Bürgermeister Scharf und das rechte Paralleluniversum

Lüneburg, 10. Januar 2018

Lüneburgs Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf ist ein Konservativer, aber ich kenne ihn nicht als rechten Scharfmacher. Aber ein rechter Scharfmacher hat Scharfs wunden Punkt getroffen, als er ihn am Stein für die 110 Infanterie Division in Lüneburg zur Gedenkkultur befragte, denn gerade auf diesen Stein fällt ein Schatten, die Division war an Kriegsverbrechen beteiligt.
Scharf ist Schlesier, ein Vertriebener, einer der daran litt, der sich als Unwillkommener in Norddeutschland fühlte und der aus der Position letzter Arsch im Nachkriegsdeutschland nach oben strebte. Diese Narbe im Gemüt ist nie verheilt. Scharf erinnert sich gerne und viel, aber er gehört nicht der Fraktion „Heim ins Reich“ an.
Vielmehr ist der Christdemokrat langjähriger Leiter des Gymnasiums Oedeme und hat sich auch da nie als Gestriger, sondern eher als Reformer geriert, und Bürgermeister, das ist sein Traumamt -bis her ohne Tadel..
Wer sich aber als Bürgermeister der stolzen Hansestadt vor einem Blogger outet, hätte sich nicht so arglos und unkritisch äußern dürfen. Der 78-Jährige ist unversehens in einem Paralleluniversium gestrandet, das für ihn das Internet ist, und dann auch noch ganz weit rechts draußen auf einem Video-Kanal.
Der mediale Rückzug über eine Presseerklärung der Stadt – Scharf selber äußerte sich nicht mehr, dieser Rückzug gelingt auch nur halbherzig, weil Scharf im inkriminierten Video betont, dass man seine Äußerung ruhig bringen könne.
Mag sein, dass seine Aussagen an einem anderen Platz, auf einem anderen Video-Kanal, zu einer anderen Zeit in einem milderen Licht gesehen werden könnten. So wie es ist, hilft nur: „Ich habe Mist gemacht.“ Kein Lavieren.

Hans-Herbert Jenckel

 Hier die Stellungnahme von Prof. Wuggenig, der über die Kriegsverbrechen der 110. Infanterie-Division geforscht und dazu auch eine Ausstellung konzipiert hat.

Wuggenig

Über jj

Journalist, Dipl.-Kaufmann
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139 Antworten zu Bürgermeister Scharf und das rechte Paralleluniversum

  1. Thomas Sander schreibt:

    Sehr geehrter Flori,
    vielen Dank,dass Sie meine Denkmuster so trefflich analysieren und für Ihre Diagnose.
    Wie Sie aber nicht anders erwarten können muss ich auch Ihnen entschieden widersprechen.
    Ja, ich habe eine Meinung und vertrete diese hier unter meinem Klarnamen.
    Ja, ich kann und habe gelesen und bedarf der Leseempfehlungen des Herrn Berg nicht, weil ich diese Leseempfehlungen sämtlichst gelesen habe.
    Ja, ich kann denken und wage sogar Kritik an Grünen und Linken zu äussern und nicht nur am in meinen Augen charakterlosen Dr. Scharf und ebensolchen Groko-Parteien, von „Liberalen“ und Followern des Prof.em. Dr. Runkel (der zu seinen besseren Zeiten als Juso-Vorsitzenden mal in einer Kampfabstimmung einen gewissen Rudolf Scharping gegen dessen Willen in dieser Funktion ablöste), noch ganz zu schweigen.
    Nein, ich kann einen „Ariernachweis“ nicht erbringen !
    Nein, ich bin nicht der Meinung, dass es irgend ein menschliches Wesen gibt, der nichts mehr zu lernen hat, dem keiner was erzählen kann.
    Allein bezüglich meiner Neigung zu ein wenig Selbstgerechtigkeit könnten Sie ein wenig Recht haben. That is the difference!
    mit freundlichen Grüßen
    ts

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    • Flori schreibt:

      Thomas, wir bleiben Blutsbrüder, so wahr uns Manitu und Rainer Schubert helfen. Hugh

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      • jj schreibt:

        Flori, warum haben Sie dieselbe Kennung wie Sönke und Daniel. Ein Versehen?

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      • Flori schreibt:

        Leuphana Combo, Herr Jenckel.

        „Kennung“? Mutieren Sie zum Kommentatoren-Verfolger?

        Sie sollten Ihren nachweihnachtlichen Spekulatiusscharfsinn und Ihre detektivische Energie vielleicht lieber darauf verwenden, die „undichte Stelle“ bzw. „den Maulwurf“ in Ihrer eigenen Redaktion zu finden.

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      • jj schreibt:

        Wie jetzt, Flori, Leuphana Combo auch noch unter Ihrem Dach?

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      • Thomas Sander schreibt:

        Als Blutsbruder einer unbekannten multiplen Persönlichkeit stehe ich in keinem Fall zur Verfügung. Einer von Ihnen wird sich denken können warum 🙂

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      • Flori schreibt:

        Thomas, so schlau, wie Sie sich einbilden, sind Sie dann leider doch nicht. Herr Jenckel betreibt Kaffeesatzleserei und behauptet das derart Gewonnene wild drauflos, weil er der Beantwortung einer Existenzfrage ausweichen möchte. Er diskreditiert seine Gäste und lässt Posts verschwinden. Manitu und Rainer Schubert haben uns nicht geholfen, also bleiben wir auch keine Blutsbrüder. 😉

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      • Thomas Sander schreibt:

        o.w.K.

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  2. Thomas Sander schreibt:

    Sehr geehrter Herr Berg,
    aus einer Familie entstammend die nachweislich seit hunderten von Jahren in LG (mütterlicherseits) und noch länger (väterlicherseits) in der Lüneburger Umgebung ansässig war, bedarf ich Ihrer wohlmeinenden Leseempfehlungen nicht. Keiner!
    Weder habe ich die Absicht mich unsterblich zu machen, noch rechne ich mir als Verdienst an, dass in meinen genannten Familien keine Nazi-„Hundsfötter“ vorzufinden waren/sind. Letzteres eher im Gegenteil, wie ich Ihnen gerne persönlich und mit „spezifischen Lüneburgia“ die bis in die heutige Zeit reichen unterfüttern werde. Nicht aber sozusagen „en passant“ hier im Blog JJ.
    Abermals Dank für Ihre Hinweise an weniger informierte, jüngere Zeitgenossen. Weiter so!
    LG
    TS

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    • Otto Berg schreibt:

      Sehr geehrter Herr Sander,

      es muss schön sein, seine Bahnen so selbstgewiss ziehen zu können.

      Alles Gute dabei auch weiterhin!

      O.B.

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    • Flori schreibt:

      Hallo Thomas Sander,

      ist Ihnen aufgefallen, dass Sie das Denkmuster von Scharf eins zu eins übernehmen? Alter, weiser Mann, durch seine „Zeitzeugenschaft“ geadelt, hat NICHTS mehr zu lernen. KEINER kann ihm was erzählen. Er braucht nicht mehr zu lesen. In seiner Person sind das Licht und die Wahrheit und das Bescheidwissen zu Fleisch und Blut geworden. Das Auge des Herrn ruht mit Wohlwollen auf Ihnen, Thomas. (Und den Ariernachweis könnten Sie bis in die Zeit Karls des Großen zurückreichend leicht erbringen.) Gönnerisch verteilen Sie Haltungsnoten und haben nur das Beste für die Jugend vor Augen.

      Bravo, Thomas Sander!

      Handschlag mit dem anderen Charaktermann, Bürgermeister Herrn Dr. Scharf!

      Soviel gütige Selbstgerechtigkeit in einer einzigen Stadt ist selten.

      An solchem festen Wesen wird die Welt genesen.

      Da bin ich mir ganz sicher!

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  3. Thomas Sander schreibt:

    Sehr geehrter Herr Berg,
    den Vorwurf ich äusserte mich recht abstrakt, liesse ich mir noch gefallen, das „pauschal“ hingegen nicht. Jede meiner „Erläuterungen“ ist mit einer unabsehbaren Fülle konkreter Beispiele
    belegbar. Daher folgende Fragen an Sie:

    Aus welchem Grund „leider“? Bedauern Sie, dass ich durch Fakten bestätigt werde?
    Soll ich hier endlos lange Kommentare abgeben?
    Soll ich mich verzetteln in der Wiederholung lange bekannten, veröffentlichten Schrifttums?

    Trotzdem Dank für Ihren Hinweis, adressiert an jüngere Zeitgenossen, die sich jetzt notgedrungen
    wieder und immer noch mit dieser Zeit intensiv auseinandersetzen müssen, weil ewig Gestrige auf dem Vormarsch sind, bzw. es für an der Zeit halten sich als solche (oder als deren Sympathisanten) zu erkennen zu geben.
    Es möge nützen!
    LG
    TS

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    • Otto Berg schreibt:

      Sehr geehrter Herr Sander,

      vielleicht habe ich mich unglücklich ausgedrückt, wie unser aller Oberbürgermeister sagen würde. Das Muster, das Sie beschreiben, ist bekannt. Es lässt sich auf jeden Ort der gesamten Republik übertragen. In der DDR ist es nicht viel anders gelaufen, nur dass Abweichler und Andermeinende dort später nicht Kommunisten, sondern Faschisten getauft worden sind. Wenn Sie über Lüneburg sprechen, sollten Sie konkret werden wie Herr Jenckel in seiner Müller-Story und spezifische Luneburgia nennen. Meines Wissens war unsere Stadt nicht ohne Grund der Zufluchtsort Himmlers. Wie lautet dieser Grund? Die Lindenstraße hieß bis 1947 Adolf-Hitler-Straße, sie wurde als eine der letzten im „Großdeutschen Reich“ umbenannt. Sicher nicht ohne Grund. Das, lieber Herr Sander sind zwei lokale Besonderheiten. Es gibt Tausende weitere. Wenn Sie es fertig brächten, nur die Geschichte des Kalandhaus-„Managements“ in den Jahren 1942 bis ’45 zutreffend auszuforschen, hätten Sie sich unsterblich gemacht.

      Das Wort „leider“ habe ich verwendet, weil ich beklage, dass es war, wie es ist. Nicht, um Ihnen an den Karren zu pieseln. Es ist traurig zu erfahren, was für Hundsfötter meine Vorfahren gewesen sind.

      Ein weiteres Beispiel für diese Spezies finden Sie hier: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/#comment-1727

      Eines der großartigsten Bücher über die erst schleichende, dann beschleunigte und am Ende blitzartige „Verwandlung“ einer scheinbar heilen Welt, wie wir sie in den dreißiger Jahren in Lüneburg hatten und auch heute hier wieder zu haben scheinen, können Sie für sieben Euro bestellen: http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/248062/verhaengnisvoller-wandel

      „Menschenverachtung hinter den Kulissen: Die Bilder eines kleinstädtischen Fotoarchivs aus den dreißiger Jahren belegen, dass ausgrenzende, völkische, intolerante Parolen offenbar schon früh auf fruchtbaren Boden fielen, lange bevor die Nationalsozialisten sie allgemein salonfähig machten.“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Heute würden wir selbstverständlich nicht mehr in einem kleinstädtischen Fotoarchiv, sondern in einem weltumspannenden Youtube-Archiv nach Bild- und/oder Audio-Dateien nach solchen „Präfigurationen“ schauen.

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  4. Christian schreibt:

    Ich verstehe nicht, warum Herr Scharf nicht von sich aus tut, was ohnehin unvermeidlich ist: seinen sofortigen Rücktritt erklären. Und, wollte er (a) sich einen Rest seines einstmaligen, heute in sich zusammenstürzenden Ansehens, (b) unser Gemeinwesen vor der Vereinnahmung seiner Person durch ruchlose nationalchauvinistische Agitatoren und (c) seine Ratskollegen aus allen Fraktionen vor einem sie sämtlich beschädigenden Zermürbungskrieg um seinetwillen bewahren, warum tut er dann nicht, was geboten wäre: erklären, er habe die Unentschuldbarkeit seines Auftritts vom 2. Januar (unabhängig davon, wie Umstände oder Beweggründe gewertet würden) eingesehen und lege, um Lüneburg und die Lüneburger vor weiterem Schaden zu bewahren, freiwillig alle seine Ämter und Mandate nieder? Warum tut Herr Dr. Scharf das nicht? Allen Seiten – außer den Hetzern und Lügnern – wäre damit gedient.

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    • Thomas Sander schreibt:

      Kennt man/frau insbesondere die Lüneburger Geschichte seit Ende der Nazi-Schreckensherrschaft, kennt man/frau die Antwort:
      Sie sind doch allemal damit durchgekommen, ohne eindeutige Distanzierung von ihrer „Verirrung“, ihre Überzeugung verkündeten diese Herrschaften nur nicht mehr offen, öffentlich. Aus überzeugten Nationalsozialisten wurden durch (teilw, gegenseitige) Austellung von „Persilscheinen“ bloße „Mitläufer“, die in der Regel ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung aus der Zeit des Nationalsozialismus sichern und/oder wieder einnehmen konnten.
      Aufrechte überlebende Nazi-Gegner konnten pauschal als „Kommunisten“ diffamiert werden und bestenfalls wurde diesen empfohlen sich in die Sowjetisch besetzte Zone
      zu begeben, schlimmstenfalls wurden sie von der 4.(Staatsschutz-) Strafkammer des Landgerichts Lüneburg von wieder im Amt befindlichen ehemaligen Nazi-Richtern (z. T. unter Aberkennung ihrer bürgerlichen Ehrenrechte) verurteilt.
      Heute werden aufrechte Demokraten als „linksversifft“ denunziert und Lüneburger Politiker halten sich querbeet bedeckt. Aufgewacht!

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  5. Alfons Bauer-Ohlberg schreibt:

    Wenn einer Person im Amt des Lüneburger Bürgermeisters gegenüber dem vermuteten politischen Gegner „das Messer in der Tasche aufgeht“, so legt er nahe, andere Auffassungen nicht durch Argumente, sondern durch Taten aus der Welt schaffen zu wollen. Als Amtsperson hätte er sich besser für die strafrechtliche Verfolgung der Schänder des Denkmals einsetzen sollen, die dann durch soziale Reuearbeit ihre Verfehlung hätten tilgen können.
    Stattdessen bekennt er sich in dem Interview zur Notwendigkeit eines Denkmals an die 110. Infanterie-Division und begründet dies mit der Schuldlosigkeit einfacher Soldaten dieser Einheit. Das Denkmal erinnert nur leider nicht an den einfachen Soldaten, sein Leid und das seiner Angehörigen, sondern an einen Teil soldatischer Organisation, die sich mittels ihrer Führung schwerster Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat, die mit den Nürnberger Prozessen nur stellvertretend und unvollständig aufgearbeitet wurden. Das positive Erinnern an solche Organisationen ist daher falsch. Denn das Denkmal wird heute dazu benutzt, völkisch-rassistische Auffassungen zu befördern, die das friedliche und gedeihliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft zerstören will. Von einem Bürgermeister und Historiker des Jahres 2018 darf erwartet werden, dass er die Bedeutung und Absichten von Denkmälern historisch und gesellschaftlich richtig wiedergeben und einordnen kann.
    Die Last vergangener politischer Haltungen und Handlungen und ihrer Folgen ist scheinbar auch zwei Generationen nach Kriegsende immer noch nicht bei jedem innerhalb der politischen Vertretung Lüneburgs aufgearbeitet. Und die ethische und moralische Verantwortung für ein öffentliches Amt scheint immer noch nicht allen Mitgliedern bewusst zu sein.
    Herrn Dr. Scharf nur noch selektiv als Bürgermeister einzusetzen, wie es Frau Schellmann von der FDP vorschlägt, wird diesem Anspruch nicht gerecht, die Stadtgesellschaft will sich nicht durch gespaltene Persönlichkeiten vertreten sehen. Die Grünen versuchen, Ihren Gruppenpartner behutsam in abgestufter Weise mit den Realitäten vertraut zu machen, nur die Rücktrittsforderung der Linken ist folgerichtig. Dr. Scharf ist für das die gesamte Stadtgesellschaft repräsentierende Bürgermeisteramt nicht mehr tragbar.

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  6. Klaus Bruns schreibt:

    Paulina
    Ich soll meine Meinung begründen? Wenn ich dieses hier mache, wird es den Rahmen sprengen . Warum? Weil alle Parteien ihr Fett weg bekommen würden. In der Politik gibt es bekanntlich keine Zufälle. Was wir auch hier erleben , sind die Folgen von hausgemachtem Versagen. Wer schläft denn am meisten von allen Parteien? Die Soizialdemokratie in ganz Europa. Warum? Viele Sozialdemokraten wurden eingekauft. Sie halten still für Pöstchen.
    Warum hat es die CDU denn so einfach und bequem ,sich der Gedenkkultur und der Vergangenheitsbewältigung zu verweigern? Es wird mit ihr koaliert. Warum sollen also Nazigedanken verschwinden? Diese sind jetzt in der Mitte der Gesellschaft angekommen, weil die Sozialdemokratie ihren Kampf schon vor langer Zeit, dagegen anzugehen, eingestellt hat.
    Dr Scharf ist nur einer von vielen .Geht er, wer oder was kommt dann? Es soll eine Frau sein. Wird sich im Kern dadurch was ändern? Natürlich bin ich für den Rücktritt von Dr. Scharf. Er soll ja jetzt aus der Schusslinie genommen werden, damit die CDU es weiter bequem hat, mit ihrer Nicht-Vergangenheitsbewältigung. Auf die Sozialdemokratie ist in dieser Richtung kein Verlass mehr. Die Jugend tut mir leid. Auf dem SPD-Parteitag konnte man genau beobachten, was los ist. Die Posten haben, haben Angst , sie zu verlieren. Mit zunehmendem Alter scheint dort Postengeschacher wichtiger, als die eigene Überzeugung.

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    • Paulina schreibt:

      „Natürlich bin ich für den Rücktritt von Dr. Scharf.“

      Danke, Herr Bruns. Endlich mal eine klare Aussage von Ihnen. Das Globalschwurbel drum herum hätten Sie sich sparen können. Es geht hier nicht um „das traurige Schicksal der Sozialdemokratie in der westlichen Hemisphäre“. Es geht um ein No-Go in Lüneburg. Das „ganz große“ Faß aufzumachen, ist ja bereits das Ablenkungsmanöver der taktierenden Feiglinge im Rat. Die möchten uns einreden, es sei wichtiger herauszufinden, wie die „Werte“ der „Lüneburger Gedenkkultur“ sich im internationalen Wettbewerb der Narrative behaupten“, als den längst fälligen Rücktritt eines stellvertretenden Bürgermeisters einzuleiten, der sich per Youtube-Video als verantwortungsloser Hetzer und Geschichtsfälscher geoutet hat, welcher voller gemeiner Wut gegen die erfüllt ist, die anders denken als er das gerne hätte.

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  7. Thomas Sander schreibt:

    Der Rat unserer schönen Stadt scheint dominiert von einer unsichtbaren Fraktion, der Undemokratischen Einheitsliste Lüneburg (UEL). Weder v.M.(SPD) noch P:(Linke), vom OB ganz zu schweigen, fordern den sofortigen Rücktritt von Dr. S. (CDU).
    Die Lüneburger „Denkmals- und Gedenkkultur“ wird dominiert von der „Manzke-Friedensstiftung“ des E. M. und dem promovierten(!) Historiker S. (beide CDU).
    Kein Problem des Rates?
    Oder ist der Rat das Problem?
    Der Rücktritt von P. vom Vorsitz der Linken im Rat kann nur ein erster Schritt sein. Andere Personen aus anderen Parteien müssen folgen!

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    • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

      Sehr geehrter Thomas Sander, wenn Sie die Paperausgabe der LZ gelesen hätten wüßten Sie, dass der von Ihnen erwähnte Rücktritt nichts mit der Causa Scharf zu tun hat. Der Rücktritt wurde bereits im Dezember letzten Jahres auf eine Klausurtagung der Stadtrats- und Kreistagsfraktion verkündet. Unterlassen Sie bitte alternative Fakten!

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      • Thomas Sander schreibt:

        Sehr geehrter Herr Fahrenwald,
        der Rücktritt wurde aber jetzt dringend fällig, nachdem ihr „Stratege“ Her Pauly nicht klipp und klar den Rücktritt von Dr. S. gefordert hat. Wie man hört hat Dr.S auch schon mal seinen zukünftigen Rücktritt vor seinem Jubiläumsgeburtstag angekündigt.

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  8. Lena Bergmann schreibt:

    Sehr geehrte Ratsherren, Blanck, Pauly, von Mansberg und Webersinn,

    Ihr Kollege Bürgermeister Ulrich Löb hat Sie am Donnerstagvormittag, 18. Januar 2018, gefragt:

    „Wie peinlich ist das denn?“

    Mit „das“ ist gemeint, was Karl-Uwe Bense am 19. Januar 2018 konzis auf den Punkt gebracht hat:

    „Eine parteiübergreifende Koalition der Heuchler. Man verliert jeglichen Glauben.“

    Löb führt aus: „ARMES LÜNEBURG! (meine Hervorhebung, L. B.) Was hier eigentlich moralisch und politisch gefordert ist, nämlich ein klares Eintreten gegen die unterschwellige rechte Ideologie (…), wird auf dem Altar machtpolitischen Kalküls geopfert. Denn um einen Keil in die Jamaika-Stadtratsgruppe zu treiben, müssen gewichtige moralische Bedenken und der Kampf gegen nationalchauvinistisches Gedankengut zurücktreten. Opposition geht eigentlich anders, sozialdemokratische scheinbar nicht!“

    Ich selbst hatte schon am Sonnabend, den 13. Januar an Herrn Blanck geschrieben, der aber nur stellvertretend FÜR SIE ALLE VIER genannt worden war und genannt ist. Ich wiederhole das hier, weil es mir Ihre gemeinsame, mutmaßlich untereinander und mit dem Oberbürgermeister abgesprochene „Strategie“ zu sein scheint, DEN GEBOTENEN, VIELFACH GEFORDERTEN RÜCKTRITT DR. SCHARFS ABZUTUN UND ZU MARGINALISIEREN, indem Sie den Vorrang einer Debatte behaupten, die jedoch GANZ UND GAR UNABHÄNGIG VON DEM FALL SCHARF IST, da sie seit Jahrzehnten schon FÜR SICH absolut notwendig ist – und bleibt.

    Dr. Scharf ist als Bürgermeister Lüneburgs untragbar! Er muss umgehend zurücktreten. Wenn Sie das nicht einsehen und nicht danach handeln können oder wollen, berauben Sie sich jeglicher Glaub- und Vertrauenswürdigkeit schon im Vorfeld aller denkbaren weiteren Gespräche.

    Wie viele Lüneburger bin ich außerdem der Meinung: DER DR. SCHARF-SKANDAL IST KEINE EXKLUSIVANGELEGENHEIT DES RATES. Er ist ein „STADTKULTURELLES“ Fiasko UND Symptom. Es muss – auch nach dem Rücktritt Scharfs – öffentlich über die Ursachen, Aspekte (zu denen auch Ihr Verhalten gehört) und über die „Botschaften“ und Konsequenzen dieses Skandals debattiert werden. Zum Beispiel in der LZ oder hier in Jenckels Forum.

    Es folgt mein Schreiben an Ulrich Blanck, durch das Sie sich, wie gesagt, mit angesprochen fühlen dürfen, nein, sollen:

    Sehr geehrter Herr Blank, nobel, dass Sie sich dann doch noch mit einigen Anmerkungen melden. Erinnerung und Gedenken (das angeberisch aufmotzende Deko-Anhängsel „Kultur“ können wir uns, glaube ich, schenken) sind wichtige Gegenstände unbedingt anstehender öffentlicher Erörterungen. Das ist gar keine Frage. Doch geht es hier zunächst einmal gar nicht darum! Sie sollten aufpassen, dass Sie nicht, wie es Herr Mädge gestern in seinen Ausführungen („Stellungnahme der Stadt Lüneburg“) schon vorgemacht hat, den Fall Scharf dadurch vernebeln, dass Sie noch zehn oder fünfzehn andere ungelöste Probleme erwähnen. Die Video-Performance unseres stellvertretenden Bürgermeisters ist eine Entgleisung, die ans Licht gebracht hat, dass ein Repräsentant unserer Stadt in primitivsten Vorstellungen und Begrifflichkeiten feststeckt, dass er – voller Ranküne gegen die von ihm eingebildeten oder frei erfundenen Machenschaften einer imaginierten Meinungsdiktatur („die“ Linken) – seinen Anspruch mindestens auf Leidensebenbürtigkeit, wenn nicht gar auf -überlegenheit gegenüber Menschen zu behaupten trachtet, die von der deutschen Mordmaschinerie massakriert worden sind oder ihr gerade so eben noch entwischten, und dass ihn dieser angenommene Adelsstand im Reiche der „Kriegserfahrungen“, wo er ihm – auf der Basis von Forschung, Fakten und Beweisen – bestritten wird, in einen pauschalisierenden Herabsetzungs- und Verunglimpfungsfuror gegenüber Kritikern und Andersmeinenden treibt, der mir in seiner apodiktischen Anmaßung grelle Schauer des Entsetzens über den Rücken jagt. Herr Dr. Scharf, um es kurz zu machen, lebt in einer nach seinem privaten Geschmack ausmöblierten Geschichtsmythologie, die von schlichten Gedankenfiguren bewohnt wird, unter denen er selbst das Maß und den Primus inter pares darstellt. Das alles wäre nicht weiter schlimm, wenn es nicht zwei unglückliche Koinzidenzen gäbe: 1.) Herr Dr. Scharf ist NICHT der Repräsentant seines kleinen Hobbyhistoriker-Universums, sondern der der Stadt Lüneburg und hat darum auf die Realität mehr als auf seine ihm emotional zuträglichen Phantasien zu achten. 2.) Die interne Logik, ihre Gesetzmäßigkeiten und ihre knarzende Mechanik, die in der Vorstellungswelt von Herrn Dr. Scharf obwaltet, ähnelt in weiten Teilen den Stereotypen und Vorurteilen, die wir inzwischen alle aus den atavistischen Verschwörungs- und Propagandatheorien rechtspopulistischer Eiferer kennen: Es gibt eine einfache Gewissheit („Ich habe recht“), ein feindliches Kollektiv ohne individuelle Differenzierungen („die Linken“), eine Gemeinde der Zugehörigen („die, die meiner Meinung sind“) und eine Aufgabe („die Rehabilitierung der vermeintlich fälschlich Geächteten“).

    So wie ich das sehe, lieber Herr Blanck, ist die primäre Frage, die einstweilen im Fokus stehen sollte: Erträgt unsere Stadt den starrsinnigen Dünkel DIESER Art des Gedenkens noch ein paar Jahre? Die an deren Beantwortung anschließende Frage wäre DANACH dann tatsächlich: Welche Art des Gedenkens möchten wir stattdessen?

    Quellen:

    Bergmann: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1386881-klage-gegen-buergermeister-dr-scharf#comment-133432

    Löb: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1386881-klage-gegen-buergermeister-dr-scharf#comment-134811

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    • Ulrich Blanck schreibt:

      Hallo Frau Bergmann,
      zunächst möchte ich Ihnen versichern, dass es keine gemeinsame(mit mir oder den Grünen), mutmaßlich untereinander und mit dem Oberbürgermeister abgesprochene „Strategie“ gibt. Ich bin auch nicht im mindesten geneigt mit dem OB über gemeinsame Strategien dieser Art zu sprechen, unter anderem, weil ich wie Sie, diesen Skandal primär nicht als Angelegenheit des Rates betrachte. Genau deshalb beschränke ich mich zunächst auf meine sehr kurzen und eher formalen politischen Stellungnahmen. Ich habe hierzu auch eine sehr dezidierte private Meinung, die ich Ihnen zu gegebener Zeit auch gerne mitteilen werde. Derzeit geht es aber darum weiteren Schaden von der Stadt abzuwenden.

      Ich würde mir wünschen wenn sich deutlich mehr BürgerInnen, so wie Sie, hier und an anderen Stellen positionieren würden.

      Mit freundlichem Gruß

      Ulrich Blanck

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      • Lena Bergmann schreibt:

        Danke, Herr Blanck! Das sind – nach Bürgermeister Löb – endlich einmal klare Worte. Herr Pauly – anders als Herr Amri – und Herr von Mansberg heute – anders als Herr von Mansberg noch am Mittwoch voriger Woche – eiern inzwischen ja in einer Weise herum, die einen am Verstand (am eigenen und am fremden) zweifeln lässt.

        Danke, Herr Blanck!

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  9. Felix Röpke schreibt:

    Lieber Ratsherr Pauly, eine Frage und zwei Korrekturen zu Ihrem gestrigen Blog-Kommentar (https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/#comment-1735):

    Wieso „droht der Diskurs in Richtung Ausscheiden des Bürgermeisters Scharf aus seinem Amt den gedenkpolitischen Diskurs zu überlagern“? Das ist, verzeihen Sie, Quatsch! (Wird dieser Nonsense von gruppentaktischen Erwägungen diktiert? Auch Sie scheinen sich nicht von dem Gedanken frei machen zu können, dass wir es NICHT mit einer Ratsaffaire, sondern mit einem gewaltigen öffentlichen Skandal zu tun haben, der an die Substanz unseres gemeinsamen städtischen Selbstverständnisses rührt. Was für Ihre Partei – oder für die von Herrn Löb, von Herrn Webersinn oder von Herrn von Mansberg – „opportun“ ist, spielt gar keine Rolle! WAS FÜR DIE LÜNEBURGER BÜRGERSCHAFT ZÄHLT, darum geht es.) Das Ausscheiden des Bürgermeisters muss schnell erfolgen, dann ist DIESER „Diskurs“ zuende! DER ANDERE, der „gedenkpolitische Diskurs“ wird ohnehin bis in eine Zeit andauern, in der von uns allen schon lange keine Rede mehr sein wird. (Es sei denn, wir blockieren den – unvermeidlichen – sofortigen Rücktritt von Herrn Dr. Scharf. Wer das tut, wird sich einen Eintrag in den Geschichtsbüchern unter der Rubrik „Die Unbelehrbaren“ verdient haben.)

