Die Leuphana und Marschall Potjomkin

Lüneburg, 12. März

Die Leuphana-Uhr tickt schneller. Sie treibt nicht das Faktische, sondern das Fantastische. Und die Leuphana versteht es, mit Symbolik, Metaphern und Mythen virtuos an der Lüneburger Uni-Geschichte zu schreiben.

Als Prominente mit viel Tamtam den Grundstein für den Libeskind-Bau legten, vermisste niemand die Baugrube, die kam zehn Monate später. Als die Uni vor einem fröstelnden Auditorium im Januar 2015 Richtfest feierte, war nicht alles gerichtet, und am Wochenende bei der Einweihung sah es nicht anders aus. Ein bisschen Potemkin, scheint’s,  ist auf dem Campus im Spiel.

Der Begriff geht zurück auf den russischen Feldmarschall Reichsfürst Grigori Alexandrowitsch Potjomkin. Der soll beim Besuch seiner Zarin Katharina der Großen im eroberten Neurussland am Wegesrand Dörfer aus bemalten Fassaden aufgestellt haben, um zu suggerieren: alles bestens.

Ganz so war es in der Leuphana nicht. Aber wo Fahrstuhl-Begleiter nötig sind, die einen nur bis zum 1. Stock chauffieren, und allerorten Türsteher einem den Durchgang verwehren, liegt der Verdacht nahe, dass eben noch nicht alles bestellt ist. Das ist auch gar nicht schlimm, und das könnte die Uni ruhig offen kommunizieren.

Das Unfertige ist für eine Modell-Universität im Umbruch der eigentliche Zustand. Und nicht anders ist es eben mit dem Libeskind-Bau, diesem mit Symbolik gegen die NS-Zeit, für freies und queres Denken, für Aufbruch, Zukunft, Kreativität und Kommunikation schwer aufgeladenen Bau, um den eine Entstehungs-Mythologie gerankt wird.

Es ist ja nicht so, dass alle Lüneburger diesen Bau lieben, und es ist nicht gut, dass nicht alle Sonnabend einen Blick haben werfen dürfen auf diese außergewöhnliche Architektur. Die Uni steht hier in einer dringenden Bringschuld.

Lüneburger und Leuphanisten sollten versuchen, diesen extrovertierten Bau gemeinsam zu erobern und schätzen zu lernen, es einmal mit Aufrichtigkeit und Transparenz versuchen. Wenn’s teurer wird, dann muss man nicht abwarten, bis es nicht mehr zu verheimlichen ist, auch dazu kann man stehen. Wenn etwas schiefläuft, dann ist das allzu menschlich.

Die Chef-Leuphanisten sollten weniger in Freund und Feind und Zirkeln denken. Deswegen sitzen sie für viele Lüneburger immer noch im Elfenbeinturm fest. Das Grundmissverständnis liegt darin begründet, dass die Uhren der Visionäre und die der bodenständigen Bürgergesellschaft verschieden ticken. Nur, die, die voranschreiten, müssen die anderen mitreißen. Sonst drehen sie sich um, stehen allein da und hören von hinten den in diesem Fall nicht nett gemeinten Ruf: „Elitär!“ Und dann bleibt auch der zackige Neubau, was er für viele zurzeit noch in Lüneburg ist: eine Bildungs-Zitadelle und keine Agora.

Hans-Herbert Jenckel

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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68 Antworten zu Die Leuphana und Marschall Potjomkin

  1. Regine schreibt:

    „Die Kleider beziehen ihren kommerziellen Wert in allen modernen Gesellschaften viel eher aus der Tatsache, daß sie der Mode entsprechen und also Prestige besitzen, als aus dem Umstand, daß sie ihren eigentlichen Zweck, nämlich die Person des Trägers zu kleiden und zu schützen, erfüllen. Das Bedürfnis, sich anzuziehen, gehört damit zu den ,höheren’ oder geistigen Bedürfnissen.“ (Thorstein B. Veblen, „Theorie der feinen Leute“, 1899)

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  2. Söhnke schreibt:

    Am Mittwoch (12. April) durften die Studis auch mal ganz kurz in den halbfettigen Libeskind-Palast reinschnuppern.

    Boa hey, es war so schön da drin. Überall nur Liebe und Gewinnerwartungen. Und dann macht die Politik da nix, ne. Schiebt voll den Streß, total ungeil. Statt einfach dem Big Business endlich mal Tür und Herz zu öffnen, behandeln die Gras noch immer als was Illegales. Da kann ich nur hoffen, daß Mutter Gaia ihre Erstgeborenen schlachtet. Alles muß im Gleichgewicht sein, verstehst du? Peace, Mann, ey, make love, not war!

    Mehr dazu hier:

    http://www2.leuphana.de/univativ/eroeffnung-des-zentralgebaeudes-part-2-jetzt-auch-fuer-studis-aus-mettwurst-macht-man-kein-marzipan/#more-8607

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  3. Max Schöteburg schreibt:

    Hat sich auch jemand das durchgeknallte Video mit Holm Keller und seinem langen Schal angesehen? (https://www.youtube.com/watch?v=NQh9jnF4UvM) Erinnert man sich, jemals seit dem Leuphana-Auftritt des parapsychologisch begabten Lebenshilfe-Mediums Horst Opaschowski am 8. Oktober 2014 eine absurdere Clownerie über ignorante Selbstgefälligkeit, aufdringliche Zukunftsflüsterei und magisch murmelnde Geisterbeschwörungen geboten bekommen zu haben?

    „Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren”, schrieb Lessing, der Mann der Aufklärung, 1772 in einem seiner bürgerlichen Trauerspiele. 234 Jahre später sagt der Erzähler in Hermann Peter Piwitts Groteske „Jahre unter ihnen“: „Um verrückt zu werden, genügte es, daß man lebte; soviel hatte ich begriffen“. Soviel zum Thema Fortschritt. Andererseits gibt es beruhigende Perspektiven: „Ist man einmal verrückt, ist alles einfach. Aber wie schwer ist der Weg dahin!“

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  4. Klaus Bruns schreibt:

    lieber herr woltersen

    Meine Damen und Herren! Was kann als Grundsatz parlamentarischer Arbeit betrachtet werden? Politik im Sinne sozialer Verantwortung bedeutet, und davon sollte man ausgehen, das ist doch, ohne darum herum zu reden, in Anbetracht der Situation, in der wir uns befinden.“ warum sprechen politiker so? weil:sie suchen eine Kundschaft um sich herum, die in einem erheblichen Maße in geschlossenen Kommunikationsräumen agiert, sich wechselseitig der selbstbestellten Relevanz von Informationen versichert und aufgrund der darauf abgefragten korrespondierenden Informationen oder Kommentare ein Weltbild festigt, das – wenn es mit externen Informationen aus der ,alten‘ Medienwelt konfrontiert wird – die erstaunliche, aber ,subjektiv plausible‘, reflexhafte Kritik erzeugt, das alles sei gelogen.
    der unterschied zum bürger liegt in der tatsache: die einen wollen herrschen und nicht dienen, die anderen nur ihre ruhe und ihr auskommen. schmunzel.

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  5. Luisa Schipper schreibt:

    Sehr geehrter Ratsherr Pauly,

    im Abendblatt lese ich gerade:

    „Die Leuphana Universität Lüneburg ist eine von insgesamt drei deutschen Universitäten, die vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für den Genius Loci-Preis für Lehrexzellenz nominiert sind.“
    Und:
    „‚Die Nominierung für den Preis bedeutet für uns eine wichtige Anerkennung für unser deutschlandweit einmaliges Studienmodell und unser systematisches Bemühen um die Entwicklung anspruchsvoller Lehrangebote und Studienbedingungen‘, sagt Universitätspräsident Sascha Spoun.“ (http://www.abendblatt.de/hamburg/harburg/article210000485/Leuphana-Universitaet-ist-fuer-Lehrexzellenz-Preis-nominiert.html)

    Lieber Herr Pauly, ist die Nominierung nun „Anerkennung für unser deutschlandweit einmaliges Studienmodell“, von dessen „deutschlandweiter Einmaligkeit“ eigentlich immer nur Herr Spoun und seine Angestellten reden, ODER ist die Nominierung vielleicht – zumindest auch – Resultat der Tatsache, dass der Aufsichtsratsvorsitzende der „unternehmerischen Hochschule Leuphana“, Dr. Volker Meyer-Guckel, zugleich stellvertretender Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung der nominierenden Lobbyorganisation „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft“ ist?

    Und würden Sie sich morgen mit dem „Linksliberalen Europäischen Denkerpreis“ in der Presse großtun, wenn Ihr Parteikollege Karlheinz Fahrenwaldt sich den vorgestern ausgedacht, gestern gestaltet und heute an Sie verliehen hätte?

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  6. Klaus Bruns schreibt:

    Michèl Pauly , deine aussage:Eine Bauruine als Symbol der Rechthaberei braucht niemand. dieses sehe ich anders. hier geht es nicht um rechthaberei ,sondern um ein exampel, was wohl nötig ist, um einer bestimmten klientel deren grundlagen zu entziehen. was würde denn wirklich passieren, wenn lüneburg nicht den überhöhten preis zahlen würde? eine ruine? wohl kaum. damit wird gern gedroht, aber wie wahrscheinlich ist dieses denn wirklich? die zauberkünstler, die hier die treibenden kräfte sind, werden bestimmt weiter zaubern. es geht auch um denkmalpflege. man stelle sich vor, diese zauberer würden scheitern, damit würde deren zaubererkarriere schnell beendet sein. es werden garantiert andere dumme gesucht und gefunden. politiker sind deswegen oft zu weicheiern geworden, weil sie unbedingt wiedergewählt werden wollen. diese zauberer wissen das und nutzen es aus.

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    • Kurt Woltersen schreibt:

      Lieber Herr Bruns, bedenken Sie, wie schrecklich die Verdächtigungen sind, mit denen Sie sich hier tragen. Wie sind Sie darauf verfallen? Von welchem Standpunkt aus haben Sie geurteilt? Bedenken Sie, dass wir in Lüneburg und dass wir Christen sind! Befragen Sie Ihren Verstand, Ihren Sinn für das Wahrscheinliche, Ihre eigene Wahrnehmung: Wo um sich her haben Sie so etwas erlebt? Bereitet uns denn unsere Erziehung auf solche Abscheulichkeiten vor? Üben unsere Gesetze Nachsicht dagegen? Könnten sie etwa unentdeckt bleiben in einem Lande wie diesem, wo der gesellschaftliche und schriftliche Verkehr so auf der Höhe der Zeit ist, wo jeder Mensch von einer Nachbarschaft aus Amateurspionen umringt ist und wo Reisende und Zeitungen alles und jedes aufdecken? Wertester Herr Bruns, welchen Gedanken haben Sie sich da überlassen?

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      • Klaus Bruns schreibt:

        lieber herr woltersen,
        wer sich wie ich über 40 jahre mit der politik beschäftigt hat, hält nicht viel vom glauben, sondern eher von selbstgemachte erfahrungen. bedenken sie, unsere größte gruppe in unserer gesellschaft sind atheisten,sie werden gern von den sogenannten gläubigen gegängelt. nennt man missionieren. schmunzeln. der tanz um das goldene kalb ist bei uns groß in mode. in den parteien gibt es da eine schöne variante. nach dem motto: du kaufst bei mir die fenster, ich bei dir die türen. wehe, man ist nicht in der lage , etwas zu bieten,oder zu kaufen. ihr zitat:Bereitet uns denn unsere Erziehung auf solche Abscheulichkeiten vor? ja, nennt man egoismus. egoisten werden nicht geboren, sondern erzogen. sie sind das ergebnis von leistungszwang. unsere kinder werden schon für die wirtschaft ,,veredelt,,. unsere gesellschaftlichen werte haben sich in richtung kapital verschoben. wie es endet, kann man gut in den usa sehen. was in lüneburg gerade bei der cdu abgeht, zeigt doch, wie wahr doch die steigerung von todfeind ist, nämlich parteifreund,schmunzeln. ehrlich währt (dauert) am längsten. diese erkenntnis hat sich rumgesprochen und kaum noch jemand hat die zeit,solange zu warten. schmunzeln. wenn ein gläubiger in der politik nicht mehr weiter weiß, kommt gern folgender satz: ich gehe davon aus….. klüngel ist keine erfindung aus köln. ob es aus st. gallen kommt?

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      • Kurt Woltersen schreibt:

        Lieber Herr Bruns,

        in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von heute, den 26. März 2017, gibt es auf Seite vier einen kleinen Bericht über ein am Freitag mit dem scheidenden Parlamentspräsidenten Norbert Lammert geführtes Gespräch, in welchem der „am tiefsten verschachtelte Satz“ des christdemokratischen Ausnahmepolitikers gestattet, durch das simple Austauschen eines einzigen Wortes (ich habe meine Überschreibung durch Großbuchstaben markiert) die beunruhigende Verbreitung des Diagnostizierten zu erkennen:

        „DAS LEUPHANA-PRÄSIDIUM versammelt eine Kundschaft um sich herum, die in einem erheblichen Maße in geschlossenen Kommunikationsräumen agiert, sich wechselseitig der selbstbestellten Relevanz von Informationen versichert und aufgrund der darauf abgefragten korrespondierenden Informationen oder Kommentare ein Weltbild festigt, das – wenn es mit externen Informationen aus der ,alten‘ Medienwelt konfrontiert wird – die erstaunliche, aber ,subjektiv plausible‘, reflexhafte Kritik erzeugt, das alles sei gelogen. Lügenpresse.“

        Meine Frage an Sie, Herr Bruns: Wenn Sie die mittels Versalien von mir gekennzeichnete Variable versuchsweise einmal durch „MEIN DENKEN“ oder „ICH“ ersetzen, fühlen Sie sich dann nicht aufgerufen zu überlegen, wie nahe Sie selbst den von Ihnen aufs Korn genommenen Leuphanasen und Politikern eventuell sein könnten?

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  7. Klaus Bruns schreibt:

    Hallo Gitti Schrader ,
    wasch mir den pelz aber mach mich nicht nass , ist bei uns ein nettes gesellschaftsspiel. nach dem motto: ich übernehme die verantwortung, aber hier ist meine kontonummer, die ist aber nur für einzahlungen zu benutzen. in der politik macht eine spezielle spezies dass größte problem aus. es sind nicht die politiker auf zeit, es sind die, die ihr lebenlang erwarten , wenn sie aufstehen, wird der stuhl auf dem sie sitzen, an ihrem hintern kleben bleiben. warum gibt es in der wirtschaft wohl so viele ,,gmbh/(ko)/kg,,?schmunzeln.

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  8. Stefan König schreibt:

    „Die, die voranschreiten, müssen die anderen mitreißen“, Herr Jenckel?

