Bekommt der Kreis Lüneburg so eine Elbbrücke? Fragen Sie die Richter

Die Elbbrücke Neu Darchau geht nach gut dreißig Jahren des Hoffens und Bangens, der Proteste und Rückschläge auf die Zielgerade. Der Bauherr Kreis Lüneburg sagt, er habe seine Hausaufgaben gemacht. Es stehen zwar einige Klagen von Naturschützern, der Kommune und des Landkreises Lüchow-Dannenberg im Raum. Doch die Brücken-Freunde frohlocken: Die hätten kaum Aussicht auf Erfolg. Stimmt das? 

Erstens ist man bekanntlich vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand. Zweitens ist neben der Finanzierung des 100-Millionen-Projektes, da setzen die Brücken-Fans jetzt auf viel Geld aus dem Sondervermögen (neue Schulden) des Bundes für den Landkreis, und der Rochade des Landes, doch lieber eine Niedrigwasser-Fähre anzuschaffen, und dem ausstehenden Landkauf für die Auffahrt noch die Frage zu klären: Was ist eine Ortsumfahrung Neu Darchau, die vereinbart ist? Denn die Frage, was eine Gemeinde, ein Ort, eine Ortschaft, ein Ortsteil ist, sie könnte vor Gericht verfangen

Die Zufahrt der Brücke soll zwischen Katemin und Neu Darchau verlaufen. Dort allerdings gab es auch eine Bürgerbefragung, die zu einem ganz anderen Ergebnis kam: ein klares Nein. 

Offiziell aber sind die Kateminer nie gehört worden. Denn Katemin hat keinen Ortsrat, keinen Bürgermeister, ja, keinen Ortsvorsteher als Ansprechpartner, sondern wird eben von der Gemeinde Neu Darchau vertreten, zu der Katemin gehört. Eine Einheit, die sich nicht auseinanderdividieren lässt und die am Ende vor Gericht zur Archillesferse der Planung werden könnte.

Die Verfechter der Brücke sagen zwar, eine Klage wäre gegenstandslos, weil der Name Katemin im Text der Brückenvereinbarung zwischen den Kreisen, der Samtgemeinde Elbtalaue und der Gemeinde Neu Darchau fehle. Doch der verstorbene Lüneburger Landrat Manfred Nahrstedt sprach ganz weise, als er mir in einem Interview in seinem Amtszimmer beiläufig sagte: Ohne das Einvernehmen mit der Gemeine Neu Darchau würde er dort keine Elbbrücke bauen. 

 Der ehemalige Kreisrat Jürgen Krumböhmer, damals noch federführend für die Brücken-Planung, schrieb Mitte 2008 einem besorgten Bürger: Die Vertragspartner hätten sich unter der Voraussetzung geeinigt, dass eine „Ortsumgehung Neu Darchau/Katemin realisiert wird“.  Im Blog bot Krumböhmer dazu folgenden Bonmot: Der Ortsteil Katemin würde in jedem Fall umfahren, ob nun links oder rechts. 

Mal sehen, ob das Richter auch so lakonisch betrachten oder am Ende der Landkreis nachsitzen muss. Und das wäre nicht nur eine Frage der Zeit, eine Frage des Gesichtsverlustes, sondern eben auch eine Frage: Wer dann am Ende die Zeche und wie leidensfähig die Brücken-Freunde sind, die in den Jahrzehnten des Hoffen schon viele Nackenschläge wegstecken mussten.

Hans-Herbert Jenckel

Foto jj: Ähnlich wie die Brücke Dömitz soll die Querung Neu Darchau nach den Plänen ausfallen.

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5 Responses to Bekommt der Kreis Lüneburg so eine Elbbrücke? Fragen Sie die Richter

  1. Avatar von Henning Bodendieck Henning Bodendieck sagt:

    …immer vor Wahlen wird die Brücke gebaut!