    1) „Onkel Toms Hütte“ (engl. Uncle Tom’s Gabin), der 1852 veröffentlichte Roman von Harriet Beecher Stowe, der das Schicksal einer Reihe afroamerikanischer Sklaven und ihrer Eigentümer in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten von Amerika schildert, ist einer der ersten AUFKLÄRUNGSROMANE, der die Sklaverei ANPRANGERT. Der Roman hat Schwächen. „Die Schwarzen“ erscheinen HEUTE übertrieben servil. Aber zu seiner Zeit war das eine der mutigsten Interventionen ZUGUNSTEN der schwarzen Sklaven in den USA. Der Abraham Lincoln zugeschriebene Satz, mit dem er Harriet Beecher Stowe während des Bürgerkrieges 1862 empfangen haben soll („So this is the little lady who started this big war.“, übersetzt „Das ist also die kleine Dame, die diesen großen Krieg begonnen hat.“), ist historisch nicht gesichert. Fest steht jedoch, dass Onkel Toms Hütte Abolitionisten wie John Brown den Weg ebnete.

    2) Antisemitismus haben „wir“ (?) uns abtrainiert? Dazu: https://www.tagesschau.de/multimedia/kurzerklaert/antisemitismus-ke-101.html

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    • Michèl Pauly schreibt:

      Zu 2: Staatlich-befürworteter Antisemitismus war von mir gemeint und mir ist natürlich allzu bewusst dass diese Aussage leider nicht pauschal gilt sondern lediglich die Tendenz sein kann, die aus Gründen der lässigeren Lesbarkeit von mir pauschalisiert wurde.

      zu 1: Genau das meine ich bei Onkel Toms Hütte. Sie ging in Richtung Verdammung von Sklaverei, war eine progressive Kraft seiner Zeit aber in der Zuschreibung von Charakteristika von Menschen eben auch Tochter Ihrer Zeit. Und etwa so ist Herr Dr. Scharf Sohn seiner Zeit die ohn historisch und familiär geprägt hat und zu seinen Äußerungen führt, selbst wenn er innerhalb seiner Generation sicherlich stärker in Richtung Versöhnung und Abbau von Vorurteilen arbeitete als der Durchschnitt seiner Generation. Das meine ich mit der Gnade der späten Geburt. Was ich ihm eher zum Vorwurf mache ist seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem Thema die die Erwartungshaltung an Ihn als Menschen hochschraubt und die Erwartungshaltung an Ihn als Bürgermeister – da muss ich vielen Vorrednerinnen und Vorrednern Recht geben, muss eine noch höhere sein.

      Aber eine Sache sieht man an diesem Forum sehr genau: Je mehr über personelle Konsequenzen geredet wird, umso weniger wird über die Gedenkkultur geredet (siehe das Verhältnis von Antwort 2 zu Antwort 1).

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    • Susanne Jäger schreibt:

      Hallo Herr Pauly,
      ERST kurz, aber entschieden über Rücktritt reden, bis der Rücktritt vollzogen ist. DANN lang, aber stets entschieden über angemessene Formen des Gedenkens und wahrhaftige, empirisch gesicherte und dauerhaft wirksame Weisen des Erinnerns reden.
      Das wäre mein Vorschlag. Anders werden Sie dem Vorwurf des Falschspielers und Feiglings niemals begegnen können.

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  10. Peter Gunkel schreibt:

    Stellungnahme der VVN-BdA Lüneburg zur Affäre Dr. Scharf

    Nachdem inzwischen von verschiedener Seite auf das Zusammentreffen von Bürgermeister Dr. Scharf mit einem rechten Blogger reagiert wurde, geben wir als betroffene und verleumdete Vereinigung folgende Stellungnahme ab. Wir konzentrieren uns auf jene Aussagen, die uns besonders betreffen, weil wir maßgeblich bei der Planung und der Durchführung des Besuches der überlebenden Frauen aus Ozarichi/Weißrussland beteiligt waren:

    Dr. Scharf berichtet in dem Video nicht ohne Stolz vom Besuch einer Gruppe Frauen, die das Massaker in Ozarichi als Kinder überlebten und die er als stellvertretender Bürgermeister am 11. August 2017 im Lüneburger Rathaus empfangen hatte. Er behauptet gegenüber dem Blogger, dass die Frauen kein Problem mit diesem Denkmal für die 110. Infanterie Division gehabt hätten – „es seien die Begleitpersonen, die da so ein Riesentheater drum machen“. Die Wahrheit ist: die auswärtigen Organisatoren der Reise baten uns vorab, die überlebenden Frauen des Todeslagers nicht mit einem Denkmal zu konfrontieren, das ihre damaligen Peiniger ehrt. Deswegen unterblieb selbstredend ein Aufsuchen des Denkmals am Springintgut, von dem die Frauen also auch keine Kenntnis hatten. Weiter wies der Bürgermeister darauf hin, ihm ginge es nicht um die „Schandtaten«, die da geschehen sind, sondern um Zeichen der Versöhnung. Das hätten die Frauen „kapiert“, aber nicht die Begleiter. Dr. Scharf unterstellt uns also, wir seien gegen Versöhnung. Es war das Engagement von Mitgliedern der VVN- BdA, die die Ozarichi-Überlebenden eingeladen und während ihres dreitägigen Aufenthaltes begleitet hatten und so einen Beitrag zur Versöhnung leisteten.
    Die Frauen hätten ihm auch versichert, sie wüssten, dass nicht alle deutschen Soldaten Faschisten und Verbrecher gewesen seien, aber auch das „ … wollten die Begleiter die nicht kapieren …“ Diese Behauptung ist so abstrus, dass darauf von unserer Seite aus nicht weiter eingegangen werden muss.
    Dr. Scharf wirft uns vor, wir wollten Denkmäler abbauen. Dabei müsste er wissen, dass das Gegenteil der Fall ist. Allerdings wollen wir derartige Denkmäler und ihre Umgebung so umgestalten, dass daraus nicht nur Gedenk- sondern auch Lernorte entstehen. Bürgermeister Scharf beleidigt uns, wenn er dann schlussfolgert: „…das ist keine Geschichtsbewältigung, das ist Dummheit ( … ) und dann wollen die mir was von Demokratie erzählen. Da geht mir doch das Messer in der Tasche auf!“

    Lüneburgs zweiter Bürgermeister Dr. Scharf wurde nicht in einen Hinterhalt gelockt, wie die Landeszeitung (LZ) vom 10. Januar in ihrer Überschrift suggeriert. Es waren auch nicht unglückliche und arglose Äußerungen, die er dem rechten Blogger anvertraute. Nein – Dr. Scharf, der OB Mägde zufolge ein offenes Wort schätzt, hat Klartext gesprochen und dabei seine rechte Gesinnung offenbart.

    Der zweite Bürgermeister der Hansestadt Lüneburg diffamiert, beleidigt und bedroht mit seinen Auslassungen die Begleiter der Reisegruppe und missbraucht auf schäbige Weise die überlebenden Frauen aus Ozarichi für seine üble Geschichtsauffassung. Zur Gruppe der Begleiter gehören zwei Frauen des Kolpingwerkes, mehrere VertreterInnen der Leuphana-Universität und eine in dieser Sache sehr engagierte jüdische Frau und deren Ehemann. Außerdem lässt er jeglichen Respekt gegenüber den fünf Mitgliedern der VVN , zu der auch die 100 jährige Sonja Barthel als ehemalige Ratsfrau und direkt Verfolgte des NS-Regimes gehörte, vermissen, die diese Begegnung in Lüneburg organisiert hatten. Was für eine Tonlage von Dr. Scharf … Er diffamiert und beleidigt darüber hinaus aber noch sehr viele andere Menschen dieser Stadt.

    Der OB Ulrich Mägde betont in seiner offiziellen Stellungnahme zwar, dass die Stadt Lüneburg gegenüber den Opfern des Kriegsverbrechens der 110. Inf. Div. in den Lagern bei Ozarichi eine besondere Verantwortung trägt, kündigt aber gleichzeitig an, an der gemeinsam mit Dr. Scharf vertretenen Linie in Sachen Umgang mit Denkmälern (von Dr. Scharf als „Lüneburger Linie“ bezeichnet) weiterhin festzuhalten. Er spricht verharmlosend von „ … unglücklichen Äußerungen …“ seines Stellvertreters und unterstreicht dessen sehr persönlichen Blick auf das Thema Krieg, Flucht, Umsiedlung und Vertreibung. Eine inhaltliche und öffentliche Kritik an dessen unverblümt- rechtem Gedankengut durch den SPD Oberbürgermeister steht noch aus.
    Das kann nicht sein! Der nächste Besuch einer Gruppe Überlebender aus Ozarichi ist in Planung. Undenkbar, dass dann ein Bürgermeister Dr. Scharf noch eine offizielle Funktion als Vertreter der Stadt innehat. Ein „so weiter“ mit der bisherigen Lüneburger Gedenkkultur darf es nicht geben. Die Reaktion auf das entlarvende Video und auf die unveränderte Haltung der Stadt und seiner Bürgermeister kann für uns nur sein:

    Die Lüneburger Gedenkkultur muss von Grund auf neu gedacht werden. Die Kontextualisierung aller „Ehrenmäler“ muss in einem demokratischen Verfahren und unter wissenschaftlicher Begleitung erfolgen. In vergleichbaren Städten ist dies schon seit Jahren Praxis.

    Einer privaten Initiative, wie in diesem Fall der „Friedenstiftung Manzke “, darf nicht länger die alleinige Interpretationshoheit über die Denkmäler, die direkt oder indirekt mit der NS-Herrschaft verbunden sind, übertragen werden.

    Die sogenannte „Black-out Entschuldigung“ ist unangemessen und inakzeptabel. Dr. Scharf darf nicht weiter die Stadt repräsentieren. Er muss zurücktreten!

    Für einen nächsten geplanten Besuch von Überlebenden der Todeslager von Ozarichi sollte die Stadt einen angemessenen offiziellen Empfang garantieren und die Kosten übernehmen.

    Wir erwarten, dass Dr. Scharf seine Beleidigungen und Diffamierungen zurücknimmt und sich bei uns entschuldigt.

    Veranstaltung:
    Im Rahmen der Woche zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus bietet sich für eine Vertiefung der Thematik unsere Veranstaltung an.

    Thema: „Lüneburger Militärgeschichte“
    Vortrag von Prof. Dr. Ulf Wuggenig, Uni Lüneburg
    27.01.2018 ab 15:00 Uhr in der VHS Lüneburg, Haagestraße

    Da die Universität Lüneburg in der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne angesiedelt wurde, hat sie begonnen, sich mit der militaristischen Tradition der Stadt auseinanderzusetzen, die Aktionen des Lüneburger Militärs in Europa nachzuzeichnen, insbesondere ihre Eroberungs- und Vernichtungsfeldzüge in der Nazi-Zeit, und auf den problematischen Umgang in der Stadt mit der Gedenkkultur dazu bis heute hinzuweisen.

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    • Viktor Kerber schreibt:

      Zwei Anmerkungen:

      a) Herr Hüttner hat auf Folgendes hingewiesen: „Es gibt [unter den Einwohnern Lüneburgs] eine gehörige Portion Fassungslosigkeit über einen Bürgermeister, der einem rechten Blogger – klaren Verstandes und mit großem Nachdruck – seine verquere innerste Überzeugung offenbart und dabei Gruppen von Menschen pauschal kriminalisiert und stigmatisiert hat. Gewiss, wir sind bloß „tatenarm und gedankenvoll!“ Herrn Scharf geht das Messer nur in der Tasche auf. Sein Film aber ist inzwischen über 22.000 Mal aufgerufen worden. Weit über die Grenzen Lüneburgs hinaus. „Aber kommt, wie der Strahl aus dem Gewölke kommt, / Aus Gedanken vielleicht, geistig und reif die Tat?“ [Kann irgendjemand] garantieren, dass einem anderen das Messer statt in der Tasche nicht in der Hand aufgeht, wenn er, der ebenso voller blinder Ranküne steckt wie Herr Dr. Scharf, sein Gegenüber für einen von dessen „Linken“ hält? (Am 17. Oktober 2015, einen Tag vor der Kölner Oberbürgermeisterwahl, wurden die parteilose Favoritin, die damalige Kölner Beigeordnete für Soziales, Integration und Umwelt Henriette Reker, sowie vier weitere Personen an einem Informationsstand der CDU in Köln-Braunsfeld Opfer eines Messerattentats. Reker und eine der anderen Personen wurden lebensgefährlich verletzt. Der 44-jährige Täter aus Köln-Nippes wurde von der Polizei festgenommen. Als Grund für die Tat nannte er Rekers „linke“ Flüchtlingspolitik. Er war von dem Gehetze rechtsextremer Hassvideos durchdrungen.)“ https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/comment-page-1/#comment-1720

      b) Sie schreiben: „Da die Universität Lüneburg in der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne angesiedelt wurde, hat sie begonnen, sich mit der militaristischen Tradition der Stadt auseinanderzusetzen, die Aktionen des Lüneburger Militärs in Europa nachzuzeichnen, insbesondere ihre Eroberungs- und Vernichtungsfeldzüge in der Nazi-Zeit, und auf den problematischen Umgang in der Stadt mit der Gedenkkultur dazu bis heute hinzuweisen.“
      Ich frage Sie: Wer ist „die Universität“? Kommt nicht ein gehöriger Teil des gedanklichen Unheils, in dem „wir“ hier in Lüneburg stecken, daher, dass „wir“ ständig mit viel zu vielen Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen jonglieren? „Die Universität“, ist das „das Präsidium“? Dessen Mitglieder zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie die sogenannte „militaristische Tradition der Stadt“ dafür instrumentalisieren, um die Kosten für ihren postfaschistischen 150-Millionen-Monumentalbetonklotz zu rechtfertigen, indem sie den vergleichsweise dysfunktionalen Brachialbau in der Tradition überkandidelter Prunk- und Beeindruckungsarchitektur als „antifaschistische Kontraposition zum Bestand“ zurechtzulügen versuchen. Ich glaube, nicht „die Universität“, sondern leider nur ganz wenige Angehörige dieser Universität (man kann sie an drei Fingern einer Hand abzählen) haben damit „begonnen, sich [wissenschaftlich] mit der militaristischen Tradition der Stadt auseinanderzusetzen.“

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  11. Klaus Bruns schreibt:

    Zitat:Lüneburgs Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf ist ein Konservativer, aber ich kenne ihn nicht als rechten Scharfmacher.
    über diesen satz wurde sich echauffiert, warum? wer hat denn nun dr. scharf als rechten scharfmacher gekannt? der darf sich hier doch gern bestimmt mal melden. ob man es hinbekommt, dr scharf mit dem herrn gauland zu vergleichen, als dieser noch in der cdu war? was meinen sie frau wagner?

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    • Julia schreibt:

      Wenn Sie etwas über das Benehmen von Herrn Gauland in seiner CDU-Zeit erfahren wollen, lesen Sie Martin Walsers Roman „Finks Krieg“ aus dem Jahre 1996. Unter dem Namen „Tronkenburg“ erscheint unsern Alexander dort als die andere Hauptfigur. Von Dr. Scharf wird in dem Buch noch nicht gesprochen. Zwei Jahre später, nach Walsers berühmter Paulskirchenrede vom 11. Oktober 1998, wäre das sicher anders gewesen.

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  12. Friedrich von Mansberg schreibt:

    Weil mehrfach angesprochen, nur zur Klarstellung:
    An der von uns gestellten Forderung hat sich nichts geändert. Wir fordern nach wie vor eine Richtigstellung. Das in der Tat ist für mich vordringlicher als ein Rücktritt. Rücktritte werden in der politischen Auseinandersetzung schnell und viel gefordert und oft ist damit dann die inhaltliche Auseinandersetzung beendet. Man tritt zurück, obwohl man sich keiner Schuld bewusst sei, aber aufgrund des Drucks usw. Das greift mir zu kurz.
    Uns geht es um die Auseinandersetzung um die Inhalte, um das, was Herr Dr.Scharf gesagt hat. Und da muss einiges, was hier schon in aller Ausführlichkeit diskutiert wurde, richtiggestellt werden. Darauf bestehen wir. Spätestens in der nächsten Ratssitzung. Das Eingeständnis, einen Fehler gemacht zu haben, ist da nur ein erster Schritt. Aber über Rücktritt sollte meines Erachtens ggf. danach gesprochen werden!
    Friedrich v.Mansberg

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    • Jürgen Hoffmann schreibt:

      Sehr geehrter Herr Friedrich von Mansberg,

      drei Fragen:

      1. Was ist eine Richtigstellung?

      2. Was sollte diese Richtigstellung leisten?

      3. Sie und Ihr Parteikollege Herr Salewski, haben Herrn Dr. Scharf bescheinigt, aus seinen Äußerungen spreche „EIN UNTRAGBARES Maß an Wut auf andere, hier vor allem linke Meinungen und Überzeugungen.“ Was aber weit schwerer wiege, sei „wie Dr.Scharf die unabhängige neuere Forschung zu den Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Zweifel zieht. Wer in diesem Zusammenhang von ‚Geschichtsklitterung’ und ‚anti-deutscher Propaganda’ spricht“, mache „gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis.“ Sie halten Herrn Dr. Scharf außerdem (zu Recht) vor, seine „Gleichsetzung [des Leides, das] von den durch Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion begangenen Kriegsverbrechen [verursacht worden ist,] und dem Leid deutscher Vertriebener“ sei „NICHT HINNEHMBAR“. Es verbiete sich, „das Leid von Menschen gegeneinander aufzurechnen. Aber die Einzigartigkeit der durch Deutsche begangenen Verbrechen in Zweifel zu ziehen“, zeige zumindest „EIN SCHWER ZU VERSTEHENDES MAß AN HISTORISCHER UNKENNTNIS“. Wie können Sie, Herr von Mansberg, einen Mann als stellvertretenden Bürgermeister für tragbar, dem Sie – öffentlich – attestieren, er sei ein vorurteilsbeladener, affektgesteuerter Geschichtsklitterer, der „gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis“ mache?

      4. Richtig, Rücktritte werden oft und häufig gefordert, ausgeführt dagegen äußerst selten. Gab es in den letzten fünfzig Jahren in Lüneburg eine berechtigtere Rücktrittsforderung als die an die Adresse von Herrn Dr. Scharf?

      5. Sie möchte eine „Auseinandersetzung um die Inhalte, um das, was Herr Dr.Scharf gesagt hat“. Bravo! Ist diese Auseinandersetzung nicht möglich, nachdem Herr Dr. Scharf zurückgetreten ist?

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      • Jürgen Hoffmann schreibt:

        Sehr geehrter Herr von Mansberg,

        Sie sehen, aus „drei“ sind fünf Fragen geworden.

        Ich möchte eine sechste nachreichen:

        Warum auf die nächste Ratssitzung warten? DIE DISKUSSION, DIE SIE FORDERN FINDET – HIER – GERADE STATT. Warum schalten Sie sich HIER nicht ein und nehmen MIT ARGUMENTEN Stellung? Herr Dr. Scharf verweigert sich der Debatte unter Bürgern. Er glaubt, eine Erklärung vor dem Rat vorzutragen, „schaffe die Angelegenheit aus der Welt“. Das zeigt, Herr Dr. Scharf will „die inhaltliche Auseinandersetzung nicht“. Herr Webersinn und Herr Mädge, die dieser „Linie“ folgen (oder sie vielleicht sogar „ausgearbeitet“ und vorgegeben haben), möchten „die inhaltliche Auseinandersetzung“ in der Öffentlichkeit auch nicht.

        Und auch Sie, Herr von Mansberg scheinen die öffentliche Debatte nicht wirklich zu wollen. DENN SIE NEHMEN NICHT TEIL. Seit nunmehr zehn Tagen nicht. Sie schweigen! Stattdessen setzen Sie auf den Rat. ES GEHT NICHT UM DEN RAT, Herr von Mansberg. Es geht nicht um die Ratsmitglieder. Und es geht nicht darum, welche Meinung sich der Oberbürgermeister gebildet hat. Der Rat ist kein überlegenes Erziehungsinstitut! Und die Bürger Lüneburgs sind keine Kinder! (Jedenfalls zum überwiegenden Teil nicht.) Diese Ihre Sichtweise, es müsse bis zur nächsten Ratssitzung am 1. Februar abgewartet werden, zeugt von einer großen paternalistischen (und pomadig selbstgefälligen) Überheblichkeit, die mir IM RAT – leider – sehr verbreitet zu sein scheint – und die sich von der selbstgefälligen Anmaßung Herrn Dr. Scharfs nicht sehr unterscheidet, der wähnt als selbsternannter „Zeitzeuge“ zu den auserkorenen, den quasi auserwählten Urteilsberichtigten zu gehören.

        Die Debatte ist in vollem Gange, Herr von Mansberg. Nehmen Sie Teil! Sagen Sie im Einzelnen etwas zu dem, was Sie allgemein als „einiges“ Wichtige identifiziert haben, „was hier schon in aller Ausführlichkeit diskutiert wurde“.

        Keine Ausflüchte mehr! In dieser „Sache“ sind Ratsmitglieder keine von Gott bevorzugten Instanzen. Schalten Sie sich ein. (Erklären Sie zum Beispiel, was eine Scharfsche „Richtigstellung“ in Ihren Augen sein und leisten soll.)

        HIC RHODUS, HIC SALTA !

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    • Felix Röpke schreibt:

      Hallo Herr von Mansberg,

      ich hatte vorgestern schon in der LZ-Online-Spalte (https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1386881-klage-gegen-buergermeister-dr-scharf#comment-135582) darauf hingewiesen:

      Der Fall Dr. Scharf, der die Bürgerschaft Lüneburgs erschüttert, ist NICHT exklusiv ein Problem des Lüneburger Rates! Der Fall Dr. Scharf ist ein Problem IN der bürgerlichen Öffentlichkeit unseres Gemeinwesens. Denn Herr Dr. Scharf hat ein öffentliches Video-Statement in einem „sozialen“ Medium abgegeben. Also ist der Fall Dr. Scharf auch ein Problem FÜR die bürgerliche Öffentlichkeit.

      Eine Stellungnahme von Herrn Dr. Scharf VOR der bürgerlichen Öffentlichkeit Lüneburgs (beispielsweise durch eine ausführliche Darlegung seiner Sichtweise in der Landeszeitung) ist VIEL DRINGLICHER als eine Stellungnahme durch ihn im Rat, wo Herr Dr. Scharf nur Manövriermasse für interfraktionelle Gockelkämpfchen ist. Wenn Herr Dr. Scharf sich nicht beeilt da etwas zu machen, erodiert das Vertrauen ins politische System unserer Stadt noch weiter.

      Wie Herr Dr. Scharf, seinen schnelle Rücktritt (weit vor dem 1. Februar) sollte vermeiden können, erschließt sich mir nicht. Dass eine „inhaltliche Auseinandersetzung“ mit einem Rücktritt beendet ist, halte ich für baren Unsinn. Dass aber um dieser „inhaltlichen Auseinandersetzung“ willen ein Mann, dessen Rücktritt eigentlich unvermeidlich ist, im Amt gehalten werden soll, halte ich für eine „volkspädagogische“ Anmaßung, die an Sadismus grenzt. (Der Kater lässt das moribunde Mäuschen noch ein wenig zappeln, damit der Nachwuchs lernen kann.)

      Was heißt „einiges, was hier schon in aller Ausführlichkeit diskutiert wurde, müsse richtiggestellt werden“? Was verstehen Sie unter „richtigstellen“? Wie soll das gehen? Hetzen ist hetzen. Was lässt sich da „richtigstellen“?

      Das Eingeständnis Herrn Scharfs, „eines Fehler gemacht zu haben, ist da nur ein erster Schritt“? Welchen „Fehler“ hat Herr Dr. Scharf gemacht? Den sich einmal unverstellt oder authentisch, so wie er fühlt und denkt, einem größeren Publikum gezeigt zu haben? Ein „Fehler“ ist das nur unter Schauspielern. Unter Menschen ist das absolut aufrichtig. Herr Dr. Scharf ist auf dem Youtube-Video völlig eins mit sich selbst. Das ist doch kein „Fehler“! Das ist, wie Sie selbst am 11. Januar geschrieben haben, die frischeste, ungeschminkte Selbstoffenbarung eines undifferenziert wütenden, voreingenommenen Geschichtsklitterers, die man sich nur wünschen kann. Das ist nur eben zugleich auch der Beweis, dass Herr Dr. Scharf als Lüneburger Bürgermeister ungeeignet ist, dass sein Rücktritt zwingend ist.

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    • Andreas Janowitz schreibt:

      Herr Mansberg, bitte..
      Was soll denn da „richtiggestellt“ werden? Was die erwähnte Division ausführte ist die Strategie der „verbrannten Erde“? Im März 1944 konnte der Rückzug noch einigermassen organisiert stattfinden und dementsprechend diese Strategie mehr oder weniger unbehelligt umgesetzt werden? Es ist barbarisch, nichts weiter. Um die Militärführung war es schon lange geschehen. Die hätte im April 41, nachdem der Heeresquartiermeister die Aufstellungspläne gesehen hatte, zur Meuterei aufrufen müssen. Von vornherein musste klar sein das nur durch Plünderungen eine Versorgung der Truppe gewährleistet sein konnte. Weite Teile des Offizierskorps unterstützten bis in die Manschaftsränge eben jene Art der Kriegsführung. Es mag ja sein, das einzelne Einheiten nicht alle Nahrungsmittel plünderten und anschliessend das Gehöft niederbranten, aber insgesamt wurde diese Strategie ausgeführt.

      Natürlich haben das nicht „die Deutschen“ erfunden wie hier kolportiert, es war usus, weswegen es schlussendlich zur Haager Landkriegsordung kam. Wer glaubt vorherige Kriege wären ein vergleichsweise harmloses Geraufe gewesen ist mit infantilem Gemüt ausgestattet. Internationale Rechtssprechung ist in diesem Zusammenhang als zivilisatorische Erungenschaft zu begreifen? Um gerade eben diesem barbarischen Wüten Grenzen zu setzen. Weswegen der „Zivilisationsbruch“ ein treffender Terminus ist, denn die Wehrmacht verstieß systematisch gegen internationale Rechtssprechung.

      Was Herr Scharf, soweit ich das verfolgen konnte macht, ist das zu verneinen.
      Was ihn untragbar macht.

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  13. Henning Graubmann schreibt:

    Hallo Herr Jenckel,

    ich erinnere das nicht mehr ganz genau, aber haben Sie nicht in den 1990ern und sogar als Erster mal einen Artikel recherchiert und für die LZ geschrieben, der sich mit der beispielhaften (und – wie das trübe OB-Rats-Trauerspiel um das Dr. Scharfsche Hass-Video zeigt – , noch in der Anerkenntnis der „christlichen“ Prägung heutiger Lüneburger Mentalitäten breit nach- bzw. stark ins heranhuschende, kommende „Heil“ vorauswirkenden) Kriegs- und Nachkriegskarriere des Schreibtischmassenmörders Walter Zirpins (* 26. Mai 1901 in Königshütte, Oberschlesien; † 17. Februar 1976 in Hannover) beschäftigt hat? Zirpins, der von Anfang an „ein wichtiger Teil der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie“ gewesen ist (HAZ, Mittwoch, 19.09.2012), wurde 1951 gemäß dem Artikel 131 des Grundgesetzes in den niedersächsischen Staatsdienst als Oberregierungs- und Kriminalrat eingestellt. Er war dann zehn Jahre lang erfolgreich in einer Doppelfunktion Referent für kriminalpolizeiliche Belange im Niedersächsischen Innenministerium und gleichzeitig Leiter des Landeskriminalpolizeiamtes Niedersachsen. Als dieser wurde er 1961 pensioniert, entfaltete anschließend eine rege (vieles „richtigstellende“) publizistische Tätigkeit und entschlief (als ein angesehener, „zutiefst bürgerlicher Charakter“ und vorbildlich „selbstloser“ Pflichtmensch) im Schoße des allgütigen, allverstehenden Herrn im Jahre 1976. Siehe dazu: http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Hitlers-willige-Helfer-von-der-Polizei

    Wo finde ich Ihren Artikel?

    Mit Dank vorab für die Info und mit Gruß aus Deutsch Evern,

    Graubmann

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    • jj schreibt:

      Nein, es war ein Herr Müller aus Celle, in Frankreich zum Tode verurteilt, weil er Tausende nach Auschwitz deportieren ließ, in Deutschland ist es nie zu einem Verfahren gekommen. Vielmehr ist er unbehelligt in Celle zum Polizeichef avanciert. Barbara Klarsfeld hat mir damals bei der Recherche geholfen und Regierungs-Vizepräsidentin Sellmann. Sie hat mehr als ein Jahr Fakten zusammengetragen. Am Ende ging es um die Frage, ob seine Pension gekürzt wird. Gruselig.

