch Unfälle, Lärm, Stress, Luftverschmutzung, Klimaschädigung usw. (https://tud.qucosa.de/api/qucosa%3A30128/attachment/ATT-0/). Durch die Nutzung von Autos werden in der EU-27 pro Jahr Kosten in Höhe von rund 373 Milliarden Euro auf andere Personen, andere Regionen und andere Generationen „externalisiert“ (= abgewälzt).

      Kein Wunder also, dass viele Stadtplaner das Auto inzwischen mehr oder weniger kategorisch verbannen wollen. In der Londoner City ist das bekanntermaßen bereits de facto geschehen: Wer dort nicht wohnt, darf nur gegen eine hohe Gebühr mit dem Auto in die Innenstadt fahren. Die Umweltzonen und Einbahnstraßen in Lüneburg sind ein erster zaghafter Schritt in die gleiche Richtung. Hier dreht sich was.

      Aber es muss und wird mehr getan werden. Politisches Handeln dringend erforderlich. Je schneller politisch gehandelt wird, desto reibungsloser, effizienter, sozial akzeptabler und umweltfreundlicher kann der – notwendige – Übergangsprozess aussehen. Je länger dieses Handeln hinausgezögert wird, desto strenger, schwerer und teurer wird dieser Prozess sein. Eine Kombination aller möglichen Ansätze ist erforderlich: Preismaßnahmen, technologische Entwicklung, Veränderungen der Flächennutzung, starke Regulierung (z. B. Verbot von Autos, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden in bestimmten Regionen nach einer bestimmten Zeit). Das Problem muss in Angriff genommen werden durch die Veränderung des Verkehrsmittelwahlverhaltens.

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      • Marcus Schröder schreibt:

        Hallo Herr Büsing!

        Es gab mal vor ein paar Jahren im Fernsehen eine Reportage über Anbieter wie Moia, bzw. das BMW-Äquivalent zum Mercedes-Anbieter.

        Die wollen ja angeblich die Autos von den Straßen holen! Und was hats gebracht?

        Nichts! Statt Autos von der Straße zu holen, gabs durch die Anbieter noch mehr Verkehr.

        Leider finde ich diese Reportage im Netz nicht wieder!

        Und wenn der einzelne keinen Wagen mehr hat, wird das Vehikel von einem Car-Sharing-Anbieter auf die Straße gebracht!

        Nur wird der auch nicht nur ein oder 2 Dutzend Fahrzeuge horten können, weil er dann die Nachfrage nicht mehr bedienen kann!

        Und wenn man – wie die Londoner – die City für Auswärtige dicht macht, wie bekommen die dann ihre Weiße oder Braune Ware, ihre Sachen aus dem Baumarkt, aus dem Möbelhaus?

        Vermutlich per Luftpost, oder?

        Die Katze wird sich immer in den Schwanz beißen!

        Das ist wie bei der Diskussion um den Mindestlohn! Wenn nur alle 12 Euro (oder mehr) pro Stunde verdienen, wirds allen besser gehen. Das die Kosten dann auch steigen, wer kann das denn auch schon ahnen, gell?

        Der ganze Mumpitz kommt jetzt eh zu spät!

        Hätte man das in den 90er Jahren richtig angefasst, hätten wir das Problem nicht. Da hat man zwar die Technologien wie Elektroantrieb z. B. bei Toyota, getestet, aber weil die Gewinnspanne zu klein war und die Konkurrenz dagegen war, hat man das sang- und klanglos wieder beerdigt.

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      • Erwin Radeblonski schreibt:

        Wenn eh alles zu spät kommt, was soll man dann noch tun, Marcus Schröder?

        Feiern, bis der Vorhang fällt? Oder lieber gleich das penetrierende Bolzenschussgerät zwei Fingerbreit über den Augen auf die eigene Stirn setzen?

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  7. Luise Glaser schreibt:

    Ist das richtig? Darf sich eine Stadt erlauben, als günstiger Vermieter für Pop-up-Stores und Pop-up-Gastronomie an vielen Stellen der Innenstadt aufzutreten (https://www.landeszeitung.de/lueneburg/431684-nachhaltige-mode-zum-anfassen-als-pop-up-store/) und vielleicht auch noch selbst als Ladenbetreiber zu agieren?

