
Dass der Protest auf Lüneburgs Nachhaltigkeits-Campus ausbleibt, wo ruckzuck 21 Robinien gefällt wurden, vier waren genehmigt, ist gar nicht erstaunlich. Die Leuphana schwebt in anderen Sphären. Selbst der Robinen-Friedhof vorm Hörsaal-Gang findet keine Beachtung.
Ich habe Jahre mit Studenten und Studentinnen der Leuphana die Startwochenzeitung in der LZ produziert, Stress, Zeitdruck und Riesenspaß. Wir haben mit dem bekannten Umwelt-Professor Gerd Michelsen das Nachhaltigkeit-Magazin „Was zählt“ herausgebracht. Dabei habe ich erkannt: Lüneburg bleibt im langen Leben der Studenten eine schöne Stadt, eine schöne Erinnerung, aber eben Durchgangsstation. Die Empathie für die kleine Hansestadt hält sich in Grenzen. Geht es ums Geopolitische, und Klimaaktivistin Luisa Neugebauer oder Philosoph Precht sind am Start, dann ist das eine andere Sache als schnöde Robinien.
Seit die Uni Lüneburg Leuphana heißt und das Duo Spoun/Keller durchstartete, war der Hang ausgeprägt, zur Hochschul-Elite zu gehören. Häufig zitiert werden, häufig gute Plätze in Rankings belegen und viel Fördergeld akquirieren – darauf kommt es an, nicht auf 21 Robinien. Es sei denn, es sei denn, man könnte schnell Fördermittel für ein Reallabor „Protest gegen Baumfällungen“ bei EU, Bund oder Land locker machen. Dann passt das in den Lebenslauf.
Als die Uni den Libeskind-Bau umsetzte, der am Ende doppelt so teuer wurde und der vor allem ein Statement einer Hochschule ist, die sich zu den besten zählt, regten sich nur die Medien auf. Auf dem Campus blieb es auch da ruhig. Ob der Landesrechnungshof nun vorrechnete: Ein Zweckbau für den halben Preis hätte es auch getan – an den Studenten perlte die Debatte ab. Und gegen Medien-Kampagnen ist die Leuphana eh resitent.
Stadt und Universität betonen immer wieder die enge Verbundenheit, wirklich nachhaltig scheint sie mir nicht. Symbol dafür mag das gemeinsame Projekte „Zukunftsstadt Lüneburg 30+“ sein, von dem heute schon niemand mehr weiß, was es bezweckte. (Nachhaltigkeit, Klima, Vernetzung). Der Marienplatz als grünes Leuchtturmprojekt der Zukunftsstadt wurde gerade im Rat beerdigt. Parkplätze sind wichtiger.
Und die Robinie? Dass sie gerade auf dem Nachhaltigkeits-Campus rasiert wurde, ist nicht ohne Ironie. Die Robinie ist bekannt für ihre Widerstandskraft und ihr langlebiges Holz, das sich zwar ausgezeichnet dem Klimawandel anpasst, aber auf dem Weg zur Elite auch im Weg sein kann.
Hans-Herbert Jenckel
Foto; jj
Traurig, sieht bei dem Umfang aus als wären die bereits 50 Jahre alt. Von den verschuldeten Ja sagern aus dem Unibrutkasten ist sowieso gar nichts mehr zu erwarten. Schon gar kein Wiederstand. Die bücken sich hoch.