    Wie aber, wenn die sich gar nicht mitreißen lassen möchten? Und gut daran tun, weil sie erkannt haben, es geht in die falsche Richtung? Weil sie sehen, das Traumschiff an der „Schaumschlägertwiete“ (Jutta Hansen, 15. Februar 2017, 12:02 h) rutscht auf einen Abgrund zu?

    Auf der Leuphana-Seite, wo jener festliche „Auftakt“ der geplanten mehrmonatigen PR- und Event-Kaskade der Audimax-„Eröffnungsphase“ werbetechnisch optimiert präsentiert wird (der Name „Sascha Spoun“ kommt 28 Mal vor), auf den Sie mit Ihrem Tadel für die missachtete „Bringschuld“ der Hochschulleitung wohl anspielen, Herr Jenckel (http://www.leuphana.de/news/meldungen-universitaet/ansicht/datum/2017/03/12/festlicher-auftakt-zur-eroeffnung-des-zentralgebaeudes.html), dort gibt es nicht den allerkleinsten Hinweis – natürlich, wie man im Wissen um den notorisch unsouveränen Kleinmut der Leuphana-Geschäftsleitung sagen muss – auf den einzigen Redebeitrag, der in die betäubenden Weihrauchschwaden der abgefackelten Schema F-Elogen vom 11. März eine Kopfnote eigenständigen „Querdenkens“ gebracht hat: der Redebeitrag der beiden AStA-Sprecher*innen Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou.

    Die beiden (zwei von fünfzehn (!), geladenen) mutigen, nachdenklichen und sehr eloquenten Studierenden haben die Phrase von der „unternehmerischen Hochschule“ aufgespießt und darauf aufmerksam gemacht, dass der Inhalt, des sehr teuren Gefäßes, auf den es ja angeblich doch ankommt, faulig riecht. Wenn nämlich Hochschulen sich selbst als unternehmerische Hochschule bezeichnen oder – was häufiger vorkommt – Hochschulen von hochschulpolitischen Lobbyorganisationen (wie dem sogenannten „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft“) dieses Konzept eingeflüstert wird, dann geht es um die Übernahme von Managementinstrumenten, die sich – vermeintlich – in Unternehmen bewährt haben: Kennziffern sollen in der Organisation erhoben, Zielvereinbarungen abgeschlossen, ein übergreifendes Qualitätsmanagement eingeführt, Kundenbefragungen durchgeführt, das Controlling verstärkt und die Leistungsanreize intensiviert werden. Mithilfe von Organisationsberatern übernehmen Universitäten dann diese Managementinstrumente mit „Copy and Paste“ aus der Unternehmenswelt, häufig ohne sich über die ungewollten Nebenfolgen zu informieren, die sie in Unternehmen produziert haben. Nur, mit einer grundlegenden Umstellung der Finanzierungslogik von Universitäten, der vollen Übernahme des privatwirtschaftlichen Refinanzierungsrisikos, hat dieses Kopieren von Managementstrategien nichts zu tun.

    Staatliche Hochschulen, auch wenn sie wie die Leuphana mit Verweis auf eine – sehr mickrige – Eigenkapitalbasis ihren „Stiftungsstatus“ betonen, können immer noch nicht pleitegehen, weil ihr Erfolg nicht (allein) von dem Verkauf von Produkten (Dienst- und Beratungsleistungen, Gutachten, Studien, etc.) abhängt, sondern davon, wie viel Geld sie bei den Verhandlungen mit ihren Ministerinnen und Ministern herausholen. Aber allein schon die Einführung der Managementinstrumente aus der Unternehmenswelt zieht Effekte nach sich, wie wir sie aus typischen Unternehmen seit über hundert Jahren kennen. Eine gestärkte Zentrale der Universität fordert immer mehr Berichtspflichten ein, was zu den aus Unternehmen bekannten Bürokratisierungseffekten führt. Es werden immer mehr Stabsstellen geschaffen, die von den operativen Leistungserbringern (den Lehrenden und Forschenden) in den Dezentralen (den Fachbereichen) nur als Teil eines rasant wachsenden Wasserkopfes betrachtet werden. Die Kontrollen der Zentrale werden verstärkt, was, wie wir aus der Organisationsforschung wissen, das eigentlich motivierte Personal demotiviert, das dann wiederum über Prämienzahlungen, Auszeichnungen und Lehrdeputatsnachlässe motiviert werden muss.

    Das Problem bei der häufig ungeprüften Übernahme von Managementinstrumenten aus der Wirtschaft ist, dass sie vielleicht für die am Modell der Fließbandproduktion orientierten und auf den Ausstoß standardisierter Produkte geeichten Unternehmen Sinn machen mögen, dass sie aber für die Steuerung der Arbeit an den Universitäten nicht selten völlig ungeeignet sind. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich eben schwer planen, die Lernfortschritte von Studierenden lassen sich nur schwer steuern, und Wissenschaftler werden nicht unbedingt besser, wenn sie mehr Geld bekommen. Deswegen brechen sich hier – noch viel stärker als in Unternehmen – die Steuerungsvorstellungen der Zentrale an der alltäglichen Arbeit, die in den Dezentralen einer Universität oder einer Fachhochschule verrichtet wird.

    Nur dadurch, dass die Ministerien mit „ihren“ Universitäten Zielvereinbarungen über Studierendenzahlen, Absolventenquoten oder einzuwerbende Drittmittel abschließen, werden diese noch lange nicht zu Unternehmen. Schließlich kommen die zusätzlichen Gelder, die die Universität von ihren Ministerien als Prämienzahlung für ein erfolgreiches Drittmittelgeschäft erhält, genauso wie ein großer Teil der Drittmittel selbst aus Steuermitteln. Insofern sind Erfolge in diesem „Geschäft“ eben gerade nicht Ausdruck davon, dass eine Universität am Markt bestehen kann, sondern vielmehr davon, dass eine Universität in der Lage ist, sich geschickt – und zuweilen auf betrügerische Weise – an den politischen Rahmenvorgaben zu orientieren.

    Wir sollten den Begriff der „unternehmerischen Universität“ deshalb für die Hochschulen reservieren, die sich maßgeblich über den Verkauf von Dienstleistungen refinanzieren. Dabei reicht es nicht aus, wenn Hochschulen fünf Prozent ihrer Einnahmen aus staatlich angeordneten Studiengebühren generieren oder einen kleinen Teil ihres Personals über den Verkauf von Gutachten, Forschungspatenten oder Beratungsleistungen finanzieren. Schließlich wird das Bundespräsidialamt ja auch nicht zum Unternehmen, wenn es in seinem Amtssitz Münzen mit den Porträts der Bundespräsidenten verkauft oder für ihre jährlichen Gartenpartys Lizenzen für den Alkoholausschank meistbietend versteigert.

    Und bei dieser Engfassung des Begriffs der unternehmerischen Universität fällt dann ein nahezu paradoxer Aspekt auf. Gerade für die Universitäten, die sich nicht (oder – so am Bockelsberg – noch nicht) wie Unternehmen über den Verkauf von Dienstleistungen finanzieren, sondern erhebliche jährliche Zuwendungen durch den Staat erhalten, scheint die Verwendung des Begriffes der unternehmerischen Universität besonders attraktiv zu sein. Durch das Kopieren der Semantik – und dann weitergehend auch der Managementinstrumente – von Unternehmen hoffen sie, eine Dynamik suggerieren zu können, die sie sich als Empfänger von Steuergeldern anscheinend selbst nicht zutrauen. Interessanterweise sind die Universitäten jedoch, die sich weitgehend über den Verkauf von Ausbildungen und Abschlüssen an Studierende finanzieren und insofern eine Beschreibung als Unternehmen verdienen würden, äußerst zurückhaltend damit, sich selbst als „unternehmerische Universität“ zu beschreiben. Vermutlich würden sie sogar viel dafür geben (und vielleicht auch bezahlen), um in der Öffentlichkeit nicht als an der Wirtschaft ausgerichtete Unternehmen, sondern als an der Wissenschaft ausgerichtete Universitäten wahrgenommen zu werden.

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    • Regine Burger schreibt:

      Ausgezeichnete Lagebeschreibung!

      Doch ist eine Korrektur nötig. Auf der Hochschul-Hompage werden die AStA-Leute und ihre Anmerkungen, jedenfalls jetzt, am 20. März 2017 um 11 Uhr und 49 Minuten, allerdings um ihren scharfen Kommentar zum Zentralgebäude und zur Unaufrichtigkeit des Präsidiums bereinigt, folgendermaßen erwähnt:

      ASTA: „WIR MÜSSEN HIERARCHIEN HERAUSFORDERN UND TATSACHEN HINTERFRAGEN“
      „Damit die Hochschuldemokratie nicht in Schieflage gerät und bleibt, muss jeder die eigene Stimme verstärken. Außerdem sollten alle Gremien in alle Entscheidungen mit einbezogen werden“, forderte Susanna Dedring, Sprecherin des AStA . „Der Bologna-Prozess hat zu einem Wettkampf zwischen den Hochschulen um Fördermittel und Professor_innen geführt, der dem eigentlichen Ziel – der Bildung – im Wege steht“, ergänzte AstA-Sprecher Benjamin Christodoulou. Sie forderten dazu auf, kritisch zu bleiben: „Wir müssen mutig sein – um Hierarchien herauszufordern und Tatsachen zu hinterfragen. Wir müssen eine kritische Bildung aufbauen und die Wissenschaft vorantreiben.“

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  9. Ute Hennings schreibt:

    Lieber Ratsherr Niels Webersinn,

    hier geht es um die Themen Fake News, Mythen in Tüten, Manipulation und das für Demokratien lebensgefährliche Verdampfen von Vertrauen, dem eine Wissenschaftsstadt durch die Restitution und Pflege von Ehrlichkeit, den Mut zu einer lebendigen Streitkultur und die Inkaufnahme des Risikos, dass nicht immer alle allen zustimmen, vielleicht entgegen wirken könnte.

    Haben Sie die guten Statements beispielsweise von Susanna Dedring, Benjamin Christodoulou, Hans-Herbert Jenckel, Ulrich Löb, Michèl Pauly, Jochen Bergmann, Karlheinz Fahrenwaldt, Klaus Bruns, usw. zur Kenntnis genommen?

    Sebastian Heilmann und ich fragen Sie: Mögen Sie da eventuell auch noch ihre Einschätzung dazuschreiben – uns würde die interessieren. Viele Grüße!

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  10. Jochen Bergmann schreibt:

    Eine der – nach meinem Eindruck – aufrichtigsten, unverstelltesten, von potemkinschem Fassadenvokabular weitgehend freien Reden hat am 11. März bei der „Eröffnung“ des Leuphana Zentralgebäudes neben den beiden AStA-Sprecher*innen Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou der Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge gehalten:

    Zuerst hat er, sichtlich bewegt von der Freude, etwas für das Gemeinwesen erreicht zu haben, aus dem Nähkästlein geplaudert (»Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.«, Matthaeus 12:34):

    »Ich danke erstmal Ihnen, Herr Ministerpräsident! Als Sie ins Amt kamen, … bevor Sie ins Amt kamen, haben wir, vielleicht erinnern Sie sich noch, in einem Hotelhinterzimmer ein langes Gespräch geführt, am Rande einer Parteiveranstaltung. Wir haben über viele Dinge des Lebens gesprochen, und wir haben – unter anderem gesagt – auch über dieses Haus gesprochen. Und Sie haben mir zugesagt: ›Jawoll, ich bin überzeugt davon, ich unterstütz´ dich dabei und ich sage dir zu, dass dieses Haus zuendegebaut wird!‹ Dafür herzlichen Dank!« (Ab Minute 2:00 hier: https://www.youtube.com/watch?v=7blYSAo6Hjc)

    So geht Politik. Das Hinterzimmer spielt darin immer eine prominente Rolle. Ulrich Mädge gibt es umunwunden zu. Arthur Schnitzler hätte es so formuliert: »Was ist nicht Spiel, das wir auf Erden treiben, / Und schien es noch so groß und tief zu sein! / […] Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug.« (›Paracelsus‹ – Kapitel 3 – Elfter Auftritt)

    Diese — gewiss nicht unproblematische Ehrlichkeit — berechtigt aber den Oberbürgermeister, Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou zu loben — und dabei glaubwürdig zu sein! Dass Keller und Spoun, »sich immer der kritischen Diskussion gestellt« hätten, ist allerdings ein — vielen Menschen außerordentlich zweifelhafter — Privatglaube von Herrn Mädge. Und natürlich kann der Oberuli auch nicht aus seiner Haut, wenn er meint, statt »ich« sagen, im Namen »der Lüneburger« sprechen zu sollen. Das war unangebracht. Denn wie durch die Youtube-Zensur (s. o.: Doris Vossler, 16. März 2017 um 20:01Uhr) offenbar geworden ist, unterschreiben eben n i c h t alle Mädges großherzige Worte: »D e s w e g e n sind wir so überzeugt von der Idee der Universität, w e i l wir diese kritischen jungen Menschen haben wollen – im Dialog mit der Stadtgesellschaft und der Universitätsgesellschaft. Machen Sie weiter so! Bleiben Sie am Ball! Fordern Sie uns! Auch in der Kritik! Wir können es aushalten.«

    Manche wollen »diese kritischen jungen Menschen« eben nicht haben !

    Es wäre schön — bleibt aber wohl einstweilen noch ein Schnitzler- bzw. Jenckelscher Traum — wenn auch das Präsidium der Hochschule Lüneburg endlich bereit wäre, berechtigte Kritik auszuhalten, sich ihr tatsächlich unvoreingenommen zu stellen — und nicht ständig alles daran setzte, diese wegzugrinsen, zu retuschieren oder zu ersticken!

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    • Gertrud Hölscher schreibt:

      Naja, Herr Bergmann, ein ungetrübtes Selbstverhältnis ist keine moralische Qualität. Auch Trump und Erdoğan sind innerlich durchglüht von der Notwendigkeit ihrer Mission. Und wenn OB Mädge authentischer rüberkam als der Rest der Truppe, hat das auch daran gelegen, dass der eine Teil der übrigen Redner seine schiere Ratlosigkeit bemänteln musste (besonders die affektierte Begriffsblasenjonglage von Gabriele Heinen-Kljajić hat diese Not offenbart), während der andere Teil wortbesoffen nur seine eigene Großartigkeit zur Schau stellen wollte. Ich betone: Ulrich Mädge ist ein integrer Mann. Kein Zweifel! Aber das bewahrt ihn nicht vor dem Fehler, sein eigenes Tun und Lassen zu idealisieren und gegen Einwände zu immunisieren. Einschießendes Augenwasser in bewegenden Momenten autosuggestiver Selbstfeier gab es auch schon in anderen Volkskammern als dem Lüneburger Audimax.