      Hier der Link
      https://archiv.landeszeitung.de/igsource/document/208_LL_1992-09-05_005.pdf?uri=igsource%3A%2Fdocument%2Findex-121122125640645%2F77dff2d2-6bbd-3ce4-a7ad-297cc8f047e8%3Ffilename%3D208_LL_1992-09-05_005.pdf&lang=de&tz=GMT%2B00%3A00

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    • jj schreibt:

      Lieber Herr Graubmann, mein persönlicher Gedenkstein zur NS-Zeit liegt direkt vor der Sparkasse am Sand. Und ich passiere ihn mehrmals am Tag.
      Dann verletzt es um so mehr, wenn ein Forist, nicht Sie, einen in die Gauland-Ecke treibt.
      PS: Das Versagen der deutschen Vergangenheitsbewältigung ist mir erst im Yad Vashem und dann im Gröning-Prozess ( https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/228782-ns-prozess-in-lueneburg-tag-nr-1-live-ticker-videos-fotos ) ganz klar geworden, obwohl ich schon in der Schule nicht anderes in Geschichte diskutiert habe als die NS-Zeit.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        Dann verletzt es um so mehr, wenn ein Forist, nicht Sie, einen in die Gauland-Ecke treibt.
        ich würde dann nur schmunzeln. herr jenckel, jeder journalist, der sich zu sehr das anzieht, was von einem einfältigen kommt, wird probleme bekommen, die völlig überflüssig sind. es gehört aber auch dazu, kritik richtig zu verstehen. wer fragen stellt, kann nur antworten bekommen. also, wo ist hier das problem? fragen sie ihn.

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      • Dora Wagner schreibt:

        Lieber Herr Bruns,

        es gibt in dieser speziellen Angelegenheit nur einen einzigen Einfältigen. Und das sind Sie. Denn Sie quatschen drauflos, ohne den blassesten Schimmer zu haben, worüber. Das unterscheidet Sie von Dr. Scharf. Der hat zwar keine haltbaren, aber immerhin sorgfältig ausgemalte Vorstellungen.

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    • Henning Graubmann schreibt:

      Lieber Herr Jenckel,

      vielen Dank. Es dämmert mir. Ein ähnlich gelagerter Fall. Zum Speien. Gelangte dieser Müller nicht sogar über Lüneburg in Celle nach oben? Können Sie am Montag ein PDF Ihres Artikels unter das von Prof. Wuggenig setzen? Über Ihren Archiv-Link gelangt man nicht zum Text. Bürger, Stadtobere, die feine Gesellschaft und ihre Zeitungen in Celle, besonders jedoch in Braunschweig und in Lüneburg surften ja schon in der „großen Zeit“ immer mit besonders gewissenhafter Servilität in der braunen Jauche vorne weg. Hier ein instruktiver Prospekt über einige gloriose Aspekte der vorauseilenden Dienstfertigkeit in Celle: http://www.celle-im-nationalsozialismus.de/sites/default/files/upload/Rohde_Wegener.pdf

      Zum Artikel von Ludwig Hüttner, auf den Sie zielen, möchte ich bemerken: Mein Eindruck ist nicht, dass Sie in die Gauland-Ecke „getrieben“ werden sollten. Der Autor scheint Sie vielmehr warnen zu wollen, dass Sie dort hineingeraten (oder hineingesehen werden) könnten, weil es strukturelle, nicht inhaltliche Ähnlichkeiten gibt. Abwertende Verallgemeinerungen sind ohne Ausnahme misslich. „Schauprozess“, „Moralpeitsche“ und die Unterstellung einer homogenen Gruppe von „Interessenten“ sind „unglückliche“ Zutaten Ihres Aufrufs zur Mäßigung. Am Ende des Vorworts in dem oben erwähnten Celle-Heftchen steht: „Erinnerung bedarf der Konkretisierung, und die erfolgt immer im Kleinen, also in der unmittelbaren Lebensumwelt.“ Das gilt auch für Vorhaltungen in einer Polemik: sie bedürfen der Konkretisierung im Einzelnen, also in der unmittelbaren Textumgebung des jeweils gemeinten Autors.

      Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Sie einen großartigen Job machen.

      Mit besten Grüßen

      Graubmann

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    • Ludwig Hüttner schreibt:

      Sehr geehrter Herr Jenckel,

      ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen. Ich habe oben unnötig scharf reagiert: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/#comment-1720

      Ich halte Sie für einen der besten deutschen Lokaljournalisten. (Ich kenne sehr viele.) Ich denke, Sie sind ein beherzter, ausdauernder, ehrlicher, skrupulös und sorgfältig recherchierender Autor und ein mutig zuspitzender Verfasser von Meinungsartikeln und Kommentaren. Kurz, Sie wissen zwischen analytisch sauber ausbalancierten Berichten und wundervoll saftigen Polemiken, welche die einnickende Selbstzufriedenheit aufmüdet, genau zu unterscheiden. — Und: Sie besitzen die kritische Selbstdistanz, an Ihrem Urteil zweifelnde Einreden und Gegendarstellungen, sofern diese klären und nicht bloß beleidigen wollen, sogar dann freizuschalten, wenn Sie selbst sich missverstanden glauben. Sie unterdrücken nichts, sondern bringen es zur Kenntnis und überlassen es Ihren Lesern sich eine Meinung zu bilden. Ihr „Blog.jj“, ich habe das oben schon betont, ist eines der besten lokalpolitischen Debattenforen im Land. Vorbildlich! Und wenn der stellvertretende Lüneburger Theaterintendant Friedrich von Mansberg, der als Mitglied des Kulturausschusses in der Bürgervertretung unserer Stadt zugleich sein eigener Aufsichtsrat ist, – wenn also der Herr von Mansberg den Kandidatenkreis für den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis der Stadt Lüneburg – „der Preis, mit dem die Stadt herausragende Künstler ehrt“, schon um seine Bühnenkollegen (und womöglich sich selbst) erweitert sehen möchte, dann sollte er dem Oberbürgermeister außerdem antragen, mit dieser Ehrung künftig auch herausragende Lokaljournalisten zu bedenken. Meine Stimme würden Sie bekommen, Herr Jenckel.

      Ich habe oben unnötig scharf reagiert. WORAUF? Auf eine Nachlässigkeit von Ihnen. Sie haben, das kann ich nicht zurücknehmen, die demagogische Trias bedient, die aus Pauschalisierung („Kommentare 1 bis 74“), delegitimierender Unterstellung (Verlangen nach „Schauprozess“) und opferseliger Argument-Inversion („Moralpeitsche“) besteht. Darauf habe ich Sie hingewiesen. Aber das habe ich nicht deshalb getan, weil ich Sie in die „Gauland-Ecke treiben“ und schon gar nicht, weil ich Sie dorthin stellen (oder weil ich Sie verletzen) möchte. Das habe ich getan, weil Sie es getan haben. Punkt. Jeder, der möchte, kann das nachlesen. Es ist, dank Ihrer Ehrlichkeit dokumentiert. Tränen helfen da nicht weiter.

      So wie es ist, hilft nur: „Ich habe Mist gemacht.“ Kein Lavieren.

      Ich habe unnötig scharf reagiert. WARUM? Genau wie Sie bin ich gegen „diese ganze Nazi-Scheiße“ (Helmut Schmidt) überempfindlich. Ich bin 69 Jahre alt. 55 Jahre habe ich mich mit bornierter Arroganz wie der von Herrn Dr. Scharf herumgeschlagen. Mein Großvater, den ich abgöttisch liebte, hat mir 1966, ein Jahr bevor er gestorben ist, erzählt, dass er 1943 in Norwegen drei Bäuerinnen (Oma, Mutter, Tochter) erschossen hat, weil die sich weigerten, ihre Diesel-Vorräte herauszurücken. Bei uns im Dorf gab es von 1936 bis 1944 einen Bürgermeister, der jüdische Einwohner aus ihrem Haus heraus an den Haaren über den Schützenplatz geschleift und in seinem Kuhstall eingesperrt hat, bis sie „abgeholt“ wurden. „Gesindel“, „Parasiten“, „Kulturbolschewisten“, „Volksschädlinge“! Niemand wollte jemals mit mir über diese „Geschichten“ reden. Darüber sprach „man“ nicht. Das waren „olle Kamellen“. Dann kamen die „Vertriebenen“. Das war auch „Gesindel“. Die „schleppten Krankheiten ein“. „Die stahlen“. „Die rochen nicht gut“. „Die hatten Läuse.“ Mit denen durfte man „sich nicht einlassen“. Einige von denen, Herr Dr. Scharf scheint dazu zu gehören, haben diese inhumane Niedertracht, mit der sie über Jahre schikaniert wurden, dadurch „überwunden“, dass sie sich dem lokal geltenden Schweige-Klitter-und Klage-Konsens mit überkompensatorischem Eifer angepasst haben. Sie wurden 150-prozentige „Vergangenheitsbewältiger“ der „wahren“ Wahrheiten mit adelndem Heimatverlustbonus, Missionare in Sachen der „Zeitzeugenschaft“ und der Seelenhygiene, die unermüdlich von den vielen Guten und Rechtschaffenen berichten, die durch eine kleine Handvoll diabolisch Böser verführt worden sind. Das Rechtfertigungsmuster ist im Laufe der Jahrzehnte tief verinnerlicht worden. (Es kehrt zum Beispiel in den „Erklärungen“ von Herrn Dr. Scharf wieder, was ihm am 2. Januar widerfahren ist: Ein Satan hat ihn in die Stumpfsinnssümpfe des Hasses und der Vorurteile geleitet.)

      Ich habe unnötig scharf reagiert. INWIEFERN? Ich habe nicht hinreichend deutlich gemacht, dass auch ich – emotional – einen besonderen Standpunkt habe. Jeder hat seinen blinden Fleck. Niemand kann von absolut außerhalb einen Blick auf die Welt werfen. „There is no view from nowhere.“ (Thomas Nagel) Und ich habe nicht genügend Rücksicht darauf genommen, dass Sie Herrn Dr. Scharf persönlich verbunden sind, also als Freund oder als guter Bekannter mitempfinden. Gefühle ERKLÄRen meine Überspanntheit und vermutlich auch Ihre Gereiztheit und unser beider sprachliche Nachlässigkeiten, aber Gefühle ENTSCHULDIGEN diese Mängel natürlich nicht.

      Manches, von dem, was ich hier geschrieben habe, lässt sich auch auf Herrn Dr. Scharf anwenden. Das ist mir bewusst. Doch gibt es einen wesentlichen Unterschied zu beachten, wenn wir letztlich nicht alles ruinieren wollen:

      – Der Mensch in seiner Qual hat vollen Anspruch auf Verständnis und Vergebung.

      – Der Bürgermeister (als Funktionsträger) hat sich selbst irreparabel diskreditiert. Er muss zurücktreten!

      Noch einmal zu den Menschen und „ihren“ Gefühlen. Es gibt ein kleines Gedicht des großen englischen Essayisten Mathew Arnold zu diesem Thema:

      Below the surface-stream, shallow and light,
      Of what we say we feel — below the stream,
      As light, of what we think we feel — there flows
      With noiseless current strong, obscure and deep,
      The central stream of what we feel indeed.

      P. S.: Ihr Link zu Ihrem Müller-Artikel verlinkt nicht. Es kommt die Nachricht: „The server encountered an internal error () that prevented it from fulfilling this request.“ Schade, ich würde den Text gerne lesen. Können Sie’s damit nicht wie oben mit dem Wuggenig-Brief machen?

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  14. Doris i. A. Leuphana Combo schreibt:

    Lieber Michèl Pauly,

    ich wiederhole mich (vgl.: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1386881-klage-gegen-buergermeister-dr-scharf#comment-135312):

    Der „private“ Dr. Scharf im Hassvideo eines rechtsradikalen Bloggers: Wie bewerten Sie das persönlich? Welche Meinung als Staatsbürger, als nachdenklicher Zeitzeuge, als informierter Zivilmensch und als interessierter Beobachter politischer Trends in unserem hanseartigen Oberzentrum haben Sie zu der Frage: Soll Dr. Scharf endlich (freiwillig) als Bürgermeister demissionieren – oder nicht? Welche Option richtet größeren, lang nachhallenden Schaden für unser Gemeinwesen an? Welche trägt zur „Aufwertung“ der „Stadtmarke“ bei?

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    • Michèl Pauly schreibt:

      Liebe Doris,

      hier ein Beitrag aus dem LZ-Forum von mir:

      ich habe ja bereits einen Tag nach Auftauchen des Videos in der LZ Stellung genommen und die extram maue abgestotterte Erklärung der Pressestelle des OB kritisiert. Auch die Erklärung die Herr Dr. Scharf danach doch noch bei der LZ abgegeben hat, ist mir inhaltlich einfach zu wenig. Statt klar zu sagen, dass das was gesagt worden ist, untragbar war, wurde weiterhin auf die Situation eingegangen, also das Video als Fehler, nicht so sehr das Gesagte.

      Tatsache ist, immer wieder werden individuelle Erzählungen von „gütigen“ Unterdrückern erzählt, die damit das Thema Unterdrückung an sich in den Hintergrund rücken. So passierte es bei Sklaven, die nach Amerika verschleppt worden sind (man denke an die „Onkel-Tom-Geschichten“, an das Bild des als doch so fröhlichen und dumm dargestellten Schwarzen). So passierte es bei Leibeigenen und diesem Prinzip folgt auch Dr. Scharfs Ausflug in sein familiäres Gedächtnis bezüglich der Zwangsarbeiter (die er auch noch schlichtweg als Fremdarbeiter tituliert und damit ihr zentrales Charakteristikum gleich ganz weg lässt).

      Ich glaube NICHT dass Dr. Scharf damit aktiv eine politische Agenda verfolgt sondern dass er vielmehr eine Person ist, die die eigenen Erzählungen am ihn umgebenden sozialen Raum unbedarft ausrichtet. Nach dem Krieg war die Erzählung, jedenfalls in Westdeutschland, eben genau so: Es gab böse Nazis, aber die Wehrmacht sei edel und tapfer gewesen und habe sich nur gegen „den Ivan“ verteidigt (Scharf nennt es, sich die Russen vom Leib halten). Der Antisemitismus wurde Gott sei Dank abtrainiert, aber die Bevölkerung blieb, gerade im bürgerlichen Milieu, antikommuistisch, antirussisch. So erklärt sich denn auch Dr. Scharfs abwertende Äußerungen gegen jeden Diskursteilnehmer der politischen Linken und die Diskreditierung der VVN/BdA als „irgendwelche Begleiter“. Dass diese Wertungen, die Dr. Scharf im Video gezeigt hat, nicht viel häufiger in meiner Generation vorkommen, sehr oft aber in der Seinen, das muss ich als Realität so anerkennen und gewichten. Hier habe z.B. ich zwei Vorteile:
      1. Die Gnade der späten Geburt
      2. Eine Sozialisation in der Wendezeit in Ostdeutschland, wo Antikommunismus und Russlandfeindlichkeit keinen Platz, jedenfalls von staatlicher Seite aus, hatten.

      Jetzt aber kommen die Aber: Dr. Scharf hat sich sehr intensiv mit der Historie (auch versöhnend gedacht, das sei hier mit erwähnt) auseinandergesetzt. Er ist belesen, gehört als Direktor einer weiterführenden Schule in gewisser Weise zur intellektuellen Elite. Von Ihm erwarte ich eine dezidiert tiefergreifende Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und kein Wording das geschichtsrevisionistisch ist („Fremdarbeiter“) als auch in einem solchen Gespräch die Weisheit zu erkennen welche aktiv-revisionistischen Worte der Gegenüber gerade preis gibt (Infragestellung der Massaker in Osaritisch). Als Bürgermeister muss er zudem in einer solchen Begegnung den gedenkpolitischen Konsens in den Mittelpunkt rücken – nämlich die Würdigung der Opfer des Faschismus an erster Stelle, das Gedenken an Soldaten an Zweiter und dies möglichst ohne Heroisierung des Handelns der Täterseite.

      Ich bleibe aber trotzdem bei meiner persönlichen Meinung, dass der Diskurs in Richtung Ausscheiden des Bürgermeisters Scharf aus seinem Amt den gedenkpolitischen Diskurs zu überlagern droht. Darum geht es mir nicht um den Rücktritt oder die Abwahl von Dr. Scharf, sondern mein Anliegen ist es, genau diesen Fall zum Anlass zu nehmen, die Gedenkprioritäten und die Erinnerung neu auszurichten. Denn es gibt auch in meiner Generation wieder politische Bewegungen, früher mit brauner, heute mit blauer Farbe, die die Heroisierung der Taten nach vorne stellen wollen um mit historischen Wurzeln einen neuen Nationalismus zu formen. Es gibt sogar Redakteure die für die LZ schreiben, die das was Dr. Scharf sagt für vollinhaltlich- und historisch korrekt erachten und seine halbe Entschuldigung stattdessen kritisieren.

      Wenn es uns gelänge, genau wegen dieses extrem rechten Videobloggers der zu Stätten der Heroisierung pilgerte, den Diskurs zur Gedenkkultur neu zu führen, wäre mehr gewonnen als durch Personalien. Sowohl ein Rücktritt/eine Abwahl („damit wird ein Schlussstrich gezogen“) als auch der ausbleibende Rücktritt oder eine gescheiterte Abwahl (hier sind Verteidigungskämpfe zu fürchten die rechte Positionen noch salonfähiger zu machen drohen) scheint mir kontraproduktiv.

      Was wir hinbekommen sollten, das ist ein neues, alle Gedenkorganisationen und Gruppen einbeziehendes Forum zur Gedenkkultur. Herr Dr. Scharf der auch mit seiner persönlichen Biografie sich aktiv mit den Positionen z.B. von VVN/BdA auseinandersetzt, der diese Positionen wertzuschätzen lernt und am Ende die Forderungen danach neu einordnet, das wäre ein echter Gewinn in dieser Debatte. Gleichwohl kann ich all diejenigen verstehen, die sich von einem Bürgermeister Dr. Scharf nicht mehr vertreten fühlen. Ich gebe zu, eher strategisch an diese Thematik ranzugehen um zu sehen: Wie kann ich innerhalb dieser Debatte mehr in Richtung Gedenkkultur erreichen.

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      • Doris schreibt:

        Lieber Herr Pauly,

        Sie glauben, der Rücktritt von Scharf würde die in Lüneburg notwendige Debatte über die angemessene Form des Gedenkens „überdecken“.

        Ich glaube, der Rücktritt von Scharf würde ein Zeichen setzen, dass die unangemessene Form des Debattierens über Gedenken in Lüneburg nicht länger geduldet wird.

        Lüneburgs sogenannte „Gedenkkultur“ ist eine blasierte Halbheit, die nur die Wahrheit kaschiert, dass in der Breite eine Kenntnisnahme der tiefgreifenden lokalen Verstrickungen – wiederum breiter Bevölkerungsteile und fast aller ihrer damaligen politischen und „kulturellen“ Vertreter – in die Verbrechen des Nationalsozialismus niemals stattgefunden hat. Dieses Versäumnis, das sich seit über 70 Jahren hinter der Selbstüberredung versteckt, das Schreckliche sei so schrecklich, dass es unmöglich von normalen Menschen konnte mitgetragen worden sein, ermöglichte das Fortdauern und Weiterwuchern von „privaten“ Geschichtsfiktionen des Scharfschen Musters, die vor allem nach den Bedürfnissen persönlicher Rechtfertigung und Entschuldung zurecht geschustert sind. Herr Dr. Scharf, der ehemalige Gymnasialrektor und Geschichtslehrer und jetzige stellvertretende Bürgermeister, hat sich der ganzen weiten Welt als ein gegen Andersdenkende pauschalisierend Hetzender und als ein Geschichtsfälscher gezeigt. Vielleicht genügt das nicht, um seinen Rücktritt zu begründen.

        Aber in der Folge hat er sich außerdem als Feigling und Lügner erwiesen, der – durch seinen Videoauftritt belegt – nachweislich falsche Aussagen und Zwecklügen über Einzelheiten seines „Interviews“ kolportiert und sich hinter dem Rücken unseres Oberbürgermeisters versteckt. Herr Dr. Scharf, der bei Kriegsende sechs Jahre alt war, ist de facto nur in einem sehr eingeschränkten Sinne als „Zeitzeuge“ der Hitler-Ära anzusehen. Ein „Zeitzeuge“ des Scharf-Nerling-Videos ist er dagegen zu 100 Prozent. Aber über das dort Dokumentierte erzählt er Unwahrheiten (neudeutsch: „alternative Fakten). Jeder kann erkennen, was die „Zeitzeugenschaft“ eines Dr. Scharf wert ist.

        Lieber Herr Pauly, ist es nicht so, wie Herr Hüttner oben geschrieben hat? Ist nicht das Verhältnis zwischen der Würde des Amtes inklusive seiner elementaren Anforderungen und dem habituellen „privaten“ Verunglimpfungs- und Unaufrichtigkeitsfuror von Herrn Dr. Scharf irreparabel gestört? Begründet nicht gerade das die Notwendigkeit des Amtsverzichts von Herrn Dr. Scharf?

        Welchen Wert könnte die Praxis einer „Gedenkkultur“ haben, an deren Gestaltung und Pflege ein „Bürgermeister“ Scharf teilnimmt?

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  15. Thomas Kruse schreibt:

    Sehr geehrter Herr Professor Wuggenig,

    ich habe Ihre Stellungnahme zu dem infamen Gehechel von Herrn Dr. Scharf, Lüneburgs stellvertretendem Bürgermeister, gelesen. Problematisch darin finde ich nur einen Nebenaspekt: Ihre Anverwandlung der Inszenierungsthesen von Goffman leidet meines Erachtens ein wenig unter den Vereinfachungen des inzwischen historisch gewordenen Konzepts. [Gibt es tatsächlich nur zwei Weisen des „Selbstseins“: die „gestaltete“ auf der Vorderbühne und die „eigentliche“, auf die Hinterbühne verbannte und nur selten (unter Buddies) freiwillig, doch meist bloß unfreiwillig (Fauxpas) enthüllte? Zehrt diese Vorstellung nicht allzusehr von den relativ starren Konstruktionen der drei Freudschen „Regime“? Wer ist das Subjekt der Selbstdarstellung? Der berühmte kleine innere Steuermann? Woher hat aber der dann seine „Intuitionen“ und „Dispositive“? Ist der nicht ebenfalls zwischen Natur und Gesellschaft eingeklemmt? Kommen wir da nicht in einen Regress ad infinitum? Sind beispielsweise Nikolas Rose in London und Ulrich Bröcklig in Freiburg nicht beim Urbanisieren der Foucaultschen Urwälder über die Holzschnitte von Erving Goffman schon ein, zwei Schritte hinausgelangt?]

    Nun geht es Ihnen aber gar nicht um „Theoriedesign“ als Wissenschaftler, sondern um eine politische Meinungsäußerung als Staatsbürger. Das finde ich aller Ehren wert! Besonders in Lüneburg ist die Intervention von Akademikern selten. „Man“ hat solches Schlaumeiern hier auch nicht gerne. Die Eierköpfe sollen sich nicht in Dinge einmischen, von denen sie nichts verstehen. Das bringt nur Unordnung in die Abläufe, die hier – in unsrer Bildungsstadt (Mädge) – doch wie geschmiert schnurren.

    Sie werden bestimmt dagegen halten, jede demokratische Öffentlichkeit brauche intellektuelle Bußpredigten. Ich werde zustimmen und sagen, wir hören sie täglich, aber seit mehreren Jahren haben sie nur ein Ziel: gegen den Populismus, das Syndrom, bei dem selbsternannte Sprecher des „Volks“ gegen „Eliten“, Medien und Berufspolitiker auftreten. Jeder wohlmeinende Bürger kann diese Kritik an populistischer Demokratieskepsis nachbeten.

    Aber wie steht es eigentlich um das Politikverständnis der bürgerlichen Bürger? Herr „Otto-Karl Susemelk“ hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass der momentan wohl bedeutendste deutsche Staatsrechtler Christoph Möllers im Juli-Heft der Zeitschrift Merkur einen Essay veröffentlicht, der das Genre der demokratischen Ermahnung an die richtet, die es bevorzugt verwenden: „Wir Bürger(lichen)“ (https://volltext.merkur-zeitschrift.de). Möllers geht verbreitete Haltungen vornehmer Distanz durch: Zu ihnen zählt das Vertrauen in unpolitische Institutionen, die „vor Mehrheiten schützen“, indem sie das „sachlich Notwendige“ tun, etwa die EZB, unser Gerichtswesen oder „die“ Verwaltung. Dazu zählt aber auch ein Moralismus, besonders der Kirchen, der sich oft genug politischer Argumentationen entzieht und – darin Leuten wie Herrn Dr. Scharf nicht unähnlich – einfach an „Gefühle“ appelliert.

    Was folgt aus solchen Gegenrechnungen? Die Antwort von Möllers ist streng: Bürger geht wieder in die Parteien, nehmt teil am politischen Prozess! Tut das, was ihr zuletzt als uncool und moralisch nicht ganz reinlich betrachtet habt. Es reiche nicht, „mit politischen Motiven noch einmal zu tun, was ohnehin getan wird: Geld für ein Projekt organisieren, Webseiten designen, Aufsätze im Merkur schreiben, Projekte planen oder Unterschriften sammeln. Wer die Ordnung so, wie sie ist, für schützenswert hält, wird sich ihren politischen Formen anvertrauen müssen – und das bedeutet vor allem anderen, in politische Parteien einzutreten und einen relevanten Teil seiner Zeit in diesen zu verbringen. Wer Demokratie und Freiheit für Lebensformen hält, wird sie nicht an das System delegieren und sich über dieses beklagen dürfen.“

    Wollen wir beide heute Nachmittag so weit noch nicht gleich gehen, möchte ich Sie um eine weitere Stellungnahme als Bürger bitten:

    Seit vorgestern wissen wir: Das Unwort des Jahres 2017 lautet „ALTERNATIVE FAKTEN“.

    Prof. Dr. Nina Janich, die Sprecherin der unabhängigen Jury begründet: „Die Bezeichnung ‚alternative Fakten‘ ist der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen. Zwar ist der Ausdruck nur aus dem US-amerikanischen Kontext und dort nur aus einem einzelnen Redebeitrag belegt: Die Trump-Beraterin Kellyanne Conway bezeichnete die falsche Tatsachenbehauptung, zur Amtseinführung des Präsidenten seien so viele Feiernde auf der Straße gewesen wie nie zuvor bei entsprechender Gelegenheit, als ‚alternative Fakten‘. Der Ausdruck ist seitdem aber auch in Deutschland zum Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch in den sozialen Medien, geworden: ‚Alternative Fakten‘ steht für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen, die dann mit einer Bezeichnung wie ‚alternative Fakten‘ als legitim gekennzeichnet werden.“ (http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2017.pdf)

    HIER MEINE FRAGEN:

    1) Müssen „alternative Fakten“ explizit als „alternative Fakten“ bezeichnet werden, um mit der Autorität von „alternativen Fakten“ als solche Geltung zu beanspruchen?

    2) Müssen nicht auch die meisten Behauptungen die vom Olymp der „Stadtspitze“ zu uns in das Tal der Bürgerwürstchen hinunter dringen für „alternative Fakten“ halten?

    KONTEXT:

    In seiner Stellungnahme vom Mittwoch vergangener Woche meldet sich Herr Oberbürgermeister Mädge als „die Stadt Lüneburg“ zu Wort und verkündet, „die Hansestadt Lüneburg“ (also er) habe sich eine Meinung zum Hassvideo gebildet, in dem Herr Dr. Scharf als Scharfmacher agiert.

    Der Oberbürgermeister lässt schreiben:

    Dass „das Video“ (nicht das darin dokumentierte Gehetze) „als sehr unglücklich aufgefasst werden“ könne, liege „weniger an den einzelnen Äußerungen von Dr. Scharf als an der sehr geschickten und vereinnahmenden Art und Weise, mit denen der Blogger die Worte von Dr. Scharf gedeutet und bewertet“ habe. Außerdem habe Herr Dr. Scharf „der Hansestadt“ (also Herrn Mädge) „deutlich gemacht, dass er bei dem zufälligen Zusammentreffen arglos und ohne böse Hintergedanken als Privatmann drauflos gesprochen“ habe „und weder wusste, mit wem er es zu tun hat noch, dass sein Gegenüber praktisch den ganzen Gesprächswechsel im O-Ton aufgezeichnet hat.“ (Mit diesen Schutzbehauptungen lügt Herr Dr. Scharf seinem Oberbürgermeister ins Gesicht, wie das Video unzweideutig dokumentiert.) Dann folgen in der Stellungnahme zwei lange Absätze ohne Bezug zum Thema. Doch am Ende sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Herr Dr. Scharf sei „bekannt dafür, dass er ein offenes Wort schätzt und sich lange und mit sehr persönlichem Blick mit dem Thema Krieg, Flucht und Vertreibung beschäftigt hat.“ (Eine Charakterisierung ohne jeden Wert, da dasselbe auch Rassisten wie Björn Höcke oder Horst Mahler für sich in Anspruch nehmen würden.) Zuletzt folgt ein Appell von Herrn Mädge: „Ich fände es unfair unglückliche Äußerungen gegen ihn zu verwenden.“ (https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1384371-buergermeister-erntet-kritik2)

    Inzwischen ist auch bekannt, dass Herr Webersinn (CDU) meint, Herr Dr. Scharf sei von einem Demagogen gedanklich „in eine bestimmte Richtung gelenkt“ worden und ihm sei „nicht bewusst gewesen“, was er so alles von sich gegeben habe? (https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/1388521-1388521)

    Nach Auskunft von Herrn Bürgermeister Löb (Grüne) ist Herr Mädge inzwischen überzeugt, Herrn Scharfs „Aussagen seien zwar bedauerlich, aber nur in ihrer Art und Wortwahl zu beanstanden“. (Heißt das nicht: „Am Gesagten ist nur das Gesagte zu beanstanden“?) Währenddessen ist Frau Schellmann (FDP) der Auffassung: Das Gehetze von Herrn Dr. Scharf dürfe nicht zum Rücktritt als Bürgermeister führen, weil dieses (das artikulierte Gehetze) „nicht seinem zutiefst bürgerlichen Charakter“ entspreche. (https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1386881-klage-gegen-buergermeister-dr-scharf#comment-134811)

    Insgesamt scheint „die Stadt“ (also die, die sich für „die Stadt“ halten) den Eindruck gewonnen zu haben, Konsequenzen aus seinem Video-Auftritt habe Herr Dr. Scharf keine zu ziehen, jedenfalls keine die über die Farce hinausgehen, sich für seine innersten Überzeugungen zu „entschuldigen“ (wie immer das ohne Lüge und Selbstverleugnung auch gehen soll), — STATTDESSEN gelte es „die“ zum Schweigen zu bringen, welche „die Stadt“ (also die, die sich für „die Stadt“ halten) – in völliger Übereinstimmung mit Herrn Dr. Scharf – ganz pauschal als linksgrüne schauprozessversessene und moralpeitschende Kampagnenkanaille bezeichnet und delegitimiert. Schuldig ist nicht der Täter, sondern seine „Opfer“ (oder die, die Herrn Dr. Scharf kritisieren).