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Lieber Herr Jenckel,
in Ihrer Verlustanzeige oben erwähnen Sie den „Robin[i]en-Friedhof vorm Hörsaal-Gang“, der angeblich „keine Beachtung“ unter den leuphanatisch Managenden, Lehrenden und Lernenden findet. Dass Pfade, Wege und Durchlässe nicht gering zu schätzen sind, vielmehr eine wichtige, Zusammengehörigkeit stiftende Funktion haben, ist dem Chef „des Lüneburger Hochschulbetriebes neuen Typs“ auf dem Areal der früheren Scharnhorstkaserne aber durchaus bewusst. Bereits vor ziemlich genau sieben Jahren nämlich, am 20. Juni 2019, feierte er den Konnex von „Weg“ und „Gemeinsamkeit“ in einer „Grundsatzrede“ (vgl. S. 6 hier), die gewiss nicht nur ein einsamer „Entscheider“ auf seinem sehr temporären akademischen Olymp-Ausflug an sich selbst und seinen uneigennützigen Förderer adressierte, sondern, wie ich unterstelle, damit zugleich beabsichtigte, deren „Prinzipien“ (und seine Bereitschaft, ihnen Geltung zu verschaffen) ganz allgemein in Richtung des „Wir-Gefühls“ von Kollegenden, Studierenden und Journalistenden zu jeder Zeit und an jedem Ort in Niedersachsen zu „kommunizieren“. Der „Gang vor dem Hörsaal-Gebäude“ kann demnach als eine verkehrliche und symbolische Verbindung aufgefasst werden, die Vorankommen im räumlichen Sinne ebenso wie im geistigen (als Freude und Erkenntnisgewinn) ermöglichen soll:
Und wiederum nahezu exakt zwei Jahre vor diesem flüchtigen Redeanlass gab es eine Situation vor dem Haupttor des halbferigen „Zentralgebäudes“, in der die andere Hälfte der prall mit Bedeutung schwangeren Metaphorik zur Sprache kam: der Baum. Denn viele flächengliedernde und in die Landschaft hinaus verlängerte architektonische Gartenwegachsen einer herrschaftlichen Palastanlage waren baumbestanden und trugen seit dem 15. Jahrhundert den Namen Allee.
Als der Leuphana-Präsident am 29. Juni 2017 um 15:00 Uhr gemeinsam mit dem damaligen Lüneburger Oberbürgermeister, den obligatorischen Kameras und einer Handvoll hinzu bestellter Claqueure um sich herum den Blick auf ein neues Straßenschild freigab, war die Gaudi groß (siehe hier). Statt der erwarteten „Uni-Mädge-Streuobst-Allee“ vor dem Libeskind-Bau prangte die Bezeichnung „Universitätsallee“ auf blau emailliertem Hintergrund. Und genaus so heißt seitdem der 500 Meter kurze Abschnitt der Uelzener Straße zwischen der Scharnhorst- und der Gaußstraße. Was wusste Herr Spoun zu formulieren als das Tohuwabohu der gellenden Begeisterungsschreie abebbte? Der Präsident ließ verlauten, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite himmelwärts wachsenden Bäume dürften „als gutes Omen“ für das weitere Ergehen seiner wirtschaftsorientierten Nachhaltigkeitsschmiede genommen werden.
Das verhaltensforscherische Nachdenken über die Studierendenschaft kommt mir als ein billiges Manöver ratloser Beobachter vor, das nur von den wahren Verantwortlickeiten ablenken soll. Die Frage dieser Tage scheint mir vielmehr zu sein, wofür denn heute die 21 – vielleicht widerrechtlich, vielleicht nur irrtümlich – niedergelegten, jedenfalls mittlerweile sogar ihrer Kronen verlustig gegangenen Robinien nach Meinung des von Panzerplatten geschützten Libeskind-Kastellans sollen gelten dürfen: Für Gemeinsamkeit? Für Kooperation? Für die ehrliche Wertschätzung von „Austausch, Diskussion und Transparenz“? Unter Umständen all das gar mit dem Ziel, „dazuzulernen, was es heißt, als Universität gut zu sein“?
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tja, ob der baum der erkenntnis für die selbsternannten, sogenannten ,,eliten„ noch hilfreich sein könnte? ich befürchte nicht.
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Schade um die Bäume, die in der warmen Jahreszeit hervorragende Schattenspender waren. Klimawandel fängt im Kleinen an. Schon jetzt gibt es in Lüneburg Gebiete, die an heissen Tagen für Herz-Kreislauf-Patienten gefährlich sind.
Robinien sorgen aber nicht nur für Abkülung, sondern liefern auch den Nektar für einen der beliebtesten Honige in Deutschland. Wer noch nie etwas von Robinienhonig gehört hat, kennt ihn meistens trotzdem. Der heisst nämlich nur in Brandenburg so. Vermarktet wird er überall sonst als Akazienhonig.
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Hallo, Herr Jenckel.Auch wenn es sich bei dem besagten Baum um ein Juwelin der Botanik handelt, so bleibt es dennoch eine Robinie.Benannt nach „Jean Robin“, dem Hofgärtner der französischen Könige.
Mit freundlichen Grüßen
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Oh je, danke für den Hinweis. Gleich korrigiert.
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