      Und letztlich hat „der Oberuli“ in dem von Ihnen zitierten Redepart und an einigen weiteren Stellen seiner Grußadresse klar bekannt, was seit zehn Jahren vermutet, aber stets vehement bestritten wurde: Der Libeskind-Bau ist das „Stadtmarketingbaby“ einer kleinen Runde selbstgewisser alter Männer, die sich – noch ohne im Amt oder ohne qua Amt überhaupt jemals damit befasst gewesen zu sein – in „Hotelhinterzimmern“ zuschworen, ihm „in die Realität zu helfen“ – koste es, was es wolle! Herr Mädge selbst nennt vor allem die Namen der „Geburtshelfer“ Bernd Althusmann und Stephan Weil. Nicht nur beim Wegschauen, wenn es um jahrzehntelange kriminelle Dieselburgereien im Weltmaßstab geht, gibt es zwischen diesen beiden Wettbewerbern also Gemeinsamkeiten! Und vor dem Hintergrund solch arkaner Absprachen, die sich um die galoppierende ökonomystizistische Geisteszerrüttung ihres Akademia-Nüssleins gar nicht kümmern, sondern nur dessen Einkleidung tipptopp und picobello wünschen und dafür säckeweise Blankoschecks an den Bockelsberg transferiert haben, ist natürlich jetzt der jammervolle vierjährige Eiertanz der armen grünen Wissenschaftsministerin ebenso nachzuvollziehen, wie die snobistisch überkandidelte, zuweilen an Irrsinn grenzende Selbstherrlichkeit der leupanatischen Regierungsfunktionäre.

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      • Jörg Thomann schreibt:

        Hallo,

        können wir nicht froh sein, dass die „kleine Runde selbstgewisser alter Männer“ die Steuermillionen wenigstens in Beton und Fremdenverkehrswerbung investiert?

        Die Regierenden in den Ländern Südeuropas (zu denen, wie ich annehme, von Holland aus gesehen, auch Südniedersachsen gehört) „geben all ihr Geld für Alkohol und Frauen aus und rufen dann nach Hilfe“, soll der niederländische Finanzminister und Vorsitzende der Euro-Gruppe Jeroen Dijsselbloem vorgestern gesagt haben.

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    • Wilhelm Lindemann schreibt:

      Im November 2006 war doch Bundespräsident Wulff noch niedersächsischer Regierungschef. Bis dann vom 1. Juli 2010 bis zum 1. Februar 2013 David McAllister dem Land, den Wählern und den Lüneburgern als Väterchen und Familienvorstand, als Aufsichtsratsvorsitzender von VW aber dem Konzern als oberster Lobbyist verpflichtet war. Erst dann kam Stephan Weil und übernahm all die schönen Aufgaben und weiß und sagt seitem, was „das Land“ möchte und was „die Bürger“ freut.

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  11. Alexander schreibt:

    „Die Leuphana-Uhr tickt schneller.“

    Aus der Sprache des Mythos in die des Alltags übersetzt (in dem – nach Heidegger UND Habermas – gelebt, gearbeitet und gestorben wird), heißt das schlicht:

    „Die Leuphana-Uhr geht falsch.“

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  12. Jo Bembel schreibt:

    @ Jutta Hansen (15. März 2017 um 21:15)
    Da ich kein böswilliger Mensch bin, wünsche ich zum Wohle aller Nutzer des Zenztralgebäudes, dass die Raumluftkonditionierung einwandfrei funktioniert. Ich habe auch nur den Konjunktiv gebraucht.
    Aber vielleicht haben auch Sie schon erlebt oder davon gehört, dass auch teure Technik nicht automatisch einwandfrei funktioniert.

    Ich hoffe die „intelligenten“ Blenden sind „intelligenter“ als die intelligenten Jalousien, die ich vor 25 Jahren außen vor meinem gläsernen Büro (im ersten Bürogebäude nur mit Glasfassade in Deutschland) hatte. Die schlossen und öffneten sich mitunter alle paar Sekunden (kaum war der eine Zustand erreicht wurde schon wieder der andere eingeleitet) weil ein Wölkchen vorbeizog. Sich dabei zu konzentrieren war eher schwieriger, wie Sie sich vorstellen können. Und zum Thema „phototrope Gläser“ möchte ich nur anmerken, dass diese sich bei Brillen m.W. nicht durchgesetzt haben, da diese zu äußerst lichtempfindlichen Augen führten. Aber ich bin mir sicher, im Falle einer zu starken Abdunkelung wird sich die „energiesparsame“ Beleuchtung im Gebäude automatisch einschalten.
    Die Zukunft wird es weisen und ich hoffe, dass ich falsch liege.
    Immerhin wurde der größte Fehler (große Glasflächen auf der Südseite) wohl nicht gemacht.

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    • Werner Fuchs schreibt:

      Ich glaube, intelligenter als die „intelligenten“ Blenden (und die intelligenten Jalousien, die Sie vor 25 Jahren außen vor Ihrem gläsernen Büro, dem ersten Bürogebäude nur mit Glasfassade in Deutschland [!!] hatten,) sind auf jeden Fall die „intelligenten“ Blender.

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  13. Doris Vossler schreibt:

    SO GEHT INFORMATIONSPOLITIK :

    In einem glänzenden Univativ-Beitrag hat Kim Torster über folgendes Detail der Eröffnungsfeier berichtet:

    „Seit Bekanntwerden des Bauvorhabens kritisiert ebenso der AStA das Projekt. Vor allem die hohen Kosten und die Tatsache, dass für das Gebäude niemand geringerer als Star-Architekt Daniel Libeskind engagiert werden musste, der schon vorher mit Keller und Spoun geschäftlich korrespondiert haben soll, ist vielen Menschen ein Dorn im Auge.

    Und so kam es, dass die beiden AStA-Sprecher*innen Susanna Dedring (die peinlicheweise auf dem Programm-Papier in „Susanne“ umgetauft wurde) und Benjamin Christodoulou diese Probleme auch bei ihrer Rede thematisierten. Dass man den beiden überhaupt die Möglichkeit gegeben hatten auf der Eröffnungsfeier zu sprechen, überrasche sie allerdings positiv. Bei der Planung des Zentralgebäudes hatte man schließlich auf den AStA – die Vertretung aller Student*innen – verzichtet.

    Die Kritik des Allgemeinen Student*innenausschusses sollte jedoch die einzige an diesem Tag bleiben. Von der Zuhörerschaft, die überwiegend aus Frauen und Männern zwischen 50 und 90 bestand, gab es dafür nur mäßig motivierten Applaus – anders als für die anderen Redner.“
    http://www2.leuphana.de/univativ/ein-quartett-zwei-taenzerinnen-und-leuphana-cocktails-die-eroeffnung-des-neuen-zentralgebaeudes/#more-8538

    BEMERKENSWERT in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass unser liebes Leuphana-Marketing HEUTE, Donnerstag, den 16. März, vor wenigen Stunden bei Youtube die Videos sämtlicher Redebeiträge eingestellt hat (unter dem Stichwort „Eröffnung Leuphana Zentralgebäude“ leicht zu finden), unter denen bis vor einer Stunde (17:40 Uhr) auch noch das der beiden AStA-Sprecher*innen SUSANNA DEDRING und BENJAMIN CHRISTODOULOU zu finden war (https://www.youtube.com/watch?v=oJeGLs4mOjo). Ein Versehen! Kritik soll es nicht geben. Das Video mit dem Redebeitrag von Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou ist bei Yotube wieder verschwunden.

    Honi soit qui mal y pense !

    Oder?

    WAS SAGEN SIE DAZU, HERR LÖB?

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    • Luzia schreibt:

      Das geht ja wohl gar nicht! Herr Jenckel, können Sie rausfinden, was da mit den AStA-Reden läuft im Läufi-Präsidium? Wieso alle anderen „Quer-“ und „Freidenker“ von der „Hochschulkommunikation“ wie die Soldaten durchnummeriert bei Youtube erscheinen, aber die von Susanna und Benjamin wieder abgeschaltet worden ist? Arbeit am Mythos? Medienzensur? Wie in Polen, Russland, Nordkorea, Ungarn, China, auf den Philippinen und in der Türkei? Oder doch nur die Mithilfe beim Bau einer Welt aus „alternativen Fakten“?

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      • jj schreibt:

        Ich habe die Frage an die Uni gestellt LG hhjenckel

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      • Ferdi schreibt:

        Interessant auch, Herr Jenckel, dass wenige Minuten, nachdem Ihre Anfrage bei den Leuphanatikern eingegangen sein muss, die freie Diskussion beim Studi-Zentralorgan „Univativ“, eingeschränkt worden ist, wo ebenfalls das Wort „Zensur“ fiel, und nun gefordert wird: „Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.“
        http://www2.leuphana.de/univativ/ein-quartett-zwei-taenzerinnen-und-leuphana-cocktails-die-eroeffnung-des-neuen-zentralgebaeudes/#more-8538

        So stelle ich mir die Verhältnisse an der Humboldt-Universität um 1987 in Ostberlin vor.

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      • Juliane schreibt:

        Die Restriktionen sind, offenbar nach massivem Einspruch von AStA und Studierenden, wieder aufgehoben. War nur ein kurzzeitiges Vorzeigen der Instrumente. Sozusagen eine Blitzdemonstration von Gleichschaltungskompetenzen.

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      • Luzia schreibt:

        Sieh an, Herr Jenckel, was eine kleine Anfrage von Ihnen bewirkt!

        Das Video mit der Rede der beiden AStA-Sprecher*innen SUSANNA DEDRING und BENJAMIN CHRISTODOULOU ist heute um kurz nach 18:00 Uhr vom Leuphana-Marketing wieder bei Youtube eingestellt worden und es ist bereits nach drei Stunden der am häufigsten aufgerufene Clip aus der Reihe:

        Vielen Dank!

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      • Daniel schreibt:

        Das ausgezeichnete AStA-Grußwort von Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou anlässlich der Eröffnungsfeier des neuen Zentralgebäudes am 11. März 2017 ist nun auch schriftlich dokumentiert:

        https://www.asta-lueneburg.de/wp-content/uploads/2017/01/Grußwort-zur-Eröffnung.pdf

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      • Kevin Schnell schreibt:

        Hallo Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou,

        in eurem mutigen und durchdachten Grußwort anlässlich der Eröffnungsfeier des neuen Zentralgebäudes am 11. März 2017 betont ihr:

        „Das Zentralgebäude verkörpert einen antifaschistischen Akt durch den Bruch mit Optik und Aufbau des Kasernengeländes – und das ist gut so.“

        Könnt ihr mir erklären, wie dem Libeskind-Bau gelingt, „durch den Bruch mit Optik und Aufbau des Kasernengeländes“ den vermeinten „antifaschistischen Akt“ zu „verkörpern“? Ja, es gibt einen drastischen, einen sogar extrem aufdringlich sich aufdrängenden Stilbruch zum Kontext! Aber was daran ist „antifaschistisch“? Sind Stilbrüche per se bzw. an und für sich „antifaschistisch“? Oder handelt es sich bei eurer Attributierung einfach um eine wunschmotiviert übernommene Floskel, deren Zuschreibung ihr aber nicht weiter begründen könnt?

        Wenn ihr bedenkt, woher die auffällig ins Auge stechende Zinkverkleidung des Monuments stammt, könnte dann nicht ebenso plausibel behauptet werden, der Bau dekonstruiere gar nicht militaristische Traditionen, sondern gerade umgekehrt: er zerstreue antimilitaristische Vorbehalte gegen Kooperationen neuen Typs mit der modernen Rüstungsindustrie?

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    • Chrissi schreibt:

      „Ein bisschen Potemkin, scheint’s, ist auf dem Campus im Spiel.“ (Hans-Herbert Jenckel)

      Ein bisschen?

      Scheint´s?

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  14. Peter Schuster schreibt:

    Hallo Ratsherr Pauly,

    ist nicht genau das, was Hans-Herbert Jenckel moniert und in Bezug worauf er alle davon Betroffenen mahnt, nach einem gangbaren Ausweg zu suchen, was Ihr Kollege, Ratsherr und Bürgermeister Löb, aber bestreitet und als Quantité négligeable einfach beiseite wischen möchte, der gefährliche Glutkern des Problemkomplexes, für den der Libeskind-Bau im Grunde nur ein Symbol ist, wenn auch ein sehr grelles? Ist nicht die anhaltend abstoßende Unaufrichtigkeit in der Intendanz des Regietheaters mit dem Neverland-Kunstnamen „Leuphana“ das, was die Zuschauer im Parkett empört? Von den Balkonen und Logenplätzen winkt und gestikuliert ein durch sich selbst betörter Sascha Spoun, Stephan Weil faselt etwas von einem „großartigen Ergebnis“, an das er „immer geglaubt“ habe, die – in ihren Oppositionszeiten – lauteste und schärfste Bau-Kritikerin Gabriele Heinen-Kljajić brüstet sich, 2013 den „Turnaround“ zur Wirtschaftlichkeit bewerkstelligt zu haben, OB Ulrich Mädge sieht blühende Landschaften sich vor seinem inneren Auge entfalten, durch welche Bäche von Milch und Honig plätschern und Schwärme reinen Glücks zwischen lieblichen Ambrosia- und Nektarkelchen hin- und hersummen, und Holm Keller prophezeit, in Kürze schon werde das Thema Geld vergessen sein und jeder werde „die Chancen“ erkennen und herbeieilen, um siegeswillig und erfolgsbeseelt nach ihnen zu greifen und so heranzureifen zum „Neuen Menschen“ (flink wie ein Windhund, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl (?)), den „die Herausforderungen der Zivilgesellschaft im 21. Jahrhundert“ nach seiner (und Ulrich Grillos (?)) Überzeugung unbedingt nötig machen.

    Wäre es jetzt nicht Zeit, zur Ehrlichkeit zurückzufinden, Herr Pauly?

    Sollten die Märchenfabrikanten der Leuphana nicht aufhören, „mit Symbolik, Metaphern und Mythen virtuos an der Lüneburger Uni-Geschichte zu schreiben“? Sollten sie nicht endlich bekennen, dass sie immer wieder nur „am Wegesrand Dörfer aus bemalten Fassaden aufgestellt haben, um zu suggerieren: alles bestens“? Warum nicht frei heraus sagen, was Jutta Hansen, Jo Bembel, Hans Christian Andersen und viele andere ohnehin bereits unabweisbar offen gelegt haben:

    Der Bockelsberger Signalbau von Daniel Libeskind ist eine Ikone der Hochschulreklame, ein Markenlabel, das für Aufmerksamkeit sorgen soll. Nicht mehr! Alle anderen „Storys“ sind nur behelfsmäßig herbeigeastete „Zwecknarrative“ die (gutgläubig oder zynisch) kaschieren möchten, dass Werbung ja eigentlich nur dann wirken kann, wenn sie sich als solche nicht zu erkennen gibt.

