Der Untergang des Abendlandes wird verschoben

22. Dezember 2017

Ein Lüneburger Schulleiter ändert das Weihnachts-Ritual. Die LZ  berichtet. Dann naht der Untergang des Abendlandes. Erst in den Leserbriefspalten der LZ. Die schwellen zwei Wochen an. Dann berichten Medien bundesweit. Klar, nun müssen sich auch Politik und Kirche einschalten.  Warum? Weil ein Schuldirektor christliche Weihnachtslieder aus dem Pflichtunterricht verbannt hat. Warum? Weil sich eine Schülerin, die an Mohammed, den Propheten, an Gott, aber nicht an Jesus Christus glaubt, gestört fühlte.

Der Schulleiter beruft sich aufs Landesschulgesetz. Aber er hat überzogen. In der Reaktion auch viele Leserbriefschreiber und leider auch Medien, die im letzten Moment auf den Empörungszug aufgesprungen sind.

Der Fall zeigt eines, Abwarten und Zuschauen macht aus einer unglücklichen oder erklärungsbedürftigen Entscheidung eine Krise. Und wenn die Gefühle erst Oberhand gewinnen, dann ist mit Sachargumenten kaum noch etwas auszurichten. Dafür gibt es Beispiele zuhauf, Mercedes machte zum Beispiel die Erfahrung mit dem „Elchtest“, Bundespräsident a.D. Wulff mit Nachrichten auf der Mailbox eines Bild-Chefredakteurs. Nimmt die Medien-Meute Witterung auf, verlangen deren Zuschauer/Leser immer neue Details. Ist die Faktenlage dünn, hat es die Sachlichkeit schwer. In beiden Fällen trugen die Opfer oder Verursacher, wie man will, selber dazu bei, weil sie den Ernst der Lage unterschätzten.

In aktuellen Lüneburg Christlieder-Fall gab es zwei Wochen nichts außer Empörung und Mauern, der Nährboden für Krisen. Das wird dann auch zur Steilvorlage für die AfD als Abendland-Retter in der aktuellen Haushalts-Sitzung des Lüneburger Rates. Das wäre noch, weil es die AfD ist, soweit eigentlich eine Lebensversicherung für den Direktor.

Aber auch die Christlich Demokratische Union sprang auf diesen Zug auf, der Landesvorsitzende verfasste „in Sorge“ eine Pressemitteilung und dann folgten natürlich Ortsvereine im Chor.

Zur christlichen Nächstenliebe gehört es, einen Mann, der wirklich eine unglückliche Entscheidung getroffen hat, zu hören. Wenn er dann sagt: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Dann ist er in Gottes Hand.

Zum Glück ist Sonntag Weihnachten, zum Glück können wir dann zu Hause und, wer will, in der Kirche singen „Oh, du fröhliche“, „Vom Himmel hoch“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ – schon immer meine Top 3 – und dann taucht diese Advent-Affäre sogleich in ein mildes Licht. Das Abendland ist noch einmal davongekommen.

Fröhliches Fest Hans-Herbert Jenckel  

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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15 Antworten zu Der Untergang des Abendlandes wird verschoben

  1. Dora Wagner schreibt:

    Sehr geehrter Herr Klaus Bruns aus Reppenstedt am Kranken Heinrich,

    was ist nur mit Ihrer sozio-ökonomischen Gesamtbetrachtung zur Weltlage geschehen? Bereits das zweite Mal in dieser Woche, dass Sie etwas längeres Philosophisches im Blog.jj zu posten probieren und dann: schnippschnapp – das Satzende fehlt.

    Ist das Ihr hintersinniger Beitrag zum Thema?

    Der Untergang des Abendlandes? / Grad war’s noch da – und dann verschwand es?

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    • Klaus Bruns schreibt:

      gnädige Frau Wagner, ich überlasse es gern hier anderen, den schlusssatz zu bilden. sie sind ihm schon sehr nahe gekommen. ich bin ein freund von der würze in der kürze. schmunzeln.

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  2. Klaus Bruns schreibt:

    nur mal so am rande. das goldene kalb der cdu:Der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz arbeitet heute für Blackrock, den größten Vermögensverwalter der Welt. Er warnt vor China, wirbt für deutsche Aktien

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    • Karsten Konradi schreibt:

      Vielen Dank für diese wichtige Info, Klaus Bruns! Derweil lässt Prinz Harry sich Künstliche Intelligenz erklären und Katharina Saalfrank fragt den ARD-Reporter: Mein Sohn isst nur noch Fast Food – was kann ich tun?

