Was will die Rampensau Eissele im Rat?

Er liebt den großen Auftritt, begeistert das Publikum in der Lüneburger Arena im Handumdrehen als Big-Band-Frontmann bei seinen Tribut-Shows für Queen oder Jackson, eine begnadete Rampensau. Jetzt will er auch auf der politischen Bühne reüssieren, aber was will Alexander Eissele da erreichen?

Natürlich will er Anwalt der Kunst und Kultur sein, natürlich will er das Lüneburger Theater stützen, sein Theater, stets in Finanznöten. Dort im Orchestergraben hat er mit seiner Klarinette seinen Arbeitsplatz. Natürlich will er sein Orchester gegen Wirtschaftsprüfer, Sanierer und Streichkonzerte verteidigen – nicht nur, aber auch.

Gerade in einer Stadt wie Lüneburg, die brummt, die zeigt, welch hohe Lebensqualität sie hat, lohnt es genauer hinzuschauen, damit es Lüneburg nicht so geht wie anderen Städten, die unter dem Strukturwandel der Innenstädte schon längst zu Lost Places geworden sind wie Dömitz an der Elbe, die wackeln wie Soltau oder Oldenburg in Holstein. 

Eissele weiß: Die Aufenthaltsqualität der Innenstadt zu erhöhen, das geschieht nicht nur durch mehr Sitz-Oasen, mehr Grün, „sondern eben auch durch mehr Kultur, mehr Musik im Alltag. Mal die Nacht der Clubs oder der Tag der Straßenmusiker, das ist gut, kann aber nicht alles sein. Im Idealfall täglich müsste es in der City klingen, um Lüneburg für die Hunderttausende Gäste zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.“

„Aber es geht mir nicht nur um die Kultur, auch um den demographischen Wandel unserer Stadt, um einen wichtigen Punkt rauszugreifen. Lüneburg ist auf der einen Seite eine quirlige Uni-Stadt, aber auch eine Stadt der Senioren, und deren Anteil wächst. Das heißt für mich, nicht nur die Mobilität muss sich an dieser Herausforderung messen lassen.“

Schon seit der Finanzkrise des Theaters und der Gefahr, dass Hand ans Orchester gelegt werden könnte, ist Eissele ein bisschen auf dem politischen Parkett angekommen. Mit öffentlichen Konzerten, zum Beispiel auf dem Marktplatz, haben die Musiker viele Sympathien gewonnen. Eissele denkt dabei nicht an sich selber, „bei meinem Alter mit über Mitte fünfzig wäre ein Abschied ein teurer Spaß“. 

Der Schwabe Eissele, der die LKH Arena mit seiner Big Band und Themenabenden wie Udo Jürgens, ABBA, Queen und Michael Jackson, Tina Turner und Whitney Houston zum Kochen bringt, hat durchaus Respekt vor einem Engagement im Rat. 

Für seine SPD ist er ein Stimmengenerator, dass er im Wahlkreis 3 auf dem letzten Platz steht, ist Kalkül. Doch später, im ermüdenden Tiki-Taka der Mitte in Ratssitzungen und Ausschüssen verlieren Paradiesvögel wie Greenhorns oft an Farbe.

Dass er sich im politischen Alltag nicht zermürben lässt, das hat Eissele seinen Genossen schon bei der Aufstellung der Listen gesagt. Da könnte es dann wie bei den musikalischen Themenabenden in der Arena bei einer Episode bleiben. Aber als Frohnatur wäre er im Rat schon ein Gewinn – nicht nur für den Bestand des Orchesters, nicht nur beim Ringen um mehr Geld fürs Theater – aber auch.

Hans-Herbert Jenckel

Foto privat: Alexander Eissele in der Arena am Werk, das Publikum begeistert er im Handumdrehen.

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Journalist, Dipl.-Kaufmann, Moderator, Lünebug- und Elbtalaue-Liebhaber
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4 Responses to Was will die Rampensau Eissele im Rat?

  1. Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

    Architekt von Mansberg unterstützt Kalisch: Diese drei Orte würde er verändern.

    Aha, er wird bestimmt dann auch noch verraten, wer die Änderungen dann bezahlen soll, oder doch nicht? Über Geld spricht man ja in diesen Kreisen nicht, man hat es einfach.

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  2. Avatar von Otto Berg Otto Berg sagt:

    Lieber Herr Jenckel,

    Ihre aktuelle Glosse liest sich beim ersten Hinsehen wie ein ermunterndes Märchen, wie ein Gedicht mit praktischen Absichten und hoffnungsfroher Botschaft. In Ihnen lässt sich der reflektierende Künstler vernehmen, da spricht quasi der reife Schiller von 1795 aus Ihnen, der ebenfalls auf „ästhetische Erziehung“ setzte:

    [D]er Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

    Der dynamische Musikus wird, scheinen Sie zu glauben, Musik und Dynamik in die bräsige Kulturpolitik des hanseartigen Exekutivorgans bringen. Und Sie ahnen, nein, Sie wissen natürlich, wer jetzt hinter dem Kicker im vollklimatisierten Großraumbüro seine Lauscher aufstellt: Patrick Pietruck, der Spezialist fürs digital Kommunikative, erfolgreicher Unternehmer, glücklicher Familienvater und überzeugter Lüneburger seit 2003, der in diesem Jahr als Oberbürgermeister der Hansestadt Lüneburg kandidiert. Wenn dem stadtbekannten SPD-Newcomer Eissele zugetraut wird, mit seinem Taktstock auch kommunalpolitisch zu zaubern, warum sollte dann der vorbildlich wirtschaftende CDU-Frischling Pietruck nicht auch für Kinder, Schüler und Studenten sowie für Auszubildende, Arbeiter, Gastwirte und Alkoholiker, aber auch für Eltern, Handwerker, Selbständige, Wohnsitzlose und Senioren gut durchdachte Konzepte vom KI-betreuten Business-Laptop ablesen können? (Vgl. z. B.: Wahlprüfsteine der SeniorInnen zur Kommunalwahl 2026 )