    Die Frage, ob es sich dabei um eine unlautere Wettbewerbsverzerrung handelt, darf, ja, muss natürlich gestellt werden. Denn das Vorkaufsrecht der Stadt steht dem Eigentumsrecht von privaten Inhabern entgegen. Wenn eine Kommune als Geschäftsbetreiber auftritt, ist sie zudem nicht (siehe die kreiseigene Landeskrankenhilfe-Arena) wie andere darauf angewiesen, Geld zu verdienen. Damit steht sie quasi außerhalb des privatwirtschaftlichen Wettbewerbs, denn sie kann bei einem Scheitern auf das Geld des Steuerzahlers zurückgreifen.

    Doch der Markt regelt seit Langem nicht mehr alles zum Guten, und bei der Vorkaufsrechtssatzung (https://www.hansestadtlueneburg.de/Home-Hansestadt-Lueneburg/Was-erledige-ich-wo/Formularuebersicht.aspx/oeid-m202/anliegenid-8665849/) greift das Gesetz, dass Eigentum verpflichtet. Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) sprach kürzlich zu Recht davon, dass dieses Jahrzehnt drohe, zu den Schicksalsjahren der Innenstädte zu werden. Gesichtslose Billigketten und der immer mächtiger werdende Onlinehandel wirken zunehmend (und wirkten schon mindestens 10 Jahre vor Corona) zerstörerisch auf den innerstädtischen Einzelhandel. Das ist auch in Lüneburg ein Problem, wo nicht erst seit der Eröffnung zentraler Einkaufszentren am Stadtrand und in der ländlichen Fläche immer wieder mit Ladenleerständen gekämpft werden muss.

    Wohin die Abwärtsspirale führen kann, ist beispielsweise im Dömitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim zu beobachten. Das Landstädtchen in der Nähe der Elbbrücke besitzt ein wunderbar geschlossenes Stadtbild mit zahlreichen Fachwerkhäusern in Nachbarschaft zur Flachlandfestung aus dem 16. Jahrhunder und zur Elbe und hatte früher eine nette Innenstadt. Heute gibt es fast keine Geschäfte mehr in der Fußgängerzone, nur eine Eisdiele bietet im Sommer noch eine Außengastronomie. Dafür ballen sich am Rande der City kleine Zentren mit den bekannten Ketten von Kik und NKD über Deichmann bis zu Rossmann und ausreichend unentgeltlichen Parkplätzen. Der Kunde findet, was er braucht, doch nicht mehr den Weg in die Fußgängerzone, denn dort ist die Aufenthaltsqualität gleich null.

    Davon ist Lüneburg (noch) weit entfernt. Gleichwohl gilt es auch hier, die Lebendigkeit der Innenstadt zu bewahren. Dafür sind NEUE Ideen (siehe die Überlegungen zur Gestaltung des Marienplatzes) gesucht. Ja, das könnte schiefgehen und finanzielle Einbußen mit sich bringen. Deshalb braucht es auch Mut, diese neuen Wege zu gehen.

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  8. Claus-C. Poggensee schreibt:

    Danke für die gelungene Zusammenfassung. Grotesk wird das ganze auch an anderer Stelle. Nach LZ vom 27. Januar verfügt die Samtgemeinde (SG) Bardowick über 300.000 Hektar, also 3.000 km2, ungenutzter Flächenkontingente. Das verwundert, beträgt die Fläche der SG doch nur 100 km2. Knapp geht der alte Chefredakteur – alles Gute für die Zukunft von dieser Stelle – wird dem mathematischen Schabernack aus Klasse 5 Tür und Tor geöffnet. Endes des Seitenaspekts, den ich mir als Mathematiklehrer nicht verkneifen konnte.
    Der SG Scharnebeck fehlten laut SGBM Gerstenkorn „plötzlich“ 22 ha Flächenkontingente. In allen Sitzungen hat das die 42. F-Planänderung betreuende Ingenieurbüro zwar spätestens seit Mitte 2019 darauf hingewiesen, dass die geplante Neubebauung von 1% der SG-Fläche innerhalb der nächsten Jahre überdimensioniert ist. Und über jedes Flächensparziel deutlich hinausschießt, ergo also vom Landkreis so nicht genehmigt werden wird. Doch SG-Rat incl. SG Bürgermeister Gerstenkorn wollten es nicht glauben. Unverständnis und Entsetzen herrschte nach der Ablehnung durch den Landkreis im Bauausschuss. Der böse, böse Landkreis.
    Ausweg: Hollen wir uns die Kontingente doch woanders, nämlich dort, wo bis Januar 2022 das Flächensparen noch ernstgenommen wurde. Federführend durch die CDU Bardowick vorangetrieben hat wurden nun die mühsam ersparten 30 Fußballfelder Flächenkontingente an die Samtgemeinde Scharnebeck übertragen.
    Jüngst stellen Herr Marker (CDU) und Herr Luhmann (CDU) überraschend fest, dass die geplante Bebauung, die sie mit ihrer Flächenkontingentübertragung erst ermöglicht haben, künftig Verkehre v.a. entlang der B209 nach sich zieht, für die es keine ausreichende Lenkung gibt. (vgl. https://www.landeszeitung.de/lueneburg/473338-in-bardowick-staut-sich-der-verkehr-schon-jetzt/ )
    Heiter bis umnebelt kommen zu dem Thema die Anmerkungen des Rainer Mencke (CDU) auf Facebook hinzu, die ich hier mal in Auszügen wiedergebe (vgl. https://www.facebook.com/landeszeitung/posts/5176018375765078 )
    Er schreibt fernab des Bezugs zu Bardowick: >>Die Grünen in Lüneburg forderten im Wahlkampf mehr Sozialwohnungen und Stimmen gleichzeitig gegen jede Baumaßnahme, wie Wienebütteler Weg oder Hanseviertel 3. … Wenn weniger in der Stadt gebaut wird, haben wir immer mehr Pendler – also mehr Verkehrsbewegungen und damit CO2-Belastung. Finde den Fehler. Die Landkreisgrünen stimmen in den Gemeinden auch nur dem Einfamilienhausbau zu und dort fordern sie keine Sozialbauten – stehen Vögelchen 1-6. …“<>Da geht ja mal wieder alles durcheinander. Die Grünen fordern in Lüneburg genau das, was ihr Herr Marker jetzt für Bardowick bemängelt: Künftige Verkehrsflüsse müssen berücksichtigt werden, was ja Teil eines guten Stadtentwicklungskonzepts sein muss. Halten nicht auch Sie ein solches für notwendig?
    Das Hanseviertel beherbergt durchaus so manchen wohlhabenden Zuzug aus Hamburg. Bis vor kurzem in Lüneburg arbeitende Lastenradfahrer:innen sind dort eher die Ausnahme. Damit zeigt sich, dass das Hanseviertel nur begrenzt zur Entlastung der angespannten Wohnsituation in Lüneburg beigetragen hat. Ich sehe unseren Landkreis nicht als willigen Erfüllungsgehilfen zu Lösung der Siedlungsprobleme der Hansestadt Hamburgs. Und Sie?“
    Die „Landkreisgrünen“ sitzen im Kreistag und stimmen – sofern sie nicht auch ein Gemeinderatsmandat haben – in den Gemeinden gar nicht zu. Das den Klimawandel antizipierende Adendorfer Baugebiet „Papageienweg“ zeigt mit klarem Bekenntnis zu bezahlbarem Wohnraum v.a. für die lokale Bevölkerung deutlich grüne Handschrift.
    Was sind Sozialbauten? Und was ist „Vögelchen 1-6“? Vögelchen -5? <> Sie kennen wahrscheinlich nicht die Baugebiete im Lüneburger Umland (wie Vögelsen-Süderfeld) und deshalb weisen Sie die Verantwortung der grünen Kommunalpolitiker in den Gemeinden auch zurück. PS : Das Stadtentwicklungskonzept für Lüneburg war übrigens auch ein Antrag der CDU – aber das wussten Sie natürlich nicht ! <> Ihre Abkürzung „Vögelchen 1-6“ als Süderfeld 1 -6 in Vögelsen zu identifizieren überstieg meine hellseherischen Fähigkeiten. Keineswegs weise ich die Verantwortung der Kommunalpolitiker in den Gemeinden zurück. Süderfeld 1 – 3 steht bereits, Süderfeld 4 befindet sich in der Vermarktung. Zu Süderfeld 5 und 6 ist das letzte Wort hoffentlich noch nicht gesprochen, ebenso wie für die weitere Bebauung im Nordosten. Mir ist nicht bekannt, dass ihre CDU gegen eines dieser Gebiete gestimmt hätte. Ihnen hingegen scheint entgangen, dass die Grünen erst seit letztem November im Rat vertreten sind. Sie konnten bisher also auch gar nicht abstimmen – „- aber das wussten Sie natürlich nicht !“
    Klar war die CDU damals für ein Stadtentwicklungskonzept. Sie aber werfen den Grünen vor, beim Baugebiet Wienebütteler Weg eben auf dieses zu verweisen und wollend dort lieber heute als morgen loslegen. Die verkehrlichen Folgen zeigt der aktuelle Blog von Herrn Jenckel wunderbar auf. Und genau deshalb ist es so grotesk, dass Ihre CDU mit der Flächenkontingentübertragung von 30 Fußballfelder das Bauen in der SG Scharnebeck gerade entlang der B 209 forciert und sich die CDU in Artlenburg auch noch für eine Westquerung der neuen Elbbrücke (Hohnstorf – Lauenburg) stark macht. Der wachsende Verkehrskollaps für Bardowick wird also von der gleichen CDU vorangetrieben, die ihn kritisiert. – „- aber das wussten Sie natürlich nicht !“ <<
    Ich bin gespannt auf die Replik von Herrn Mencke, erwarte inhaltlich aber allenfalls weitere Widersprüchlichkeiten. Die hier aufgezeigte Doppelmoral sei bitte als „pars pro toto“ verstanden. Auch die Scholzdemokrat:innen sind nicht frei davon. Ich erinnere mich nur ungern an manch billiges Narrativ im OB-Wahlkampf. Klare Linie und Ehrlichkeit auch bei Versagen würden mancher Kommunalpoltiker:in guttun und mit Glück einige Verschwurbelte von den Straßen fernhalten.