      Vielleicht lesen wir ja demnächst bei Ihnen: Niels Webersinn und Bernd Althusmann fühlten sich schließlich bemüßigt, in die Diskussion einzugreifen. Dem „Corriere della Sera“ sagten die beiden: „Weihnachten ist sehr viel wichtiger als ein Chefredakteur, der provozieren will. Wenn Ulf Poschardt gedacht hat, dass er auf diese Weise Integration und ein friedliches Zusammenleben in Lüneburg fördert, hat er sich unserer Meinung nach sehr getäuscht. Er sollte sich ein Beispiel an uns nehmen. Wir würden religiöse Fragen nie für politische Zwecke instrumentalisieren.“

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  3. Montag, 30.11.2015
    Italien streitet über Verbot von Weihnachtsliedern an Schule
    Weihnachten, das Fest der Liebe? Nicht im italienischen Rozzano, wo ein Schuldirektor mit seiner Absage an Krippenspiel und christliche Lieder einen Skandal entfachte. Sogar Ministerpräsident Renzi musste eingreifen.
    Im Istituto Garofani im norditalienischen Rozzano ist in diesem Jahr alles anders als sonst: Das Weihnachtskonzert an der Gesamtschule wurde gestrichen, sämtliche Kruzifixe abgehängt.
    Angeblich soll der Direktor beschlossen haben, im Namen der Integration auf christliche Symbolik zu verzichten. Ein Aufschrei ging durch große Teile der Elternschaft, die katholische Kirche, aber auch konservative und neofaschistische Kräfte nutzten die Stunde und bekundeten lautstark ihren Unmut über den Verrat an urchristlichen Traditionen.
    „Ich habe mit Verwunderung von der Streichung sämtlicher Weihnachtsaktivitäten durch die Direktion gehört“, meldete sich die Bürgermeisterin von Rozzano zu Wort. Es sei unklar, was überhaupt zu dieser Entscheidung geführt habe. Sie selbst sei mit dem Vorgehen überhaupt nicht einverstanden, so Barbara Agogliati.
    Der Schulleiter Marco Parma ging in die Offensive: In einem Schreiben vom 28. November bestreitet er, jemals Kruzifixe von den Wänden genommen oder das Singen von Weihnachtsliedern verboten zu haben. Er habe allerdings die Anfrage zweier Mütter, während der Pause mit Schülern religiöse Lieder singen zu dürfen, abgelehnt – offenbar, um Kinder nicht-christlichen Glaubens nicht zu benachteiligen und die Weihnachtsfeier insgesamt laizistischer zu gestalten.
    Er stehe zu seiner Entscheidung, sagte Parma. Dann quittierte er den Dienst.
    Das sei nicht genug, ätzte die regionale Bildungsbeauftragte, Valentina Aprea. Sie forderte die unverzügliche Wiedereinführung des Weihnachtskonzerts – unter Beteiligung so prominenter Gäste wie Ministerpräsident Matteo Renzi und dem Präsidenten der Region Lombardei, Roberto Maroni von der rechtspopulistischen Lega Nord.
    Zwar erklärten Vertreter der Muslime in Mailand, Weihnachten sei noch nie ein Problem für ihre Gläubigen gewesen. Doch Politiker verschiedener Couleur instrumentalisierten den Vorfall nach Kräften. Matteo Salvini, Parteichef der fremdenfeindlichen Lega Nord, schlug vor, sämtliche Lehrer und Direktoren zu entlassen, die Weihnachten abschaffen wollten: „Wer Krippenspiel und Weihnachtsgeschichte streichen will, ist nicht geeignet für eine solche Arbeit.“ Montagmittag fand sich Salvini mit einigen Unterstützern vor der Schule ein und trommelte für die eigene Sache. Die Gruppe hielt Flyern in der Hand, auf denen zu lesen war: „Stolz auf unsere Traditionen: Weihnachten ist unantastbar.“
    Auch die italienische Bischofskonferenz griff in die Debatte ein. Generalsekretär Nunzio Galantino kritisierte all jene, „die, um andere Traditionen oder Konfessionen zu respektieren, daran denken, Weihnachten abzuschaffen oder es bis zur Lächerlichkeit zu verbiegen“.
    Premier Renzi fühlte sich schließlich bemüßigt, in die Diskussion einzugreifen: Dem „Corriere della Sera“ sagte er: „Weihnachten ist sehr viel wichtiger als ein Schuldirektor, der provozieren will. Wenn er gedacht hat, dass er auf diese Weise Integration und ein friedliches Zusammenleben fördert, hat er sich meiner Meinung nach sehr getäuscht.“

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    • Friederike Danckwardt schreibt:

      Detlef,

      „Politiker verschiedener Couleur instrumentalisierten den Vorfall nach Kräften“?

      So etwas wäre in Lüneburg und Wendisch Evern ganz undenkbar!

      Glauben Sie nicht?

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  4. Olaf Kunert schreibt:

    Lieber Herr Landesminister Althusmann…

    WIE „LINKS-GRÜN-VERSIFFT“ SIND WEIHNACHTSPREDIGTEN?

    Der Chefredakteur der „WeltN24“-Gruppe, Ulf Poschardt, warf heute, am ersten Weihnachtstag diese Frage über den Kurznachrichtendienst Twitter auf: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“ (https://twitter.com/hashtag/Jusos?src=hash)

    Gefährden kirchliche Weihnachtsgottesdienste „das Anerkenntnis der christlichen Prägung unseres Landes“? Liegen salonrechte Giftspritzen wie der Welt-Chefredakteur Poschardt richtiger als um Rücksicht und Ausgleich bemühte interkonfessionelle Mediatoren wie der Gymnasialrektor Friedrich Suhr vom Johanneum?