    Doch warum ab heute, nachdem die gewünschten Fakten nun geschaffen worden sind, es nicht ein für alle Mal mit Geradlinigkeit versuchen? „Das Unfertige ist für eine Modell-Universität im Umbruch der eigentliche Zustand“, schreibt ganz zutreffend Hans-Herbert Jenckel. Hat er nicht recht? „Das ist auch gar nicht schlimm, und das könnte die Uni ruhig offen kommunizieren.“

    Sind Sie anderer Meinung, Herr Pauly?

    Ich jedenfalls stimme Gertrud Hölscher zu, die Ihnen am 4. März 2017 um 1:36 Uhr geschrieben hat, „das Letzte“, das wahrhaft Schlimme sei, »dass niemand sieht und gesehen hat, in welcher Lage wir alle zusammen uns befinden, in einer Situation nämlich, in der förmlich zu hören ist, wie sich überall um uns herum immer rasender das Vertrauen in die Institutionen unseres öffentlichen Lebens rauschend verflüchtigt und auflöst. Die Boten der panischen Unvernunft sind doch bereits in den Rat vorgedrungen! Begreift denn niemand, wie wichtig es ist, Position zu beziehen, seine Gründe darzulegen, die Dinge zu erklären, zur Debatte zu stellen und das Risiko einzugehen, dass Widerspruch provoziert werden könnte? Niemand erwartet, dass nach jedermanns Mund geredet werden kann, dass es keine Differenzen geben wird. Aber jeder sieht das verdrückte Elend z. B. dieser läppischen Farce. Die einen lächeln gequält, die anderen schauen indigniert in eine andere Richtung. Wollen Sie denn alle immer weiter nur Theater spielen? Und möchten Sie wirklich den demagogischen Schreihälsen das Feld überlassen, die dann damit erfolgreich sein können, wenn sie den Leuten bei solchen Gelegenheiten vorschwindeln, sie nähmen sie ernst? Die, ohne dass noch eine redliche Entgegnung möglich ist oder durchdringen kann, behaupten „die da oben“, das „Establishment“, die machten doch ohnehin, was sie wollen? Ich fürchte, Herr Pauly, jede ausgeschlagene Möglichkeit (auch wenn es sich dabei nur um eine Petitesse wie diese handelt), miteinander ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben, ist in der „Epoche“, in der „wir“ uns momentan fast überall in der „westlichen Welt“ befinden und zu der ja einstweilen auch Lüneburg noch gehört, ein schwer zu korrigierender Fehler.« Quelle: https://jj12.wordpress.com/2017/02/14/universitaetsallee-nicht-der-strassenname-macht-den-ruf-einer-universitaet/#comment-220

    Was sagen Sie zu alledem Herr Pauly?

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    • Michèl Pauly schreibt:

      Sehr geehrter Herr Schuster,
      über die Optik des Gebäudes sollen sich andere streiten. Ich finde Daniel Libeskind hat z.B. in Berlin etwas wirklich sehenswertes und inhaltlich passendes geschaffen. Das finde ich in Lüneburg persönlich vielleicht etwas weniger passend, aber daran störe ich mich eigentlich nicht. Auch denke ich, das konsequente Fertigstellen sollte bei – jetzt – noch maßvollem Aufwand durchgeführt werden um das Gebäude dann auch vollwertig nutzen zu können. Der „Point-of-no-return“ war im Prinzip 2014 überschritten.

      Das größte Problem sind die Begleitumstände des Baus. Statt einer Architektenausschreibung eine Vergabe an einen Professor der aber an der Universität gar keinen passenden Studiengang hat – das behält ein Geschmäckle. Dann eine Vergabe zur künstlerischen Begleitung an das Büro Libeskind – großes Geschmäckle. Mit offenen Karten wurde übrigens nie gespielt. Als ich seinerzeit Vertreter der Studierendenschaft war, wurde uns das Wort „Vollgerücht“ für das Projekt Audimax präsentiert – als schon ein Entwurf im Büro von VP Keller stand. Dann wurde es als Bau mit Fixpreis präsentiert – jetzt haben sich die Kosten bald verdoppelt. Da steht es nun, das „Vollgerücht“. Gemäß Rechnungshof hätte ein gleich funktionaler Zweckbau 31mio Euro gekostet. Im Jahr der Grundsteinlegung wurden brutto 58mio Euro Baukosten genannt. Anders als bei anderen Gebäuden sollten Baukostensteigerungen ausgeschlossen werden. Ein gescheitertes PPP-Verfahren und ein paar Diskussionen ob „Brutto“ oder „Nettobaukosten“ gemeint waren später, waren es über 70mio Euro. Am Eröffnungstag ist das Gebäude noch nicht ganz fertig und wir sind nahe der 100mio Euro-Grenze. Das gesamte Libeskind-Zentralgebäude, das kann man heute konstatieren, war ein Fehler. Zu viele öffentliche Mittel für einen zu kleinen Nutzen. Zu wenig Transparenz im Verfahren. Das graue Raumschiff mag auch künftige Generationen von Universitätspräsidien und Politikern mahnen, besser mit unserem Steuergeld umzugehen.

      Übrigens zum Vergleich: Ein luxuriöser Wohnraum kostet pro Quadratmer hergestellte Fläche (ohne Grundstück) etwa 2.800 – 3.000 Euro. Die Elbphilharmonie landete mit Grundstückskosten bei wahnwitzigen 6.500 Euro. Aber jetzt haltet euch fest: Das Leuphana-Zentralgebäude steht heute bei 7.300 Euro je Quadratmeter Fläche für eine vielleicht doch nicht ganz so extravagante Ausstattung und Design wie die Elbphilharmonie. Die Kosten sind komplett aus dem Ruder gelaufen und stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Daraus müssen wir Lehren für die Zukunft ziehen.

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      • Kevin Schnell schreibt:

        Wenn das Modell des Zentralgebäudes schon VOR jenem berühmten 11. November 2006 im Büro des hauptberuflichen Vizepräsidenten stand, an dem Keller, Libeskind und Spoun (in der Reihenfolge) sich plötzlich aus dichtem Herbstnebel lösten und mit einem Koffer voller detaillierter Pläne und Entwürfe ins Rathaus huschten, wo sie sofort im Dienstzimmer von Oberbürgermeister Mädge verschwanden, dann bekommt die rührende Legende („Miracles also happen in Lower-Saxony“, freute sich Holm Keller) über das Wunder studentischer Begnadung mit der vir ingentis spiritūs artificis ja stark durchsichtige Scheuerststellen! Und die Vekündung von Daniel Libeskind: „No one has ever built something like this with creatives who are not architects“, gilt am Ende auch für ihn selbst? Die Geschichte von den „Studierenden, die in 14 [!!!] Seminaren zusammen mit dem Künstler über das neue Gebäude nachgedacht, Ideen ent- und wieder verworfen und geplant hätten“, ist also nur eine weitere gut erfundene Hein Mück-Attrappe unter den vielen Märchenfassaden des erzählerisch begabten leuphanatischen Feldmarschalls Reichsfürst Grigori Alexandrowitsch Potjomkin?

        Und wenn Ihre Kostenberechnung für den Quadratmeterpreis tatsächlich stimmt, Herr Pauly, haben Sie außerdem noch eine zweite „Ranke“ der „Enstehungsmythologie“ als Pappmaché entzaubert. Ministerpräsident Stephan Weil erhielt donnernden Applaus als er vor einer Woche den Bockelsberger „Kostensteigerungsfaktor“ im Vergleich zu dem der Hamburger Elbphilharmonie als „deutlich niedriger“ bezeichnete (Youtube-Video ab Minute 2:05). Natürlich stinken fünftausend faule Hamburger Heringe deutlich pestilenzialischer als fünf Lüneburger, aber das heißt eben NICHT, dass einer aus der Scharnhorststraße nicht einen vom Platz der Deutschen Einheit hinsichtlich Übelkeitssteigerungsfaktor WEIT übertreffen kann.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Michèl, was mir bei dir nicht gefällt ,ist der wunsch , sich rosinen rauszupicken. du selbst hast es sehr schnell gehabt, es allen klar zumachen, egal was es kostet, es geht weiter. was ist deine quadratmeterrechnung denn wert, wenn sie trotzdem bezahlt wird, obwohl nicht annähernd das geliefert wurde, was eigentlich gewünscht war? ist dieses verhalten nicht genau der grund, warum es für eine bestimmte klientel so einfach geworden ist, den steuerzahler über den tisch zu ziehen?

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      • Gitti Schrader schreibt:

        Hallo Herr Bruns, werfen Sie dem Ratsherrn Pauly hier Doppelzüngigkeit vor? Weil er einerseits immer schimpft, die ganze Schose war ein Riesenfehler, und andererseits als einer der Ersten betont hat, wenn´s zum Schwur kommt, plädiert er für mehr Geld und Zuendebauen? So nach dem Motto: Ich bin strikt gegen das Tieretöten, aber ein Kotelett ess ich auch ganz gerne?

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    • Rüdiger Kaufmann schreibt:

      Hallo Herr Pauly,

      Vollgerücht? All Inklusive schon im Sommer 2006? Ist das Tandem nicht erst im Mai 2006 in Lüneburg aufgeschlagen?

      Heißt das nicht, dass schon seit zehndreiviertel Jahren gelogen wird, Herr Pauly? Muss man da nicht von gewohnheitsmäßigem, organisiertem oder habituellem Lügen sprechen?

      Kennen Sie die Holm Files von April 2011?

      https://www.asta-lueneburg.de/wp-content/uploads/2017/01/sonderausgabe_holm_keller_online_teil1.pdf

      https://www.asta-lueneburg.de/wp-content/uploads/2017/01/sonderausgabe_holm_keller_online_teil2.pdf

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      • Michèl Pauly schreibt:

        Hallo Herr Kaufmann,
        ja, die „Holm Files“ sind mir bekannt. Der AStA hat das über die Jahre sehr gut dokumentiert. Aus meiner Sicht wurde beim „Audimax“ in der Tat seit dem ersten Jahr gelogen – hinsichtlich der Kosten, der Risiken, hinsichtlich der tatsächlichen Bedarfe und auch über die Partizipation der Studierenden die „ganz zufällig“ ein Gebäude entworfen haben das Daniel Libeskind schon auf zwei anderen Kontinenten in etwas unterschiedlichen Proportionen realisiert hat.

        Was das „Zuendebauen“ angeht – auch zu dieser Aussage (ich glaube aus 2014) stehe ich. Eine Bauruine als Symbol der Rechthaberei braucht niemand. Wenn man also an einem Punkt ist, an dem das noch ausstehende Geld nunmehr wirtschaftlicher ist als die Nichtrealisation des Projekts, dann ist das eben ein „Point of no Return“. Kurz vor dem Ende zu sagen: „Jetzt begraben wir das Projekt“ ist dann immer die schlechtere aller Lösungen. Das war mir übrigens zu Baubeginn auch immer klar, dass die öffentliche Hand einmal in diese Falle getappt nachschießen MUSS – und das wird zu Lasten von Forschung und Lehre gehen, denn diese Steuermittel stehen nur einmal zur Verfügung.

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    • Rüdiger Kaufmann schreibt:

      Hallo Herr Pauly,

      vielen Dank für die Antwort. Leider kann ich nur ganz auf die Schnelle zurückschreiben: Es sind mittlerweile mehrere Generationen von Studierenden, die das alles „life“ mitbekommen haben und sich in dieser Atmosphäre des „double think“ vom Ersti zum Master gemausert haben. Meinen Sie nun auch (A) wie Herr Löb, dem durch „die Ästhetik“ des neuen Gebäudes belebten Drang nach Heuchel- und Lügenabwehr, welche, wie er selbst sagt, durch seine Form den Wunsch, die Vergangenheit aufzuarbeiten, wecken und wachhalten soll, dürfe hier NICHT stattgegeben werden, sondern müsse „zurückstehen“ vor „dem Großen und Wichtigen der Bedeutung“ (was immer das sein soll)? — Oder sind Sie eher (B) wie Frau Bergmann der Ansicht, in dem kommenden großen Leuphana-Forschungsprojekt „Kulturen in der Kritik“, das sich mit „der Erosion von Vertrauen in öffentliche Institutionen“ befasst (Siehe hier, besonders das Video: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/391478-kosten-libeskindbau-lueneburg), solle unsere Hochschule sich ruhig einmal über ihre eigene jüngste Geschichte beugen und „die vom Libeskind-Bau gereichte Chance“ (Holm Keller) ergreifen, „die erste Modelluniversität neuen Typs [zu] sein, die in diesem Projekt sich selbst als Exempel für die Korrelation von ›Akademischem Kapitalismus und schleichender Korruption‹ in der Folge von Zwängen untersucht, welche der sogenannte Bologna-Prozess mit sich bringt“?

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  15. Ossarek Bruns schreibt:

    Nun trägt die Stadt eine Rolex, die auch noch an einer Allee besser und schneller ticken soll als andere!
    Welche Werte vertreten und erreichen wir denn nun in Bildung? Materielle Werte? In Form eines Gebäudes oder Uhrzeit-Belohnungen?
    Geht es nicht mehr um Lebensqualität aller? Geht es nur um Wertschöpfung? Wird Wissen Zukünftig allen Menschen dienen und helfen?
    Viele Menschen haben Verzicht geübt durch ihre persönliche Steuerlast, um ein Monument für wen und was zu errichten?
    Wird ihre Hoffnung auf ein Besseres sein enttäuscht? Wird den Menschen etwas zurück gegeben Vertrauen, Wertschätzung, Hoffnung, Miteinander?
    Oder bleibt es ausschließlicht bei Materiellen Anreizen für den Nutzer?

    „Wenn man den gemeinschaftlichen Schwerpunkt der Häuser in einer Stadt suchte, und hernach den gemeinschaftlichen Mittelpunkt der Wichtigkeit der Leute, die darinnen wohnen, so würden sie oft weit voneinander liegend angetroffen werden. Mir ist eine Stadt bekannt, wo der erste auf den Markt, der andere ganz nahe an die Stadtmauer fallen würde.“

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  16. Lena Bergmann schreibt:

    Sehr geehrter Herr Bürgermeister Löb,

    obwohl es über die Wechselbeziehung von frisch gestrichenen Neubauwänden und dem Keimen, Knospen, Blühen und Gedeihen origineller wissenschaftlicher Konzepte (noch) keine gesicherten Erkenntnisse gibt, werden Sie vermutlich breite Zustimmung erlangen, wenn Sie behaupten, der moderne abendländische Mensch (Leuphi-Speak: der Menschende) brüte lieber in Räumen Großes aus, die Licht, Luft und ein gewisses Maß an Sauberkeit offerieren, als in engen, schummrig verschissenen Wärmevorrichtungen zum Beglucken von schlupfreifen Vogel- oder Reptilieneiern (Inkubator/Tierzucht).