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  2. Avatar von Otto Berg Otto Berg sagt:

    Lieber Herr Jenckel,

    Sie schreiben oben:

    Die Zufahrt der Brücke soll zwischen Katemin und Neu Darchau verlaufen. Dort allerdings gab es auch eine Bürgerbefragung, die zu einem ganz anderen Ergebnis kam: ein klares Nein.

    Ich repetiere gerne, worin ich vor gut fünf Jahren mit Herrn Andreas Conradt überein kam und was ich kürzlich (im Austausch mit Herrn Marko Puls) Herrn Gerald Sagorski noch einmal hinter die Löffel schrieb:

    (1.) Es ging bei der Einwohnerbefragung vom 18. April 2021 nicht um eine Brückenzufahrt »zwischen Katemin und Neu Darchau«.

    (2.) Dass die Neu Darchauer sich im Ergebnis der Einwohnerbefragung gegen die Planungen des Landkreises Lüneburg ausgesprochen hätten, ist nicht wahr.

    (3.) Das Ergebnis der Einwohnerbefragung ist nicht so klar, wie Sie heute zu meinen scheinen.

    Begründung in drei Schritten:

    1. Die Formulierung auf dem Stimmzettel der (rechtsunverbindlichen) Einwohner*innenbefragung gemäß § 35 NKomVG, die am 18. April 2021 in der Zeit von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr im Göpelhaus in Neu Darchau (Wahllokal) stattgefunden hat, lautet: »Sind Sie für die Anbindung (Straßenführung) durch den Ort?« — Wohlgemerkt: Ort, nicht Gemeinde!
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    2. Eine Einwohnerbefragung in Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) durfte, darf, und kann gemäß niedersächsischem Verfassungsgesetz niemals über Vorhaben eines anderen Landkreises (hier Lüneburg) befinden. Von dem Vorhaben »des Landkreises Lüneburg« war dort nicht die Rede – und konnte es auch gar nicht sein! Wir leben in einem Rechtsstaat und – glücklicherweise – NICHT in einem Staat, in dem der Recht bekommt, der am lautesten schreit oder Textzeilen der Rockgruppe Pink Floyd in Erinnerung ruft, um den eigenen Starrsinn zu rechtfertigen.
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    3. Das Ergebnis der Einwohnerbefragung in Neu Darchau vom 18. April 2021 gibt nur Auskunft darüber gibt, dass (bei einer Beteiligung von 46,93 Prozent der Berechtigten) 88,46 Prozent der Votierenden »keine Brückenanbindung (Straßenführung) durch den Ort« wünschen. D. h. 88,46 Prozent von weniger als der Hälfte der Stimmberechtigten (i. e. 41,5 Prozent, also keineswegs »die« Neu Darchauer) möchten keine STRASSENFÜHRUNG zur Brücke durch den Ort.

    Im Januar 2009 hat der damalige Bürgermeister von Neu Darchau als (gewählter und von der ebenfalls gewählten Vertretung mehrheitlich beauftragter Repräsentant »seiner« (?) Gemeinde als) einer der vier Vertragspartner die – bis heute rechtsgültige – sog. »Brückenvereinbarung« unterzeichnet, in welcher es heißt: §1 »Die Grenze zwischen Brückenbauwerk und Ortsumfahrung ist der linkselbische Punkt, ab dem die über die Elbe geführte Straße NICHT aufgeständert ist, sondern auf dem Boden oder einem Damm verläuft.«

    Wo wird der Punkt sein, ab dem die über die Elbe geführte Straße nicht mehr aufgeständert ist, liebe Herren Jenckel und Habisch? M. E. auf einer Linie zwischen Katemin und Neu Darchau.

    Aber darüber, dass der Landkreis Lüneburg seiner Verpflichtung, »die Elbbrücke nicht ohne Ortsumfahrung zu planen, auszuschreiben und zu bauen«, nicht sollte nachkommen wollen, gab es mit dem Resultat der Befragung vom April 2021 keine und gibt es auch bis heute Nachmittag keine neuen Erkenntnisse!