    Sind die plüschflaschenwerfenden christlichen Gutmenschen mit ihren Heulsusenwerten von Barmherzigkeit, Mitleid und Hilfsbereitschaft am Ende, Herr Alhusmann? Würden Sie als CDU-Landesvorsitzender Maria und Joseph von Galiläa aus der Stadt Nazareth im Schafsstall von Heiligenthal zwischen Ochs und Esel unentgeltlich Asyl gewähren? Oder würden Sie die beiden abweisen, da es sich wahrscheinlich um potentielle Gefährder und dreiste Wirtschaftsflüchtlinge handeln wird und sie außerdem über einen sicheren Drittstaat eingereist sein müssen?

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  5. Georg Grothe schreibt:

    „Aber eines trüben Tages sieht man heller und fragt, ob es denn richtig ist, den Weg, der von Gott wegführt, so zielbewußt mit keinem Schritte zu verfehlen.“

    Karl Kraus, 1914 („In dieser großen Zeit“)

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  6. Kevin Schnell schreibt:

    Die „Christlich Demokratische Union sprang auf diesen Zug auf, der Landesvorsitzende verfasste ‚in Sorge‘ eine Pressemitteilung“. (Jenckel)

    In der Tat. Und was für eine: http://presseservice.cdu-niedersachsen.de/m/12036994/113464-fe13b9c007effbda6741ec0ff3d10580

    „Das Anerkenntnis der christlichen Prägung unseres Landes“ und wohl auch der darin lebenden Menschen, von denen er einer ist, sieht der alarmierte Pastorensohn in Gefahr.

    Ein promovierter, seit dem 22. November 2017 amtierender niedersächsischer Wirtschaft-, Arbeits- und Verkehrsminister und stellvertretender Ministerpräsident im zweiten Kabinett von Stephan Weil, der – nicht erst und nicht nur – seit seiner Zeit als ehemaliger niedersächsischer Kultusminister dafür bekannt ist, dass sein Umgang mit dem achten Gebot gelegentlich „Mängel von erheblichem Gewicht“ aufweist, die nicht „guter wissenschaftlicher Praxis entsprechen“, sollte der sich nicht, fage ich mich, hüten, in einer Presseerklärung anzudeuten, „dass die Schulleitung des Johanneums in Lüneburg“ nachträglich etwas „erklärt“ hat, „unabhängig“ wovon die vorangegangene „breite öffentliche Diskussion“ über das genaue Gegenteil des Erklärten zeige, wie dringend „die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem, was unsere Gesellschaft zusammenhält“, geführt werden müsse? (So nach dem Motto: Ich sage nicht, dass Du ein Lügner bist, aber das von Dir Geleugnete rüttelt an den Grundfesten unserer „Kulturnation“.)

    Nachwachsende Generationen von Lüneburger Jungwählern scheinen eine feine Antenne für derart prekäre innerpersonale Verhältnismäßigkeiten zu besitzen: https://jj12.wordpress.com/2017/12/16/dicker-vorschuss-auf-gute-ideen-fuer-lueneburg/#comment-1540

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  7. Klaus Bruns schreibt:

    allen scheinheiligen ein frohes fest, wünscht euch ein atheist.ich wette, ich treffe die mehrheit und das ist gut so.

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    • Flori schreibt:

      Herr Bruns, das Ende der alten weißen Männer in Mitteleuropa, Reppenstedt und dem Abendland, egal ob religiös oder a-religiös parfümiert, ist unausweichlich:

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  8. Stimme des Volkes schreibt:

    Der mediale Tsunami erinnert mich an ein Gedicht von Robert Gernhardt und besonders die Lüneburger Beteiligten an jenem erinnern an den durchgeknallten Schriftgläubigen aus diesem:

    Dichter Dorlamm fängt, wie wider Willen,
    eines schönen Tages an zu brüllen.

    Brüllt im Freien, brüllt bei sich zuhause,
    brüllt mit Inbrunst und brüllt ohne Pause.

    Fragt man ihn jedoch, warum er brülle,
    sagt er, daß er’s Wort der Schrift erfülle,

    das da laute: Nur durch stetes Brüllen
    lasse sich das Wort der Schrift erfüllen.

    Fragt man aber, welche Schrift das sei,
    flüchtet er sich wieder ins Geschrei,

    das da währt, solang das Brüllen dauert.
    Fragt nicht weiter, Brüder, schweigt und trauert.

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  9. Antonia schreibt:

    Klasse aufgespießt, Herr Jenckel!

    Auch unter Christen gibt es frömmlerische Verlogenheit und selbstgerechtes Pharisäertum. Wer hätte das gedacht?

    Sehr gute Kommentare und Hintergrundinfos finden sich auch hier:

    https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1347201-rueckendeckung-fuer-schulleiter-eltern-und-schueler#comment-129232

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