    Und trotzdem diese Gegenüberstellung natürlich genauso übertrieben ist wie Ihr leichtfertiges Gerede von den „kleinbürgerlichen und militaristischen Strukturen“, die durch die Apotheose des dekonstruktivistischen Heilands ihrem soteriologischen Telos zugeführt würden, glaube ich, dass Hans-Herbert Jenckel genau diese simple Tatsache meinte, als er empfahl: „Lüneburger und Leuphanisten sollten versuchen, diesen extrovertierten Bau gemeinsam zu erobern und schätzen zu lernen“. Und zwar ohne das aufdringliche Verkaufsgetöse beim Aufmarsch von „Testimonials“ und Werbezelebritäten, welches an Marktschreier-Wettbewerbe erinnert, bei denen „Wurst-Achim“, „Käse-Rudi“, „Taschen-Ole“ oder „Aal-Axel“ um die besten Buden-Locations auf dem Lüneburger Rathausplatz streiten.

    Die Devise sollte lauten: „Es gibt etwas Neues. Gehen wir hin und schauen wir´s uns an! Vielleicht gefällt es ja.“

    Wovon auch ich die Nase voll habe, Herr Löb, das ist die Doppelmoral mit der nun um ein vor aller Augen in den Himmel ragendes Fiasko eine Erlösungsgeschichte gehäkelt wird.

    Werfen Sie bitte einen Blick auf die Leuphana Homepage „Videre aude! Festlicher Auftakt zur Eröffnung des Zentralgebäudes“: http://www.leuphana.de/news/meldungen-universitaet/ansicht/datum/2017/03/12/festlicher-auftakt-zur-eroeffnung-des-zentralgebaeudes.html

    Ist das nicht ein erschütterndes Multimediarrangement von beschönigendem Fremd- und Selbstbetrug?

    Oder betrachten Sie bitte das aus der Scharnhorststraße stammende Video „Stimmen zum Leuphana Zentralgebäude von Daniel Libeskind“ (das erste unter dem folgenden Artikel vom LZ-Online-Chef): https://www.landeszeitung.de/blog/sonderthemen/audimax/486502-486502

    Dort äußern sich nacheinander Prof. Ulf Wuggenig, DSI-Sprecherin Ricarda Hille, Bestsellerautor Dr. Richard David Precht, Anja Soltau, die Leiterin des Graduiertenprogramms, Prof. Emer O’Sullivan, Uni-Mitarbeiter Oliver Opel, Prof. Anna Henkel, Prof. Anthimos Georgiadis, die stellvertretende Personalratsvorsitzende Britta Viehweger, die stellvetretende Leiterin der Bibliothek Anne Christensen, Serviceleiterin Andrea Japsen, Baudirektor Thomas Müller, die Leiterin Campusentwiklung Susanne Leinss, Prof. Antonio Loprieno und Marlene Bethlehem, die Präsidentin der Memorial Foundation for Jewish Culture.

    Könnte nicht jedes einzelne Wort, das dort treuherzig und mit den ehrenhaftesten Absichten gesprochen wird, sich genausogut auf ein x-beliebiges anderes Stück Architektur beziehen? Z. B. auf den „modernen, hochwertigen und anspruchsvollen Zweckbau zum Preis von üppigen fünfundzwanzig oder dreißig Millionen Euro“ (Kevin Schnell), der mehr Platz geboten, aber einhundert Millionen Euro weniger als der Libeskind-Bau gekostet hätte und dennoch „alle die Aufgaben erfüllen (vielleicht sogar besser erfüllen) würde“, welche die Fürsprecher des jetzigen Zentralgebäudes diesem abverlangen (oder andichten)?

    Sie erwähnen, der Neubau „bildet einen bleibenden Erinnerungspunkt an die Verquickung Lüneburgs in das 3. Reich und fordert so das geschichtliche Gedächtnis der Stadt heraus.“ Woran denken Sie da, lieber Herr Löb? Warum sollte uns diese „Verquickung“ noch etwas angehen? (Und wenn, warum dann nicht auch im Hinblick auf Rathaus, Theater, Zeitung, Gerichte, Schulen, Krankenhäuser oder Vereine?) Interessieren soll uns das doch sicher nicht, um unsere „inneren Archive“ mit historiographischen Details aufzufüllen! Wenn das aber etwas mit „Wachsamkeit“ und „Sensibilisierung“ für das Untergraben von Bedingungen demokratischen Miteinanders im Hier und Heute zu tun hat, Herr Löb, können wir dann nicht wesentlich mehr über das Entstehen antiliberaler, ja, zentralistisch, dirigistisch und ausgesprochen humorloser autoritärer Strukturen en miniature lernen, wenn wir den „ökonomischen“ bzw. „kreativ-kommunikativen“ Umgang mit „Fehlern“ und „Versäumnissen“ bei der Planung und „Umsetzung“ des Zentralgebäudes an unserer Hochschule etwa im Verhalten von den Mitgliedern ihrer Leitungsorgane sowie von deren „Claqueuren“ (Jenckel) inner- und außerhalb des Campus studieren?

    Ende Dezember hat Herr Dr. Spoun im Gespräch mit Jenckel angkündigt, es werde unter dem Titel „Kulturen in der Kritik“ ein „Forschungsprojekt“ an der Leuphana geben, das sich mit der Erosion von Vertrauen in öffentliche Institutionen befasst (Siehe hier, besonders das Video: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/391478-kosten-libeskindbau-lueneburg). Warum sollte die Leuphana nicht die erste Modelluniversität neuen Typs sein, die in diesem Projekt sich selbst als Exempel für die Korrelation von „Akademischem Kapitalismus und schleichender Korruption“ in der Folge von Zwängen untersucht, welche der sogenannte Bologna-Prozess mit sich bringt?

    Für Ihre Antwort danke ich Ihnen vorab: Ihre Leuphi-KuWi-Studi Lena Bergmann

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    • Ulrich Löb schreibt:

      Liebe Frau Bergmann,
      ihr Blick auf Lüneburg und seine Universität als Studentin ist verständlicherweise ein anderer als meiner. Ich unterstelle, Sie leben seit zwei/ drei Jahren hier, ich erlebe und erleide diese Stadt schon über 25 Jahre. Und ihre Wandlung von der Beamten – und Garnisonsstadt war ein schwerer Ablösungsprozess (auch übrigens bei Herrn Mädge, der selber Berufssoldat war), der immer noch nicht vollendet ist. Für mich und meine Generation sind die Auseinandersetzungen um Kriegerdenkmäler und Kasernengeländenachnutzungen, um Straßen- und Baugebietsnamen noch sehr im Gedächtnis. Aus diesem Winkel habe ich auch meinen Blick auf das Libeskindgebäude beschrieben. Meine Priorität liegt beim notwendigen Umbruch der Stadtgesellschaft.
      Das Herr Spoun (und Herr Keller) seine Universitätsentwicklungspolitik nach dem Prinzip Hoffnung, nach modernen Marketingsansätzen, aber auch mit der Strahlkraft des humboltschen Bildungsideal betreiben, ist nicht neu. Vor Jahren war aber bereits der Punkt erreicht, wo wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ niemand mehr rufen durfte: „Der Kaiser ist nackt“ ohne das fragile Gebäude zum Einsturz zu bringen. Mit Spoun wäre zu diesem Zeitpunkt aber nicht nur ein Präsident gefallen, sondern die gesamte Uni Lüneburg. Dies konnte man der damaligen Hochschullandespolitik entnehmen. Aus dieser Sicht, war das „Weiter so“ eine (nicht im Sinne von alternativlos) konsequente politische Antwort, die der Rat der Stadt durch seinen 5 Mio €-Zuschuss gegeben hat.
      Ob das Zentralgebäude billiger hätte gebaut werden können, war also kein Thema mehr. Dass das Geld für die Mehrkosten aus dem Landeshaushalt genommen werden muss, sehe ich im Gegensatz zu Herrn Pauly nicht so sehr als Problem. Es stand nie zur Debatte, dass dieses Geld der Leuphana anderweitig, z.B. für die Verbesserung der Lehre zur Verfügung gestanden hätte. Vielleicht fehlt es nun vielleicht bei der Uni Göttingen für den Ausbau ihres Primatenzentrums oder der Uni Clausthal für ihren Maschinensaal – so what? Haushaltspolitik ist ein eigenes Ding, wie ich das im Lüneburger Rat auch immer wieder erleben darf.
      Die Kritik an der Transparenz politischer Beschlüsse in der Uni ist notwendig, hat aber mit dem Libeskindbau nur sehr beschränkt etwas zu tun. Sie machen hieran etwas fest, was struktureller Natur ist. Sie fordern zu recht etwas ein, was im politischen Mitbestimmungsprozess aller deutschen Universitäten nicht gegeben ist, sie gleichwohl aber immer lehren: die volle Mitbestimmung aller Betroffenen. (Zu meiner Zeit gab es dafür an der Uni eine Drittelparität, die aber schnell wieder auf Druck der Professoren abgeschafft worden ist.)
      Ich denke, es ist das gute Recht der Student*innen auf diesen Missstand hinzuweisen und deshalb hatte die Rede des ASTA bei der Eröffnungsfeier genauso seinen Platz (die übrigens mit sehr viel Applaus bedacht wurde), wie der Beitrag der Geschichtsforschung über die schrecklichen Gräuel der deutschen Armee in der Sowjetunion. Auch diese Kröte hat das Publikum schlucken müssen und war vom Gastgeber so gewollt.
      Ulrich Löb

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      • Jo Bembel schreibt:

        „Mit Spoun wäre zu diesem Zeitpunkt aber nicht nur ein Präsident gefallen, sondern die gesamte Uni Lüneburg. Dies konnte man der damaligen Hochschullandespolitik entnehmen.“
        Mit Verlaub, Herr Löb, das ist Fantasie-Rhetorik! Irgendwelche Belege?
        Wahr ist, dass es heute in Deutschland 619 Uni/Hochschul-Standorte gibt. Das sind fast dreimal so viele wie 1990. Nicht eine einzige wurde geschlossen. Nicht einmal die „Schweineland-Uni“ Vechta.
        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13489682.html.

        Und traurige Wahrheit in Niedersachsen ist, dass Universitäten/Hochschulen Räumlichkeiten schließen müssen, da 2 Mrd. Euro für dringende Gebäudesanierungen fehlen.
        http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Universitaeten-in-Niedersachsen-fehlt-das-Geld-fuer-Sanierungen

        So What?

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      • Ossarek Bruns schreibt:

        Wahrheit an sich ist kostbar, kostbarer noch die Fertigkeit, sie zu finden Herr Löb?

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      • Gotthold Ephraim schreibt:

        Detlef, nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz –

        Wenn Dr. (HSG) Spoun in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!

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    • Lena Bergmann schreibt:

      Lieber Herr Bürgermeister Löb,

      zunächst sage ich danke für Ihre ausführliche Replik, die, obwohl an mich adressiert, auch vieles berücksichtigt, aufnimmt und einordnet, was andere Blog.jott-jogger hier geschrieben haben. Ihre Courage, Herr Löb, Ihre Ruhe, Ihr Pflichtbewusstsein und sogar, wie ich zu erkennen glaube, Ihr Vergnügen, sich die Zeit zu nehmen, um sich zugespitzt, ja, scharf bis schneidend, manchmal polemisch, manchmal ironisch oder frisch bis frech vorgetragenen Fragen und Bedenken geduldig zu stellen und diesen pointiert zu entgegnen, sind keineswegs selbstverständlich unter prominenten Heide-Hanseaten aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Kultur. Einige betrübliche Beispiele von hochnäsigem Hereinschneien und kleinlautem Davonschleichen aus der jüngsten Vergangenheit haben das gezeigt und besonders die selbsternannten „Brückenbauer“ aus unserer Hochschule glänzen in „public matters“ – namentlich, wenn sie selbst deren Gegenstand sind – durch vornehme Schweigsamkeit. — Doch eben die von Ihnen bewiesenen „Tugenden“ erkenntnisbefruchtender Streitbereitschaft sind notwendig! Frank-Walter Steinmeier sagte gestern in seiner ersten Rede als Bundespräsident, er sehe unsere Welt von einer „neuen Faszination des Autoritären“ bedroht und betonte: „Wir müssen über die Demokratie nicht nur reden – wir müssen wieder lernen, für sie zu streiten“. Gerade die deutsche Geschichte zeige, dass es für die Demokratie keine Ewigkeitsgarantie gebe. Die Stärke der Demokratie liege in der Fähigkeit zu Selbstkritik und Selbstverbesserung. Demokratie brauche Mut – bei Regierten und Regierenden. Fehlentwicklungen und Probleme müsste offen diskutiert werden, so Steinmeier. Und – zum Glück -, sage ich, scheint sich diese Einsicht allmählich auch in Lüneburg (wenn leider auch noch nicht an der Leuphana) durchzusetzen. Julia Verlinden, Hiltrud Lotze, Claudia Schmidt , Michael Zeinert, Friedrich von Mansberg, Peter Luths, Michèl Pauly und Niels Webersinn, um nur einige wenige Liebhaber des agonalen Wettbewerbs um bessere Gründe und belastbare Erklärungen zu nennen, sind – neben Ihnen – Beispiele dafür.

      Und gut, dass sich inzwischen herumgesprochen hat, wo das Zusammenkommen und der Gedankenaustausch zwischen Bürgern und Bürgervertretern bzw. zwischen Entscheidern und den von deren Entscheidungen betroffenen Lüneburgern in aufklärerischer Absicht möglich ist. Dass Hans-Herbert Jenckel mit seinem Blog.jj-Forum den an kommunalen Themen interessierten Nord-Niedersachsen in der Rekordzeit von zweieinhalb Jahren (und ganz ohne das „Engagement“ der Herren Piehl, Sallier, Hoppe Manzke und Grillo) eine ebenso solide errichtete wie finanzierte und betriebene „Netz-Arena Lüneburger Land“ nicht der Spar-, sondern der Extraklasse zur Verfügung gestellt hat, gleichsam eine zivilgesellschaftliche, inter- und intraparteilich nutzbare Mehrzweckhalle für liberalen Debattenvolleyball auf Bundesliganiveau, für moderne Artikulationsevents, für spielerisch lancierte Politbotschaften an Freund und Feind, aber auch fürs lustige, ideologische Pogo-Tanzen, für Positionierungsinfotainment und für Argumentationsschulsport, ist ein Verdienst, das als Standortaufwertungsfaktor bei kulturpädagogischen Gesamtbilanzierungen am Landesrechnungshof gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann.

      Ich komme jetzt zu Ihrem Schreiben.
      Als Studentin lebe ich nun viereinhalb Jahre in Lüneburg, knapp achtzehn als Kind, Schülerin und Heranwachsende, also zwei weniger als Sie. Trotzdem ist meine Perspektive altersbedingt natürlich eine andere als Ihre. Ich kauere als Frosch am Rand einer Wasserpfütze zwischen Vamos und Audimax, warte darauf, das ein stolzer, geharnischter Reitersmann mich zur Prinzessin erlöst und linse derweil kaum über Maulwurfshügel und Bordsteinkanten hinaus, während Sie als ein hoch über Wasser- und Johanniskirchturm seine Bahnen ziehender Adler unseren Landkreis und die Metropolregion durchmustern wie ein aufgeschlagenes, Ihrem spähenden Auge nichts verbergendes Bilderbuch.