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    • Klaus Bruns schreibt:

      Thomas Kruse
      ob sie es glauben, oder nicht, in der kürze liegt die würze. studenten locken gern ihre profs aus der reserve. sie fallen selten darauf rein. schmunzeln.

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    • Paulina schreibt:

      Sie schreiben Stuss, Herr Bruns. Bitte lassen Sie das. Hier geht es nicht um Ihren launigen Reppenstedter Polit- und Stänker-Quark, garniert mit auskennerischen Witzeleien.

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      • Klaus Bruns schreibt:

        ich habe tatsächlich noch was vergessen. frage: um was geht es denn bei ihnen nun wirklich? darum,klug rüberzukommen? oder wollen sie hier mit ihren ergüssen im altagsleben was verändern? wollen sie ein haus bauen? familie gründen? oder nur viel geld verdienen? über andere urteilen? sich lächerlich machen? andere lächerlich machen? ein beispiel: habe haus gebaut mit meiner frau. zwei kinder geschenkt bekommen , einen jungen, ein mädchen, habe sie erzogen, habe nicht nur einen baum gepflanzt, stelle mich schon länger dem nazitum entgegen, als sie auf der welt sind. was wollen sie hier erreichen? was können sie hier erreichen? jeder, der mich hier aus der reserve lockt, muss mit unangenehmen fragen rechnen, vorausgesetzt, der blogwart lässt es zu. schmunzeln. ich gehe auf die 70 zu, allzu lange muss man sich mit mir nicht mehr herumplagen. dann können sie, Paulina, ungestört die welt ins unglück stürzen, außer, sie machen, was sie von sich meinen, immer alles richtig.

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      • Paulina schreibt:

        Sie haben selber geschrieben, von einer „Richtigstellung“ mit eingebauter „Entschuldigung“ durch Scharf sei nullkommanüscht zu erwarten, da einer seine Überzeugung ebensowenig „richtigstellen“ und „entschuldigen“ könne wie seine Nasenlänge.

        Eine einfache Frage, Herr Bruns:

        Sind Sie für oder gegen den Rücktritt von Scharf?

        Bitte, begründen Sie Ihre Antwort.

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  16. Flori schreibt:

    Die Wüste lebt.

    Heute Vormittag (18. Januar 2018 um 09:28 Uhr) hat sich – eeeeendlich – Bürgermeister Löb von den Grünen zum abstoßenden Vorgang der Beschönigung und zum Korpsgeist der konzertiert arbeitenden Heuchler und Vertuscher geäußert. Ich bin dankbar. Denn so werden wir später einmal sagen können: Es gab wenigstens EINEN Aufrechten. Nicht alle waren Jasager, Anpasser und Speichellecker, die den würdelosen Scharfmacher gedeckt haben, um kleine, schäbige, die politische „Kultur“ unseres Gemeinwesens auf ewig befleckende Vorteile zu ergattern. Hier kommt der Text der für die moralische Geschichtsschreibung unserer Stadt sicher einmal eminent wichtigen Wortmeldung:

    Wie peinlich ist das denn?
    Gelang es dem SPD-Ratsherrn Friedrich von Mansberg zu Beginn der Debatte über das „black out“ des Bürgermeisters Dr. Scharf noch, sozialdemokratisches Rückgrat zu zeigen und die Suada Scharfs zu kritisieren, schwenkt nun die SPD-Fraktion auf die Linie Mädges ein: Nicht der Täter ist böse, sondern der, der „Haltet den Dieb“ ruft. Ein Schulterschluss aller kleinbürgerlichen Kräfte gegen die moralischen Bedenken der Linken und Grünen wird propagiert. „Das entspricht nicht seinem“ (zutiefst bürgerlichen) „Charakter“ (Frau Schellmann). „Augen zu und durch“ ist die Parole. Herr Scharf ist integer, seine Aussagen bedauerlich, aber nur, so unser OB „in der Art und Wortwahl“ zu beanstanden. Und: „…es gibt so viele positive Rückmeldungen zu meiner Position“(Mädge).
    Armes Lüneburg! Was hier eigentlich moralisch und politisch gefordert ist, nämlich ein klares Eintreten gegen die unterschwellige rechte Ideologie (Degenhardt: „Hier im Inneren des Landes da leben sie noch“), wird auf dem Altar machtpolitischen Kalküls geopfert. Denn um einen Keil in die Jamaika-Stadtratsgruppe zu treiben, müssen gewichtige moralische Bedenken und der Kampf gegen nationalchauvinistisches Gedankengut zurücktreten. Opposition geht eigentlich anders, sozialdemokratische scheinbar nicht!

    Ulrich Löb

    Quelle: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1386881-klage-gegen-buergermeister-dr-scharf#comment-134811

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  17. Otto-Karl Susemelk schreibt:

    Sehr geehrte Ratsdamen Schmidt und Lotze, sehr geehrte MDB Dr. Verlinden, sehr geehrte Ratsherren Blanck, Löb, Pauly, Petroll, Soldan, Salewski, von Mansberg und Webersinn, sehr geehrter Herr Professor Wuggenig, sehr geehrter Herr Raykowski, sehr geehrter Bürger Christoph Steiner,

    den empörenden Schmutz der unseligen Videoaufzeichnungen vom 2. Januar und die darauf folgenden, noch empörenderen Beschwichtigungsverrenkungen von offizieller Seite hat die Studentin Lena Bergmann zum Anlass genommen, um Ihnen mehrmals die Frage nach Ihrem Verständnis „des“ Bürgers und seinen Pflichten zu stellen. Mein Doktorvater, der Berliner Staats- und Verfassungsrechtler Christoph Möllers, hat im Sommer des vergangenen Jahres einen Essay zum selben Thema geschrieben und hat „uns, den Bürger(lichen)“, dringend aufgegeben, darüber nachzudenken, was unsere Demokratie heute ausmacht und was sie bedroht. Ich meine, in Lüneburg haben wir während der letzten 14 Tage alle in einen Abgrund geschaut, von dem wir nicht angenommen hatten (und, wie es scheint, einige immer noch nicht glauben möchten), ihm schon so nahe zu sein. Vielleicht nehmen Sie sich die halbe Stunde und lesen sich die aufrüttelnden zehn Seiten von Christoph Möllers, die übrigens im Juli 2017 auch bei ZEITonline erschienen sind, heute oder morgen Abend einmal durch: (http://www.zeit.de/kultur/2017-06/demokratie-parteien-politik-rechtsextremismus/komplettansicht). Das Original mit augenfreundlichem Layout und mit allen Quellenangaben und Anmerkungen finden Sie hier: https://volltext.merkur-zeitschrift.de/article/pdf/596f39ee546f88c2738b456b/mr_2017_07_0005-0016_0005_01

    Ich würde mir wünschen, dass Sie sich im Anschluss daran ein Herz fassen und die hier oder in den Kommentarspalten der LZ von verschiedenen Seiten an Sie herangetragenen Fragen hier im Blog-Forum von Herrn Jenckel beantworten, deren Synthese, wenn ich richtig sehe, lautet: Was habe ich zum Verhalten von Herrn Dr. Scharf zu sagen und wie begründe ich heute mein Votum pro oder contra des vielfach vom Bürgermeister geforderten Rücktritts? Sie werden, da bin ich sehr zuversichtlich, und das „(staats)bürgerliche“ Lüneburg könnte von einem durch Ihre Wortmeldungen angestoßenen, weiter geführten oder bereicherten Gespräch profitieren.

    Mit Dank vorab, Otto-Karl Susemelk
    _____________________________
    (P. S.: Ich schreibe unter einem Pseudonym,
    bin aber über eine gültige, Herrn Jenckel
    bekannte Webadresse zu erreichen.)

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    • Jo Bembel schreibt:

      Von wem fordert der Bürgermeister (Scharf) vielfach den Rücktritt?

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      • Paulina schreibt:

        Sonst nix zu melden, Jo?
        Wieder mal nicht aus den Federn gekommen? Oder war um 11:25 Uhr die Sicht vor Ihrem Küchenfenster wetterbedingt so schlecht, dass Sie es vorzogen, statt eifrig Falschparker anzuzeigen, Jenckels Blog-Gästen die Lücken Ihrer Grammatikkenntnisse bekannt zu machen?

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    • Klaus Bruns schreibt:

      Hallo Herr Alias
      da ich nur mein leben zu verlieren habe, bin ich immer mit meinem echten namen unterwegs. schmunzeln. da hier die hype nachlässt, was bekanntlich üblich ist und ein herr kohl schon gewusst hat, aussitzen ist auch politik, wird die kausa scharf nur in die analen der geschichte des stadtrats lüneburg eingehen und dieses war es dann auch schon. rechtes gedankengut ist in lüneburg ja nicht unbekannt. selbst der ob hat sich schon daran gewöhnt. die sie hier ansprechen, werden bestimmt was besseres zu tun haben, als jemanden aus ihren reihen weiterhin an den pranger zu stellen. es soll von dr.scharf noch eine entschuldigung kommen, am 1. februar ist es geplant. ich finde, sich für seine überzeugung zu entschuldigen hat schon was. wer da alles wem dabei auf den leim geht , könnte spannender und aufklärender sein, als die äußerungen von dr. scharf.

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      • Karl Weber schreibt:

        „ich finde, sich für seine überzeugung zu entschuldigen, hat schon was.“

        Sehr gut gesehen, Herr Bruns!

        Der Rat sollte geschlossen zurücktreten. Dr. Scharf hat die verkommene Verlogenheit des gesamten Lüneburger Establishments sichtbar gemacht. „Gedenkkultur“, nicht Gedanken, also Steine, Schilder und Betonklötze statt Einsichten und Gespräche sollen es richten. Ein geistiger Bankrotteur darf unsere Stadt repräsentieren. Nichts hat man in diesen Kreisen gelernt. Scharfs Verdienst ist es, das kollektive Versagen ins öffentliche Licht gestellt zu haben.

        Jetzt schauen Sie sich nur mal unsere kleinen Helden beim eifrigen Spielen mit den von König Oberuli kompensatorisch frei gegeben Steinchen an. Ganz rosenrote Wängchen schmücken den aufgeregten Fiddi und den blancken Ulrich schon:

        https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1394212-kommt-eine-parade-der-denkmaeler-vor-dem-museum

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      • Andreas Janowitz schreibt:

        „…am 1. februar ist es geplant.“
        Was dann wohl sein Rücktritt sein dürfte. Man kann doch nicht allen ernstes solch` offensichtliche Lügen verbreiten und dann noch am Amt kleben. Seine „historischen Wahrheiten“ sind derart hahnebüchen, das es mich schon wundert was eine Unterstützung er erhält.
        Die auf die Hälfte dezimierte Division übersah wohl einen 50-70km langen Frontabschnitt, da wurde doch nicht gross rumgefragt, ob man Skrupel hätte Kriegsverbrechen zu begehen. Die Alarmeinheiten bekamen ihre Befehle und die wurden ausgeführt.

        Mag ja sein, das Herr Scharf ein ansonsten ganz angenehmer Mensch ist, aber solcherlei Ansichten sind schlicht untragbar für einen Vertreter der Bürgerschaft. Sicher gibt es keine absoluten Wahrheiten, manche Soldaten mögen die Befehle unwirsch oder nicht im Sinne der nationalsozialistischen Idee ausgeführt haben, aber ein Politiker sollte nach bestem Wissen und Gewissen doch versuchen der Wahrheit möglichst nahe zu kommen. Wenigstens noch auf komunaler Ebene. Es reicht schon wenn offensichtlich gekaufte Gesetzte auf höheren Ebenen für wenig Aufruhr sorgen.

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  18. Lena Bergmann schreibt:

    Lieber Ratsherr und Bürgermeister Ulrich Löb,

    ich bitte Sie um eine „private“, eine persönliche Stellungnahme als Bürger (nicht als Darsteller eines parteipolitischen Rollenfachs) zu den vielen Fragen, die im Zusammenhang mit dem Fall (das Wort im mehrfachen Schriftsinn der Bibel) Scharf aufgeworfen worden sind.

    Insbesondere würde ich gerne wissen, wie Sie die bist heute ausgebliebene Rücktrittserklärung des deutschen Charaktermannes Dr. Gerhard Scharf vor dem Hintergrund des von ihm ohne Not öffentlich angerichteten Desasters bewerten? Dient Herrn Dr. Scharfs Verbleiben im Amt dem Gemeinwohl unserer Stadt? Trägt es bei zur Anerkenntnis der christlichen Prägung unseres Landes? Mehrt es das Ansehen Lüneburgs und das seines Oberbürgermeisters in der Welt? Wie werden die Geschichtsschreiber des nächsten Jahrzehnts diese Vorgänge wohl einordnen und gewichten?

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  19. Ludwig Hüttner schreibt:

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    etwas weiter oben, am 13. Januar 2018 um 20:30 Uhr, haben Sie sich mit einer Frau Dackwardt über eine der ungezählten Merkwürdigkeiten um das Hass-Video ausgetauscht, in welchem Herr Dr. Scharf der Hauptdarsteller ist.

    Dort stellen Sie, vermutlich mit dem Blick auf die vielen Rücktrittsforderungen an Herrn Dr. Scharf fest: Es „gibt genug Interessenten für einen Schauprozess, und diese moralisch unangreifbaren Richter haben ihr Urteil gefällt. Kein Pardon.“

    Ich würde gerne von Ihnen wissen, wo und in welcher Form Sie den „Schauprozess“ gedanklich verorten, von dem Sie schreiben. Ein professioneller Blogger Ihres Bildungsstandes und mit Ihrem Sprachbewusstsein wird wissen, was für eine Vokabel er da benutzt.

    Schon bei Wikipedia steht: „Schauprozesse werden besonders häufig in diktatorischen Systemen verwendet, um missliebige Personen auszuschalten. Sie finden dann oft unter Missachtung aller rechtsstaatlichen Prinzipien statt und dienen zur Eliminierung, Entwürdigung und Zurschaustellung der Beklagten in der Öffentlichkeit. Daher werden sie oft als große Medienspektakel inszeniert und dienen der Abschreckung und Disziplinierung Andersdenkender.“

    – Die Moskauer Prozesse gegen die politischen Gegner Stalins während des Großen Terrors in der Sowjetunion der 1930er-Jahre sind ein typisches Beispiel für Schauprozesse. . Dabei wurden fast alle vorherigen Kampfgenossen, insbesondere die Verbündeten Lenins, große Teile der Parteiprominenz sowie Millionen Menschen entweder hingerichtet oder in den Straflagern des Gulag zugrunde gerichtet.

    – Die Verfahren gegen die Hitler-Attentäter und Verschwörer des 20. Juli 1944. Sie fanden vor dem Volksgerichtshof unter dessen Präsidenten Roland Freisler statt. Die Prozesse wurden für Hitler und die Wochenschau heimlich mit versteckter Kamera gefilmt, kamen jedoch nicht in die Kinos, weil der unter wütendem Geschrei Freislers geführte Prozess von der nationalsozialistischen Propaganda als nicht öffentlichkeitstauglich empfunden wurde. Ohnehin war die Aufzeichnung der Stimme Freislers durch sein extremes Gebrüll stark verzerrt und daher nur schwer verständlich.

    Bevor ich meine Fragen stelle, möchte ich bekennen, dass ich den Rücktritt von Herrn Dr. Scharf ebenfalls für absolut unausweichlich halte. Er ist als Bürgermeister nicht geeignet. Wäre er es auch nur im Ansatz, hätte er schon am Mittwoch alle seine Mandate niedergelegt. Herr Scharf ist nicht nur in sich, in seine versteinerten Vorstellungen und in seine Rechthaberei eingekerkert, wie es manche, aber beileibe nicht die meisten Alten sind, er ist außerdem hinterhältig, rachsüchtig, verlogen und dumm. Hinterhältig, weil er sein Giftgespritze für legitim hält, solange er es hinter dem Rücken der Betroffenen tun kann. Rachsüchtig, weil er eine nicht näher spezifizierte Gruppe von Gegnern ohne Ansehen der Person herabwürdigt, denen er für Taten voller Bosheit und Zorn auf den Leib rücken möchte, von denen er aber nicht weiß, ob, und gar nicht wissen kann, dass sie diese begangen haben. Verlogen, da er Dinge behauptet, die nachweisbar unwahr sind und von denen er weiß, dass es sich so verhält. Dumm, weil er sich einfach weigert, selbst wenn ihm die Fakten vorgelegt werden, über den klitzekleinen Tellerrand hinaus zu schauen, der ihm vor sechzig Jahren an der Nase festgewachsen ist. Herr Dr. Scharf hat sich, für mich, in dem Video präsentiert wie einer dieser bornierten Altnazis, mit denen ich während der späten 50er und 60er Jahre am Johanneum praktisch ausschließlich zu tun hatte. Die prügelten und terrorisierten und gaben schlechte Noten, weil Sie nicht damit klar kamen, dass ein Fünfzehnjähriger nicht verstehen und hinnehmen konnte, wenn ein alter, psychisch gestörter Drecksack meinte, nur deshalb das Recht gepachtet zu haben, ein X zu einem U zu deklarieren, weil ihm ’44 irgendwo in Russland zwei Finger weggeschossen worden waren – und weil er im Klassenzimmer die Macht hatte – und den roten Federhalter und den Stock.

    So, jetzt würde ich gerne von Ihnen wissen, Herr Jenckel,

    1. Wer ist der angeklagte Unschuldige, der unbilliger Weise in einem Schauprozess gedemütigt wird?

    2. Wer sind „die Interessenten“, von denen es nach Ihrem Dafürhalten „genug“ gibt, für einen Schauprozess?

    3. Wo findet dieser „Schauprozess“ statt?

    4. Wo erkennen Sie die Diktatur, oder deren Protagonisten, die diesen Prozess angestrengt haben?

    5. Wer sind die gnadenlosen „Richter, die ihr Urteil bereits gefällt“ haben und „kein Pardon“ (eine berüchtigte Freisler- und Goebbels-Formel) geben?

    6. „Stehen“ Sie auch heute noch zu Ihrer Formulierung?

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    • jj schreibt:

      Zuerst steht bei Wikipedia, das Online-Lexikon ziehen Sie ja heran, um Ihre Fragen loszuwerden:
      „Als Schauprozesse werden im Allgemeinen öffentliche Gerichtsverfahren bezeichnet, bei denen die Verurteilung des Beklagten bereits im Vorhinein feststeht.“
      Wenn Sie jetzt noch einmal die Kommentare 1-74 durchlesen, dann ahnen Sie, warum ich diesen Begriff gewählt habe, und zwar im konnotiven Sinne.
      Das vorweg, noch einmal meine Auffassung:
      Herr Scharf hätte nie einem rechten Blogger so unbedarft ins Mikro quatschen dürfen,
      die wachsweiche Entschuldigung war wenig hilfreich wie die Pressemitteilung der Stadt.

      Eigentlich steckt Herr Scharf angesichts der verloren Tage in der Sackgasse. Hätte er nur einmal klar und deutlich gesagt:
      Ich schäme mich, im Video eines rechten Bloggers aufzutauchen, das hätte nie passieren dürfen. Ich kenne den Mann nicht, das Treffen war tatsächlich zufällig.
      Ich entschuldige mich in aller Form bei Bürgern/innen, Rat und Verwaltung. Dem Amt wurde Schaden zugefügt. Der Rest liegt in der Hand es Rates.

      Es geht nicht um Unschuldige, es geht um Verhältnismäßigkeit.
      Der Flurschaden über Lüneburg hinaus ist nicht zu messen, die Medienberichte nur regional und überschaubar.

      Sie nun Herr Hütter zielen ja mit Ihrer Moral-Peitsche jetzt offenbar auf mich.

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    • Ludwig Hüttner schreibt:

      Sehr geehrter Herr Jenckel,

      es gibt kein Gerichtsverfahren. Es gibt eine gehörige Portion Fassungslosigkeit über einen Bürgermeister, der einem rechten Blogger – klaren Verstandes und mit großem Nachdruck – seine verquere innerste Überzeugung offenbart und dabei Gruppen von Menschen pauschal kriminalisiert und stigmatisiert hat. Gewiss, wir sind bloß „tatenarm und gedankenvoll!“ Herrn Scharf geht das Messer nur in der Tasche auf. Sein Film aber ist inzwischen über 25.000 mal aufgerufen worden. Weit über die Grenzen Lüneburgs hinaus. „Aber kommt, wie der Strahl aus dem Gewölke kommt, / Aus Gedanken vielleicht, geistig und reif die Tat?“ Können Sie garantieren, dass einem anderen das Messer statt in der Tasche nicht in der Hand aufgeht, wenn er, der ebenso voller blinder Ranküne steckt wie Herr Dr. Scharf, sein Gegenüber für einen von dessen „Linken“ hält? (Am 17. Oktober 2015, einen Tag vor der Kölner Oberbürgermeisterwahl, wurden die parteilose Favoritin, die damalige Kölner Beigeordnete für Soziales, Integration und Umwelt Henriette Reker, sowie vier weitere Personen an einem Informationsstand der CDU in Köln-Braunsfeld Opfer eines Messerattentats. Reker und eine der anderen Personen wurden lebensgefährlich verletzt. Der 44-jährige Täter aus Köln-Nippes wurde von der Polizei festgenommen. Als Grund für die Tat nannte er Rekers „linke“ Flüchtlingspolitik. Er war von dem Gehetze rechtsextremer Hassvideos durchdrungen.)

      Sie behaupten, Herr Dr. Scharf sei „kein Scharfmacher“. Er habe dem rechten Blogger „unbedacht ins Mikrofon gequatscht“. Jeder, der sich dieses Gequatsche einmal in voller Länge angehört (oder das Gesprächsprotokoll gelesen) hat, weiß, dass Herr Dr. Scharf nicht „unbedarft“, sondern im vollen Bewusstsein seines Tuns gequatscht hat. Er bekräftigt und bestätigt mehrfach, dass er weiß und dass er will, was er tut und was er sagte. (Das Wiederholen der Formeln spare ich uns, da sie zig-mal genannt wurden.) Herr Dr. Scharf ist ein Scharfmacher! Sie – wie auch unser Oberbürgermeister – klammern sich daran fest, Herr Dr. Scharf habe nicht gewusst, dass sein Gequatsche aufgezeichnet wird, er habe nur seine Privatmeinung geäußert. Erstens ist durch das Video bewiesen, dass Herrn Scharf völlig klar war, aufgenommen zu werden. Er hat die Aufnahme selbst autorisiert (wie auf dem Video zu hören ist) und zur Veröffentlichung frei gegeben. Zweitens: Ist ein Dieb kein Dieb, wenn er nicht beim Klauen gefilmt wird? Wäre das Wüten von Herrn Dr. Scharf in Ordnung, wenn er es nur heimlich und hinter dem Rücken der von ihm ohne Ansehen der Person verteufelten und herabgewürdigten Gruppe tun würde? Drittens: Dass es sich um die „Privatmeinung“ von Herrn Dr. Scharf handeln könnte, ist m. E. sehr wahrscheinlich. Aber ist das eine Entschuldigung? Oder ist das nicht die eigentliche Katastrophe? Denn eine „Privatmeinung“ ist doch die wahre, die unverstellte, die einen Menschen letztlich ausmachende Meinung. Oder? Was soll uns der Hinweis auf’s „Private“ sagen? Sind wir die schuldhaft Indiskreten, weil wir uneingeladen einem Hetzer beim privaten Hetzen zugehört haben und nun darüber reden wollen? Obwohl der doch laut Herrn Mädge „die Hansestadt bei offiziellen Anlässen immer gut, engagiert und sehr redlich vertritt“? Oder genauer: ihn, OB Mädge, mit dem Anschein von „Redlichkeit“ und „Authentizität“ (nämlich nicht entsprechend seiner „Privatmeinung“) vertritt?

      Vielleicht war oder ist „die wachsweiche Entschuldigung“ noch das redlichste an Herrn Dr. Scharf? Vielleicht ist das ein schwaches Zeichen, dass er wenigstens zu seiner „Privatmeinung“ steht, dass er sein wahres Selbst nicht verleugnet (oder wie groß die Anstrengung ist, das für den Amtsverbleib vorlügen zu müssen) – auch wenn deren hanebüchener Gehalt – wenigstens einstweilen noch – ebensowenig mit dem Amt des Lüneburger Bürgermeisters wie mit dem Mandat eines christdemokratischen Ratsherren unserer Hansestadt vereinbar ist.

      Ja, Herr Jenckel, ich habe alle Kommentare auf dieser „Site“ gelesen. Es handelt sich überwiegend um sehr gute, sehr differenziert und sehr unterschiedlich argumentierende und vor allem sehr offen um Hilfe und Orientierung nachsuchende Bitten um begründete Erläuterungen durch verantwortliche Personen im Rat und auch bei Ihnen. (Ich begreife nicht, warum kein einziges Ratsmitglied den Mumm besitzt, seine Position zu erläutern, nicht Pauly, nicht Webersinn und nicht Löb oder Blanck.) Eine gleichartig einheitliche, „moralpeitschende“ „Vorverurteilung“ des Menschen Gehard Scharf kann ich nirgends erkennen. Eine ziemlich deutliches Urteil im Hinblick auf den Bürgermeister Scharf aber sehr wohl. Ich würde sagen, 95 % der Beiträger halten den schnellen Rücktritt Scharfs zumindest als Bürgermeister für unausweichlich. Ich, wie schon geschrieben, tue das ebenfalls. Aber ein Urteil (das auf der Grundlage des offen vor uns liegenden Video-Mitschnitts erfolgt) ist keine Vorverurteilung, Herr Jenckel! Verurteilung wovor denn auch? Es gibt kein Gericht, es gibt keinen Prozess und es gibt keine Verurteilung! Sie spielen hier mit der für den Leumund eines Demokraten – sehr gefährlichen – Möglichkeit, Kritiker und Nachfragende rundweg als illegitimen Mob hinzustellen. Ich möchte und brauche Sie nicht daran erinnern, wo mit dieser Möglichkeit gerade die Staatsgefängnisse gefüllt werden.

      Scharfs Bekenntnis seiner Scham könnte angesichts dessen, was und vor allem wie er es gesagt hat, nur unglaubwürdig sein. Eine Entschuldigung ist nicht möglich. Denn – Klaus Bruns hat das auf den Punkt gebracht – Sie können sich für Ihre Geisteshaltung nicht „entschuldigen“ – ebensowenig wie Sie sich für Ihre Körpergröße entschuldigen können. Beides, Schambekenntnis und Entschuldigungsversuch müssten in Scharfs Fall sofort als Zwecklügen bzw. als Schutzbehauptungen gewertet werden.

      Die Katze beißt sich in den Schwanz. Eine Einstellung wie Scharf sie enthüllt hat, ist mit dem Amt unvereinbar. Eine über Jahrzehnte gewachsene und gefestigte Einstellung kann niemand „entschuldigen“ oder – wie Niels Webersinn es gerne hätte – aus der Wellt schaffen“. Einzige Konsequenz: Rücktritt!

      Noch vier, fünf Bemerkungen zu Ihnen und Ihren Ansichten. Für mich ist die Vokabel „Schauprozess“, mit dem Sie das „eigentliche“ Begehren Ihrer Kommentatoren pauschal qualifizieren ein schlimmer Ausrutscher. Selbst, wenn Sie nur die Nebenbedeutungen und nicht die Hauptbedeutung meinen, bewegen Sie sich in der Nähe von Scharfs Linken-Gezischel. Denn auch in der Nebenbedeutung Ihrer Wahl und Zuschreibung schwingt die Lust an der Demütigung und Vernichtung eines Menschen mit. Thatcher würde Ihnen raten: „Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen!“

      Jeden einzelnen der 74 Beiträge haben Sie gelesen und frei geschaltet, Herr Jenckel. Sie laden in Ihr (hervorragendes, mindestens in Niedersachsen einmaliges) Forum ein. Sie haben die Möglichkeit, sofort zu replizieren und einzunorden. Verursacht Widerrede Ihnen so viel schlechte Laune? Warum betreiben Sie Ihren Blog? Weil Sie auf Zuspruch und den Beifall von karrierefördernden Claqueuren aus sind? Oder weil Sie an die Macht des Wortes und der Aufklärung, an die Ratio, an das Dazulernen und an die Revidierbarkeit von Positionen durch Argumente glauben? Gebrauchen Sie Argumente, nicht Parolen und Etiketten! Sie haben zu Neujahr geschrieben, Sie begrüßten den Dialog zwischen Bürgern. Politikern, Intellektuellen, relativen Personen der Zeitgeschichte und — Ihnen, dem Journalisten. Die Verachtung, die Video-Scharf den von ihm zusammenfantasierten Horden hinterhergeifert ist kaum zu ertragen. Die undifferenzierte, über einen Leisten geschlagene Abwertung von 74 in Güte und Aussage sehr unterschiedlichen Blog-Autoren und ihren Texten durch Sie, Herr Jenckel, ist – wenigstens für mich – beunruhigend.