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  3. Avatar von Erwin Habisch Erwin Habisch sagt:

    Die Zufahrt der Brücke soll nicht zwischen Katemin und Neu Darchau verlaufen, sondern mitten durch Katemin. Dass dafür auch ein paar Häuser weggeknackt werden müssen… Schwamm drüber.
    Dazu gibt es eine detaillierte Planung auf der Homepage des Landkreises Lüneburg: https://www.landkreis-lueneburg.de/_Resources/Persistent/0/a/c/8/0ac8fbfb4dbc66d41fc80210d4ed962c6599ef14/praesentation_sbu_elbbruecke.pdf
    Zwischen Katemin und Neu Darchau liegt nur der Kateminer Bach. Den will niemand zubetonieren.

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    • Avatar von Helga Dreyer Helga Dreyer sagt:

      Herr Habisch, die Behauptung, für die geplante Ortsumfahrung müssten „ein paar Häuser weggeknackt werden“, ist keine polemische Zuspitzung, sondern schlicht eine falsche Tatsachenbehauptung.

      Kein einziges Wohnhaus soll für die genehmigte Trasse abgerissen werden. Auch die von Ihnen verlinkte Präsentation des Landkreises enthält eine solche Planung nicht. Nennen Sie doch bitte konkret die angeblich betroffenen Häuser, Grundstücke und die entsprechende Stelle in den Planunterlagen. Das dürfte schwierig werden, denn diese Häuser existieren nur in Ihrer Darstellung.

      Ebenso falsch ist die Behauptung, die Straße verlaufe „mitten durch Katemin“. Die planfestgestellte Ortsumfahrung wird im Außenbereich an den Bäckerweg herangeführt und auf 120 Meter (!) innerorts parallel zu diesem an die L 231 und L 232 angebunden. Dass sie dabei die Gemarkung beziehungsweise den Ortsteil Katemin berührt, macht daraus noch keine Straße durch dessen Ortskern.

      Mit dem Kateminer Bach hat die Behauptung des Beitrags übrigens überhaupt nichts zu tun. Zwischen Neu Darchau und Katemin kann eine Trasse verlaufen, ohne den Bach „zuzubetonieren“. Diesen reichlich albernen Popanz haben ausschließlich Sie selbst aufgebaut.

      Über die Brücke und ihre Zuführung lässt sich streiten. Erfundenen Häuserabriss sollte man dabei allerdings aus dem Spiel lassen. Bitte belegen Sie Ihre Behauptung – oder nehmen Sie sie zurück.

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    • Avatar von Jo Jo sagt:

      Hallo, JJ, hallo, ezwoh,

      ihr wiederholt mit maliziösem Lächeln mehrere (Brückkenvereinbarung, Ortsumfahrung, Einwohnerbefragung usw.), hier im Blog mehrmals längst bis in die letzte Falte diskutierte und entkräftete Einwände (und fragt wohl vor allem Frau Dreyer, ob sie wirklich glaubt, dass die Elbquerungsreform gelingen könnte):

      ich zitiere mal Hans-Herbert Jenckel:

      Ich hoffe, in meinem Blog.jj greife ich nicht zu solchen Mitteln. Julia Jäckel, Ex-Gruner + Jahr Chefin, sieht den Zynismus im Journalismus auf dem Vormarsch. Und der bekannte Ex-Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle findet dafür eine schöne bildhafte Formulierung: Es gebe eine „nicht ganz kleine Zahl“ von Journalisten, die sich gerne im „bequemen Fauteuil ihres Defätismus“ lümmelten und mit „maliziösem Lächeln“ fragten, ob er wirklich glaube, dass Reformen gelingen könnten. Über das Gelingen wird schon lange nur noch am Rande berichtet, scheint mir.

      Fundort: facebook.com/hhjenckel/ — Post vom Montag, 17. August 2026, 16:31 Uhr

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