      Von den Namenskämpfen, über die Sie schreiben, sind mir einige bekannt. Der Dragoner wurde kostspielig renoviert, der bedeutende Künstler Klaus Seelenmeyer im Ostpreußischen Landesmuseum geehrt, aber seine Skulptur vor dem Theater, die Ihre Panoramaflüge antizipiert haben könnte, wurde demontiert. Lüneburg ist eine der wenigen Städte, die sich noch eine Hindenburg-, eine Hinrich-Wilhelm Kopf- und eine Horst-Nickel-Straße (Reppenstedt eine Agnes Miegel-Straße) leisten, die Carl-Peters-Straße und den Werner-Jansen-Weg seit 2008 jedoch nicht mehr.

      Aus der Erfahrung solcher Kämpfe gegen widerspenstige Uneinsichtigkeit und fehlendes Geschichtsbewusstsein, sagen Sie, Herr Löb, speise sich Ihre Wertschätzung des Libeskind-Baus. Ich verstehe Ihren vorurteilskritischen, historisch erzieherischen Antrieb (und sympathisiere sehr damit), wenn Sie unterstreichen, Ihre Priorität liege beim Ihrer Überzeugung nach „notwendigen Umbruch in der Stadtgesellschaft“. — Aber ich kann immer noch nicht nachvollziehen, was das eine mit dem anderen zu tun haben soll. Meiner Ansicht nach ist das vermeintlich oder angeblich antinazistische Motiv der Audimaxarchitektur (NICHT des Audimaxarchitekten!) der blanke Humbug! Es handelt sich um einen nachträglich übergestülpten scheinlegitimatorischen Nonsense, der nicht plausibel zu machen ist und welcher der Schäbigkeit seines Gequackels – hoffentlich – noch nicht inne geworden ist. Denn sonst müsste er – um den Preis, den Vorwurf des instrumentalisierenden Zynismus auf sich zu ziehen – davon augenblicklich Abstand nehmen. Sie können doch nicht in einem Bereich das Entmystifizieren fordern, um sich, damit das auch ein Erfolg wird, an anderer Stelle am Mystifizieren zu beteiligen.

      Darin, „dass Herr Spoun seine Universitätsentwicklungspolitik nach dem Prinzip Hoffnung“ und mit „modernen Marketingmethoden“ betreibt, bin ich mit Ihnen einig — wie wahrscheinlich fünfundneunzig Prozent der Lüneburger ebenfalls.

      Ihre Aussage, schon „vor Jahren war aber bereits der Punkt erreicht, wo wie im Märchen ,Des Kaisers neue Kleider‘ niemand mehr rufen durfte: ,Der Kaiser ist nackt‘, ohne das fragile Gebäude zum Einsturz zu bringen“, impliziert, dass „der Kaiser nackt“ gewesen ist, und ab jetzt aber – konzertiert – darüber hinweggetäuscht werden sollte. Im Märchen steht ja der entsetzliche Satz: „Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muß ich aushalten.‘ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.“. Ich hoffe, Sie haben die Gesprächsprotokolle dieser interessanten Verabredung für spätere Historiographen aufgehoben, Herr Löb.

      Jo Bembel zweifelt an, dass „mit Spoun zu diesem Zeitpunkt aber nicht nur ein Präsident gefallen wäre, sondern die gesamte Uni Lüneburg“. Gleichwohl, der Zeitpunkt, den Sie nicht terminieren ist folglich der Zeitpunkt, zu dem Sie und Ihre Ratskollegen erkannten, dass „der Kaiser nackt“ war, also der Baukomplex vor allem ein Reklamemonument, das weder funktional noch finanziell dem Bestellten entsprochen hat.

      Also wurde künftig der Bau einer Art Hochschulverteidigungsfestung unterstützt und „aus dieser Sicht, war das „Weiter so“ eine (nicht im Sinne von alternativlos) konsequente politische Antwort, die der Rat der Stadt durch seinen 5 Mio €-Zuschuss gegeben hat“.

      Und weil man meinte, an einer Lebensversicherung für den Hochschulstandort zu stricken, war die Frage, „ob das Zentralgebäude billiger hätte gebaut werden können, (…) kein Thema mehr“?

      Haben Sie, Herr Löb, der Landrat, der Oberbürgermeister und das Ratskollegium nicht bemerkt, dass Sie sich damit politisch und moralisch zu einem windelweichen nassen Lappen haben machen lassen, den ein hemmungsloser Benutzer wringen konnte, bis die letzte Faser nachgegeben hatte?

      Recht gebe ich Ihnen hinsichtlich der Landesmittel. Da liegt Michèl Pauly nicht richtig. Was nicht nach Lüneburg fließt, würde in Lüneburg nie zur Verfügung stehen oder gestanden haben, auch nicht zur Verbesserung von Forschung und Lehre. Also beißt man anderen rücksichtslos die Wurst weg und jammert parallel ununterbrochen, wie sehr man benachteiligt werde.

      Ja, Herr Löb, gut dass Sie es auch einmal sagen: „Die Kritik an der Transparenz politischer Beschlüsse in der Uni ist notwendig“! Sehr notwendig! Für Sie hat der Libeskind-Bau mit dieser von Reklamegeblubber verdeckten Geheimniskrämerei „nur sehr beschränkt etwas zu tun“, für mich ist er Symbol dieses Verhaltens. „Strukturen“, Herr Löb, existieren nicht, wenn nicht der Finger auf Phänomene gelegt werden kann, die diese Strukturen exemplifizieren. Was schief läuft im deutschen Hochschulwesen, kann man – und zwar bis hin zu den habituellen Prägungen ihres Leitungspersonals – besonders gut an unserer Hochschule, der Leuphana, studieren.

      Dazu lesen Sie bitte den Artikel „Sie sagen modern, sie meinen feudal“ in der F.A.Z. von gestern, Mittwoch, 22. März 2017, auf Seite N4, Rubrik Forschung und Lehre:

      „Wissenschaft dient einer freiheitlichen Gesellschaft am besten, wenn sie nicht aus Ja-Sagern und Karrieristen besteht, die strategische Ziele nach großem Planentwurf managender ,Vordenker‘ umsetzen. Das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit dient gerade auch dem Schutz einer kritischen Gegenöffentlichkeit – auch gegen die Konformitätszwänge einer Hochschulleitung die ,Zusammengehörigkeitsgefühl‘ sagt und kollektive Effizienz im ,Exzellenzwettbewerb‘ meint. Die grundrechtlich garantierte Wissenschaftsfreiheit garantiert eben auch (universitätsintern) Räume zum Unbequemsein. Sehnsüchte nach ,starker Führung‘ sollte man daher nicht ,Modernisierung‘ nennen. Eine gute Hochschulleitung gewinnt ihre Leitungsentscheidungen aus dem kollegialen Gespräch, nicht nur mit den Professoren. Es ist daher an der Zeit, die Hochschulpolitik von verstaubten ,Reform-Leitbildern‘ zu befreien, die sich bei Organisationsmodellen einer ihrerseits längst in die Kritik geratenen ,Corporate Governance‘ bedienen.“

      Der letzte Satz lässt sich übrigens genauso aufs Rathaus und die Stadtverwaltung anwenden.

      Abschließend stellen Sie, Herr Löb, klar: „Ich denke, es ist das gute Recht der Student*inn*en, auf diesen Missstand hinzuweisen, und deshalb hatte die Rede des AStA bei der Eröffnungsfeier genauso ihren Platz (die übrigens mit sehr viel Applaus bedacht wurde)“.
      Ich danke Ihnen! So werde ich Sie in Zukunft zitieren.

      Ihre Lena Bergmann

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      • Lena Bergmann schreibt:

        Lieber Herr Bürgermeister Löb,

        damit sich bei Ihnen kein falscher Eindruck festsetzt, möchte ich zwei Punkte noch einmal besonders hervorheben:

        1. Wie Sie und Herr Mädge auch, bin ich der festen Überzeugung, dass die Hochschule für Lüneburg von eminenter Wichtigkeit ist. Sie ist ein in vielen Hinsichten vitalisierendes Element unseres urbanen Da- und Soseins – kulturell, zivilisatorisch, demoskopisch, politisch und – nicht zuletzt – wirtschaftlich!

        2. Kritik ist für mich eine Grundfunktion differenziert operierender Vernunft und damit ein Wesensmerkmal der auf Gültigkeit Anspruch erhebenden Urteilsbildung! Sie ist KEINE Aggression, KEIN Verriss, der etwa als bloße Schelte, als Beckmesserei oder gar als böswillige Herabsetzung nicht auf eine Verbesserung des kritisierten Gegenstandes abzielt, sondern auf dessen Vernichtung! Für mich ist das Lebenselixier einer Universität AUSSCHLIESSLICH das Faktische und ÜBERHAUPT NICHT das Fantastische! Und wenn man auf der Vorderbühne darauf pocht – und zu Recht darauf pocht, sich ehrlich zu machen und „die Hinterbühnen“ der städtischen Lebenslügen endlich ins Licht zu stellen, dann sollte man NICHT zur gleichen Zeit wie besessen daran werkeln, nun „mit Symbolik, Metaphern und Mythen“ neue Hinterbühnen des – falschen – historischen Bewusstseins zum vermeintlich eigenen Vorteil einzurichten! In Hans-Herbert Jenckels Worten: „Lüneburger und Leuphanisten sollten (…) es einmal mit Aufrichtigkeit und Transparenz versuchen“! So ist es! Das sollten und das müssen sie. Sonst arbeiten sie unter dem Anschein der Aufklärung mit an der Zerstörung der Vernunft.

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    • Jürgen schreibt:

      Und nun auch noch Humboldt, Herr Löb? Die „Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen“ (W. v. Humboldt, Rechenschaftsbericht an den König, Dezember 1809) ist im „unternehmerischen Hochschulmodell neuen Typs“ eindeutig NICHT mehr (oder höchstens noch als potemkinsches Fassadenblabla) Funktion der Universität. Jetzt kommt zuerst – und für viele auch ausschließlich – die fachspezifische, berufsqualifizierende Ausbildung – Humboldt von den Füßen auf den Kopf gestellt.

      Wie weit die ökonomische Betrachtung von Bildung gediehen ist, zeigt die Berechnung von sog. Bildungsrenditen im ‚Nationalen Bildungsbericht’ (http://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2016): Dort ist zu lesen, dass der durchschnittliche Renditezuwachs eines Hochschulstudiums gegenüber einem Vollzeitbeschäftigten mit abgeschlossener dualer Berufsausbildung rund 46 Prozentpunkte beträgt.

      Über ‚Bildung’ allgemein heißt es im Bildungsbericht: „Die Humanressourcen sind in hoch entwickelten Volkswirtschaften für die Wirtschaftsdynamik wichtiger als das Sachkapital“.

      Da ist es nur konsequent, die Funktion des Bildungswesens schließlich so zu bestimmen: „Der Beitrag des Bildungswesens zu den Humanressourcen richtet sich sowohl auf die Sicherstellung und Weiterentwicklung des quantitativen und qualitativen Arbeitskräftevolumens als auch auf die Vermittlung von Kompetenzen, die den Menschen eine ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Erwerbsarbeit ermöglichen.“

      In Deutschland ist die Menschen- und Berufsausbildung weder institutionell noch zeitlich getrennt, sondern an den Universitäten heillos vermischt. Weder das eine noch das andere kann richtig zur Geltung kommen. Die Lehrenden widmen sich ganz der Forschung im Namen der von Humboldt verkündeten Freiheit und Einheit von Lehre und Forschung. Die Teilnahme daran soll Menschenbildung schaffen. Für die Berufsausbildung sind die Studierenden selbst zuständig. Das Resultat ist eine sozialdarwinistische Autodidaktisierung oder heimliche Privatisierung (etwa durch Repetitorien) des berufsqualifizierenden Studiums.

      Zentral für den Humboldtschen Begriff der Menschenbildung ist die Verwirklichung des persönlichen Potenzials und das Lernen des Lernens. Dieser Kompetenzbegriff ist zwar auch im Bologna-Prozesses zentral. Aber anders als in den USA sieht der europäische Bologna-Prozess keine eigene Phase zweckfreier Menschenbildung vor.

      Was sich schon in den Zeiten Humboldts andeutete und von ihm als Horror beschrieben wurde, findet sich nun als dominantes Merkmal: Bildung wird konsequent in den Dienst des Wirtschaftslebens genommen. Ein besonders deutliches Beispiel dafür sind die sog. Stiftungsprofessuren des „Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft“ – einer Gemeinschaftsaktion der deutschen Wirtschaft. Der Verband zahlt für fünf Jahre das Gehalt sowie 15.000 Euro an Sachmitteln – rund 200 Professuren hat er seit 1985 gefördert. Auf seiner Homepage liest man dazu ziemlich unverhüllt: „Stiftungslehrstühle sind … nicht an Auftragsforschung gekoppelt. Doch ein förderndes Unternehmen kann durch den von ihm bestimmten Zuschnitt der Professur die für sich wichtigen Themen an der Hochschule verankern – und frühzeitig Nachwuchskräfte erkennen.

      Humboldt würde zu alledem sagen:

      „Fängt man aber von dem besonderen Berufe an, so macht man (den Menschen) einseitig und er erlangt nie die Geschicklichkeit und die Freiheit , die notwendig ist, um auch in seinem Berufe allein nicht bloß mechanisch, was andere vor ihm getan, nachzuahmen, sondern selbst Erweiterungen und Verbesserungen vorzunehmen. Der Mensch verliert dadurch an Kraft und Selbständigkeit …“

      „Gleichförmige Ursachen haben gleichförmige Wirkungen. Je mehr also der Staat (oder die Wirtschaft) mitwirkt, desto ähnlicher ist nicht bloß alles Wirkende, sondern auch alles Gewirkte. (…) Wer aber für andere so räsoniert, den hat man, und nicht mit Unrecht, in Verdacht, daß er die Menschheit mißkennt und aus Menschen Maschinen machen will.“

      Und, glauben Sie mir, Herr Löb, der nächste Schritt wird sein: Bildung selbst zum Gegenstand wirtschaftlichen Handelns, zur Ware zu machen. Von einem, der es wissen muss, wurde der globale Bildungsmarkt im Jahr 2015 auf mehr als 5.000 Milliarden oder 5 Billionen US-Dollar geschätzt. (https://www.bertelsmann.de/media/strategie/education/finale-dateien/thomas-rabe-statement-education-de.pdf)

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    • Friederike Danckwardt schreibt:

      Sehr geehrter Herr Löb,

      auch ich war aufgewühlt durch den Vortrag von Ulf Wuggenig und Marina Gerber, über die sehr wahrscheinliche („eine in Details gehende wissenschaftliche Aufarbeitung … steht … noch aus und wäre in den nächsten Jahren noch zu leisten“, so Wuggenig: http://kunstraum.leuphana.de/veranstaltungen/hinterbuehne.html) Beteiligung der Lüneburger Infanterie-Wehrmachtsdivision 110 an den bestialischen Kriegsverbrechen vom März 1944 im Raum Osaritischi in Weißrussland.