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    • Kurt C. Hose schreibt:

      Was ist das denn für ein wirres Gebrabbel? Kann mir das mal einer ins Deutsche übersetzen? Liest sich wie die schriftliche Soße über dem Wummer-wummer-Pudding von Andrea Jannowitz. Bitte beim Abladen von Gedankensalat auch an den Leser denken. Der steckt ja nich mit drinne in euern smartphonen Kopp, liebe Blog-Dadaisten 🤯 🤪 😴

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      • Claus-C. Poggensee schreibt:

        Da haben Sie in ihrer freundlichen, empathischen Art recht. In Word vorgeschrieben war der Text durchaus klar strukturiert. Das beim Einfügen ein solcher Kuddelmuddel daraus entsteht, hat mich auch erschreckt.

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      • Friedhelm Hinrichs schreibt:

        Keine Frage: Mit der CDU geht es wieder aufwärts! Wir haben seit vielen Wochen keine Wahlniederlage mehr erlitten, im Jahr 2022 sogar noch überhaupt keine. In den Umfragen liegen die meisten Parteien hinter uns. Darauf lässt sich aufbauen. Aber wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen. Die Partei muss wieder als forsch und sexy wahrgenommen werden, so wie früher, zu Zeiten von Adenauer, Mutter Beimer und Eckhard Pols.

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  9. Christoph Becker schreibt:

    Ein genialer Vorschlag, wie Entspannung in den europäischen (und somit auch in den Lüneburger), von der mobilen Unrast reicher Leute getriebenen Wohnungsmarkt gebracht werden könnte, stammt von Gianni Infantino! Die Lösung sozioökonomischer Migrationszwänge lautet: Mehr Fußballweltmeisterschaften! Denn Fußball ist – , nur gut, dass uns Infantino das im Jahr der Weltmeisterschaft an seinem qatarischen Wohnsitz noch mal sagt – , „mehr als Sport“.