      Bezieht sich Ihr pauschaler, in Bausch und Bogen abwertender Vorwurf der Schauprozessgeilheit und der Vorverurteilungslust eigentlich auch auf, sagen wir: Ulf Wuggenig, David Amri, Friedrich von Mansberg und Klaus Salewski? Die haben das Verhalten von Dr. Scharf mit zum Teil sehr viel drastischeren Ausdrücken be- und verurteilt als die meisten Ihrer Kommentatoren, Herr Jenckel. Aber die meisten Kommentatoren bewegen sich ungefähr auf einer ähnlichen Linie, wie diese Herren. Warum? Weil sie Fieslinge sind wie diese? Oder weil es kaum eine andere, rational vertretbare Linie gibt? Viele wesentliche Punkte sind bei den Genannten erwähnt. (Bei Wuggenig am saubersten analysiert und durch Referenz auf historisch weitgehend gesicherte Fakten beglaubigt.) Warum fordern Sie die nicht anhand der von Ihnen erkannten „Schwachpunkte“ ihrer Urteile zur Präzisierung und genaueren Darlegung heraus, anstatt nur zu schimpfen? Wir sind hier in der Jenckelschen Agora, nicht im immergleichen Fahrenwaldt des harten Auskeilens und des flinken Abtauchen und Verweigerns!

      Sie schreiben, es geht nicht um Schuld, sondern um Verhältnismäßigkeit. Exakt! Ich glaube, beinahe alle Ihrer Kommentatoren (vielleicht mit Ausnahme von Herrn Recha und Herrn Fahrenwaldt (übrigens aus nur beim ersten Hinsehen unterschiedlichen Gründen)) würden Ihnen zustimmen. Schuld oder Unschuld betreffen den moralischen Menschen in seinem Kern. Darüber zu befinden, steht – hier – niemandem zu. Keiner, glaube ich, wird Herrn Scharf, der furchtbare Sachen gesagt hat, sein Mitgefühl versagen. Um Verhältnismäßigkeit alleine kann es gehen. Das Verhältnis zwischen der Würde des Amtes inklusive seiner elementaren Anforderungen und dem habituellen „privaten“ Verunglimpfungsfuror von Herrn Dr. Scharf ist irreparabel gestört. Gerade das begründet die Notwendigkeit des Amtsverzichts von Herrn Dr. Scharf.

      Mag sein, dass „der Flurschaden über Lüneburg hinaus nicht zu messen“ ist, „die Medienberichte nur regional und überschaubar“ sind. Aber was ist das für ein klägliches Argument, Herr Jenckel? Was für eine überhebliche Geringschätzung, Respektlosigkeit und naserümpfende Herablassung gegenüber der Bürgerschaft unserer Stadt spricht sich hier aus? Ist der erhebliche (und vermutlich dauerhafte, weil beispielgebende) Flurschaden in Lüneburg in Ihren Augen denn nichts? Ist die quantitative Resonanz, die überregionale Quote alles? Würde sich an der grundstürzenden Schäbigkeit des Dr. Scharfschen Meinens und Sagen für Sie das Geringste ändern, wenn nur Sie ganz allein davon wüssten? Denken Sie nur in den Kategorien von Jahrmarktkomödianten, für die allein die Menge der Einnahmen zählt, aber nicht der Wert des dafür Gebotenen? Seien wir froh, das die Affaire Scharf im Moment nur eine Fußnote und nicht ein ganzer Absatz unserer Stadtgeschichte ist! Wollen Sie ein komplettes Kapitel daraus machen, indem Sie den Mann im Amt halten und nachkommenden Zeithistorikern ein Lehrstück über Theorie und Praxis hansestädtischer „Gedenkkultur“ stiften, die den Raum der Stille für wichtiger hält als das laut streitende Lernen vor den Schranken der Vernunft?

      Lieber Herr Jenckel, vielleicht haben Sie einfach keine Lust mehr, das vorzuleben, was Sie vorhatten, als Sie Ihren Besuchern die Tore von Blog.jj aufgestoßen haben? Vielleicht ist Ihnen heute Ruhe lieber als die Mühe um eine Dialog-Kultur, die wert ist so genannt zu werden? Oder vielleicht ist Ihnen einfach egal, wer Sie als Bürgermeister repräsentiert? (Auch Ihr ständiger Verweis auf die lange Zeit Ihres Kontaktes zu Scharf gleicht übrigens dessen eitler Zeitzeugenschaftsbehauptung als Beleg für „höhere“ Beweiskraft und größere Wertungsberechtigung: Prädestiniert Nähe zum Erkennen der Wahrheit? Wäre dann der Komplize nicht die perfekteste Quelle vertrauenswürdiger Nachrichten? Oder ist nicht gerade der Nächste derjenige, der den meisten Grund hat, seine „Intuitionen“ auf Distanz zu bringen und sehr aufmerksam zu prüfen?)

      Aber, Herr Jenckel, wenn Sie Ihre Ansichten nicht mehr befragt wissen möchten, dann schreiben Sie das auch. Nichts Menschliches ist mir fremd. Doch ersparen Sie mir bitte, Ihnen dabei zusehen zu müssen, wie ausgerechnet Sie die primitivste Waffe hilfloser Demagogen hervorbuddeln und mir in Trump-, „andy-“ oder Gauland-Manier mit dem billigen Nazikeulen-Umkehrschema kommen und, statt Gründe anzuführen, wie ein mitleidsheischendes Opferlämmlein mit dem Vorwurf der Moralpeitschenzielerei um die Ecke kommen.

      Ich gebe mir Mühe. Ich möchte mit Ihnen und – wie viele andere Ihrer Foristen – gerne auch mit Mitgliedern des Rates debattieren und erfahren, was Sie bewegt und ob ich etwas falsch verstanden oder Aspekte übersehen habe, die mich nötigen, anders zu urteilen.

      Zuletzt habe ich auch eine Sorge. Ich habe die Sorge, dass unsere liberale Demokratie, die auf einen funktionierenden Mindeststandard nicht zu ignorierender Regeln angewiesen bleibt (unter denen die Achtung vor dem angemessenen Gebrauch der Sprache nicht nur für Journalisten eine der wichtigsten ist), an der Gleichgültigkeit, mit der wir uns über alarmierende Geschichten wie die Dr. Scharfsche hinwegzumogeln versuchen, zugrunde gehen könnte. Nicht heute, nicht morgen, aber vielleicht nicht allzulange, bevor Donald Trump und seine Freunde die Unterscheidbarkeit von Wahr und Falsch im Urteilsvermögen der meisten Menschen endgültig zerstört haben werden.

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  20. Jürgen Hoffmann schreibt:

    Sehr geehrter Herr Friedrich von Mansberg, sehr geehrter Herr Salewski,

    am 11. Januar um 01:20 Uhr haben Sie im Namen der SPD Stadtratsfraktion Lüneburg das Folgende gepostet:

    Fraktion im Stadtrat distanziert sich von Äußerungen des Bürgermeisters

    „Mit Befremden haben wir die Äußerungen von Dr.Scharf zum Gedenkstein für das 110. Infanterieregiment der Wehrmacht zur Kenntnis genommen“, sagt Friedrich von Mansberg, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion. „Aus Dr.Scharfs Äußerungen spricht ein untragbares Maß an Wut auf andere, hier vor allem linke Meinungen und Überzeugungen. Was aber weit schwerer wiegt, ist wie Dr.Scharf die unabhängige neuere Forschung zu den Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Zweifel zieht. Wer in diesem Zusammenhang von ‚Geschichtsklitterung’ und ‚anti-deutscher Propaganda’ spricht, macht gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis.“ Für von Mansberg und Klaus-Dieter Salewski, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat, ist zudem die Gleichsetzung von den durch Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion begangenen Kriegsverbrechen und dem Leid deutscher Vertriebener nicht hinnehmbar. „Es verbietet sich, das Leid von Menschen gegeneinander aufzurechnen. Aber die Einzigartigkeit der durch Deutsche begangenen Verbrechen in Zweifel zu ziehen, zeigt zumindest ein schwer zu verstehendes Maß an historischer Unkenntnis“, so Salewski weiter.
    Die SPD in Lüneburg weist gleichzeitig darauf hin, dass man sich mit Dr.Scharf und der überwiegenden Mehrheit im Rat darin einig sei, dass Denkmäler in der Stadt, auch die problematischen, nicht abzubauen sondern historisch einzuordnen und zu kommentieren sind. Aber von Mansberg ergänzt: „In diesem Zusammenhang fordern wir, dass gemeinsam mit den Initiatoren des ‚Friedenspfades’ und externen unabhängigen Wissenschaftlern das Hinweisschild am Denkmal für die 110. Infanteriedivision noch einmal neu bewertet und überarbeitet wird.“
    „Wer von Aussöhnung spricht und davon, dass man historische Wahrheiten auch aussprechen müsse, der muss sich zur deutschen Verantwortung bekennen und sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass wissenschaftlichen Erkenntnisse, auch zu den Verbrechen der Wehrmacht in der ehemaligen Sowjetunion, deutlich benannt werden“, fasst Klaus-Dieter Salewski zusammen. „Von der CDU und Dr.Scharf, den wir bisher als integre Persönlichkeit und guten Repräsentanten der Hansestadt Lüneburg kennen, erwarten wir umgehend eine Richtigstellung der gemachten Aussagen.“ Quelle: https://www.facebook.com/358392291166322/photos/a.359410501064501.1073741828.358392291166322/559215481084001/?type=3

    HIER MEINE FRAGEN:

    Über dem Post steht: „SPD fordert Richtigstellung“

    WARUM steht dort nicht: „SPD fordert umgehenden Rücktritt von Herrn Dr. Scharf als Bürgermeister und als Stadtratsmitglied“?

    Sie schreiben, dass Sie „Dr.Scharf, bisher als integre Persönlichkeit und guten Repräsentanten der Hansestadt Lüneburg“ kannten. — BISHER !

    Sehr geehrter Herr Friedrich von Mansberg, sehr geehrter Herr Salewski,
    WIESO fordern Sie nicht den RÜCKTRITT eines Mannes, dem Sie bescheinigen, aus seinen Äußerungen spreche „EIN UNTRAGBARES Maß an Wut auf andere, hier vor allem linke Meinungen und Überzeugungen. Was aber weit schwerer wiegt, ist wie Dr.Scharf die unabhängige neuere Forschung zu den Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Zweifel zieht. Wer in diesem Zusammenhang von ‚Geschichtsklitterung’ und ‚anti-deutscher Propaganda’ spricht, macht gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis.“ Sie halten Herrn Dr. Scharf außerdem (zu Recht) vor, seine „Gleichsetzung [des Leides, das] von den durch Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion begangenen Kriegsverbrechen [verursacht worden ist,] und dem Leid deutscher Vertriebener sei NICHT HINNEHMBAR. „Es verbietet sich, das Leid von Menschen gegeneinander aufzurechnen. Aber die Einzigartigkeit der durch Deutsche begangenen Verbrechen in Zweifel zu ziehen, zeigt zumindest EIN SCHWER ZU VERSTEHENDES MAß AN HISTORISCHER UNKENNTNIS“.

    Sehr geehrter Herr Friedrich von Mansberg, sehr geehrter Herr Salewski,

    halten Sie einen Mann als stellvertretenden Bürgermeister und als Ratsmitglied der Stadt Lüneburg für tragbar, dem Sie – öffentlich – attestieren, er sei ein vorurteilsbeladener, affektgesteuerter Geschichtsklitterer, der „gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen und Neonazis“ mache?

    Sehr geehrter Herr Friedrich von Mansberg, sehr geehrter Herr Salewski,

    Warum fordern Sie nicht den sofortigen Rücktritt Dr. Scharfs von allen seinen städtischen Ämtern?

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  21. Karsten Hilsen schreibt:

    Nochmal Vorbemerkung:
    Ich will den sorgfälig und sachlich begründeten Einschätzungen vieler KommentarorInnen,hier und bei den anderen Artikeln in der LZ, insbesondere der Menschen, die Herr Dr. Scharf mit seinen Bemerkungen in so völliger Verdrehung von Tatsachen pauschal herabgewürdigt hat, in keiner Weise widersprechen.

    Das Gebot zur Sachlichkeit gebietet es mir, nochmal darauf hinzuweisen, dass der selbsternannte „Volkslehrer“ mit seinem Lüneburg-Video einzelne Aussagen von Herrn Dr. Scharf in manipulativer Absicht, zu einer Gesamtaussage zusammengeschnitten hat, die dieser /so/, tatsächlich nicht getätigt hat.
    Dieser Umstand ist ganz offensichtlich auch Peter Raykowsky, trotz der ganz zweifellos sehr sorgfältig gefertigten Transkription nicht aufgefallen.
    So hat er, mehrfach Aussagen von Herrn Dr. Scharf in eine Zeile geschrieben, die dieser /SO, in diesem Zusammenhng/, wahrscheinlich gar nicht gesagt hat.
    zur Verdeutlichung der Manipulationen von Nikolai Nerling füge ich hier nochmal Teile der Transkription MIT den gekennzeichneten Schnitten an:
    (Meine Hinzufügungen sind an“ > (…)( Videoschnitt) (min 8:19)(…) (Länge und Inhalt, z.b. Zwischenfrage, Bemerkung Nerling? unbekannt)(..??)(nach Videoschnitt)(Schnitt) (ab)min 8:45)(…Länge und Inhalt, z.b. Zwischenfrage, Bemerkung Nerling? unbekannt)(..??)(nach Schnitt)(fällt Dr Scharf ins Wort)Schnitt(…Länge und Inhalt, z.b. Zwischenfrage, Bemerkung Nerling? unbekannt)(..??)(nach Schnitt…)Schnitt(..??)(nach Videoschnitt)…Aber ich nehm ja auch kein Blatt vor den Mund.
    Nerling: Nee, richtig, ne!
    Dr. Scharf: Weil: Historische Fakten muss man als solche benennen.
    Nerlich: Ich denke auch.
    [11:19]
    Dr. Scharf: Genau, hier auch so‘n Quatsch: Da sind etwa 12.000 Soldaten gewesen. Die tun so, als ob alle 12.000 Soldaten abkommandiert gewesen seien zur Vernichtung dieser russischen Zivilbevölkerung. Quatsch ist das!
    Es gab solche Sonderkommandos. Das waren Freiwillige, die da hingingen – die wurden niemals abkommandiert! Freiwillige, die hat’s gegeben – wollen nichts beschönigen.
    Der Rest, und das waren zirka 11.000 Soldaten, die hatten alle Hände voll zu tun, sich die Russen vom Leibe zu halten.
    Nerling: Ja eben.
    Dr. Scharf: Ja natürlich. Aber das ist eine unglaubliche Geschichtsklitterung.
    Nerling: Ja.
    Dr. Scharf: Wahnsinn.
    Nerling: Das ist … das ist antideutsche Propaganda, kann man sagen, ne?
    Dr. Scharf: Natürlich!
    Nerling: Und das ist rassistisch, eigentlich!
    Dr. Scharf: Richtig.
    Nerling: Das ist Rassismus!
    Dr. Scharf: Es gibt kein Land der Erde, die nicht ihre Soldaten ehrt.
    Nerling: Eben. Das ist ganz normal.
    [12:05]
    Dr. Scharf: Wirklich. Ich bin kein Ultrarechter. Aber ich trete dafür ein, dass historische Wahrheiten als solche benannt werden. So.
    Nerling: Ja.
    Dr. Scharf: Und woher kommen Sie? Was machen Sie?
    Nerling: Ich bin Lüneburger. Ich bin hier aufgewachsen, leb jetzt in Berlin…
    Dr. Scharf: Ja.
    Nerling: …und ich ertrags auch nicht mehr, diese Geschichtsklitterungen …
    Dr. Scharff: (unverständlich)
    Nerling: …vor allem: diese Redeverbote.
    Dr. Scharf: (unverständlich) Ist doch unglaublich ist das.
    Nerling: Ich halts nicht mehr aus.
    Dr. Scharf: Also wirklich, wird ganz schlimm. Mein Name ist Dr. Scharf. Ich bin stellvertretender Bürgermeister hier.
    Nerling: Dr. Scharf, Nikolai Nerling, freut mich sehr.
    [12:35]
    Dr. Scharf: Ich seh! Was ich gesagt habe, können Sie verwerten.
    Nerling: Danke schön; gefilmt sind Sie nicht.
    Dr. Scharf: Dazu steh ich, dazu steh ich. Also: Alles Gute.
    Nerling: Danke, Ihnen auch.>(Schnitt)(Min 12:42)(…??)(Nach Videoschnitt)(…)<)Karsten Hilsen 14.01.2018

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    • Stefan König schreibt:

      Danke, Herr Hilsen.

      Was sind Ihre Schlussfolgerungen? Wie lautet Ihr Resümee?

      Die Schnitte, von denen Sie schreiben, können auf Herausgeschnittenes hinweisen, das Herrn Scharf eventuell deutlicher als überrumpelt zeigt, sie können aber auch Hinweise darauf enthalten, die Herrn Dr. Scharf noch stärker belasten würden, als bisher bekannt ist. (Stichwort: Zufall oder Verabredung) WAS sie enthalten, wissen wir nicht.

      Ich kann nicht erkennen, was sich am schockierenden Gesamtbild geändert hat. Scharf hat geklittert, gehetzt, diskriminiert, denunziert und stigmatisiert. Und er hat sich dazu bekannt und viermal bekräftigt, dazu zu stehen. Und er war damit klaren Verstandes und bei vollem Bewusstsein einverstanden, dass seine Äußerungen „verwertet“ werden.

      Heute bestreitet er das alles und lügt dabei offensichtlich.

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    • Gunda Schneider schreibt:

      Lieber Karsten Hilsen, was möchten Sie mitteilen? Worin besteht genau das Ergebnis Ihres detektivischen Forschungsfleißes? Wie lautet Ihre Botschaft?

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    • Irmelie Dammeyer schreibt:

      Die Erörterung des Problems dokumentarischer Objektivität füllt ganze Bibliotheken, Herr Hilsen.

      Wäre der wesentliche Gehalt nicht annähernd exakt dokumentiert, hätten die Anwälte von Herrn Dr. Scharf längst eine einstweilige Verfügung gegen die Freischaltung des Videos durch den Blogger erwirkt.

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  22. Klaus Bruns schreibt:

    Karlheinz Fahrenwaldt
    was wird passieren, wenn dr scharf mit der unterstützung des OB nicht die konsequenzen zieht? was dann,boykott?

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  23. Felix Staake schreibt:

    Lieber Herr Jenckel,

    Sie wünschen es sich nicht, würden es aber für eine Katastrophe halten, wenn sich ergeben würde, dass Herr Scharf das Treffen am Denkstein verabredet hat. Ich stimme zu. Dennoch, Zweifel bleiben. So gesehen, ist es wohl beinahe zu bedauern, dass der vom „zackigen“ Herrn Althusmann angestrebte „Transparenz“- oder „Sicherheits“- (vulgo: Überwachungs-)Staat noch nicht in seiner kompletten Totalität „umgesetzt“ ist. Ich wäre neugierig zu erfahren, was ein kurzer „Check“ der Dr. Scharfschen Januar-Handydaten durch die gewissenhaften Behördenfreunde von Herrn Althusmann ergäbe. Die bisher enthusiastisch behauptete „Beweiskraft“ schöner Video-Aufnahmen von relativen Personen der Lüneburger Zeitgeschichte haben Herr Mädge und Herr Webersinn (sicher zum Missbehagen der sorgenvollen Fans von flächendeckend installierten Überwachungskameras im öffentlichen Raum wie etwa Herrn Alexander Schwake) vorgestern ja nun am Beispiel Scharf als ungenügend entlarvt und deren „Evidenzpotenzial“ in einem aufschlussreichen Anwendungsfall quasi ex cathedra kassiert. Das probate Mittel für das Herstellen von „Einverständnis“ über die „Handhabung“ von „schwierigen Materien“, wenn sie verdiente Persönlichkeiten betreffen, scheint in Lüneburg eben immer noch das konzertierte partei- und fraktionsübergreifende Telefonieren auf der berühmten „Hinterbühne“ (Wuggenig) zu sein.

    Farewell Transparenz?

    Honi soit qui mal y pense.

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  24. Werner Müller schreibt:

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    Herr Webersinn übernimmt Herrn Dr. Scharfs Blackout-These und plädiert auf Unzurechnungsfähigkeit. (Siehe LZ-Video hier: https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/1388521-1388521)

    Herr Dr. Scharf erklärt, ihm sei nicht klar gewesen, dass er aufgenommen wird, und will sich für seine niederträchtigen Pauschalurteile entschuldigen.

    In der Videoaufnahme ist zu hören, mit welchem Eifer und Nachdruck Herr Dr. Scharf die Gültigkeit seiner Äußerungen immer wieder unterstreicht, und wie er deren „Wahrheit“ betont.

    Gegen Ende des Gesprächs bekräftigt Herr Dr. Scharf, dass er sich bewusst ist, aufgenommen worden zu sein und veröffentlicht zu werden: „Was ich gesagt habe, können Sie verwerten! Dazu stehe ich. Dazu stehe ich!“ Und kurz davor [Minute12:35] sagt Herr Dr. Scharf: „Ich seh! Was ich gesagt habe, können Sie verwerten.“ Darauf sein Interviewer Nerling: „Danke, Ihnen auch. Sie können gucken: Mein You-Tube-Kanal heißt: ‚Der Volkslehrer‘.“ (Vgl. die Dokumentation: https://jj12.wordpress.com/2018/01/10/buergermeister-scharf-und-das-rechte-paralleluniversum/comment-page-1/#comment-1648)

    Lieber Herr Jenckel, hier meine Frage:

    Ist aus dem Fall der öffentlichen unappetitlichen geistigen Selbstentblößung von Herrn Dr. Scharf nicht inzwischen längst der öffentliche Fall des Lügners Dr. Scharf zu eigenen Gunsten geworden?

    Wie sehen Sie das?

    MfG, Werner Müller

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    • jj schreibt:

      Ich kenne Herrn Scharf seit dreißig Jahren, als Ratsherrn und Bürgermeister und als Schuldirektor. Er ist konservativ, er hadert mit seiner Geschichte, aber er ist kein Revisionist, er ist nicht über die Maßen eitel, aber Bürgermeister aus Leidenschaft, das ist sein eitler Punkt.
      Der Mann hat diesen einen Moment erlebt, wie Jenninger als Bundestagspräsident, wie Wulff, als er bei Kai Diekmann auf die Mailbox quatschte, und wie viele andere Politiker, dieser eine Moment, über den auch Scharf nicht hinwegkommen wird, und das alles in einem Medium, das gar nicht sein Metier ist, um hier mal Swan von Marcel Proust zu zitieren. Lg

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      • Klaus Bruns schreibt:

        es soll geschichtslehrer geben,auch in oedeme, die in anderen klassen aushelfen. aber spaß beiseite, hat der blogger gesagt: er kannte dr scharf vorher nicht? die frage: woher sie sich kannten, ist doch zweitrangig. ob sie sich kannten ist viel wichtiger. wer fallen baut, davon ist ja hier die rede, bereitet sich meistens vor. im übrigen sind damit die äußerungen von dr. scharf nicht ungeschehen zu machen. sein problem wird sein, es wird was hängenbleiben. mit recht. mit einem angeblichen black out könnte man sonst alles entschuldigen.

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Lieber Herr Jenckel, wenn sich Herr Dr. Scharf bei den Linken und den Begleitpersonen mit einer schlüssigen Kommentierung seiner Äußerungen entschuldigt hätte, dann hätte ich von meiner Seite auf eine Rücktrittsforderung verzichten können. Kein Mensch ist unfehlbar – aber man muss auch zu einmal gemachten Fehlern stehen. Dies ist von Seiten von Dr. Scharf und der Stadt Lüneburg nicht geschehen und somit sind die Beleidigenden Aussagen von Dr. Scharf weiter im Raum. Solange das der Fall ist kann ich nicht mit einer Person, die mich mehrfach beleidigt hat, in einem Gremium wie z. B. Dem Aufsichtsrat der BuK zusammen arbeiten

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      • Andreas Janowitz schreibt:

        Herr Jeckel, ich kenne Herrn Scharf nur vom Hörensagen , aber es scheint mir wenig plausibel, das angesichts der völligen Dezimierung sämtlicher Grossverbände im Zuge der Operation Bagration noch irgendein Unterschied gemacht wurde. Partisanenverbände verübten Sabotageaktionen und boten von daher schon reichlich Anlass zu brutalst möglichen Vergeltungsaktionen. Ich ergehe mich nicht in Todesstatistiken und empfinde solche schlicht als geschmacklos. Die Einheit wurde im Zuge schwerster Kämpfe vollständig aufgerieben. Wenn man schon ihrer Opfer gedenken will, dann doch eher derjenigen aus eigener Grossmanssucht. Aus Eitelkeit sind sie in den Krieg gezogen. Geblendet vom Stolz mit Hochmut zum Rat sind sie in den Krieg gezogen und haben ein Übel herrauf beschworen, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte.
        Insofern sind seine Äusserungen schon schwer ertäglich.
        Mir ist nicht an Rufmord gelegen, aber die doch ein wenig naive Darstellung auf einer als Propaganda einzuordnenden Videoaufzeichnung sollte für ihn Konsequenzen haben. Und sei es um seinen Ruf zu wahren…

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      • Kevin Schnell schreibt:

        Hallo Herr Fahrenwaldt,

        Ihre richterliche Nachsicht und Ihre ritterliche Generosität in allen Ehren. Ich hoffe, Sie sprechen nicht auch als „die Stadt“ oder gar als „Lüneburg“!

        „Man“ muss zu seinen „Fehlern“ stehen? Herr Dr. Scharf hat sich der Welt als ein von Vorurteilen und Voreingenommenheiten bis unter die Hutschnur vollgestopfter Grollkopf vorgestellt. Das ist kein „Fehler“, sondern eine Einstellung. Im „Kasus Scharf“ geht es nicht um die Lüneburger LINKEn, Herr Fahrenwaldt. Das Kollektivsubjekt „die“ Linken, das im Kopf von Herr Scharf herumspukt, ist größer als Ihre kleine Truppe. Es geht um einen historischen Sündenbock, um irgend etwas diffuses „Versifftes“ (wie es unter noch unverblümter Sprechenden heißt), um einen „Feind des Wahren, Guten und Schönen“, dem zuzurechnen ist, dass die Dinge anders laufen, als Herr Scharf das gerne hätte, und der sich immer nur zeitweise in einer konkreten und adressierbaren Gruppe materialisiert. Es geht hier um Hetze, Hinterhältigkeit, Pauschalurteile, in sich verknotete Unbelehrbarkeit und Rechthaberei. Und es geht um die Frage, ob wir uns von den simplifizierenden, egozentrischen, zuerst und vor allem selbst-exkulpatorischen „Geschichtsbildern“ einer abtretenden Generation weiter die Sicht auf die Realität verstellen und vernebeln lassen wollen.

        Aber apropos selbstgerechte alte Männer: stehen Sie zu Ihrem folgenreichen Fehler von 2016, der Ihrem Parteikollegen Pauly den Arbeitsplatz gekostet hat?

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Kevin Schnell: Ihre Fakenews, dass ich angeblich für den Verlust des Arbeitsplatzes von Michèl Pauly vertantwortlich sein soll wird auch durch ständige Wiederholung nicht zu einer Tatsache. Erkundigen Sie sich bei Michèl Pauly und Manske Junior nach den wahren Beweggründen.

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      • Kevin Schnell schreibt:

        Sie sehen an Ihrem eigenen Beispiel, Herr Fahrenwaldt, wie schwer es ist, einsichtig zu sein, wenn die eigene Person betroffen ist. Ich habe nicht davon gesprochen, dass Sie allein für Herrn Paulys Entlassung verantwortlich sind, sondern mitverantwortlich dafür, indem Sie den Fehler dieser schwachsinnigen Plakatprovokation mit verantworteten, die dann zu einer Manzkeschen Reaktion führte, welche in der Folge natürlich mit allerlei arbeitsrechtlich Relevantem eingekleidet werden musste.