      Aber auch ich kann nicht erkennen, was das Audimax und der Bericht dieser abscheulichen Mordtaten miteinander zu tun haben. WIE der Bau, mit dem Daniel Libeskind zweifellos „architektonisch in massiver Weise in den Regionalstil der Scharnhorstkaserne intervenierte“ (Wuggenig), dazu sollte beitragen können, dass diese (und weitere) Verbrechen dauerhaft in unserer Erinnerung bleiben, begreife ich nicht. Auf welche Weise, die gerade dieses und nur dieses Gebäude leistet, geschieht das? „Disparität“ respektive „ein schwarzer Schwan, der sich seiner Umgebung nicht anpasst“ kann es doch wohl alleine kaum sein. (Sonst wäre auch das befremdliche Objekt an der Lessingstraße 7 ein Denkmal ästhetischer Aufklärung.) WAS befähigt also diesen Baukörper zu tun, was bewirken zu können ihm allenthalben wortreich zugetraut wird und was ein anderer nicht vermöchte?

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    • Christian schreibt:

      Lieber Herr Löb, liebe Frau Bergmann,

      Klappern gehört zum Handwerk, und wer nicht klappert, versteht sein Handwerk nicht. Auch das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern hat nichts gegen das Klappern (Märchen haben ja nie etwas dafür oder dagegen). Es macht uns nur klar, dass alle mitklappern müssen, wenn das Klappern des Kaisers einen schönen, einen vollen Klang ergeben soll. Wenn nur ein einziges unerschrockenes Kind nicht mitklappert und sagt: „Aber der Kaiser hat ja gar nichts an“, dann ergibt das einen Missklang im Geklappere, der aus dem Geklapper ein großes Geschepper werden und alles auffliegen lässt.

      Unerbittlich ist das Gesetz des Klapperns: Einmal klappern, immer klappern. Und auch wenn, durch kindliche Stimme belehrt, allen schon ein Licht aufgegangen ist, dass hinter der blendenden Fassade gar nichts ist, so muss ebendeshalb die Fassade aufrechterhalten werden. Der Kaiser muss es aushalten, von allen für nichts und wieder nichts bewundert zu werden. Das ist natürlich sehr komisch, vielleicht die Ursituation von Komik überhaupt.

      „Welche Muster, welche Farben“, riefen die treuesten Minister des Kaisers, während die betrügerischen Schneider unter Festbeleuchtung farb- und musterlos am Webstuhl klapperten, mit großen Scheren in die Luft schnitten und mit langen Nadeln ohne Faden nähten. „Nur Dumme oder solche, die für ihr Amt nicht taugen“, würden die prächtigen Kleider nicht sehen, hatten die Betrüger gesagt. Da wollte natürlich keiner zugeben, dass er nichts sah. Auch der Kaiser wollte taugen und also stolzierte er nackt. Er weiß: Die Schleppenträger scheppern. Und er weiß, dass alle wissen. Wie er das aushält? Zähneklappernd.

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  17. Ossarek Bruns schreibt:

    „Allen Hochwürdigsten, Hochgebornen Hochwürdigen, Hochwohlgebornen Wohlwürdigen, Wohlgebornen Ehrwürdigen, Hochedelgebornen, wie auch allen Großachtbaren, Wohledeln und Wohlehrenfesten launigen
    ROTEN NASEN

    Dieses Kapitel in der Rechnung des Unendlichen ist überhaupt sehr lehrreich für viele Leute, die es verstehen könnten, aber nicht verstehen. Denn ich wüßte nicht, ob es einen Stand in der Welt geben kann, worin es unnütz sei zu wissen, daß bei immer zunehmenden Bemühungen zu einem Endzwecke zu gelangen, der Endzweck zuweilen gänzlich verfehlt werden kann. Ich bin bei Gelegenheit einer Haus-Apotheke auf diesen Gedanken gekommen: denn es ist hier klar, daß bei wachsender Vorsorge für die Gesundheit, diese ein Größtes werden kann, wenn die Vorsorge offensiv wird.“

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  18. Lars schreibt:

    Der „zackige Neubau“ ist für viele zurzeit noch „eine Bildungs-Zitadelle und keine Agora“.

    Genau. Die Leuphanatiker im Regierungspräsidium des Campus´ haben aus der Hochschule eine geschlossene Fortifikation gesinnungsbetonierter Jasager gemacht, die ein fideles Dauerfeuerwerk lustigen Propagandageknatters bunt und munter umdüdelt, behaupten aber, es handle sich um einen offenen Versammlungsplatz für ungegängelt deliberierende Leuphanisten und deren Freunde aus der Lüneburger Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts, die über Modellbrücken neuen Typs zueinander fänden, welche junge Idealisten à la Björn Adam aus dem akademischen Elfenbeinturm heraus mit Unterstützung von Landrat Manfred Nahrstedt bis in die skeptische Gesellschaft der Einheitsgemeinde Amt Neuhaus hinein gebaut hätten. Selbstbild und Fremdbild können weit auseinanderklaffen.

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  19. Joachim Fischer schreibt:

    Wir leben speziell in Niedersachsen halt in einer Zeit der „Fassadenschminkerei“: Das ist bei der VW-Abgasaffäre so, auch bei den VW – Managergehältern & – Ablösesummen und offensichtlich auch an der Lüneburger Universität: Im ersten Fall zahlen Autokunden und „atmende Bürger“ die Zeche, im zweiten Fall VW-Mitarbeiter und die „Bürger als VW-Miteigentümer“ und im aktuellen Fall wohl Lüneburger Studenten (siehe Reaktion des ASTA) und steuerzahlende niedersächsische Bürger. Aber trösten wir uns damit, dass historisch letztlich meist die „Fassadenschminker“ (von Potemkin bei Katharina, über Mielke bei der Straße von Wandlitz nach Berlin bis zu den VW – Akteuren??) dafür gebüßt haben. Man könnte auch sagen: „Die Fassade frisst Ihre Schminker“

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  20. Klaus Bruns schreibt:

    es ist wirklich erstaunlich , mit welcher arroganz steuergelder aus dem fenster geworfen werden. 70 millionen euro preiswerter hätte es werden können und das gesparte geld den studenten direkt zur verfügung gestellt werden können. wer glaubt, er würde jetzt bei der cham-ping- pong- leag mitspielen , weil das gebäude so teuer geworden ist, muss dort wohl den professor spielen. das ganze riecht nach klüngel . ich glaube, der gestank kommt aus st.gallen. wer hier wohl wirklich kleinbürgerlich ist. gepaart mit dekadenz ein brisanter zündstoff.

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  21. Jo Bembel schreibt:

    Die letzte Chance zur ehrlichen (statt gespielter) Aufrichtigkeit war mit dem Ende der „Erst“-Eröffnung vergeben. Dabei hat doch Michael O’Leary 2011 in Magdeburg/Cochstedt gezeigt, wie es geht. https://www.youtube.com/watch?v=rJ7lAV4vjSU

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    • Gunter Petersen schreibt:

      Köstlich! „Ein Narr, der keinen Hehl daraus macht, dass er andere zum Narren hält.“ Ganz soweit haben es unsere beiden Spaßvögel in Sachen Ehrlichkeit noch nicht gebracht. O´Leary ist auch Subventionsnomade, aber vor allem ist er Ire. Doch „ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben“, meinte Adorno einmal (Minima Moralia. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt a. M. 2003, S. 124).

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      • Thea Unangst schreibt:

        Zur Metakritik der Kritischen Theorie

        Adornos schwächstes und konformistischstes Werk – in dem er bis zu einer Anbiederung an eine ehemals große Supermarktkette sich herabläßt! – sind sicherlich die sogenannten Minimal Moralia.

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  22. Ulrich Löb schreibt:

    Lieber Herr Bergmann, auf der Einweihungsfeier des Libeskindbaus oder der Leuphi wie Hans-Herbert Jenkel sagen würde, wurde den Anwesenden im Blick auf unsere jüngere Geschichte noch einmal vermittelt, welche herausragende Bedeutung dieses Gebäude für die Universität und die Stadt hat. Es stört durch seine dekonstruktive Architektur die rechtwinklig schachbretthafte Aufteilung der Nazi-Kaserne, was Herrn von Mansberg durch seine ergänzenden Anbauten im Bestand nicht gelungen ist. Es setzt einen Kontrapunkt im städtebaulichen Sinne gegenüber dem kleinbürgerlich strukturierten Umfeld, spiegelt die sicherlich heeren Ziele der Universität wider (was Herr Spoun auch gar nicht in Abrede stellte), bildet einen bleibenden Erinnerungspunkt an die Verquickung Lüneburgs in das 3. Reich und fordert so das geschichtliche Gedächtnis der Stadt heraus. Vor so viel Großen und für Lüneburg, bei seiner „Wandlung- von der Beamten- und Universitätsstadt (Mädge)“ zur Wissenstadt Wichtigen, muss ihre Kritik an der vermeintlichen Intransparenz der Unileitung zurückstehen.

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    • Jochen Bergmann schreibt:

      Lieber Herr Löb,

      ich bedanke mich für Ihre Hinweise. Aber ich bin anderer Ansicht.

      Auf der Eröffnungsfeier, die viele Monate vor der Ingebrauchnahme stattfand, wurde v e r s u c h t, den Anwesenden die Bedeutung dieses Gebäudes für Universität und Stadt zu vermitteln. Dieser Versuch aber ist gescheitert. Denn es handelte sich dabei um die seit Jahren wiederholten Zuschreibungen, die an das Monument herangetragen und in es hineingelesen werden s o l l e n, jedoch n i c h t aus ihm herausgelesen werden k ö n n e n.

      Mit anderen Worten: das den baulichen Kontext „dekonstruierende“ Moment, die „Kontraposition“ zum „kleinbürgerlichen“ Umfeld, das Anzeigen „hehrer Ziele“, die aufklärerische Absicht des „Gedächtnisortes“ sind allesamt Auslegungen, von denen einige Damen und Herren gerne hätten, dass sie gedanklich mit dem Audimax assoziiert werden, die zu erkennen oder gar zu „erleben“ aber n i c h t zu den Leistungen dieser Architektur gehören. Selbst wenn wir uns zu sagen einigen, das Ungewöhnliche seiner Präsenz sei mindestens wie ein großes Fragezeichen, steht noch lange nicht fest, wie die Frage lautet — von der Antwort ganz zu schweigen. W i e machen die Formen, was sie – angeblich – machen sollen? W a r u m wurde so gebaut und nicht anders? Das wüsste ich gerne, Herr Löb. Aber ich möchte nicht dauernd diesen grobschlächtigen kulturpädagogischen Kitsch serviert bekommen, dem es gar nicht um Wissenszuwachs, sondern bloß um werbewirksame Substanzsimulation geht. Und was die Floskeln unseres Oberbürgermeisters von der „Wandlung der Garnisons- in eine Wissenschaftsstadt“ angeht, da kann ich nur erwidern, dass j e n e längst in den verblassten Bildern der Vergangenheit verschwommen ist, während d i e s e wohl noch lange in den süßen Nebeln des Wünschens und Hoffens verborgen sein wird.

      Lieber Herr Löb, zwei Dinge, ich muss es gestehen, haben mich an Ihrem Einwurf beinahe entsetzt:

      Erstens verblüfft mich, mit welch leichter Hand Sie das Hergebrachte herabsetzen, um dem Neuen zu huldigen, über das Sie fast nichts zu sagen wissen als das, was Sie in den Reklameprospekten des Hochschulmarketing vorformuliert gefunden haben. Die „Nutzungsstrukturen“, die während der Konversion der Scharnhorst-Kaserne zur Campus-Universität Lüneburg von 1990 bis zur Fertigstellung des Hochschulbauvorhabens 1997 entstanden sind, fügten sich baulich harmonisch in die Umgebung des Stadtteils „Bockelsberg“ ein, der durch das Verschwinden seines „weißen Fleckes“ damals überhaupt erst ein städtebaulich zusammenhängender Distrikt geworden ist. Durch die ehemaligen Kasernengebäude mit den gleichen Klinkerfassaden wie die der benachbarten Wohngebäude, und die ebenfalls mit roten Verblendsteinen versehen Neubauten der Hörsäle und der Bibliothek war eine städtebauliche Gesamtkonzeption entstanden, zu der auch die angepassten Außenanlagen und die Erschließung beigetragen haben.

      Und zweitens, Herr Löb, erstaunt mich, dass gerade Sie mir empfehlen, „vor dem Großen“ und – angeblich – „Wichtigen“ das Knie zu beugen und darüber hinaus in stiller deutscher Soldatendemut mit meiner „Kritik an der vermeintlichen Intransparenz der Unileitung zurückstehen“. Ja, lieber, guter, verehrter Herr Bürgermeister Löb, haben Sie sich vom Pathos der sonnabendlichen Lichtdome, des inszenierten Einschwörens und des gemeinschaftlichen Massenklatschens anstecken lassen? Gibt es den irgendetwas in dieser langen zemürbenden Kampagne hochschulpräsidialer Selbsterhöhung, das sicherer ist als die unaufrichtige Geheimniskrämerei, mit welcher „das Projekt“ ins Werk gesetzt oder, in den Worten von Prof. em. Dr. Dieter Wagner aus Potsdam, „über den Zaun gehoben“ worden ist? Weil Sie sich, vermutlich aus halbgaren Standortsvermarktungsloyalitäten, dazu aufgrufen fühlen, etwas zu verteidigen, was nur durch Abschottung entstehen konnte, beteiligen Sie sich nun an der Ausarbeitung von „Mythenbildung“ (Jenckel) und Heilsgeschichten? Und, ohne Gründe zu nennen, wollen Sie „Volksgeistzersetzern“, „Defätisten“ und „Nestbeschmutzern“ wie mir den Maulkorb anlegen? Ein akuter Anfall von trumpistischer Erdoganitis, Herr Löb?