    Und nun, es geht um seinen selbstlosen Plan, die Weltmeisterschaft künftig alle zwei Jahre auszutragen. Vorhang auf für den Präsidenten des Internationalen Fußballverbandes bei seiner Rede vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg am Mittwoch (26.01.2022): „Wir müssen Wege finden, den Afrikanern Hoffnung zu geben, damit sie nicht über das Mittelmeer kommen, um vielleicht ein besseres Leben zu finden, aber wahrscheinlicher den Tod auf See finden. Wir müssen Möglichkeiten und Würde geben.“ Siehe: https://www.landeszeitung.de/nachrichten/sport-ueberregional/466857-infantino-verteidigt-wm-plaene-muessen-den-afrikanern-hoffnung-geben/

    Aber wenn man es so recht bedenkt, steckt Infantino da doch ein bisschen in den Zwängen gestrigen Denkens fest. Und zwar entweder in der Rolle als männlicher, weißer, Schweizer Retter – wo war eigentlich das Bernhardiner-Schnapsfässchen? – oder weil er nun behauptet, missinterpretiert worden zu sein.

    Nein, Infantino greift zu kurz. Da geht doch noch mehr. Und zwar: immer. Im Grunde darf kein Tag mehr vergehen, an dem nicht Fußballweltmeisterschaft ist. Wer will die unheilvollen Gedanken verantworten, die der Menschheit ansonsten kommen?

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  10. Andreas Janowitz schreibt:

    Und: NATÜRLICH! Was für eine Anfängertruppe! (20Mio. den Orkus runtergespült!)

    https://vincent.callebaut.org/zoom/projects/210323_pollinatorpark/polinnatorpark_pl006
    https://vincent.callebaut.org/zoom/projects/210323_pollinatorpark/polinnatorpark_pl005

    (Ich begrüsse das Rumgelunger um diese Uhrzeit!

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  11. Oder eher um diese Schwester? Zur Definition der Latte-Macchiato-Mutter und zwar der ursprünglichen aus der Trendstudie vom September 2006 „Modern Moms – Lebenswelten zwischen Kindern, Karriere und Konsum“. Dort heißt es im Titel „Latte-Macchiato-Mütter: Lebensqualität und grüner Lifestyle als oberstes Ziel“ und in den Studienergebnissen:

    „Sie ist in urbanen Milieus oder in ihrem kleinen Paradies auf dem Land zu Hause. Latte-Macchiato-Mütter sind typische LOHAS: Frauen, die mit ihrer Familie den neuen grünen „Lifestyle of Health and Sustainability“ pflegen. Gesundheitsbewusstsein, Nachhaltigkeitsdenken, Umweltorientierung, Lebensqualität, all das ist grundlegender Bestandteil ihres Lebens- und Konsum­stils. Sie verbinden das eigene Wohlfühlbedürfnis mit der Ver­antwortung für ihre Kinder und die Gesellschaft, sowie mit ethi­schem Konsum. Latte-Macchiato-Mütter sind aber keineswegs vergleichbar mit den konsumkritischen „Ökos“ der 70er und 80er Jahre. Trendbewusst leben sie außerhalb ideologischer Dogmen und sind Teil der gesellschaftlichen Mitte. Was sie auszeichnet ist einen Wertepluralismus: Selbstverwirklichung und Familie, gesunde Ernährung und Genuss, Spaß am Leben und finanzielle Sicherheit, naturnahes Wohnen und urbane Atmosphäre, Mobi­lität und saubere Öko-Bilanz. Lebensmittel kauft sie am liebsten im Bio-Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt. Ebenso genießt sie es aber auch, gemeinsam mit Freunden und den Kindern ins Café oder Restaurant zum Essen zu gehen. Sie sind immer aktiv und mobil: Ob in der Ausstellung, beim Kurzurlaub auf der Finca oder bei Freunden in einer der Metropolen der Welt, Familienle­ben heißt, daheim nicht zu versauern.

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  12. ezwoh schreibt:

    Der Analyse ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Aber: Der Stadtentwicklungsplan ist dann sinnvoll, wenn man bis zu seiner Fertigstellung keine neuen Baugebiete errichtet. Genau das ist einzufordern.
    Wenn weiter drauflos gebaut wird, behalten Sie Recht mit der Einschätzung „Steuergeld-Vernichtung“.
    Ich hoffe, dass Sie nicht Recht behalten.

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