        Andererseits behaupten Sie, Herr Dr. Scharf habe Sie „persönlich“ in seinem kruden und infamen Geblubber „mehrfach beleidigt“. Das ist nicht wahr. Ihr Name fällt kein einziges Mal. Begreifen Sie denn nicht, Herr Fahrenwaldt, dass Sie, indem Sie das behaupten, dem gleichen Gedankenmuster folgen wie Herr Dr. Scharf? Wer oder was sind denn „die Linken“? Eine diffuse, beinahe sinnleere Zuschreibung oder Selbstzuschreibung durch Leute, die vergessen bzw. verlernt haben, das Worte etwas bedeuten müssen, wenn sie etwas besagen sollen. Der Skandal des Geredes von Scharf ist (unter anderem) doch gerade, dass er eine gar nicht näher zu identifizierende Gruppe von Menschen in Bausch und Bogen zu Feinden erklärt, WEIL SIE NICHT SEINER MEINUNG SIND. Scharf nennt dieses vermeintlich schuldhafte „Kollektivsubjekt“ einfach „die Linken“. Damit sind NICHT die LINKEn, also die Mitglieder der linken Parteien gemeint. Es handelt sich um das bis zur Verrücktheit vage Phantasma eines in seinen Augen generell Schuldigen. In anderen Kreisen nennt man solche pauschalisierend konstruierte Sündenbockfabrikation etwa „Wirtschaftsflüchtlinge“, „Ausländer“, „Asylanten“, „Araber“, „Nafris“, „Magrebkriminelle“, etc. Zu anderen Zeiten hieß das expatriierte, ‚par ordre du mufti‘ (Jenckel) aus der menschlichen Gemeinschaft ausgeschlossene Böse „der Jude“, „der Undeutsche“, „der Volksgeistzersetzer“, „der antiproletarische Bildungsarrogante“ etc,

        So zu verfahren, ist intellektuell in allerhöchstem Maße unredlich. Es steckt etwas von unkontrollierter, affektgesteuerter Lynchlust und diffuser Vernichtungsbereitschaft darin, Herr Fahrenwaldt. („Da geht einem das Messer in der Tasche auf.“) Und Sie möchten sich nun unter die drängen, die da eventuell gemeint gewesen sein könnten, nur weil Scharf diese in petrifizierter Gedankenfixierung „Linke“ nennt, (womit er einem Brauch folgt, der offenkundig auch das Sprechen und Denken von beispielsweise Michael Recha – der alle Scharf-Kritiker über den Kamm seines gefährlich simplifizierenden Urteilens schert, indem er sie als „sich ärgernde linksautonome, linksextreme, links denkende Bürger“ stigmatisiert – und viel zu vielen anderen durchsäuert)?

        Noch einmal, Herr Fahrenwaldt, das für einen Bürgermeister der Stadt Lüneburg Unentschuldbare an dem von Herrn Dr. Scharf im vollen, klaren Bewusstsein seiner Verantwortlichkeit und seines Tuns am 2. Januar ins Mikrofon Gesprochene ist NICHT der „Fehler“ des Geäußerten, SONDERN die prekäre Einstellung, die stolz und rechthaberisch darunter hervorschaut. Als Individuum und Privatperson hat Herr Dr. Scharf vollen Anspruch auf unser christliches Mitgefühl und unser Verständnis für die Fehlbarkeit alles Menschlichen — als öffentlicher Amtsinhaber und stellvertretender Bürgermeister ist er keinen Tag länger mehr zu ertragen.

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      • Karlheinz Fahrenwaldt schreibt:

        Kevin Schnell: Sie sind verantwortungslos und verbreiten weiterhin Fakenews.

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      • Kevin Schnell schreibt:

        Fehlt nur noch, dass Sie mich „linksgrünversifft“ schimpfen. Den Trumpismus, d. h. um sich hauen und „Fakenews!“ brüllen, wenn eine Wahrheit zu nahe rückt, scheinen Sie inzwischen ja verinnerlicht zu haben, Herr Fahrenwaldt. Warten wir mal ab, ob Herr Dr. Scharf da von Ihnen und Donald nicht noch etwas lernt, und demnächst alle seine Kritiker als lügenhafte Hetzmeute bezeichnet, die eine ungerechtfertigte Kampagne gegen ihn inszeniert und losgetreten habe.

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      • Erik Schöller schreibt:

        Hallo Herr Dr. (cand.) Fahrenwaldt,
        statt den Herrn Schnell nur immerzu pauschal zu diffamieren…wie wäre es da mal mit einer genauen Begründung von Ihrm Vorwurf? Dafür, dass Sie an der Aktion damals federführend beteiligt waren, gibt es doch Kommentarbelege in der LZ, wo Sie sich damit großtun, das Manzkesche „Satirische Themenplakat“ konzipiert und lanciert zu haben. Sie empfehlen dem Patriarchen des Lüneburger Manzke-Parkhaus-Imperiums, Eberhard Manzke, sogar via LZ, da mal zur kritischen Selbstreflexionskultur zu finden und sich durch Ihre Künstleraktion geehrt zu fühlen. Die Pauly-Kündigung folgte in unmittelbarer zeitlicher Nachbarschaft. Und dann folgten noch Ihre denunziatorischen, umcharmanten, unwürdigen und falschen „Fakenews“-Attacken auf die zauberhafte LZ-Redakteurin Antje Schäfer. Da reißen Sie hier heute den großen Mund auf? Aber zu den ausgezeichneten Scharf-Analysen von Herrn Dr. Schnell sagen Sie mal wieder in altbekannter Fahrenwaldt-Manier kein einziges Wort? Lassen so alte Krauter wie Sie und Dr. Scharf nur noch das gelten, was in ihrem eigenen Kopf rumbrummt? Und jeder, der Widerworte hat, ist nur noch ganz generell fies und fake und links?

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      • Doris schreibt:

        Lieber Herr Fahrenwaldt,

        vorsicht! Mit Ihren Verallgemeinerungen und grundlosen, jedenfalls unbegründeten Herabsetzungen sinken Sie sonst noch vollends auf das Niveau von Dr. Gerhard Scharf und Michael Recha hinab.

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    • Werner Müller schreibt:

      Lieber Herr Jenckel,

      vielen Dank für Ihre Antwort.

      Auf meine Frage sind Sie damit aber nicht eingegangen.

      Zwischen den gestern gedruckten BEHAUPTUNGEN von Herrn Scharf, (1.) ihm sei nicht bewusst gewesen, dass seine Äußerungen aufgezeichnet werden, sowie (2.) er habe sich von einem gemeinen Demagogen zu Unbedachtem hinreißen lassen UND den auf dem Video vom 2. Januar gegen Ende des Gesprächs dokumentierten, mehrfach bekräftigten AUSSAGEN von Herrn Dr. Scharf, er sei sich bewusst und begrüße, aufgenommen worden zu sein und veröffentlicht zu werden („Ich seh! Was ich gesagt habe, können Sie verwerten“ und kurz darauf: „Was ich gesagt habe, können Sie verwerten! Dazu stehe ich. Dazu stehe ich!“) gibt es einen eklatanten, durch nichts und niemanden wegzudiskutierenden WIDERSPRUCH.

      Meines Erachtens ergibt sich daraus die missliche aber unzweideutige Alternative für Lüneburg:

      (A) Entweder Herr Bürgermeister Dr. Scharf weiß nicht, was er redet, und sollte sich schleunigst um psychologische Hilfe bemühen oder (B) Herr Bürgermeister Dr. Scharf lügt.

      Daher meine Frage an Sie:

      Ist aus dem Fall der öffentlichen unappetitlichen geistigen Selbstentblößung von Herrn Dr. Scharf nicht inzwischen längst der öffentliche Fall des Lügners Dr. Scharf zu eigenen Gunsten geworden?

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      • jj schreibt:

        Ich habe meine Meinung mehrfach gesagt. Lg

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      • Ortwin Riechel schreibt:

        Ich ergänze: BEVOR der rechte Demagoge Nikolai Nerling dem Bürgermeister gegen Ende ihres gemeinsamen inferioren (achtminütigen (!)) Gehechels mitteilt, er werde die Aufzeichnung publik machen, erteilt Dr. Scharf jenem EXPLIZIT und MIT NACHDRUCK die Erlaubnis, das zu tun: „Was ich gesagt habe, können Sie verwerten.“ Herr Dr. Scharf wiederholt das einige Sekunden Später noch einmal in denselben Worten. Seine Mittwoch und Donnerstag nachgereichte Behauptung, er habe von der Aufzeichnung und der Absicht ihrer Veröffentlichung nichts gewusst, ist also gelogen!

        Wollen wir einen Lügner als Bürgermeister?

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  25. Michael Recha schreibt:

    Sehr verehrte Diskutanten,
    das Video ist Polit-Agitation, exakt der Art, wie die vielen Aufkleber in Lüneburg mit Hassparolen. Nur im Ton nett und sublim, da andernfalls mit NetzDG sofort gelöscht.

    Kurzum, Herr Dr. Scharff war für diesen Polit-Aktivisten der rechten Szene bestens geeignet, um seine eigenen Vorwürfe anzubringen. Das hätte Dr. Scharff als langjähriger Kommunalpolitiker merken können, aber das ist müßig. Die Stellungnahme der Stadt Lüneburg macht klar und eindeutig darauf aufmerksam, dass dies kein sauberer und fairer Umgang war, da man – liebe Politaktivisten hier im Blog aufgepasst! – voranstellt, wer man ist und was man vorhat, wenn man aufnimmt, um später zu veröffentlichen.

    Nun, so hören wir, was Herr Dr. Scharff sagt, ohne dass die Zensurschere im Kopf wirkt. Und ganz ehrlich, was hat er Falsches oder Schlimmes gesagt?

    Er ärgert sich sehr über linke, linksextreme Politaktivisten. Das kann man „unglücklich“ bezeichnen, wenn man bedenkt, dass klar gesagt wird, dass er auch ein Bürgermeisteramt ausübt, in diesem keine Parteipolitik betrieben werden sollte. Aber das war es auch, was kritisierbar ist. Alles Andere ist Herr Dr. Scharffs Meinung, und er weist auf Fakten und Ereignisse hin und kritisiert deren einseitig Darstellung.

    Das ist kein Skandal, im Gegenteil. Natürlich wird sich jetzt jeder linksautonom, linksextrem, links denkende Bürger jetzt ärgern. So ist das, wenn man konträre Meinung hört, die einem eigene Schwächen oder Fehlverhalten vorhält.

    Aber was ich skandalös finde, sind zwei ganz andere Fakten:
    1) Niemand hier, auch der gastgebende Journalist oder gar die Stadtverwaltung Lüneburg hält es für völlig inakzeptabel, wenn ein Denkmal für tote Menschen mit politischen Parolen beschmiert wird.
    2) Da werden in der ganzen Stadt Parolen geschmiert, vor Jahren gab es den Sprayer von linksautonmen, auf dem ein Revolver an den Kopf (eines politischen Gegners) gehalten wird. Es werden Denkmäler geschändet. Und niemand hier sagt dazu etwas – aber es wird über Dr. Scharff geurteilt, der diese Schändung auf seinem Weg durch die Stadt nicht kommentarlos hinnehmen konnte.

    Ich möchte mich nicht weiter dazu äußern, oft genug bereits habe ich veröffentlicht, was ich von verlogener Doppelmoral halte.

    Herrn Dr. Scharff bin ich dankbar, dass er klare Worte findet!
    Er hat klar gesagt, dass tausend Täter freiwillig 1944 Verbrechen begangen. Das legitimiert Wohlstandskinder 2017/18 in Lüneburg noch lange nicht, Denkmäler zu schänden. Und jeder der das hier unerwähnt läßt, sollte besser seine eigene Moral im Spiegel überprüfen.

    Ich verzichte gerne auf Volkslehrer und die Antifa-Hassaufkleber – in beiden Fällen frage ich mich, wer das mitfinanziert – ich möchte nicht auf Lokalpolitiker wie Dr. Scharff verzichten.

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    • Orkan Bilek schreibt:

      Herr Recha,

      Sie haben recht: Wir hören, „was Herr Dr. Scharff [sic] sagt, ohne dass die Zensurschere im Kopf wirkt.“ Und genau DAS ist ja gerade die Katastrophe. Denn DABEI entlarvt er sich als genau das, was er voller Verachtung „den Linken“, einer pauschal denunzierten Phantasiegröße, vorwirft, nämlich als Geschichtsklitterer allerschlichtester Art. Herr Dr. Scharf weist NICHT auf Fakten und Ereignisse hin und kritisiert deren einseitig [sic] Darstellung“, sondern er stellt selbstfabrizierte, stark durch sein „privates“ Geschichtsbild geprägte oder verzerrte Behauptungen auf und BEHAUPTET einfach, dass diese, die er für „Wahrheiten“ hält, von (seiner Meinung nach) uninformierten „Linken“ torpediert oder abgelehnt würden.

      Und Sie, Herr Recha, gleichen dem armen Bürgermeister, indem Sie, wie dieser, einfach Ihrer fixen Idee Raum geben und OHNE JEDEN GREIFBAREN ANHALT BEHAUPTEN, die Bürger, welche sich hier mit kritischen Anmerkungen zu Wort melden, seien alles „linksautonom, linksextrem, links denkende Bürger“. Wie hirnverbrannt muss einer sein, um so einen offensichtlichen luftfechterischen Unfug vor aller Welt zu äußern? Bewerben Sie sich um das große Hanse-Diplom für die nichtssagendste Verallgemeinerung der Woche?

      Die völlig inakzeptable Tatsache, dass der Denkstein beschmiert wurde, steht hier gar nicht zur Debatte Herr Recha. NIEMAND hat in irgendeinem der vielen hundert LZ-Kommentare hier oder in einer anderen Spalte der Landeszeitung behauptet, er fände die Schändung gut oder auch nur hinnehmbar. SIE, Herr Recha, behaupten einfach irgendeinen Blödsinn und laufen dann gegen den VON IHNEN frei erfundenen Popanz sturm. Wie verrückt ist das denn? Merken Sie sowas nicht?

      Auch ist Ihre Behauptung GELOGEN, Herr Recha, dass niemand das Beschmieren des Denksteins für inakzeptabel hält. Herr Biermann hat Ihnen oben geschrieben: „Wenn sich herausstellen sollte, WER das Kriegerdenkmal geschändet hat, nehmen wir mal an – rein hypothetisch – , der Sexualwissenschaftler Runkel wäre beim Beschmieren in flagranti von der Polizei aufggegriffen oder von Herrn Nikolai Nerling dabei gefilmt und anschließend bei Youtube geoutet worden, dann würde ich nicht anstehen zu sagen, dieser Mann ist als öffentliche Person erledigt und als Amts- oder Mandatsträger nicht mehr akzeptabel. Ein sofortiger Rückzug aus dem politischen Leben wäre meiner Meinung nach dann die zwingende Folge.“ Sie sehen, Herr Recha, Sie werden immer erneut ein Opfer IHRES Pauschalisierungswahns. Denn Herr Biermann ist ja nicht niemand.

      Das gilt auch für Ihre nächste verlogene Behauptung, „Wohlstandskinder 2017/18“ hätten das Denkmal geschändet. WOHER wissen Sie das? Vielleicht war es ja Nikolai Nerling, der einen Anlass für seine nächste Hasspredigt bei Youtube brauchte und diesen Anlass mit der eigenhändig aufgebrachten Schmiererei ein paar Stunden vor Aufnahmebeginn kurzerhand geschaffen hat? Oder Sie waren es selbst, Herr Recha? Um sich hier als einer aufspielen zu können, der anderen raten darf, sie möchten ihre „Moral im Spiegel überprüfen“? (Wie geht das?) Wie können wir ausschließen, das es genau so war, Herr Recha? Und wenn Sie das abstritten? Können wir soviel auf diese eine Behauptung von Ihnen geben, es sei nicht so, wenn so viele andere Ihrer Thesen und Aussagen sich als hirnrissiges Quatschgebrabbel erwiesen haben?

      Ich bitte um detaillierte Erläuterungen, Herr Recha.

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    • Patrick Hansen schreibt:

      Hallo Herr Recha,

      aufgepasst, lieber Politaktivist:

      Woher wissen Sie, dass der rechtsradikale Hassprediger Nerling NICHT „voranstellte, wer er ist und was er vorhatte, bevor er aufnahm, um später zu veröffentlichen“? Das Video ist zusammengeschnitten. Woher wissen Sie, was herausgenommen wurde?

      Herr Dr. Scharf hat gegen Ende des Gesprächs mehrfach und mit großer Emphase bekräftigt, er stehe zum Gesagten und Nerling könne es so „verwerten“!

      Woher wissen Sie, dass die Bürger, die fassungslos sind und den Bürgermeister hier oder an anderer Stelle kritisieren, alles „linke, linksextreme Politaktivisten“ und „linksautonome, linksextreme, links denkende Bürger“ sind? Sind sie nicht ein genauso undifferenziert in die Richtung eines frei erdichteten Kollektivs hetzender Pauschalisierer wie Herr Dr. Scharf?

      Wenn Herr Dr. Scharf im Nerling-Video sagte, was er wirklich denkt, „ohne dass die Zensurschere im Kopf wirkte“, WARUM IN ALLER WELT STEHT ER DANN NICHT wie ein echt Deutsch empfindender Ehrenmann zu seinen Worten und zu seiner darin zum Ausdruck gebrachten Herzensgesinnung? Warum leugnet er jetzt, was er sich dort von der Seele seiner innersten Überzeugungen geredet hat?

      Wollen Sie einen Bürgermeister, der sich nicht charakterfest und ohne Verstellung zum Glaubenskern seines viele Jahrzehnte gereiften Weltbildes bekennen kann?

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  26. Carsten Dittmers schreibt:

    Hallo Herr Jenckel,

    haben Sie Herrn Dr. Scharf schon – um diesen Verdacht auszuräumen – gefragt, ob Nikolai Nerling gegen Ende der 90er Jahre am Gymnasium Oedeme die Schulbank gedrückt und eventuell sogar in einem von seinen Klassen oder Geschichtskursen gesessen hat?

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    • jj schreibt:

      Der Blogger ist sogar mit einem Kollegen, wie ich erfahren habe, in die Schule gegangen. Scharf allerdings konnte sich, so seine Aussage, nicht an den Mann als Schüler erinnern. Bei der Zeitspanne, die das zurückliegt, und bei der Menge an Schülern, die Oedeme durchlaufen, glaube ich ihm das. lg

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      • Carsten Dittmers schreibt:

        Ein sehr, sehr merkwürdiger Zufall bleibt das aber doch.

        Auch ich überrede mich jetzt, Herrn Scharf in diesem Punkt zu glauben. Sollte sich allerdings in den nächsten Tagen herausstellen, dass das Zusammentreffen verabredet war, wird sich wohl die Erde unter unseren Füßen auftun.

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      • jj schreibt:

        Da allerdings gebe ich Ihnen auch recht

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      • Karsten Hilsen schreibt:

        Vorab: Die Stellungnahme der Stadt Lüneburg, ist auch in meinen Augen völlig unzureichend.
        Worin der Stadt Lüneburg, also wohl dem OBM absolut recht zu geben ist, ist die sehr zielbewusste suggestive Gesprächsführung des Herrn Nerling.
        Diese ergibt sich auch aus der sehr dankenswerten, und sorgfältig gefertigten Transkription von Peter Raykowski.
        Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass das Video in dem Abschnitt am Gedenkstein keineswegs dokumentarisch ist.
        Ich habe in diesem Abschnitt bei genauer Betrachtung nicht weniger als Fünf! Schnitte in dem Video entdeckt.
        Bei min:
        -8:20; -8:46; -9:05; 11:13; sowie 12:43
        Diese sind so geschickt gemacht, dass sie für den unvoreingenommenen Betrachter kaum zu bemerken sind. Also ziemlich sicher, und wie alle seine Videos, in manipulativer Absicht.
        Da wir als Betrachter nicht wissen, wie lang die weggeschnittenen Video-Teile sind und welche Aussagen, Bemerkungen, Fragen etc. von Dr Scharf oder dem Filmer N.Nerling herausgeschnitten sind, bleibt eine endgültige und objektive Beurteilung leider lückenhaft.
        Ein solcher lückenhafter Zusammenschnitt kann dem Zuschauer doch einen deutlich anderen Eindruck erwecken, als es vom Redner seinem Gesprächspartner gegenüber intendiert war.
        Wir wissen z.b. nicht welcher Gesprächsinhalt der, auch von Ulf Wuggenig erwähnten Aussage nach 9:05 des Videos direkt vorausging. Oder der Aussage von Dr Scharf, dass Nerling seine Aussagen nutzen könne. (Auch davor ist ein Schnitt im Video)

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      • Klaus Bruns schreibt:

        ob der blogger sich an den geschichtsunterricht seines lehrers erinnern konnte? wie oft passieren in der politik zufälle? noch funktioniert meine nase herr jenckel. ich glaube hier nicht an zufall, habe dieses schon einmal betont.

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      • am schreibt:

        Der Blogger ist, wie das LZ-Archiv ausweist, bis zur 10. Klasse zur Realschule Oedeme gegangen (nicht aufs Gymnasium Oedeme!) und hat 2000 sein Abitur am Fachgymnasium, BBS 3, gemacht. Also war Scharf nicht sein Schulleiter.

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      • jj schreibt:

        Danke für die Recherche, vielleicht noch mal Herrn Bruns schicken….. Lg

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    • Friederike Danckwardt schreibt:

      Sehr geehrter Herr Jenckel,

      ich möchte die Frage von Herrn Dittmers ergänzen und zuspitzen:

      Der rechtsextremistische Hassprediger und Verschwörungsspinner Nikolai Nerling ist mindestens bis 1996 in Oedeme zur Schule gegangen. Zu der Zeit war Herr Dr. Scharf dort einer der bekanntesten Lehrer und zugleich Rektor des Gymnasiums. JEDER Schüler über zwölf Jahren kannte diesen wichtigen Mann. Auch Nerling muss Herrn Dr. Scharf wenigstens vom Sehen sehr gut gekannt haben. Ich selbst war um die Zeit in der Oberstufe an der Herderschule. JEDER meiner Mitschüler*innen kannte Herrn Dr. Scharf, obwohl der in Oedeme residierte.

      Wieso begrüßt Nerling Herrn Dr. Scharf nicht? „Hallo, das ist ja eine Freude! Sie erinnern sich doch … usw. blablabla. Das wäre das normalste Verhalten der Welt.

      Warum tut Nerling auf dem Video so, als habe er Herrn Scharf noch niemals gesehen? Als kennte er ihn nicht? – Als wüsste er nicht ganz genau, um wen es sich handelt?

      Sehr, sehr merkwürdig!

      Ein Schauspiel! Aber ach! ein Schauspiel nur?

      Was meinen Sie?

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      • jj schreibt:

        Scharf hat sich ohne Zweifel selber in diese Lage gebracht. Vermutlich hielt er die virtuelle Welt auch tatsächlich nicht für existent und hat sich verstiegen. Selber Schuld, eines Bürgermeisters nicht würdig. Er weiß es jetzt besser. Schmerzhaft.

        Wenn Sie hier mitlesen, wissen Sie aber, dass die beiden sich nicht gekannt haben, dass Scharf auch nie sein Lehrer war.

        Was mir dazu einfällt, habe ich gesagt, auch ihre Fragen beantwortet.

        Aber es gibt genug Interessenten für einen Schauprozess, und diese moralisch unangreifbaren Richter haben ihr Urteil gefällt. Kein Pardon.

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      • Friedel Danckwardt schreibt:

        Ich habe mich nur gewundert, dass Nerling den Rektor nicht, NICHT, dass der Rektor den Nerling nicht gekannt haben will.

        Ich habe hier mitgelesen, aber einen überzeugenden, „Wissen“ begründenden Beweis sehe ich weder für die eine noch die andere These.

        Ihren kaum kaschierten Vorwurf, wer kritische Fragen in Bezug auf flagrante Ungereimtheiten stelle, sei auf einen „Schauprozess“ aus, halte ich für reichlich überzogen. Das ist schlechter Stil in einem Diskussionsforum.

        Für richtig und couragiert halte ich dagegen Ihre Aussage: „Scharf hat sich ohne Zweifel selber in diese Lage gebracht.“

        Das hat er. Und zwar, wie man dem Wortprotokoll und dem Video entnimmt oder besser: entnehmen muss, im vollen, wachen Bewusstsein dessen, was er tat.

        Darum sollte er Verantwortung übernehmen und zurücktreten und nicht durch eitle Uneinsichtigkeit die Stadtgesellschaft spalten und den angerichteten Schaden vervielfachen und zu einem Dauerproblem machen.

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  27. Kai Biermann schreibt:

    Sehr geehrter Ratsherr Pauly,

    in der Landeszeitung vom Freitag steht, Sie hielten den Rücktritt Scharfs „persönlich nicht zwingend für erforderlich“ (https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/1388521-1388521).

    Ich (wie übrigens ausnahmslos alle meine Kollegen und Bekannten, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe) halte (bzw. halten) Herrn Scharfs sofortigen Rücktritt vom Amt des Bürgermeisters und sein Ausscheiden aus dem Rat sowie die Niederlegung aller in diesem erlangten Mandate für unabdingbar. Ich glaube nicht nur, dass Herr Scharf als öffentliche Person „untragbar“, sondern als öffentlicher Redner und Repräsentant erledigt ist. Die Groteske wäre ja gar nicht auszudenken, wenn dieser Mann noch einmal einen Termin wie den am Freitag (11. August 2017) im Rathaus wahrnehmen würde.

    Ich möchte Sie bitten, Ihr Votum zu begründen.

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    • Michael Recha schreibt:

      „untragbar“
      erledigt

      Deutsche Täter.
      Oft gründlich und gerne extrem konsequent. Auch bei der Wortwahl.

      Sehr geehrter Herr Biermann,
      was sagt der VVN zum Sprayen auf Denkmäler? Was denken Sie darüber?
      Ist jemand, der dies tut oder nicht verurteilt, untragbar und öffentlich erledigt?

      Für manchen sind die Erinnerung an Kriegsverbrechen und Kriege ein Grund, diese Kriege nicht weiter fortzuführen. Es nicht mehr zu WOLLEN. In Wort und Tat. Alles Andere dient nur den eigenen Interessen, und seien diese, das eigene Weltbild zu erhalten.

      MIt freundlichen Grüßen
      Michael Recha

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      • Kai Biermann schreibt:

        Hallo Herr Recha,

        wenn sich herausstellen sollte, WER das Kriegerdenkmal geschändet hat, nehmen wir mal an – rein hypothetisch – , der Sexualwissenschaftler Runkel wäre beim Beschmieren in flagranti von der Polizei aufggegriffen oder von Herrn Nikolai Nerling dabei gefilmt und anschließend bei Youtube geoutet worden, dann würde ich nicht anstehen zu sagen, dieser Mann ist als öffentliche Person erledigt und als Amts- oder Mandatsträger nicht mehr akzeptabel. Ein sofortiger Rückzug aus dem politischen Leben wäre meiner Meinung nach dann die zwingende Folge.

        Im zweiten Punkt gebe ich Ihnen vollumfänglich Recht: Die „Erinnerung an Kriegsverbrechen und Kriege“ ist für eine Zivilgesellschaft essentiell. „Alles Andere [wozu insbesondere der gefilmte Altherren-Kotau vor Mördern und Kriegsverbrechern in Uniform gehört, wie im hier relevanten Fall (Lesen Sie das Wuggenig-PDF oben)] dient nur den eigenen Interessen, und seien diese, das eigene Weltbild zu erhalten.“

        Mit ebenso freundlichen Grüßen zurück

        Kai Biermann

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      • Michael Recha schreibt:

        Sehr geehrter Herr Biermann,
        und das klingt doch schon etwas anders.

        Ob es rechtsaußen oder linksaußen ist, die sprayen, spielt keine Rolle. Bei diesem Denkmal war es anonym, und wer die Antifa-Aufkleber in ganz Lüneburg ansieht, die besonders intensiv vertreten ist im Stadtviertel rund um dieses Denkmal, wird selbst darauf kommen, dass es wenig Grund für Rechte gibt, linke Parolen auf ein Denkmal für Soldaten des Zweiten Weltkriegs zu sprühen. Dort erledigen die das ja nachweislich aller Orten schon selbst.

        Es geht eben zum Einen darum, ob man das stillschweigend akzeptiert, oder nicht.
        In Lüneburg wird es akzeptiert, sogar von Hochschullehrern, die dazu kein Wort verlieren, sondern lediglich gegen Dr. Scharf Strafanzeigen mit seitenlangen Erläuterungen zur Erinnerungskultur unterstützen.

        Ihr Verweis auf diese pdf ersetzt es nicht, zunächst einmal im Original vor allem zu hören, was in dem aufgenommenen Gespräch tatsächlich gesagt wurde. Und das habe ich mir angehört. Und es ist einfach unfair, da falsch wiedergegeben, wenn Sie nun von einem „Kotau vor Mördern und Kriegsverbrechern in Uniform“ schreiben. Herr Dr. Scharf hat eindeutig formuliert, dass tausend Freiwillige Verbrechen begangen. Ist das ein Kotau?

        Es tut mir leid, aber wenn ein Hochschullehrer nun meint, er könnte per Strafanzeige die Meinungsfreiheit bestimmen lassen, was uns Bürgern erlaubt sei in der Beurteilung von heute von linksextremen Denkmalschändern vorgenommenen Hassparolen äußern zu dürfen, dann ist das das Durchsetzen von politischer Meinung mithilfe der Staatsgewalt.

        Das hatten wir in Deutschland bereits zwei Mal, dass Gerichte politische Meinungen zu verurteilen hatten. Ich wehre mich dagegen, dass jetzt wieder parteipolitische Meinungen eine „Erinnerungskultur“ vorgeben, die jegliche Diskussion von geschichtlichen Ereignissen verbietet, wenn sie nicht der eigenen, wissenschaftlich erarbeiteten Hochschullehrermeinung entsprechen.

        Rodin wurde von den Kunsthochschullehrern dreimal nicht an der Hochschule angenommen. So kann man unterschiedlicher Meinungen sein…

        Wir müssen in der Lage sein, dass wir die Vielschichtigkeit von Kriegsereignissen auch als solche akzeptieren.

        Wer jemals auf einem Kriegsgräberfriedhof stand, mit tausenden von Gräbern, der solle mir heute sagen, wer von diesen tausenden meist jungen Männern schuldig war. Er kann mir dann gerne sagen: das dort waren die schuldigen, und daneben dort waren die unschuldigen Männer.

        Das ist keine Erinnerungskultur, die die unterschiedlichen Erfahrungen der betroffenen Menschen würdigt. Denn das ist bereits die Machtpolitik der Nachkommen. Und moralisch ist eine solch oberflächliche und eindimensionale Geschichtsbetrachtung selbst zu verurteilen, weil sie selbst politisch agitieren möchte, was Wissenschaft nicht tun sollte.