      Am 14. Dezember 2016 um 19:45 Uhr hat Herr Schnell in Reaktion auf einen Kommentar Ihres Kollegen, den Ratsherrn Friedrich von Mansberg, alles, was ich zur Rezeptions- und Wirkungsästhetik des Libeskind-Baus angedeutet habe, viel stringenter auseinandergelegt, als ich es vermag. Diese Darstellung halte ich für das Beste, was bisher zu diesem Thema geschrieben worden ist: https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/384915-rund-100-millionen-kostet-der-libeskind-bau-und-das-land-zahlt#comment-74830

      Sollten Sie im Anschluss Ihrer Ihnen hiermit von mir ans Herz gelegten Lektüre weitere gewichtige Einwände, Richtigstellungen und Ergänzungen haben, würde es mich freuen, diese zu erfahren — umso mehr als unsere emsigen Universitätsoffiziere bzw. deren Mannschaften mit Ausnahme des Emeritus Achatz von Müller darauf verzichtet haben, es auch nur zu probieren, eine überzeugende und haltbare zugleich funktionale und ästhetische Rechtfertigung des neuen Zentralgebäudes anzubieten.

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    • Jo Bembel schreibt:

      Lieber Herr Löb,

      für den Fall, dass Sie tatsächlich glauben, was Sie geschrieben haben, bitte ich um die Beantwortung zweier Fragen.

      Die Libeskind-Architektur wo auch immer diese auf der Welt anzufinden ist und was auch immer das Gebäude beinhaltet, sieht meist sehr ähnlich (dekonstruktiv) aus. Entweder haben dann alle diese Bauwerke die gleiche bzw. eine ähnliche Aussage oder aber sie haben keine – und alles was hineininterpretiert wird ist pseudointellektuelles „Dummlalla“. Nun Herr Löb, wofür entscheiden Sie sich?

      Wenn Herr Spoun nicht Herrn Keller gekannt hätte und dieser nicht zusammen mit Herrn Libeskind zusammen für Rheinzink gearbeitet hätte, würde dann dieses Objekt den Campus „zieren“?

      Und allen die jubeln, dass dieses Gebäude innen auch an dunklen Tagen hell ist, sollten vielleicht erst einmal heiße Sommertage in diesem erlebt haben. Vielleicht heißt es dann ja, wie bei so vielen architektonischen Glanzobjekten, leiden für die Architektur.

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      • Jutta Hansen schreibt:

        Hallo Herr Bembel,

        zwei Anmerkungen:

        (1.) Ihr technischer Einwand (Klimamanagement) ist extrem schwach. Um dem Herr zu werden, ist sehr viel Geld für Raumluftkonditionierung, »intelligente« Blenden, lichtaktive Substanzen und phototrope Gläser ausgegeben worden.

        (2.) Sehr gut finde ich aber Ihren Hinweis auf den »Libeskind-Dreh«, mit dem Sie die Luft aus dem imperatorischen Richtspuch des Ratsherrn Ulrich Löb lassen, der meinte dekretieren zu sollen: »Vor so viel Großem und für Lüneburg Wichtigem muss Kritik zurückstehen.« Wenn es das Interpretandum (also das einer möglichen Interpretation Vorausgehende: das, was interpretiert werden soll) gleich mehrfach gibt (Knitterdampfer mit blitzender Metallhaut über gezackten Baukörpern z.B. in Dresden oder Denver, Berlin oder Toronto), dann MUSS aus Gründen der Logik gelten: »Entweder haben dann alle diese Bauwerke die gleiche bzw. eine ähnliche Aussage oder aber sie haben keine.« Dass bei Libeskind nicht einmal mehr von einer »Handschrift« oder einem »Stil« gesprochen werden kann, sondern von einem stark schematisierten Produktstandard zu seriellen Absatzzwecken geredet werden muss — und damit die leuphanatischen Sprachregelungen erledigt sind, die in den Plattitüden der Lüneburger Aufarbeitungs- und Einzigartigkeitslyrik nach Luft japsen, das hat auch Till Briegleb in der Süddeutschen Zeitung unterstrichen:

        »Der mittlerweile 70-jährige Daniel Libeskind [ist] keineswegs der unumstrittene Stararchitekt, der zukünftige Wahrzeichen garantiert, wie man es in Niedersachsen als Begründung für die Sonderausgaben immer anführte. Von seiner Generation der Dekonstruktivisten, die in den Achtzigern die Bauskulptur als Markenware etablierten, ist Libeskind der Masche am nächsten. Während Rem Koolhaas oder Zaha Hadid ihr Vokabular veränderten oder zumindest in Vielfalt ausreizten, kennt die graue Winkel-Polka von Daniel Libeskind mit ihren Splittern und Zufallslinien eigentlich nur unterschiedliche Knüll-Stadien.

        Zwischen seinem ersten Gebäude, dem 1989 entworfenen Jüdischen Museum Berlin, mit dem er den Durchbruch zum It-Architekten schaffte, und dem Bildungsschiff in Lüneburg scheinen nicht Design-Jahrzehnte, sondern eher nur wenige Wochen zu liegen: Da gibt es den gleichen Titan-Zink als Hülle, die typischen Winkel und Spitzen – nur nicht in Blitzform am Boden, sondern zum kleinen Hochhaus getürmt -, die Fenster als Vielecke frei von den Geschosslinien platziert. Selbst ein ›Void‹, jenes symbolisch aufgeladene Element der Leere, das im Berliner Museum die Abwesenheit der Juden spürbar machen sollte, findet sich in diesem Profanbau – als profanes Element. Womöglich gibt es in Libeskinds Design-Software einen Bauform-Shaker, der ein Museum ruckzuck in ein Lehrgebäude umformt. So wirkt der Uni-Bau jedenfalls.« (SZ, 9. März 2017, http://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-in-schraeglage-1.3412034)

        Ähnlich, aber noch pointierter lässt Nikolaus Bernaus von der Frankfurter Rundschau den lauwarmen Plauderdampf aus der öffentlich so lustvoll gepflegten Illusion von der »ortsspezifischen Sonderanfertigung« des »individuellen und singulären Kunstwerks«. Man hat ein paar sehr teure Schuhe gekauft, aber es handelt sich eben doch nur um Maßkonfektion:

        »Die für viele Libeskind-Bauten charakteristische Beschwörung historischer Erinnerungen spielt in Lüneburg kaum eine Rolle. Dabei haben die Studierenden in einem vorzüglichen Forschungsprojekt nachgewiesen, dass von dem im Rahmen der deutschen Kriegsvorbereitungen 1938 errichteten, heute so idyllisch anmutenden Kasernengelände Truppen ausrückten, die an fürchterlichen Kriegsverbrechen beteiligt waren.

        Libeskind hingegen betonte gegenüber der FR nur: Man müsse sich lösen von der Kiste und der Rechtwinkligkeit, den Symbolen der alten Zeit. Aber darüber hinaus ignoriert er die von der Universität genutzte Kaserne regelrecht: Der Haupteingang des gezackten Hauptgebäudes ist ihr abgewandt, gerade einmal die Cafeteria orientiert sich hin zu dem mit Ökoteich gestalteten Kasernengelände.

        Dennoch hat die Leuphana genau das erhalten, was sie 2007 bei ihrem damaligen Kurzzeit-Professor Libeskind bestellte: Einen Libeskind wie aus dem Stilhandbuch. Eine bei aller Skepsis gegenüber dem Starkult um den Architekten durchaus kluge Marketingstrategie. Im harten internationalen Wettbewerb genügt es gerade für kleinere Institutionen nicht, gute wissenschaftlichen Leistungen oder Lehrprogramme vorzuweisen. Architektur, die Aufsehen erregt, wird auch in großen Universitätsstädten wie Berlin, München, Köln oder Frankfurt in Szene gesetzt, zuletzt aber auch in Cottbus.

        Nun setzt auch Lüneburg auf so etwas wie einen Bilbao-Effekt* für Unis: auf bis ins letzte Dorf Chinas verbreitete und verlockende Fotos von glücklichen Studierenden vor dramatisch blitzender ›Star‹-Architektur.« (FR, 12. März 2017, http://www.fr.de/kultur/kunst/architektur-ein-libeskind-wie-bestellt-a-1192629)

        * Zum hier ironisch gebrauchten, aber (nicht nur in Lüneburg) meistens missverstandenen und naiv nachgeplapperten Begriff »Bilbao-Effekt« siehe Tobias Günther: https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/384915-rund-100-millionen-kostet-der-libeskind-bau-und-das-land-zahlt#comment-74883

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    • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

      Lieber Herr Löb, ein Gebäude hat mehrere Funktionen: Eine der Wichtigsten ist die Bereitstellung von Räumlichkeiten. Die Leuphie stellt weniger Nutzfläche zur Verfügung (ohne die Berücksichtigung des Platzverlustes wegen des Verzichts auf Rechtwinkligkeit) als die Summe der in Volgershall und im Roten Feld aufzugebenden Räumlichkeit. Und dabei ist die Schließung des Vamos noch nichtmal mitgerechnet. Daraus ergibt sich auch, dass die Leuphie voraussichtlich auch keine Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen für die Nutzer ergeben wird. Aber die Chefs haben dann im obersten Stockerk einen schönen Ausblick. Die Seminare und Vorlesungen werden weiterhin überfüllt sein. Eine politische Interpretation des Gebäudes erschließt sich mir nicht. Kasernen aus rotem Backstein sind keine Besonderheit der Naziarchitektur gewesen. Das Gesamtbild der Leuphie erinnert eher an ein sinkendes Schiff, daraus eine politische Ausstrahlung abzuleiten ist doch sehr weit hergeholt. Und aus städtebaulicher Sicht ist die Leuphie eher ein Fremdkörper – ein aus dem Off gelandetes Raumschiff. Über die Kosten- Nutzenrechnung brauchen wir nicht zu diskutieren. Die Betriebskosten und die Benutzungssatzung mit der Stadt und dem Landkreis werden auch in der Zukunft noch reichlich Diskssionsstoff liefern.

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      • Jasmin Poetzel schreibt:

        „Keine Landesregierung wird jemals eine Uni mit einem Libeskind-Bau schließen“?

        Was für ein Unsinn, Herr Mädge ! Wieso denn nicht?

        Gebäude sind Hüllen. Genutzt werden können sie auf vielfältige Weise.

        Der Louvre, für drei Jahrhunderte vorwiegend Hauptwohnsitz der französischen Könige, ist heute ein Museum. Und das stolze Versammlungshaus der Lüneburger „Kalander des heiligen Geistes und der Jungfrau Maria an der St. Johannis-Kirche“ von 1491 (bzw. 1886), in welchem einmal Herzöge, Erzbischöfe, Äbte, und wohlhabende Bürger der Stadt verkehrten, war während der Naziherrschaft eine Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme – das Außenlager Nummer 22. Im Keller befand sich ein Gefängnis für bis zu 155 Häftlinge.

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  23. Thomas Sander schreibt:

    Die „Umleitungen“ erfolgten nicht wegen potemk.Unfertigkeit, war alles wegen der Sicherheit!

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    • Ingo schreibt:

      Es gibt eine Emendation zu vermelden, Herr Sander: Das gelbe Banner stammt von der Organisation „Lernfabriken meutern“ – nicht wie ursprünglich behauptet von Hom Keller, Karlheinz Fahrenwaldt und Ulrich Grillo. Wir haben den Fehler im Text bereits berichtigt (s. u.*) und bitten ihn zu entschuldigen.

      * Hier der korrigierte Text: »Auch die Organisation „Lernfabriken meutern“, ein Zusammenschluss von Schüler*innen, Auszubildende, Student*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, hatte sich zu Beginn des Audimax-Eröffnungstages klar positioniert. Sämtliche Gäste, die über den Campus zum Zentralgebäude gelangten, sahen es schon von weitem. Ein großes, gelbes Banner war über dem Weg aufgehängt. Es war einem Ortsschild nachempfunden und zeigte den Besuchern ihr Streben in Richtung von „Korruption & Prestige“ an. „Gute Bildung für alle“, darunter, war durchgestrichen.« (Siehe Foto Nr. 12 in der LZ-Fotogalerie: http://www.mittelbayerische.de/imgserver/_thumbnails/images/34/3643000/3643060/300×180.jpg)

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  24. Jochen Bergmann schreibt:

    Sie sagen es, Herr Jenckel. „Die Uni“, oder genauer: die Unileitung, oder noch genauer: Herr Dr. Spoun sollte es endlich „einmal mit Aufrichtigkeit und Transparenz versuchen“. Dann würde vielleicht auch künftig der Gegensatz weniger schreiend ausfallen, der sich seit Jahren für jedermann sichtbar auftut zwischen den dullen, ausgelutschten Phrasen über die „Architektur“, die vermeintlich „den Idealen einer offenen Gesellschaft entspricht und damit das Leitbild der Universität widerspiegelt“ und der trüben Realität einer geschlossenen Gesellschaft von konspirativen Gschaftlhubern, in welcher vor allem zweckrationale Verlogenheit, taktiererische Abschottung und zwielichtiges Mauschelantentum diese Architektur ermöglicht und das Leitbild der Universität „nachhaltig“ befleckt haben, und in der bisher KEINER (auch „der Künstler“ selbst nicht) eine nachvollziehbare Erläuterung der Bauform anbieten konnte, die über die traurige Information hinausgeht, „Libeskind“ sei eben ein „Markenname“ wie „Brioni“, „Cohiba“ oder „Rheinmetall“ auch.

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    • Anton Reiter schreibt:

      Ein „Markenname“ wie „Rheinmetall“ ist gut.

      Gibt es schon „Symbolik, Metaphern und Mythen“, die erläutern, wie sich die Rheinzink-Verkleidung des angeblich „militaristische Strukturen dekonstruierenden“ Zentralgebäudes mit der Tatsache verträgt, dass ihr Lieferant Ulrich Grillo früher Vorstands- und jetzt Aufsichtsratsmitglied des „internationalen“ Düsseldorfer Rüstungskonzerns ist?

      Übrigens, schon am 29. September 2009 wurde als Empfangsgebäude des Hauptsitzes der Rheinzink GmbH & Co. KG in Datteln eine Villa des Architekten Daniel Libeskind eröffnet. Dazu: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65794399.html

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    • Doris Vossler schreibt:

      Peng, Andreas Schwer!

      Sie sind Manager bei der feinen Waffenschmiede Rheinmetall und, hihi, beschwerten sich kürzlich darüber, daß man aufgrund »rigider Kontrollregimes« kaum noch in »strategische Wachstumsregionen wie den Nahen Osten exportieren« könne. Und mal ehrlich, das geht zu weit. Wo es schon eine so vortreffliche Wachstumsregion für Mordwerkzeug gibt, soll man da nicht hinliefern dürfen?

      Aber zum Glück haben Sie schon einen Plan, wie wir dem »Stern« entnehmen: Was Sie nicht exportieren dürfen, möchten Sie »einfach vor Ort« neu entwickeln. Panzer und Munition zum Beispiel, und die türkische Partnerfirma gehört sogar einem »glühenden Erdoğan-Bewunderer«. Deutsche Manager hält eben nichts auf. Ha!

      Vorerst also beruhigt: Ihre Leuphana-Combo

      Bezug: http://www.stern.de/wirtschaft/news/rheinmetall-baut-panzer-in-der-tuerkei—der-absolute-wahnsinn–7367184.html

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