    Nun wären Sie, lieber Herr Jenckel, aber nicht der überregional rezipierte Blog.jj-Master, wenn Ihnen nicht klar wäre, dass eine Ratsversammlung kein Orchester ist – und eine Stadtverwaltung kein Unternehmen, sondern die territorial definierte Einheit des politischen Systems darstellt, der nach der Verfassung die Regelung der „Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung“ (Art. 28 Abs. 2 Grundgesetz) übertragen ist, wobei die demokratisch gewählten kommunalen Vertretungen und die politischen Verwaltungen als formale politische Organe für die Ausgestaltung dieser Aufgabe zuständig sind. Im Mittelpunkt steht das Gemeinwohl der Gemeinde, nicht aber das allgegenwärtig rund um die Uhr posaunierende Entertainement oder das deregulierend effizienzzentrierte Profitstreben.

    Sie kennen natürlich Ihren Novalis Herr Jenckel:

    [Wenn] man in Märchen und Gedichten
    Erkennt die wahren Weltgeschichten,
    Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
    Das ganz verkehrte Wesen fort.

    Und siehe da, ich brauche nicht lange zu suchen, um Ihr einsichtsvolles Bedenken unter dem Wust vornehm knisterknitternder Lobesworte zu entdecken.

    Sie schreiben:

    Der Schwabe Eissele (…) hat durchaus Respekt vor einem Engagement im Rat.

    Für seine SPD ist er ein Stimmengenerator, dass er im Wahlkreis 3 auf dem letzten Platz steht, ist Kalkül. Doch später, im ermüdenden Tiki-Taka der Mitte in Ratssitzungen und Ausschüssen verlieren Paradiesvögel wie Greenhorns oft an Farbe.

    Dass er sich im politischen Alltag nicht zermürben lässt, das hat Eissele seinen Genossen schon bei der Aufstellung der Listen gesagt. Da könnte es dann wie bei den musikalischen Themenabenden in der Arena bei einer Episode bleiben.

    Klar, Herr Jenckel, „als Frohnatur“ wäre Herr Eissele im Rat vielleicht „ein Gewinn“. Aber in der politischen Vertretung geht es eben weniger um Spaß und gute Laune als um das harte Ringen für das, was den Bürgern frommt, es geht um „der Stadt Bestes“ um das Erarbeiten von Kompromissen, die gut, also fachlich angemessen und trotzdem mehrheitsfähig sind.

    Einen „Stimmengenerator“, einen Seelenfänger oder Votenfischer als Kandidaten zu nominieren, ist selbst für die SPD legitim, und auch, dass der Platz auf der Wahlliste dem taktischen „Kalkül“ entspricht, auf dem Stimmzettel den gesamten Gänsemarsch der Namen von eher blässlichen Bewerbern vor Augen zu rücken, ist nicht verboten. Aber, wenn der Vorsatz, „sich im politischen Alltag nicht zermürben“ zu lassen, Wochen vor dem Urnengang bereits wie die Ankündigung klingt, hinterher den vom Zugpferd eroberten Platz nach ein, zwei Schnupper- oder Alibisitzungen rasch für einen – andernfalls chancenlosen – Nachrücker (w, d, m) freizumachen, dann legt sich über die flüchtig duftende Kopfnote von limonenfrischem Wind und über die kurzzeitig dominante Herznote von Fidelität rasch die sehr lange weitermüffelnde Basisnote von disharmonischem Wählernepp und irreführender Unaufrichtigkeit.

    PS: Einen allgemeinen Eignunggstest für Entscheider am kommunalpolitischen Steuer (mit einem vermerkfreien polizeilichen Führungszeugnis) gibt es meines Wissens noch nicht. Dennoch ist, gerade für die Radfahrer unter uns, gut zu wissen: Heute vor 133 Jahren, am 14. August 1893 fand in Paris die weltweit erste Fahrprüfung statt.

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    • Avatar von Claus Poggensee Claus Poggensee sagt:

      Herr Pietruck hat weder auf die Fragen der BI Unser Wasser noch auf die Fragen des Senior*innenbeirats geantwortet. Ich frage mich, wie ich das interpretieren soll, ausreichend Zeit für Antworten war vorhanden.

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      • Avatar von Klaus Bruns Klaus Bruns sagt:

        Mein lieber Claus, haben Politiker schon mal wirkliche nachhaltige Antworten gegeben, oder geben können? Der Lobbyismus in unserem Land weiß sie zu verhindern. Lustig ist, wer für das Wasser den echten Preis bezahlt. Gerade die Großindustrie zahlt Cent- Beträge, während deren Mitarbeiter zu hause gemolken werden. Und alles nur, weil den Leuten eingeredet wird, die Industrie würde Arbeitsplätze bei einem realen Preis verlieren. Dabei passiert nur das übliche, die Lasten werden nach unten weitergereicht und alles bleibt, wie gehabt.

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