        Ein Dekan schreibt auf Universitätspapier – dann aber zivilgesellschaftlich in eigener Sache. Das ist ungefähr so, wie wenn ein ehrenamtlicher Bürgermeister seine eigene Meinung öffentlich kundtut.

        Licet Jovis, non licet bovis.

        Wir kennen all dies längst. Es bringt kein bißchen mehr an Frieden oder Versöhnung. Aber darum geht es bei Schuldfragen ja auch nie. Wie man an den Äußerungen hier im Blog / Forum ja auch sieht. Schaum vorm Mund – Deutsche Täter.

        Denken Sie darüber nach.
        Beste Grüße
        Michael Recha

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    • Gerhard Fließ schreibt:

      Herr Recha,

      Ulf Wuggenig hat seine Urteile faktengesättigt, umsichtig und eher konservativ als zu weit ausgreifend vorgetragen. Er hat seine Prämissen genannt, seine Datenbasis offengelegt und seine – vorsichtigen – Schlussfolgerungen detailliert begründet.

      Sie, Herr Recha, haben dem weiter nichts entgegen zu setzen als viel Aplomb, frei aus der Luft gegriffene Behauptungen, windige Gemeinplätze und einen muffigen Haufen schlecht riechender Vorurteile, die mit Ihrem Bauchgefühl korrespondieren, welches für Sie das Medium zu sein scheint, um mit der angeblich unverbildeten Seele des Volkes in Kontakt zu gelangen.

      Wenn Sie die Ausführungen von Herrn Wuggenig widerlegen, einschränken oder korrigieren möchten, Herr Recha, dann genügt es leider nicht Räuberpistolen zu erzählen, etwa darüber, wie übel dem jungen Rodin mitgespielt wurde, sondern dann werden Sie sich Satz für Satz der Expertise vornehmen und deren Beweisgründe und Argumente ebenso sorgfältig und für andere nachvollziehbar entkräften müssen.

      Andernfalls keimt der Verdacht, Herr Recha, es gehe Ihnen gar nicht um Wahrheit oder Unwahrheit, sondern bloß um Lautstärke, Propaganda und Rechthaberei. Und das wäre doch schade.

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  28. Fabi schreibt:

    Lieber Herr Jenckel,

    dokumentieren Sie hier auch die heutigen Stellungnahmen von Herrn Dr. Scharf und OB Mädge? Interessant wäre außerdem ein Reigen von O-Tönen der Lüneburger Parteiprominenz aus Rat und Kreistag zum Fall (im mehrfachen Sinne des Wortes).

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    • jj schreibt:

      Die Stellungnahme der Stadt liefere ich gerne, die „Prominenten“ müssen sich schon selber bemühen. LG

      Hier die Antwort
      „Die Hansestadt Lüneburg hat nach Bekanntwerden des fraglichen Videos mit Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf darüber gesprochen, dass dieses schon als sehr unglücklich aufgefasst werden kann. Dieses liegt weniger an den einzelnen Äußerungen von Dr. Scharf als an der sehr geschickten und vereinnahmenden Art und Weise, mit denen der Blogger die Worte von Dr. Scharf deutet und bewertet. Herr Dr. Scharf hat der Hansestadt gegenüber deutlich gemacht, dass er bei dem zufälligen Zusammentreffen arglos und ohne böse Hintergedanken als Privatmann drauflos gesprochen hat und weder wusste, mit wem er es zu tun hat noch, dass sein Gegenüber praktisch den ganzen Gesprächswechsel im O-Ton aufgezeichnet hat. Wäre dieses der Fall gewesen, so wären bei Dr. Scharf sicherlich die Antennen für die permanente Vereinnahmung und Wertung seiner Worte geschärft gewesen. Dieses zunächst einordnend zur Entstehung dieses Videos.

      Zu der jetzt inhaltlich geäußerten Kritik bleibt die gemeinsam von der Hansestadt und auch Dr. Gerhard Scharf vertretene Linie festzuhalten. So hat sich der Verwaltungsausschuss, dem Mitglieder aller Parteien des Rates angehören, zuletzt am 17. Oktober 2017 mit einer Petition zu dem Denkmal auseinandergesetzt und ohne Gegenstimmen einen Beschluss gefasst. Beschlossen wurde, dass die Verwaltung mit der Manzke-Friedensstiftung über eine textliche Präzisierung und damit Verbesserung des aufgestellten Schildes am Wall-Aufgang spricht. Darüber hinaus möchte die Hansestadt die Anregung aufgreifen und die Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten bei diesen Fragen mit hinzuziehen, so wie wir es bei anderen Denkmälern auch bereits getan haben. Dieses wird jetzt im neuen Jahr abgearbeitet.

      Die Hansestadt hat es als Ehre empfunden, im vergangenen Jahr die Zeitzeugen der unfassbaren Gräueltaten in weißrussischen Ozarichi zu empfangen (11. August 2017). Dieses hat Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf als offizieller Vertreter mehrfach deutlich gemacht, ebenso dass die Stadt hier eine besondere Verantwortung trägt. Der Empfang galt sechs älteren Damen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges in Weißrussland Gefangenschaft, Gewalt und Massensterben im deutschen Konzentrationslager Ozarichi als Waisenkinder überlebt haben. Die Hansestadt dankt in diesem Zuge auch noch einmal den Begleitpersonen, die es erst möglich gemacht haben, die Überlebenden zu empfangen.

      Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagte: „Ganz unabhängig davon gibt es natürlich Debatten darüber an welcher Stelle und in welcher Form Erinnerungskultur stattfinden soll und es ist auch gut so, wenn wir uns darüber auseinandersetzen. Herr Dr. Scharf ist bekannt dafür, dass er ein offenes Wort schätzt und sich lange und mit sehr persönlichem Blick mit dem Thema Krieg, Flucht und Vertreibung beschäftigt hat. Ich fände es unfair unglückliche Äußerungen gegen ihn zu verwenden. Dr. Scharf ist ein Bürgermeister, der die Hansestadt bei offiziellen Anlässen immer gut, engagiert und sehr redlich vertritt. Als diesen schätze ich ihn.““

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  29. Peter Raykowski schreibt:

    Sehr geehrter Herr Jenckel,
    als VVN-ler und engagierter „Begleiter“ der Besucherinnen aus Weißrussland im vergangenen August machen mich die Äußerungen von Bürgermeister Dr. Scharf fassungslos! Bar jeden Unrechtsbewusstseins übergeht er die traurige Tatsache, dass es mehr als 70 Jahre dauerte, bis Lüneburg die (auch von seiner 110. ID errichteten) Todeslager bei Osaritschi wieder „entdeckte“ – nachdem dieses Kriegsverbrechen in der „Lüneburger Post“ bereits am 23. 10. 1945 bei Veröffentlichung der Nürnberger Anklageschrift beschrieben worden war. Über 70 Jahre dauerte es auch, bis den Opfern in unserer Stadt endlich Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Entsprechend nachlässig erklärt Dr. Scharf die Lüneburger Linie der Erinnerungskultur damit, die existierenden Denkmäler zu erhalten – wobei er den Kritikern wahrheitswidrig unterstellt, sie wollten diese zerstören – und: „Wo wir neue Erfahrungen haben, wie hier, stellen wir Zusatzschilder auf mit Zusatzinformationen.“ So einfach geht das!
    Der Bürgermeister vergisst hier, dass ihm die „neuen Erfahrungen“ beim 110er Denkmal allein durch Recherchen der VVN Lüneburg vermittelt wurden, die Dr. Scharf gemeinsam mit Blogger Nerling neben anderen als dumm („Die wollens nicht kapieren… Wollten sie nicht hören – passte nicht in ihr Weltbild“) diskreditiert. Der VVN war 2014 das Negieren des Vernichtungskrieges auf der wehrmachtsaffinenTafel des „Friedenspfades“ aufgefallen; was Dr. Scharf heute aber keineswegs davon abhält, ihr wie anderen „Linken“ Geschichtsverdrehung vorzuwerfen („das ist eine unglaubliche Geschichtsklitterung“).
    Kulturausschuss und Stadtrat haben sich 2013/14 leider dagegen ausgesprochen, wissenschaftlichen Sachverstand bei der Kommentierung der Denkmäler hinzuzuziehen; das „Expertentum“ der Manzke-Friedensstiftung galt als hinreichend qualifiziert – und war zudem kostenlos zu haben! Das rächt sich heute. Meines Erachtens ist es höchste Zeit für eine erinnerungspolitische Kehrtwende in Lüneburg – sonst nimmt das Kopfschütteln über Lüneburg kein Ende! Nehmen wir endlich die Erfahrungen anderer Orte zur Kenntnis (z.B. http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/stelen/infanteriedivision) und beziehen wir militärhistorischen und kulturwissenschaftlichen Sachverstand ein.

    Zu Ihrer Kennnis und der Ihrer Leser_innen füge ich ein wörtliches Transkript des Gespräches zwischen Bürgermeister Scharf und Nikolai N. an.
    Peter Raykowski, Lüneburg

    Transkript des Videos

    „Auf der Pirsch in Lüneburg – ein-Bürgermeister spricht Klartext“

    eingestellt von N. Nerling auf dessen YouTube Blog „Der Volkslehrer“ vom 02.01.2018

    Link: https://www.youtube.com/watch?v=VrdSJHZBVuA

    Vorbemerkung:
    Anfang Januar 2018 hielt sich der Blogger N. Nerling aus Berlin in seiner Heimatstadt Lüneburg auf. Nerling wurde gerade von der Bildungsverwaltung in Berlin u.a. wegen seiner rechtsradikalen „Hassvideos“ vom Schuldienst suspendiert.
    In Lüneburg produzierte er am 2. 1. 18 ein Video, das er anschließend in seinem Blog „Der Volkslehrer“ bei YouTube veröffentlichte (Titel: s.o.).

    Zu Beginn zeigt Nerling dort seine Einfahrt mit dem Auto nach Lüneburg, wo er am Ortsschild stoppt, mehrere „linke“ Aufkleber filmt, die er brandmarkt und abkratzt. Dann filmt er die Ritterakademie und kommentiert den dort verhandelten Auschwitz-Prozess gegen Oskar Gröhning vom Sommer 2015 als „Schauprozess“. Anschließend geht er mit seiner Kamera zum benachbarten Gedenkstein der 110. Infanterie-Division der Wehrmacht bei der Straße „Am Springintgut“.
    Dort begegnet ihm Lüneburgs Bürgermeister Dr. Scharf.

    Anmerkung zum Transkript:
    Nerlings Film dauert insgesamt 15:22 Minuten. Transkribiert davon habe ich dessen zentralen Teil, in dem der stellvertretende Lüneburger Bürgermeister Dr. Scharf zu Wort kommt. Zum besseren Verständnis ist eine kurze Einleitung des Bloggers am Denkmal ebenfalls transkribiert .
    Nerlings Einleitung beim 110er Denkmal beginnt bei 4:28, Dr. Scharfs erste Äußerung bei 5:55.
    Das Gespräch zwischen Nerling und Dr. Scharf dauert dann bis 13:48.

    [4:05…]

    [Kamera zeigt das 110er Denkmal am Springintgut in Lüneburg, Blogger Nerling spricht aus dem Off]

    [4:28]
    Nerling: Der Stein steht hier, um an die 110. Inf. Div. zu erinnern, die – äh – 1944 glaub ich oder vorher im Kessel von Minsk fast vollständig vernichtet wurde. Es waren 15.000 Mann, ungefähr 15.000 deutsche Männer, die jetzt so alt wären wie Herr Gröning, die jetzt aber alle tot sind. Hier wird an sie erinnert und Ihr seht, wie hier dieser Gedenkstein geschändet wurde.
    „Deutsche Täter“ wurde darüber geschrieben.
    [Kamera fokussiert auf den Schriftzug „Osaritschi“ auf dem Stein]
    Hier wird an Ozarichi erinnert.
    Ozarichi ist ein Ort, wo es ein Lager gab. Und tja – wie soll ich sagen:
    Laut offizieller Propaganda –äh- wurden dort mehrere tausend Häftlinge –äh- aufs Brutalste – ja – verrecken gelassen.
    So wird hier mit dem Gedenken an deutsche Opfer umgegangen, in Lüneburg, in der Friedensstadt Lüneburg, ja, die ihr Leben gelassen haben, im Kampf. Natürlich, wenn man an die offizielle Geschichte glaubt, ja – die Deutschen tragen die Alleinschuld, dann sind deutsche Opfer natürlich weniger wert.
    Wenn man aber ein bisschen über den Tellerrand blickt und vielleicht berücksichtigt, dass auch andere den Krieg wollten und provoziert haben, dann ist es ein Skandal, was hier passiert.
    Und ich sehe, nicht nur ich bin interessiert, hier ist noch einer interessiert.
    Darf ich Sie filmen?

    [5:55]
    Dr. Scharf: Nee.

    Nerling: Nee. Was – was interessiert Sie denn hier?

    Dr. Scharf: Ich will nur das Denkmal hier fotografieren.

    Nerling: Und darf ich Sie fragen, was Sie darüber denken, wenn Sie das sehen?

    Dr. Scharf: Ach, wissen Sie, das ist eine lange Geschichte!

    Nerling: Was meinen Sie?

    Dr. Scharf: Ich sage, das ist eine lange Geschichte. Die zu erzählen würde jetzt die Zeit nicht ausreichen.

    Nerling: Aber, aber … also, dass da jetzt „Deutsche Täter“ rüber geschmiert wurde:
    Verletzt Sie das oder finden Sie das eher gut?

    Dr. Scharf: Nee, ich find das überhaupt nicht gut!

    Nerling: Finden Sie gar nicht gut?!

    Dr. Scharf: Nee.

    Nerling: Nee – ich auch nicht!

    Dr. Scharf: Nee, find ich überhaupt nicht gut.

    Nerling: Und haben Sie von Ozarichi schon mal gehört?

    Dr. Scharf: Ja, selbstverständlich!

    Nerling: Ja?

    Dr. Scharf: Ich hab‘ die Überlebenden sogar im Rathaus empfangen.

    Nerling: Sie haben sie empfangen?

    Dr. Scharf: Ja, natürlich

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Die Überlebenden haben da eigentlich überhaupt keine Probleme geäußert, sondern es waren die Begleitpersonen, die da so’n Riesentheater drum machen.
    Die Stadt hat ja folgendes gemacht: Wir haben ja dieses Zusatzschild da aufgestellt.

    Nerling: Da vorne?

    Dr. Scharf: Ja.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Wo einmal was da … von denen sind ja fast alle umgekommen, da…

    Nerling: Genau.

    Dr. Scharf: Ja.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Das ist das eine, dafür steht dieses Denkmal, und was wir nach und nach erfahren haben, das ist da vorne in der Zusatztafel auch aufgeschrieben.

    Nerling: Genau.

    Dr. Scharf: Und das mein ‘ ich reicht!

    Nerling: Das reicht. Und die Olnitzer (?) was wollen die? Wollen die das Mahnmal hier ..schleifen?

    Dr. Scharf: …am liebsten wegnehmen.

    Nerling: Wegnehmen, wollen Sie, ja?

    Dr. Scharf: Ja, so habe ich das verstanden.

    Nerling: Und die Überlebenden von Ozarichi, die hier waren? Was sagten die dazu?

    Dr. Scharf: Die haben eigentlich gar nichts dazu gesagt. Sondern – ich habe die empfangen. Ich bin stellvertretender Bürgermeister hier, ich hab‘ die empfangen und die waren eigentlich ganz gerührt, dass wir diesen Empfang gemacht haben.
    Ich bin ja auch Zeitzeuge. Mir gehts nicht um die ganzen Schandtaten, die da geschehen sind, sondern um Zeichen der Versöhnung.

    Nerling: Ja

    Dr. Scharf: Das ist für mich viel wichtiger.

    Nerling: Eben!

    Dr. Scharf: Das haben die kapiert!

    Nerling: Die haben das kapiert.

    Dr. Scharf: Die Frauen, die Frauen!

    Nerling: Aber die Begleiter, also die Linken hier aus Lüneburg?!

    Dr. Scharf: Natürlich nicht!

    Nerling: Die habens nicht kapiert?!

    Dr. Scharf: Natürlich nicht!

    Nerling: Nicht.

    Dr. Scharf: Wollten sie auch nicht mal kapieren!

    Nerling: Nein, das wollen die nicht kapieren, nee?!

    Dr. Scharf: Nein, natürlich nicht! Für die sind alle deutschen Soldaten Faschisten und Verbrecher.

    Nerling: Richtig!

    Dr. Scharf: Und die überlebenden Frauen, die Sprecherin sagte wörtlich zu mir im Rathaus: „Wir wissen, dass nicht alle deutschen Soldaten Faschisten und Verbrecher waren.“

    Nerling: Hat sie gesagt?

    Dr. Scharf: Wörtlich!

    Nerling: Aber das haben die Linken wahrscheinlich wohl nicht groß … äh ..verbreitet?

    Dr. Scharf: Nee, natürlich nicht. Das wollten sie auch nicht hören.

    Nerling: Nee, sicher nicht!

    Dr. Scharf: Ach,..

    Nerling: Ja ?!

    Dr. Scharf: Dies ist von den Begleitpersonen her hochstilisiert worden zum Skandal…

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Nicht von den überlebenden Betroffenen, die hier im Rathaus waren.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Wirklich wahr! Denen habe ich wörtlich gesagt, mir geht es nicht um Aufrechnung…

    Nerling: Genau.

    Dr. Scharf: …dieser ganzen Schandtaten.

    Nerling: Genau.

    Dr. Scharf: Das ist nicht der Punkt, sondern um Zeichen der Versöhnung. Die hab ich erlebt, als Schlesien mit russischen und polnischen Besatzungsleuten …

    Nerling (unterbricht): Haben Sie eine Rede gehalten?

    Dr. Scharf: Ja klar! Aber die fanden das aber toll!

    Nerling: Ja, das glaub ich!

    Dr. Scharf: Nicht die Begleiter!

    Nerling: Weil, das war was Versöhnendes, ne? Wir haben alle die Erfahrung gemacht, ne …

    Dr. Scharf: Genauso!

    Nerling: Aber so denken Linke nicht!

    Dr. Scharf: Natürlich nicht, wollen sie auch nicht.

    Nerling: Nein!

    Dr. Scharf: Genau, das ist der Hintergrund, junger Mann!

    Nerling: Ja, ich habs verstanden! Viele nicht! Dann danke ich Ihnen für diese Worte!
    Das war großartig!

    Dr. Scharf: Merk ich. Wissen Sie: Noch etwas: Wir haben hier in Lüneburg ne klare Linie. Wir haben eine ganze Reihe von Denkmälern, auch Straßen.
    Und immer wieder gibts die Diskussion: Abbau der Denkmäler, Abbau da der Straßenschilder, Umbenennung. Ich sag, das ist keine Geschichtsbewältigung, das ist Dummheit!

    Nerling: Richtig!

    Dr. Scharf: Die müssen stehen bleiben, damit man sich auseinandersetzen kann.

    Nerling: Natürlich, natürlich!

    Dr. Scharf: Und dann haben wir die Linie hier: Wo wir neue Erfahrungen haben, wie hier, stellen wir Zusatzschilder auf mit den Zusatzinformationen.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: So, das hab‘ ich den Begleitern auch gesagt. Ich sag, bei der Linie bleiben wir!

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Wollten sie auch nicht hören.

    Nerling: Wollten die nicht, ne?

    Dr. Scharf: Natürlich nicht!

    Nerling: Die..

    Dr. Scharf: Das ist unglaublich!

    Nerling: Die pachten sozusagen die Geschichtsdeutung, ja, und…

    Dr. Scharf: Ja richtig! Richtig!

    Nerling: Ja.

    [9:45]
    Dr. Scharf: Und dann wollen die mir was von Demokratie erzählen.

    Nerling: Das ist Wahnsinn!

    Dr. Scharf: Da geht mir doch das Messer in Tasche auf!

    Nerling: Ja, das ist wirklich Wahnsinn, ne?!

    Dr. Scharf: Ich hab ne ähnliche Begegnung gehabt; das ist aber schon fünf, sechs Jahre her. Da hatten wir eingeladen überlebende ehemalige Zwangsarbeiter aus Bardowick. Da waren die Antifa-Leute auch dabei.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Ich kenn ja auch was davon, bin ja auch Zeitzeuge. Sage ich: Jetzt wolln wir die mal befragen, kommt mal dazu, was die uns erzählen.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Eine Frau, die sprach ziemlich gut Deutsch, und die hat uns berichtet, welche Erfahrung sie gemacht hat. Die hat wörtlich erzählt im Rathaus: „Ich hatte ne schwere Bilddarmentzündung. Ein deutscher Arzt hat mir kostenlos geholfen und mir das Leben gerettet.“

    Nerling: Ein deutscher Arzt??

    Dr. Scharf: Ja, ein deutscher Arzt.

    Nerling: Ein Faschist?? Wie ist das denn möglich?!

    Dr. Scharf: Ja, hört mal genau zu. Wollten sie nicht hören, nicht? Passte nicht in ihr Weltbild.

    Nerling: Ne, genau.

    Dr. Scharf: Es gab natürlich Betriebe usw., die diese sogenannten Fremdarbeiter schlimm gehalten haben.

    Nerling: Sicherlich.

    Dr. Scharf: Ich kam aus der Landwirtschaft. Wir hatten auch zwei solcher Fremdarbeiter.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Die durften eigentlich nicht am Familientisch essen. Aber die haben natürlich da gegessen!

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Ohne die hätten wir den Hof gar nicht bewirtschaften können. Also immer diese Verallgemeinerungen!

    Nerling: Und die wurden doch sicher nicht ausgepeitscht bei Ihnen, oder?

    Dr. Scharf: Natürlich nicht!

    Nerling: Nee.

    Dr. Scharf: Die gehörten zur Familie.

    Nerling: Ja ja.

    Dr. Scharf: Ohne denen wär das gar nicht gegangen!

    Nerling: Ja ja.

    Dr. Scharf: So. Zwei Beispiele. Ich erzähl‘ die immer, das wollen die nicht hören.

    Nerling: Nein, nein- nein, das wollen die nicht hören.

    Dr. Scharf: Aber ich nehm ja auch kein Blatt vor den Mund.

    Nerling: Nee, richtig, ne!

    Dr. Scharf: Weil: Historische Fakten muss man als solche benennen.

    Nerlich: Ich denke auch.

    [11:19
    ]Dr. Scharf: Genau, hier auch so‘n Quatsch: Da sind etwa 12.000 Soldaten gewesen. Die tun so, als ob alle 12.000 Soldaten abkommandiert gewesen seien zur Vernichtung dieser russischen Zivilbevölkerung. Quatsch ist das!
    Es gab solche Sonderkommandos. Das waren Freiwillige, die da hingingen – die wurden niemals abkommandiert! Freiwillige, die hat’s gegeben – wollen nichts beschönigen.
    Der Rest, und das waren zirka 11.000 Soldaten, die hatten alle Hände voll zu tun, sich die Russen vom Leibe zu halten.

    Nerling: Ja eben.

    Dr. Scharf: Ja natürlich. Aber das ist eine unglaubliche Geschichtsklitterung.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Wahnsinn.

    Nerling: Das ist … das ist antideutsche Propaganda, kann man sagen, ne?

    Dr. Scharf: Natürlich!

    Nerling: Und das ist rassistisch, eigentlich!

    Dr. Scharf: Richtig.

    Nerling: Das ist Rassismus!

    Dr. Scharf: Es gibt kein Land der Erde, die nicht ihre Soldaten ehrt.

    Nerling: Eben. Das ist ganz normal.

    [12:05]
    Dr. Scharf: Wirklich. Ich bin kein Ultrarechter. Aber ich trete dafür ein, dass historische Wahrheiten als solche benannt werden. So.

    Nerling: Ja.

    Dr. Scharf: Und woher kommen Sie? Was machen Sie?

    Nerling: Ich bin Lüneburger. Ich bin hier aufgewachsen, leb jetzt in Berlin…

    Dr. Scharf: Ja.

    Nerling: …und ich ertrags auch nicht mehr, diese Geschichtsklitterungen …

    Dr. Scharff: (unverständlich)

    Nerling: …vor allem: diese Redeverbote.

    Dr. Scharf: (unverständlich) Ist doch unglaublich ist das.

    Nerling: Ich halts nicht mehr aus.

    Dr. Scharf: Also wirklich, wird ganz schlimm. Mein Name ist Dr. Scharf. Ich bin stellvertretender Bürgermeister hier.

    Nerling: Dr. Scharf, Nikolai Nerling, freut mich sehr.

    [12:35]
    Dr. Scharf: Ich seh! Was ich gesagt habe, können Sie verwerten.

    Nerling: Danke schön; gefilmt sind Sie nicht.

    Dr. Scharf: Dazu steh ich, dazu steh ich. Also: Alles Gute.

    Nerling: Danke, Ihnen auch. Sie können gucken: Mein You-Tube-Kanal heißt: „Der Volkslehrer.“

    Dr. Scharf: Ja.

    Nerling: Da können Sie mal nachgucken.

    Dr. Scharf: OK.

    Nerling: Da wird das dann veröffentlicht. Danke schön, ne.

    Dr. Scharf: Tschüß.

    Nerling: Tschüß.

    Dr.- Scharf: War ne nette Begebnung.

    Nerling: Muss ich auch sagen.

    Dr. Scharf: Ja sehen Sie.

    [Während des bisherigen Gespräches war die Kamera auf das Denkmal gerichtet. Dr. Scharf entfernt sich jetzt vom Stein, kommt dabei kurz seitlich ins Bild. Nerling geht mit der Kamera zur Texttafel des „Friedenspfades“ vor an die Straße]

    Nerling: So, und jetzt schau ich nochmal diesen Friedenspfad hier an.

    [geht mit Kamera zum Infoschild des „Friedenspfades, begleitet von Dr. Scharf]

    Dr.- Scharf: Der gehört dazu.

    Nerling: Ja.

    [Kamera zeigt rückseitige Tafel mit Text zum Springintgutturm]

    Dr. Scharf: Entscheidend ist die andere Seite. Aber dies hier auch. Die andere Seite ist noch wichtiger.

    Nerling: Da schau ich hier mal. Also hier wird geschrieben: Denkmal an die Toten …

    Dr. Scharf: Da ist die Zusatzbemerkung mit drauf!

    Nerling: Ok, …15000 Mann … ja … in schweren Kämpfen umgekommen. Und jetzt hier: An Kriegsverbrechen in Osaritschi beteiligt. Ja.

    Dr. Scharf: Das ist die Ergänzung, die wir dazu gegeben haben.

    Nerling: Gut, ist doch dann eigentlich … wurde doch der Informationspflicht genüge getan.

    Dr. Scharf: Genau so.

    Nerling: Ja. Ist ja eh auch immer die Frage, von wem was behauptet wird…

    Dr. Scharf: Ja.

    Nerling: …Was ist denn auch wirklich passiert, ja?

    Dr. Scharf: Ja

    Nerling: Das ist dann noch ne andere Frage vielleicht.

    Dr. Scharf: [wegen Martinshorn unverständlich]

    Nerling: Sie können offen reden, man hört eh nichts!

    Dr. Scharf: Dann tun die so, als ob die alle 15000 Mann da bei der Vernichtung der Russen beteiligt waren!

    Nerling: Ja. Und noch lachend, wahrscheinlich!

    [13:48]
    Dr. Scharf: Einfach Quatsch ist das.

    [Nerling wechselt den Standort, nun zeigt die Kamera sein Gesicht vor dem Denkmal für Johanna Stegen und er kommentiert das eben geführte Gespräch mit Dr. Scharf aus seiner Sicht]

    [Ende des Films: 15:22)

    transkribiert von Peter Raykowski, 10. 1. 2018

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  30. Tobias Günther schreibt:

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    ich lese gerade, der Soziologe, Leuphana-Professor Dr. Ulf Wuggenig, habe in einer detaillierten, achtseitigen Stellungnahme, die Ihrer Zeitung vorliegt, sehr scharfe Kritik an den umstrittenen Äußerungen des stellvertretenden Bürgermeisters Dr. Gerhard Scharf geübt, die in dem schäbigen, inzwischen zu traurigem Ruhm gelangten YouTube-Video für leider wohl unerwünscht lange Zeit dokumentiert sein werden: https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/1386881-klage-gegen-buergermeister-dr-scharf#comment-132941

    Meinen Sie, Herr Professor Wuggenig wäre einverstanden (vielleicht, wenn Sie ihn artig bitten), dass sein Text (wie im Oktober bei der köstlichen Wolf von Norheim-Demarche) hier bei Ihnen im Forum (etwa als ein Ihrem Artikel nachgeschaltetes PDF) den Jott-Jott-Bloggern zugänglich gemacht wird? Noch toller wäre es natürlich, wenn sich Professor Wuggenig darüber hinaus sogar bereit finden würde, auf eventuell hereinschneiende Einwände, Ergänzungen, Anmerkungen oder Bitten um Erläuterungen hier in Ihren Kommentarspalten zu reagieren.

    Der Hoffnung von Frau Bergmann (s. o.), dass nach dem wohl zwingend gebotenen Rücktritt von Herrn Dr. Scharf „eine umfassende Debatte über Lüneburger Gedenkkultur in einer Breite und Intensität geführt werde, die diesen Namen tatsächlich verdient“, möchte ich mich ausdrücklich anschließen – und bloß hinzufügen, dass der Beginn einer solchen Debatte meinethalben gerne auch schon vor dem bald erwarteten Ausscheiden von Herrn Dr. Scharf – also heute zum Beispiel – liegen kann.

    Was denken Sie, Herr Jenckel, werden Sie den Herrn Professor bewegen können?

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    • jj schreibt:

      Hallo, das PDF von Herrn Wuggenig hänge ich gerne als Dokument an. Er hat übrigens auch ein Protokoll zum Video angefertigt.
      Was Dr. Scharf betrifft, der entschuldigt sich morgen in der LZ, tritt aber nicht zurück – „das liege in der Hand des OB“. Und der hat sich bereits positioniert.
      Ein kurzes Video gibt es mit CDU-Fraktionschef Webersinn. Herr Scharf wollte, vielleicht verständlich, von Video erstmal nichts wissen. Lg hhjenckel

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      • Susanne Jäger schreibt:

        Hallo Herr Jenckel,
        vielen Dank für das Wuggenig-PDF, das Sie unter Ihrem Artikel zugänglich gemacht haben. Es wäre sinnvoll und hilfreich, wenn Sie, sofern Prof. Wuggenig einverstanden ist, die Transkription der Videodatei auch hersetzten.

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      • Susanne Jäger schreibt:

        Uuuups, das ist geschehen, während ich schrieb. Die Bitte hat sich also erledigt.

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    • Tobias Günther schreibt:

      Danke, Herr Jenckel,

      wenn die Herren Mädge und Scharf das tatsächlich so machen, dann ist das ein trauriger, ein rabenschwarzer Tag für Lüneburg!

      Dr. Scharf hat, ob mit Absicht oder unfreiwillig ist gleichgültig, den Schleier fallen lassen und sich als selbstgerechter, selbstmitleidiger und geschichtsklitternder, -entstellender, -verdrehender, -verfälschender, -verhunzender, -verkehrender, -verstümmelnder, -zerkleinernder (seine eigene, verräterische Vokabel) Besserwisser geoutet. Das anzuhören war furchtbar.

      Aber dass er nun, da ihm kaum mehr jemand vertrauen und etwas davon abweichendes „Offiziöses“ glauben kann, nicht den Anstand und die Einsicht besitzt, daraus die Konsequenz zu ziehen, sondern „die Verantwortung für die Entscheidung“ wie ein Feigling an den OB delegiert und Niels Webersinn etwas von „menschlicher Verirrung“ und „lässlichen Fehlern“ zu seinen Gunsten wird in die Videokamera salbadern lassen, DAS ist kaum auszuhalten.

      Was für ein Signal.

      Statt zu seinen Ansichten zu stehen, möchte Herr Scharf sich nun „entschuldigen“. Bei wem? Bei den sechs überlebenden Waisenkindern aus dem deutschen Konzentrationslager Ozarichi? Und wofür? Dafür, dass er – privat – ein jammernder, von starken Affekten gegen in Bausch und Bogen verunglimpfte Andersmeinende getriebener Geschichtserfinder ist? Dass er als ein Opfer neben anderen Opfern gleichberechtigt dastehen möchte, als Vertriebener neben Tausenden von Ermordeten? Aber ja! Das darf er doch alles! Nur eben nicht als Bürgermeister! Begreifen Herr Mädge und Herr Scharf nicht, was es heißt, wenn nicht einmal mehr ein intelligenter Mensch wie der ehemalige Gymnasialrektor aus Oedeme ein wenig Haltung zeigt? Verstehen die beiden, dass sie einen weiteren, pseudolegitimatorisch ausbeutbaren Präzedenzfall schaffen? Dass sie an der Zerstörung öffentlicher Vernunft mitarbeiten?

      Ein Achtzigjähriger will nicht zugeben, dass er „Mist gebaut hat“? Und er weigert sich, auf dem Haufen dieses Mistes ein Zeichen gegen den brodelnden Unflat zu setzen, aus welchem heraus einer versuchte, ihn unter seinesgleichen einzugemeinden? Und inmitten von welchem seinem Bleiben nur wieder die dumpfe Botschaft entnommen werden wird: „Das wird man ja noch sagen dürfen“?

      Sie hatten es am 6. Januar 2017 selbst ausgerufen, Herr Jenckel: „Politiker mit Haltung stehen auf der Roten Liste.“ Und am Ende Ihres Artikels hatten Sie die weinerlichen Schwätzer beschrieben, denen es vor allem um sich selbst geht. Die Worte passen, als seien sie auf Herrn Dr. Scharf und seine „politischen Anwälten“ gemünzt: „Von der Spezies erwartet ein jeder, ohne dass ausreichend Fakten vorliegen, dass sie uns aus dem Stand erklärt, warum Tragödien nicht hätten anders kommen können. Es werden Hintergründe und Abgründe aufgetan. Und mit genauso fester Stimme und Schreibe erklären die gleichen Kommentatoren später, jetzt im Besitz der Wahrheit, von der zwingenden Logik, warum es natürlich hätte doch ganz anders kommen können, frei nach dem Motto: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Die Tragik ist die Vermutung, dass es heute tatsächlich ums Schwatzen geht, nicht um Gehalt, ums pure Dabeisein, und wenn schon um Haltung, dann bitte um eine biegsame.“

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      • Tobias Günther schreibt:

        Lieber Herr Jenckel,

        Sie haben gekürzt. Das ist in Ordnung. Aber würden Sie, damit nicht der Eindruck von Unfug entsteht, dann bitte auch noch den so, wie er jetzt in der Luft hängt, überflüssigen letzten Satz in Absatz vier streichen? Diesen nämlich: „Jens Maier, Björn Höcke, Siegfried Gedeon und Alexander Gauland kommen einfach so durch mit ihren niederträchtigen, menschenverachtenden Infamien.“ Vielen Dank.

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      • jj schreibt:

        Gekürzt habe ich, weil ich mich nicht der Störerhaftung aussetzen wollte, und das wäre bei Ihrer Wortwahl an der Stelle durchaus möglich gewesen. lg

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  31. Peter Schuster schreibt:

    Sehr geehrter Herr Bürgermeister Löb,

    im März des vergangenen Jahres haben Sie sich mit meiner Kommilitonin Lena Bergmann ein wirklich hochklassiges, vorbildlich argumentierendes Streitgespräch über Sinn und Unsinn des neuen Zentralgebäudes an der Scharnhorststraße geliefert. In dem Zusammenhang sprachen Sie von Ihren Erfahrungen im Kampf gegen widerspenstige Uneinsichtigkeit und leider fehlendes Geschichtsbewusstsein unter Lüneburgern, also auch unter Ihren Kollegen im Rat. Unter anderem haben Sie geschrieben, Sie erlebten und erlitten unsere „Stadt schon über 25 Jahre. Und ihre Wandlung von der Beamten – und Garnisonsstadt [zur Bildungs- und Universitätsstadt] war ein schwerer Ablösungsprozess (auch übrigens bei Herrn Mädge, der selber Berufssoldat war), der immer noch nicht vollendet ist. Für mich und meine Generation sind die Auseinandersetzungen um Kriegerdenkmäler und Kasernengeländenachnutzungen, um Straßen- und Baugebietsnamen noch sehr im Gedächtnis. Aus diesem Winkel habe ich auch meinen Blick auf das Libeskindgebäude beschrieben. Meine Priorität liegt beim notwendigen Umbruch der Stadtgesellschaft.“ (Quelle: https://jj12.wordpress.com/2017/03/13/die-leuphana-und-marschall-potjomkin/#comment-292)

    Was sagen Sie vor dem Hintergrund Ihrer damaligen Gedanken über den „notwendigen Umbruch der Stadtgesellschaft“ zu den Einlassungen Ihres verdienten, mit Verdienstorden geschmückten, langjährigen Rats- und Bürgermeisterkollegen Dr. Gerhard Scharf auf dem YouTube-Video des rechtsextemistischen Bauernfängers Nikolai Nerling? Welche Verhaltensempfehlung würden Sie Herrn Dr. Scharf für die kommenden Tage und Wochen mit auf den Weg geben?

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  32. Anne Heinen schreibt:

    Hätte nie gedacht daß ein Schulmeister und Bürgermeister so ein primitives Weltbild haben kann.

    Als er am Freitag, den 11. August 2017 „eine Reisegruppe aus dem weißrussischen Ozarichi im Rathaus der Stadt offiziell begrüßte“, informierte Lüneburgs Bürgermeister, Dr. Gerhard Scharf die Besucherinnen, „sechs älteren Damen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges in Weißrussland Gefangenschaft, Gewalt und Massensterben im deutschen Konzentrationslager Ozarichi als Waisenkinder überlebt haben“, dass er sich „mit den Geschehnissen in Ozarichi eingehender beschäftigt hat. Viele tausend Zivilisten sind dort innerhalb weniger Tage ums Leben gekommen. An den Kriegsverbrechen in Ozarichi beteiligt war auch die 110. Infanterie-Division, die in der Lüneburger Scharnhorst-Kaserne untergebracht war.“

    Auch Valentina Schischlo, die Sprecherin der Gruppe, „ordnete in ihren Worten die damaligen Geschehnisse ein und unterstrich – so die Übersetzung: ‚Nicht alle deutschen Soldaten waren Faschisten, es waren auch ganz normale Deutsche, die ihre Familie liebten und keinen Krieg wollten‘.“

    Den Damen, „die Gefangenschaft, Gewalt und Massensterben im deutschen Konzentrationslager als Waisenkinder überlebt“ hatten „vermittelte“ Herr Dr. Scharf gleich zu Anfang seiner Rede in einer seltsamen Geste der Opferkonkurrenz, dass auch er ein Zeitzeuge sei. Wörtlich: „Das gibt vielleicht ein paar gemeinsame Erinnerungen, die so etwas wie ein Band zwischen uns knüpfen können.“ Das sagt ein Heimatvertriebener zu Frauen, die jahrelang im Lager geschunden wurden und durch reinen Zufall ihrer dortigen Ermordung entgangen waren! (https://www.hansestadtlueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-8245/15474_read-76335/)

    Seit seinem denkwürdigen Videoauftritt, in dem er „sehr persönliche Gedanken offenbarte“, wissen wir nun, was Herr Dr. Scharf aus dieser Begegnung mit diesen KZ-Überlebenden und aus seiner „eingehenderen Beschäftigung mit den Geschehnissen in Ozarichi“ für sein Leben mitgenommen hat: Er, der nie in einem Todeslager seinem Henker in die Augen sah, klammert sich vor allem an die ihm von einem der davongekommenen Opfer, Frau Schischlo, zugestandene (und bei Lichte besehen absolut triviale) Wahrheit, dass „nicht alle deutschen Soldaten Faschisten waren“. Das wiederholt zu „unterstreichen“ lässt ihn, der auch Schweres durchgemacht hat, in seinem Video-Furor völlig ausblenden, dass in Ozarichi „viele tausend Zivilisten innerhalb weniger Tage ums Leben gekommen“ (vulgo: bestialisch ermordet worden und zwar von deutschen Soldaten ermordet worden) sind. Herr Dr. Scharf entpuppt sich als einer, der Gerechtigkeit für die Täter verlangt, ihn bringt ein mit Farbe geschändeter Stein heftiger in Wallung als der Gedanke an die vielen Tausend wehrlosen toten Menschen, die von einem Großteil derer, an die dieser stolze kalte Stein erinnert, in einem gewaltigen blutigen Aufwasch in wenigen Tagen hingeschlachtet worden sind.

    Der arme, so gut in die damaligen Geschehnisse eingelesene Herr Dr. Scharf. Wie unfair wird ihm mitgespielt, wenn moniert wird, dass es ihm auf dem Video eines durchgeknallten rechtsradikalen Hetzers mehr um die Gerechtigkeit für die Soldaten zu tun ist als um die erwiesenermaßen durch deren Hand – verbrecherisch – zu Tode Gebrachten?

    Was würde Valentina Schischlo wohl zu der Performance unseres Lüneburger Bürgermeisters sagen?

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  33. Arne schreibt:

    Der NDR hat die Sache aufgegriffen: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Lueneburgs-Buergermeister-auf-rechtem-Youtube-Kanal,scharf148.html

    Am Freitag wird der Spiegel reagieren. Dann die BILD. Und dann wird Lüneburg in das Zentrum eines digitalen Shit-Tsunamis rücken, der sich gewaschen hat.

    Meine Prognose.

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  34. Lena Bergmann schreibt:

    Lieber Herr Jenckel,

    wenn Bürgermeister Dr. Scharf am kommenden Montag seinen Rücktritt von allen politischen und wirtschaftlichen Ämtern und sein Ausscheiden aus dem Rat der Hansestadt Lüneburg bekannt gibt – und Sie bereits am Sonntagabend von diesem Entschluss erfahren sollten –, würden Sie, nachdem was wir inzwischen über seine privaten Ansichten wissen, zum Telefon greifen und versuchen, ihn davon abzuhalten?

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    • jj schreibt:

      Liebe Frau Bergmann, hier gilt: Ich bin dabei, gehöre aber nicht dazu.
      Der Bürgermeister hat sich entweder ziemlich unklug angestellt, dann sollte er das schnell einräumen. Die Pressemeldung der Stadt reicht nicht hin.
      Bleibt er aber bei seinen Aussagen gegenüber diesem rechten Video-Kanal, und das in diesem Kontext, an diesem Ort, dann ist er Bürgermeister auf Abruf, vermute ich. LG hhjenckel

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    • Lena Bergmann schreibt:

      Danke für die schnelle und gute Antwort, Herr Jenckel. Da sieht man mal, was Geistesgegenwart wert ist.

      Ich denke, Herr Dr. Scharf hat keine Wahl. Er muss sich in der kommenden Woche ohne Wenn und Aber zurückziehen. Seine Glaubwürdigkeit ist unwiederbringlich perdü. Und wie Herr Fischer oben im ersten Beitrag geschrieben hat: Wenn Herr Dr. Scharf beabsichtigt, die Angelegenheit auszusitzen, wird sich der Schaden binnen kürzester Zeit potenzieren, da er dann Parteifreunde und Weggefährten nötigt, sich öffentlich für ihn zu verwenden. Das hieße, eine Form bestenfalls parteitaktischer Unaufrichtigkeit zu mobilisieren, die der politischen Kultur in Lüneburg schwerste Blessuren zufügen und die, in vielen Hinsichten ja nicht grundlos grassierende, Politikskepsis stark befördern würde.

      Schade für Herrn Dr. Scharf! Aber er selbst wird schon seit gestern wissen, dass sein sofortiger Abschied zum Wohle der Stadt und daher wirklich „alternativlos“ ist.

      Ich hoffe, dass wir anschließend eine umfassende Debatte über Lüneburger Gedenkkultur in einer Breite und Intensität führen werden, die den Namen tatsächlich verdient.

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  35. Lena Bergmann schreibt:

    Die einzige Lüneburger Ratspartei, die bisher Position zu dem skandalösen Geschwurbel von Herrn Dr. Scharf bezogen hat, ist die LINKE. Herr Dr. Scharf hat seinem anmaßenden Gesprächspartner immer wieder vollmundig bestätigt, dass es hauptsächlich „die Linken“ seien, die verzerrende „Geschichtsklitterung“ betrieben (in welchem Sinne genau und mit welchem Ziel eigentlich, sagt er jedoch nicht) und die seiner eigenen, mit der des Hetzers, wie mehrmals von Herrn Dr. Scharf unterstrichen, in harmonischem Einvernehmen stehenden, wie ich denke, unterkomplexen und selbst fast ausschließlich „klitternden“ Auffassung der angesprochenen Ereignisse den Aufstieg zu allgemeinerer Geltung verstellten. Und weil ich aber die LINKE Stellungnahme überhaupt nicht für „links“ (was immer das sein soll), sondern primär für vernünftig, um Aufklärung bemüht und sachlich für angemessen halte, möchte ich zwei O-Töne daraus hersetzen:

    „Wir fordern eine Gedenkkultur, welche gegen den Krieg mahnt, indem sie die Opfer und nicht die Täter von Kriegsverbrechen in den Mittelpunkt stellt. Diese Forderung als Dummheit zu bezeichnen – wie von Herrn Scharf getan –, ist ein Schlag ins Gesicht von allen, die unter Kriegen leiden oder gelitten haben. Die bisherige Gedenkkultur, welche historische Fakten wie das Kriegsverbrechen in Osaritschi zum Teil verschweigt, ist geprägt von einem den Nationalsozialismus verharmlosenden Heldenethos, statt von historischer Aufarbeitung. Es braucht einen Dialog mit den Opferverbänden sowie ein Zuziehen der wissenschaftlichen Expertise, die hier an der Universität vorhanden ist. Nur wenn man sich der Geschichte ehrlich stellt, kann man aus ihr lernen“, so Thorben Peters, Kreisvorsitzender der LINKEN in Lüneburg.

    „Wir haben uns mit einem Brief an Bürgermeister Scharf gewandt und ihn aufgefordert, zu seinen untragbaren Äußerungen Stellung zu beziehen. Gegenüber dem rechtsradikalen Internetblogger vernachlässigte Herr Scharf die grausamen Taten, die Lüneburger Wehrmachtssoldaten an der weißrussischen Zivilbevölkerung begangen haben. Es war ihm anscheinend vor allem daran gelegen, für einen selbstbewussten Umgang mit Soldatenehrungen zu argumentieren. Auch verharmlosende Äußerungen zum Umgang mit Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern zeugen nach unserer Auffassung von einem gefährlichen Geschichtsverständnis, das eines Bürgermeisters nicht würdig ist“, ergänzt David Amri, Ratsmitglied der Lüneburger LINKEN.

    Quelle: https://www.dielinke-lueneburg.de/nc/presse/detail/news/die-linke-kritisiert-aeusserungen-von-buergermeister-scharf-zur-lueneburger-gedenkkultur/

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  36. Flori schreibt:

    Wo bleiben die Ehrenerklärungen von Althusmann und Webersinn. Sie haben sich mit einer sehr gut überlegten Weihnachtsepistel hinter den zu Unrecht vom braunen Mob in die Enge getriebenen Schulleiter des Johanneums gestellt. Warum dann nicht auch für Herrn Dr. Scharf eine PR-Meldung raushauen, über der die Überschrift lautet: „Bei Schulleiterreflexionen über ‚Gedenkkultur‘ geht es auch um die Anerkenntnis der christlichen Prägung unseres Landes“ ?

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  37. Erich Petersen schreibt:

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    wenn Publizisten und Politiker – und nun auch Lüneburger Bürgermeister – im rechten Milieu oder, wie hier, an dessen Rändern Begriffe umcodieren, ist das kein „akademisches“ und erst recht kein „privates“ Sprachspiel. Es geht dabei um Deutungshoheit. „Die Begriffe, die man sich von etwas macht, sind sehr wichtig“, heißt es bei Brecht, „sie sind die Griffe, mit denen man die Dinge bewegen kann.“

    Herrn Dr. Scharf ist zu betonen wichtig, dass die Schlächter von Ozarichi im März 1944 nicht alle „böse Menschen“ gewesen seien. Vielleicht haben die einfach falsch reagiert, als sie „dem Fremden“ so unvermittelt begegneten? – Auf fremden Boden.

    Dass der brandschatzende Mob in Sachsen, weil er seinen Gegner gar nicht kenne, nur aus „Rassismus-Darstellern“ bestehe, das bemängelt im „Tumult“ ja auch dessen Herausgeber Frank Böckelmann (Ausgabe Winter 2015/2016, S. 5) – und im selben Heft (S. 33-37) erläutert Siegfried Gerlich, Pianist und Publizist, wie ein ernster zu nehmender Rassismus argumentiert: Damals, als die Europäer auf die Ureinwohner Afrikas oder Australiens trafen, sei das ein Schock und ein Trauma gewesen – für die Europäer. Zu schmerzhaft die Erkenntnis, dass auch diese Wesen, die doch ohne Geist und Kultur, Vernunft und tiefere Empfindung waren, zur menschlichen Spezies gerechnet werden müssen.

    Ihre pure Existenz war ein Anschlag auf alles, was Europäer als Menschlichkeit verstanden. Was die weiße Rasse danach anrichtete, Unterjochung, Völkermord und die Behauptung der eigenen Überlegenheit, das müsse man als die Folge und die Verarbeitung dieses Traumas betrachten. Allerdings, so beruhigt Herr Gerlich, leitet sich aus solchen Thesen kein Herrschaftsanspruch mehr ab, nur noch die Forderung, überleben zu dürfen und in Ruhe gelassen zu werden. Die Öffnung der Grenzen führe sonst zum „Ethnosuizid“, zum Selbstmord jenes Subjekts, von dem der Rassismus aber selbst nicht genau weiß, ob es die weiße, die sogenannte arische Rasse oder nur das autochthon deutsche Volk betrifft.

    Auch die Begriffe, die ein Lüneburger Bürgermeister sich von etwas macht, sind sehr wichtig, lieber Herr Jenckel, sie sind die Griffe, mit denen er die Dinge zu bewegen sucht.

    Mag sein, dass „der Christdemokrat langjähriger Leiter des Gymnasiums Oedeme“ gewesen ist „und sich auch da nie als Gestriger, sondern eher als Reformer geriert“ hat. (Gerieren heißt übrigens: „sich gebärden, sich geben als“, also sich zeigen als jemand, der auch ganz anders sein könnte.)

    Und mag ebenfalls sein, dass „Bürgermeister“ das „Traumamt“ von Herrn Dr. Scharf ist, in welchem er bisher ohne Tadel gewaltet hat.

    Eben „weil Scharf im inkriminierten Video betont, dass man seine Äußerung ruhig bringen könne“, ist er als Repräsentant der Stadt Lüneburg ab sofort nicht mehr tragbar!

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  38. Klaus Bruns schreibt:

    in nazifallen tappt man nur, wenn man schon von ihnen angehaucht wurde. nicht nur alte männer sind da empfänglich. also,wehret den anfängen. solange es noch diese kriegsgenerationen gibt, heißt es besonders wach bleiben. es heißt nicht ,danach einzuschlafen. wie man sehen kann. auch akademiker sind nur menschen. neonazis sind neu. deren gedankengut wird trotz aufklärung bleiben. dr. scharf hat hier das gesagt, was er denkt. tut er das auch als bürgermeister der stadt lüneburg? schwer zu glauben.

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  39. Mark Reiche schreibt:

    Ich hoffe, es stellt sich bei den LZ-Recherchen nicht heraus, dass der Berliner Grundschul- und selbsterklärte Volkslehrer, der, wie man liest, aus Lüneburg sein soll, sein Abitur am Gymnasium in Oedeme gemacht hat. Das wäre dann ein merkwürdiger Zufall zuviel in dieser von merkwürdigen Zufällen nicht ganz freien Geschichte.

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  40. Susanne Jäger schreibt:

    Ich hielte es für wünschenswert, Herr Dr. Scharf, der ja nach eigener Aussage ein Mensch ist, der seinen Überzeugungen in allen Lebenslagen klaren, unmissverständlichen Ausdruck zu geben weiß, würde hier im Forum einmal detailliert darlegen, wie seine privaten Einlassungen vor dem Mikrophon des landesweit bekannten Hasspredigers seines Erachtens aufzufassen sind.

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  41. Thomas Sander schreibt:

    Zur Eingangsbemerkung jj :Werden hier letztmöglichen für LG typischen – was insbes.seine braune Vergangenheit angeht – Verteidigungslinien aufgebaut? Halten diese? Mir scheint die Lüneburger Götterdämmerung unvermeidlich. Keiner glaubt doch noch ernsthaft, dass Ragnarök
    linksversifft ist.

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  42. Antonia schreibt:

    Der 79-Jährige (Jahrgang 1938) ist NICHT „unversehens in einem Paralleluniversium gestrandet, das für ihn das Internet ist, und dann auch noch ganz weit rechts draußen auf einem Video-Kanal.“

    Der 79-Jährige ist unversehens in dem teigigen Morast gelandet, den er – leider – in seinem „privaten“ Denken und Vorstellen mit sich herumträgt, aufgehen lässt und walkt und walkt und walkt…

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    • Antonia schreibt:

      Hallo Herr Jenckel, ich räume ein, mich geirrt zu haben und bitte Sie um Entschuldigung für meine Naseweisigkeit. Sie haben recht: Oberstudiendirektor i. R. Dr. Gerhard Scharf ist Jahrgang 1939.

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  43. Marius Schneider schreibt:

    Herr Scharf war nicht „arglos und unkritisch“ sondern er verharmlost die Verbrechen deutscher Soldaten und des Nationalsozialismus, er beleidigt Bürger der Stadt als dumm und bedroht diese auch noch („Messer in der Tasche“) und unterstreicht Nazibegrifflichkeiten wie „antideutsche Propaganda“ mit einem zackigen „Natürlich“. Auch ist er nicht „unversehens in einem Paralleluniversium gestrandet“ sondern gibt eine rechte (wenn auch nicht extreme) Weltsicht von sich. Bei einem solchen Statement verwundert es nicht, das in Lüneburg immer noch Nazis, Militaristen und Kriegsverbrecher mit Denkmälern geehrt, die Opfer zumeist vergessen und eine kritische Diskussionen darüber nicht erwünscht werden.
    Kein Lavieren! Rücktritt!

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  44. Kevin Schnell schreibt:

    In einer Zeit, in welcher die Denkfiguren und das Vokabular der rechtsextremen Hetzer wieder in die Artikel und Sendungen großer Leitmedien einsickern, in denen sich dumme Politiker hinstellen und allen Ernstes eine „konservative Revolution“ fordern, ohne zu ahnen welchen Hall, welche Signalwirkung dieser Begriff unter Neo-Faschisten besitzt (oder vielleicht sogar trotzdem sie es tun), ist das Verhalten eines Lüneburger Bürgermeisters und ehemaligen Gymnasiallehrers nicht zu entschuldigen. Es kann in solchen Fragen keinen moralischen Kredit wegen vorangegangener Verdienste geben. „Scharf ist Schlesier, ein Vertriebener, einer der daran litt, der sich als Unwillkommener in Norddeutschland fühlte und der aus der Position letzter Arsch im Nachkriegsdeutschland nach oben strebte. Diese Narbe im Gemüt ist nie verheilt“? Was soll uns das sagen, Herr Jenckel? Haben wir nicht alle unser Kreuz zu tragen? Herr Scharf war sieben Jahre alt, als der Krieg endete und er und seine Familie in der Konsequenz dieses Krieges aus Schlesien vertrieben wurden. Die Dinge, über die Dr. Scharf in seinem Video-Gehechel mit Nikolai Nerling ab Minute 5:53 bis 13:50 spricht, kann er also nur vom Hörensagen oder durch Lektüre kennen. Wie die meisten der heute Lebenden. Ganz offensichtlich hat er das über viele Jahre Aufgenommene aber nie richtig verdaut und eingeordnet, sonst hätte er sich nicht zum Aussprechen derartiger Dummheiten hinreißen lassen.

    Und ist es nicht eher so, lieber Herr Jenckel, dass wohl nur einer, der die von Dr. Scharf ins Mikrofon gesprochenen Ungeheuerlichkeiten nicht ohnenin im Kopf hat, “sich nicht so [also mit dieser Emphase und mit diesen Inhalten] arglos und unkritisch“ geäußert hätte?

    So wie es ist, hilft nur: „Ich trete sofort von allen meinen Ämtern und Funktionen in Politik und Wirtschaft zurück.“ Kein Lavieren.

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  45. Ludger Fischer schreibt:

    „Herr Dr. Scharf hat der Hansestadt gegenüber deutlich gemacht, dass er bei dem zufälligen Zusammentreffen arglos und ohne böse Hintergedanken als Privatmann drauflos gesprochen hat“. (Stellungnahme der Stadt Lüneburg)

    Genau hier liegt das Problem. Herr Dr. Scharf ist nicht als Schauspieler bestellt, der im Namen der Stadt den Verständnisvollen gibt, aber die erste blöde Gelegenheit nutzt, um den tumultuarischen Unsinn seiner eigentlichen, seiner privaten Ansichten auszubreiten, der sich in seinem Inneren über „das wahre Verhältnis von Verbrechen, Schande, Scham und Ehrenhaftigkeit“ angesammelt und verhakt hat, — sondern Herr Dr. Scharf ist der Bürgermeister der Stadt Lüneburg, von dem die Bürger der Stadt – insbesondere deren Kinder, Schüler und Heranwachsende, aber auch deren Gäste, deren Besucher und deren Freunde – erwarten dürfen, dass sich sein öffentliches Reden und Handeln mit seinen „eigentlichen“, seinen „pivaten“ Überzeugungungen weitgehend deckt oder diese in jenem unverstellt zum Ausdruck kommen. Nach allem, was auf dem Video dieses unsäglich dummen Hetzers aus dem „privaten“ Munde von Herrn Dr. Scharf zu hören war, würde ich vor der Möglichkeit einer solchen Kongruenz von „privatem“ Denken und „öffentlichen“ Sprechen aber mit Entsetzen zurückweichen und rufen: „Gott bewahre!“

    Jeder, für den Worte noch etwas zählen, wird sagen müssen: Auf einen Schlag hat ein alter Mann sich auf alle Zeiten unglaubwürdig gemacht.

    Herrn Dr. Scharf, einem lebenspraktisch klugen Lüneburger, wird klar sein, dass ihm nur der umgehende Rückzug von allen seinen Ehrenämtern bleibt, will er seine Kollegen nicht zu der weiteren und größeren Schaden verursachenden Peinlichkeit bringen, dass diese sich vor dem Publikum der Stadt und des Landes wider besseren Wissens in „Statements“ oder „Pressemitteilungen“ zu seinen Gunsten verbiegen, was zu tun die Autoren der „Stellungnahme der Stadt Lüneburg“ offenbar schon meinten, ihrem Bürgermeister schuldig zu sein.

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